The way we survive

von Siam
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
31.03.2018
31.03.2018
6
14010
2
Alle
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
«Du bekommst Besuch.» Jem schwebte neben mir und betrachtete mit betont gelangweilten Blick imaginären Dreck unter seinen eigentlich gar nicht vorhandenen Fingernägeln.

«Katherine?», fragte ich und zog mir ein T-Shirt über den Kopf, von dem ich mir ziemlich sicher war, dass ich es höchstens ein oder zwei Tage getragen hatte. Seit meine kleine Schwester diesen Kerl kennen gelernt hatte, kam sie immer seltener vorbei und wenn sie dann mal hier war, schaute sie verträumt auf ihr Smartphone. Ich hasste diesen Typen ohne ihn jemals kennen gelernt zu haben. Dabei schien er sie ja glücklich zu machen. Sollte ich nicht froh für sie sein?

«Nein.» Jem grinste kurz in sich hinein.

Das war definitiv kein gutes Zeichen. Jem könnte mir einfach sagen wer sich vor meiner Wohnungstür befand, aber er tat es nicht. Was bedeutete, dass er auf meine Reaktion gespannt war und das bedeutete wiederum, dass meine Reaktion auf den unangemeldeten Besucher in irgendeiner Weise besonders sein würde. «Mehr Informationen bekomme ich nicht? Wirklich, was nützt mir einen Bruder als Geist, wenn er mir kein Stück hilft?»

«Seele», knurrte eine Stimme hinter mir, ich fuhr erschrocken herum und sah einen Mann, der im Rahmen der geöffneten Schlafzimmertür stand. Er hatte langes, braunes Haar, ein gerade geschnittenes Gesicht - nahezu aristokratische Gesichtszüge - und stechend blaue Augen. «Er ist kein Geist. Er ist eine Seele. Wie oft muss man dir das eigentlich mitteilen?»

Ich wusste, dass ich nicht besonders intelligent aussah, als ich den Mann mit leicht geöffnetem Mund anstarrte. Wie war das möglich? «Kassander…?» Das konnte nicht Kassander sein. Vielleicht ein entfernter Verwandter? Konnten sich seine Gene über die Jahrtausende so gut erhalten, dass irgendein Nachfahre von ihm aussah wie sein verdammter, eineiiger Zwilling? Der Mann hier trug eine eng ansitzende Jeans und Bikerboots und er hatte eine braune Lederjacke über ein schwarzes T-Shirt angezogen. War das Jack Daniels Werbung auf dem Shirt?

«Oh fuck… Ich drehe durch. Ich sehe nicht mehr einfach nur noch Geister, sondern nun sehe ich sie als Menschen… Ich…» Wo waren meine Medikamente? Wahrscheinlich hatte ich sie entsorgt, denn ich brauchte sie nicht mehr. Ich war schließlich ein Nekromant und kein Spinner. Das hatte ich zumindest bisher geglaubt, aber jetzt, wo ich Kassander, der seit locker 2000 Jahren tot war, so vor mir sah, war ich mir da nicht mehr sicher.

«Seelen, du hirnloser Auswurf eines Kriegselefanten!»

Okay, das war Kassander. Das klang wie Kassander. Aber das konnte nicht Kassander sein. Kassander war ein Poltergeist…Entschuldigung…  eine Polterseele und außerdem sollte er nicht hier sein. Er durfte nicht hier sein. Alexander und ich hatten doch…
«Du bist ein Mensch?», fragte ich schließlich.

«Er kann mich nicht sehen. Er ist definitiv menschlich.» Jem neben mir, hatte Kassander den Mittelfinger entgegen gestreckt und als er nicht darauf reagierte, bewegte er seine Hüfte in obszönen Gesten, die sogar für mich dezent ablenkend waren.

«Hör auf damit!» Ich schaute kurz zu Jem, der in sich hinein grinste, aber immerhin tat was ich von ihm verlangte.

«Dein Bruder ist hier?» Kassander schaute dorthin, wo er Jem vermuten musste, weil ich in diese Richtung gesprochen hatte.

