Frühlingsfest

von Lynx lynx
GeschichteHumor, Freundschaft / P16
OC (Own Character)
04.04.2018
19.12.2019
8
31341
3
Alle Kapitel
11 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
„Und du heiratest bestimmt einmal eine dieser verdammten Katzen“, lachte Alexandra belustigt über diese Vorstellung laut auf und blickte ihre Freundin schelmisch an.

„Wie kommst du denn da drauf, Spaßvogel? Ich und ein verdammter Kater? - Niemals. Da wäre mir ja ein Eichhörnchen mit Nussallergie noch lieber“, grummelte Julie vor sich hin. Wenn eines die selbsternannte Pessimistin der Runde nicht leiden konnte, dann solch unsinnige Ideen. Nun ja, zumindest wenn diese Ideen nicht von ihr initiiert waren und nach Möglichkeit zumindest etwas Chaos nach sich zogen.

„Zu eurem Paarungsband könnte ich euch Fischtörtchen backen“, sinnierte auch schon Hannah weiter. Ansonsten stand die loyale Wölfin immer an der Seite ihrer dominanten Kindheitsfreundin. Doch heute, an ihrem wöchentlichen Mädelsabend, galten andere Regeln.

Kichernd schaltete sich Alexandra wieder in das Gespräch ein und ignorierte gekonnt den bösen Blick ihrer Freundin. „Aber Liebes, für dich wäre es doch ideal. Du bist die einzige Wölfin, die ich kenne, welche in der Lage ist sich einfach einen Aufzug in so ein luftiges Baumhaus zu bauen.“

„Das ist jetzt nicht dein Ernst?“, knurrte die Soldatin. „Ich auf einem Baum mit einem ungehobelten Kater?“ Sie hielt einen Moment inne: „Allerdings wäre ein Aufzug mal etwas anderes.“ Lauernd ließ sie ihren Blick von einer Freundin zu nächsten Schweifen und fasste schließlich den Unschuldsengel unter ihnen dreien ins Auge: „Also, was ist in euren Getränken gelandet. Hast du irgendetwas aus der Apotheke mitgebracht, Hannah?“

„Ich? Etwas aus der Apotheke mitgebracht? Du brichst mir das Herz mit deinem Misstrauen“, erwiderte die Blonde theatralisch.

„Gebt mir sofort eure Gläser“, schnaubte Julie. „Vertrauen ist gut, aber bei euch beiden Hexen ist Kontrolle mein Mittel der Wahl.“

„Hast du gehört, Hannah? Wir sind Hexen. Was hast du an Walpurgisnacht vor?“, erkundigte sich Alexandra vergnügt.

Lachend sahen beide Mädchen dabei zu, wie Julie ihre Getränke einer kritischen Geruchskontrolle unter-zog. „Sauber“, grummelte diese unzufrieden mit dem Ergebnis.

„Natürlich sind die sauber, oder glaubst du wir würden etwas mitbringen, solange die Spaßbremse in der Höhle ist? Der würde uns doch bis zum Rang eines Säuglings zurück stufen und das auch nur, weil er einen niedrigeren erst erfinden müsste.“

So sauer sie im ersten Moment auch war. Über diese Bezeichnung musste selbst die eingeschnappte Wölfin lachen. Spaßbremse passte einfach so gut, wie die Faust ins Auge.

Es vergingen ein paar Augenblicke, bevor sich die Tür öffnete und Alexei, jüngster der SnowDancer Offiziere und mächtigstes Raubtier dieser Höhle, in den Raum trat.
„Wenn man vom Teufel spricht“, murmelte die Heilerin in ihren nicht vorhandenen Bart und warf dem Störenfried einen finsteren Blick zu.

„Was hören meine guten Ohren? Die kleinen Rabatzküken sind noch wach? Solltet ihr nicht schon wie die kleinen Teufelsbraten, die ihr seid, im Bett liegen?“, spielte er bewusst auf einen Spitznamen, welchen die Clique in ihrer Kindheit bekommen hatte, an. Er wirkte dezent amüsiert, doch irgendeine Laus schien ihm trotzdem über die Leber gelaufen zu sein.

