Nachtwanderung mit Folgen

GeschichteAllgemein / P12
Caspar Reindl Demir Azlan Frank Wernitz Gebhard Schurlau
29.03.2018
04.04.2018
4
3.203
 
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29.03.2018 1.136
 
Dies ist die Fortsetzung zur Folge 1x09, in der Geb seinem Kollegen Demir am Ende der Episode mitteilt, dass er mit seiner jüngsten Tochter auf Nachtwanderung geht.
Mein Hirn hat sich daraufhin zurecht gesponnen was passieren könnte und dabei ist diese Kurzgeschichte entstanden.

Wie immer ist alles nur frei erfunden. Mir gehören weder die Sendung noch die Charaktere. Wenn euch die Handlung gefällt, freue ich mich über Feedback.

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„Papa macht mit mir heute die Nachtwanderung.“

Stolz stand Larissa Schurlau  im Wohnzimmer und strahlte ihre Mutter an.
Bepackt mit Taschenlampe, Rucksack und bekleidet mit Gummistiefeln und Regenjacke war sie bereits startklar, weit bevor ihr Abenteuer überhaupt begonnen hatte.

Geb, der neben seiner Frau verharrte und an seiner Wasserflasche nippte, grinste amüsiert.

„Und mich wollt ihr nicht mitnehmen?“, protestierte Maja und erhielt eine schiefe Grimasse von ihrer Tochter, konnte aber keinen Kommentar geben, weil ihr ihre große Schwester zuvor kam.

„Typisch, Papa. Mit mir hast du sowas nie gemacht“, echauffierte sich Gebs ältere Tochter und steckte der Jüngeren die Zunge heraus. Wie in allen Familien war die Rivalität zwischen Geschwistern auch bei den Schurlaus vorhanden.  Auch wenn sich die zwei Mädels im Notfall verstanden.

„Wir sind damals immer nur zum Angeln gefahren.“

„Kannst ja mitkommen“, grinste Geb und erhielt eine abflachende Handbewegung von seiner Ältesten.

„ Nee, du. Dann muss ich ja auf das kleine Gemüse aufpassen.“
„Du Arme“, fuhr Geb dem Teenager schauspielernd über die Wange, der offensichtlich mit seiner Entscheidung haderte und sich ungerecht behandelt fühlte.

„Annika hat abgesagt, weil sie Bauchweh hat, aber Papa meinte, wenn ich Lust hab, machen wir die Nachtwanderung trotzdem, weil es morgen regnen soll und heute nicht“, nervte Lissy weiter.

„Ich durfte nie Freunde mitnehmen“, maulte Sophia, was ihre kleine Schwester sofort kommentieren musste.

„Du hattest vielleicht keine.“

„Lissy, es reicht“, mischte sich Maja und sandte ihrer Jüngsten mahnende Blicke entgegen.

„Gib dir einen Ruck und begleite uns. Du bist doch heute eh zu Hause. Morgen ist Samstag. Da können wir alle auspennen“, versuchte Geb Sophia doch noch zu überzeugen, die noch immer hasserfüllte Blicke auf ihre Schwester warf.

„Kann Onkel Demir nicht mitkommen? Bitte, bitte Papa.“, quengelte Lissy, weshalb sich nun auch Sophias Gesicht erhellte. Gebs Kollege war bei den Mädchen sehr beliebt und hatte sie von klein auf aufwachsen sehen.

„Wenn Demir mitkommt, wäre ich vielleicht auch dabei. Dann müsste ich nicht auf den Zwerg aufpassen“, grinste Sophia, was Geb veranlasste laut zu seufzen.

„Also gut. Ich rufe Demir an.“


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„Wir akzeptieren die Tiere des Waldes und bleiben in der Gruppe zusammen, habt ihr das verstanden?“, belehrte  Geb die kleine Gruppe auf dem Parkplatz des Waldes und erhielt eine aufschlussreiche Antwort.

„Ei-ei Captain“, antworteten Demir, Lissy und Sophia im Chor.

Die Augen verdrehend gab der SET Führer seinem Kollegen einen leichten Klaps mit der Landkarte.

„Man, ich meinte die Kinder, nicht dich“, tadelte er Demir, der verschmitzt mit den Schultern zuckte.

„Einmal Chef, immer Chef. Ich folge dir blind“, grinste der Deutsch-Türke und lachte belustigt.

„Ja, das glaube ich dir aufs Wort.“

„Oh, man. Ihr seid wie ein altes Ehepaar“, grummelte Sophia und nahm ihre Schwester an der Hand.

„Jedenfalls haben Demir und ich uns einen kleinen Parcour an Aufgaben überlegt, die ihr zum Erreichen des Ziels hinter euch bringen müsst und…“

Gebs Ansage wurde von seiner Jüngsten unterbrochen.