«Er ist immer hier.» Ich kam nicht umhin glücklich dabei zu klingen. «Warum bist du ein Mensch?»

«Alexander», knurrte Kassander. «Er sah es als gerechte Strafe an. Oder vielleicht amüsiert es ihn auch über alle Maßen mich in dieser Weise zu demütigen.»

«Ah», machte ich und musterte ihn noch einmal. «Und dann kommst du direkt zu mir?»

«Wo hätte ich denn hingehen sollen?»

Diese Frage konnte ich ihm tatsächlich nicht beantworten. Ich biss mir auf die Unterlippe. «Coole Kleider.» Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, also sagte ich das dümmste, was man in einem solchen Moment von sich geben konnte.

Kassander schaute mich verächtlich an. «Ich würde es vorziehen, wenn du dich endlich vollständig ankleiden würdest, dann können wir weiter reden.» Mit diesen Worten drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand aus meinem Sichtfeld, als er in die Küche abbog.

«Was zum…?»

«Coole Kleider… Echt jetzt, Cal?», fragte Jem und lachte.

«Sei ruhig», murrte ich, während ich mir frische Boxershorts aus dem Schrank holte und mich anzog. «Es ist definitiv zu früh am Morgen für solche Sachen.» Ich konnte noch nicht einmal guten Gewissens einen Whiskey trinken, um diesen kleinen Schock herunter zu spülen. Immerhin war noch nicht einmal 10 Uhr.

«Ich wette Kassander ist ein richtig ätzender Mitbewohner. Aber auf der anderen Seite hast du es auch mit mir ganz gut ausgehalten.»

«Mitbewohner?»

«Das ist ja wohl der Grund, warum er hier ist. Er weiß nicht wo er sonst hin soll. Er hat ja auch keine Ahnung vom Leben im 21. Jahrhundert. Der Typ ist so verloren wie ein Eunuch in einem Bordell.»

Jem verbrachte definitiv zu viel Zeit mit dem Geist von Alexander dem Großen. Anders konnte ich mir nicht erklären wie er zu solchen Vergleichen kam.

«Tut er dir etwa leid?», fragte ich, denn ich glaubte tatsächlich eine Spur von Mitleid in Jems Stimme heraus gehört zu haben.

«Naja, er ist offensichtlich in einer ziemlich beschissenen Situation.»

«Aber das hat er wahrscheinlich verdient.»

«Wahrscheinlich. Macht es dennoch nicht besser für ihn, oder?», fragte Jem. Ich zuckte mit den Schultern, als ich mir eine Jogginghose überzog und mich endlich auf den Weg in die Küche machte.

«Bin ich in deinen Augen passend genug angezogen?», fragte ich, als ich die Küche betrat. Ich blieb abrupt stehen, denn Kassander stand direkt vor mir und schaute sich mit unbehaglichen Blick um. Er schien meine Anwesenheit gar nicht wahrzunehmen. «Kassander?» Ich berührte ihn vorsichtig am Unterarm, was Kassander zusammen zucken ließ.

«Du bist heiß!»

«Danke», sagte ich und grinste. «Hört man immer wieder gerne.» Das wäre eigentlich eine Standardantwort von Jem auf eine solche Bemerkung gewesen, aber es konnte ja wirklich nicht schaden sich das ein oder andere vom unmöglichen, kleinen Bruder abzugucken.

«Ich meine nicht anziehend. Die Menschen in diesem benutzen das Wort «heiß» als Synonym für anziehend, richtig?»

Ich nickte.

«Du bist heiß. Ich bin heiß. Und gleichzeitig ist es kalt. Ich fühle…» Sein Blick wanderte wieder umher. «Das Fenster! Ich spüre Luft!» Seine Augen waren vor Schock geweitet. «Es ist kalt. Meine Finger sind kalt. Meine Haare… ich kann sie in meinem Nacken spüren… Ich….»

