Some things are meant to be

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
29.03.2018
29.06.2020
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Dieses Kapitel
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29.03.2018 1.467
 
Hallo zusammen,

eine ganz neue Kategorie für mich :) Aber öfter mal was neues.

Ich hoffe, euch sagt das erste Kapitel schon mal zu! Ich werde hier so oft es meine Zeit zulässt hochladen, einen festen Rhythmus wird es aber nicht geben. Es kann also auch mal zu längeren Pausen kommen.
Aber das nur Vorab und jetzt einfach nur viel Spaß mit dem ersten Kapitel! :)

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„Danke nochmal Mia, du bist dir sicher, dass wir dich nicht doch behalten können?“, schniefte die sonst so toughe Rechtsanwältin und herzte mich in dem imposanten Eingangsbereich zum gefühlt hundertsten Mal. Auch ich war kurz davor zu heulen. Wenn ich auch „nur“ sechs Monate bei Diane und Steve gelebt hatte, sie waren mir in dieser Zeit extrem ans Herz gewachsen. Besonders ihre kleine Tochter Scarlet.

„Mummy, du erdrückst Mia doch!“, intervenierte die Zehnjährige auch wie aufs Stichwort und zupfte an Dianes roséfarbener Bluse.
Steve hatte es – wie so oft – nicht pünktlich zu meiner Verabschiedung geschafft. Zu Steve hatte ich nach diesem halben Jahr den wenigsten Bezug, einfach aus dem Grund, weil er so gut wie nie zuhause war. Er betreute mehrere größere Konzerne, viele seit ihrer Zeit als Start-Up. Er hatte einen Riecher für gute Geschäfte und hielt von vielen Firmen einen nicht unerheblichen Anteil an Prozenten. Er war so etwas wie ein nicht ganz so stiller Teilhaber, hatte immer ein Ohr für die Gründer und versuchte zu helfen, wo er konnte. Wenn man bösartig sein wollte, könnte man sagen, dass das ja nicht ganz uneigennützig war, was ja auch stimmte. Aber selbst wenn eine, oder auch zehn, der Firmen Insolvenz anmelden müssten, würde es Familie Sanders nicht wirklich schmerzen. Sie hatten wahrlich genug Geld für mehr als fünf Leben. Und doch waren sowohl der stille und beeindruckend intelligente Steve, als auch seine Ehefrau Diane herzliche Menschen und so gar nicht, wie man sich reiche Paare in Los Angeles vorstellte.

Das Familienleben war, wenn sie denn mal zuhause waren, so wie man es sich in einem Bilderbuch ausmalte. Der Mann mit dem dichten, schwarzen Haar saß in einem breiten Ledersessel, trank seinen Kaffee und löste das Kreuzworträtsel der New York Times während seine naturblonde Frau zusammen mit der Haushaltshilfe, Schrägstrich Nanny - also mir - , in der Küche stand, Gemüse für den Sud des Sonntagsbraten schnippelte und lachte. Die kleine, wirklich hübsche Tochter kam mit ihrem Tablet unterm Arm auf ihren Papa zugelaufen, dieser legte das Rätsel weg und bewunderte das neuste Kunstwerk seines Sonnenscheins. Scarlet malte gern und für ihr Alter auch wirklich gut. Sowohl am Tablet als auch an Leinwänden.

Kotz, Würg. Würde wohl wirklich jeder an dieser Stelle sagen. Die müssen doch Leichen im Keller haben! Aber nein, ich hatte nach sechs Monaten keine gefunden. Klar gab es auch mal Zoff und Scarlet war nicht rund um die Uhr nur ein kleiner Engel, aber alles in allem hätte ich es mit meiner Gastfamilie nicht besser treffen können.

Nach meinem Studium wollte ich einfach mal raus. Raus aus Frankfurt, weg von meinen Eltern und meinen Freunden. Einfach mal ausprobieren wie eigenständig und erwachsen ich wirklich schon war. Ich war in diesen sechs Monaten oft an meine Grenzen geraten, war aber daran auch gewachsen und irgendwie jetzt wirklich bereit für die „richtige“ Welt. Nur ob ich wirklich wieder zurück nach Frankfurt wollte, das wusste ich nicht. Natürlich vermisste ich meine Freunde und vor allem meine Eltern, aber hier, in Los Angeles, war ich irgendwie erwachsen geworden. Die Stadt gehörte nun einfach zu mir, war ein Teil von mir geworden. Die Oberflächlichkeit hatte ich nicht übernommen, dafür war ich nie der Typ gewesen. Aber ich liebte den „American Way of Life“, alles nicht zu ernst zu nehmen. Irgendwo war für jeden irgendwie eine Chance, wenn man sie ergriff. Man konnte von 0 auf 100 und von 100 zurück auf 0 fallen, man konnte innerhalb von ein paar Stunden neue Freunde finden und auch Feinde. Es war alles offen. Hier in LA war wirklich alles möglich. Eben vom Tellerwäscher zum Millionär, das altbekannte Märchen. Das und noch so vieles mehr liebte ich.

„Aber du kommst nächste Woche zu meiner Geburtstagsparty, oder?“, schob nun Klein-Scarlet ihre Unterlippe vor.
„Ich schwöre“, versprach ich feierlich, hob sie an und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.
„Meld dich, Mia und wenn irgendwas ist, das Gästezimmer steht dir jederzeit offen, das weißt du“, erinnerte mich Diane erneut.