„Papa, mein Schuh ist schon wieder auf“, schmollte Lissy und zog ihren Vater an der Jacke, was Geb stöhnen ließ.

„Warum kauft dir Mama nie Klettverschluss? Mach ihn zu. Wir wollen gleich los.“

„Gibt’s da wirklich laute Tiere im Wald?“

„Wenn du weiter so schreist, sicher nicht mehr. Dann sind die nämlich alle weg“, gab ihr Sophia als Antwort. Ganz zum Leidwesen des Nesthäkchens der Familie.

„Papa, die ärgert mich“, maulte der kleine Drachen. Der Beginn einer hitzigen Diskussion.

„Du hast provoziert.“

„Demir“, maulte die 9 Jährige, um sich Beistand zu erhoffen und bekam ein genervtes Stöhnen zur Antwort.

„Fräulein Schurlau, wenn du jetzt nicht endlich aufhörst zu quengeln, setzte ich dich ins Auto und wir fahren nach Hause“, schimpfte Geb und warf seinem Nachwuchs mahnende Blicke entgegen, was die Wirkung nicht verfehlte.

„Das machst du eh nicht“, raunte Sophia ihrem Vater so zu, dass es Lissy nicht verstehen konnte. Sie kannte ihn länger und wusste nur zu gut, dass er viel zu lieb war, um Konsequenzen durchzusetzen. Auch wenn Geb außerhalb seiner Familie die schlimmsten Verbrecher zur Strecke brachte, seine Töchter konnten ihn meist um den kleinen Finger wickeln.

„Haben wir uns jetzt alle ein bisschen beruhigt und können weitergehen?“, stöhnte Geb.
Die Mädels nickten.

„Hier, Lissy. Deine Koalabär Taschenlampe“, reichte ihr Demir die Leuchte, die sie dankbar in die Hand nahm. Geb gab an Sophia eine der LED Taschenlampen weiter, bevor er seine eigene ergriff und genau wie Demir ins Gebüsch leuchtete.

„Ich gehe mit Sophia vor und du kümmerst dich um die kleine Motte, einverstanden?“, wandte er sich an seinen Kumpel, der verstehend nickte.

Für den Monat Mai war es auffallend warm. Im Gebüsch zirpten die Grillen. In der Nähe heulte ein UHU.
„Schau mal, Papa. Da sind Glühwürmchen“, flüsterte Lissy leise und betrachtete kichernd die kleinen Tierchen.

„Ich bin voll gespannt, auf was für Tiere wir noch treffen“, klatschte die 9 Jährige in die Hände.

„Na auf Gozilla und King Kong. Habt ihr eigentlich eure Pistolen dabei?“, fragte Sophia ihren Vater, der über die Frage belustigt grummelte. Ihre blühende Fantasie hatte sie eindeutig von Maja.

„Nur um dich in die Realität zurück zu holen. Wir machen unsere Nachtwanderung im Brandenburger Forst und nicht am Hindukusch oder im Kosovo.“
Sophia kämpfte sich den Weg durchs Gebüsch frei.

„Sagt mal, warum nehmen die in eurer Einheit eigentlich nie Frauen? Warum immer nur Männer?“

„Die Frage hast du dir gerade selbst beantwortet.“

„Demir“, fauchte Geb und entschloss sich zu einer realen Antwort.

„Bisher hat noch keine Frau den Aufnahmetest geschafft. Bei uns haben alle die gleichen Anforderungen. Da werden Zeiten nicht umgerechnet, wie es bei euch im Sportunterricht läuft.“

„Würde ja auch gar nicht funktionieren, denn ein Täter schießt nicht langsamer, nur weil er eine Frau vor sich hat.“

Sie setzten ihren Weg fort.
Hin und wieder raschelte es im Gebüsch, was die Männer als gegeben hinnahmen.

„Ich habs mir übrigens überlegt. Ich mach nach der 10. Klasse Schluss und bewerbe mich auch bei der Polizei.“

Die aufkommende Stille wurde vom Heulen des Uhus durchbrochen.

„Weiß das Maja?“, fühlte Demir vor und sah sie durch das sachte Licht mit dem Kopf schütteln.

„Das wird deiner Mutter nicht gefallen. Das kann ich dir jetzt schon sagen.“

„Ist doch auch egal. Hauptsache ich bin glücklich. Warte mal ab was Lissy wird. Die geht dann als Kommandantin zur Bundeswehr und…“

Demir blieb abrupt stehen.

„Verdammt.“

Nach einigen Metern merkte auch Geb, dass etwas nicht in Ordnung war.

„Was ist?“

„Lissy ist nicht mehr hinter mir.“
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