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GeschichteHumor, Freundschaft / P12
Iron Man / Anthony Edward "Tony" Stark OC (Own Character)
31.03.2018
04.06.2018
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Es gab objektiv betrachtet bessere Moment im Leben des großen Tony Stark, um mit dem Trinken aufzuhören. Und zwar vollständig, unumstößlich und für immer und ewig (oder solange diese Welt noch bestehen würde, was aber eine andere Geschichte war). Wäre er nicht vollständig durch sehr wichtige Dinge ausgebucht, er würde eine Statistik anfertigen.

Nicht das er nicht oft in seiner Werkstatt saß und sich ernsthaft überlegte, einfach alles hinzuschmeißen und sich volllaufen zu lassen. Es gab einen Grund wieso er als erstes nachdem er mit den Prothesen für Rhodney fertig war, sämtlichen Alkohol den Abguss hinunter geleerte hatte. Wenn man gezwungen war, sich über 40 Jahre mit sich selbst auseinanderzusetzen, dann lernt man so einiges über sich selbst.

Tony Stark kannte sich inzwischen einigermaßen gut. Oder gut genug um zu wissen, dass nach diesem ganzen Debakel Alkohol in seiner Nähe ein Desaster gewesen wäre. Außerdem hatte er es irgendwie geschafft, den Spinnenjungen davon abzuhalten, auf eigene Faust sich das Genick zu brechen und es gab einige Dinge für die er nüchtern sein musste.

Die Firma.

Ross.

Die Verträge.

Peter.

Rhodney.

Peter.

Himmel, er blieb sogar für die Menschen nüchtern, die ihn eigentlich dazu bringen sollten, sich die Kante zu geben. Steve. Wanda. Sam. Natasha.

Tony Stark hatte es irgendwie geschafft innerhalb von wenigen Tagen die Anzahl von guten Leuten auf seiner Liste für gute Leute, drastisch zu reduzieren. Aber er musste immer noch nach Natasha sehen. Und er musste immer noch Ross davon abhalten, zu viele Fragen über Sibirien zu stellen. Und er musste Rhodney neue Prothesen machen. Und sich um die Leute kümmern, um die sich Ross kümmern würde wenn Tony es nicht tun würde.

Er wollte einen Drink.

Es gab bessere Momente um mit dem Trinken aufzuhören. Und an solchen Abenden wie diesem saß Tony allein in seiner Werkstatt und starrte die Hologramme für neue Erfindungen an und hörte Friday wie sie ihn darüber informierte, dass er schlafen sollte (er vermisste Jarvis. Gott, er vermisste so viel.), fühlte er wie sein Ausdauervermögen spröde wurde. Seufzend stieß er sich vom Boden ab und vollführte eine wacklige Drehung auf dem Bürostuhl.

Er war nicht in der Stimmung um trocken zu werden. Aber war er das jemals gewesen? Immerhin konnte es nicht wirklich viel schlimmer werden, jetzt nachdem die Avenger sich halbiert hatten und Rhodney im Rollstuhl saß und Natasha untergetaucht war und die restlichen Teammitglieder in Wakanda Asyl ersucht hatten, was er nicht wissen sollte aber trotzdem tat, aber größtenteils einfach so tat als würde er es nicht wissen, weil das einfacher für alle war. Das war es wohl, Tony Starks persönlicher Tiefpunkt.

Und er hatte entschlossen aufzuhören zu trinken. Manchmal bezweifelte er, dass sein Genie wirklich so ausgeprägt war, wie alle immer behaupteten.

Er wollte Pepper zurück. Er wollte Steve zurück oder Clint. Er wollte, dass irgendjemand lebendes jetzt durch die Tür kommen würde, um ihn daran zu erinnern, dass er Termine hatte. Was ihn daran erinnerte, er brauchte einen neuen Leiter für die Öffentlichkeitsarbeit. Oder einen PA. Pepper war … das war auch eines dieser Dinge, die Tony noch nicht bereit war wieder anzureißen. Manche Hunde sollte man ein wenig schlafen lassen.

Es war kein Wunder, dass er neues Personal brauchte. Pressesprecher zu sein war nie eine spaßige Angelegenheit, aber Tony hatte etwas eitel angenommen, dass in den vergangenen Jahren es ein wenig angenehmer geworden war, Stark Industrie zu vertreten. Das Universum war wohl darauf bedacht, seine Überschätzungen als einen Art Insider zu etablieren.

