Redliches Schweigen

GeschichteFamilie / P16 Slash
Dänemark Finnland Island Norwegen Schweden
04.04.2018
21.04.2019
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Tino war sofort aufmerksam, als er das Drehen eines Schlüssels in der schweren Haustür hörte. Er lächelte und rief aus der Küche, in welcher er am Herd stand und kochte: „Hey, Su-san! Du kommst zum richtigen Zeitpunkt, das Essen ist bald fertig!“
Als Antwort bekam der junge Finne nur ein tiefes Brummen. Sein Freund war nicht der Gesprächigste, aber mit der Zeit hatte er sich daran gewohnt. Tino hatte sogar aufgehört sich vor den starren Augen und dem leeren Blick seines Lebensgefährten zu fürchten. Er sah diese Attribute nun als das Markenzeichen des Schwedens.
Dieser stieß, vollbepackt mit Tüten, gerade die Küchentür auf und stellte den Einkauf ab. „War einkaufen“, meinte er knapp und gab dem anderen Mann einen Kuss auf die Wange. Dazu musste er sich ein wenig nach unten beugen, da der Finne um einiges kleiner war, als er selbst. Schließlich zog der große Blonde noch seinen dunkelblauen Mantel aus, begab sich wieder in den Flur und hängte diesen an die Garderobe.
„Wir haben übrigens Besuch.“, hörte er die Stimme des Finnen und trat wieder in die Küche. „Hm?“, fragte er nach. Tino sah ihn an und lächelte unsicher. „Mathias ist vorhin gekommen und meinte, er könnte ja zum Essen bleiben.“ Berwald verdrehte die Augen und seufzte innerlich. Dann nickte er und begab sich ins Esszimmer, wo besagter Besuch schon saß. Grüßend hob der Däne eine Hand. „Hej, Waldi. Lange nicht gesehen“, ein breites Lächeln, das den Dänen eigentlich so gut wie immer begleitete, erschien im Blickfeld des Schweden. Ohne etwas zu erwidern setzte Berwald sich, stützte die Ellenbogen auf dem Tisch ab und verschränkte die Hände vor seinem Mund. Er sah den Dänen ausdruckslos an.
„Manchmal könntest du wirklich mehr reden“, seufzte sein Gegenüber, lächelte den Schweden aber weiterhin an.
„Das ist eben seine Art, da kann man nichts dran machen“, Tino betrat mit einem Kochtopf in den Händen, er trug dicke Handschuhe, um sich nicht zu verbrennen, das Esszimmer und stellte dort den Topf ab. „Aber ich mag diese Art. Sie beweist, dass man sich auch ohne viele Worte sehr gut verständigen kann.“ Der Finne lächelte und umarmte seinen Freund kurz von hinten. Dann ging er wieder in die Küche und holte die Pfanne vom Herd.
Als er abermals das Esszimmer betrat, sah der Däne ihn an. „Hast du mal darüber nachgedacht, Autor zu werden? Einen Titel für dein Buch hätte ich schon: Mein Leben mit einer Parkuhr“, Mathias zeichnete beim Reden eine Linie in die Luft, als würde er dort den soeben ausgesprochenen Titel sichtbar machen können.
Tino schüttelte kichernd den Kopf. „Nicht doch. So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Ich meine Su-san spricht doch. Nur eben nicht sehr viel.“
„Also wenn ich da bin, spricht er noch weniger…“
„Das kommt dir nur so vor. Und jetzt lasst uns erst mal was essen.“ Der Finne verteilte auf die drei Teller das Gekochte und setzte sich dann zu den anderen beiden. Er betrachtete den Schweden und lächelte. Hatte der Däne recht? Tino beschloss, mehr darauf zu achten, ob sein Lebensgefährte in Anwesenheit des Dänen wirklich weniger sprach.
„Guten Appetit“, wünschte er seinen Freunden und begann zu Essen. Der Schwede neben ihm brummte und aß ebenfalls. Auch der Däne ließ es sich, soweit es bei Tinos Kochkünsten überhaupt möglich war, schmecken.

„Danke für das Essen, Tino“, bedankte sich Mathias und richtete beim Vorübergehen eines Spiegels im Flur noch schnell seine Haare. Als seine Frisur wieder „perfekt“ saß –für andere sah es eher so aus, als hätte ein Sturm in den Haaren des Dänen gewütet-, ging er die Treppe zur Haustür hinunter und öffnete die diese.
Tino und Berwald, letzterer nur aus Anstand, begleiteten ihn. „Ist kein Problem. Du kannst gerne mal wieder vorbei kommen“, meinte der Finne und umarmte seinen älteren Freund.  
„Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, Kleiner“, nahm der Däne die Einladung herzlichst an und wuschelte dem andren durch die Haare. Dabei fiel dessen weiße Mütze auf den Boden. „Oh“, meinte Tino nur.
Berwald beugte sich sofort hinunter und griff das weiße Stoffstück. Dabei stieß er mit dem Dänen zusammen, der offenbar dasselbe gedacht hat. Der Schwede wandte den Blick ab und wollte sich wieder erheben, als der Däne ihn festhielt und etwas ins Ohr zischte.
Mit einem Kopfschütteln erhob sich der Größere und setzte seinem Freund die Mütze wieder auf.
„Also, bis dann, man sieht sich“, der Däne winkte, als er ging und lächelte dem Schweden nochmal zu. Dieser schnaubte nur und schloss  die Haustür wieder.
Tino seufzte, als er bemerkte, dass sein Freund wieder etwas deprimierter wirkte: „Ich verstehe immer noch nicht, was zwischen euch ist.“ Der Finne ging die Treppe hinauf und kniete sich zu seinem kleinen weißen Hund. Er kraulte diesen unterm Kinn und sah dann wieder den Schweden an. Dieser schwieg, was Tino wieder zum seufzten brachte. „Das kann doch wirklich nicht an der Geschichte liegen, oder? Das ist doch schon lange verziehen…“
„Nein und ja…“, meinte Berwald nur und ging an Tino vorbei  ins Bad. „Bin duschen.“