Disharmony

OneshotRomanze, Angst / P12
Chuya Nakahara Dazai Osamu
02.04.2018
02.04.2018
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Ein kleines Gedankenspiel zu "Wie sähe wohl ein typischer Soukoku-'Ehekrach' aus?"
Allerdings bin ich irgendwann einfach abgedriftet. Vielleicht hab ich zu viele Schokoeier genascht.
Man kann diesen Oneshot jedenfalls als kleines Osterspecial sehen.^^


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Chuuya presste die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen.

"Du kannst jetzt gerne aufhören zu schauspielern!"

Die Ansage kam unerwartet, aus heiterem Himmel gegriffen und Dazai wusste sofort, dass Chuuya mal wieder eine seiner Phasen hatte. Trotzdem versetzte es ihm einen Stich.

"Wie kann man nur so grausam sein?!"

Er seufzte leise. Wenn er ihn einfach ignorierte, würde er sich selbst nur noch stärker hineinsteigern.

"Das sollte ich dich fragen.
Traust du mir wirklich zu, dass ich alles geschauspielert hab? Denkst du ehrlich, ich bin wirklich so kaltherzig?"

sagte Dazai leise und fügte in Gedanken hinzu: 'Wie du diese Tage.'
Der Rothaar schnaubte abfällig und kickte den Verbandskasten vom Bett.

"Wie du da sitzt. So unschuldig. Auf unserem gemeinsamen Bett. Dabei könnte ich schwören, dass es nicht die einzige Bettseite ist, die du dir warm hältst. Denkst du immer noch, dass ich darauf reinfalle?  Ich habe gesagt, du kannst aufhören!"

"Wie soll ich mit etwas aufhören, das ich gar nicht tue?!"

Verdammt, wenn sein Partner eifersüchtig war, war er am ungenießbarsten. Das versprach ein langer Tag zu werden. Dabei hatte er sich noch nicht einmal    fertig auf ihn vorbereitet.

"Schämst du dich denn gar nicht?!"
Du kannst doch nur nicht 'nein' zu mir sagen! Das ist alles,"

legte Chuuya ein weiteres Stück Kohle ins Feuer. Ob er wusste, wie sehr es an Dazais Nerven züngelte? Er sollte schnelltens versuchen, seinen liebsten Morgenmuffel zu beschwichtigen, bevor er sie verlor.

"Ja und weißt du warum? Weil ich dich liebe! Aber das scheinst du mir ja offensichtlich nicht zu glauben...," meinte er betrübt.

"Bist du nicht einfach nur eine Maschine, die aufs Wort gehorcht? Ein Monster?"

Ja, so war er doch schon immer gewesen. Manipulativ. Der Schmerz flammte in Dazais klaren haselnussbraunen Augen auf und stichelte Chuuya dazu an, weiter zu machen.

"Wenn du andauernd Leute verarschst und Masken aufziehst, wie soll man dann noch wissen, welches dein echtes Gesicht ist?! Hast du überhaupt noch eins?!"

Der halbnackte Hutträger erntete einen erschrockenen Blick. Im nächsten Moment riss Dazais Geduldsfaden. Er hasste es, dass sein Geliebter ganz genau wusste, wo er zuschlagen musste.

"Du bist so ein idiot! Ich habe meine Masken abgelegt. Für dich! Aber das scheinst du ja nicht wahrhaben zu wollen."

Er erwischte sich selbst dabei, wie er sofort wieder zurücktaumelte und dem sinkenden Boot zu entkommen versuchte. Doch es half alles nichts. Jetzt zeigte Chuuya mit dem Finger auf ihn, drückte den Nagel in seine halbfertig einbandagierte Brust, was mit dem morgendlichen Vogelnest auf seinem Kopf eigentlich lächerlich ausgesehen hätte. Wenn da nicht sein zorniges Gesicht und seine scharfe Zunge gewesen wären.

"Nein, du bist hier der Idiot! Du sagst immer nur dasselbe. Ist das nicht Beweis genug dafür, dass ich dich und deine Machenschaften endlich in die Enge getrieben habe? Dass du nicht mehr weißt, wie du dich rausreden kannst?"

Was sollte er denn auch anderes sagen, als dass er ihn liebte?

"Ja!... Ja, du hast mich in die Enge getrieben, okay? Aber nicht, weil ich keine Ausreden mehr finde, sondern weil ich nicht mehr weiß, wie ich dir beweisen kann, dass meine Liebe für dich echt ist! Ich weiß es nicht, du Dickkopf!"

