Sexx – Celebrity's Hunter [Cameron Monaghan (& Katie McGrath) Fanfiktion]

GeschichteRomanze / P18
04.04.2018
18.10.2018
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Rekeln tat sich die brünette Schönheit unter der weißen Seidenbettwäsche und blickte auf den großen Kronleuchter über ihr, der durch die vielen, kleinen Kristalle in der morgendlichen Sonne funkelte. Die Suite, in der sie sich befand, war die Teuerste in diesem Hotel gewesen und trotzdem war sie schon an ganz anderen Orten aufgewacht, die den Luxus, den sie hier vorfand, um Längen übertrumpfte. Auch der Anblick ihres Bettgenossen war schon einmal schöner gewesen, doch was tat man nicht alles für das liebe Geld? Außerdem scherte sie sich nicht wirklich darum, neben wem sie genau aufwachte, solange er reich und berühmt war. Besonders berühmt und besonders reich – das waren ihre Kriterien, mit denen sie durch das Leben ging und alles flachlegte, das nicht bei drei auf den Bäumen war. Dabei war es ihr egal, ob männlich oder weiblich, ob Single oder verheiratet, ob willig oder eher nicht ganz so willig (aber trotzdem nicht in der Lage ihr zu widerstehen). Eigentlich machte sie es für sich und nur nebenbei für das Geld. Doch ihr ganz besonderer Stil hatte sie an die Spitze befördert! Als eine der berühmtesten Künstlerinnen ganz Amerikas galt sie. Ihre Stammkunden prügelten sich förmlich um ihre Werke, die sie ihr aus der Hand rissen und gar nicht genug für diese extravaganten Gemälde zahlen konnten! Wenn sie doch nur wüssten, welcher Hintergrund sich hinter ihren Bildern versteckte!
Die Brünette grinste zufrieden und legte ihre zierlichen Hände hinter ihren Kopf. Die weiße Bettdecke war verrutscht und legte ihren nackten Oberkörper frei. Ihre Fußsohlen ließ sie über das geschmeidig-weiche Laken gleiten und ließ letzte Nacht Revue passieren. Das war einfacher, als einem Baby den Loli zu klauen, dachte sie. Wenn sie sich vor Augen hielt, wie bereitwillig der junge Schauspieler sich auf sie eingelassen hatte, als hätte er nur darauf gewartet mit ihr ins Bett zu steigen. Dabei war er – laut ihren Recherchen – seit etwa einem halben Jahr in festen Händen und schien auch ganz glücklich mit seiner Partnerin zu sein. Vielleicht war er doch nicht ganz so glücklich gewesen wie angenommen, oder aber er konnte der märchenhaften Schönheit der Künstlerin einfach nicht widerstehen. Womöglich waren es beide Gründe gewesen, die in eins zusammengeflossen waren. Er hatte sie ja förmlich angebettelt mit ihm in diese Suite zu gehen, die er für ein paar Wochen bezog – doch nur so lange, bis er mit den Filmarbeiten seines neuen Films fertig war. Davon hatte er am Abend berichtet, doch sie hatte nicht zugehört. Wen interessierten schon Geschichten des Lebens, wenn sie doch Sex hätten haben können? Wie auch immer: Drink für Drink hatte er getrunken. Kurz bevor die Künstlerin zu ihrem kleinen Hilfsmittel griff – K.O.-Tropfen, die sie ihm in den letzten seiner Drinks kippte – hatte er noch gesagt, er könnte sich vorstellen mit ihr “wegzugehen“. Für sie hatte es wie eine Einladung geklungen, wie eine Einwilligung und Einladung zum Sex. Dies war ihr nächstes Kriterium: Es wird nur mit jemandem geschlafen, der es auch will und deutlich ausspricht. Die Droge, die sie ihren One-Night-Stands verabreichte, diente nur zu ihrer eigenen Sicherheit, denn sie wollte nicht, dass sich jemand an sie erinnerte und ihr auf die Schliche kam. Zusätzlich schob sie allen Hotelangestellten, denen sie begegnete, zwei, drei grüne Scheinchen zu, sodass sie darüber schwiegen, das sie gesehen hatten, wie sie mit ihren Begleitern in den Zimmern verschwand. Das saubere Image war eben der Freifahrtschein in die Liga der Reichen und Schönen, in der sie deutlich verkehrte. Millionenschwer war sie – gleich mehrfach. Und das alles nur wegen einer einzigen, grandiosen Idee.
