Und gerade noch saß der Vogel

von robinie
KurzgeschichteAllgemein / P16
31.03.2018
31.03.2018
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A/N:
Hallo, liebe Leser ☺. Dies ist mein Beitrag zum Amrûn-Schreibwettbewerb. Ich habe ihn zu »Das Erbe der Eule« von Marie H. Mittmann verfasst. Viel Spaß beim Lesen.

Klappentext von »Das Erbe der Eule«:
Wenn der Nebel aufzieht und alles verstummt, dann lauf, denn die Geflüster kommen.
Sie schleichen sich in die Köpfe ihrer Opfer und flößen ihnen tödliche Gedanken ein. Nur ein einziger Mensch, genannt die Eule, hat je die Begegnung mit ihnen überlebt. Alden, der alles verloren hat, muss ihn finden, um seine Familie zu rächen. Doch er ahnt nicht, wie hoch der Preis dafür ist.

Kurzbeschreibung der vorliegenden Geschichte:
Man sollte vorsichtig sein, was man sich wünscht. Denn manchmal werden Träume wahr ...

Disclaimer:  
Die vorliegende Geschichte entstand in Anlehnung an das Buch »Das Erbe der Eule«. Die damit verbundenen Charaktere und Orte unterliegen allesamt dem Copyright von Marie H. Mittmann.




■☐■


UND GERADE NOCH SDER VOGEL


»Oh Herr, bitte vergib mir all meine Sünden und gewähre mir Deinen göttlichen Schutz.«

Als Alden diese Worte sprach, brannte die Nachmittagssonne eines Julitages erbarmungslos in seinem Nacken und trieb Schweißbäche seinen Rücken hinunter. Unter dem tosenden Applaus der Zuschauer stieg er die Stufen zur Bühne empor, die unter seinem Gewicht knarzten und quietschten. Das heiße Holz unter seinen nackten Füßen erinnerte ihn daran, wie er als Kind einmal mit seiner Schwester Lorena am Meer Fangen gespielt hatte. In der Hoffnung, es würde seine Wendig- und Schnelligkeit erhöhen, hatte er seine Schuhe ausgezogen, und plötzlich war es so gewesen, als stünde er auf glühenden Kohlen. Lorena hatte herzhaft gelacht, während er von einem Bein auf den anderen gehüpft war. »Alden ist ein Hampelmann, Alden ist ein Hampelmann!«, hatte sie gesungen und die Verfolgung wieder aufgenommen. Und als er weggelaufen war, schnell wie der Wind, hatte er den heißen Sand gar nicht mehr gespürt. Heute war weglaufen jedoch keine Option. Heute blieb ihm nichts anderes übrig, als stillzustehen und den Schmerz zu ertragen. Er hatte sich vorgenommen, mit Würde vor dieses Publikum zu treten. Noch in zehn Jahren sollte man voller Bewunderung von Alden Harlons Ausstrahlung sprechen. Stolz, ernst, erhaben.  

Obgleich er seit dem Verlust seiner Augen nicht einmal Tag von Nacht unterscheiden konnte, ließ Alden seinen Blick durch die Menge gleiten, deren Anwesenheit er so intensiv spürte, als würde sie ihn umarmen. Er roch Bier und stellte sich vor, wie die Männer es in Feierlaune literweise in sich hineinkippten. Ihr Schlürfen mischte sich unter das Lachen der Kinder. Er schätzte, dass Hunderte gekommen waren, um diesem Ereignis beizuwohnen, sowohl alte als auch junge Menschen. Es erinnerte ihn an ihr Dorffest, das jährlich im Hochsommer stattfand und Leute wie ein Magnet anzog. Als Kind hatte er den Feierlichkeiten entgegengefiebert wie seinem eigenen Geburtstag. Obwohl es gut fünfzehn Jahre her war, dass er dieses Dorffest das letzte Mal besucht hatte, schmeckte er noch immer die Zuckerwatte auf seiner Zunge, sah noch immer die bunten Ballons, die am milden Sommerabend in den Himmel flogen, roch noch immer die Erdbeeren und das Maiglöckchenmeer. Er war mit anderen Kindern durch die Gasse rufender Händler gesprintet, die ihr Gemüse und Obst anboten, hatte heimlich seine Beine in das eiskalte Brunnenwasser getaucht, in dessen Mitte die Skulptur eines Ritters auf einem Sockel stand, und war mit den Hunden fremder Leute über die von Gänseblümchen übersäten Wiesen getollt. Und ein Bauer aus der Gegend hatte für die Gäste frisches Quellwasser bereitgestellt. Eisgekühlt. Es hatte wunderbar geschmeckt.