Der Rothaar fletschte unmittelbar die Zähne.

"Ist es nicht Beweis genug, dass ich für dich lebe? Dass ich mit den Suizidgedanken aufgehört habe? Aber wenn du denkst, dass das nur eine einzige Lüge ist, dann ist es ja nicht schlimm, wenn ich mich den Gedanken wieder hingebe!"

"Ha! Willst du mich jetzt erpressen? Mir ein schlechtes Gewissen einreden?"

Chuuya wurde immer zorniger. Das hatte doch alles keinen Zweck. Dazai hatte die Nase voll von dieser  bescheuerten Auseinandersetzung.

"Wenn du mir so kommst, kannst du dich gerne raushalten. Aus meinem Leben, aus allem, klar? Außerdem, wenn du behauptest, ich sei ein Monster, solltest du es doch feiern, wenn ich nicht mehr bin! Sollten Monster nicht verschwinden?!"

"Soll das eine Aufforderung sein?"

"Wofür? Willst du mich umbringen?!
Ist vielleicht gar keine so schlechte Idee!"

"Willst du sehen, wie ich daran zerbreche? Passt ja in das Muster. Bis zum letzten Atemzug der Spielemeister. Gott, wird mir übel."

Dazai, wischte mit einer Handbewegung Chuuyas Arm fort und baute sich vor ihm auf.

"Du hast doch vorgeschlagen, mich umzubringen!"

Wie kam dieser Emo denn jetzt darauf? Dazai hatte doch ganz offensichtlich darauf angespielt, dass er und dieses verdammte Monster namens Corruption in ihm verschwinden sollten, oder nicht?

"Du drehst doch alles nur, wie es dir passt!"

Dazais Wut ging in Trauer über, als er realisierte, dass sie nicht mehr nur heftig stritten, sondern zusätzlich noch gefährlich nah aneinander vorbei redeten. Er begann den Glauben an sich selbst zu verlieren. Warum konnte er von allen Menschen der Welt ausgerechnet diesem Hitzkopf in einem Wortgefecht nicht das Handwerk legen?
Sein Schweigen und das Zucken in seinem Bein veranlasste sein Gegenüber dazu, die Arme zu verschränken.

"Du bist sowas von das letzte! Sobald es dir nicht mehr in den Kram passt, haust du eben schnell ab. So ist es ja am einfachsten, ne? Bist du jetzt tatsächlich so resigniert, dass ich dich vor den Kopf gestoßen habe?"

"Vielleicht hast du mir auch einfach nur die Augen geöffnet,"

präsentierte er Chuuya den Zweifel an sich selbst auf dem Silbertablett. Der schnaubte, sich seines Sieges sicher:

"Was denn, lügst du neuerdings schon so gut, dass du deinen eigenen Lügen Glauben schenkst? Abartig."

"Ja, ich bin abartig, abstoßend, widerwärtig! EIN MONSTER! War dir das etwa nicht klar, als du dich auf mich eingelassen hast?!"

Der Streit hatte endlich seinen Höhepunkt erreicht, realisierte Dazai. Gleich würde er es hinter sich haben. Und er hatte Recht, Chuuya griff bereits nach seinen Zigaretten und wich zur Balkontür aus. Dazai wartete darauf, dass er das letzte Wort ergriff. Heute fühlte er sich so schlecht, dass er es ihm überlassen würde. Vielleicht würde es ihm zu denken geben.

"Woah, das kann ich mir gar nicht mehr anhören,"

grummelte Chuuya wie ein Bär vor sich hin und verschwand nach draußen. Das Geländer des Balkons war noch mit raureif bedeckt und die Sonne ging gerade erst am Horizont auf. Sie durchflutete das Zimmer, in dem Dazai zu ersticken drohte, mit Licht und unangebrachter Wärme.
Er seufzte. So würden sie immer auseinandergehen. Chuuya würde sich, ohne dass das Wetter eine Rolle spielte, mit seinen Zigaretten nach draußen verkrümeln, während er selbst sich in seiner Arbeit ertränkte, um auf andere Gedanken zu kommen.
Doch egal wie heftig der Streit auch gewesen sein mochte, es war immer dasselbe mit ihnen.
Sie schwiegen einander an, gingen sich aus dem Weg. Mal ein paar Stunden mehr und mal ein paar Stunden weniger.
Und dann begannen sie wieder die Nähe des anderen zu suchen. Unverbesserlich. Unabänderlich. Wie zwei Magnete mit unterschiedlichen Polungen.
Letztendlich liebten sie doch einander.

