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Spellbound

OneshotRomanze, Fantasy / P12
Krampus OC (Own Character)
30.03.2018
30.03.2018
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Spellbound


Who are you?
Land of nightmares
Why am I not screaming?
Thought I saw something kind there
And I swear I'm not dreaming
Who are we?
Friends or rivals?
Falling under your spell
What lies behind your smiles?
Oh, you wear them so well.

Victoria Carbol - Alive





Überrascht hielt Mary Burwell inne, lehnte sich gegen den Türrahmen und sah stirnrunzelnd auf das kleine Päckchen, welches auf dem Tisch in ihrem Wohnzimmer lag und sich dort sicherlich noch nicht befunden hatte, als sie in die Badewanne gestiegen war.
Das Päckchen war in dunkles Papier eingewickelt und mit einer roten Schleife aus Samt verziert worden. Ein rechteckiger Umschlag war unter der Schleife angebracht worden, auf welchem in geschwungenen Lettern ihr Name geschrieben stand. Neugierig entfernte sie den Umschlag, zog den Brief hervor und überflog ihn. Sie erkannte Krampus Handschrift.


Mary,

Heute ist Walpurgisnacht und die Grenzen der neun Welten verschwimmen miteinander, um deren Bewohnern die Möglichkeit zu geben bis in die frühen Morgenstunden zu tanzen und gemeinsam den Beginn des Frühlings zu feiern.
Komm zu der Lichtung im Wald und triff mich dort, wenn die Sonne untergeht.
Es erwartet uns eine wilde Nacht zu Ehren der alten Götter. Wir feiern Calan Mai, die Fruchtbarkeit von Mutter Natur, die Liebe und das Leben selbst.  

PS: Ich hoffe, das Kleid gefällt dir.

Krampus



„Calan Mai?“ Mary hatte noch nie davon gehört, wenngleich auch die Walpurgisnacht ihr ein Begriff war. Ihr Blick wanderte erneut zu dem offensichtlichen Geschenk des Julherrn, ehe sie mit leicht zitternden Fingern das Papier entfernte.
Zum Vorschein kam ein langes, in einem elfenbeinfarbenen Ton gehaltenes Kleid aus einem leichten Stoff, dessen Saum und kurze Ärmel mit feinen Goldfäden durchwirkt waren. Bei genauerem Betrachten erkannte sie, dass die Goldfäden ein in sich verschlungenes Rankenmuster bildeten. Ein breites, tiefblaues Band war auf Taillenhöhe angenäht worden. Das Kleid war wunderschön und Mary fragte sich, woher Krampus es wohl hatte.

Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet ihr, dass sie noch etwas Zeit bis zum Sonnenuntergang hatte und so begab sie sich in ihr Badezimmer, um ein wenig Make-Up aufzulegen und sich die feuchten Haare zu föhnen.
Anschließend schlüpfte Mary in das bereitliegende Kleid, der feine Stoff schmiegte sich an ihren Körper und es passte ihr wie angegossen.
Himmel, was hatte Krampus nur mit ihr vor?
Mary lachte leise auf und schüttelte den Kopf. Sie zog ein helles Paar flacher Schuhe an, verstaute ihren Schlüsselbund und ihr Portmonee in einer kleinen Tasche, bevor sie das Apartment verließ.

Marys Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, während sie den alten Chevrolet auf den Waldweg lenkte und darüber nachdachte, was sie auf der Lichtung erwarten würde. Neben ihr auf dem Beifahrersitz lag Krampus Brief und erneut zerbrach sich die Dunkelhaarige den Kopf über den Teufel. Für sie war er nach wie vor ein Buch mit sieben Siegeln.
Kurz darauf erreichte sie die alte Waldhütte, in der Krampus und seine Belznickel sich niedergelassen hatten. Mary brachte den Wagen zum Stillstand, zog die Handbremse an und lauschte, doch weder das vertraute Blöken der beiden Julböcke noch das Geräusch der herannahenden Wölfe Geri und Freki drang an ihre Ohren. Es war still und als sie ausstieg, sah sie sich verwundert um.
„Krampus? Peter?“, rief sie. „Nick? Luke? Irgendjemand?“
Niemand antwortete ihr.
Mary ging zur Vorderseite der Holzhütte, die gänzlich verlassen zu sein schien. Kaum merklich zuckte sie mit den Schultern, während sie zu der Lichtung aufbrach.

Blätter und welkes Laub raschelte unter ihren Schritten, die untergehende Sonne brach durch den Baldachin aus Blättern und Baumkronen und tauchte den Wald dabei in ein sanftes, orangerotes Licht.
Mary hob den Blick und erkannte die hochgewachsene Silhouette von Krampus, welcher mit verschränkten Armen gegen den schmalen Stamm einer Buche gelehnt dastand.