»Entschuldigen Sie bitte«, sprach er den Mann zu seiner Linken an, der ihn am Arm zur Bühne geführt hatte. »Ich habe Durst. Könnte ich bitte etwas zu trinken haben?«

Der Mann entfernte sich wortlos, woraufhin Alden ein Rauschen und Plätschern zwischen den Feiergesängen des Publikums vernahm. Als ihm wenig später ein kaltes Glas Wasser in die Hände gedrückt wurde, trank er es in hastigen Schlucken leer. Paradiesisch. Er lächelte und wandte sein Gesicht dem Himmel zu, so wie er es in seiner Kindheit immer getan hatte, um die von Wildgänsen durchflatterten Wolken zu beobachten. Und wie damals ergriff ihn auch jetzt ein unerklärlicher Frieden, obwohl er nichts sah außer schwirrendes Schwarz.

»Ein herrlicher Tag, nicht wahr?«, fragte er, ohne zu wissen, zu wem er sprach. Ob nun zu sich, dem Publikum oder den Herren, die mit ihm auf der Bühne standen. Er verbeugte sich vor den Zuschauern wie ein Dirigent vor Beginn des Orchesterkonzertes. Eine Welle des Jubels brach los.

Alden war es nicht gewohnt, das Zentrum der Aufmerksamkeit zu sein, stellte aber erstaunt fest, dass er trotz des Herzflatterns, trotz der weichen Knie, trotz allem Gefallen daran fand. Er konnte sich kaum auf den Beinen halten, schwankte dann und wann wie eine von der Decke baumelnde Glühbirne und schwitzte noch dazu wie verrückt. Dennoch widerstand er dem Drang, herumzuzappeln. Als Kind hatte er das ständig getan, wenn er aufgeregt war, oder er hatte mit dem Oberkörper vor- und zurückgewippt. Das hatte ihm seitens Lorena irgendwann den Spitznamen Zappelpappel eingebracht.

»Zappelpappel! Hier bin ich.« Lorenas Stimme echote in seinem Kopf. Er sah sie vor sich, wie sie in ihrem geblümten Sommerkleid durch den Obstgarten ihrer Tante Lucila, der alten Jungfer, herumhüpfte. Wie sie sich unter den herabhängenden, von Kirschblüten umrankten Ästen Geschichten von Rittern und Samurais erzählten, wie sie zusammen durch die farbenprächtige Apfelallee streiften, wie sie sich hinter den Hecken und Brombeerbüschen Versteckt hielten, wenn Tante Lucila die Glocke läutete, weil die Dämmerung einsetzte und es Zeit zum Schlafengehen war.

»Wann geht es endlich los?«

Ein Schweißtropfen perlte von Aldens Nasenspitze und zerschellte auf dem heißen Holzboden der Bühne, als er seinen Kopf in die Richtung drehte, aus der die Frage gekommen war. Ich versuche seit Wochen herauszufinden, wann es denn überhaupt angefangen hat, dachte er, die staubige Sommerluft ein- und ausatmend. Alles war so schnell gegangen. Eben noch hatte er ein zurückgezogenes Leben mit den Kindern in der Villa der Eule geführt und nun stand er unter einem strahlenden Sommerhimmel vor dem gesamten Dorf auf der Bühne. Alle Blicke galten ihm. Sie lauschten auf jedes Wort, das auch nur andeutungsweise auf seiner Zungenspitze balancierte. Sie klatschten, lachten, feierten dieses Ereignis unbeschwert und voll freudiger Erwartung. Manchmal wurden Träume Wirklichkeit.

