Warum zur Hölle bin ich eigentlich hier...

von Minou
GeschichteDrama, Romanze / P18
Felix Brummer / Kummer OC (Own Character) Steffen Israel / Tidde Till Brummer / Kummer
03.04.2018
12.05.2018
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Ihr Lieben!

Es geht weiter! Endlich wieder eine richtige Geschichte. Nicht nur ein One-Shot.
Hauptfigur wird hier vor allem Steffen werden (wir brauchen mehr Steffen!!!), aber auch Felix und Till werden viel zu Wort kommen. Viele Begebenheiten sind an Insta-Stories aus dem Herbst angelehnt, schreibt mir doch gerne, wenn ihr was erkannt habt. Ich würde mich freuen.

Und... apropos schreiben...
Dieses Kapitel ist mein 100. Kapitel, was ich hier veröffentliche. Ich würde mich also über Reviews besonders freuen.

Allerliebste Grüße und viel Spaß auf Tour mit den Jungs
MInou

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Salzburg.
Rockhouse.
17. Oktober 2017

"KLASSENFAHRT", rief Felix und ließ sich samt seines Rucksackes auf ein Sofa in der Lounge des Nightliners fallen. Er war als letztes gekommen, die anderen Jungs saßen schon genau dort. Felix sah nur in vergnügte Gesichter.
"Wuuuhuuu", lachte Max.
"Alter, ich hab so Bock auf die Tour!", stimmte Till zu und schüttelte seinen großen Bruder unwirsch an den Schultern.
"Drei Wochen PARTY!", rief auch Steffen und warf sich ebenfalls auf Felix.
"Drei Wochen keine Windeln wechseln!", grinste auch Karl und hatte in der nächsten Sekunde schon sein Handy in der Hand, vermutlich um seiner Frau zu schreiben.
Es war noch früh am Morgen, erst kurz vor sieben. Wenn sie pünktlich loskommen würden, dann wären sie schon mittags in Salzburg. Endlich wieder eine richtige Tour. Die letzte war weit über eineinhalb Jahre her. Klar, sie hatten Festivals gespielt im Sommer. Das war großartig gewesen. Vor allem, weil die Lemminge dabei gewesen waren, sie eine unglaubliche Show abgeliefert hatten. Aber so eine richtige Tour... das war schon noch etwas anderes.
Früher als erwartet kamen sie in Salzburg an und nicht nur sie, nein die ganze Krew war da. Einige von ihnen hatten sie seit den Festivals nicht mehr gesehen, andere schon nicht mehr seit der letzten Tour Anfang 2016. Alle wurden mit Handschlag, mit Umarmung, mit viel Freude begrüßt. Einziger Wermutstropfen: Raphi würde nicht mit dabei sein. Steffens Backliner. Sein Mitbewohner. Seine Familie. Der hatte sich blöderweise vor ein paar Tagen seinen Fuß gebrochen und fiel für die ganze Tour aus. Trotzdem gab es hier genug freundliche Gesichter, die sie begrüßen mussten. Sie quatschten, lachten, ließen alte Zeiten aufleben. Immer noch standen sie vor dem Rockhouse, sahen sich um. Der Veranstaltungsort war wirklich klein. Der mit Abstand kleinste der ganzen Tour. Aber als Tourauftakt genau richtig. Sie gingen rein, machten sich mit den Örtlichkeiten vertraut. Im Zuschauerraum wurde noch gebaut. Bis zum Soundcheck hatten sie mindestens noch zwei oder vielleicht sogar drei Stunden Zeit.
"Wollen wir in die Stadt?", fragte Felix.
"Auf jeden Fall", stimmte Max ihm zu.
"SHOPPEN", grinste Steffen ihm zu und auch die anderen waren einverstanden. Salzburg war traumhaft schön, es würde auf jeden Fall genug zu entdecken geben. Und da die Innenstadt nicht weit entfernt lag, entschieden die Jungs sich dazu, bei strahlend blauem Himmel zu Fuß durch die Stadt zu schlendern. Philipp machte einige Bilder, sie tranken gemütlich einen Kaffee und dann entdeckte Steffen einen Plattenladen und wurde für die nächste halbe Stunde nicht mehr gesehen. Die anderen hatten auch ein bisschen gestöbert, standen aber dann wieder vor dem Laden in der Sonne und unterhielten sich.