Ich nickte dankbar. Sechs Wochen würde ich noch in Los Angeles bleiben, naja, zumindest in Kalifornien. Die letzten sechs Monate hatte ich als Nanny bei den Sanders gewohnt, hatte mich um Scarlet gekümmert und einige anfallende Hausarbeiten gemacht. Es war eine sehr angenehme Zeit für mich gewesen, ich hatte immer auch mal Zeit für mich gehabt, hatte die Stadt erkunden können und durch die vielen Fahrten, die wegen Einkäufen und Scarlet angefallen waren, kannte ich mich mittlerweile in dieser riesigen Großstadt einigermaßen aus.

Scarlet war ein sehr aktives kleines Ding. Nachdem ich sie von der Schule abgeholt hatte, wurden Hausaufgaben gemacht und dann stand jeden Tag etwas anderes an. Die kleine Prinzessin wünschte stets entertained zu werden. Freunde besuchen, Tanzkurs, Karate und noch so einiges mehr. Wenn sie mal nichts vor hatte, hatte ich sie immer gern eingepackt und war mit ihr zum Venice Beach gefahren. Gerade am Wochenende, wenn Mama und Papa arbeitsbedingt keine Zeit hatten. Dann waren wir nach dem Frühstück losgefahren und erst gegen abends wieder zurückgekommen, unterwegs hatte ich für die ganze Familie noch bei deren Lieblingsitaliener Essen besorgt und dann waren Mama und Papa auch gleich viel entspannter. Ja, ich hatte mich wirklich sehr gut hier eingelebt und wohl auch eingefügt. Aber jetzt stand ein neues Abenteuer an, bevor es zurück nach „good old Germany“ ging.

„Ich habe noch ein kleines Abschiedsgeschenk für dich“, lächelte Diane plötzlich. Fragend blickte ich zu ihr, Scarlet neben mir quietschte auf und grinste: „Ich weiß es!“

„Na, dann raus damit“, forderte ich und sah weiterhin verwirrt zwischen den beiden hin und her.
„Komm mit“, winkte Diane mich nach draußen in die Hofeinfahrt.

Dort stand im Halbschatten einer der riesigen Palmen ein dunkelroter Hyundai Elantra, der da heute Morgen noch nicht gestanden hatte. Überrascht blickte ich zu Diane, sie hatten bereits drei Autos und ein viertes war eigentlich wirklich nicht von Nöten. Dann fiel der Groschen.

„Nein! Du spinnst!“, rief ich völlig überfordert aus.
„Du warst die beste Nanny, die wir jemals hatten und eigentlich würden wir dich wirklich gerne behalten. Aber wenn du schon weg musst, wollen wir, dass du die letzten sechs Wochen in den Staaten in allen Zügen geniest! Und dafür brauchst du einen sicheren, fahrbaren Untersitz! Gib ihn einfach wenn du fliegst am LAX ab, er ist bereits bezahlt, Mialein“, führte Diane weiter aus und brachte mich somit endgültig zum heulen.

„Vielen, vielen Dank, Diane! Ich weiß gar nicht was ich sagen soll“, stotterte ich und umarmte sie ein weiteres Mal. Widerstand war eh zwecklos, so gut kannte ich sie nach einem halben Jahr.

„Dann kannst du mich gaaaanz oft besuchen kommen“, stellte Scarlet uneigennützig, wie ein zehnjähriges Mädchen nun mal war, fest und drückte ihren kleinen Körper an meinen. Ich strich ich noch ein letztes Mal durchs Haar und begann dann zusammen mit Diane meine Koffer in das Auto zu laden.

„Die Adresse zu dem Hotel hast du?“, versicherte sie sich ein weiteres Mal.

Ich nickte stumm. Irgendwie war es doch komisch für mich, jetzt Abschied zu nehmen. Ich war zwar vorerst noch auf demselben Kontinent, aber auch diese Zeitspanne neigte sich dem Ende zu.

„Denk dran Steve alles haarklein zu berichten“, zwinkerte Diane mir noch zu, drückte meine Hand und öffnete dann die Wagentür für mich.

„Auf jeden Fall“, versprach ich und stieg ein.

Mein Ziel war das Hotel Green Dream, direkt im Zentrum von Downtown LA. Es war ein neueröffnetes Hotel, welches auf erneuerbare Energien und Recycling setzte, angeblich ohne dass der Komfort darunter leiden würde. Steve hatte in die Idee investiert und das Hotel hatte vor gut zwei Monaten seine Pforten geöffnet. Er hatte mir für die sechs Wochen ein Zimmer gebucht, ich sollte ein bisschen für ihn „spionieren“. Natürlich war mir klar, dass es ihnen in erster Linie darum ging, dass ich in keinem billigen Hostel in einem unsicheren Vorort abstieg. Sie sorgten sich um mich und ich fand es sehr, sehr lieb von ihnen. Trotzdem war es mir nicht recht, wie viel Geld sie für mich ausgaben. Steve hatte es aber von Anfang an so überzeugend verkauft, dass ich ihm damit einen Gefallen täte, dass ich keinerlei Chance hatte das Angebot auszuschlagen.

Also hieß es jetzt auf zum Green Dream, Downtown, Los Angeles. Lächelnd stellte ich fest, dass die Adresse bereits im Navi eingespeichert war und ich nur noch auf Start drücken musste. Wie fürsorglich die beiden doch waren, das würden bei ihrem Status die allerwenigsten vermuten oder auch glauben.
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