Sapere Aude

OneshotDrama, Romanze / P16 Slash
31.03.2018
31.03.2018
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Hallöchen liebe Leserschaft und vor allem Hallo Iryna Dragomyr,

wie ich erfahren habe hattest du am 23.02 Geburtstag und hast wohl bisher keinen Geburtstagswichtelgeschenk erhalten.

Est voilá – Hier ist eins. Ich hoffe, es gefällt dir und ich danke dir auch für die Vorgaben. Linkin Park ist zwar nicht persönlich meins, aber ich habe versucht das Lied Numb irgendwie mit einzubinden. Für mich hat es einen recht dunklen Kontext, also hoffe ich, es passt irgendwie zusammen. Und hoffe, es ist dir nicht zu kurz geraten.

Ich habe die deutsche Übersetzung verwendet (Songfic’s sind so überhaupt nichts meins) und bestmöglich in den Text eingebunden. Daher hier die Anmerkung: Linkin Park – Numb. Ich habe mich dieser Seite zum Übersetzen bedient und glaube, ich muss es so benutzt nicht in die Songfic-Kategorie schieben.

Also Happy Birthday nachträglich und viel Spaß beim Lesen!

Meine übliche Abschlussfloskel bleibt: Wie stets freue ich mich über Rückmeldungen, seien sie löblich oder kritisch.

LG

Serena Hell

* * *


Ezekiel bohrte seine Zähne tief in den Hals des Menschens. Das warme Blut, das in seinen Mund schoss, war mehr als nur berauschend. Süßlich, erfrischend und sättigend. Er brauchte das jetzt, mehr denn je.

Er hatte sich nie als jemand gesehen, der an die Decke ging. Der zu Spontanität und Aggressivität neigte. Aber heute, heute war er zu sehr gereizt worden.

Aus dem Schrei wurde ein Gurgeln, je mehr er schluckte, und schließlich verebbte jedes Geräusch. Nur der schwächer werdende Herzschlag war zu hören.

So gedemütigt hatte er sich schon lange nicht mehr gefühlt. Wahrscheinlich noch nie. Wie hatte er ihm das antun können? Ihn so zu demütigen, vor allen. Was konnte er dafür, wenn er nicht so war, wie die Gesellschaft es wollte?

Schwer atmend ließ er den schlaffen Körper auf den Boden fallen. Betrachtete sie genauer. Ein junges Mädchen, in der Blüte ihrer Jahre. Das Blut rauschte ihm in den Ohren, sein Magen war gefüllt. Aber es genügte nicht. Es genügte einfach nicht, um die Wut zu dämmen.

Aiolos hatte ihm dieses Leben aufgezwängt. Ihn zu dem gemacht, was er jetzt war. Frustriert trat er gegen die Frau, so unschuldig und doch ein Problem. Die Leiche musste er jetzt entsorgen. Dabei war er erst vor kurzem jagen gewesen. Nötig wäre das noch gar nicht gewesen.

„Du wirkst wütend.“ Diese Stimme. Dunkel, rau, verführerisch.

Jetzt ließ sie nur Hass aufflammen.

„Verpiss dich.“

„Du solltest deinen jugendlichen Jargon lassen.“ Unbewusst ballte er die Hände zu Fäusten. Er käme nicht gegen seinen Schöpfer an, wahrscheinlich nicht einmal wenn sein Leben auf dem Spiel stünde. Ein Schutzmechanismus der Natur. Wahrscheinlich hassten viele die Person, die sie verwandelt hatte.

Er griff das Nächstbeste, was er finden konnte. Ein Stein, so groß wie seine Handfläche. In der Hoffnung Aiolos zu treffen, wirbelte er herum und legte alle Kraft in den Wurf. Der Mann sollte einfach verschwinden, ihn in Ruhe lassen.

„Ich sagte, verpiss dich.“ Locker fing der Ältere den Stein auf. Zerbröselte ihn sichtlich ohne Mühe. Das war unfair. Niemals würde der ihn überraschen können. Immer würde nur er der Prügelknabe sein.