Als Steffen irgendwann doch fertig war, gingen sie zurück zum Rockhouse. An die Wand des schwarz-weißen Gebäudes gelehnt stand eine Frau, die die Jungs nicht zuordnen konnten. Sie hatte einen Fuß gegen die Wand gelehnt, ihre Arme fest vor der Brust verschränkt und löste nur ab und zu ihren linken Arm, um ihre Kippe zum Mund zu führen. Sie war nicht groß, Steffen schätze sie auf etwas unter 1,60m. Konnte das die Bassistin der Band Gurr sein? Steffen kannte bisher nur Andreya und Laura, die beiden, die eigentlich die Band Gurr waren. Die anderen Musiker waren nur für die Tour dabei. Steffen sah sie genauer an. Die dunkelbraunen Haare trug sie in einen Undercut geschnitten. Während die Seiten bis auf wenige Millimeter abrasiert waren, hatte sie die obere Partie in einer Welle nach links gestylt wo sie ihr sanft bis über die Ohren fiel. Sie trug zwei Ringe in der Nase, einen in der Lippe. In ihren Ohren hatte sie Tunnels, darüber noch einige einzelne schwarze Ohrringe. Allgemein machte sie einen eher dunklen Eindruck. Schwarze Cargo-Pants, ein schwarzes Top, das ihre Arme frei ließ, obwohl es schon Oktober und nicht mehr allzu warm war. Steffen bemerkte sofort, dass sie diverse Tattoos trug. Ihre Augen waren dunkel geschminkt, sie schaute auf, sah kurz zu Steffen. Ihre Blicke trafen sich nur für einen Moment und trotzdem spürte Steffen direkt etwas Trotziges, fast Feindseliges in ihren braunen Augen.
"Wer ist das?", fragte er Felix. Die anderen Jungs hatten sie anscheinend noch nicht bemerkt. Durch Steffens Frage wurden sie auf die kleine Frau aufmerksam.
"Keine Ahnung, lass sie uns doch fragen", gab Felix zurück und bewegte sich direkt auf sie zu. Die anderen Jungs folgten.
"Hallo. Ich bin Felix", stellte er sich vor, sie sah ihn an, lächelte gequält und nickte, sagte nichts. Dann zog sie wieder an ihrer Zigarette. Felix sah die anderen Jungs an. Was war denn mit der los? Er setzte erneut an.
"Also... jetzt wäre normalerweise der Zeitpunkt, wo du deinen Namen sagst", stellte er grinsend fest. Sie schaute wieder auf, ließ den Rauch aus ihrem Mund entweichen.
"Wieso?", fragte sie. Irritiert sah Felix sie an.
"Wieso was?", gab er zurück.
"Wieso soll ich dir meinen Namen sagen? Was geht dich das an? Wer bist du überhaupt?", fragte sie und der genervte Tonfall war nicht zu überhören. Steffen bemerkte, wie Till kurz prustete und dann mit aller Mühe versuchte, sich ein lauteres Lachen zu verbeißen.
"Ähm...", machte Felix verwirrt "hab ich dir schon gesagt, ich bin Felix. Von Kraftklub" Ungläubig sah sie ihn an, dann zog sie erneut an ihrer Kippe.
"Ich fass' es nicht. Ihr seid die Clowns, die die Tour hier machen? Ohne eure kleinen Karnevalskostüme hab ich euch nicht erkannt. Sorry", gab sie spöttisch zurück. Und Till fing tatsächlich an zu lachen. Dafür erntete er einen bitterbösen Blick seines Bruders, der das ganze hier gar nicht mehr witzig fand.
"Okay, pass mal auf. Entweder du sagst jetzt, wer du bist und was du hier zu suchen hast, oder ich rufe mal Toni, unseren Toursecurity und dann kannst du dem das erklären", sagte er jetzt ziemlich nachdrücklich, sodass sogar Till das Lachen verging.
"Woah! Gut, dass wir das direkt geklärt haben. Du bist ein Arsch. Schön. Ich bin Camilla. Ich vertrete euren ausgefallenen Backliner für die Tour. So schnell wirst du mich also nicht los", erklärte sie und schaute Felix fest an. Dem entgleisten kurz alle Gesichtszüge. Zum Einen, weil er nicht gerade erfreut war, die nächsten drei Wochen mit dieser doch anscheinend sehr streitsüchtigen Person zu verbringen, zum Anderen war sie eine Frau. Ja, das war sexistisch. Und ja, Felix ärgerte sich selbst darüber, dass er das überhaupt dachte. Aber er wusste nicht, wann er das letzte mal eine Frau in der Backline gesehen hatte. Kurz sagte keiner etwas. Camilla ließ ihren Blick über die Jungs schweifen und fixierte nun Max, der sich bisher im Hintergrund gehalten hatte.