»Manchmal werden Träume wahr, Zappelpappel«, hatte Lorena lächelnd gesagt, während ihre Finger über die Klaviatur getänzelt waren. Alden hörte auch jetzt, zwischen aufgeregten Stimmen und klatschender Hände, die wunderschöne Sonate, die sie an jenem Winterabend gespielt hatte. Das Feuer hatte im Kamin geknistert, der Schneesturm hatte ungestüm gegen die Fensterläden geklopft. Es war ein dramatisches Musikstück gewesen, schwermütig, leidvoll ... wie das Geheul eines in die Falle gegangenen Wolfes oder das Klagelied einer trauernden Mutter. Er hatte in die Flammen gesehen und gewusst, dass sie recht hatte. Ja, Träume wurden manchmal wahr. Lorena würde professionelle Pianistin werden und er, Alden, würde eines Tages berühmt sein.

»Aber dass es ausgerechnet die Geflüster sein würden, die mich berührt machen ... hätte ich nie gedacht«, sagte er, doch die Menge war so laut, dass er seine eigenen Worte nicht verstand. Vielleicht hatte er auch nur stumm seine Lippen bewegt, so genau konnte er das nicht sagen.

»Wie sehen die Geflüster aus, Alden? Wie Menschen?«

»Wie hast du sie getötet?«

»Alden? Alden? Erzählen Sie die Geschichte doch noch einmal, wir alle würden sie gerne direkt aus Ihrem Munde hören.«

Eine Frau packte ihn am Knöchel, und obwohl er diese Berührung hatte kommen sehen, wich er erschrocken zurück, noch bevor sein Aufpasser die Frau unwirsch mit einem »Lassen Sie ihn los!« von ihm wegstieß. Ihre Finger waren so zart ... wie die Temaras. Zart, weich und geschmeidig. Sofort war ihr Bild vor seinem inneren Auge. Ihr langes Haar, das wie ein silberner See über ihren Rücken floss, ihre gebrechliche Figur, die großen, dunklen Augen.  

Alden hatte gehofft, heute nicht an Tamera denken zu müssen. Er senkte den Kopf, fühlte, wie sich etwas Kaltes und Spitzes in sein Herz grub, und fast wäre er aufgesprungen und hätte geschrien: Ich habe Tamera geliebt! Gott, ich habe sie doch so geliebt! Er konnte diesen Ausbruch im letzten Moment zurückhalten. Was hätte es auch gebracht? Damit hätte er doch nur die Sensationsgier dieser Leute gefüttert. Nein, dafür war er nicht hier. Sie würden die geplante Vorführung bekommen, nicht mehr.

Das Bild von Tamera erfüllte ihn mit der plötzlichen Sehnsucht nach Stille. Ruhe, ich bitte euch! Einen Moment Ruhe, dann bekommt ihr, wonach ihr giert. Er wollte nichts hören, nichts fühlen. Nur auf den Gesang der Amsel horchen, die unweit von ihnen auf einem Ast, einer Dachrinne oder vielleicht einer Laterne hockte, wollte in ihrem Singsang baden, noch einmal in den Frieden eintauchen, den er in den Sommerwochen bei Tante Lucila erlebt hatte. Als es ihm gelang, sich auf das Zwitschern zu konzentrieren und die Geräuschkulisse auszublenden, beruhigte sich sein Herzschlag. Seine Atmung ging langsam und ruhig, seine Seele baumelte – so wie früher seine Füße, wenn er auf der Klippe saß und zum Horizont blickte. Er sah das glitzernde Wasser vor sich, die schäumende Gischt, die kreischenden Möwen. Wenn es Zeit war, heimzugehen, hatte die Sonne rotgeglüht. Durchzogen von orangen Streifen.

Alden weinte bei dieser Erinnerung. Er hatte nicht einmal gewusst, dass er noch die Fähigkeit dazu besaß, und noch weniger wusste er, woher dieser plötzliche Gefühlsausbruch kam. Die Tränen benässten das Tuch, das er sich um die Augen band, seitdem ihm die Geflüster die Sicht genommen hatten. Er hatte seiner Trauer nicht mehr auf diese Weise Ausdruck verliehen, seit er in die Villa der Eule eingezogen war. Vielleicht deshalb, weil ein Teil in ihm vermutet hatte, dass er das nicht mehr konnte.