Der „Civil War“, wie ihn die Presse so schön getauft hatte, war etwas, was man wohl als persönliche Hölle für all die kleinen, fleißigen Menschen hinter ihren Computern sehen konnte. Er war überrascht, dass nicht die ganze Abteilung hingeschmissen hatte. Oder sämtliche anderen Mitarbeiter. Wieso war er eigentlich noch nicht pleite?

Und wieso war er noch nüchtern?

Tony legte stöhnend den Kopf in den Nacken und schloss die Augen. Er hatte immer gedacht, dass wenn er mit dem Trinken aufhören würde, Kopfschmerzen der Vergangenheit angehören würden. Aber im Moment nagten sie an seinem brillianten Geist mit klitzekleinen Messern.

Er sollte Pepper anrufen, sie um Hilfe beten.

Halt, er sollte das streichen. Nicht Pepper anrufen. Nicht Pepper anrufen.

Irgendjemand anderen. Aber seine Kontaktliste war ziemlich kurz für solche Fälle.

Er brauchte einen Drink. Er wollt sich einen Drink einschenken, das Klapphandy aus der Nachtischschublade holen, den Brief auffalten und sich dann in der Badewanne ertränken während Friday schwer melancholische Musik spielte.

„Sir“, meldete sich Friday zu Wort. „Miss Potts hat Ihnen eine E-mail geschickt. Soll ich sie vorlesen?“ Ihr fehlte der Biss, den er Jarvis irgendwann einmal unterbewusst programmiert hatte. Oder vielleicht brauchte sie auch nur ein paar Jahre mit Tony höchstpersönlich zu verbringen bis sie sich in die erste alkoholabhängige KI der Welt verwandelte.

Nein halt, positives Denken, positives Selbstbild, tief einatmen und ausatmen. Er war nicht betrunken genug, um so etwas zu denken und dann den Alkohol als ausrede nehmen zu können.

Ach stimmt, er war gar nicht betrunken. Das war ja das ganze Problem gewesen.

„Lies vor Fry.“ sagte er ohne die Augen zu öffnen. Pepper schrieb ihm. Manchmal sprach sie sogar mit ihm. Er würde die Welt dafür geben, dass einfach alles so wie davor sein würde.

Babyschritte. E-Mails, Smalltalk, irgendwann einmal wieder die alte Tony und Pepper Dynamik. Sie musste nicht einmal mit ihm schlafen! Er wollte einfach nur, dass sie ihm in die Augen sah und das Rhodney durch die Türe ging, eigenständig, und dass Jarvis mit ihm sprach.

„ … Grüße Pepper. Ein Link ist angegeben. Er führt zu einem Youtube Video. Soll ich es abspielen?“ Friday war wie ein sehr gehorsamer Labrador, dachte Tony. Und er hatte durch sein Melancholisches Gedenke die E-Mail verpasst.

„Abspielen“, sagte er und rang sich dazu durch, sich der Holoprojektion zuzuwenden. Wie spät war es eigentlich? Er wollte erst gar nicht in die kleine Ecke auf dem Bildschirm sehen. Er hatte Rhodney versprochen, mehr auf sich zu achten. Aber Rhodney war nicht hier, sondern in einer speziellen Klinik für Nervenverletzungen und der Himmel möge jedem beistehen, der es wagen würde, ihn dort zu stören und von Tony erwischt zu werden. Also, Rhodney würde hiervon nichts mitbekommen.

Tony hatte einmal gesagt bekommen, dass er dazu tendierte, sich zu sehr auf technische Details zu konzentrieren. Aber die Kameraqualität war wirklich schlecht. Und erst das Licht! Tony wusste mindestens drei Möglichkeiten, wie die junge Dame ihr Bild um einiges verbessern konnte. Eine war, seine Produkte zu kaufen, da die Kamera in seinen Laptops hochauflösender war und sich vor allem den Lichtverhältnissen automatisch anpasste. Revolutionär und so weiter und so fort. Stark war gut in seinem Job. Immerhin in etwas.

