Abenteuer in der Camargue

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Anne Kirrin Dick Kirrin Georgina "George" Kirrin Julian Kirrin OC (Own Character) Timmy
01.04.2018
15.04.2018
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01.04.2018 1.046
 
Diese Geschichte hatte ich bereits einmal veröffentlicht, vor einiger Zeit aber wieder herausgenommen, weil ich sie überarbeiten wollte. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen und wünsche euch nun viel Spaß mit den Fünf Freunden.



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Fünf Freunde
Abenteuer in der Camargue
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1

Prolog


Dunkelheit lag über dem Hof und nur aus den Ställen waren Geräusche der dort lebenden Pferde zu hören. Es war eine milde und klare Nacht, die durch den hellen Vollmond erleuchtete wurde und so einer kleinen dunklen Gestalt den Weg zu den Koppeln erhellte.

Am Zaun blieb die Gestalt stehen und ließ ihren Blick suchend über die vorwiegend weißen Pferde schweifen, die dicht beieinander auf der Rasenfläche standen und dösten, während zwei von ihnen wachsam die Köpfe hoben und die Person in der Nähe beobachteten. Da sie anscheinend nicht gefunden hatte, was sie suchte, ging die Gestalt weiter, auf das größte Stallungsgebäude zu. Das große Tor war verschlossen, doch ein Schlüssel zum Hintereingang lag immer unter einem Blumentopf am großen Tor.

Nur ein paar schummrige Lampen leuchteten schwach im Mittelgang, während in den Boxen links und rechts davon das gleichmäßige Atmen der Pferde zu hören war, ebenso wie gemächliches Kauen oder hier und da ein Schnauben.

Leise schloss die Gestalt die Tür hinter sich und eilte dann den Gang hinunter, während sie den Blick auf die Boxen der rechten Seite im Auge behielt und die Namen auf den Schilder ablas. Schließlich wurde sie langsamer und kam vor einer Box zum Stehen, die von mehreren bunten Schleifen geziert wurde und auf deren Schild in geschwungenen Buchstaben der Name Pegasé stand.

Das zugehörige schneeweiße Pferd hatte friedlich gedöst und hob nun den Kopf, als es den Besucher bemerkte. Neugierig kam es näher und streckte den Hals, um an dem Neuankömmling zu schnuppern und nach möglichen Leckerlis zu suchen. Aber anstatt dem Tier etwas zu fressen zu geben, fasste die Gestalt den Riegel der Boxentür ins Auge.

Mit einem kurzen Handgriff war dieser ein Stück weit gelockert, nicht zu sehr, aber genug um bei einem Tritt des Pferdes aufzuspringen. Notfalls würde die Tür wahrscheinlich mit der Zeit von selbst aufgehen, falls das Pferd sie nicht von selbst aus Versehen öffnen würde. Es würde wie eine Unachtsamkeit aussehen, wie als hätte jemand beim Schließen der Box nicht richtig aufgepasst und so den Aufruhr verursacht, der zweifellos eintreten würde, wenn Pegasé plötzlich auf Erkundungstour gehen würde.

Zufrieden grinste die Gestalt, ehe sie aus der Jackentasche einen Apfel zog und sofort wieder die volle Aufmerksamkeit des Pferdes hatte, das neugierig den Riegel der Box beschnuppert hatte.

„Das hier bliebt unser kleines Geheimnis, in Ordnung Pegasé? Kein Wort zu niemandem“, meinte die Gestalt und hielt dem Pferd das Obst hin. „Und versprich mir eines: Wenn du demnächst hier rauskommst, sieht dich ruhig um und schau dir auf jeden Fall die Gegend um den Hof herum an. Lauf so weit du kannst und lass dir Zeit mit dem Zurückkommen. Mal sehen, wie es ihnen gefällt, wenn das beste Pferd im Stall plötzlich im Sumpf verschwindet.“

Pegasé kaute ungerührt weiter auf dem Apfel herum und schien von den Worten ihres Besuchers nicht weiter beeindruckt. Sie wartete ab, ob noch Nachschub kam, aber als sie merkte, dass ihr Besucher sie nur ansah und keine Anstalten machte, ihr weitere Leckereien zu geben, drehte sie sich in der Box herum und senkte den Kopf.