„Was ist dein Problem?“ Der Staubmantel flatterte leicht, als Aiolos ein paar Schritte auf ihn zumachte. Die Gestalt strahlte so viel Autorität aus wie immer. Augenblicklich fühlte er sich wieder klein und hilflos. Dunkle Augen fixierten ihn.

„Ich bin es leid!“, fauchte er und machte ein paar kleine Schritte rückwärts, „Ich wollte das alles nie sein! Ich will nicht so sein, wie du mich formen willst.“ Ein herzloser Vampir. Blut und Sex und Machtkämpfe. Das war nie sein Leben gewesen. Nie sein Wunsch.

Und doch stand er hier.

„Das habe ich nie erwartet.“

„Ich weiß nicht, was du von mir erwartest! Du hast mich vor allen geohrfeigt.“

Es war schmachvoll, machte der Anführer so etwas. Egal, was er tat, es schien nur ein weiteres Fehler für Aoilos zu sein. Der schritt weiter auf ihn zu. Das schwarze Haar ließ den noch blasser wirken als sie ohnehin schon waren. Zu spät bemerkte er, dass er gegen eine Wand gelaufen war. Die feuchte Steinmauer presste sich unangenehm rau in seinen Rücken.

„Für deine Dreistigkeit unsere Gemeinschaft in Frage zu stellen und mich zu beleidigen. Wenn du ein Problem mit mir hast, mit unserer Beziehung, dann sprich es alleine an.“

„Du bist nie allein“, erwiderte er nur verbittert. Wenige Schritte vor ihm blieb Aoilos stehen. Wehren war zwecklos. Schon als Menschn hatten diese Augen ihn in den Bann gezogen und in den fünf Jahren als Vampir schien es immer stärker geworden zu sein. „Du hast immer jemand um dich.“

Hoffnungslos verfallen war noch gar kein Begriff. Ein Blick, ein Wort, eine Geste und er war ihm wieder gut gestimmt gegenüber.

Nein, befahl er sich. Das würde nicht wieder geschehen. Er würde sich verlieren, ließe er das weiterhin zu. Alles, was er wollte, war mehr wie er selbst zu sein und weniger wie Aiolos. Er wollte keine Geliebte, keinen Geliebten. Er wollte, dass Aiolos Worte von Liebe wahr waren.

Dabei wusste er schon lange, dass sie eine Lüge waren.

Um sich abzulenken von den Augen, beobachtete er die kleinen Wölkchen, die aus dem Mund seines Gegenübers kamen. Ein Fehler. Diese vollen Lippen…

„Auch für uns ist es zu kalt, um hier draußen auf Dauer zu verweilen. Lass uns nach Hause gehen und dort weitersprechen.“

„Es ist nicht mein zu Hause. Aus dem hast du mich entrissen.“

Das Lächeln, welches er von Aiolos bekam, entblößte die spitzen Fangzähne. Zähne, deren Narben quer über seinen Körper verteilt waren.

„Du wolltest für immer bei mir bleiben.“

„Ich wollte deine Liebe.“

Er erwartete Spott in dessen Gesicht. Aber erkannte nichts davon. Wie gut war der Mann im Schauspiel? Sicher waren dem schon hunderte erlegen. Bei dem Alter des anderen nicht undenkbar.

„Die hast du.“

„Davon spüre ich nichts.“

So plötzlich, wie sich die Fingernägel in sein Kinn bohrten, realisierte er kaum die Bewegung von Aoilos. Was für ein Unterschied das Alter machte! Wenn er mal so schnell war, dürfte Aiolos noch schneller geworden sein. Zeitgleich presste ihn der vertraute Körper gegen die Wand, unangenehm und fest.

„Ich habe eine Gemeinschaft zu leiten und nicht immer Zeit für deine kindlichen Bedürfnisse.“

„Du wusstest, wer ich bin, ehe du mich verwandelt hast.“

„Und ich sagte dir, was dich erwarten wird.“

„Nein, hast du nicht. Nicht in diesem Maße. Nicht mit dieser Erwartung und dieser undurchschaubaren Gesellschaft dahinter.“

„Ich kann dir den sicheren Weg zeigen.“

„Jeder Schritt, den ich mache, ist nur ein weiterer Fehler für dich“, warf er ihm lediglich an den Kopf, „Kannst du nicht sehen, wie du mich erdrückst? Deine Erwartungen, deine Art, deine Kontrollsucht. Egal, welchen Weg ich gehe, sobald er nicht deiner Vorstellung entspricht ist es falsch.“

Aiolos war ihm früher so anders erschienen. Als er noch nicht gewusst hatte, welche Rolle der in der vampirischen Welt spielte, war alles so viel mehr mit Gefühlen geprägt gewesen. Die Leidenschaft beim Sex fehlte ihm genauso sehr wie die liebevolle Zuwendung.

