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Silvester

von Kalida
OneshotRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Beatrix "Bea" LeBeau Casey
29.03.2018
29.03.2018
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Silvester



„Verdammt“, fluchte Beatrix laut: „Hier waren wir doch schon. An diesem Supermarkt laufen wir bereits zum dritten Mal vorbei. Das kann doch nicht wahr sein.“
Es war zum Haareraufen. Beatrix und Casey waren auf der Suche nach einer großen Silvesterparty, auf welche sie von einer guten Freundin eingeladen wurden, doch drehten sie sich immer nur im Kreis.

Weder wussten sie genau, wo die Straße war, in welcher sich die Feier befand, noch wo sie sich aktuell befanden. Schnell nachgucken, wie sie zu ihrem Ziel gelangten, war ihnen verwert. Beatrix hatte ihr Handy zu Hause liegen lassen und Caseys hatte vor über zwanzig Minuten den Geist aufgegeben.
Einen Passanten um Rat fragen konnten sie ebenso vergessen. Die beiden Freundinnen haben sich in ein Viertel verirrt, in welchem keine Menschenseele außer ihnen selbst herumirrte und an so einen Punkt zu gelangen, war an Silvester wirklich eine Glanzleistung.

Irritiert blickte sich Casey um. „Komm, lass uns mal dort vorne abbiegen“, sagte sie fröstelnd und begab sich in Richtung einer kleinen Gasse.
Ihr war eiskalt in dem schwarzen und knappen mit Pailletten besetzten Cocktailkleid und der Wunsch nach Hause zu gehen wuchs stetig. Doch auch wie sie dorthin gelangte wusste sie beim besten Willen nicht.
Auch Beatrix verging zunehmend die Lust nach der Suche und so trottete sie der Pink-haarige einfach hinterher.

Als beide nach weiteren sich unendlich ziehenden Minuten bereits alle Hoffnung aufgegeben hatten, fuhr es in Casey wie ein Blitzschlag.
Ihr Orientierungssinn setzte wieder ein. Zu gut erinnerte sie sich an die Straße, welche die beiden nun entlang liefen.
Kurz schielte sie zu der größeren herüber, um aus ihrem Gesicht zu lesen, ob es ihr genauso erging, doch dies schien nicht so. Ein immer noch verwirrter und zugleich niedergeschlagener Ausdruck zeichnete sich in Beatrix Zügen.

Sie waren in der Nähe des Cafés, in welchem sie vor Monaten Zuflucht vor einem starken Regenschauer gesucht hatten.
Kurz überlegte Casey, ob sie der anderen Bescheid geben sollte, doch kaum hatte sie den Gedanken zu Ende gedacht, spürte sie, wie ein kleiner Tropen auf der Mitte ihres Kopfes landete. Sie streckte ihre Hand in die Luft. Nach und nach vielen immer wieder welche auf ihre kalte Haut hinab.

Ob das noch Zufall war? Erneut liefen sie diese Straße entlang und schon wieder begann es zu Regnen.
Beatrix bemerkte dies nun auch und ein genervtes Seufzen entfleuchte ihr. Noch schlimmer konnte der Tag in ihren Augen nicht mehr enden, doch Casey sah es als ihre Chance.
Wäre es nicht wirklich romantisch, wenn sie rein zufällig wieder bei so einem Wetter in dem Lokal landen würden?
„Lass uns mal auf die andere Seite gehen“, versuchte Casey ihre Freundin zu locken, damit sie zwangsläufig direkt am Café vorbeiliefen: „Dort kommt der Regen weniger hin.“
Nickend folgte Beatrix Casey. Innerlich musste die kleinere grinsen und auch nach außen hin ließ sich ihre Vorfreude nicht ganz zügeln.

Je stärker der Regen wurde, desto schneller wurden die Schritte der beiden Frauen.
Die Augen der Pink-haarigen suchten beinahe verzweifelt die grauen Häuserwände nach einem Ladenschild ab.
Hatte sie sich getäuscht? Waren sie doch nicht dort, wo Casey sie vermutet hatte? War das ewig andauernde umhergeirrt doch noch nicht beendet?
Fragend schaute sich die kleinere um. Doch, ganz sicher. Hier war es gewesen, aber wo genau?