Krampus Mundwinkel deuteten ein schmales Lächeln an, als er sie erblickte. „Dann hast du mein Geschenk also erhalten. Gut.“
„Es ist wirklich sehr schön. Vielen Dank.“ Mary strich sich eine dunkle Haarsträhne zurück. „Woher-“
„Möchtest du mich mit unwichtigen Fragen durchlöchern oder würdest du lieber hören, weshalb ich dich hierher gebeten habe, Mary?“, fiel Krampus ihr prompt ins Wort, schnitt eine Grimasse und ignorierte ihr Augenrollen. „Bist du denn überhaupt nicht neugierig wohin unsere Reise geht?“
Er sah das Funkeln in ihren grauen Augen, während sie mit sich selbst rang. Es war eine beinahe schon lästige, kleine Angewohnheit von ihr, alles was er tat zu hinterfragen. Ihr Starrsinn amüsierte den Herrn über die Julzeit immer wieder und so trat er näher an sie heran, betrachtete ihren inneren Kampf mit zur Seite geneigtem Haupt und fragte sich, was wohl geschehen wäre wenn er ihr Haus in dieser bitterkalten Dezembernacht nicht aufgesucht hätte.
Krampus wusste nicht, ob es es ein simpler Zufall oder gar Schicksal gewesen war und eigentlich spielte es auch keine Rolle für ihn. Sie war hier und er hatte vor, ihr einen Teil seiner Welt zu zeigen. Mary nickte stumm und sein Lächeln kehrte zurück. Krampus legte seine Hände auf ihren Hüften ab, zog sie zu sich und neigte sich zu ihr hinunter.
„Heute ist eine ganz besondere Nacht. Die Grenzen der Welten schwinden und die unterschiedlichsten Wesen und Kreaturen kommen zusammen, um Calan Mai zu feiern“, hauchte er an ihrem Ohr. „Und es wäre mir eine Ehre, wenn du mich heute Nacht begleiten würdest.“


„Und was genau ist nun dieses Calan Mai?“, fragte sie mit gedämpfter Stimme.
„Es ist gleichwohl ein Fest der Auferstehung, der Freuden und der Liebe. Ein Fest der Lust, der Leidenschaft und der Fruchtbarkeit.“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Wispern bei seinem letzten Satz.
Ein Schauer durchfuhr sie und eine Gänsehaut bildete sich auf ihrem Nacken, als Mary seinen warmen Atem dort spürte. Vor ihrem geistigen Auge sah sie sich selbst mit Krampus, eng umschlungen und tanzend zu einer unbekannten und fremdartigen Melodie.
Seine Lippen berührten sanft ihre Ohrmuschel, während seine Hände langsam über ihren Rücken wanderten und tiefer glitten. „Es wird dir gefallen. Vertraue mir, Kätzchen.“
Mary schwieg, schmiegte sich enger an ihn und verbarg ihr Gesicht an seiner Brust.
„So sehr ich es auch genieße, hier mit dir zu verweilen und obwohl es mich untröstlich macht diesen überaus angenehmen und seltenen Moment des Friedens zu zerstören“, begann Krampus und räusperte sich. Er entließ sie aus seinen Armen und nahm ihre Hand in die seine. „Doch ich befürchte, dass wir uns allmählich auf den Weg machen sollten.“
„Nach dir“, sagte sie.
Wohin auch immer Krampus gehen würde, sie würde ihm folgen.
„Da sich die Welten überlappen, müssen wir lediglich einen Riss finden, welcher uns dann zum Schauplatz des Festes führen wird“, erklärte der Teufel schulterzuckend. „Komm, ich werde uns dorthin bringen. Mir nach, Kätzchen.“
Mary schlug sich mit flacher Hand gegen die Stirn und grinste breit. „Natürlich. Nichts leichter als das!“
„Spar dir deinen Hohn.“
Sie lachte humorlos auf. „Entschuldige, ich vergaß, dass dies ja dein Part ist und du der Einzige bist, der andere verspotten darf.“
Krampus stimmte in ihr Gelächter mit ein. „Irgendwann einmal wird dir dein freches Mundwerk noch zum Verhängnis werden und dir den hübschen Kopf kosten, Liebes.“

Mary ließ sich von dem Teufel durch den Wald führen, während das Sonnenlicht nach und nach der heranbrechenden Dunkelheit der Nacht wich. Sie wollte Krampus gerade danach fragen, wie weit es noch war, als er abrupt innehielt und stehen blieb.
Er zog eine Augenbraue in die Höhe und sah sich aufmerksam um. „Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg. Kannst du die Magie spüren, Mary?“
Sie wollte bereits mit den Schultern zucken, da spürte sie tatsächlich etwas. Es fühlte sich wie eine Art Spannung in der Luft an, die aufgeladen zu sein schien wie vor einem herannahenden, heftigen Gewitter.
Verblüfft schaute Mary ihn an. „Ja, ich glaube schon.“
Er schenkte ihr ein Lächeln und umschloss ihre Hand fester. „Bist du bereit?“