Im Milieu der Öffentlichkeit trug sie den Namen: Sexx. Leicht zu erraten, welche Inhalte ihre Werke hatten. Ihren persönlichen Stil hatte sie darin gefunden, Menschen nach dem Sex darzustellen. Vor Jahren (als sie noch ein Niemand war) hatte sie festgestellt, dass jede Person eine individuelle Schlafposition einnahm, nachdem sie sich von ihren berauschenden Orgasmen erholt und weggetreten waren. Natürlich hätte sie jede x-beliebige Person nach dem Sex darstellen können, doch sie hatte es sich zum Ziel gemacht, nur schwerreiche, berühmte Promis abzubilden. Dies verlieh ihr den Kick, den sie in ihrem öden Alltagsleben auf Hochtouren brachte. Sie führte Buch darüber, mit wem sie geschlafen hatte und mit wem sie es noch plante. Ihr ging es um den Spaß an der Jagd nach bereitwilligen “Opfern“. Man konnte ihre Vorliebe schon als geheimes Hobby bezeichnen. Offiziell war ihr Hobby natürlich das Malen und Fotografieren – das war es, was die Magazine und Zeitungen über sie schrieben. Nur sie bestimmte, was öffentlich gemacht werden sollte und was nicht. Sie bestimmte, wie viel die Leute von ihr wussten und wie viel nicht. Alles in einem hielt sie sich eher geheimnisvoll, das machte sie eben interessant. Nicht viele Menschen ließ sie an sich heran, dies hatte allerdings persönliche Gründe. Früher war sie definitiv anders gewesen. Aber nicht das Geld und der Ruhm hatte sie verändert, nein. Schuld war nur eins: Die Liebe. Seither – seit dem Tag, an dem ihr das Herz gebrochen wurde – machte sie um dieses Thema einen großen Bogen. Das Gefühl der Verliebtheit vermisste sie nicht. Im Gegenzug hatte sie ja den einmaligen Sex mit irgendwelchen reichen Promis und das genügte ihr voll und ganz. Wenn man sie fragte, ob sie sich nicht nach einem langzeitlichen Partner oder einer Partnerin sehnte, so antwortete sie mit einem klaren “Nein“. Denn eine Partnerschaft einzugehen, bedeutete gleichermaßen seine Freiheit aufzugeben. Sie wollte unabhängig sein. Ausgehen wann sie wollte. Nach Hause kommen wann sie wollte. Niemand sollte ihr dabei in die Quere kommen. Kein Mann, keine Frau und (wenn sie irgendwann eins haben sollten) kein Kind. Unabhängigkeit bedeutete also gleichermaßen Einsamkeit. Mehr oder weniger zumindest. Sexx war zufrieden mit ihrem derzeitigen Leben und das war nun einmal die Hauptsache.
Sie drehte ihren Kopf nach rechts. Dabei raschelte und knisterte das weiche Kopfkissen. Der gutaussehende Schauspieler schlief tief und fest – andererseits hätte sie den Typen, der ihr die K.O.-Tropfen verkauft hatte, wohl angeklagt. Er lag auf dem Bauch und hatte seinen Kopf auf seinen Armen gebettet. Vollkommen entspannt waren seine Gesichtszüge und Sexx stellte fest, dass er sie an ein niedliches, schlafendes Babyhäschen erinnerte, während er so komatös weggetreten war. Äußerlich gefiel er ihr, doch das war auch schon alles. Seine kurzen, braunen Haare standen in alle Himmelsrichtungen ab. Sein ovales Gesicht umrahmte ein kurzer Bart und seine langen, dichten, dunklen Wimpern wirkten wie schwarze Schmetterlingsflügel. Die Künstlerin erinnerte sich an ein grünes Augenpaar – das wahrscheinlich Grünste, das sie je gesehen hatte. Beinahe schade, dass sie gestern Abend wohl zum letzten Mal in sie hineingeblickt hatte. Doch so war die erste Regel:Es wird nur einmal miteinander geschlafen, denn es ist nur ein Geschäft.
So schön warm und gemütlich war das Bett, aber sie musste sich jetzt an die Arbeit machen. Sie schwang ihre langen, dünnen Beine, für das jedes Model getötet hätte, aus dem Kingsizebett und glitt von der Matratze herunter. Ihren dunkelroten Slip fand sie unter dem Bett und ihr dazu passender BH hing an der Nachttischlampe, auf dem Nachttischschränkchen. Beides zog sie an und streifte sich dann ihr enganliegendes, cremefarbenes Etuikleid über, das sich an ihren Körper schmiegte wie eine zweite Haut. Daraufhin tapste sie zu ihrer Handtasche hinüber, die sie neben das Schränkchen gestellt hatte und zog ihre hochprofessionelle Miniaturkamera heraus, die in etwa so viel gekostet hatte, wie ein Kleinwagen. Prüfend blickte sie zu den bodentiefen Fenstern, die von dünnen, weißen Vorhängen bedeckt waren. Sexx musste für gutes Licht sorgen, damit die Fotos nahezu perfekt werden würden. Mit der Kamera in der Hand ging zu den Fenstern hinüber und schob die Gardinen zur Seite. Gleich fiel das dominante Licht der heißen, hellen Sonne in die Hotelsuite hinein und beleuchtete dessen dunkelgrünen Wände. Sofort erschien der kühle, helle Marmorboden unter den nackten Füßen der Künstlerin etwas wärmer zu sein.  
Sexx blickte zufrieden durch das Fenster. Vor ihr erstreckte sich ganz Los Angeles. Über nahezu alle Dächer der Großstadt konnte sie blicken. Die Menschen, die schon durch die lebendigen Straßen huschten, wirkten wie winzige Ameisen. Dieser Ausblick war zwar schön, aber nichts im Vergleich zu dem, den sie zu Hause hatte, denn von ihrem Schlafzimmer und ihrem Atelier aus, hatte sie freien Blick auf den Santa Monica Beach, inklusive dem Santa Monica Pier. Oft stand sie abends vor dem Fenster und beobachtete stundenlang das Schauspiel der vielen bunten Lichter des freizeitparkähnlichen Besucherzentrums. Besonders das große Riesenrad hatte es ihr angetan. Selbst war sie allerdings noch nie damit gefahren oder gar am Strand gewesen. Immer hatte ihr die Zeit gefehlt. Eigentlich schade, aber so war das nun einmal, wenn man reich und berühmt sein wollte: Man musste arbeiten und arbeiten und noch mehr arbeiten.