Vertieft in ihre Gedanken bemerkte Casey nicht, dass ihre Freundin stehen geblieben war.
„Du, Casey?“, sprach Beatrix die andere an, mit festem Blick auf einer der Hausfassaden gerichtet. Angesprochene horchte auf und begab sich die wenigen Schritte zurück zu der Blau-haarigen. „War hier nicht einmal ein Café gewesen? Du weißt schon, dass von diesem Tyrannen, welcher uns nur erlaubt hatte drinnen zu bleiben, wenn wir immer und immer mehr Kaffee bestellen“, bei der Erinnerung musste Beatrix lachen.
„Du hast recht, hier war es“, stimmte ihr die kleinere zu und Enttäuschung machte sich in ihr breit. Das war es dann mit ihrer Idee, einen romantisch angehauchten Abend dort zu verbringen.
Wo zuvor ein kleines und gemütliches Café war, hatte nun ein Taco-Imbiss geöffnet. Satt einer Sitzmöglichkeit im Inneren standen draußen nun runde Stehtische.

„Willst du einen Taco? Ich sterbe vor Hunger“, meinte Beatrix und kramte aus ihrer kleinen Clutch ein braunes Portemonnaie hervor. Zu ihrem Glück hatte die Bude selbst heute geöffnet und wenn sie schon einmal da waren, konnten sie die Gelegenheit auch sogleich nutzen. Gerade als Casey antworten wollte, übernahm ihr Magen mit einem lauten Grummeln die Antwort.
Beide verfielen daraufhin in ein herzliches Lachen.
Man merkte nun, wo beiden klar war, wo sie sich befanden, dass die gedrückte Stimmung sich allmählich löste.
Beatrix bestellte und bezahlte auch für beide. Der Verkäufer huschte schnell hinaus und öffnete einen der Sonnenschirme unter welchen sich die beiden Freundinnen unterstellten und genüsslich ihr Essen verspeisten.

Über ihnen ertönte das regelmäßige Prasseln des Regens, welches zunehmend lauter wurde.
Stille herrschte auf der menschenleeren Straße. Weit entfernt vernahm man das Rauchen von Autos auf der nächst gelegenen Autobahn. Der Nasse Boden spiegelte und reflektierte das schwache Licht der Straßenlaternen, welche ein wenig Licht in diese stockfinstere Nacht brachten. Der schwarze Himmel war von einer dichten Wolkendecke verschleiert.

Die beiden redeten, lachten und vergaßen für Momente alles um sich herum; das zwischenzeitige Gewitter, vermischt mit so starken Winden, dass der vor dem Regen schützende Sonnenschirm beinahe aus seiner Verankerung gerissen wurde, den Tacoverkäufer, welcher in seinen Feierabend ging, da er voraussichtlich keine weiteren Kunden antraf und schlussendlich auch, wie sich der Himmel wieder milde stimmte und der Regen zunehmend abklang.

Bis auf die Knochen durchnässt und fröstelnd blickte Beatrix auf die kleine Armband Uhr, welche ihren Arm zierte. In gut vierzig Minuten sagte die Welt dem Jahr auf nimmer Wiedersehen und feierte glücklich in ein neues.
„Wollen wir zu mir gehen?“, fragte die größere der beiden: „Wenn wir Glück haben, bleibt es trocken. Von meinem Dach aus dürften wir einen wahnsinnigen Blick auf all die Feuerwerke haben.“
Ein weites Lächeln zierte Caseys Gesicht: „Gerne.“
Schnell stopfte sich Beatrix den aller letzten bissen des Tacos in den Mund und schon machten sie sich auf den Weg.