„Meine Vorstellung ist der Schlüssel zum Überleben“, zischte Aiolos, „Deswegen sollst du ihm folgen.“

„Vielleicht will ich ja nicht überleben.“

Schon während er es aussprach, spürte er wie viel Wahrheit dahinter steckte. Wozu sollte er dieses Leben fortführen, wenn es keinen Sinn barg? Aiolos öffnete den Mund, schloss ihn aber wieder. Er glaubte so etwas wie Schock hinter der sonst wohlsitzenden Maske zu erkennen.

„Ich werde dich nicht gehen lassen.“ Es war kaum mehr ein gesprochener Satz, so sehr lauerte das Grollen dahinter. Ein wenig packte ihn die Angst. Er hatte Aiolos nun schon öfter erzürnt, aber hier schien er eindeutig zu weit gegangen sein. Die Mühe, mit der sein Schöpfer ruhig zu bleiben schien, war deutlich zu erkennen.

„Du findest sicher einen jüngeren Kerl. Oder eine attraktive Frau“, spottete er nur und legte dem Mann beide Hände auf die Brust. Mit aller Kraft versuchte er ihn von sich zu schieben. Irgendwas lief bei Aiolos wohl nicht richtig. Ansonsten hätte er es nie geschafft, sich genug Freiraum zum Fliehen zu geben.

Er hätte vor fünf Jahren, spätestens vor vier, sterben sollen. Es war an der Zeit, sich dieser steten Enttäuschung zu entziehen und sein untotes Leben zu korrigieren. Wenn die Uhr in seinem Inneren richtig tickte, bedurfte es nur einer halbstündigen Flucht vor Aiolos.

Sie endete nach fünfeinhalb Schritten. Er fiel zu Boden, konnte gerade noch rechtzeitig die Arme ausstrecken, um sich abzufangen. Trotzdem knallte er mit der Stirn gegen den nassen Asphalt und verlor kurz jegliche Orientierung. Instinktiv rollte er sich zusammen. Er hatte schon gesehen, wie Aiolos Ungehorsam bestrafte. Es endete blutig und schmerzlich. Die Züchtigung ließen die Sonne als Lappalie erscheinen.

„Eine Gemeinschaft funktioniert nur mit Regeln, das weißt du selbst.“

Er hörte Stoff rascheln. Reine, kalte Angst befiel ihn. Einen weiteren Fluchtversuch würde Aiolos sicher mit nur noch mehr Schmerz strafen.

Was er nicht erwartet hatte, war die sanfte Berührung an seinem Hinterkopf.

„Du erwartest, dass ich dir Schmerz bereite?“, fragte Aiolos weiter, als er nicht reagierte und sich nur wünschte, die Sonne käme bereits jetzt raus. „Natürlich erwartest du es.“

Aprubt packte der ihn am Hemdkragen und zog ihn ohne große Protestmöglichkeit auf die Füße. Wie ein Baby.

„Wann nur wirst du verstehen, dass jeder Schmerz, den ich dir zufüge, auch mich schmerzt?“ Er wagte es kaum, die Augen zu öffnen, die er beim Sturz geschlossen hatte. Der Mann wollte ihn nur wieder manipulieren. Ihn kontrollieren.

Die nächste Berührung war sanft, hauchzart, als wolle Aiolos eine Blüte nachfahren und nicht seine Wangenknochen. „Ich liebe dich, Ezekiel, und das seit unserer ersten Begegnung.“

„Lüge“, zischte er nur, „Ansonsten hättest du keine Geliebten.“

Affären waren normal unter Vampiren. Er hatte nicht eine Beziehung erlebt, in der nicht zahlreiche andere involviert waren. Manchmal kam es ihm vor wie eine große Orgie, nicht mehr.