„Wie war das, Alexandra?“ Eine naturgegebene Strenge und Dominanz schwang in seiner Stimme mit. „Was möchtest du mir, deinem Lieblingsoffizier, mitteilen?“

„Nichts, rein gar nichts“, zischte sie erstaunlich aggressiv für die vorher ausgelassene Stimmung.

„Julie, Hannah, geht ins Bett oder treibt euch irgendwo anders herum“, dabei interessierte es den Offizier kein Stück, das er der Störenfried dieser Veranstaltung war. „Wärt ihr nicht allesamt Erwachsen, würde ich ja für eine Rückstufung in den Kindergarten plädieren“, knurrte er sauer. „Alexandra, hiergeblieben. Wir haben noch etwas zu besprechen.“ Seine Stimme ließ keinen Zweifel, dass mit ihm im Moment nicht gut Kirschen essen war.

„Was ist dem denn über die Leber gelaufen?“, fragte Julie verwundert, als sie sich beide wie von Geisterhand vor der geschlossenen Tür wieder fanden.

„Meinst du, sie überlebt das?“, erkundigte sich Hannah besorgt. So ungerecht und unerbittlich kannte sie den Offizier gar nicht. Normalerweise war dieser die Ruhe selbst.

„Natürlich überlebt sie das. Mehr als ihr Stolz ist nicht beschädigt. Obwohl ich mich wirklich frage, was das gerade sollte“, sie zuckte mit den Schultern, „Wir können ja schließlich nichts dafür, dass Alexei seit Jahr und Tag zu dumm für einen simplen Tanz ist.“

„Solange es nicht der deinige ist. Bei dir dauert es immer ewig, bist du dich beruhigst“, grinste Hannah leicht verunglückt, bevor sie mit den Schultern zuckte, „vielleicht hat er seine Tage, soll auch bei Kerlen vorkommen. Oder Stimmungsschwankungen könnten es auch sein. Aber du hast schon recht, wenn er einmal tanzen würde, wäre der ganzen Höhle geholfen. So wie es aussieht müssen wir darauf aber warten, bis die Hölle gefriert.“

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich an manchen Tagen die Schnauze von der sogenannten Krone der Schöpfung voll habe.“ Genervt zwirbelte die schottisch stämmige Wölfin einen ihrer dicken Zöpfe zwischen den Fingern. Während ihres Gesprächs hatten sie ihren Treffpunkt schon lange hinter sich gelassen und möglichst viel Abstand zwischen den verrückten Offizier und sich selbst gebracht: „In Wirklichkeit sind das doch alles Affen, die sich als Wölfe tarnen“, schlechte Laune war doch etwas Schönes, insbesondere, wenn man Julie hieß und sich darauf ein Patent angemeldet hatte.

„Meinst du nicht, dass gegenüber einem Affen ein Kater nicht doch eine Alternative für dich wäre?“, kicherte Hannah in Erinnerung an ihr vorheriges Gesprächsthema und knuffte ihrer Freundin vorsichtig, als könnte diese zerbrechen, in die Seite.

„Ob du es glaubst oder nicht, mein Ziel ist es als Großmütterchen einmal einen Schaukelstuhl und einen bissigen Hund zu haben“, ein schiefes Lächeln stahl sich für einen Moment auf ihr Gesicht, „Da benötige ich weder Affe noch Kater“, sie unterbrach sich mitten im Satz, „Och ne, welche Affen kommen denn da?“

„Welch“ – „eine“ – „Freude“ – „die“ – „Damen“ – „hier“ - „zu“ – „treffen“ – „und“ – „auch“ – „noch“ – „als“ – „Affen“ – „bezeichnet“ – „zu werden.“

Hannah spürte sofort, dass der kurze, sehr kurze Geduldsfaden ihrer Freundin über alle Maßen strapaziert war und bald zu reißen drohte. Doch sie war nicht umsonst eine gewitzte Wölfin. Als suche sie Schutz lehnte sie sich an die tickende Zeitbombe. Wenn sie Glück hatte, würde diese Handlung Julies Beschützerinstinkt soweit beschäftigen, dass sie keine andere Möglichkeit mehr hatte, als eine Kriegserklärung gegen die Chaos-Zwillinge erst einmal aufzuschieben.

