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Der Kopfgeldjäger

von Zinker
GeschichteAllgemein / P18 / Het
Astrid Hofferson Hicks der Hüne OC (Own Character)
04.04.2018
09.04.2021
15
21.001
6
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10.10.2019 1.677
 
Kapitel 5


„Also gut“, willigte er ein und begann. „Ich komme aus einem Dorf weit, das weit im Westen liegt. Als ich 18 war, starb unser Oberhaupt, Eric Haraldson. Sein Nachfolger sollte sein Sohn Ragnar werden. Ragnar konnte man nicht trauen. Er war verrückt! Völlig irre, er wollte die Friedensverträge mit den anderen Stämmen verletzen und sie angreifen. Wir haben ihn kurzerhand abgesetzt und einen anderen dafür bestimmt.“ Plötzlich kamen in Tjark trotz des Alkohols Erinnerungen hoch. Erinnerungen die er längst verdrängt hatte.
„Er hat das natürlich nicht verkraftet, der Irre, und ging irgendwann auf uns los und versuchte wieder an die Macht zu kommen. Wir haben ihn daraufhin gefesselt auf ein Boot gesetzt und ihn aufs Meer hinaus getrieben...“
Ohne es zu wollen, tauchten die Bilder in seinem Kopf auf.


Jahre zuvor…

„LASST MICH LOS!! IHR SOLLT MICH SOFORT LOSMACHEN, IHR HUNDESÖHNE!!!“, schrie der junge braunhaarige Mann, der gefesselt über den Steg getragen wurde. Er war stark, sogar sehr stark. Doch die Tatsache, dass er gefesselt und von zwei großen mächtigen Wikingern festgehalten wurde, lies ihn wie einen hilflosen Jungen aussehen.
„ICH WERDE WIEDERKOMMEN UND EUCH ALLE UMBRINGEN!!! HABT IHR GEHÖRT… ?! EUCH ALLE!!“ , schrie er, sodass es noch weithin zu hören war.
“Ja, ja, und jetzt halt dein dummes Maul!“, erwiderte der Wikinger mit Vollbart, der ihn vorne festhielt, „Torstein, hilf mir mal, ihn ins Boot zu heben!“
Der blonde Wikinger, der die Füße getragen hatte, setzte Ragnar zusammen mit seinem Kollegen recht unsanft in die kleine Jolle.
„Irgendwelche letzten Worte?“, fragte Torstein.
„ICH WERDE WIEDERKOMMEN UND EUCH UMBRINGEN, IHR BASTARDE!! ICH WERDE EUCH ALLE IN STÜCKE REIßEN, ICH WERDE… “, schrie der junge Mann. Ein dumpfer Schlag ertönte. Torstein hatte Ragnar K.O geschlagen.
„Träum weiter.“, meinte er mürrisch.
„Los schiebt ihn raus!“, befahl ein älterer Mann mit Vollbart und langen Haaren.
„Ja, Chef!“, antworteten mehrere Wikinger gleichzeitig und die Jolle, mit ihrem gefesseltem Fahrgast, wurde vom Steg aus aufs offene Wasser getrieben. Sobald das Boot mehrere Hundert Meter fortgetrieben war, löste sich die Ansammlung von Wikingern, die sich am Steg gebildet hatte, allmählich auf und alle verschwand wieder im Dorf.
Allein zwei junge Wikinger blieben am Steg stehen. Beide waren schlank und blond, doch während der eine seine Haare kurz trug, lies der andere seine Haare schulterlang.
„Was meinst du, Tjark“ , fragte der Blonde mit den längeren Haaren. „Wird er wirklich zurückkommen?“
„Bestimmt nicht. Der wird in ein paar Tagen tot sein.“, antwortete Tjark und drehte sich um, um nun auch zurück ins Dorf zu gehen. „Was ist Leif? Kommst du mit oder willst du hier den Rest des Tages bleiben?“
„Warte… ich komme...“, entgegnete Leif ihm in Gedanken versunken. Er wandte sich vom Wasser ab und ging mit Tjark zurück Richtung Dorf…


Einen Moment herrschte Stille unter Deck von Tjarks Schiff. Hicks wusste nicht genau, warum sein Entführer diese Pause gemacht hatte, aber der Mann schien in Gedanken versunken zu sein. Auf einmal lachte der Kopfgeldjäger bitter auf, was den Jungen zusammenzucken ließ.
„Als würde ein Boot und das endlose Meer diesen Mistkerl aufhalten! Wir waren törichte Narren, wenn wir damals ernsthaft geglaubt hatten, dass er tot sein würde! Denn natürlich kam er zurück, um uns alle umzubringen!“
Und wieder kamen die Erinnerungen.