Er sah aus als würde er jeden Moment so etwas wie eine Panikattacke bekommen und ich erwischte mich dabei, dass nun auch ich so etwas wie Mitleid mit ihm bekam. Ich ging an ihm vorbei, achtete dabei genau darauf ihn nicht noch einmal zu berühren und schloß das Fenster, das ich über Nacht offen gelassen hatte. Ich hatte Rührei anbrennen lassen und die Befürchtung gehegt, dass der Geruch nie wieder aus meiner Küche verschwinden würde. Nun, der Geruch war weg. Dafür hatte ich Kassander an der Backe.

«Willst du etwas trinken?», fragte ich schließlich, weil meine Tante mich zu einem guten Menschen erzogen hatte.

«Nein!» Geschockt und nun auch wieder mit wütendem Blick starrte Kassander zu mir. «Wenn ich etwas zu mir nehme, dann muss ich mich auch entleeren und dieser Demütigung werde ich mich nicht freiwillig aussetzen.»

Ich nickte und verkniff mir die Bemerkung, dass er als Mensch früher oder später etwas essen und trinken musste. Er würde das schon selbst merken. «Wie lange bist du schon so?», fragte ich schließlich und wedelte mit der Hand herum, um klar zu machen, dass ich mit «so» seine menschliche Daseinsform meinte.

«Seit Sonnenaufgang. Man hatte immerhin die Gnade mich in der Nähe des mir einzig wohlgesonnenen Menschen abzusetzen.» Er klang durchaus sarkastisch.

«Meinst du mich damit?»

«Wen sonst? Idiot!», fauchte er.

«Kleiner Tipp: wenn du willst, dass Menschen dich mögen, dann höre auf sie zu beleidigen.»

Kassander runzelte die Stirn. «Wer sich wie ein Idiot benimmt, sollte auch als ein solcher bezeichnet werden», erklärte er knapp.

Ich verdrehte die Augen. Das war so sehr Kassander, dass es eigentlich fast schon ein bisschen niedlich war.

«Naja, er hat ja auch ein bisschen Recht», warf Jem wenig hilfreich ein. Ich winkte ab und musterte Kassander.
Er sah wirklich nicht besonders glücklich aus, aber das so hatte er auch schon ausgesehen, als er noch als Poltergeist mein Leben unsicher gemacht hatte. Doch irgendetwas an der Art und Weise wie er sich verhielt, wie er seinen eigenen Körper aufrecht erhielt, sagte mir, dass es ihm nicht gut ging. Und das lag ganz sicher nicht nur daran, dass er nichts trinken und essen wollte, weil er sich nicht «entleeren» wollte, wie er es so wundervoll ausgedrückt hatte. Da war noch etwas Anderes.

«Hast du Schmerzen?», fragte ich schließlich. Keine Ahnung, warum, aber der Gedanke, dass er vielleicht überfallen worden war, streifte mein Gehirn. Auch wenn er wirklich nicht aussah wie jemand, der gerade überfallen worden war.

Kassander verdrehte nur die Augen und schaute zur Decke. «Menschsein ist die größte Demütigung, die ich seit Jahrtausenden erfahren habe», murmelte er.

Er übertrieb. Ich hatte Kassander gegoogelt und wusste mittlerweile, dass er ein bisschen mehr als 2000 Jahre alt war und da konnte man definitiv noch nicht von Jahrtausenden sprechen. «Ich weiß wirklich nicht, was ich mit dir machen soll. Wenn du Schmerzen hast, musst du es sagen, dann gebe ich dir Tabletten.»

«Tabletten?»

«Medizin? Etwas, das betäubt. Also die Schmerzen. Nicht dich.» Ehrlich jetzt. Er war doch so lange auf dieser Welt und Tabletten waren ihm kein Begriff?

«Hast du Wein mit blauem Lotus versetzt?»

Ich runzelte die Stirn. «Ich habe Bier, das mit irgendso einem Kakteenzeug versetzt ist, weil Katherine so einen Mist trinkt.»

«Das beantwortet meine Frage nicht», erwiderte er.