Seufzend lehnte sich Dazai in seinem roten Bademantel in den Türrahmen zum Balkon und betrachtete den nackten über das Geländer gebeugten Rücken seines Partners. Er hatte nicht mal die Gelegenheit in Gedanken bis 10 zu zählen, da erhob Chuuya schon seine Stimme. Leise und vorsichtig. Das komplette Gegenteil von dem harschen Ton, in dem er sich vor etwa einer Stunde noch geäußert hatte.

"Ich versteh dich einfach nicht. Vielleicht kann ich einfach nicht einsehen, dass ausgerechnet du dich so etwas primitiven wie Liebe hingibst. Das passt einfach nicht zu dir."

Dazai trat einfach wortlos hinter ihn, zog seinen Mantel aus und legte den blutroten Stoff über Chuuyas zitternde Schultern.

" Es mag mir irgendwie zu widersprechen, aber... Ich genieße es. Jede einzelne Sekunde mit dir ist einfach großartig. Ich kann endlich mal wieder ich selbst sein... zumindest war es bis jetzt so."

Chuuyas kleine Hände zogen den Mantel enger um sich. Seine unterkühlte Haut labte sich an Dazais im Stoff zurückgebliebener Wärme. Er senkte den Kopf. Vielleicht war Dazai zu früh zu ihm zurückgekommen. Er entschied, dass er möglicherweise noch etwas Zeit für sich benötigte und wendete sich zum Gehen.
Im Türrahmen wurde er von Chuuyas Stimme aufgehalten.

"Ich bin mir irgendwie nie sicher wann du du bist... und wenn wir so etwas tun... reagiere ich irgendwie total empfindlich auf jedes Anzeichen, dass du nicht..."

Ah, er sprach von letzter Nacht. Warum war nicht selbst darauf gekommen?
Sie hatten sich geliebt. Aber er war nicht ganz bei der Sache gewesen, zu viele Gedanken hatten seinen Kopf bis zum Rand hin vollgestopft. Er war nunmal der Boss der Port Mafia. Die Führung nahm sein Leben ein wie ein Weltmeister. Jeden Morgen wieder war die Arbeit, die sich auf seinem Schreibtisch häufte, wie ein Schlag in die Fresse.
Kein Wunder, dass Chuuya seine Verspannungen in den falschen Hals bekommen hatte. Im Bett war er entweder ein Gott, der einem alle Wünsche von den Lippen ablas oder ein furchtbares Sensibelchen. Er hätte ihn vielleicht besser für diese Nacht abweisen sollen, als ihn halbherzig zu lieben.

"Verzeih mir."

"Wenn hier jemand jemandem verzeihen muss, dann du mir. Denn ich bin auf eine Beziehung mit dir eingegangen, ohne dir zu vertrauen,"

sprach sein Partner seine plötzliche Realisierung konkret aus und zog den Mantel noch enger um sich, bevor er wiederholte:

"Ich vertraue dir nicht, Dazai."

Nun, das war zu erwarten gewesen. Immerhin war er nicht umsonst zur Spitze der Mafia aufgestiegen. Er kontrollierte Menschen selbst mit geschlossenen Augen und hatte niemals in seinem Leben zu träumen gewagt, dass ihm auch nur irgendwann irgendwer, selbst wenn es sein Ehepartner sein sollte, auch nur ein einziges mal voll und ganz vertrauen könnte.

"Ich kann dir mein Leben anvertrauen, aber der Rest... rinnt mir durch die Finger. Ich drehe jedes Sandkorn auf der Suche nach deinem scharfen Verstand um. Und ich sehe ihn überall. Und ich kann ihm nicht trauen, wenn ich ihn nicht selbst ansatzweise verstehe."

Der Brünette drehte leicht den Kopf, um die Statur auf seinem Balkon aus dem Augenwinkel zu betrachten. Dass sie ihm sein Leben anvertraute, war schon beachtlich.

"Weißt du, ein Hase ist mit Recht schreckhaft und besitzt gerne den Überblick. Weil er ganz genau weiß, dass er dem Raubvogel unterlegen ist."