Zufrieden stellte Sexx fest, als sie sich wieder zum Bett wandte, welches genau gegenüber des Fensters lag, dass der Schauspieler sich keinen Zentimeter gerührt hatte. Sie schaltete die Kamera ein und ging an das Fußende des Bettes. Vorsichtig zog sie die dünne Bettdecke vom nackten Körper des jungen Mannes, welche er sich fast bis über den Kopf gezogen hatte, nachdem er sich von der Schönheit heruntergerollt hatte und gleich darauf eingeschlafen war. Sexx zog die Decke nur bis zu seinen Kniekehlen herunter, sodass sie freie Sicht auf seine blanke Rückansicht hatte. Der muskelbepackte Oberkörper des Dunkelhaarigen war wie ein Dreieck geformt und sein runder Hintern wirkte wie zwei nebeneinanderliegende Billardkugeln. Makellos-glatt war seine gebräunte Haut, unter der sich seine starken Muskeln abzeichneten. Er war ein guter Fang, so stellte Sexx fest, als sie ihn durch das Objektiv der Kamera anblickte und ein Foto schoss. Der Kontrast der gebräunten Haut mit dem schneeweißen Bettbezug gefiel ihr. Schöne Fotos würde das geben, da war sie sich sicher!  
Die Kamera gab eine Art Knacken von sich, als sie ein weiteres Foto schoss. Kurz überlegte sie, wie sie die ganze Komposition interessanter gestalten könnte und stieg kurzerhand auf das Bett. Die weiche Matratze gab unter ihren nackten Füßen nach. So weich hatte sie sie gar nicht in Erinnerung gehabt, sodass sie beinahe das Gleichgewicht verloren und auf den Schauspieler gefallen wäre, doch sie konnte sich gerade noch auffangen.
Der Körper des schlafenden Mannes lag vor ihr, wie vor einem Präsentierteller. Sie schoss ein paar Fotos aus der Vogelperspektive und stellte mit Zufriedenheit fest, dass dies überaus perfekte Bilder geworden waren, mit denen sie sehr gut arbeiten konnte. Hiermit war ihr Job erledigt. Mit einem Grinsen im Gesicht stieg sie vom Bett herunter und steckte ihre Kamera zurück in die Handtasche. Ihre hohen Pumps, die farblich zu ihrem Kleid passten, lagen im schmalen Eingangsbereich der Suite herum. Leise schwang sich die Schönheit ihre Tasche um die Schulter und sammelte ihre Schuhe ein, ehe sie noch einen letzten Blick über die Schulter riskierte. Noch immer hatte der Schauspieler sich nicht bewegt. Mit einem Lächeln warf Sexx ihm einen Handkuss zu und winkte ihm kurz mit wippenden Fingern zum Abschied, ehe sie ihren Weg fortsetzte. Bye, bye, baby, fügte sie im Inneren hinzu und schritt dann im eleganten Gang aus der Suite.
Der Fahrstuhl brachte sie nach unten in die Empfangshalle, die genauso schick und luxuriös eingerichtet war, wie die Suite, aus der Sexx gerade kam. In dem hellen, weißen Marmorboden konnte man sich spiegeln und die Wände der Halle waren in einem schlichten Dunkelrot gehalten worden. Mit goldenen Rahmen verzierte Gemälde hingen an den Wänden und kerzenförmige Lampen, aus dunklem, glänzenden Kunststoff spendeten ein gedämpftes, beruhigendes Licht. Hinter der dunklen, glatten Empfangstheke stand ein junger Herr, der Sexx freundlich anlächelte. Hübsch war er, doch er passte nicht in Sexx' Entourage. Sie gab sich nicht mit Hotelpersonal herum, egal wie nett, gutaussehend und höflich sie doch waren. Eben spielte sie in einer ganz anderen Liga als sie und sie gehörten nicht zur gleichen Klasse. Es klang zwar arrogant und oberflächlich, doch auch ein sogenannter “Normalverdiener“ würde sich auch nicht auf eine Liebschaft mit einem Obdachlosen einlassen, nicht?
Mild lächelte sie zurück. Sie wusste, dass sie gut aussah. Vielleicht sogar mehr als das – sie sah märchenhaft aus! So wunderschön, dass ihr beinahe jeder verfiel, als ob sie eine Art Sirene wäre. Deshalb war es normal für sie, dass man ihr hinterherguckte oder man sie von der Seite anmachte. Der junge Hotelangestellte lief bis über beide Ohren rot an, als er Sexx' atemberaubendes Lächeln bemerkte und wünschte ihr murmelnd (und vor allem schüchtern) einen schönen Tag.
  „Danke. Ihnen auch.“, erwiderte Sexx mit engelsgleicher Stimme. Im Fahrstuhl hatte sie sich ihre Pumps über die Füße gestreift, die nun auf dem glatten Boden mit jedem Schritt klackerten. Die junge Künstlerin liebte dieses Geräusch! Es hatte einfach etwas weibliches an sich und dadurch fühlte sich die Schönheit noch femininer, als sie eh schon war.
Der rot-angelaufene Hotelangestellte blickte Sexx hinterher und staunte nicht schlecht über ihre perfekten Kurven und den granzilen, langen Beine. Perfektionismus hatte in ihr ein neues Level erreicht, beinahe so, als wäre sie selbst die personifizierte Perfektion!
Sexx fuhr sich einmal durch ihr haselnussbraunes, langes Haar, das ihr in perfekten, seidigen Locken über die Schultern fiel, als sie hinaus auf die Straße trat. Sie konnte nichts dafür, das war nun einmal ihre natürliche Haarstruktur. Ein Glücksgriff, denn dies ersparte ihr lästiges Stylen vor einem Date oder einem Auftritt. Die Schönheit kniff die Augen zusammen, denn das grelle Sonnenlicht blendete sie. Angenehm warm war es, doch da es noch recht früh am Morgen war, konnte sich das rasch wieder ändern. Oft war es hier viel zu heiß, um vor die Tür zu treten.
