Treibsand

GeschichteAllgemein / P12
Demir Azlan Frank Wernitz Gebhard Schurlau OC (Own Character)
01.04.2018
04.03.2019
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01.04.2018 1.051
 
-Ankündigung-

In dieser Handlung geht es um Sophia Schurlau, die in dieser Geschichte nicht Gebs leibliche Tochter ist und nach 14 Jahren Post von ihrem biologischen Vater erhält, der sich mit einem Treffen konfrontiert.


-Inspiration-

Teile der Handlung sind autobiografisch, jedoch nicht die gesamte Geschichte. Da mir der geringe Altersunterschied zwischen Geb und Sophia innerhalb der Sendung auffiel (wir erinnern uns- Sophia ist zu Beginn der Serie 14 und Geb 33), würde dies für eine sehr frühe Vaterschaft sprechen. Mir erschien das unwahrscheinlich und so entstand die folgende Handlung.

-Rahmenbedingungen-

Wie immer ist alles frei erfunden. Nichts entspricht der Realität. Ich verdiene mit der Geschichte kein Geld und schreibe lediglich aus Hobbyzwecken.

Die Handlung wird aus der Sicht von Gebs Tochter Sophia geschildert.

Viel Spaß!

*********************

-Sophia-

Der Brief segelte zu Boden, ehe ich mich mit dem Rücken an der Tapete hinunter gleiten ließ.  Er wollte mich sehen. Mein leiblicher Erzeuger hatte mich nach 14 Jahren Funkstille erstmals angeschrieben und einen Kontaktversuch gewagt.

Für eine andere Bezeichnung fehlte mir die Nähe. Immerhin war an seine Stelle jemand anders getreten, für den ich wie eine Tochter geworden war. Müde fuhr ich mir mit der Hand durch das Gesicht.

Dass ich keinerlei Emotionen verspürte, erschreckte mich. Da waren keine Gefühle, keine Zuneigung. Nicht jetzt, als ich von seinen Kontaktversuchen erfahren hatte und auch nicht, als er mir seine Krebsdiagnose erklärte und mir weiß machen wollte, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb.

Ich fasste nach dem Brief und ließ ihn unbekümmert in das Geheimversteck meines Schrankes gleiten. Niemand sollte davon erfahren.

Ich wollte Papa nicht enttäuschen. Ich hatte das Gefühl, dass ich meinen Stiefvater, den ich nie als solchen bezeichnet hatte, verraten würde, wenn ich mich mit meinem biologischen Erzeuger traf. Geb hatte nie Unterschiede zwischen mir und Lissy gemacht. Für mich war er mein Vater und ich hatte lange geglaubt, dass es nichts gab, dass das ändern würde. Immerhin hatte er mich als kleines Mädchen  adoptiert. Nur als vorsorgliche Maßnahme und für den Fall, dass meiner Mutter etwas passieren könnte.

Unabhängig davon waren meine Eltern derzeit genug mit ihren eigenen Auseinandersetzungen beschäftigt. Ihre Ehe stand auf der Kippe. Papa war ausgezogen, hatte dann wieder kurzzeitig mit uns in einer Wohnung gelebt, bis es erneut kriselte.

Wenn ich die zwei jetzt noch mit meinem biologischen Erzeuger und seinem Schreiben konfrontierte, würde es der angespannten Situation nur noch den Rest geben.  Davon war ich überzeugt.
Ich strich mir die Tränen aus den Augen. Am liebsten hätte ich das Schreiben verbrannt oder weggeworfen, hätte es für nicht existent erklärt. Ich war auf einer gefährlichen Suche nach mir selbst und mehr als unsicher, ob ich für diesen Schritt bereit war.

Ich konnte mit niemandem darüber reden, weil ich meine Eltern nicht verletzen wollte. Meine Schwester war zu klein, meine Freundinnen nur mit Jungs beschäftigt und meine Oma, die sich nie positiv über meinen leiblichen Vater, war ganz sicher nicht der richtige Adressat.

Also blieb mir wie immer keine andere Wahl, als das Problem mit mir selbst auszumachen.