Krampus wartete ihre Antwort gar nicht erst ab, er zog sie einfach mit sich auf eine für sie nicht sichtbare Barriere zu und Hand in Hand durchbrachen sie die Grenzen dieser Welt.
Finsternis legte sich um sie und hüllte sie ein wie ein Kokon, die Temperatur schien zu sinken und er schüttelte sich leicht, ehe sie sich auf einer Anhöhe wiederfanden. Hinter ihnen befand sich ein dichter Wald, dessen Bäume hoch in den sternenklaren Nachthimmel hinaufragten.
Neben ihm ging Mary leicht in die Knie, ihre Zähne schlugen klappernd aufeinander und sie rieb sich die nackten Oberarme.
Sie warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu und begann am ganzen Leib zu zittern, als hätte man sie mit einem Kübel Eiswasser übergossen. „Eine klitzekleine Warnung wäre nett gewesen.“
Er verkniff sich sein Grinsen und setzte stattdessen eine möglichst betroffene Miene auf. „Ich werde versuchen, es mir zukünftig zu merken. Alles in Ordnung mit dir, Kätzchen?“
„Ja. Vielen Dank für die Nachfrage“, gab sie zurück und schnitt eine wehleidige Grimasse. „Mir ist ein wenig kalt. Was zur Hölle war das?“
„Magie“, antwortete er schlicht, so als würde dies alles erklären. Er stieß ein leises Lachen aus. „Hab dich nicht so. Immerhin hast du keinen Finger oder sonst ein Körperteil verloren.“
„Wie war das?“, schnappte Mary.
„Nur ein kleiner Scherz.“ Krampus legte ihr einen Arm um die Schultern. „ Komm, wir setzen uns an eines der Feuer, damit du dich aufwärmen kannst.“


Sie ließen die Anhöhe hinter sich und in dem Tal unter ihnen bot sich Mary ein wahrlich einzigartiger Anblick.
Flammen tanzten über die aufgestapelten Holzschaite, warfen lange Schatten auf die Erde und vereinigten sich zu einem lodernden Freudenfeuer, um welches sich allerhand Gestalten angesammelt hatten. Hier und dort erkannte sie weitere, kleinere Feuerstellen. Der angenehme Duft von Birken- und Eschenholz hing in der Luft, vermischte sich mit dem Geruch von gegrillten Speisen und waberte zu ihnen hin. Gelächter und Gesang hallten durch die Nacht, wurde von rhythmischen Trommelschlägen untermalt und verwoben sich zu einer uralten Melodie.

Mary sah sich mit großen Augen um, als sie näher traten und wollte etwas sagen, doch es schien ihr nichts einfallen zu wollen, dass diesem Anblick auch nur annähernd gerecht werden würde.
„Willkommen zum Calan Mai – Fest“, verkündete Krampus feierlich und deutete auf das riesige Freudenfeuer. „Schau dich in aller Ruhe um, während ich uns in der Zwischenzeit etwas zu trinken besorgen werde. Gib Acht auf dich und halte dich von den Fae fern. Sie können recht aufdringlich sein und besonders in der heutigen Nacht steht ihnen womöglich der Sinn nach Schabernack.“
Mary nickte geistesabwesend, ohne seinen Worten wirklich Gehör zu schenken. „Okay.“
Seine Lippen berührten sanft ihre Stirn, bevor er sich von ihr entfernte. Nach ein paar Schritten drehte Krampus sich noch einmal zu ihr um und zwinkerte ihr verschwörerisch zu. „Lauf mir nicht davon, mein Schatz.“

Unschlüssig trat die Dunkelhaarige von einem Fuß auf den anderen.
Sie kam sich seltsam fehl am Platz ohne ihren Begleiter vor, als sie die vielen Wesen und Gestalten um sich herum genauer musterte.
Mary sah eine hübsche, sehr blasse Frau, deren Körper mit nichts weiter als einem wilden, foralen Muster in den unterschiedlichsten Grüntönen bemalt worden war. Und sie schien nicht die Einzige zu sein, deren Reize nur sehr dürftig verdeckt wurden. Viele Frauen trugen nicht viel mehr als durchscheinende Gewänder am Leib und dennoch erweckte es keinenfalls einen anstößigen Eindruck. Ganz im Gegenteil - sie wirkten erhaben, anmutig und grazil. Ihr Äußeres glich ätherischen Schönheiten und ihre Bewegungen waren fließend, als sie an Mary vorbei gingen oder sich zu den Tanzenden gesellten.
Auch die Mehrheit der Männer trug lediglich Hosen und ihre Häupter waren mit Kränzen aus Lorbeeren und Stechpalmenblättern gekrönt. Einige von ihnen erinnerten sie an griechische Götter und sie errötete, als einer der Männer ihren Blick auffing und ihr zulächelte. Seine obere Gesichtshälfte wurde von einer goldenen Halbmaske verdeckt und trotz der Musik, trotz des durchdringenden Trommelklangs konnte sie sein Lachen deutlich hören.