»Wir wollen endlich was sehen. Oder wenigstens hören!«

»Alden, hast du es getan?«

»Macht endlich! Worauf wartet ihr denn? Sollen wir hier bis morgen stehen?«

»Fahr zur Hölle, Alden! Fahr zur Hölle, du Bastard!«

»Nicht jeder ist gegen dich! Ich glaube dir. Hörst du? Ich glaube dir, Alden.«

Es herrschte ein heilloses Durcheinander aus Rufen, Kreischen und Klatschen. Dazwischen Kinderlachen und bellende Hunde. Alden wurde mit einem Mal schwindelig. Er hatte das Gefühl, zu ersticken. Das Geschrei, die Hitze, die staubige Luft. Er taumelte nach hinten, wurde von einer Hand, die sich ihm auf den Rücken legte, aufgefangen. Instinktiv wusste er, dass es nun losging. Und erstaunlicherweise fühlte er darüber nur eines: Erleichterung.

Wenige Sekunden später wurde er von der Hand auf seinem Rücken ein paar Schritte nach links dirigiert, zu einem Gegenstand, den er nur erahnte und vor dem man ihn zwang zu knien. Seine Beine waren so weich, dass sie einfach unter ihm nachgaben. Er hatte eine solche Szene einmal in einem Geschichtsbuch gesehen, als er für derartige Dinge noch viel zu jung gewesen war, und entsann sich der Frage, die ihn bei der Betrachtung des Bildes beschäftigt hatte: Woran denkt man, wenn man weiß, dass man gleich sterben wird? Jetzt stellte er fest, dass man an alles und an nichts dachte. Seine Gedanken waren ruhelos, wirbelten kreuz und quer durch seinen Kopf. Wie Bälle, die man in einem engen Raum gegen die Wand schmetterte und die von der einen auf die andere Seite sprangen. Unaufhaltsam.

Seltsamerweise kamen seine Gedanken in jenem Moment zum Stehen, als man ihn dazu aufforderte, seinen Kopf zu beugen und er im selben Atemzug realisierte, dass ihn nur noch Sekunden vom Tod trennten. Eine Art Holzbalken drückte gegen seine Kehle, sein Gesicht schwebte über den Boden, die Dielen gruben sich ihm schmerzhaft in die Knie. Die Menschenmenge explodierte. Sie jubelte, als hätte ihre Lieblingsmannschaft soeben den siegbringenden Punkt erzielt. Alden atmete langsam ein und aus, konzentrierte sich mit aller Macht auf die Schweißperlen, die von seiner Nase, der Stirn und dem Kinn auf den Holzboden der Bühne tropften, bis er nur noch ein Rauschen vernahm, als befände er sich in tiefem Wasser. Kein Wort drang mehr zu ihm durch.

Obwohl Alden nicht religiös war und nie an Gott geglaubt hatte, murmelte er abermals die Worte, unter denen er die Bühne betreten hatte: »Oh Herr, bitte vergib mir all meine Sünden und gewähre mir Deinen göttlichen Schutz.« Doch als er den Luftzug des Schwertes, das auf seinen entblößten Nacken niedersauste, spürte, kam ihm ein Satz in den Sinn, den er einmal von den spöttisch lächelnden Lippen eines Jägers gehört hatte, nachdem dieser eine Taube erschossen hatte ...


Und gerade noch saß der Vogel auf dem Ast und sang.




