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Kyrina und das Rätsel der Steine

von Arielen
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character) Rayek
29.03.2018
01.12.2019
13
17.183
2
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02.04.2018 1.351
 
"Du bist hier im Lager Feuerwinds."

Erneut wollte sich die Elfe aufrichten, doch Sandhaar drückte sie zurück. Sein Blick war voller Argwohn und Misstrauen.

"Er ist auf der Jagd und wird erst in der Dämmerung zurückkehren. Dann entscheiden er und die Ältesten über dein Schicksal, nachdem sie dich angehört haben. Solange bleibst du in diesem Zelt, denn wir wissen nicht, ob wir dir trauen können. Du musst uns verstehen, wir wollen uns schützen."

"Das stimmt", pflichtete ihm die Elfe bei. "Die Räuber haben schon viel versucht, um uns unseren Besitz zu nehmen. Wir fürchten Fremde."

"Ihr redet so viel von den Räubern! Wer sind sie überhaupt?"

"Elfen wie wir. Sie leben am Rand der Weltendberge in einem kargen Tal. Aber sie haben mächtige Helfer, die ihnen Waffen und Kleidung, die aus Steinen wie deinem gemacht sind, geben. Auch Schmuck!"

Dabei hielt die Elfe einen der Armreife hoch, die Kyrina als Erinnerung an ihre Mutter behalten hatte. Die schwarzhaarige Elfe schnaubte und schüttelte den Kopf. Doch sie schwieg, weil sie das Gefühl hatte, die Elfen würden ihr ohnehin nicht glauben. So entspannte sie sich wieder und atmete tief ein und aus.

"Die Räuber jagten zuerst die Großen und stahlen ihnen die Beute. Doch dann flohen diese, weil sie Angst vor ihnen hatten. So kamen die Räuber zu uns und anderen Stämmen. Wir sind die einzigen, die sich noch gegen sie wehren können, auch wenn sie schon einige von uns getötet haben. Feuerhaar weiß wie, und wir vertrauen ihm!"

Kyrinas Augen weiteten sich. Entsetzt stieß sie hervor: "Kein Elf tötet einen anderen Elf!"

"Diese schon", erwiderte der junge Elf. "Du bist erschreckt. Aber wie kannst du ... ich glaube allmählich auch, dass du keine von ihnen bist. Du erinnerst mich an den Wanderer, der …"

Er hob ihren Halsschmuck auf, an dem ein Anhänger aus klarem, gelben Stein befestigt war. Kyrinas Vater hatte diesen einst ihrer Mutter gegeben, um ihn an das Kind zu vererben.

"Er trug eine ganze Kette mit diesen Steinen daran. Ich glaube, er nannte diese "Tränen der Bäume". Er ging nach einigen Mondwechseln fort, aber hatte Feuerhaar darin unterwiesen, wie er sich am besten gegen die Räuber verteidigen konnte. Ich weiß nicht einmal wie er hieß, er war nur "Der Wanderer"."

Kyrina fuhr hoch. Dann starrte sie eine ganze Weile nachdenklich gegen die Zeltwand und ließ sich ganz langsam wieder zurücksinken.

"Ich habe ihn bewundert. Hast du ihn gekannt?"

Sie schwieg und mochte nicht antworten. Irgendwie wollte sie jetzt alleine sein, um die Worte für sich zu begreifen.

Feuerhaar war alt. Älter noch als Sonntaster, vielleicht sogar Savah, die er um eine Handbreit überragte. Seine Haut wirkte wie von Sonne und Wind gegerbt, denn sie musste einmal viel heller gewesen sein.

Sein flammenfarbenes Haar war nur schulterlang. Grüne Augen musterten Kyrina von Kopf bis Fuß, die ihre knappe Kleidung wieder angelegt hatte, und nun all ihren Willen aufbot, um stolz und selbstbewusst zu wirken.

Doch hier wollte es nicht recht gelingen. Er starrte sie an - und wusste es. Sie spürte seine tastenden Gedanken und sperrte sich dagegen, maß ihre Gabe zu Senden mit der seinen. Als er jedoch ihren Widerstand spürte, zog er sich blitzartig zurück. Seine Augen ruhten dann auf dem Stein um ihren Hals. *Woher hast du ihn, Kind?*

Kyrina lächelte und ignorierte sein aufforderndes Senden. *Zuerst sag mir, ob du ein Hoher oder Erstgeborener bist! * forderte sie im Gegenzug. *Wirst du es wagen, mir Schmerzen zuzufügen, um alles zu erfahren?*

Er schüttelte unmerklich den Kopf. *Nein zu beiden Fragen. Ich bin weder das eine, noch würde ich das andere wagen. doch ich habe solch einen Stein wie deinen schon einmal gesehen.*

*Mein Vater gab ihn meiner Mutter.*

*Wo?*

Kyrina schwieg. *Würdest du den Räubern die Heimat deines Stammes verraten?*

Seine Augen begannen zu glühen, so wie die Stärke seines Sendens wuchs. Er übermittelte ihr erbarmungslos von früheren Geschehnissen - von der Grausamkeit der Räuber gegenüber den Großen, der Androhung, nicht einmal vor dem eigenen Volk zurückzuschrecken. Es war zu viel.