Mit großen, selbstsicheren Schritten ging Sexx den Bürgersteig entlang. Recht viele Menschen waren auf den Straßen unterwegs, doch das Hotel lag ja auch mitten im Zentrum Los Angeles, weshalb dies nicht ungewöhnlich war. Der Verkehrslärm dröhnte ihr in den Ohren. Davon hatte sie im Hotelinneren nichts mitbekommen. Während sie sich ihren Weg durch die Menschen bahnte, drehte sie sich immer wieder Richtung Straße um, in der Hoffnung, ein Taxi zu erblicken. Den ganzen Weg bis nach Hause wollte sie ungern in diesen hohen Schuhen laufen. Sie waren als nettes Accessoire gedacht und nicht als Wanderschuhe! Glücklicherweise erkannte sie schnell zwischen den anderen Verkehrsmitteln ein gelbes Taxi, das sie per Pfiff und einem Winken, direkt neben sich, zum Stehen brachte. Sie stöckelte zum Auto und ließ sich auf der weichen Rückbank nieder.
  „Zur 4th Street in Santa Monica.“, erklärte sie dem dicklichen Taxifahrer knapp, der gleich darauf das Taxi wieder in den Stadtverkehr lenkte.

Etwa eine halbe Stunde dauerte die Fahrt. Sexx reichte dem Taxifahrer ein großzügiges Trinkgeld, zusätzlich zu den allgemeinen Fahrtkosten und stieg dann aus. Ihr Loft lag in einem zwölfstöckigen Gebäude, das sich unmittelbar neben einem japanischen Restaurant befand. Schon öfters hatte sie dort gegessen, wenn ihr mal wieder nach etwas “Einfacherem“ war. Während sie in das Wohngebäude und gleich darauf in den Fahrstuhl schritt, der sie in ihr Loft bringen sollte, überlegte sie, wann sie das letzte Mal dort gegessen hatte. Schon viel zu lange war es her. Das musste geändert werden und so beschloss sie, sich am Abend etwas frisches Sushi zu genehmigen. Doch erst musste sie noch andere Sachen erledigen.      
Der Fahrstuhl hielt im letzten Stockwerk an. Zwei Schritte, mehr brauchte es nicht, um zu der Wohnung zu gelangen, die die Einzige in dieser Etage war. Sexx öffnete die Tür und trat in ihr eigenes, persönliches Paradies ein. Ihr Loft war in zwei “Etagen“ eingeteilt, wobei das obere Stockwerk wohl eher als Dachboden bezeichnet werden konnte und nicht als eigenständiges Stockwerk. Im unteren Bereich lag Sexx' Atelier und Wohnbereich, im oberen Bereich ihr Schlafzimmer. Eine metallische Wendetreppe verband beides miteinander.
Als Sexx durch die Tür schritt, blickte sie gleich zentral auf ein Dutzend ihrer (noch unverkauften und unveröffentlichten) Kunstwerke, die an den Wänden hingen oder die sie einfach gegen sie gelehnt hatte oder die ordentlich auf Staffeleien standen. Ihr Stil war eindeutig: Fotografie in Verknüpfung mit Acrylmalerei. All ihre Werke zeigten schlafende Menschen, deren Gesichter nicht erkennbar waren. Mittels gezielten, kontrollierten, bunten Farbstrichen, verwandelte sie jedes Kunstwerk in eine individuelle, außergewöhnliche Kreation ihrer kreativen Fantasien – und die Leute liebten es. Als sie ihr allererstes Werk schuf, hätte sie es nicht für möglich gehalten, dass sie jemals damit Geld verdienen würde. Sie war zu der Zeit achtzehn oder neunzehn Jahre alt gewesen. Modell war ihr damaliger Freund gewesen – die einzige Beziehung, die sie bisher gehabt hatte. Obwohl er sie betrogen hatte, nachdem sie etwa ein Jahr zusammen gewesen waren, hatte sie es nicht übers Herz bringen können, das Werk zu verkaufen oder wegzuschmeißen. Stattdessen hing es jetzt direkt über ihrem Bett. Eine furchtbare Ironie, doch für Sexx steckte eine wichtige Intention dahinter: Es sollte sie lehren, wie schrecklich und qualvoll die Liebe doch war und sollte sie daran erinnern, niemals wieder eine Beziehung einzugehen.
Die junge Künstlerin wandte sich von den vielen Kunstwerken ab und ging nach rechts, in das Loft hinein. Mitten im Raum standen zwei quaderförmige Säulen, die – wie der Großteil des Lofts – in weiß gestrichen waren. Außnahme war die komplette rechte Seite des Raums, dessen Wände mit einer Tapete tapeziert worden war, sodass es so aussah, als wäre diese Wand aus beige-grauen Ziegelsteinen errichtet worden. Doch dahinter verbarg sich lediglich Beton und Putz. Ebenfalls wurde eine der vier Wände – die nun von Sexx aus zentral-liegende – durch ein einziges, riesiges Fenster ersetzt, in welches viele kleinere, waagerechte und senkrechte Streben eingebaut worden waren, sodass das Sonnenlicht viele Quadrate auf den hellen Laminatboden warf. Durch die Verglasung hatte man einen wundervollen Blick auf den Santa Monica Beach, sowie dem Santa Monica Pier. Besonders der Sonnenuntergang hatte etwas magisches an sich, den Sexx gerne von ihrer gemütlichen Sitzecke – direkt vor dem Fenster – mit der weißen Ledercouch und dem dazugehörigen Ledersessel, inklusive einem kleinen, flachen Wohnzimmertisch, aus beobachtete. Rechts davon führte die metallische Wendetreppe hinauf in ihr Schlafzimmer. Die offene, helle Küche lag gleich rechts daneben und das Badezimmer befand sich (ebenfalls rechts) neben der Küche. Für Sexx war dieser Ort einfach perfekt, um abzuschalten.