Rasch wandte Mary sich ab und stieß dabei geradewegs mit jemanden zusammen. Rotwein ergoss sich auf ihr helles Kleid und hinterließ dort einen Fleck, der sie unweigerlich an Blut erinnerte.
„Ich bitte um Verzeihung, Milady“, sprach eine melodische Stimme, die zu einem hochgewachsenem Mann mit ebenmäßigen Gesichtzügen und tiefschwarzem Haar gehörte. „Es war weder meine Absicht in Euch hinein zu laufen, noch Euer hübsches Kleid zu ruinieren.“
Ihre Verwunderung musste sich in ihrer Miene widerspiegeln, denn der Fremde lachte leise auf und deutete eine spöttische Verbeugung an. Schalk blitzte in seinen nachtblauen Augen auf, welche einen eigentümlichen, violetten Schimmer aufwiesen. „Ich hoffe, Ihr seid mir nicht böse. Vielleicht solltet Ihr das Kleid ausziehen, damit Ihr Euch nicht erkältet.“
Mary starrte ihn an. „Wie bitte?“
Er lachte erneut auf. „Wo sind nur meine Manieren geblieben? Ich bin Rhysand und Euer Name lautet?“
Sie wollte ihm nicht antworten - zumindest redete sie sich das in eben jenem Moment ein. Wollte ihm nicht ihren Namen verraten, doch ihre Stimmbänder schienen ihr nicht länger gehorchen zu wollen. „Mary. Mary Burwell.“
„M-a-r-y“, wiederholte Rhysand ihren Namen gedehnt und lächelte spitz. „Und du bist ganz alleine hier, Mary?“
„Ich äh … ich ähm“, stammelte sie vor sich hin und kam sich wie ein dummes Schulmädchen in seiner Gegenwart vor. Sie musste versuchen, sich zu sammeln und straffte die Schulten. „Ich warte auf jemanden.“
„Oh, tatsächlich?“ Er beugte sich amüsiert zu ihr hinunter. „Auf wen genau wartest du, wenn die Frage erlaubt ist?“
„Das geht dich überhaupt nichts an“, dachte sie sich, biss sich jedoch auf die Zunge und blieb ihm eine Antwort schuldig.
Rhysand schien ihre Gedanken zu erahnen, denn ein selbstgefälliges Lächeln umspielte seine Lippen. „Mache ich dich etwa nervös, Mary?“
„Wenn er noch einmal meinen Namen sagt, dann schwöre ich bei Gott, dass ich ihn ohrfeigen werde“, durchfuhr es sie. Die Dunkelhaarige spürte, wie sich ihre Fingernägel in ihre Handflächen bohrten und sie wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als sich ein drahtiger Arm um ihre Taille schlang.
„Rhysand.“ Es war Krampus und Mary atmete erleichtert auf. Seine Stimme klang kühl, beinahe schon distanziert und strafte somit seine nächsten Worte Lügen. „Du bist auch hier. Wie schön.“
„Hallo Krampus.“ Rhysands Lächeln war ungebrochen und sein Augenmerk lag noch immer auf ihr. „Allerdings. Deine kleine Freundin wirkte so verloren, da habe ich es quasi als meine Pflicht angesehen ihr Gesellschaft zu leisten.“
„Wie überaus zuvorkommend von dir“, erwiderte der Herr über die Julzeit kalt und setzte ebenfalls ein Lächeln auf, dass seine Augen jedoch nicht erreichte. „Nun, wie dem auch sei. Jetzt bin ich ja hier und du kannst wieder verschwinden, Rhysand.“
„Ich verschwinde, wenn mir der Sinn danach steht“, gab Rhysand zurück, während sein Lächeln kaum merklich schmaler wurde. „Weshalb die schlechte Laune, Jullord? Es ist Calan Mai. Wir sollten zusammen auf den Beginn des Frühlings anstoßen, meinst du nicht auch?“
„Ein andermal“, zischte Krampus.
„Ich bestehe darauf.“
„Ach ja?“ Der Teufel verdrehte die flammengleichen Augen. „Na, wenn das so ist. Wenn der edle High Lord darauf besteht, dann muss ich mich dem wohl fügen.“
Rhysand lachte. „Wie ich sehe, bist du nach wie vor ein alter Spielverderber. Kommt mit, an einem der Feuer gibt es den weltbesten Met weit und breit.“

Sie folgten ihm und Krampus Klauen krallten sich in Marys Seite, während ihr Tausende von Fragen durch den Kopf geisterten. „Was ist ein High Lord? Und woher kennt ihr beide euch?“
„Lange Geschichte“, antwortete Krampus verdrießlich. „Ein High Lord ist eine Art selbsternannter Herrscher über ein Gebiet, welches du niemals zu Gesicht bekommen wirst. Und Rhysand ist ein ziemlich aufgeblasener, arroganter und selbstverliebter Vertreter seiner Zunft, wie du sicherlich bereits selbst gemerkt hast. Ich hatte dich doch gebeten, dich von den Fae fernzuhalten. Jetzt haben wir das Desaster.“
Mary seufzte auf. Natürlich war es ihr alleiniges Verschulden, dass dieser seltsame Mann - dieser High Lord - sie angerempelt hatte. Sie verspürte kein Verlangen danach, sich mit Krampus darüber zu streiten und so sie hielt sie einfach den Mund.