„Wahrheit, ansonsten hätte ich dich für deine Dreistigkeit richtig bestraft.“

„Dann tu es!“ Er spürte den warmen Atem über seine Lippen streifen. Ein Teil von ihm, der der auch fliehen wollte, schrie ihm zu, dass er zurückweichen sollte. Aber gleichzeitig lehnte er sich dem erwartungsvoll entgegen. Diese bekannten Lippen fingen seine ein, ließen seine Knie weich schon allein beim Kontakt weich werden. Nur kurz währte das.

„Wenn du wirklich willst, dass ich dir allein gehöre, wieso bittest du mich nie darum?“

Irritiert wich er zurück und schlug doch die Augen auf. „Habe ich.“

„Hast du nie.“ Ein wenig Amüsement schien sich in die ernste Miene zu schleichen. „Du hast dich lediglich deswegen beschwert. Aber nie darum gebeten.“

Aiolos war mal gewesen wie er. Ein Jüngling, ein frisch verwandelter, ein Regelbrecher. Jemand, der sich dem Anführer nicht hat beugen wollen. Man hatte ihm davon erzählt. Die Alten bedachten ihn oft mit diesem nachsichtigen Blick. Oft begleitete ihn das Gerücht, Aiolos habe ihn nur ausgesucht, weil sie sich so ähnlich waren.

„Weil du es nie sein lassen würdest.“

„Woher willst du das wissen?“

„Du sprichst doch immer von der Natur des Vampirs.“

Er wusste, er könnte am Ende genauso versagen. So viele Menschen starben erst nach dem Sex, wurden verführt und zur doppelten Befriedigung genutzt. Es hatte den ein oder anderen gegeben, da hatte auch er diesen Wunsch verspürt. Nur hatte er seine eigenen Vorsätze. Er zwang sich keinem Menschen auf. Riskierte nicht einmal, einem Menschen so nahe zu kommen.

„Es ist unsere Natur, zu begehren und nicht zu lieben. Nur bestätigt die Ausnahme die Regel, meinst du nicht?“

„Du liebst mich nicht.“ Je öfter er sich das sagte, desto eher würde er es glauben und desto besser könnte er sich von ihm loseisen. Nach aktuellem Stand würde er nur wieder nachgeben und mit nach Hause gehen. Was er doch gar nicht gewollt hatte!

„Du hast noch nie groß auf Worte gehört“, seufzte Aiolos leise. Ehe er etwas erwidern konnte, fing ihn sein Schöpfer in einen richtigen Kuss ein.

Er sollte ihn von sich stoßen und wegrennen. Dem Tod entgegen, damit das endlich endete. Doch gab er sich dem hin, liebte das warme Gefühl, dass ihn durchströmte. Das Flattern seines Herzens, die leichte Erregung, als die Zunge über seine Lippen strich.

Die Hand des Anderen vergrub sich in seinem Haar, lenkte und beherrschte ihn. Ohne es zu merken krallte er sich an dem Mantel von Aiolos fest, suchte Halt und zog ihn gleichzeitig näher zu sich.

Er sollte das hier nicht machen. Wirklich nicht. Gleichzeitig stupste Aiolos Zunge seine, während eine Hand unter seine Hemd schlüpfte und mit sachtem Druck über seinen Rücken kratzte. Er wusste, in welchen Himmel ihn der Vampir schicken konnte. Welche Euphorie entstehen konnte.

Ein leises Stöhnen entwich ihm.

Doch viel zu schnell beendete Aoilos den Kuss wieder. „Schau mich an“, forderte der mit rauer Stimme. Immer noch zittrig ging er dem nach.

Lust stand in dessen Augen. Aber nicht das, was er gerne sehen würde. Nicht das, was er wirklich brauchte.

Er würde es bei Aiolos nie finden. Nach all den Jahren wusste er das.

„Gehen wir. Die Sonne geht gleich auf.“

Den Mensch müsste er beseitigen. Aiolos zog ihn aber einfach an ihr vorbei, ließ sie achtlos liegen. Hieß wohl, er hatte den Segen für das fehlende Beseitigen.