Die Schönheit seufzte und streifte sich ihre Pumps von den Füßen, die sie einfach mitten im Raum liegen ließ. Leichtfüßig tapste sie zu der Sitzecke und ließ sich auf der Couch nieder, nur um gleich zu ihrem Laptop zu greifen und die Kamera damit zu verbinden. Sie lud die geschossenen Bilder auf den Laptop und ließ eines, das sie für besonders gelungen hielt, auf eine Leinwand drucken. Auch der spezielle, riesige Drucker, der sich gleich neben der Sitzecke befand, hatte sie ein Vermögen gekostet! Aber er war sein Geld allemal wert.
Während der Drucker das Bild druckte (es würde einige Minuten dauern) ging Sexx hinüber zu dem weißen Wandschrank, der beinahe die ganze Wand einnahm, in dem sie alles mögliche verstaute. Angefangen von Malutensilien, bis hin zu Koffern oder Büchern. Ordentlich lagen zurechtgeschnittene Keilrahmen, die sie schon zu rechteckigen Gebilden zusammengeschraubt hatte, in eine der unteren Fächer. Die junge Frau nahm eins an sich und kramte, ein Fach darüber, nach einem Tacker, mit dem sie die Leinwand auf dem Keilrahmen befestigen würde. Beides legte sie auf dem Wohnzimmertisch, neben dem Laptop ab und prüfte dann, wie weit der Drucker mit dem Druck war. Noch nicht sehr weit, weshalb sie rasch ins Badezimmer huschte, um sich von ihrem Make-Up zu befreien.
Das Badezimmer war in einem warmen Sandton gehalten. Gleich, wenn man durch die Tür schritt, blickte man auf eine barrierefreie Regendusche. Weil eine Badewanne natürlich nicht fehlen durfte, stand jene gleich in der Ecke, links daneben, in der genügend Platz für drei Personen gewesen wäre. Das Waschbecken befand sich links von der Tür, die Toilette gleich dahinter. Das Bad war verhältnismäßig klein, doch für Sexx reichte es.  
Die Schönheit griff nach den Reinigungstücher, die sie in einem weißen Schränkchen, unterhalb des Waschbeckens, aufbewahrte und befreite ihr bildhübsches Gesicht vom Make-Up, das sie eigentlich gar nicht brauchte. Sie betrachtete ihr make-up-freies Gesicht im blitzblanken Spiegel und erinnerte sich daran, wie viele schon zu ihr sagten, dass sie Laura Slade Wiggins Zwilling sein könnte. Ihre Ähnlichkeit war verblüffend, das hatte Sexx schon lange festgestellt. Lediglich die Haare der Künstlerin waren haselnussbraun und nicht hellblond, so wie die der Schauspielerin.
Sexx griff nach dem benutzten Reinigungstuch und ging hinüber in die Küche, wo sie es in einem Mülleimer entsorgte. Zudem stellte sie fest, dass der Druck abgeschlossen war. Sie ging hinüber zu der noch feuchten Leinwand und begutachtete ihr geschossenes Foto, das sich wunderbar auf der Fläche machte. Sie konnte es gar nicht abwarten, endlich mit der Malerei zu beginnen, doch dafür musste die Tinte erst einmal trocken sein, anderenfalls würde sie sich mit der Farbe vermischen und dies würde ein unschönes Ergebnis erzielen.
Plötzlich nahm sie ein vertrautes Geräusch wahr. Es war der Klingelton ihres Handys, das eindeutig aus ihrer Handtasche kam, die sie einfach auf den Sessel geschmissen hatte, als sie die Kamera herausgeholt hatte. Sexx fischte ihr Smartphone aus dem Universum ihrer Handtasche und blickte auf das Display. Shepherd Bloomsberg's calling, stand auf dem kleinen, rechteckigen Bildschirm.
Shepherd “Shep“ Bloomsberg war einer von Sexx Stammkunden. Genauer gesagt, der erste Stammkunde, den sie je besessen hatte. Er war es gewesen, der einst ihr allererstes Werk kaufen wollte (jenes, das nun über ihrem Bett hing), ehe er sich, nach mehrmaliger Wiederholung, dass sie das Bild nicht verkaufen würde, schließlich damit zufrieden gab, ein zweites Bild von ihr zu kaufen, das sie, auf seinen Wunsch hin, anfertigte. Der neunundsechzigjährige Rentner war ein stets gut-gelaunter und durchaus herzlicher Mensch, der immer mit einem Lächeln durchs Leben ging. Noch nie hatte Sexx ihn schlecht gelaunt gesehen. Das bewunderte sie an diesem Mann, der schon einige Schicksalsschläge hinter sich hatte. Seine Frau war vor einigen Jahren plötzlich verstorben, woraufhin sich sein einziger Sohn das Leben genommen hatte. Zudem hatte er ein Jahr danach erfahren, dass er Krebs hatte. Sein Körper war voll davon und trotzdem stand er noch selbstsicher auf beiden Beinen und ließ sich nicht unterkriegen. Er war ein Kämpfer durch und durch. Für Sexx war er über die Jahre mehr als nur ein Stammkunde geworden. Er war wie ein Großvater für sie und irgendwie dachte sie, dass sie für ihn so etwas wie die Enkeltochter war, die er niemals hätte haben sollen.
