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Redliches Schweigen

GeschichteFamilie / P16 / MaleSlash
Dänemark Finnland Island Norwegen Schweden
04.04.2018
21.04.2019
7
9.074
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05.04.2018 1.518
 
„Bin wieder da!“, rief Mathias, während er durch die Haustür trat und diese hinter sich schloss. Er bekam keine Antwort, seufzte und machte sich auf die Suche nach seinen Mitbewohnern.
Zuerst steckte der den Kopf in die Küche, dort fand er jedoch nur den Geruch nach Fertigpizza, die wohl im Ofen gebacken wurde. Die Kartons, die der Däne im Papiermüll lagen sah, bestätigten seine Vermutung nur.
„Hej! Wo seid ihr denn?“, rief er nochmals und hoffte auf eine Antwort. Wieder bekam er keine. Mathias seufzte und schob es darauf, dass es schließlich auch schon spät war. Erst jetzt kam er auf die Idee, dass die anderen beiden, Lukas und Emil, ja schon längst im Bett liegen könnten.
Mit dieser Annahme lag er, wie er beim Betreten des Wohnzimmers feststellen konnte, gar nicht mal so falsch. Denn dort saß der Norweger, ein Kissen im einen Arm und ein Buch in der Hand, diese liegend auf der Couch, das Buch verdeckt, auf der großen bequemen Schlafcouch und schlummerte friedlich vor sich hin.
„Du bist mir ja einer“, flüsterte der Blonde und nahm ihm vorsichtig das Buch aus der Hand. „Wenn dir das runterfällt und eine Seite verknickt, hast du wieder tagelang schlecht Laune…“ Er lächelte leicht und legte noch eine Decke über den Norweger. Dieser schnarchte leise und murmelte im Schlaf: „Ich mach kein Buch putt…“ Mathias musste es sich verkneifen, zu lachen und den anderen so zu wecken. „Nein, niemals…“, flüsterte er noch und gab dem anderen einen Kuss auf die Wange. „Schlaf gut, Norgay. Ich sehe nochmal nach dem kleinen Emil.“ Klein war in diesem Falle etwas übertrieben. Zwar war Lukas kleiner Bruder etwas jünger, jedoch hatte auch dieser beinahe schon die menschliche Volljährigkeit erreicht und sah sich selbst keineswegs als klein an. Dennoch wurde er das Attribut, das der ältere Däne ihm gab niemals los.
Dieser klopfte nun leise an der Tür des jüngeren Isländers und öffnete sie dann leise. Als er Emil nicht in seinem Bett liegen sah, war er zugegeben etwas verwundert, war der jüngere doch abends immer der erste, der müde wurde und ins Bett ging.  
„Suchst du was Bestimmtes?“, Mathias schreckte hoch, als er eine Stimme hinter sich hörte und stolperte nach hinten. „Ja, dich!“, meinte er leise, als er in die violetten Augen des Jüngeren blickte. „Du warst duschen?“, fragte der Däne nach, als ihm auffiel, dass sein Gegenüber nur eine schwarze Hose trug und noch feuchte Haare hatte, die er mit einem Handtuch trocken rieb.
Dieser nickte nur: „Und jetzt geh ich ins Bett“, meinte er und manövrierte sich an seinem Mitbewohner vorbei.
Dieser musterte ihn nochmals und boxte ihm leicht in die Seite. „Du hast ja richtig trainiert! Bist du verliebt, Emil?“ Der Isländer seufzte und schob den Dänen aus seinem Zimmer, indem er einfach die Tür zudrückte. „Gute Nacht, Mathias. Geh meinen Bruder nerven.“
damit stand der Däne wieder alleine vor einer verschlossenen Tür. Er seufzte und wandte sich um. Er ging ins Bad, sah in den Spiegel und grinste wieder, ehe er seine Zahnbürste nahm und sich die Zähne putze.

Lukas blinzelte leicht, als er hörte, wie die Haustür sich öffnete. Dann nahm er die Stimme des Dänen wahr und lächelte leicht. Den ganzen Abend hatte er darauf gewartet, dass sein Mitbewohner heimkehrte. Er hatte sich sogar Sorgen gemacht, da dieser nicht Bescheid gegeben hatte, dass er heute länger aus bleiben würde. Lukas hatte geweint, er hatte sich einsam gefühlt, da auch sein jüngerer Bruder nicht zu Hause war. Auf einer Party will der Jüngere angeblich gewesen sein. Der Norweger liebte die Stille ja eigentlich, doch manchmal, wenn er wirklich ganz alleine war, fühlte er sich einfach verlassen. Er hatte geweint und den Dänen verflucht. Und jetzt? Jetzt antwortete er nicht auf das Rufen des anderen. Er lächelte lediglich und schloss die Augen. Seine Hand, in der er wie so oft ein Buch hielt, rutsche seitlich hinab auf die Couch. Jetzt, wo er wusste, dass dem anderen nichts geschehen war, konnte er einschlafen. Das letzte, was er wahrnahm, war, wie jemand eine Decke über ihn zog und etwas wegen Büchern sagte, und diese kaputt zu machen. Im Halbschlaf murmelte er noch: „Ich mach kein Buch putt…“

Nachdem der Däne im Bad fertig war, kam er zurück ins Wohnzimmer. Erst wollte er einfach an dem Norweger vorbei ins Schlafzimmer der beiden gehen, als er jedoch inne hielt und seufzte. „Wenn du hier alleine aufwachst, wirst du dich alleine fühlen…“, er ging also zur Couch und setzte sich zu dem anderen. Er betrachtete eine Weile das friedliche Gesicht des Schlafenden und lächelte. Dann machte er Däne es sich bequem und schloss ebenfalls die Augen. „Schlaf gut“, murmelte er nochmal und dann war es still.