Die Gestalt wandte sich wieder ab und ging denselben Weg zurück, den sie auch gekommen war. Nachdem die Hintertür wieder verschlossen und der Schlüssel zurück an seinem Platz war, lehnte sie sich an den Zaun der Koppel und erlaubte sich einen Moment lang die Pferde zu beobachten.

Wenn alles glatt ging, würden diese Pferde nicht mehr allzu lange der Familie Lawrence sein. John würde gar nichts anderes übrig bleiben, als seine geliebten Pferde zu verkaufen, wenn seinem Hof die Pleite drohte…

.   .   .

Viele, viele Kilomenter weit entfernt lag Eleanor Harper wach in ihrem Bett und starrte an die Decke. Auch wenn sie nun schon seit mehreren Wochen in ihrem neuen Zuhause wohnte, war es doch immer noch etwas ungewohnt, das Rauschen des Meers in ihrem Zimmer zu hören und nicht das ständige Geräusch der vielen Autos, die ihr Einschlafen in früheren Zuhause immer begleitet hatten. Zwar waren Autos vielleicht nicht die beste Geräuschkulisse zum Einschlafen waren, doch über die Jahre hinweg hatte sie sich daran gewöhnt.

Aber trotzdem würde sie um nichts in der Welt wieder zurück nach München ziehen wollen. Nachdem ihre Großmutter, der das Haus hier früher gehört hatte, vor einiger Zeit gestorben war, hatten Ellies Eltern beschlossen, das alte Haus zu renovieren und dann hierher zu ziehen.

Ihr Vater konnte seine Arbeit, für die man fast ausschließlich nur einen funktionierenden Computer benötigte, ebenso in seinem Arbeitszimmer mit Meerblick erledigen und ihre Mutter hatte sich schon Lange den Traum von einem eigenen Laden erfüllen wollen, wozu es nun die ideale Gelegenheit gab.

Und Ellie gefiel es, endlich in einem richtigen Haus zu wohnen und nicht nur im x-ten Stockwerk eines Mehrfamilienhauses. Außerdem war hier alles so viel schöner, das Meer lag praktisch vor der Haustür, die Luft war frei von Abgasen und sie konnte den ganzen Tag im Wald herum stromern.

Und nachdem nun endlich Sommerferien waren, hatte sie volle sechs Wochen Zeit, um genau das zu tun und ihre neue Heimat ausführlich zu erkunden. Außerdem hatte George versprochen, ihr ein paar besondere Plätze zu zeigen, die nur sie kannte.

Beim Gedanken an ihre neue Freundin musste Ellie lächeln. Am Anfang hatte sie Georgina Kirrin, die darauf bestand, von allen nur George genannt zu werden, ein wenig seltsam gefunden. Sie war eher etwas verschlossen und wollte eigentlich lieber ein Junge sein. Aber mit der Zeit hatten sich die beiden besser kennengelernt und festgestellt, dass sie gut miteinander auskamen. Ellie liebte Georges Hund Timmy und war froh, jemanden gefunden hatte, der unter Spaß nicht Shoppengehen oder einen Abend mit kitschigen Filmen verstand. Stattdessen waren sie oft den ganzen Tag zusammen im Freien unterwegs, selbst wenn es regnete.

Zufrieden drehte sich Ellie auf die Seite und zog die Bettdecke über ihre Schultern, während sie die Augen schloss und sich vorstellte, wie draußen das Meer gegen die Küste brandete und der Wind die Wolken vor sich herjagte. Irgendwie hatte sie das Gefühl, dass ihr außergewöhnliche Ferien bevorstanden.
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