  „Guten Morgen, Shep.“, begrüßte sie den alten Mann mit einem Lächeln in ihrem Gesicht und drehte sich zu der verglasten Wand um, durch die sie auf das ruhige, blaue Meer blicken konnte. Ein Arm schlang sie dabei um ihre Taille.
  „Morgen, meine kleine Blume.“, kam es von der gebrechlichen, kratzigen Stimme, die verriet, dass Shep mal wieder über beide Ohren grinste. „Was macht meine Lieblingskünstlerin?“, fügte er fragend hinzu.
Sexx ließ ihren Blick auf das große Riesenrad fallen. „Die arbeitet gerade an einem neuen Werk.“, erklärte sie.
  „Oh, das freut meine alten Ohren.“, jauchzte Shep freudig, was Sexx noch breiter grinsen ließ.
  „Und was macht mein Lieblingskunde?“, fragte sie zurück.
Shep schmatzte kurz mit seinen Lippen. „Der ist gerade in L.A. und fragt sich, ob er das Bild, das er vor ein paar Tagen gekauft hat, bei seiner Lieblingskünstlerin abholen kann, weil sie gerade in ihrem Atelier ist?“.
  „Das kann er sehr wohl.“, bestätigte Sexx. „Wann willst du kommen?“.
Shep grummelte am anderen Ende, als würde er angestrengt über etwas nachdenken. „In einer Stunde könnte ich es schaffen.“, erklärte er nach einem Moment des Überlegens.
  „Perfekt.“, erwiderte Sexx. „Aber hetz' dich nicht. Ich bin den ganzen Tag über hier, du kannst dir also Zeit lassen.“.
  „Nein, nein... Ich doch nicht. Du weißt, ich habe alle Zeit der Welt.“, kam es vom anderen Ende.
  „Okay. Dann bis gleich, Shep.“.
  „Bis gleich, kleine Blume.“.
Indem legte Sexx auf. Sie liebte den Spitznamen “kleine Blume“, den Shep ihr gegeben hatte. Sie erinnerte sich an den Tag zurück, an dem sie ihm das erste Mal begegnet war und er sie nach ihrem Namen gefragt hatte. Dabei war das Treffen wirklich zufällig gewesen: Sie hatte ihr neues Werk ihrem Freund zeigen wollen und war damit durch die Straßen L.A.s gelaufen, da sie noch kein Auto besessen hatte. Auf öffentliche Verkehrsmittel war sie also angewiesen gewesen. Gerade als sie ihre damalige Wohnung verließ, wäre sie beinahe mit Shep zusammengestoßen, der sie daraufhin auf das Bild ansprach und sein Interesse verkündete, es zu kaufen. Er hatte sie nach ihrem Namen gefragt, woraufhin sie – absolut spontan – mit “Sexx“ geantwortet hatte, da sie hoffte, dem “alten Spinner“ so entkommen zu können. Sich abschütteln lassen hatte Shep aber nicht und erwiderte daraufhin, dass einem so zarten Ding, wie sie es war, doch wohl eher ein Künstlername wie “kleine Blume“ stehen würde und so geschah es, dass er den Spitznamen für sie aufrecht erhielt. Sexx hatte sich damals darauf durchdringen lassen, dieses zweite Werk für ihn zu malen, damit er sie endlich in Ruhe ließ. Aber viel zu schnell schienen die beiden eine Art Freundschaft aufzubauen, weshalb sie sich bis heute nicht so wirklich voneinander trennen konnten.
Sexx legte das Smartphone neben ihr Laptop und klappte jenen wieder zu. Sie überlegte, was sie in der Stunde noch machen könnte, bis Shep kommen würde und beschloss, schon einmal die bedruckte Leinwand auf den Keilrahmen zu spannen. Dabei stellte sie fest, dass die Tinte schon so weit trocken war, dass man sie bemalen konnte und stellte den, mit der Leinwand bespannten Keilrahmen, auf eine Staffelei, die sie direkt vor das überdimensionale Fenster stellte. Die Aussicht regte ihre Kreativität an und brachte sie immer wieder auf grandiose Ideen, insbesondere, weil die Farben des Himmels immer wieder anders zu sein schienen. Acrylfarben, Pinsel und Mischpalette kramte sie aus dem Wandschrank hervor und wollte gerade schon zu malen beginnen, als ihr einfiel, dass sie immer noch das teure, helle Etuikleid von Gucci trug. Farbe würde sich auf dem empfindlichen Stoff nicht gut machen, weshalb sie Richtung Rücken griff und den Reißverschluss des Kleides herunterzog. Das Kleid fiel einfach zu ihren Füßen, sodass Sexx nur noch hinaussteigen musste. In Höschen und BH tapste sie erneut zum Schrank und suchte einen ihren Malerkittel heraus, der einst ein schwarz-grau-kariertes Hemd ihres (Ex-)Freundes gewesen war, in dem sie vollkommen versank. Fast bis zu ihren Knien ging der, mit Farbklecksen übersäte Stoff, als sie flink hineinschlüpfte und es eilig zuknöpfte. Natürlich falsch, doch das störte sie nicht – immerhin war sie hier nicht auf einer Modeshow. Zudem fischte sie aus ihrer Handtasche ein Haargummi heraus und band ihre Haare zu einem hohen, wilden Messy-Dutt zusammen. Dann konnte es los gehen.