„Ich hatte schon wieder vergessen, dass du ein schräges Dach hast...“, murmelte Casey, in welcher ein Unwohlsein empor stieg, als Beatrix das Fenster im Wohnzimmer öffnete, damit sie auf das Dach gelangen konnten.
„Du brauchst keine Angst zu haben. Halt mal“, versuchte jene die kleinere zu beruhigen und drückt ihr ihre dampfende Kaffeetasse in die Hand: „Ich war da oben schon dutzende male.“
„Hmmm...“, grummelte Casey: „Ich glaube du hast vergessen, dass ich nicht du bin.“
„Ach komm, stell dich nicht so an“, mit diesem Satz hievte sich Beatrix elegant und ohne irgendwo anzuecken durch das Fenster, mit ordentlichen Schwung auf das Dach hinauf. Kritisch blicke ihr die Pink-haarige hinterher.
„Reichst du mir mal die beiden Decken dort hinten hoch? Die Ziegel sind noch feucht und es ist recht kühl hier oben“, kopfüber hing die größere vom Dach hinab und schaute nach innen. Casey reichte ihr die Decken und schon war die andere wieder verschwunden.
Nach einigen Sekunden beugte sie sich wieder hinab und nahm Casey dieses Mal die beiden heißen Tassen ab. Als auch diese oben verstaut waren, war die kleinere an der Reihe.

Sie zerrte sich alles andere als gekonnte auf die Fensterbank und kam dort gleich zum Stoppen. Unsicher blickte sie auf, hing derbei halb aus dem Gebäude hinaus und sah in Beatrix Gesicht, welches von einem breiten grinsen geziert wurde. Würden Außenstehende das Specktakel betrachten, würden jene fest davon ausgehen, dass Casey sich jeden Moment fallen lassen würde.
„Komm schon“, forderte die türkis-haarige ihre Freundin auf und hielt ihr die Hand entgegen. Seufzend griff Casey diese und zog sie auf die Beine. Auch Beatrix zweite Hand nahm Caseys an und mit einem kleinen Sprung sammelte sie genug Schwung, sich mit dem Brustkorb auf die Schräge zu legen. Nun benötigte es nur noch Beatrix Kraft, um Casey vollends hinauf zu zerren. Mit robbenden Bewegungen half die kleinere nach.
Erschöpft krallte sich die Pink-haarige sich an der bereits ausgebreiteten Decke fest, während Beatrix sich ein herzhaftes Lachen nicht verkneifen konnte. Zu ulkig sah das gesamte Szenario aus.
Die größere der beiden legte sich Locker neben ihre Freundin; das linke Bein angewinkelt, den rechten Arm hinterm Kopf und den anderen auf dem Bauch. Casey drehte sich ebenfalls auf den Rücken.

Ihre Blicke richteten sich gen Himmel.
Es war zu einer wolkenlosen Nacht geworden. Sterne prangen weit oben an der Himmelsdecke und ein großer, voller Mond dazu. Frische Luft stieg in ihre Atemwege.
Kalter Wind umhüllte ihre Körper, sodass die zweite Decke zum Einsatz kam.
Es war ein schöner, wenn nicht sogar zu malerischer Moment, welchen man gerne für alle Zeiten Einfangen würde.

Vom Dach aus hatte man einen unbeschreiblichen Ausblick über die gesamte Stadt.
Vereinzelt schien Licht durch die Fenster der Häuser. Weiterhin befanden sich wenige Menschenseelen auf den einzelnen, abseits gelegene Straßen. Lediglich im Kern der Stadt liefen einige alkoholisierte Feier freudige umher.

Caseys Blick wendete sich nach rechts. Die Pink-haarige musterte Beatrix. Diese sah mit einem seichten und glücklichen Lächeln in die dunkle Nacht. Augenblicklich zierte es auch Casey ein Lächeln ins Gesicht und ihr Herz schlug fest gegen ihre Brust.
Sie genoss die Zweisamkeit mit ihr in allen Zügen.