Schweigsam gingen sie durch die Gänge, stiegen hinab in den Untergrund. Ihm war der Weg so bekannt wie seine eigene Westentasche, so oft war er ihn mittlerweile gelaufen.

Er würde ihn zum vorletzten Mal laufen.

„Schlaf eine Nacht darüber“, bestimmte Aiolos sanft und öffnete die Tür zu dessen Zimmer. Ein seltenes Privileg, dass er dort schlafen sollte. Wahrscheinlich wollte der nur eine Flucht vermeiden. „Man wird dich hier in Ruhe lassen.“

„Bleibst du?“

Ein kurzes Zögern offenbarte sich. „Ich komme in einer Stunde nach.“ Die Pflichten gingen immer vor. Das wusste und hasste er.

„Okay.“ Die Enttäuschung war nicht gespielt. Er hatte wohl doch gehofft, dass sich etwas ändern würde. Was es aber nie würde.

„Schlaf“, wiederholte der sanfter und legte ihm eine Hand an die Wange. Reflexartig lehnte er sich der Geste entgegen. „Ich komme so schnell ich kann.“

Ein kurzer, sanfter Kuss, ehe der sich löste und aus dem Raum ging. Die Tür schloss er selbst. Draußen dürfte die Sonne aufgegangen sein. Hier, in diesem vertrauten Raum, erschien ihm seine Flucht fast wieder lächerlich. Nur wenige hatten das Privileg das Gemach überhaupt betreten zu dürfen. Vielleicht liebte ihn Aiolos doch.

Rasch schüttelte er den Kopf. Diese Hoffnung hielt ihn schon seit Jahren hier. Sie hatte sich nie erfüllt. Nur stets für Schmerz gesorgt.

Er stand da für geschlagene fünf Minuten. Sein Herz sagte, er solle bleiben. Sein Verstand sagte, er solle das alles beenden.

Keiner von beiden schien genug Macht zu haben, um zu siegen. Aber ein kluger Mensch hatte mal etwas gesagt, dass so bedeutend war, dass es Jahrhunderte überdauert hatte.

Sapere Aude!

Sein Verstand hatte ihn bisher am Leben erhalten, nicht sein Herz. Sein Herz hatte ihn überhaupt erst in diese Lage gebracht.

Zehn Minuten waren verstrichen, als er sich wirklich umdrehte und den Türknauf in die Hand nahm. Ginge er jetzt, könnte er nie mehr wiederkehren. Man würde ihn töten, denn ein Verlassen, speziell das Verlassens Aiolos’s, glich einem Hochverrat.

Ging er direkt in die Sonne, würde er keine Jahrhunderte der Angst vor sich sehen. Doch ginge er in die Sonne, fände er niemals die Chance wahre Liebe zu fühlen.

Aber er war weder Soldat noch gefühlslos.Vielleicht war er zu sehr Mensch geblieben in seinem Kopf. Er sehnte sich nach mehr, als dass, was man ihm hier bot.

Er wollte ein Leben. Er wollte es nicht erst morgen, nicht erst in fünf Jahren.

Er wollte es heute. Hier und jetzt. Frei von den Fesseln der Gemeinschaft, frei von der erdrückenden Beziehung zu Aiolos.

Bevor er aber rausgehen konnte, wandte er sich wieder um. Suchte Stift und Papier. Aiolos hatte versucht ihn zu formen, ihn mit Sex und Blut zu dem zu machen, was der wollte. Kurzerhand kritzelte er nur einen Satz aufs Papier, mehr sollte nicht übrig bleiben von ihm.

Dann sah er zu, dass er Land gewann.

* * *


Nicht sehr viel später brannte das Papier. Zerfrass von einer Ecke aus, was in der hastigen Schrift geschrieben worden war.

Eine einsame Träne fiel auf das Papier, verschmierte Buchstaben, ehe die Hitze die Flüssigkeit trocknete.

Auch wenn Aiolos die Worte verbannte, hatten sie sich auf ewig in sein Gehirn eingebrannt.

Ich bin es leid so zu sein, wie du es mich haben willst.


ENDE
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