Das Foto aus der Vogelperspektive machte sich wirklich gut auf der Leinwand! Es erschien beinahe so, als würde der Schauspieler erneut zwischen ihren Füßen liegen. Fast glaubte Sexx, den typischen Sexgeruch riechen zu können, gemischt mit dem würzigen (aber definitiv zu dick aufgetragenen) dominanten Parfüm des Dunkelhaarigen.
Sie nahm einen dicken Pinsel und gab etwas von pinker Farbe auf die Mischpalette. Daraufhin zeichnete sie mit der hellen Farbe ein Dreieck um den Kopf des Schauspielers herum und füllte es lediglich zur (oberen) Hälfte aus, sodass man Stirn, Haare und Augen des Mannes nicht mehr erkennen konnte. Das war ihr Stil. Sie anonymisierte die Menschen, die sie abbildete – andererseits wäre man ihr schon vor Jahren auf die Schliche gekommen! Auch kleine Besonderheiten der Menschen, wie Tattoos oder auffällige Narben retuschierte sie stetig. Das rechtschenklige Dreieck, das sie gemalt hatte, schien perfekt zu sein, sodass sie gleich ein zweites, in umgedrehter Form malte, welches sie mitten auf das Steißbein des Schauspielers setzte.
Gerade wollte sie zu der mintgrünen Farbe greifen, als ihr Handy erneut zu klingeln begann. Sie legte Mischpalette und Pinsel auf den Tisch und wischte automatisch einmal ihre Hände an dem Kittel ab, ehe sie zu dem Smartphone griff und erneut auf das Display blickte.        
Ben's calling. Sofort musste Sexx schmunzeln. Ben war ihr bester Freund – ihr einziger Freund, wenn sie genauer darüber nachdachte.
  „Hey, Ben.“, begrüßte Sexx den Neunundzwanzigjährigen und schlenderte vor dem Fenster auf und ab.
  „Syd.“, begann Ben. „Ich warte schon seitdem ich um sechs Uhr aufgewacht bin, auf deinen Anruf. Wie ist es gestern gelaufen? Hast du ihn... du weißt schon?“.
Sexx grinste breit und biss sich einmal kurz auf ihre Unterlippe. „Natürlich.“, entgegnete sie. „Das war einfacher als einem Baby den Loli zu klauen. Unglaublich WIE einfach das war! Ich glaube, das war bisher der einfachste Fall, den ich jemals hatte.“.
  „Und ich hatte so darauf gezählt, dass es dieses mal ein härterer Fall sein wird.“, meinte die dunkle, warme Stimme ihres besten Freundes mit leicht enttäuschtem Unterton.
  „Du weißt doch.“, schnurrte Sexx. „Keiner kann mir widerstehen.“. Sie strich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr, welche ihr aus dem Dutt gerutscht war und knabberte dann an dem Nagel ihres Zeigefingers herum, während sie hinaus auf das offene Meer blickte.
  „Und das tut dir und deinem Ego ganz und gar nicht gut, Syd... Aber ich denke, dieses Mal habe ich zwei Fälle herausgegraben, die deinen Lauf vielleicht unterbrechen könnten.“.
Neugierig wurde Sexx. Ben versorgte sie stets mit neuen, reichen Promis, die er durch seine massenhaften Bekanntschaften und Kontakte kennenlernte oder von ihnen hörte. Es schien so, als wäre Ben mit mindestens einem Mitglieder jeder Familie dieser Welt befreundet oder würde sie zumindest flüchtig kennen. Er war ein bekannter Regisseur, da musste das wohl so sein. Gespannt war die junge Künstlerin, wen Ben sie dieses mal vorschlagen würde. Irgendwie hatte auch er ein Gespür dafür, wer sich gut in ihren Stil einordnen ließ. Noch nie hatte er sie enttäuscht und sie glaubte, dass es diesmal auch so sein würde.
  „Schieß' los.“, forderte Sexx ihren besten Freund auf.
  „Ich habe sogar gleich zwei interessante Fälle.“, entgegnete Ben daraufhin. „Katie McGrath und Cameron Monaghan.“.
  „Noch nie gehört.“, gab Sexx nach kurzem Überlegen zu.
  „Sydney-Eileen Xorax!“, stieß Ben entrüstet aus. „Du hast noch nie von Cameron Monaghan gehört?“.
  „Neeein.“, sagte Sexx langgezogen. „Hätte ich sollen müssen?“.
  „Oh, ja!“, erwiderte Ben daraufhin. „Von Katie McGrath hätte ich nicht erwartet, dass du sie kennst, aber CAMERON MONAGHAN! Oh, Syd! Das ist eine dramatisch-große Bildungslücke!“.
  „Ach, bist du selbst ein Fan?“, neckte sie ihren besten Freund.
  „Wer wäre denn schon kein Fan von ihm, nachdem man ihn einmal gesehen hat? Wäre ich nicht schon längst in festen Händen, dann-.“.
  „Ja, ja.“, unterbrach Sexx ihn und lachte. „Aber du hast bereits einen netten, gutaussehenden Ehemann an deiner Seite.“.
  „Da hast du recht.“, erklärte Ben. „Sehr nett und vor allem gutaussehend.“.