Zögernd öffnete die kleinere ihren Mund, bereit zum Reden anzusetzen. Für einen Moment, verspürte sie den Mut und die Entschlossenheit in sich, der anderen zu sagen, was ihr schon so lange auf dem Herzen lag. Doch noch bevor das erste Wort ihre Kehle verlassen konnte, begann Beatrix sich zu äußern: „Habe ich dir eigentlich von dem Zwischenfall mit den Löwen Pärchen erzählt, als ich in Afrika war?“
Seicht schüttelte Casey mit dem Kopf. „Nein“, hauchte sie in die Stille.
„Es war noch ganz an Anfang von der Reise. Ich hatte gerade erst mein Lager aufgestellt, nahe eines kleinen Flusses und da ich kaum Nahrung dabei hatte, bin ich gleich losgegangen, um mir etwas Schmackhaftes zu besorgen. Nach einer Weile bin ich auf einem großen, vertrockneten Feld gelandet. Rundherum war nichts zu sehen, bis auf einem größeren Felsen, ein gutes Stück abseits von mir. Die Sonne hing bereits dicht am Horizont und alles erstrahlte in orangenen Farbtönen. Es war so kochend heiß, dass kannst du dir nicht vorstellen“, still lauschte Casey jeden einzelnen Worten Beatrix': „Auf jeden Fall habe ich etwas auf dem Felsen gesehen, doch ich konnte nicht genau erkennen, was es war. Also habe ich mich aufgemacht. Dass ich den gesamten Tag über keinen einzelnen Bissen zu mir genommen hatte, hatte ich längst wieder vergessen. Ich kam näher an den Felsen und plötzlich bewegt sich etwas. Ein älterer, müde drein blickender Löwe fixierte sich auf mich und im nächsten Moment schaute auch das Weibchen auf. Ich stand da wie festgewachsen. Ich habe Panik bekommen, dass es jeden Moment für mich aus ist. Als der Löwe dann noch aufgestanden ist, war es in meinem Kopf schon aus für mich. Langsam pirschte er sich an mich heran. Abhauen hätte nichts gebracht. Also habe ich mich so aufrecht und stolz hingestellt, wie es mir möglich war. Er kam immer näher an mich heran, begann an mir zu schnüffeln und drehte seine Kreise um mich. Ein Glück schleppte er sich unbegeistert zurück zu seinem Weibchen und ich habe so schnell wie Möglich die Flucht ergriffen, bevor er es sich doch noch anders überlegt. Geendet hat es dann damit, dass ich vollkommen vergessen hatte mir was zum Essen zu besorgen und ich doch etwas von meinen Vorräten nehmen musste. Aber ich muss wirklich sagen, dass das einer meiner spannendsten Tage in Afrika gewesen war. So nah in der Freien Wildnis an einen Löwen zu geraten, ist wirklich ein einmaliges und unglaubliches Erlebnis.“
„Das klingt wirklich fantastisch“, stimmte Casey ihr zu. Diese Begeisterung, in welcher die Blau-haarige sprach, wenn sie von ihren Reisen berichtete, würde Casey mit hoher Wahrscheinlichkeit nie teilen können, doch auch wenn sie sich sorgen um Beatrix machte, freute es sie riesig zu hören, dass ihre Freundin das tat, was sie um alles auf der Welt liebte.

„Sie nur, es fängt an“, mit ihrem Kopf deutete Beatrix in Richtung Himmel, als die erste Rakete hinauf sauste und laut in einem knalligen Rot explodierte. Ihr folgte kurz darauf eine weiter blaue und darauf ging alles Schlag auf Schlag. Quer über die gesamte Stadt verteilt und noch weiter außerhalb flogen unzählige Raketen in die Luft, benetzten den beinahe schwarzen Nachthimmel mit allerlei bunten Farben und der vorher so ruhige, kaum zu vernehmende Geräuschpegel nahm drastisch zu.
Hypnotisiert starrte die Pink-haarige in die Ferne Weite, doch als sie spürte, wie sich Beatrix Kopf auf ihrer Schulter bettete, schreckte Casey für eine Sekunde auf.
Zitternd kuschelte sich Beatrix immer näher an ihre Freundin, was Caseys Herz für eine Sekunde aufhüpfen ließ.
Glücklich legte die kleinere der beiden ihren Kopf auf dem von Beatrix ab.

Im Nachhinein war das Nichtfinden der Feier das beste, was hätte passieren können.




~~~
Ich hoffe, euch hat meine kleine Kurzgeschichte zu Slime Rancher gefallen. Sollte dem so sein, schaut doch gerne mal bei meiner anderen Slime Rancher Fanfiktion vorbei. ^-^

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag und vielen Dank fürs lesen.
Kalida~
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