„Hallo ihr beiden“, sprach sie vergnügt über deren Schelm. „Was für einen Clown habt ihr denn heute Morgen gefrühstückt?“

„Hoffentlich einen giftigen“, lästerte Julie, während sie noch versuchte ihre Kriegspläne auszuarbeiten und heraus zu bekommen, wie sie Hannah weit, weit weg aus der Schusslinie bekam.

Kopfschüttelnd suchte Conor den Blick seines jüngeren Bruders. Es war ja nicht so, als dass sie sich alle den ersten Tag kannten. Nein, sie waren miteinander aufgewachsen, aber so aufgekratzt sah man Julie einfach selten. Die arme Hannah konnte einem da wirklich leidtun.

„Du wirkst ein wenig unausgeglichen, Julie. Brauchst du heute Abend noch einen Kampf?“, erkundigte sich der ranghohe Soldat grinsend. „Callum kümmert sich in der Zeit sicherlich gut um Hannah. Für Clownsgeschichten ist er der perfekte Ansprechpartner.“

„Ganz genau, komm mit Hannah. Ich als der vernünftigere Zwilling sage, lassen wir die zwei sich die Köpfe gegenseitig einschlagen. Julie geht es hinterher wieder besser und ich kann Conor die nächste Woche aufziehen, weil er den Kürzeren gezogen hat. Das ist eine Win-Win-Situation für uns alle – also bis auf Connor, also verrate ihm das nicht“, fügte er flüsternd, als wäre er auf einer Theaterbühne, hinzu.

„Wen nennst du hier den vernünftigeren Zwilling?“, knurrte Conor seinen Bruder an.

Julie hingegen hatte ganz andere Sorgen. Diese musterte misstrauisch Callum. „Weist du überhaupt, was kümmern bedeutet? Behalte deine Griffel bei dir.“

Angesprochener wies die Anschuldigung sogleich von sich: „Ich würde Hannah nie etwas tun, Julie und das weist du ganz genau.“

Hannah schüttelte nur den Kopf. „Also heute ist irgendetwas völlig kaputt. Drehen denn jetzt alle am Rad?“, sie seufzte. „Also großer Bruder“, sie neckte Julie, da sie fand, dass sich diese genauso benahm, „gehst du dich mit Conor fetzen, während Callum und meine Wenigkeit keusch wie die Nonnen einen Tee trinken gehen?“ Ihre Augen waren hoffnungsvoll. Vielleicht kam auf diese Art und Weise wieder etwas Ruhe in die Höhle. Innerlich schüttelte sie den Kopf. Erst spannen Alexei und Alexandra, nun Julie und die Zwillinge, die Stellvertreter des Offiziers, waren scheinbar auch nicht wesentlich schlauer. Jetzt half es nur noch, wenn jemand, der nicht von Dominanz besessen war das Ruder übernahm. Glücklicher- oder vielleicht auch unglücklicherweise war sie für diese Aufgabe prädestiniert. Ihr Rudel bestand zwar aus mehr unterwürfigen oder zumindest zivilen Mitgliedern als Soldaten, aber heute Abend war zumindest um sie herum das Gleichgewicht genau auf die andere Seite verschoben.

Grummelnd nickte Julie ihrer Freundin zu. „Na wegen mir“, mit schnellen Schritten ging sie in Richtung der Trainingshalle. Conor würde ihr schon folgen und wenn nicht konnte er sich warm anziehen. Als sie auf Höhe von Callum war, zischte sie ihm gut vernehmbar zu: „Ich erfahre alles, nur zur deiner Information.“

„Genauso romantisch hatte ich mir schon immer unser erstes Date vorgestellt. Wer braucht schon ein Picknick bei Kerzenschein, wenn eine vor Schweiß triefende Halle zu haben ist.“ Kopfschüttelnd folgte Conor Julie. „Viel Spaß euch beiden“, rief er erstaunlich gut gelaunt den beiden zurück gelassenen nach.