Sexx kicherte. „Ich werde mich mal eben an den Laptop setzen und Bilder von deinem Cameron googeln.“, erklärte sie, ging zu der Sitzecke, ließ sich auf der Couch nieder und klemmte sich das Smartphone zwischen Ohr und Schulter. Sie hob den kühlen Laptop auf ihre nackten, glatten Beine und klappte ihn dann auf. Flink huschten ihre Finger über die Tastatur.
  „Tu das.“, meinte Ben währenddessen. „Ergötze dich an seiner Schönheit!“.
Sexx rollte mit den Augen. „Jetzt übertreib' mal nicht.“, murmelte sie unbeeindruckt und ließ die Ergebnisse aufrufen. Entgegen kamen ihr gleich Bilder eines jungen Mannes, den sie auf Anfang oder Mitte zwanzig schätzte. „Oh, ein Ginger.“, nuschelte Sexx in das Smartphone hinein, während sie weiter hinunterscrollte. Ja, der Rothaarige hatte tatsächlich etwas an sich, doch Sexx hatte schon hübschere Typen ins Bett bekommen. Kantig und symmetrisch waren die Gesichtszüge des dünnen (aber muskulösen) Schauspielers. Ab und zu erhaschte Sexx ein Bild, auf dem leichte Bartstoppel den unteren Teil seines Gesichts zierten, doch hauptsächlich war er glattrasiert.  Große, dunkelgrüne Augen blitzten ihr entgegen. Viel zu lachen schien er nicht gerade, denn auf den jüngsten Fotos wirkte er stets ernst und vollkommen konzentriert. Vielleicht hob er ein-, zweimal seine Mundwinkel etwas an, doch das war es auch schon. Sonderliches Interesse an ihm hatte Sexx nicht, aber er war mal eine Abwechslung. Noch nie hatte sie es mit einem Ginger getrieben – das wäre also eine Premiere.
  „Und? Was sagst du?“, kam es von Ben im neugierigem Ton. Dabei war zu hören, dass er schier selbstsicher grinste.
  „Hm.“, machte Sexx und zog kurz beide Mundwinkel nach unten. „Es gibt hübschere. Aber er ist ganz nett.“. Gleich darauf fiel ihr ein Bild auf, auf dem der Ginger einer Brünetten verliebt einen Kuss auf die Wange drückte, woraufhin die Künstlerin fragte, ob der Schauspieler derzeit in einer Beziehung war.
Förmlich hörte sie, wie Ben den Kopf am anderen Ende schüttelte. „Nein.“, meinte er. „Er ist Single. Seit mehreren Wochen, so viel ich weiß.“.
  „Und die andere, die du mir rausgesucht hast?“, fragte Sexx und löschte den Namen des Schauspielers aus dem Suchfeld.
  „Katie McGrath.“, antwortete Ben.
Sexx ließ auch diesen Namen suchen und staunte nicht schlecht. Sie ließ einen langgezogenen Pfiff erklingen. „Wow.“, hauchte sie, als sie die Bilder der dunkelhaarigen Schönheit musterte. Sie war sich sicher, nie in ihrem Leben eine schönere Frau gesehen zu haben!
  „Ja.“, bestätigte Ben. „Sie ist schon ein hübsches Kind.“.
  „Nur ein hübsches Kind?“, platzte es Sexx heraus. „Sie ist umwerfend! Verdammt, warum habe ich noch nie von ihr gehört?“.
Helle, grün-blaue Augen strahlten der Künstlerin entgegen. Perfekt schien die langhaarige Schauspielerin zu sein, mit ihren großen, ausdrucksstarken Augen, den vollen, pinken Lippen und den hohen Wangenknochen. Märchenhaft schön war das strahlende Lächeln der Schauspielerin, das Sexx auf fast jedem Foto zu Gesicht bekam. Selbst auf Fotos, auf denen sie kein Make-Up trug, machte sie allen Supermodels scharfe Konkurrenz!  
  „Aber ich wette, sie wird in festen Händen sein.“, schlussfolgerte Sexx. Ganz richtig, wie Ben bestätigte.
  „Laut meinen Informationen dürfte sie schon etwas länger einen Freund haben. Einen ehemaligen Schauspielkollegen.“.
  „Natürlich.“, murmelte Sexx. Es waren immer Schauspielkollegen. Beinahe so, als ob sie nur Schauspieler kennen und den Rest der Menschheit vollkommen von sich abschirmen würden. Gerne würde sie mal zur Abwechslung hören, dass ein Schauspielerin seinen Frisör geheiratet hatte oder ein Schauspieler die Backwarenverkäuferin seines Vertrauens. Aber so war es nicht – das war eben nicht die reale Welt.
  „Aber für dich dürfte das ja wohl kein Problem sein.“; neckte Ben sie.
Arrogant hob Sexx eine Augenbraue hoch. „Natürlich nicht.“, hauchte sie selbstsicher. „Ich bin eben ein Profi auf meinem Gebiet.“.
Kurz lag eine Stille zwischen ihnen. Doch nicht lange.
  „Unabhängig davon, heute Nachmittag schon etwas vor?“, fragte Ben.
  „Ehm, nein.“, meinte Sexx.
  „Lass uns die Sachen mit den beiden im Jim's Coffee klären.“, entgegnete Ben.
  „Okay. Wann?“.
  „Um sechzehn Uhr?“.
  „Klingt gut.“, meinte Sexx. Indem klingelte es an der Tür. „Oh.“, machte die Künstlerin. „Ich muss Schluss machen. Das wird Shep sein, er ist ziemlich früh dran. Wir sehen uns später, ja?“.
  „Alles klar, Syd. Grüß' ihn von mir!“.
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