Rhysand erwartete die zwei an einer der kleineren Feuerstellen, ließ sich auf der mit Gras bewachsenen Erde nieder und grinste ihnen erwartungsvoll entgegen.
Sowohl Krampus als auch Mary folgten seinem Beispiel und der High Lord reichte ihnen eine noch mit Wachs versiegelte Flasche, die mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit angefüllt war.
„Worauf wollen wir trinken?“, fragte Rhysand, während er eine bereits angebrochene Metflasche in die Höhe hob.
„Wie wäre es, wenn wir auf dich trinken?“, schlug Krampus gehässig vor. „Auf den High Lord der Nacht, die ewige Nervensäge und die Impertinez höchtpersönlich? Wie klingt das in deinen Ohren?“
Für den Bruchteil einer Sekunde dachte Mary, dass Rhysand Krampus für seine Unverschämtheiten die erhobene Flasche über den Kopf ziehen würde, doch er brach nur in schallendes Gelächter aus.
„Das hört sich in der Tat sehr gut an.“ Rhysand schien Krampus offensichtliche Abneigung ihm gegenüber geradewegs zu genießen. „Auf mich dann also – den High Lord der Nacht, die ewige Nervensäge und die Impertinez höchstpersönlich!“
Krampus entfernte den Wachsverschluss, stieß die Flasche klirrend gegen die von Rhysand, trank einen großzügigen Schluck und reichte sie anschließend an Mary weiter.

Vorsichtig nippte sie an dem Met, welcher süß und nach mehr schmeckte. Sie nahm einen weiteren Schluck und eine angenehme Wärme breitete sich in ihrem Inneren aus. Sie leckte sich über die Lippen und hielt inne, als sie Rhysands Blick auf sich spürte.
„Wie geht es der Familie, Krampus?“ Rhysand wandte sich von ihr ab und schaute grinsend zu Krampus, dessen Augen schmal wurden. „Wie geht es deiner Mutter Hel?“
Mary blickte irritiert zwischen den beiden hin und her, während ihr langsam aber sicher der Verdacht kam, dass der High Lord womöglich einmal mit Krampus Mutter angebandelt haben könnte.
Krampus durchschaute seine offene Provokation und ließ sich nicht darauf ein, denn er blieb ruhig und lediglich seine Augen verrieten seinen aufkeimenden Zorn. „Gut.“
„Richte ihr doch bitte meine allerbesten Grüße aus, falls du sie mal wieder sehen solltest.“
Der Julherr nickte ohne jegliche Begeisterung. „Natürlich.“

Eine Weile herrschte Schweigen zwischen den dreien, bis Krampus sich schließlich erhob. „Wir gehen jetzt. Hab Dank für deine Gastfreundschaft, Rhysand.“
„Schon? Wie schade.“ Rhysands Antlitz war eine Maske des Hohns, während in seiner Stimme gespielte Überraschung mitschwang. Umständlich richtete er sich auf. „Dabei habe ich doch noch so viele Fragen an euch.“
Krampus half Mary auf und atmete genervt aus. „Was willst du wissen, hm? Spuck es verdammt nochmal aus. Ich habe keine Lust mehr auf deine Spielchen.“
„Ach Krampus, mein alter Freund. Sei nicht so ein Griesgram“, lachte Rhysand und winkte amüsiert ab. Er ergriff Marys Hand, führte sie an seine Lippen und hauchte einen Kuss darauf. „Es war mir eine wahre Freude, Mary. Ich hoffe, du nimmst mir unseren kleinen Zusammenstoß nicht übel.“
Mary wurde rot, als er keine Anstalten machte ihre Hand loszulassen. „Nein, schon okay. Es ist ja nichts passiert.“
„Was hast du gemacht?“, fuhr Krampus dazwischen. „Ich warne dich, wenn du ihr auch nur ein Haar gekrümmt haben solltest-“
Rhysand setzte eine unschuldige Miene auf und schnitt ihm das Wort ab. „Ich befürchte, ich habe sie ein wenig in Verlegenheit gebracht als ich sie versehentlich feucht gemacht habe.“
Krampus Augen richteten sich anklagend auf Mary. „Er hat was getan?“
„Ihr Kleid“, erklärte der High Lord. Ohne Zweifel amüsierte er sich köstlich über Krampus Wut und deutete auf den dunklen Fleck. „Was denkst du denn, wovon ich rede? Tss, tss. Ihr seid an meinem Hof immer willkommen. Einen schönen Abend noch.“

