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Kyrina und das Rätsel der Steine

von Arielen
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character) Rayek
29.03.2018
01.12.2019
13
17.183
2
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31.08.2019 1.406
 
Der Trollkönig sollte sich täuschen, Kyrina mit Hunger zermürben zu können. Immer wieder schickte er seine Wachen zur Grube, seine Gefangenen piesacken zu lassen, um sie so um Gnade flehen zu lassen. Die Sonnentalerin achtete wie Cyrral bald schon nicht mehr auf den Spott, den Unrat und die Steine, die auf sie hinunter prasselten, auch wenn sie vor Wut zitterte.

Um überhaupt ihre Kräfte einsetzen zu können, ohne gleich vor Schwäche zu zittern, lernte sie ihren Ekel vor den Maden und anderem Ungeziefer zu überwinden und das metallisch schmeckende Wasser von den Wänden abzulecken.

Nach einer Weile vermochte sie wieder kleinere Gegenstände schweben zu lassen, und das nutzte die Sonnentalerin dazu, um den Trollwächtern vorsichtig Essen zu stehlen.

Cyrral war immer bei ihr und lehrte sie ihre Kräfte gezielt einzusetzen, denn seine Genesung hing davon ab, das niemand ihr Tun bemerkte. * Sonst schneiden sie uns die Gliedmaßen ab, oder schlimmeres. Sie haben mir einmal einen Sack gezeigt, in dem der ausgemergelte Torso eines Elfen lag, und mir gedroht, das gleiche anzutun. Ich weiß, das würden sie, denn auch ich bin ein Steinformer wie der arme Kerl!*

Und das war nicht die einzige Fähigkeit, die er beherrschte, nur das Schweben und Heilen schien ihm versagt zu sein. Kyrina erfüllte es innerlich mit Zorn, dass Cyrral ihr seinen Willen aufzwingen konnte, auch wenn es aus einem guten Grund geschah - sie lernte dadurch wesentlich schneller und gezielter.

“Du bist eine gute Schülerin mit einem wachen Geist. In meinem Leben habe ich noch nie einen Elfen oder Elfe erlebt, die so schnell und zielstrebig lernte, und glaub mir, mein Leben währte lang!” lobte Cyrral sie schließlich.

Das war einer der seltenen Augenblicke, in denen er seine Vergangenheit erwähnte. Kyrina beschloß nachzuhaken. “Wie lang? Bist du wirklich ein Hoher?”
“Wie kommst du darauf!” Cyrral klang amüsiert.
“Deine Kräfte, deine Gestalt. Alles deutet darauf hin. So schmale, lange Knochen habe ich bisher nur bei meiner Stammutter gesehen.”

“Ist es denn wichtig, ob ich nun ein Hoher oder Erstgeborener bin? Was zählt ist das Hier und Jetzt. Und ich spüre ganz deutlich, dass es dir hier nicht gefällt.” Damit spielte Cyrral auf Kyrinas wachsende Unruhe an. Je kräftiger sie wurde, desto mehr hasste es die Sonnentalerin dermaßen gefangen zu sein.

Der gelähmte Elf stützte sich ab und sah die Elfe mit seinen leuchtenden grünen Augen an. “Ich denke der Zeitpunkt für deine größte Prüfung ist gekommen. Wir sind beide kräftig genug, um es zu wagen: Heile mich!” forderte er.
“Jetzt auf einmal?” fragte Kyrina zurück. “Warum diese Eile? Und was tun wir danach?”

“Ich spüre, daß bei den Trollen etwas im Gange ist. Jemand hält sich bei ihnen auf, der sie gegen unser Volk aufbringt, und das könnte sich auch auf uns auswirken ...” Cyrral holte tief Luft. *Ich denke, ich kann einen der Risse so erweitern, dass wir hindurch schlüpfen können. Gemeinsam dürfte es uns dann irgendwie gelingen, aus den Gängen hier zu entkommen und diesen verdammten Erdgräbern zu entwischen*, fügte er sendend hinzu.

Kyrina nickte. Sie war inzwischen daran gewöhnt, dass Cyrral ihre Fragen niemals gänzlich beantwortete oder wie sie es erwartete.

Der Elf ließ sich wieder zurücksinken. Mit Kyrinas Hilfe drehte er sich auf den Rücken, dann legte die Heilerin die Hände auf die Stelle, an dem sein Rückgrat gebrochen war. Sie schloss die Augen und versetzte sich in Trance.

Kaum hatte sie sich ihrer Heilkraft ergeben, mit der sie den Bruch und die zerstörten Nerven förmlich vor sich sehen konnte, spürte sie, wie jemand sie unterstützte und ihr zusätzliche Stärkung gab. Es war nicht einfach, das Fleisch und Knochen wieder so zu verbinden wie es sein sollte, und die Nerven zum Leben zu erwecken.

Cyrral wand sich vor Schmerzen unter ihren Händen. Ob er schrie oder stöhnte nahm sie nicht wahr. Die Sonnentalerin hörte erst auf, als jede Faser wieder miteinander verbunden war.

Erschöpft ließ sie sich zurücksinken, bemerkte aber, daß sich Cyrrals Beine bewegten. Es war also gelungen!


* * *


*Erst einmal müssen wir genügend Abstand zwischen uns und mögliche Verfolger bringen!* meinte Cyrral, während er vorsichtig auf und ab ging. Er war noch immer ein wenig unsicher auf den Beinen, aber er brauchte sich nun nicht mehr festzuhalten.