Jahre zuvor, jedoch einige Monate später...

Der Winter nahte und die Tage wurden immer kürzer. Der Abend dämmerte und zwei in dicke Umhänge gehüllte Gestalten schlenderten durchs Dorf.
„Hast du jetzt eigentlich ein Hochzeitsgeschenk?“, fragte Leif.
„Jap“, antwortete Tjark „Ich hab zusammen mit Thorstein ein Schwert entworfen, leichter, stabiler und schärfer als alle Schwerter die du je gesehen hast. Die Klinge besteht aus gefaltetem Eisen und ist leicht gebogen.“
„Klingt interessant“, erwidert Leif, während er auf einem Stück Trockenfleisch herumkaute.
„Hast du es schon fertig?“
„Ja“, sagte Tjark, doch bevor er weiterreden konnte, zerriss ein Schrei die kühle Winterluft. Beide Wikinger hielten inne.
„Das kam aus Richtung des Hafens!“, meinte Leif alarmiert. Weitere Schreie waren zu hören, sie waren jedoch anders als der vorherige. Sie waren aggressiver.
„Wir werden angegriffen“, hauchte Tjark erschrocken.
„Scheiße“, fluchte Leif und lief sofort in Richtung der Schreie. Tjark lief ihm hinterher. Als sie den Hafen erreichten, erblickten sie ein Schlachtfeld. Die ersten Häuser brannten bereits und dutzende Männer lagen tot oder verwundet am Boden. Drei Schiffe hatten an den Stegen fest gemacht, im Schein der umliegenden Feuer erkannte er einen Krieger, der gerade einem der Dorfbewohner sein Schwert in den Leib stieß. Es war Ragnar.
„Verdammt… wie konnte er überleben?“, fragte sich Tjark. Noch bevor er einen weiteren Gedanken fassen konnte griff ihn einer von Ragnars Leuten an. Im letzten Moment wich er aus und die Klinge des Angreifers sauste ins Leere. Tjark holte aus und schlug dem Angreifer so fest es ging ins Gesicht. Der Angreifer taumelte zurück.
„Fang!“, rief Leif im selben Augenblick und warf ihm ein Schwert zu. Er hatte einem der Toten die Waffen abgenommen und stürzte sich nun selber ins Kampfgetümmel. Tjark fing das Schwert auf und rammte es dem immer noch taumelndem Gegner in den Hals. Röchelnd brach dieser zusammen. Doch plötzlich kam Tjark ein beunruhigender Gedanke. Wo war seine Verlobte? Wo bei Thor war Mala?