■■■




Die Märchenstunde ist vorbei: der Nachfolger der Eule öffentlich hingerichtet


Am gestrigen Donnerstag wurde das Urteil gegen Alden H., besser bekannt unter Der Nachfolger der Eule, auf dem alten Marktplatz öffentlich vollstreckt. Ein Gericht hatte Alden H. zum Tod durch Enthauptung verurteilt, nachdem man die Überreste seines Vaters Amin H. und seiner älteren Schwester Lorena H. vor ihrer Hütte gefunden hatte und man nach gerichtlicher Untersuchung des Falls zu der Schlussfolgerung gelangte, dass es sich bei Alden H. um den Täter handelt. Alden H. schlug seinen Vater ein Beil zwischen die Augen und setzte die Leiche anschließend in Feuer, und bei seiner Schwester Lorena ging Alden H. noch weitaus grausamer und perfider zu Werke. Wie das Gericht rekonstruierte, verbrannte er ihr zunächst die Hände, wissend, dass sie dies am härtesten treffen würde; Lorena war eine hochtalentierte Klavierspielerin, deren einziger Lebenstraum es war, eines Tages als Musikerin ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Alden H. badete monatelang in ihrem Leid und pflegte sie in der Maske eines liebenden Bruders gesund, nur um sie dann, als sich ihr Zustand erheblich gebessert hatte, auf grausame Art zu ermorden. Nachdem er ihren leblosen Körper verscharrt hatte, flüchtete Alden H. kopfüber aus der Hütte und kehrte nie wieder dorthin zurück.

Wie im Rahmen der Verhandlung zudem zu Tage getreten war, ist auch die Familie Winterbourne, die zurückgezogen in den Bergen lebte, Opfer des Verurteilten geworden. Alden H. war seit Jahren in die schöne Tochter des Hauses, die damals 23-jährige Tamera, verliebt gewesen. Da diese seine Avancen abwehrte, nahm er Rache, indem er zunächst ihre Eltern tötete und anschließend sie selbst in Brand steckte. Die Flammen fraßen Tamera das Fleisch von den Knochen und bereiteten ihrem Leben ein qualvolles Ende.

Alden H. stritt alle Anklagepunkte vehement ab. Er wisse nicht, wer seine Familie ermordet habe, er wäre nicht zu Hause gewesen. In Bezug auf Tamera sagte er aus, er habe sie über alles geliebt und hätte ihr nie etwas antun können. Als Alden H. den Druck jedoch nicht mehr standhalten konnte, gestand er, doch zu wissen, wie sie alle zu Tode gekommen waren. Laut Alden H. sollen es bösartige Wesen gewesen sein, die man Geflüster nennt. Auf Nachfrage des Gerichts, um was es sich dabei genau handele, beschrieb der Angeklagte sie mit den folgenden Worten: »Sie stehlen sich in deinen Kopf, mischen sich unbemerkt unter deine Gedanken ... und treiben dich dann in den Selbstmord.« Die Schilderungen von Alden H. erinnern stark an die Alfred Holtons, der sich selbst den Beinamen Die Eule gegeben hatte. »Die Geflüster haben ganze Dörfer ausgelöscht«, verlautete Alden H. im Gerichtssaal. »Ihr könnt ihre Existenz nicht verleugnen!« Das aber taten die Kläger: Jene Dörfer waren Opfer einer Epidemie geworden und hätten nichts mit dem Aberglauben einiger Menschen zu tun gehabt. Alden H. hatte stumm und mit einem Ausdruck tiefsten Entsetzens den Kopf geschüttelt.

Das Gericht ist davon überzeugt, dass Alden H. bewusst ein wirres Märchen von übernatürlichen Wesen erzählte, um den Eindruck einer psychischen Erkrankung zu erwecken und so einer Todesstrafe zu entgehen. Die Aussage des Gerichtspsychologen, der einige Gespräche mit dem Angeklagten führte, brachte diese Überzeugung zwar ins Wanken, jedoch nicht zu Fall. Er äußerte die Vermutung, dass Alden H. in seiner Kindheit traumatische Erlebnisse erfahren hatte, die in direktem Zusammenhang mit dessen Mutter stünden, deren Namen er nicht einmal über die Lippen bekäme. Das Gericht aber sieht es als erwiesen an, dass Alden H. fünf Menschen tötete und dabei sehr wohl in Besitz seiner geistigen Gesundheit war. Nach einer mehrstündigen Beratung schließlich verhing das Gericht das Todesurteil über den Angeklagten.


Und wenn sie nicht gestorben sind, dann flüstern sie noch heute.



∞◊◊◊∞ ENDE ∞◊◊◊∞
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