Krampus schleifte Mary regelrecht hinter sich her und von Rhysand weg, während er einige sehr unschöne, jedoch recht kreative Namen und Bezeichnungen für den High Lord erfand.
Er drehte sich halb zu ihr um und funkelte sie an. „Man kann dich keine fünf Minuten aus den Augen lassen.“
Die junge Frau zuckte mit den Schultern und versuchte das Grinsen, welches sich ihrer Mundwinkel bemächtigte, zu verbergen, ehe sie sich einen kleinen Scherz erlaubte. „Wir sollten ihm wirklich einmal einen Besuch abstatten. Rhysand schien sehr nett zu sein.“
„Vorsichtig, du bewegst dich da gerade auf sehr dünnem Eis“, warnte Krampus sie. „Also sei lieber still, Weib.“
„Ich werde den Mund halten, wenn du mir im Gegenzug dazu versprichst, dass du mir später die Geschichte erzählst, wie ihr euch kennengelernt habt“, schlug Mary nun grinsend vor.
„Wenn es denn unbedingt sein muss“, stimmte er widerwillig zu und rollte mit den Augen. „Abgemacht.“

Sie kamen zu einigen Bänken und Tischen, die aus Holz gefertigt und mit kunstvollen Weinrebenschnitzereien verziert worden waren. Schalen aus kostbarem Kristallglas, gefüllt mit den unterschiedlichsten Obstsorten – von saftigen Birnen und reifen, tiefschwarzen Trauben bis hin zu frischen Feigen und Granatäpfeln gab es alles. Daneben standen Karaffen voller Wein und anderen Spirituosen und luden zum Verweilen ein.
„Wow“, entfuhr es Mary.

Sie ließ sich auf einer der gepolsterten Bänke nieder, klaubte sich eine einzelne Weintraube und ließ sie in ihrem Mund verschwinden. Krampus stand noch immer neben ihr, die Arme verschränkt und mit einem listigen Ausdruck im Gesicht, während er sie genau beobachtete.
Mit hochgezogenen Augenbrauen sah sie zu ihm auf. „Was ist los?“
„Offensichtlich scheinen dir die Speisen der Fae zu munden“, bemerkte er trocken, während er neben ihr Platz nahm.
Marys Augen weiteten sich entsetzt, als ihr ein hässlicher Gedanke in den Sinn kam. „Das Essen ist doch nicht etwa vergiftet?!“
Krampus lachte gehässig auf, griff nach einem tiefroten Apfel und biss hinein. „Keine Sorge. Ich wollte dich nur aufziehen.“
„Anscheinend geht es dir schon wieder besser.“ Mary stahl ihm den Apfel aus der Hand und biss selbst hinein. Er schmeckte genauso köstlich wie zuvor die Traube. „Wenn du mich aufziehen kannst, dann kannst du doch sicherlich auch mit mir tanzen.“
Er tat so, als müsse er zunächst sorgfältig über ihre Worte nachdenken und fuhr sich durch den kurzen Bart. „Hmm, möglicherweise könnte ich das tun.“
Ihre Lippen verzogen sich zu einem Schmollmund. „Muss ich dich tatsächlich erst darum bitten, Krampus?“
„Es würde eventuell meine Stimmung ein wenig anheben“, gab er zu bedenken und seine orangeroten Augen richteten sich auf die ihren. „Du weißt doch, dass ich dir kaum eine Bitte abschlagen kann, Kätzchen.“
Der Apfel fiel ihr aus der Hand, rollte in ihren Schoß und von dortaus weiter unter den Tisch, während Mary sich in dem Feuer verlor, welches in seinen Augen glomm. Sie rückte näher an ihn heran. „Würdest du bitte mit mir tanzen, Krampus?“
Krampus erwiderte nichts, sondern hob sie einfach auf seinen Schoß und fuhr spielerisch mit den Fingern durch ihr langes Haar, bevor ihre Lippen aufeinander trafen.

Noch immer durch den innigen Kuss verbunden, erhoben sie sich und Marys Herzschlag schien eins mit dem schnellen Rhythmus des Trommelklangs zu werden. Krampus Hände wanderten über ihren Rücken, die eine Hand legte er auf ihrem Becken ab und die andere fand ihren Platz in der Nähe ihres Steißbeins. Krampus Lippen lösten von den ihren, als er sie zu den anderen tanzenden Paaren führte. Mary schloss die Augen und schmiegte sich an ihn, als sich die Trommeln wie auf ein geheimes Zeichen hin verlangsamten.
Sie schaute erst wieder auf, als die Trommeln gänzlich verklungen waren und einer gespenstischen Stillen wichen. Der einsame Ruf eines Horns erklang, hallte durch das Tal und ließ Mary erschaudern.
Fragend blickte sie zu Krampus. „Was hat das zu bedeuten?“
„Die Jagd beginnt, mein Herz“, flüsterte er an ihrem Haarschopf. „Der Herrscher über den Frühling begibt sich nun auf die Suche nach dem weissen Hirsch, um ihn zu erlegen und ihn anschließend seiner Auserwählten für die Nacht darzubieten. Es ist ein uraltes Ritual, welches seit vielen Jahrhunderten stattfindet.“
„Der arme Hirsch“, sagte sie leise und meinte es damit ernst.
„Traditionen“, erwiderte er kopfschüttelnd. „Um ganz ehrlich zu sein, konnte ich mich mit diesem Teil des Festes auch nie anfreunden.“


