Let's Read: New Moon | Bis(s) zur Mittagsstunde

GeschichteAllgemein / P12
04.04.2018
16.09.2020
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L E T ‘ S   R E A D:   N E W   M O O N
♦ 19. Kapitel │ »Der Druck steigt« ♦
{ S. 292-308 }


Es vergeht ein wenig Zeit und der Frühling kehrt in Forks ein. Bella erzählt von den vergangenen Tagen, die sie mit Jacob verbrachte. Sie ist sich sicher, dass sie auf andere wie ein Paar wirken müssen – ein Gedanke der sie stört, jedoch mag sie es auch, mit ihm Zeit zu verbringen und seine Hand zu halten.
Die Thematik hatten wir schon zur Genüge – ich weiß, bitte verzeih –, aber ich muss es dennoch anmerken: Ist das nicht irgendwie doch unfair Jacob gegenüber? Bella sagt, sie habe kein romantisches Interesse an ihm, hat aber auch kein Problem damit, seine Hand zu halten, ihn zu umarmen oder ihm zu sagen, dass sie ihn in ihrem Leben braucht. Ich möchte damit nicht sagen, dass sie das als Freunde nicht tun dürfen – natürlich dürfen sie das –, aber ich kann es Jacob nicht verdenken, dass er nach wie vor hofft, dass sich ihre Gefühle für ihn noch verändern oder dass sie das vielleicht sogar schon getan haben könnten. Und Bella dürfte das auch nicht wundern und sie dürfte schon gar nicht verärgert darüber sein.
Auf der Arbeit spricht Mike das Thema noch einmal an, aber Bella wehrt den Verdacht ab. Mike beharrt darauf, dass Jacob total in sie vernarrt sei, und bezeichnet Mädchen als »grausam« (S. 293).
Apropos: Ist es sehr grausam von mir, dass ich bereits vergessen hatte, dass Mike überhaupt existiert …?

Es vergeht erneut ein bisschen Zeit und Bella und Jacob sprechen über die Vorzüge des Werwolf-Daseins: Sie sind ausgesprochen groß, ihre Körpertemperatur beträgt »zwischen 42 und 43 Grad« (S. 293), was mir nicht ganz logisch vorkommt, und Wunden heilen sehr viel schneller als bei Menschen. Jacob und die anderen machen sich Sorgen um Quil, dessen Temperatur anscheinend selbst für einen Werwolf zu hoch ist – was bedeutet, dass seine erste Verwandlung kurz bevorsteht.
Haben sie schon mit ihm diesbezüglich gesprochen? Ich könnte mir vorstellen, dass das einerseits natürlich sehr stressig für Quil wäre, aber andererseits könnte er sich dann auch emotional darauf vorbereiten – und genau dabei lag ja auch das Problem bei Jacobs und vor allem Sams erster Verwandlung.
Die Verwandlung kann auch früher auftreten, beispielsweise durch Aufregung, aber bei Jacob war das nicht so, da er – dank Bella – glücklich war. »>[…] Weißt du, was bei mir der Auslöser war? Ich kam vom Kino nach Hause und Billy sagte, ich sähe merkwürdig aus. Mehr nicht, aber da bin ich ausgerastet. Und dann bin ich … ich bin explodiert. Ich hätte ihm fast das Gesicht zerkratzt – meinem eigenen Vater!<« (S. 294)
Immer diese explodierenden Werwölfe … Und darf ich sagen, dass ich diesen Auslöser irgendwie seltsam finde – warum brachte ihn genau das zum Ausrasten? Wie darf ich mir dieses Ausrasten vorstellen? Kam da vielleicht eine sarkastische, bissige Bemerkung oder ging Jacob zum nächstbesten Tisch, den er umwerfen konnte?
Jacob hat nach wie vor Angst, Bella wehzutun, ist jedoch auch erleichtert darüber, dass sie sein Geheimnis nun kennt. Nun erfahren wir auch, dass Sam selbst Emily die Wunden im Gesicht und an den Armen zufügte.
Hier war ich beim Lesen doch ein bisschen verwirrt, denn Bella reagiert auf diese Mitteilung in keiner Weise, dabei hätte ich bei dieser Enthüllung sehr wohl mit einer Reaktion Bellas gerechnet – mit irgendeiner Reaktion …
Jacob sagt, dass sein Werwolf-Dasein und sein Naturtalent darauf zurückzuführen sind, dass seine beiden Urgroßväter – Ephraim Black und Quil Ateara – Teil des »letzten Rudel[s]« (S. 295) waren. Quil – also der »jetzige« Quil – ist sein Cousin zweiten Grades und Sams Urgroßvater war offenbar ein gewisser Herr namens Levi Uley. Werwölfe sind, so erklärt Jacob fröhlich, ziemlich schnell – schneller noch als Vampire. Jacob fragt Bella bezüglich James aus und er erfährt so, dass er Bella damals gebissen und dass Edward ihr »das Leben gerettet« (S. 296) hat.
Ich fand die Formulierung hiervon doch irgendwie bemerkenswert, denn eigentlich will Bella ja ein Vampir werden und ihr Menschenleben hinter sich lassen. Da fand ich es doch interessant, dass sie vom Lebenretten spricht – oder eher: es in Gedanken nicht kommentiert.
Bei dieser Enthüllung fängt Jacob vor Wut an zu zittern, weshalb Bella ihm von den besonderen Fähigkeiten der Cullens erzählt. Er bemerkt, dass die Erinnerungen Bella verstimmen. Bella sagt ihm, dass der Gedanke an die Cullens schmerzt und sie das Gefühl hat, »in Stücke [zu] zerfallen« (S. 298). Jacob entschuldigt sich dafür, dass sie davon erzählen musste, und die beiden sind sich einig, dass es gut ist, dass sie zumindest einander haben.