„Julie hält nicht viel von der Rangordnung, wenn es um dich geht“, stellte der eigentlich ranghöhere ein wenig belustigt fest. Er grinste leicht: „Also trinken wir wie die Nonnen Tee. Ich hoffe doch, da ist wenigstens etwas Klosterfrau Melissengeist für uns beide drin. Hast du einen Schleier für mich, Schwester Hannah?“

Lachend schüttelte die unterwürfige Wölfin den Kopf: „Nein, einen Schleier hab ich nicht. Aber ich kann dir meinen Schal anbieten, Schwester Callum.“ Mit diesen Worten zog sie sich ihren hübschen, frühlingshaften Halsschmuck herunter und warf ihm dem anderen zu. „Aber mal ehrlich“, sprach sie beiläufig beim Gehen, „was sollte das gerade? Ihr habt Julie doch mit Absicht provoziert. Ihre Gereiztheit wäre doch nicht mal für einen Blinden zu übersehen gewesen.“

Aufmerksam hatte der jüngere der Chaos-Zwillinge, die sich diesen Spitznamen ausdauernd als Welpen erarbeitet hatten, Hannah zu gehört. Hätte er heute einen kreativen Tag, so hätte er ihr eine wundersame Geschichte erzählen können in deren Verlauf ein Einhorn, literweise Bier und ein Bote des Königs eine Rolle spielten. Doch heute war keiner solcher Tage und so antwortete er schlicht, als sie die heimelige Rudelküche betraten: „Selbstverständlich haben wir sie mit Absicht provoziert. Conor wollte Zeit mit ihr verbringen und es hat doch geklappt, oder?“

Verwirrt und erstaunt warf Hannah einen Blick auf den Soldaten, der sich gerade auf einen Stuhl fallen ließ. Sie musste ihre Hände beschäftigen um erst einmal für sich ins Reine zu kommen. Geschwind bereitete sie einen ihrer Lieblingstees zu. Schließlich wollten sie ja Tee trinken. Sie schmunzelte leicht. Zumindest bastelte sich Callum gerade aus ihrem Schal so etwas Ähnliches wie einen Schleier.
Während sie die Teetassen auf den Tisch stellte und sich ebenfalls auf einen Stuhl sinken ließ, nahm sie den Faden des Gesprächs wieder auf: „Das war eine Anmache?“, sie war immer noch fassungslos bei dieser Erkenntnis. „Nicht euer Ernst?“

„Doch natürlich“, antwortete ihr gegenüber ungewöhnlich ernst. „Schau mal, klar ist Julie im Moment sauer und wir sicherlich nicht unschuldig. Aber du musst doch zugeben, dass sie einfach nichts von Verabredungen hält. Conor hat es auch schon anders versucht. Jetzt greift er eben über die Hintertür an und ich als sein Bruder helfe ihm natürlich.“

Hannah stützte die Arme auf den Tisch auf und verbarg ihren Kopf in den Händen: „Typisch Männer“, grummelte sie. „Sonst könnt ihr doch auch immer Klartext reden, aber bei so etwas flüchtet ihr euch in Ausflüchte.“

„Ach tun wir das?“, ein spitzbübisches Lächeln stahl sich auf Callums Gesicht. „Schau mich an, Hannah“, forderte er ruhig, wartete ab, bis sie zumindest die Hände herunter nahm und vorsichtig zu ihm herüber spähte.

Hannah verfluchte sich innerlich. Gerade war es ihrer Wölfin doch noch völlig egal gewesen, dass sie Callum mit einem Happs verschlingen könnte. Doch nun war ihr wieder bewusst, was für ein gefährliches Raubtier er eigentlich war. Denn er war nicht nur schlimmer als sämtliche der kleinen Rabauken, nein, in seiner ersten Berufung war er nicht umsonst einer von Alexeis Stellvertretern.

„Hier bin ich“, machte der Soldat wieder auf sich aufmerksam. Er richtete seine Worte an die unsichere Wölfin: „Ich tu dir nichts, hab keine Angst.“
Zufrieden sah er, dass sich Hannahs Kopf ein wenig hob. Das reichte ihm, mehr konnte er von ihr nicht verlangen. Langsam, so dass sie sich nicht erschreckte, legte er einen Finger unter ihr Kinn und verhinderte damit, dass sie sich zu schnell wieder zurückzog.