„Du, Su-san?“, setzte Tino an, als die beiden in Bett gegangen waren. Der Finne lag an seinen Freund gekuschelt, den Kopf auf dessen Brust abgelegt und auf seinem Bauch Linien zeichnend. „Ich verstehe nicht, was zwischen dir und Mathias ist. Irgendwie tritt immer so eine Kälte auf, wenn ihr beide an einem Ort seid. Ich dachte eigentlich wirklich, dass alles wieder in Ordnung ist.“
Der angesprochene Schwede brummte nur und legte seine Arme um den Kleineren. „Ist es auch“, meinte er dann nur leise und schloss die Augen.
„Aber, warum ist es dann so. Ihr redet nicht miteinander. Und du wirkst immer so abwesend und abweisend, wenn er zu Besuch ist. So als ob du ihn am liebsten niemals mehr sehen wollen würdest“, der Finne seufzte. „Tut mir leid, wenn ich dir so nahe trete…ich mache mir nur Sorgen um euch beide. Wir sind doch eine große Familie…“
„Musst dir keine Sorgen machen“, erwiderte Berwald kurz und streichelte seinem Freund durchs Haar. Dieser gab wiedermit einem Seufzer eine Antwort. „Wenn das so einfach wäre…“
Dann schloss der Finne die Augen.  Bald konnte sein Partner ein regelmäßiges Schnaufen vernehmen, was ihm zeigte, dass sein Freund eingeschlafen war.
Eine ganze Weile noch starrte der Größere an die Decke und dachte nach. Er konnte nicht schlafen, wie es oft der Fall war, wenn er mit Mathias zusammen traf. Er seufzte. Und dann noch diese Worte des Dänen, die ihm Sorge berieten und nicht mehr aus seinem Kopf verschwinden wollten. Berwald schüttelte seinen Kopf ganz leicht, es half alles nichts, er musste unbedingt mit dem anderen reden.
Er griff mit seiner freien Hand neben das Bett und ertastete sein Handy. Dies lag immer neben ihm, da etwas Wichtiges mit seinem Geschäft sein könnte, der Schwede musste so gut wie immer erreichbar sein. Nur in der Nacht war das Mobiltelefon aus Liebe zu seinem Lebensgefährten stumm gestellt. Er schaltete es an und tippte durch seine Kontakte, bis der Name des Dänen auftauchte. Er musterte diesen eine Weile und seufzte. Ohne eine weitere Tat, legte er es dann wieder zur Seite. Er seufzte. Er konnte und wollte einfach nicht mit dem anderen reden, auch wenn er genau wusste, dass er dies irgendwann mit Sicherheit machen musste.
Noch lange lag er so, von Gedanken gequält wach und konnte nicht schlafen. Erst in sehr später Nacht übermannte ihn die Dunkelheit du Müdigkeit und er sank in einen unruhigen Schlaf.

Als er am Morgen aufwachte, spürte Berwald nicht mehr das Gewicht seines Freundes auf seiner Brust und sah in ein weißes Hundegesicht. Als er realisierte, was mit ihm geschehen würde, war es schon zu spät. Hana fuhr ihre raue Hundezunge aus und leckte dem Schweden als Morgengruß durch das ganze Gesicht. Der Schwede seufzte und setzte sich auf. Er strich dem Hund kurz sanft durchs Fell und kraulte ihn hinter den Ohren. Berwald wusste, dass das Haustier seines Freundes und somit auch seines, das mochte.
Dann stand er auf und ging die Treppe hinab. Schon dabei hörte er aus der Küche die Metall-Musik, die der Finne so liebte. Tino machte also schon Frühstück. Dass der Finne morgens immer so lebendig war, lies ein ganz leichtes Lächeln auf den Lippen des Schweden erscheinen, als er jedoch ins Bad ging, um sich das Gesicht zu waschen und dabei in den Spiegel sah, verlor er dieses wieder. Berwald hatte tiefe Augenringe und war mehr als nur blass. Er seufzte und spritzte sich Wasser ins Gesicht, um richtig wach zu werden. Dann ging er in die Küche. „Morgen..“, brummte er kurz und gab dem Finnen einen Kuss auf die Wange. Dabei sah er an ihm vorbei auf den Herd und erblickte sein Frühstück.
„Mhh~“, meinte er und umarmte Tino kurz. Dieser sah ihn an und lächelte. „Du sahst heute Morgen so friedlich aus und hast noch geschlafen, da habe ich mir gedacht, ein ordentliches Frühstück würde dir sicher gut tun, hast du doch wieder einen langen Arbeitstag vor dir“, erklärte er und kuschelte sich an den starken Körper seines Freundes. Dieser nickte dankbar und drückte den anderen kurz.

„Überanstreng dich nicht“, rief Tino dem Schweden nach, als dieser seine Aktentasche nahm und zum Auto ging. Der Schwede nickte ihm kurz zu und stieg dann in den Wagen. Tino seufzte, als sein Freund losfuhr. „bis heute Abend…“, murmelte er noch. Dann sah er Hana an. „Und wir machen heute hier zu Hause sauber.“
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