"Ey Alter, sag mal, suchst du was in meinem Ausschnitt? Kannst du mal aufhören mir auf die Brüste zu gucken?", pampte Camilla in seine Richtung, Max starrte sie mit großen Augen an. Auch die anderen Jungs waren vor Schreck zusammengefahren, sie hatte ihre Stimme schon gewaltig erhoben.
"Sorry... ich... ich hab nur...", stammelte Max.
"Nur was, hä? Als Rockstar das Recht, deine Mitarbeiterinnen anzugaffen?", warf sie ihm vor.
"Nein, natürlich nicht... glaub mir, ich wollte...", versuchte Max es erneut.
"Ich will gar nicht wissen, was du wolltest, du Penner. Behalt deine Augen zukünftig bei dir", sagte sie mit einem Tonfall, der Max ein Stück zurückweichen ließ.
"Sorry", murmelte er jetzt leise.
"Geht doch!", meinte Camilla jetzt mit wohlwollenderer Stimme, machte aber direkt auf dem Absatz kehrt und verschwand Richtung Eingangstür. Immer noch in vollkommener Schockstarre standen die Jungs da.
"Ich... ich wollte nur ihr Tattoo lesen... echt jetzt", entschuldigte sich Max kleinlaut und sah dabei aus, wie ein geprügeltere Welpe. Er konnte einem echt leid tun.
"Wie ist die denn drauf?", fragte auch Karl entnervt. Für solche Dramen hatte er keine Geduld. Till jedoch fand sie irgendwie cool. Diese rotzige Anti-Alles-Art hatte was für sich. Also murmelte er schnell ein
"ich geh sie mal suchen" und verschwand dann ebenfalls im Rockhouse. Till hatte Camilla schnell eingeholt. Sie stand etwas unschlüssig im Foyer und schaute sich um. Er grinste.
"Na, starken Abgang geplant und jetzt keine Ahnung, wo du hinsollst?", sagte er und sah, dass sie sich gewaltig ertappt fühlte. Sie sah ihn genervt an, aber Till hätte schwören können, dass er ein leichtes Zucken um ihre Mundwinkel wahrnahm.
"Fick dich", sagte sie und konnte kein ernstes Gesicht mehr behalten, kurz musste sie lachen. Das Eis war gebrochen. Er ging zu ihr und streckte ihre Hand aus.
"Hey, ich bin Till, der Bassist. Bruder von dem Arsch und Kumpel von dem Penner", stellte Till sich vor. Wieder musste Camilla lachen.
"Ganz ehrlich. Wie asi war ich gerade da draußen?", fragte sie ihn unverblümt und schmunzelte.
"Schon ziemlich", befand Till  und sie schaute Till einmal von oben nach unten an.
"Du bist in Ordnung", sagte sie.
"Danke. Das ehrt mich. Und das aus deinem Mund...", meinte Till übertrieben theatralisch. Sie hatten sofort eine Ebene gefunden. Den Sarkasmus. Sie waren sich einfach direkt sympathisch. Die kleinen Rebellen. Die Keinen-Fick-Geber.
"Soll ich dir mal zeigen, wo du hier was findest, damit du bei der nächsten dramatischen Szene besser wegstürmen kannst?", fragte er sie grinsend.
"Haha", antwortete Camilla, rollte mit den Augen und fügte hinzu "aber ich nehm dein Angebot gerne an." Und schon führte Till sie durch die Räume, die er selbst erst vor ein paar Stunden kennen gelernt hatte. Vor allem aber zeigte er ihr das Equipment, die Busse, das, was in jede Stadt mitkommen würde. Als sie alles gesehen hatte, setzten sie sich hinter der Bühne auf Transportkisten.
"Bist du schon lange Backlinerin?", fragte Till. Sie wiegte den Kopf hin und her.
"Joa, naja, seit vier oder fünf Jahren ungefähr", erklärte sie.
"Wie bist du dazu gekommen?", wollte Till wissen.