Seufzend fuhr er sich durch die Haare während er halb interessiert und halb komatös dem Video folgte.

Junge Frau, Mitte bis Ende 20, asiatisch geschnittenes Gesicht, die schwarzen Haare in einen Bob geschnitten und braune Augen, die sehr dunkel wirkten, aber das konnte auch nur die katastrophale Bildqualität sein. Hatte er schon den objektiv schlechten Geschmack der Dame in Sachen der Technik erwähnt? Denn diese Tatsache brauchte deutlich mehr Aufmerksamkeit. Tony verspürte den Drang, ihr einen Computer zu schenken, nur um sie von diesem Fossil wegzubekommen.

Die grüne Revolution fing nun mal schon in den Haushalten an, und das Ding, mit dem sie aufnahm, dass tötete die Umwelt schön langsam.


„Was ich von dem „Civil War“ halte“, begann sie, eigentlich begann das Video nicht so, aber Tony hatte sich ein wenig in anderen, sehr wichtigen Dingen verbissen, also begann für ihn das Video so „ist, um es abschließend noch einmal zusammenzufassen, vielleicht etwas kontrovers.“

Sie räusperte sich und Tony warf einen dreiviertel interessierten Blick auf ihren Usernamen. Pepper wusste, dass es ein paar Dinge gab, die er wie die Pest vermied.

Jegliche Erwähnung von Steve Rogers oder Captain America.

Alkohol.

BARF, sowie seine Eltern, aber daran war nichts neues.

Civil War (und somit auch die Presse im allgemeinen, aber er hatte eine sehr komplizierte Beziehung zu letzterem und deswegen war es nur der Civil War, den er vermied.)

Und Pepper respektierte ihn immer noch genug, dem Anschein nach, um diese Grenzen nur sehr langsam abzubauen.

Die Frau, LizzieTheDreamer, ein grauenvoller Name übrigens, schien auf etwas über ihrem Computer zu starren.

„Also“, begann sie und räusperte sich. „Wie viele von euch wissen, lebe ich in New York. Und vor vier Jahren hat es einen Angriff auf New York gewesen. Es gibt viele Menschen, die Tony Stark nicht mögen, aus guten Gründen. Viele sagen, dass es seine Schuld ist, dass die Avengers auseinandergebrochen sind. Ich, wie viele andere, kenne keine genauen Details darüber, was wirklich während dem „Civil War“ passiert ist. Ich würde nicht sagen, dass ich „Team Ironman“ bin, aber, wenn Tony Stark das sehne würde, und ich ihm eine Sache sagen könnte, dann wäre es das hier:

Sie erinnern sich bestimmt nicht an mich, aber ich erinnere mich an Sie. Als damals die Aliens in unsere Stadt kamen, war ich zu Hause. Ich habe eine Schwester, und die hat zwei Kinder. Ich selbst habe letztes Jahr mein Studium abgeschlossen. Und Dank Ihnen sind wir nicht tot. Ich weiß, dass die Medien sehr wild auf alles sind, was Sie Ihnen vorsetzten. Ich will nicht sagen, dass Sie mit allem, was Sie getan haben, richtig lagen. Aber ich habe gehört, das ihr letzter Pressesprecher hingeschmissen hat. Ich habe einen Abschluss in Politikwissenschaften und habe ein paar Jahre Journalismus als ein Nebenfach belegt. Und ich bin zur Zeit arbeitslos!“

Tony starrte das Bild dieser junge Frau an. Er musste sich nicht die Bewertungen ansehen, um zu wissen, dass das Netz und die Gesellschaft mehr als nur gespalten war. Er musste sich auch nicht die Kommentare durchsehen.

„Friday“, sagte er, ohne den Blick von der Frau abzuwenden, dem Mädchen, dass vor 4 Jahren durch New York gerannt war, oder an einer Fensterscheibe geklebt hatte. „Was hat Peppper noch mal geschrieben?“

Friday, gepriesen sei ihre künstliche Seele, las kommentarlos die E-Mail erneut vor.