„Dann habe ich einmal eine klare Frage für dich: Würdest du mir die Ehre erweisen, meine Begleitung für das Frühlingsfest zu sein?“

„Frühlingsfest?“, jappste Hannah auf. „Welches Frühlingsfest?“ Es dauerte einige Augenblicke, bis sich die Puzzleteile in ihrem Gehirn zusammensetzen. „Begleitung? Wirklich?“

„Du denkst schon richtig, Hannah“, antwortete Callum ruhig, immer die Wölfin in ihren Augen im Blick, um diese nicht zu bedrängen und einzuengen. „Ich meine das Frühlingsfest, welches unser Offizier dieses Jahr plant zu veranstalten.“ Er grinste schief: „Wie lange kennst du mich schon, kleine Wölfin? Mit solchen Dingen mache ich keine Witze. Es war mir damals, zu meinem Schulabschluss schon eine Ehre, dass du mich begleitet hast und ebenso bei dem deinigen, als ich dich begleiten durfte.“

Sie sah ihn mit großen Augen an. Das war alles schon so lange her, aber es stimmte, was er sagte. Damals hatte sie ihn und dann er sie begleitet. Es war nichts Verwerfliches dabei: „Also gut“, stimmte sie schließlich zu, „aber nur, weil alle guten Dinge drei sind.“

Er lächelte erfreut: „Ich danke dir.“

Sie wusste gar nicht, wie Recht sie hatte. Alle guten Dinge waren tatsächlich drei, aber wahrscheinlich anders, als es sich Hannah vorstellte. Callum grinste wölfisch in sich hinein. Das konnte noch lustig werden.




Missmutig blickte Conor Julie an. „Hast du dich nun beruhigt, oder brauchst du noch eine zweite Runde?“ Sein Wolf stand ihm in den Augen. Er war natürlich darauf gefasst gewesen, dass die Wölfin ihn beim Wort nehmen würde, aber sie kämpften jetzt schon mindestens eine halbe Stunde und langsam wurde die Zeit knapp.

Ja, das war schön gewesen. Ihre Wölfin heulte in ihr. Endlich konnte sie diesem nervigen Zwilling einmal zeigen, wo der Hammer hing. Gut, er war stärker als sie, aber das lag nur daran, dass er älter war und sich schon länger mit Kampfkünsten befasst, als sie. In ein oder zwei Jahren konnte sich das Blatt schon wenden und vielleicht würde sie ihm dann auch seine Stellung streitig machen.
Sie warf ihm einen musternden, abschätzigen Blick zu, bevor sie ihm den Rücken zu drehte und zu dem kleinen, überaus praktischen Minikühlschrank ging, welcher seinen Platz am Rande der Halle erhalten hatte. Wortlos warf sie ihrem Kontrahenten eine Wasserflasche zu, bevor sie erst einmal selbst etwas trank.

„Nein, passt schon. Wir können mit dem Abendprogramm weiter machen“, erwiderte sie leicht hin. „In zehn Minuten dann? So“, sie warf einen Blick zu ihm, „können wir nicht aufkreuzen.“

„Auf gar keinen Fall, es wäre ihnen zuzutrauen, dass wir Stubenarrest oder noch schlimmer Bettruhe für unser jetziges Aussehen bekommen.“

Die zehn Minuten waren gerade abgelaufen, als beide, nun auch wieder vorzeigbar, im Gang aufeinander trafen und die letzten Meter bis zu ihrem Ziel gemeinsam gingen.

Bevor Conor noch anklopfen konnte, hatte ihn Julie mit zwei schnellen Schritten überholt und es selbst getan. Sein Knurren hinter ihr quittierte sie mit einem unverhohlenen Lachen über ihre Schulter: „Immer wachsam“, grinste sie und wiederholte einen seiner Lieblingssprüche aus seinen Trainingseinheiten.

„Immer wachsam“, nickte Conor zustimmend, bevor diesmal er die Tür nach einem Herein von drinnen öffnete. Es gefiel dem Wolf, dass Julie mit ihm spielte.

Mit einem triumphierenden „Große Straße“ und dem darauffolgenden nüchternen „Pasch“ wurden sie empfangen.

„Was macht ihr denn da?“, erkundigte sich Julie erstaunt.