"Ich bin keine gescheiterte Musikerin, falls du das wissen willst. Ich hab 'ne Ausbildung zur Veranstaltungs- und Bühnentechnikerin gemacht und dann, weil ich halt diverse Instrumente spiele, hab ich erst als Roadie und dann als Backlinerin gearbeitet", berichtete Camilla "wie war das bei dir? Wie kommt man zu Kraftklub?" Till erzählte von Musikunterricht als Kind, von den Neon Blocks, die er mit Karl, Steffen und Max gegründet hatte, wie Felix dazu gekommen war und dann irgendwie alles seinen Weg genommen hatte.
"Also seid ihr eigentlich irgendwie 'ne Schülerband?", fragte Camilla belustigt. Till grinste.
"Irgendwie schon. Bis auf Steffen kenne ich die anderen, seitdem ich vier war. Also eigentlich immer."
"Nervt das nicht?", fragte sie verständnislos.
"Was?"
"Dass du mit deinem Bruder und seinen Kumpels in 'ner Band spielst. Weil sind wir mal ehrlich. Dein Bruder ist echt ganz schön großkotzig", erklärte Camilla. Till musste lachen.
"Joa, manchmal wirkt Felix wirklich wie ein Arsch. Aber das ist er nicht. Echt nicht. Felix ist ein herzensguter Mensch", verteidigte Till seinen Bruder und Camilla nickte. Er war sich nicht sicher, ob sie ihm glaubte. Er wollte es jetzt aber auch nicht herausfinden, denn ein unglaublicher Duft stieg ihm in die Nase.
"Sag mal... riechst du das?", fragte Till. Auch Camilla hielt jetzt ihre Nase in die Luft.
"Du meinst das Essen? Das riecht ja mal geil! Was ist das?", wollte sie wissen.
"Wenn ich mich nicht ganz schwer täusche, ist das unser Catering. Die Rote Gourmet Fraktion. Alter. Ich hab Hunger. Kommst du mit?" Till wartete keine Antwort ab, sondern ging in die Richtung, aus der dieser unbeschreibliche Duft kam.
Schon standen sie beim Catering, ließen sich von den unglaublich lecker aussehenden Gerichten auftun, nahmen ihre Teller und setzten sich auf eine Bank in der Sonne. Schweigend aßen sie und Camilla musste feststellen, dass das Essen nicht nur gut aussah und verführerisch duftete, sondern auch mehr als fantastisch schmeckte.
"Wieso isst du hier mit mir? Wieso zeigst du mir hier alles?", fragte sie nach einer Weile kauend. Till schaute sie unverwandt an.
"Weil... du dich nicht auskennst?" Seine Antwort war eher eine Frage, als eine Erklärung.
"Aber... die Künstler zeigen normalerweise den Backlinern nicht, wo sie was finden und essen auch nicht gemeinsam mit ihnen Mittag", versuchte sie ihren Standpunkt zu erklären. Till grinste sein schiefes Lächeln.
"Bei uns gibt es solche hierarchischen Strukturen nicht. Wir sind eine Gäng. Jeder trägt seinen Teil bei. Egal ob er... oder sie... ein Instrument in der Hand hat oder nicht", erklärte er. Sie schien ihm nicht zu glauben, nickte aber.
"Till... du bist nett und so... aber dir ist klar, dass du gar nicht erst versuchen musst, mich anzugraben. Weil erstens fange ich nie was mit Leuten auf der Tour an, zweitens bist du viel zu jung für mich und drittens..." Sie konnte drittens nicht mehr zu Ende bringen.
"... und drittens hab ich 'ne Freundin, eine Tochter und das zweite Kind kommt Ende nächsten Monats", schloss er grinsend ab.
"Willst... willst du mich verarschen?", fragte Camilla verwundert.
"Nein. Ich weiß, traut man mir nicht so zu. Ist aber so", grinste Till. Camilla verzog ihr Gesicht zu einem kurzen Grinsen.
"Sorry, hab dich unterschätzt", sagte sie kurz.
"Das tun die meisten. Ich vermute, da haben wir was gemeinsam", stimmte Till ihr zu. Camilla sah ihn an mit einem Blick, den er nicht so ganz deuten konnte. Aber zum ersten Mal hatte Till keine Angst, dass sie ihn gleich anspringen würde. Sie zog eine Kippenschachtel aus der Hosentasche, bot ihm eine an, Till nahm sie dankend. Sie zündete erst seine, dann ihre an. Nachdem sie einen Zug genommen hatte, wendete sie sich wieder an ihn.
"Till, ich glaube die drei Wochen werden gar nicht so scheiße, wie ich dachte"
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