Kyrina blickte zu dem mehr als einen Kopf größeren Elf, der nun versuchte, auf einem Bein zu stehen und das Gleichgewicht zu halten. *Ich denke, du wirst mich auch das ein oder andere Stück tragen können, nachdem wir so lange geübt haben.*

*Und was geschieht, wenn wir erst einmal in einem sicheren Versteck sind?*

Cyrral seufzte. *Kind, es nutzt nichts, so viel vorauszuplanen. Wenn wir erst einmal dort sind, werde ich einen Weg nach draußen suchen!* erklärte er ein wenig herablassend

Kyrinas stemmte die Hände in die Hüften und funkelte den Elfen böse an. *Nenn mich nicht noch einmal Kind! Manchmal frage ich mich ....* Sie verstummte abrupt. In ihrem Zorn über seine Arroganz hätte sie sich fast verraten. Schnaubend wandte sie sich wieder ab.

Cyrral trat von hinten an Kyrina heran.

*Was fragst du dich? Warum ich nicht alles voraus plane? Nun, so bin ich besser auf das Unvorhergesehene vorbereitet. Das hat mir manches Mal das Leben gerettet.* Als sie keine Antwort gab, zog er sich wieder zurück und zuckte die Schultern. *Ich kann dich ja verstehen. Die Anspannung zerrt auch an meinen Nerven!* Dann trat er an den größten der Spalte heran und lauschte. *Darum lasse uns jetzt handeln, und nicht weiter darüber grübeln.*

Ehe sich Kyrina versah, hatte Cyrral seine Hände auf das Gestein gelegt. Sie konnte die Kraft förmlich sehen, die aus seinen Fingern strömte und das Gestein wie Wachs schmelzen ließ. Dann sammelte er die Lumpen und Felle ein und schlüpfte in den schmalen Durchgang.
*Komm Kyrina!*

Die Sonnentalerin klappte den Mund zu. *Aber ....* Verärgert rollte sie den Fellmantel zusammen und folgte ihm durch den Spalt.

Dann verrauchte ihr Zorn so schnell wie er gekommen war. Von ihrem Standpunkt aus konnten sie die Höhle überblicken, von der sie bisher nur Teile erspäht hatten. Mehrere Gänge führten von ihr fort, und aus einigen drang noch immer beißender Geruch.
*Wohin jetzt?*

*Dort!* signalisierte Cyrral. *Der Gang scheint mir am vielversprechensten!*

Kyrina fragte sich zwar, warum er das glaubte, doch die gehorchte. Geduckt huschten die Elfen auf einen der Gänge zu und pressten sich eng an die bearbeitete Wand, als sie Schritte hörten. Kyrina spannte sich an, wurde aber von Cyrral zurück gedrückt.

Der Elf hatte eine Hand leicht erhoben, ließ sie aber wieder sinken, als die beiden Trollwächtern an ihnen vorübergingen, ohne die Flüchtlinge zu bemerken.

Erleichtert setzten die Elfen die Flucht fort. Die Sonnentalerin folgte Cyrral, der sich hier besser auszukennen schien, oder sich zu orientieren wusste. Noch mehrere Male mussten sie Trollen ausweichen, ehe sie in weniger bewohnte Bereiche vorstießen.

Kyrina schüttelte den Fellmantel aus, ehe sie ihn wieder überstreifte. Sie war froh, daß sie in der Dunkelheit so gut wie nichts von dem sehen konnte, was da aus dem Pelz fiel. Selbst Cyrral war nur eine schwache Silhouette.

Sie holte tief Luft. Glücklicherweise hatte sie keine Angst vor der Dunkelheit. Sie zitterte zwar, aber das lag an einem anderen Grund: In den Gängen, die weiter von den Trollhöhlen wegführten, war es empfindlich kalt geworden.

Cyrral grinste sie an. “Siehst du, es war doch gut, alles mitgenommen zu haben.” Sein Fellüberwurf war in mehrere Teile zerfallen und schützte kaum mehr, aber dem älteren Elfen schien die Kälte auch nicht viel auszumachen.

Die Sonnentalerin trat an ihn heran. “Und was geschieht jetzt, oh mein Hoher? Wir scheinen nun in Sicherheit zu sein!” stellte sie spitz fest. “Oder sollen wir noch weiter durch die Dunkelheit irren?”
Cyrral wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment hatte ein durch Mark und Bein gehender Ton durch das Höhlensystem. “Oh nein, mein Junges, wir sind noch nicht in Sicherheit!”

Kyrina blickte sich gehetzt um. Tatsächlich vermeinte sie stampfende Schritte und Metallklirren zu hören. Und es kam immer näher.

*Komm Kind wir sind fast am Ziel! Ich spüre schon einen Luftzug der von der Oberfläche stammt und nach Schnee riecht!* Cyrral packte Kyrina am Arm und zerrte sie mit sich. Doch die lange Gefangenschaft zehrte an ihrer Kraft. Schon nach einer Weile blieben sie nach Atem ringend stehen. Die Schritte waren noch immer hinter ihnen.

*So hat das keinen Sinn!* Cyrral stützte sich an der Wand ab. *Wir müssen uns ihnen stellen.*
*Wie sollen wir das tun. Wir haben keine Waffen außer unserer Magie!*
*Genau die werden wir einsetzen!* erwiderte der ältere Elf kalt.
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