Es war interessant zu wissen, dass Kassander offensichtlich durchaus bereit war sich Flüssigkeit zuzuführen, wenn es sich dabei um Alkohol handelte. Oder etwas, das betäubte. Sprach das nun dafür, dass er Schmerzen hatte? Es sollte mir eigentlich egal sein. Kassander hatte sich in der näheren Vergangenheit und im Umgang mit mir und Jem ganz sicher nicht mit Ruhm bekleckert. Und wenn ich so darüber nachdachte, was ich über ihn auf Wikipedia gelesen hatte, dann hatte er sich auch in der viel weiter entfernten Vergangenheit ganz sicher nie mit besonders viel Ruhm bekleckert. Ich öffnete meinen Mund, um ihm genau das zu sagen, da klingelte es an der Tür. Ich schaute zu Jem, normalerweise warnte er mich vor, wenn so etwas geschah.

«Katherine?», fragte ich meinen Bruder, der schon einmal in Richtung Tür schwebte.

«Nope!», rief er zurück. Das «P» am Ende ließ er laut ploppen und ich verdrehte die Augen. Das hatte mich schon genervt, als er noch am Leben gewesen ist. Aber auch heute brachte ich es nicht über mich ihm das zu sagen. Wahrscheinlich wusste er es ohnehin und würde dann darauf beharren, dass er jetzt, wo er tot war, es sich verdient hatte, sich nicht mehr verändern zu müssen.

«Mehr Infos gibt es nicht?», fragte ich.

«Es wird interessanter», erklärte er mir nur.

Ich fragte mich wirklich wie es interessanter werden konnte als Kassander, der mir in den Flur gefolgt war und sichtlich genervt war, weil ich mit Jem sprach, während er nur meinen Teil der Unterhaltung verfolgen konnte.
Da ich nicht wirklich davon ausgehen musste, dass es gefährlich war, die Tür zu öffnen, tat ich das und starrte zum zweiten Mal an diesem Morgen auf einen Menschen, von dem ich niemals erwartet hätte ihn wieder zu sehen.

Chris war immer noch verdammt riesig, seine braunen Haare waren noch länger und offensichtlich hatte er sein Haargummi verloren, mit dem er die Haare in meinem Aufenthalt in der Klinik immer zusammen gebunden hatte, denn sie hingen ihm locker über die Schulter. Er trug ein blaues Shirt, mit einem rot-weißen Kreis und einem Stern darin.

«Captain America», sagte Jem mit Kennermiene. Ich vermutete, dass sich dieser Kommentar auf das T-Shirt bezog und nicht auf Chris, der wahrscheinlich ausflippen würde, wenn man ihn ausgerechnet als Captain America bezeichnen würde. Wenn, dann wenigstens Captain Ireland, oder so…

«Chris… Wow… Was machst du hier?», fragte ich und ließ mich von dem riesigen Mann einfach in eine Umarmung ziehen, weil ich sowieso nichts dagegen ausrichten könnte. Als er mich wieder freigab und ich nur ein bisschen das Gefühl hatte, dass er mir meine Rippen gebrochen hatte, atmete ich aus und warf einen Blick in den menschenleeren Flur hinter Chris. «Wo ist dein Bruder?»

Leo war doch immer an Chris Seite zu finden gewesen. Ich kannte Chris eigentlich nur mit seinem schweigsamen Schatten, auch bekannt als seinen kleinen Bruder Leo. Doch Leo war nicht da und als sich weiter zu Chris aufschaute und den blauen Fleck an seiner Wange bemerkte, meldete sich ein schlechtes Gefühl in meiner Magengegend, was ganz sicher vieles, aber definitiv nichts Gutes bedeuten konnte.

Ich trat einen Schritt zur Seite, damit Chris eintreten konnte.

«Ich wollte dich besuchen», sagte Chris.

«Bist du raus aus der Klapse?», fragte ich.

Schade, dass es erst so früh am Morgen war und ich einfach noch keinen Schnaps trinken konnte ohne, dass man mir unterstellen würde, dass ich mein Leben nicht unter Kontrolle hatte.