Kyrina sank zitternd auf die Knie, als sie die ersten Morde an Elfen miterlebte, die von Elfen verübt wurden. Sie kreuzte die Arme vor der Brust und zitterte heftig. *Glaubst du, dein Volk ist vor ihnen sicher?*

Kyrina blickte ihn an. *Ja, solange ich mein Schweigen bewahre*, sagte sie laut. sie wusste, dass die anderen mitgehört hatten, denn der Häuptling hatte 'Offen' gesendet. Nun blickte er die Versammelten Mitglieder seines zwanzigköpfigen Stammes an, die nacheinander nickten, selbst die finstersten unter ihnen.

Feuerhaar ergriff Kyrinas Hände. "Bleib bei uns solange du willst, Tochter des Wanderers, denn du gehörst nicht zu den Räubern ... und ich spüre, dass deine Kräfte noch geübt werden müssen. Willst du meine Schülerin sein? Deine Gaben würden uns helfen, denn unser Heiler starb vor vielen Jahren.“

Zögernd blickte sich die schwarzhaarige Elfe um, dann überlegte sie eine Weile und biss nervös auf ihre Lippen. Vielleicht...', dachte sie, schob dann aber alle Vorbehalte beiseite und nickte. "Ich bleibe eine Weile bei euch."

"Ich habe nichts anderes erwartet, Tochter der Sonne."

* * *

Die Zeit verging wie im Flug. Die Sonnentalerin vergaß ob Tage oder Monde vergingen, denn bald akzeptieren sie auch die Misstrauischeren wie Sandhaar, und kamen wegen Verletzungen und Krankheiten zu ihr.

Kyrina lernte von Feuerhaar Geduld und Ruhe, zwei Dinge, die ihr Savah nicht hatte beibringen können. In dem Maße wie sie sich zu beherrschen lernte, steigerte sie ihre magischen Fähigkeiten, sendete bald fast so stark wie der alte Elf und erlernte einen bannenden Blick, wie ihr Bruder.

Selbst zu schweben fiel ihr nun leichter, und ihre Heilergabe wurde beständiger.

* * *

Gleichzeitig aber ritt sie mit Feuerhaar und seinen Jägern oft genug hinaus in die Wüste, um die Sicherheit der kleinen Oase zu bewahren. Oft kamen sie dabei den Bergen recht nahe, in denen die Räuber hausten ...

Besorgt schätzte Feuerhaar die Zeit anhand der Stellung der Monde. *Es dämmert bald, Kyrina, jal, Grünauge, wir drehen um.*

*Warum?* Kyrina drehte sich im Sattel ihres Zwoots. Plötzlich zuckte sie zusammen und deutete wortlos auf eine Hügelkuppe.

"Bei den Hohen! Sie haben begonnen, auch in der Nacht auszureiten!" zischte Feuerhaar und griff nach seinem Speer. Kyrina tat es ihm gleich, denn schon stürmte die Horde von dunkel gekleideten Elfen mit einem wilden, raubtierartigen Geheul auf sie zu. Ihre Absicht war deutlich zu erkennen.

Kyrina spürte keine Angst, nur wilde Entschlossenheit, sich weder fangen noch töten zu lassen ...
* Kein Kampf! Wir versuchen zu fliehen! * sendete Feuerhaar offen an seine Begleiter. *Verstreut euch und benutzt die bekannten Routen, um sie in die Irre zu führen. Kyri, du bleibst bei mir! *

Seine Gedanken waren so eindringlich, dass sie jeden Widerspruch im Keim erstickten. Die Zwoot-Reiter stoben auseinander. Einige wichen zu den ungedeckten Seiten aus, andere fielen zurück und wandten sich den Angreifern zu.

Nur Feuerherz ritt geradewegs auf die, durch Tücher vermummten, Angreifer zu, weil er und Kyrina die schnellsten Tiere besaßen. Die Sonnentalerin holte tief Atem. Mit schmalen Augen beobachtete sie die Angreifer, die sie in die Zange nahmen.

*Was jetzt?* sendete sie aufgeregt.

*Nur ruhig! Ich weiß, was ich tue!* Feuerhaar katapultierte einen entgegenkommenden Reiter aus dem Sattel, zügelte sein Tier und hieb einen anderen, der dicht an seinem Zwoot vorüberschoss, mit dem Holz gegen den Kopf.

Kyrina versuchte, es ihm gleichzutun, Sie ließ die Zügel fallen , umklammerte ihre Waffe mit beiden Händen, und fegte einen Reiter ungeschickt von seinem Zwoot. Doch ihr fehlte die Erfahrung und die Kraft Feuerhaars.

Ehe sie sich versah, warf sich ein stämmiger Elf von hinten auf sie und riss Kyrina von ihrem Reittier. Der Aufprall wurde durch den feinen Sand gemildert, aber sie rollten noch die Düne hinunter. Sie versuchte zu treten und zu schlagen, doch sie kam unter den Elfen zu liegen.

Das letzte, was sie wahrnahm, als behandschuhte Hände ihren Hals umklammerten und ihr die Luft abdrückten, war das eindringliche Senden Feuerhaars und der überraschte Blick tiefblauer Augen. Dann verlor die Heilerin ihr Bewusstsein.
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