Nun drehte sich der Brünette überrascht zu ihm um. So hatte er ihn noch nie reden gehört. Er sprach mit ihm, als würde er einem kleinen Jungen erklären, warum jedes Lebewesen auf Erden irgendwann mal sterben muss. Ruhig. Verloren. Mit dem Bewusstsein, sich selbst damit zu identifizieren. Dazai hörte ihm aufmerksam zu.

"Und wenn der Hase verwirrt ist und Angst hat, dann macht er Lärm. Er schlägt auf den Boden, um alle Warnsignale zu aktivieren und sich dann in Windeseile zu verstecken. Dabei wird er natürlich nie erfahren, ob es nun ein Raubvogel gewesen ist, dessen Schatten er gesehen hat, oder nicht. Denn hätte er schon einmal einen Raubvogel von nahem gesehen, dann wäre er logischerweise nicht länger am Leben. Aber seine Instinkte sagen es ihm und auf die kann er sich im Zweifelsfall eigentlich immer verlassen.
Ob der Raubvogel nun auf der Jagd war oder ob er einen friedvollen Spaziergang durch die Lüfte gemacht hat, das kann er ebenfalls nicht wissen.
Der Hase bleibt also lieber immer auf der sicheren Seite. Ob das, was nun zu dem Schatten gehörte, sich nun möglicherweise nur mit ihm anfreunden wollte ist ja auch ziemlich unwahrscheinlich, nicht?"

Chuuya machte eine Pause, um leise zu Seufzen. Er hatte ihm immer noch den Rücken zugekehrt, doch Dazai konnte trotzdem erkennen, wie er nervös eine seiner rostroten Locken um seinen Finger wickelte.

"Schätze mal, der Hase ist da ganz schön auf sich selbst fixiert. Er würde es natürlich nie wahrhaben wollen, dass ein Monster, wie das, was über ihm hoch im Himmel kreist, auch nur ein Lebewesen ist und noch dazu trotz seiner scharfen Krallen die Möglichkeit bestehen könnte, dass er ohne böse Absichten bloß freundlich zu ihm sein wollte."

Dazai gab sich einen Ruck und trat direkt an Chuuya ran, um ihm eine Hand auf das weiche Haar zu legen. Dann fuhr er für Chuuya fort:

"Einsam, allein und traurig, weil alle, die seinen Schatten erblicken, sofort die Flucht ergreifen.
Und wenn der Hase ihm einmal die Chance gibt, sich ihm anzunähern, ist der Rabe gleich so überfordert von dieser neuen Situation, dass er über seine eigenen Flügel stolpert und den Hasen dabei verletzt, der sofort wieder die Flucht ergreift. Und der Rabe rafft sich auf, sieht dem flüchtenden Hasen nach und weiß nicht, was er tun soll. Und so breitet er seine Flügel aus und steigt wieder in die Lüfte... er flieht."

Dazai spürte das Zittern in Chuuyas Schultern, doch er war noch nicht fertig, denn er musste dieses mal wirklich sicher gehen, dass sein Rothaar ihm folgen konnte und ihn richtig verstand:

"Er zieht so lange seine Kreise, bis das Gewicht seines einsamen Herzens ihn wieder nach unten zu dem Hasen führt, um ihm zu sagen, wie er wirklich fühlt. In der Hoffnung, der Hase hört ihm zu... und glaubt ihm, sieht hinter die Maske des Monsters und erblickt sein wahres Gesicht. Augen, die nach Liebe schreien und Lippen, die sich nach dem weichen Fell des Hasen sehnen..."

Er wurde unterbrochen:

"Aber der hat sich schon all die Warnungen seiner Familie wieder ins Gedächtnis gerufen. Einen Raben haben sie stets mit dem Tod und dem Unheil verbunden."

Kouyou. Ja, er kannte seine Führungskräfte und er wusste genauso um die enge geschwisterliche Bindung zwischen der hochgewachsenen Frau und dem Kurzen, wie um den Hass den sie ihm entgegen brachte. Er konnte nicht anders, als sich sofort einzuschalten und gegen diese Vorurteile zu wehren:

"Und wer aus der Familie kennt den Raben? Wer hat jemals zu ihm aufgeschaut und gesehen, wie es dem Raben dabei ergeht, wenn immer alle vor ihm wegrennen? Wer hat jemals hinter seine Fassade geschaut und gesehen, wer und wie er wirklich ist?"