«Offensichtlich. Außer du hast dich mit Medikamenten zugeballert und hast die letzten Monate nur fantasiert und ich besuche dich eigentlich gerade in deinem Zimmer und gleich kommt Julien um die Ecke und labert dich mit der zweiten Staffel True Detective zu, die leider eine ziemliche Enttäuschung gewesen ist. Falls du sie noch nicht gesehen hast, lass es lieber. Auch wenn der eine Hauptdarsteller selbst mit Bart irgendwie ganz gut aussah…»

«Ugh…», grunzte ich in mich hinein. Ich hatte nicht erwartet von Chris direkt zugetextet zu werden und konnte nicht wirklich etwas Brauchbares aus seiner Rede heraus filtern. «Ich nehme keine Medikamente mehr», sagte ich schließlich, weil ich nicht wusste, was ich sonst sagen sollte.

«Ja? Siehst du deinen Bruder endlich?»

«Wir haben zueinander gefunden», erwiderte ich.

Ich fand es immer noch seltsam wie sehr Chris einfach akzeptierte, dass ich Tote sehen konnte. Oder vielleicht akzeptierte er einfach auch nur, dass ich dachte, dass es echt war und es war ihm egal. Dabei wusste ich ja mittlerweile, dass das, was ich sah der Realität entsprach. Auch wenn mich Kassanders Auftauchen eigentlich genauso beunruhigte wie vor knapp zwei Jahren, als ich ihn kurz nach Jems Tod das erste Mal gesehen hatte. Damals noch als Geist.

«Das ist gut. Ist er das? Kann ich jetzt auch Tote sehen? Also, wenn das dein Bruder ist, dann solltest du dir Gedanken machen. Er sieht wahnsinnig aus.» Chris deutete auf Jem und ich war einen Moment ernsthaft verwundert bis erschrocken. Zumindest so lange bis mir bewusst wurde, dass Jem direkt vor Kassander stand.

«Ich bin ganz sicher nicht dem Wahnsinn verfallen! Ist er nicht einer dieser Kreaturen, mit denen du dich angefreundet hast, bevor ich dich retten konnte?» Kassander lief durch Jem durch, um sich mit wütenden Blick vor Chris aufzubauen. Kassander war definitiv nicht klein, aber im Vergleich zu Chris war irgendwie jeder Mensch… naja… nicht groß.

«Was ist mit dem Zwerg?», fragte Chris.

«Ich bin nicht kleinwüchsig!»

«Er ist nicht mein Bruder», erwiderte ich schließlich und konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen. Ich merkt, dass ich mich tatsächlich freute Chris zu sehen. Ich hatte ihn gemocht, wir waren Freunde gewesen, soweit man eben in einer verdammten Klapsmühle sich mit anderen Menschen anfreunden konnte. «Das ist Kassander.» Ich hatte keine Ahnung wie und als was ich Kassander genau vorstellen sollte und deswegen beließ ich es einfach bei seinem Namen.

«Ich sollte ihm für seine Respektlosigkeiten die Gedärme aus seinem erbärmlichen Körper schneiden!» Kassander hatte glücklicherweise kein Messer zur Hand. Ich würde ihm eine solche Tat zweifellos zutrauen.

«Das würde eine ziemliche Sauerei machen.» Chris schien von Kassanders Gebaren nicht wirklich beeindruckt zu sein. Er war eher amüsiert. «Meine Fresse und sie haben mich für Jahre eingeschlossen, weil sie behauptet haben, dass ICH ein Wutproblem hätte…»

Naja. Chris hatte definitiv ein Wutproblem. Kassander war einfach nur… Kassander.

«Und jetzt bist du nicht mehr weggesperrt?», fragte ich. Und seufzte, als mir bewusst wurde, dass er mir auf diese Frage wahrscheinlich wieder eine ähnlich vage Antwort geben würde wie schon bei meinem ersten Versuch aus ihm eine Antwort zu bekommen. «Also ich meine: bist du offiziell entlassen worden oder bist du abgehauen?»

«Offiziell entlassen.» Er grinste kurz.

«Gratulation! Das ist gut für dich!» Das war es wirklich. Ich freute mich für Chris. Trotzdem hatte er eine Frage noch nicht beantwortet. Eine Frage, die wichtig war. «Und Leo?»

«Deswegen bin ich hier. Ich glaube, er ist tot.»
Review schreiben