Widerwillig rückte Krampus von ihr ab, nahm sie bei den Händen und sah ihr grinsend in die grauen Augen. „Während der Jagd nach besagtem Hirsch, begeben sich die übrigen, männlichen Wesen ebenfalls auf eine Art … Suche.“
„Ach ja?“
Er nickte und sein Grinsen wurde eine Spur breiter, während die Flammen des Freudenfeuers tanzende Schatten auf sein Gesicht warfen und ihm einen beinahe schon dämonischen Ausdruck verliehen. „Wir suchen nach unserer Liebsten. Da ich ganz genau weiß, dass du keinerlei Chance gegen hast, gewähre ich dir sogar einen klitzekleinen Vorsprung.“
Er konnte geradewegs mitansehen, wie ihr Gehirn seine Worte verarbeitete und unterdrückte ein Lachen. Er ließ ihre Hände los und sah sie abwartend an. „Worauf wartest du, Kätzchen? Lauf schon los. Ich werde dich so oder so finden.“
Mary schien noch etwas sagen zu wollen, doch er versetzte ihr einen leichten Stoß und so raffte sie den Saum ihres elfenbeinfarbenen Kleides zusammen und setzte sich in Bewegung.


Gehetzt schaute Mary sich um, während in ihrem Herzen noch immer Krampus Worte nachklangen.
Liebste.
Dieser verfluchte Teufel machte sie schier wahnsinnig und seine Art und Weise brachte sie um den Verstand. Sie konnte mehrere Gestalten ausmachen, die offenbar ebenso wie sie selbst flohen und so entschloss sie sich dazu, einer Schar von Frauen zu folgen, die geradewegs auf einen Apfelhain zu hielt. Mary riskierte einen flüchtigen Blick über die Schulter, doch Krampus war bereits verschwunden und sie eilte hektisch weiter.

Der süßliche Duft der reifen Äpfel empfing Mary, als sie den Hain erreichte und sich atemlos gegen einen der dicken Baumstämme sinken ließ.
Sollte sie sich hier verstecken und einfach abwarten, bis Krampus sie fand?
Nein, der Jullord sollte sich ruhig ein wenig Mühe geben und seinen großspurigen Worten Taten folgen lassen. Er war sich seiner Sache ziemlich sicher und sie würde es ihm nicht leicht machen.
„Ich werde dich so oder so finden“, äffte Mary ihn leise nach, als sie sich wieder aufraffte.

Der Boden war mit Fallobst übersäht, weshalb sie langsamer als es ihr lieb war vorankam und auf ihre Schritte achten musste, um nicht versehentlich auszurutschen.
„Verdammt“, fluchte Mary und spielte mit dem Gedanken, es sich in einer der Baumkronen gemütlich zu machen. Doch so hübsch das Kleid auch anzusehen war, so würde es ihr beim Klettern nur hinderlich sein und vermutlich einen Strich durch die Rechnung machen.


Krampus vernahm Marys Herzschlag, als sie zwischen den Reihen der Apfelbäumen verschwand.
Mehrere Frauen, davon einige mit durchscheinenden Flügeln, die direkt aus ihren Rücken zu ragen schienen, oder gar kleinen, gebogenen Hörnern auf der Stirn huschten an ihm vorbei und lächelten ihm kokett zu.
Zu einem anderen Zeitpunkt hätte er diese Geste womöglich erwidert und wäre ihnen nachgestiegen, doch jetzt galten seine Gedanken einzig und alleine Mary.
Er fragte sich, wieviel Zeit ihm bleiben mochte, bis der Herrscher über den Frühling den weissen Hirsch erlegt hatte und zuckte gleichgültig mit den Schultern. Krampus hatte nicht gelogen, er würde Mary finden, ganz gleich wo sie sich auch vor ihm verstecken mochte. Er gluckste vergnügt und machte sich dann gemächlich auf den Weg, um ihr zu folgen.