"Niemand," antwortete Chuuya, "denn die Priorität liegt immer auf der Gefahr. Dass dem Raben auch die Bedeutung eines Krafttiers innewohnt und er ein wichtiger Lebensbegleiter sein kann, kommt in ihrer Engstirnigkeit niemandem in den Sinn."

Plötzlich vergrub Chuuya das hübsche Gesicht in seinen Händen. Das war Dazais Zeichen, dass er nun endgültig verstanden hatte. Endlich hatte er wirklich hinter den echten Vorhang geblickt und nicht hinter welche, die er sich in seiner Vorsicht bloß einbildete. Trotzdem hätte er mit Chuuyas folgenden Worten nicht gerechnet:

"Und dann kommt dem Hasen als Entschuldigung in den Sinn, dass der Rabe ja irgendwann wieder Hunger bekommen muss und jeder vergangene Gedanke, den er gerade für immer verwerfen wollte, ja doch irgendwo berechtigt war."

Dazai lächelte. Sein Partner war immer noch auf der Hut. Allerdings befand er sich nun nicht mehr auf dem Pfad sein Vertrauen in ihm zu finden, sondern es zu festigen und bestätigt zu bekommen.

"Aber hat der Hase jemals daran gedacht, dass der Rabe sich für ihn ändern könnte? Sich für seine wahre Liebe ändern könnte und es auch tun würde?"

Er hatte seine Suizidversuche aufgegeben, um für ihn zu leben. Chuuya war in solchen wie auch in lebensbedrohlichen Momenten mit einem kühlen Kopf gesegnet. Er würde die Botschaft in seinen Worten verstehen. Und er tat es noch während er Dazais Verstand ein weiteres Mal auf die Probe stellte. Gott, liebte Dazai ihn.

"Was für ein seltsames Pärchen. Das kann ja eigentlich gar nicht gutgehen. Der eine lebt im Himmel, der andere unter der Erde.

"Gegensätze ziehen sich eben an... um eine Balance herzustellen. Wie zwischen Optimismus und Pessimismus. Oder wie aus Rationalität und Emotionalität Moral entsteht."

"Und welches Tier, welches Monster, kann schon entscheiden, wo er in der Nahrungskette steht? Ein Fleischfresser kann nicht einfach so selbst bestimmen, Vegetarier zu werden."

Es kam Bewegung in den kleinen Körper, der ihm die ganze Zeit den Rücken zugekehrt hatte und nun den Kopf in seine Richtung drehte. Seine Augen waren rotgerändert. Es unterstrich das Blau, welches so tief war wie eh und je. Chuuya war intelligenter, als er dachte. Seine schlauen Augen waren es, die seine Größe wettmachten und ihm den Respekt aller seiner Untergebenen einbrachte.

"Das kann nur ein Mensch,"

fuhr Chuuya fort, während er zu ihm aufsah,

"Bist du vielleicht doch ein Mensch, Osamu?"

Chuuyas Lächeln zwischen seinen Worten war Balsam für seine wunde Seele.

"Bist du vielleicht eher das Kind, welches vielleicht manchmal tollpatschig ist und dem Hasen mit seiner schieren Größe Angst einjagt, aber ihn ebenso umsorgt, ihm alles gibt, was er braucht?"

Der Blick der Saphire sank auf den flauschig roten Stoff über seinen Schultern.

"Dasjenige, welches ihn vor dem Raubvogel beschützt,"

bestätigte Dazai mit einem Flüstern, woraufhin sein Geliebter wieder zu ihm aufsah.

"Vergibt das Kind dem Hasen denn, dass er es gebissen hat?"

"Darauf kannst du wetten. Wie könnte es dem gutmütigem Herz und dem weichen Fell nur widerstehen?"

Sie grinsten einander an. Verstanden sich wieder beinahe ohne Worte. Das Grinsen schmolz in einen warmen Kuss dahin. Und in das Heranziehen von Chuuyas Körper an seinen. Chuuyas Atem auf seiner Haut war so erlösend. Er seufzte erleichtert in den Kuss, ließ Chuuyas Zunge ein und sie jede Verspannung in seinem Körper lösen. Sie schmeckte salzig. Nach Tränen. Und nach Meer. Nach so viel mehr.
Als ihre Lippen sich mit einem leisen Ploppen wieder voneinander lösten und sie sich benommen in die Augen sahen, murmelte Dazai mit glänzenden Lippen:

"Versöhnungssex?"


Er landete mit einem Kinnhaken im Bett.
Jepp, das war sowas von ein 'ja'.
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