Er machte kehrt und lief in Richtung seiner Hütte. Kurz bevor er diese erreichte kam sie Mala ihm entgegen. Sie hatte sich eine Axt genommen und wollte in Richtung der Kämpfe. Tjark stoppte sie jedoch.
„Hör zu, ich will nicht das du kämpfst!!“, sagte er und hielt sie an den Schultern fest.
„Doch, ich werde aber kämpfen! Denkst du, ich werde zusehen, wie wir hier alle massakriert werden?“, erwiderte sie energisch.
„NEIN!“, schrie er jetzt fast, „Hör zu, in der Schmiede liegt ein Schwert für dich! Es steckt in einer schwarzen Scheide und hat eine leichte Biegung. Nimm es und dann sammelst du so viele Frauen und Kinder wie möglich zusammen und versteckst dich mit ihnen im Wald! Ich und die anderen werden euch Zeit verschaffen!“
„Nein...“, doch bevor sie noch etwas sagen konnte, drückte Tjark seine Lippen auf ihre. Doch noch bevor sie sich auf den Kuss richtig einlassen konnte, war er schon wieder vorbei.
„Tu es für mich… Bitte!“, drängte Tjark und sah ihr tief in ihre grünen Augen.
„Na gut...“, gab sie nach „Aber versprich mir das du nachkommst!“
„Ich verspreche es.“, sagte Tjark. Beide küssten sich nochmal, dann trennten sie sich.
Tjark lief zurück Richtung Hafen, doch bevor er ihn überhaupt erreichte, musste er erkennen, das es sehr schlecht für ihn und seine Leute aussah. Die Inselbewohner waren in der Unterzahl und bereits stark dezimiert. Tjark erkannte unter den Toten einige seiner Freunde und sogar seinen eigenen Vater. Ihm war von hinten ein Schwert in den Rücken gestoßen worden und als hätte das nicht gereicht hatte man ihm die Kehle durchgeschnitten. Tjark wurde von blinder Wut gepackt. Er nahm sich die Axt eines Toten und schleuderte sie in Richtung des nächstgelegenen Angreifers. Dieser war gerade dabei Thorstein, den Schmied, niederzustrecken, doch bevor er dem Verletzten sein Schwert in die Brust stoßen konnte, traf ihn Tjarks Axt im Rücken. Blut spuckend brach er zusammen. Tjark lief zu Thorstein und half ihm auf die Beine.
„Danke, das war echt knapp!“, keuchte der Schmied und hob sein Schwert auf.
„Kein Ding.“ antwortete Tjark und riss die Axt aus dem toten Angreifer. Erst jetzt bemerkte er in was für einem Gemetzel er sich befand. Die Dorfbewohner, Männer, Frauen sowie Kinder wurden auf brutalste Weise abgeschlachtet. Dann sah er ihn, Ragnar. Er stieß gerade lachend sein Schwert in einen am Boden liegenden Verwundeten.
Für einen Moment nahm Tjark alles in Zeitlupe wahr. Er sah Leif, der versuchte einen der Angreifer abzuwehren, dabei jedoch einen weiteren übersah, der ihm seine Axt in den Rücken stieß. Leif sank auf die Knie und versuchte sich zu wehren. Der erste Angreifer hob sein bereits blutverschmiertes Schwert und stieß es Leif in den Hals. Röchelnd ging er zu Boden und erstickte an seinem eigenem Blut, wenn er nicht schon vorher dem Blutverlust erlag. Als Tjark realisierte, dass er soeben seinen besten Freund hatte sterben sehen, erwachte er aus seiner Trance und verspürte nur noch blanken Hass.
„Thorstein!“, rief er und drehte sich zum Schmied um. Doch der Schmied lag bereits  mit einem Pfeil in der Brust tot am Boden. Im selben Moment wurde er selbst getroffen. Tjark griff sich an den Hals und stellte fest, dass der Pfeil ihn nur gestreift hatte. Er erspähte den Schützen und ging auf ihn los. Dieser versuchte hektisch, einen weiteren Pfeil einzulegen, war aber zu langsam. Tjark rammte ihm seine Axt in den Schädel. Der Schütze sackte in sich zusammen und er zog die Axt aus ihm heraus. Nun wollte er sich um Ragnar kümmern, der gerade einen weiteren Dorfbewohner den Kopf abschlug. Er rannte auf ihn zu und wurde prompt von zwei der Angreifer aufgehalten. Sie packten Tjark und schleiften ihn zu Ragnar.
„Soso, unser Bootsbauer. Was hatten wir hier denn vor?“, fragte Ragnar herausfordernd. Tjark jedoch spuckte ihm nur ins Gesicht. Er wusste, das er jetzt sterben würde, er hoffte nur, dass Ragnar jetzt wütend genug war, sodass es schnell gehen würde. Ragnar aber zog ein Messer und packte Tjark beim Schopf.
„Du dreckiges Stück Yakscheiße, das wirst du bereuen!“, fluchte er und stieß es Tjark in den Bauch. Vor Schmerzen schreiend sank er auf die Knie. Ragnar zog das Messer aus ihm heraus hielt es ihm grinsend vors Gesicht.
„Du wirst hier sterben.!“, lächelte er und stieß es ihm ins Auge. Tjark schrie wieder. Ihm wurde schwarz vor Augen und er kippte ohnmächtig zur Seite. Sein letzter Gedanke galt Mala.
„Lasst ihn liegen!“, befahl Ragnar, „Der verblutet eh. Und jetzt... machen wir dieses Drecksloch dem Erdboden gleich!“.

Tjark blickte Hicks an, doch er schaute durch den Jungen hindurch. Vor seinen Augen schwebte das Bild des Schauplatzes. Das viele Blut, die Leichen.

„In dieser Nacht verlor ich alles, mein Zuhause, meine Freunde und meine Familie.






So, nach sehr langer Zeit kommt von mir auch mal wieder was. Ein fettes Danke auch wieder an meine Betaleserin Bookgirl617 und wie sonst auch, würde ich mich über ein paar Reviews sehr freuen.
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