Bella langweilt sich in LaPush, da Jacob nur wenig Zeit für sie hat, weshalb sie hin und wieder Emily besucht.
Diese Tatsache fand ich anfangs wirklich gut, nur leider erfahren wir nicht wirklich viel über Emily. Bella erzählt hier rückblickend, was sie mit Emily unternommen hat, was doch sehr stark dem »Show, don’t tell«-Prinzip widerspricht.
Jacob merkt, dass es Bella schlecht geht, weshalb er sein Versprechen einlösen und mit ihr die Klippen hinunterspringen möchte. Bella behagt der Gedanke nicht mehr allzu sehr wie damals, aber sie sehnt sich auch nach ihrer Halluzination – Edwards Stimme. Sie merkt an, dass sie »süchtig« (S. 300) ist.

Am nächsten Morgen erfährt Bella von Billy, dass Jacob von Sam und den anderen abgeholt wurde. Anscheinend haben sie Victoria erfolgreich in die Ecke getrieben, allerdings will sie nicht mit ihnen kämpfen – sie will an ihnen vorbei, um zu Bella zu gelangen. Unsere Protagonistin aber macht sich mehr Sorgen um die Werwölfe. Bella beschließt, zum Strand zu gehen und schließlich auch, alleine von den Klippen zu springen, um Edwards Stimme zu hören – denn darauf hatte sie sich schon die ganze Zeit gefreut.
So etwas zu zweit zu machen, ist schon lebensmüde, aber alleine … Und ich hatte gehofft, dass Bella diese Phase der Selbstzerstörung bereits hinter sich gelassen hätte.
»Er [= Jacob] setzte es [= sein Leben] im Wesentlichen für mich aufs Spiel. Wenn ich nicht wäre, würde Victoria nicht hier herumlaufen und morden … sondern irgendwo anders, weit weg. Wenn Jacob irgendetwas zustieße, wäre es meine Schuld.« (S. 305)
Damit Jacob sich also keine Sorgen mehr machen muss, will sie was genau tun – sich umbringen? Und dann kommt Jacob vielleicht nach Hause, überglücklich, dass er Victoria besiegt hat, und erfährt, dass Bella sich in der Zwischenzeit selbst die Klippe hinuntergeworfen hat – das wär doch ein interessantes Ende. Ich glaube, das ist der bisher größte Blödsinn, den Bella von sich gegeben hat. Natürlich macht sie sich Sorgen um ihn. Natürlich ist es ein beschissenes Gefühl, wenn jemand sein Leben für dich aufs Spiel setzt. Aber wem genau soll Bellas potentieller Selbstmord helfen? Wer sagt denn, dass Victoria die Werwölfe nicht trotzdem jagen würde? Vielleicht würde sie das allein schon aus Frustration tun, weil sie Bella nicht haben könnte? Wenn Bella Victoria den Tag so richtig versauen will, dann besteht für Bella die beste Taktik darin, am Leben zu bleiben.
Bella möchte von ganz oben springen und als sie einen Fuß an den Rand setzt, hörte sie Edwards Stimme, die ihren Namen sagt und sie bittet, es nicht zu tun. »>Tu es nicht<, bat er. / Du wolltest doch, dass ich ein Mensch bleibe, erinnerte ich ihn. Jetzt sieh mich an.« (S. 306)
Ich muss sagen, das finde ich als Ansatz eigentlich ziemlich interessant, da diese Aussage auf jeden Fall Emotionen ausdrückt. Leider kommt dazu nicht mehr.
Bella springt, landet überglücklich und unversehrt im Wasser und wird von der Strömung erfasst: »Das wütende Wasser war in allen Richtungen schwarz, es gab kein Licht, das mich an die Oberfläche geführt hätte. […] – ich spürte nicht, dass es mich nach unten zog oder dass ich in irgendeine Richtung sank. Nur das Donnern der Strömung, die mich rundherum schleuderte wie eine Stoffpuppe.« (S. 308) Sie ist sich sicher, dass sie ertrinken wird, und Edwards Stimme droht ihr, ja nicht aufzugeben. Bella versteht nicht, warum sie kämpfen soll, und sieht Edwards Gestalt vor sich. Schließlich stößt sie gegen einen Fels und verliert das Bewusstsein. »Lebe wohl, ich liebe dich, war mein letzter Gedanke.« (S. 309)


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F A Z I T
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Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass Bella an dieser Stelle der Geschichte sehr wahrscheinlich nicht sterben wird – sie ist die Protagonistin und erzählt das Ganze im Präteritum. Aber natürlich könnte jetzt der Moment kommen, in dem sie zum Vampir gemacht wird – vielleicht taucht Edward ja wieder auf, jetzt, wo seine Liebste fast ertrunken wäre.
Auf jeden Fall bin ich aber gespannt, wie Jacob reagieren wird – nicht sehr erfreut, kann ich mir vorstellen.
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