Mary hielt inne, als sie meinte das Geräusch gedämpfter Schritte wahrzunehmen, die sich ihr näherten. Das verräterische Rascheln von Blättern und Laub erklang und sie stieß einen erstickten Laut aus, als sich mit einem Mal ein Paar warmer Hände von hinten auf ihre Augen legten und ihr somit die Sicht nahmen.
„Shh“, machte eine zugleich fremde und dennoch vertraute Stimme an ihrem Ohr. Ein amüsiertes Lachen folgte. „Hab' ich dich doch noch gefunden.“
Ihr Körper versteifte sich, als sie begriff, dass die Stimme nicht zu Krampus sondern zu Rhysand gehörte. Mary wollte aufschreien, doch er schien ihr Vorhaben zu erahnen und ließ sie umgehend los.
Ihre Hände ballten sich zu Fäusten und sie funkelte ihn wütend an. „Was soll das?“
„Ich bin auf der Jagd“, klärte er sie mit einem wölfischen Grinsen auf. „Und so wie es aussieht, bist du mir geradewegs in die Arme gelaufen, Mary.“
Die Dunkelhaarige wich einige Schritte zurück, während sie sprach. „Was willst du von mir?“
Noch immer grinsend schüttelte er langsam und bedauernd den Kopf, so als würde sich ihre Frage ganz von selbst erklären.
Ihre rechte Augenbraue wanderte ruckartig in die Höhe. „Du bist eine echte Plage, Rhysand.“
„Glaube mir, dass ist nicht das erste Mal, dass ich diese Worte zu hören bekomme.“ Er lachte laut und schallend auf. „Vergib mir, falls ich dich erschreckt haben sollte, Liebes. Ich weiß, dass du kein Interesse an mir hast. Manchmal kann ich mich einfach nicht beherrschen.“
„Ich wiederhole mich nur ungern, aber was möchtest du von mir?“
„Lass mich dir helfen. Sicherlich hat dein Griesgram von einem Geliebten bereits deine Fährte aufgenommen und es wäre doch ein Jammer, wenn er uns beide zusammen erwischen würde.“
„Halt die Klappe“, fuhr Mary ihn an. „Warum solltest du mir helfen wollen? Was springt für dich dabei heraus?
Rhysand griff sich theatralisch an die Brust. „Du kränkst mich, Liebling. Für mich steht das Glück der Liebenden an oberster Stelle.“
„Natürlich. Rhysand, der Schutzpatron der Liebenden“, spottete Mary.
Mit vor der Brust verschränkten Armen und einem unergründlichen Ausdruck in den nachtblauen Augen musterte Rhysand sie einen Moment lang, während er den Kopf leicht zur Seite neigte. „Was ist es nur mit euch Sterblichen, dass ihr immer das letzte Wort haben müsst?“
Mary zuckte gleichgültig mit den Achseln und hielt seinem Blick stand. „Muss wohl daran liegen, dass wir Sterblichen uns nicht darum scheren, was ihr von uns haltet.“
„Eines habt ihr alle definitiv gemeinsam.“ Seine Lippen verzogen sich zu einem spöttischen Lächeln. „Ein loses Mundwerk.“
Nun war es an Mary zu lachen und sie verdrehte die Augen, ehe sie ihr Haupt senkte und vor ihm knickste. „Gehabt Euch wohl, Milord.“
Rhysand stimmte in ihr Lachen ein und deutete eine übertrieben tiefe Verbeugung an. „Stets zu Diensten. Mein Hof steht Euch jederzeit zur Verfügung, wenn Euch je der Sinn nach Abwechslung steht. Lebt wohl, Milady.“
Sie wandte sich schmunzelnd von ihm ab. „Auf Wiedersehen, Rhys.“


Was für ein seltsamer und zugleich unterhaltsamer Zeitgenosse.
Mary hoffte wirklich, dass Krampus sich an sein Versprechen erinnern und ihr irgendwann erzählen würde, wie er mit dem High Lord in Verbindung stand.
Sie lachte auf, schüttelte den Kopf und schaute sich um. Der Apfelhain lichtete sich nach und nach. Ein im Mondschein silbrig glänzender Fluss kam in Sichtweite und sie steuerte auf die hölzerne Brücke zu, die darüber hinweg führte.

Mary hatte die Brücke gerade auf halben Weg überquert, da beschlich sie das Gefühl, dass sie nicht länger alleine war und jemand sie beobachtete. Für einen kurzen Moment dachte sie schon es wäre erneut Rhysand, welcher ihr weiterhin auf die Nerven fallen und sie zur Weißglut treiben wollte.
Mary drehte sich um.
Krampus stand zwischen den Bäumen. Seine Augen leuchteten auf und sein Grinsen war selbst auf die Distanz hin unverkennbar. „Hallo Kätzchen.“
Mary setzte eine gespielt vorwurfsvolle Miene auf und glättete pikiert ihr Kleid. „Ich habe mir schon Sorgen gemacht und mich gefragt, ob du dir jemand anderen ausgesucht hast, Krampus.“
Er kam näher. „Niemals.“

Niemals.
Dieses kleine, winzige Wörtchen bedeutete ihr die Welt und einmal mehr begriff Mary, dass er ihre Welt war. Das ihr Herz ihm gehörte und nichts und niemand würde jemals etwas daran ändern können.
Niemals.
Keiner konnte einen Keil zwischen Krampus und sie treiben, kein Streit konnte dieses unsichtbare Band zwischen ihnen durchtrennen und sie voneinander fernhalten.
Niemals.

Die restliche Nacht verbrachten sie eng aneinander geschmiegt bei einer der Feuerstellen, irgendwann hatten die Trommeln wieder eingesetzt und verrieten, dass der Lord des Frühlings seine Jagd erfolgreich beendet hatte.
Es kümmerte sie nicht.
Mary meinte zwischen den Tanzenden ein Paar nachtblauer Augen aufblitzen zu sehen, welches ihr wohlwollend zuzwinkerte.
Es spielte keine Rolle.

Mary lehnte sich gegen die Brust des Herrn über die Julzeit, blickte in den Sternenhimmel über ihnen und wünschte sich, dass dieser Moment nie vergehen würde.
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