„Tony, du solltest dir das hier ansehen. Ich habe sie recherchiert, sie ist gut, hat ein ordentliches Zeugnis, nur ihre Erfahrungen lassen etwas zu wünschen. Deshalb lasse ich dir die letzte Entscheidung.
Du hattest schon immer ein wenig seltsame Einstellungsvorraussetzungen,
Grüße Pepper.“

Er hatte Pepper aufgrunde dessen zu seiner PA gemacht, weil sie ihm ins Gesicht hatte, dass er einen Rechenfehler gemacht hatte. Er hatte keine seltsamen Vorraussetzungen, er mochte es einfach nur, wenn Leute die Materie kannten und so aussahen, als könnten sie mit Tony Stark klarkommen.

Nachdenklich stütze er sein Kinn in die Hände. Er wollte diese Frau nicht einstellen, sie in eine Position von solcher Präsenz und in solch einer prekären Lage einzusetzen wäre fahrlässig! (Pepper würde sagen, dass er einfach nur sehr schlecht darin war, neue Menschen so nah an sich heranzulassen. Sie hatte wahrscheinlich recht. Pepper hatte meistens Recht.)

Seine Hand kribbelte, es war als würden viele kleine Puzzelteilchen ein großes, schönes Bild ergeben.

„Verdammt“, flüsterte er und vergrub seinen Kopf etwas verkorkst in seinen Armen, „verdammt Pepper, verdammt.“


Es gab ein paar Dinge, die Tony in der Außenwelt erledigen musste. Da waren die Langs, die er irgendwie aus Ross Reichweite bringen musste. Da war Laura Barton und ihre Kinder, die vielleicht oder vielleicht nicht, immer noch in einer kleinen Farm lebten und Tony wusste, dass Ross sehr angetan von diesem Geheimnis wäre wenn er es irgendwann einmal fand. Da war Peter. Da waren die Superhelden, die nie Avengers waren oder werden würden und jetzt nicht wussten, was sie tun sollten.

Tony setzte seine Sonnenbrille ab und steckte sie in seine Brusttasche. Da war auch eine junge Dame, Vietnamesin, 26 Jahre alt, namens Phan Hoa Elisabeth, die er jetzt anwerben würde. Ein letztes Mal erlaubte er sich die Überlegung, umzudrehen und einfach diesen Teil zu überspringen.

Pepper würde ihm an die Kehle gehen, wenn er diese Position nicht besetzte, aber er konnte auch einfach so lange warten, bis sie es selber tat.

Nein warte, das war unfair. Er konnte nicht an Pepper oder Phan Hoa Elisabeth seine Launen auslassen.

Er konnte lautes Kindergeschrei hinter der Tür ausmachen. Ihre Schwester hat Kinder, erinnerte sich Tony. Über ihm konnte er den wolkenlosen Himmel sehen, wenn er wollte. Vor vier Jahren hatte er eine nukleare Bombe durch ein Portal geflogen. Er hatte gespürt, wie seine Gedanken abgesunken waren, in einen dunklen Morast. Er war gefallen.

Er dachte daran, wie seine Mutter von Bucky Barnes erwürgt worden war. Wie seinem Vater der Schädel eingeschlagen worden war.

("Hast du es gewusst?"Gott, er hatte sich noch nie so sehr gewünscht, dass man ihn anlog. Sag nein, hatte er sagen wollen. Ich glaube dir alles! Wir sind (waren) Freunde. "Ja.")

Er würde nie behaupten, dass er alles richtig gemacht hatte.

Tony Stark sah nicht einen wolkenlosen Horizont, der so etwas romantisches wie unbegrenzte Möglichkeiten repräsentierte. Über ihnen hing das Schwert des Damokles - er war nicht gewillt, es auf die Menschheit krachen zu lassen. Steve Rogers tat weiß der Himmel was in Wakanda. Und man brauchte dafür gute Leute.

(Ein kleiner, nicht verlässlicher Teil von Tony vertraute blind darauf, dass Steve sich vorbereitete. Und das er seinen Teil tun musste. Dass sie es bekämpfen würden. Zusammen.)

Tony Stark drückte die Klingel.
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Das hier wird definitv ein Zweiteiler. Das nächste Kapitel kommt  dann aus dem POV meines OC's. Ansonsten schau ich einmal, ob ich diese Geschichte irgenwie ausbauen will, vielleicht verarbeite ich damit meine Infinity War Feelings, die ich kriegen werde!
LG, und lasst doch ein Review da!
Anemonenfisch
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