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Treibsand

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Demir Azlan Frank Wernitz Gebhard Schurlau OC (Own Character)
01.04.2018
04.03.2019
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03.04.2018 779
 
Dem Verständnis halber bezeichne ich Geb manchmal als Geb, Papa oder Vater und Sophias biologischen Vater Richard als biologischen Erzeuger oder Erzeuger.

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Eine halbe Stunde später saß ich in Demirs Wohnung und starrte ratlos an die Wand.

„Ich kann Papa das nicht sagen. Er würde das nicht verstehen.“

Der beste Freund meines Vaters reichte mir ein Taschentuch entgegen, mit dem ich mir die Tränen vom Gesicht wischte und sah mich mitleidig an.

„Mein Erzeuger hat Krebs und fragt, ob er mich sehen kann. Nach 14 Jahren ohne Kontakt. Vielleicht ist es das letzte und einzige Mal. Vielleicht erfindet er das alles auch nur. Ich weiß es nicht. In meinem Kopf geht gerade alles durcheinander.“
Ich seufzte schwer, schnäuzte mir die Nase.

„Und was willst du?“

Demir  sah mich fragend an.

„Mal ehrlich Sophia, wir reden hier seit 10 Minuten über Geb. Aber die Frage ist in erster Linie doch, was du willst?“

Ich zuckte mit den Schultern legte den Kopf schief.

„Na, ja mich interessiert schon, wie er so wäre. Ob wir Ähnlichkeiten haben. Aber ich will Papa eben auch nicht wehtun. Ich meine, er hat sich wirklich den Hintern für mich aufgerissen und für mich wird er immer mein Vater sein. Egal was kommt. Das würde nichts zwischen uns ändern.“

„Und wenn du Geb genau das sagst?“
Aber ich schüttelte nur mit dem Kopf. Ausgeschlossen. Das würde nicht über meine Lippen gehen.

„Ich kann das nicht. Ich hab das Gefühl, dass ich ihn oder Mama verrate und undankbar bin, wenn ich das mache. Aber vielleicht muss er das ja gar nicht erfahren. Was ist wenn ich mich mit Richard  heimlich treffe?“
Demir legte den Kopf schief, kratzte sich nervös am Kinn.

„Ich weiß nicht, ob das so ne gute Idee ist. Hat der Typ denn eine Adresse?“
Ich nickte, hielt ihm das Blatt entgegen.

„Grunestraße 14.“
Er besah sich das Schreiben.

„Soll ich mal mit Geb reden?“
Aber ich winkte ab.

„Nee, lieber nicht. Das kommt dann falsch an. Nachher versteht er das miss und denkt ich komme eher zu dir als zu ihm wenn ich Probleme habe.“

„Willst du meine Meinung hören?“

„Nur zu.“

Demir seufzte, hob und senkte dann die Schultern.

„Das wird dir jetzt möglicherweise nicht gefallen, aber ich finde du solltest ehrlich zu ihm und deiner Mutter sein. Letztendlich ist es deine Entscheidung. Mit 14 kann man selbst wählen, welches Elternteil man sieht, aber wenn es Maja oder Geb auf normalem Weg erfahren, wird der Schock noch größer sein.“
Unglücklich sah ich auf den Brief.

„Sophia, du hast nichts falsch gemacht. Darüber musst du dir immer im Klaren sein. Außerdem hast du es ja selbst erkannt. Geb ist für dich immer wie dein Papa. Egal was passiert. Diese Zeit, die ihr zusammen verbracht habt, die ist hier oben abgespeichert“, deutete er auf meinen Kopf.

„Die kann dir niemand weg nehmen.“
Unschlüssig sah ich aus dem Fenster. So leicht wie er das sagte, war es keineswegs.

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Ich brachte es nicht. Trotz aller Bestrebungen konnte ich Geb nicht die Wahrheit sagen.

Es war wie eine Barriere im Kopf. Zeitgleich wurde der Druck immer größer.
Irgendwann fasste ich einen Entschluss. Ich setzte mir ein Ultimatum und machte einen Plan.

Ich würde nach Charlottenburg fahren, um meinen biologischen Erzeuger zu sehen.  Gleichzeitig nahm mir das die Geschwindigkeit, denn ich konnte frei entscheiden wann ich meinen Plan umsetzte und lebte nicht in Panik vor dem nächsten Briefverkehr.

Zu meinem Unmut war mein Verhalten auch nicht spurlos an Geb vorbei gegangen. Ich vermied Zusammentreffen und gab meist nur ausweichende Antworten. Ich  musste ständig daran denken, dass ich ihn mit meinem Vorhaben hintergehen würde.
Ich wusste, dass meine Mutter ihn vor Wochen mit einem anderen Mann betrogen hatte und dies als Auslöser für seinen vorübergehenden Auszug galt.
Umso mehr hatte ich mit mir gehadert, ob ich meinen Alleingang durchziehen und allein nach Charlottenberg fahren sollte.
Ungefähr zwei Tage vor meinem Plan, schien sich die Situation zuzuspitzen. Ich kam nach Hause und sah meine Mutter heulend in der Küche. Mein Vater schrie und diskutierte mit ihr über die Wichtigkeit seines Jobs und wesentliche Erziehungsfragen, bis sie sich  kurz darauf in den Armen lagen und versöhnt hatten.

An manchen Tagen wünschte ich mir, dass sie sich trennten, bis ich bei gemeinsamen Familienabenden realisierte, wie dringend ich beide brauchte.

Kurz vor dem Abendessen klopfte es an meiner Zimmertür und Geb steckte den Kopf in den Raum hinein.

„Darf ich?“

„Klar.“

Er setzte sich auf meinen Schreibtischstuhl.

„Lange Rede kurzer Sinn: Du gehst mir aus dem Weg und ich wüsste gerne warum. Du, wenn du was ausgefressen hast, du kannst jeder Zeit mit mir reden. Das weißt du.“

In meinen Augen sammelten sich Tränen.
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