„Sophia, warum hast du dich eingeschlossen?“, hörte ich die quengelnde Stimme meiner 8 jährigen Schwester vom Flur hinüber schallen und schloss genervt die Tür auf.

„Ich hab mich nur umgezogen. Du weißt doch, dass ich manchmal meine Zeit für mich brauche“, legte ich mir meine Ausrede zusammen, mit der sie sich offenbar zufrieden gab.

„Darf ich deinen alten Kassettenrekorder haben? Ich will Mamas alte Kassetten hören.“

Bereitwillig gab ich ihr das bunte Gerät entgegen und beobachtete erleichtert, wie sie in ihr Kinderzimmer abzog.  Endlich war ich sie los

Ich schickte Stoßgebete gen Himmel und versuchte mich zusammen zu reißen. Ich war eine schlechte Lügnerin, die man viel zu schnell durchschaute…


________________________


„Sag mal, stimmt irgendwas nicht mit dir? So still bist du doch sonst nicht?“
Nervös zuckte ich zusammen, als mich mein Vater ansprach.

Mittlerweile wusste ich seit über einer Woche von dem Brief. Wenn ich auf das Schreiben reagieren wollte, lief mir allmählich die Zeit weg.

Mit aufgesetztem Lächeln sah ich Papa an, widmete mich dann wieder meinem Zuckerguss, den ich in die Kuchenform gab.

„Doch, doch. Es ist alles gut. Ich bin nur müde und hatte einen anstrengenden Tag in der Schule.“
Ich blickte ihm in die Augen, spürte sofort wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete. Ich konnte ihm das nicht sagen. Niemals.

Ihm zu erklären, dass ich mich möglicherweise mit meinem Erzeuger traf war undenkbar. Ich würde ihn verletzen und die Bemühungen, die er all die Jahre gezeigt hatte mit Füßen treten.  Von meiner Mutter ganz zu schweigen.

Mein Blick fiel auf die Bilder des alten Fotoalbums, das Lissy für ein Schulprojekt heraus gesucht hatte.
Geb hatte mir gezeigt wie man Fahrrad fuhr oder angeln ging. Er war mit mir in den Zoo gegangen, hatte mit mir als Kind sämtliche Schwimmbäder unsicher gemacht, mit mir Sandburgen gebaut und mich an die Hand genommen, um mir die Welt zu erklären. Mit welchem Recht kam mein leiblicher Vater  jetzt nach 14 Jahren auf die Idee sich in mein Leben zu drängen? Das war nicht fair. Immerhin war er nie da gewesen.

„Das war damals am Wannsee“, hörte ich meinen Vater amüsiert lachen. Ich hatte kaum bemerkt, wie er hinter mich getreten war und wie ich auf die Fotos starrte. Mit einem Satz war ich zurück in der Realität.

„Da hast du mir schwimmen gelernt.“

„Ich weiß. Wir waren in meinem Urlaub fast jeden Tag da.“

„Am Ende der Ferien habe ich meinen Freischwimmer gemacht und bin mit dir und Demir um die Wette getaucht.“

Und das war nur eines von vielen Erlebnissen, die wir teilten.

Warum konnte ich nicht an Lissys Stelle sein? Warum war Geb nicht mein biologischer Vater? Warum musste mein Erzeuger Richard Töbner heißen? Ich verstand es nicht.

Demir. Mit einem Mal fiel mein Blick auf ein altes Bild, auf dem ich mit Lissy, Papa, Demir und weiteren Kollegen abgebildet war.

In meinem Kopf spann sich ein Plan zurecht.

Wenn es jemanden gab, der dicht halten würde, dann war er es.

„Papa, ich muss nachher nochmal weg. Zu Lisa aus meiner Klasse. Das dauert auch nicht lange.“

„Heute?“

„Ja, geht auch ganz schnell. Bitte“, flehte ich ihn an.

„Na, von mir aus.“
Anerkennend drückte ich ihm einen Kuss auf die Wange.

„Danke, du bist der Beste.“

So viel zu meinen Kenntnissen als  Lügnerin.
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