Nachtwanderung mit Folgen

GeschichteAllgemein / P12
Caspar Reindl Demir Azlan Frank Wernitz Gebhard Schurlau
29.03.2018
04.04.2018
4
3.203
 
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30.03.2018 653
 
„Lissy ist nicht mehr hinter mir.“

Geb und Sophia liefen nach hinten, leuchteten Demir ins Gesicht, der reflexartig die Augen zusammenkniff.

„Wie die ist nicht mehr hinter dir? Soll das jetzt ein Witz sein?“

„Na, siehst du sie hier irgendwo?“

Geb sah Demir an. Dann kam Panik in ihm auf.

„Weißt du, kannst du nicht einmal auf eine 9 Jährige aufpassen? Das ist doch wohl nicht zu viel verlangt.“

„Mama wird uns jedenfalls umbringen, wenn wir ohne Lissy nach Hause kommen“, stachelte Sophia die Panik unbewusst an, während Geb seine Taschenlampe durchs Gebüsch scheinen ließ.

„Na, toll. Und wenn uns jetzt irgendwer nachgelaufen ist, der sie vorhin zur Seite gezogen hat?“, sorgte sich Geb.

„Das hat auch so komisch im Gebüsch geraschelt vorhin. Vielleicht ist es da passiert?“, wisperte Sophia.

„Und jetzt?“

„Müssen wir sie suchen“, knurrte Geb.

„Am besten wir teilen uns auf. Sophia und ich übernehmen den nördlichen Teil und du gehst zurück in Richtung Parkplatz.“

„Hoffentlich ist ihr nichts passiert“, flüsterte die 14 Jährige, die allmählich wirklich Angst um ihre kleine Schwester bekam.

„Gut, dass ich für den Notfall noch die Isomatten und Schlafsäcke mitgenommen habe“, sprach Geb leise, weshalb sich Sophias Augen vor Entsetzen weiteten.

„Wie, Papa? Was willst du jetzt damit andeuten? Du willst mir jetzt nicht wirklich sagen, dass wir hier übernachten. Ich schlaf nicht  auf dem Waldboden. Ich bin doch nicht lebensmüde.“

„Sophia, wir müssen jetzt erstmal deine Schwester wiederfinden. Alles andere kommt später. Also Demir, Treffpunkt ist in einer Stunde. An der Weggabelung in Richtung Teltower Weiher.“

Damit trennte sich die Gruppe. Demir lief nach Süden, Geb und Sophia nach Norden.
Bereits wenige Meter später begann es zu rascheln und das nicht nur in Form eines leichten Geräuschs. Sofort hielten die zwei Inne.

„Sag mal, Papa hast du hier ein Rudel  Wölfe hinbestellt, um uns Angst zu machen?“

Geb, der sich schützend vor den Teenager gestellt hatte, sagte nun gar nichts mehr, ging stattdessen in Abwehrhaltung.

„Lissy?“, flüsterte er leise, aber erhielt keine Antwort.
Zum Entsetzen beider ertönten zwei bedrohliche Geräusche, die sie nur Sekunden später einem unheimlichen Genossen samt Nachwuchs zuordnen konnte.

Geb leuchtete ins Gebüsch und starrte dann unmittelbar auf ein Wildschwein und sein Junges.

„Scheiße“, hörte er Sophia flüstern, die reflexartig einen Schritt nach hinten machte.
Geb griff nach ihrer Hand, weil sie die Schritte zu schnell machte und ging wie in Zeitlupe mit ihr nach hinten. Mit der anderen Hand fasste er in die Tasche nach seiner Waffe, die er entsicherte.

Er behielt sich den Gebrauch als letzte Priorität vor, weil sich mit Demir und Lissy zu viele unberechenbare Personen in der Umgebung aufhielten und weil es nicht auf das Risiko hinaus laufen sollte, möglicherweise seinen Kollegen oder seine Tochter zu treffen.
In Todesangst sahen der Bundespolizist und seine Älteste auf das ausgewachsene Tier und dessen Nachwuchs, bevor sie sich im Kriechtempo von der Stelle entfernten. Die Bache behielt  beide noch einmal im Fokus, drehte sich dann unbekümmert um und verschwand im Dickicht.

Vater und Tochter atmeten auf, bewegten sich dann im Eiltempo zum neben liegenden Weg.
Auch wenn sie es nicht zugeben würden zitterten beide am ganzen Körper.

„Das war knapp.“

„Hoffentlich trifft sie jetzt nicht auf deine Schwester. Mit Wildschweinen, die Junge haben ist nicht zu spaßen.“

Geb fasste nach Sophias Arm und zog sie hinter sich her.

„Komm, weiter.“
Niemand sagte ein Wort. Normalerweise plauderte Sophia wie ein Wasserfall, aber die Lust auf Gespräche war ihr  erheblich vergangen.

„Hoffentlich hat Demir mehr Glück und findet sie“, war das Erste, das Geb hervor brachte, ehe er von einem hysterischen Mädchenschrei unterbrochen wurde, der von seiner Tochter ausging.

„AHHHHHHHHHHHHHHHHH!“

Binnen Sekunden erhob sich vor ihnen eine von Gras und Grünzeug übersäte Gestalt, die auf dem Weg gelegen hatte und warf bedrohlich schreiend die Arme nach oben. Unter ihnen waren Reste von Armeekleidung zu erkennen, während das Gesicht von grüner Farbe und Gestrüpp bedeckt wurde.
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