„Unsere Probleme auskarteln natürlich“, antwortete Alexei trocken. „Wo nach sieht es denn aus?“

„Nimmt man dafür nicht eigentlich Karten?“, erkundigte sich Conor neugierig, schnappte sich Julies Arm und zog diese mit sich zu Boden.

„Lass mich los“, maulte diese auch schon und rutschte schnell von diesem weg in Richtung ihrer Freundin.

Eben erwiderte auch schon: „Normal schon, aber Alexei spielt keine Karten“, sie raunte gut vernehmbar, „die sind nicht so leicht zu zinken wie Würfel.“

Der Offizier knurrte: „Ja, ich spiele nicht Karten mit jemanden, der es sich zur Aufgabe gemacht, die Regeln jede Runde neu zu erfinden“, er verschrenkte die Arme lässig vor seiner Brust, „Du kannst einfach nicht zu geben, dass du verloren hast. Denk dran, Weib, Wettschulden sind Ehrenschulden.“

„Ach, du kannst mich mal“, grummelte sie nur.

„Worum habt ihr überhaupt gewettet, Alexandra?“

„Nur um den Grund seiner schlechten Laune vorhin“, erwiderte die Heilerin schulterzuckend.

„Hat sie dich schon wieder abgewiesen?“, erkundigte sich Connor mitfühlend, aber mindestens genauso belustigt bei seinem Chef.

„Nicht nur einmal, allein heute viermal.“ Wenn man Alexei nicht wirklich gut kannte, hätte man meinen können, er wäre sehr sauer gewesen, jedoch traf dies auf die Anwesenden nicht zu. Diese hatten nämlich sehr wohl erkannt, dass der Wolf in ihm jede Abfuhr als zusätzliche Herausforderung ansah. „Aber nun ist es ja geklärt, nicht wahr, mein Herz?“, erkundigte er sich zuckersüß.

„Ja, ja, wegen mir“, antwortete Alexandra zwar wenig überzeugt, aber zumindest ehrlich. Denn wenn tatsächlich etwas verpönt war, dann ein Versprechen zu brechen.

„Aber mal etwas anderes“, sprach die Heilerin, „warum habt ihr so lange gebraucht? Seid ihr von einer Horde Elefanten aufgehalten worden oder einer Andacht? So groß ist die Höhle doch nicht.“

„Wir sind einen Umweg gelaufen, dass Hannah keinen Verdacht schöpft“, erwiderte Julie trocken und blitzte Conor an, dass es dieser ja nicht wagte etwas anderes zu sagen.

Doch jener nickte nur zustimmend: „Sie glaubt, wir haben ein Date und Callum lenkt sich fachmännisch ab. Die Wahrscheinlichkeit ist wirklich gering, dass sie zufällig hier vorbei kommt. Also lasst uns lieber einmal planen.“

„Ein Date?“, diese Äußerung war aus zwei Mündern gekommen. Einmal aus dem von Alexei, der äußerst belustigt darüber schien und sich mit Conor abklatschte. „Wurde ja auch mal Zeit.“ Und einmal von Julie, die wie ein Springteufel in die Luft schoss und auf Conor zu schoss. „Na warte, wenn ich dich erwische“, fauchte sie, wurde aber von ihrem Racheplan abgehalten, als ihre Freundin rief: „Keine Morde auf der Krankenstation!“

Die vier sahen sich an. Wie auf ein geheimes Kommando brachen alle gemeinsam in lautes Lachen aus. Sie waren schon so ein Haufen. Doch es dauerte tatsächlich nicht mehr lange, bis sie sich konzentriert in ihre Arbeiten vertieften.

Es war weit nach Mitternacht, als still und leise drei Gestalten die Heilerwohnung verließen. Die Planungen standen, jetzt wurde es Zeit für die Umsetzung.


~~~~~~~~~~~

Geplant war eigentlich ein Oneshort und meine Idee hat sich auch wirklich gut dafür geeignet. Tja, nur ist irgendetwas beim Schreiben schief gelaufen und das Ende ist noch nicht in Sicht.

Trotz alledem hoffe ich, dass das Geburtstagskind (und alle anderen Leser) ihren Spaß beim Lesen hatte.

Bis irgendwann in der Zukunft,
der Luchs