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Kyrina und das Rätsel der Steine

von Arielen
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character) Rayek
29.03.2018
01.12.2019
13
17.183
2
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24.03.2019 1.080
 
Kyrina zog den Fellmantel enger um sich, der kaum noch Schutz vor der Kälte bot.

Wie konnte in dieser weißen Einöde nur jemand leben? Hier gefror ja schon der Atem vor dem Mund! Jedes Mal wenn sie ausatmete, bildete sich feiner Nebel mit glitzernden Kristallen darin vor ihrem Gesicht.

Die Sonnentalerin schauderte und kniff die brennenden und schmerzenden Augen zusammen, als die Sonne hinter den Wolken hervor kam und die weiße Ebene vor ihr in grellem Licht erstrahlte. Geblendet wandte sie sich ab. Warum konnte das Sonnenlicht hier so viel Kraft besitzen, obwohl es kaum noch wärmte?

Kyrina seufzte. Aus welchem Grund hatte sie sich nur so weit in den Norden locken lassen, weit weg von ihren Lieben, ihrer zweiten Heimat bei den Wellentänzern?

Die Sonnentalerin hatte ihre Familie verlassen, ihren erkannten Gefährten aufgegeben, ihren Sohn ... nur für das Hirngespinst, jemanden unbedingt aufspüren zu müssen, der ihr viele Fragen zu beantworten hatte.

Unwillkürlich legte sie eine Hand auf die Stelle unter der die vier gelben Steine verborgen waren: Ehe sie ihren Vater nicht gefunden hatte, würde sie keine Ruhe finden. Ihren Vater, den Wanderer, der eine deutlich sichtbare Spur gelegt hatte, der sie seit dem Verlassen des Sonnentales gefolgt war.

Zuletzt hatten die Ältesten der Meer-Elfen ihr den Weg gewiesen. Dazu kaum noch, dass sie seit Tagen schon einem inneren Ruf folgte, den sie sich selber nicht erklären konnte.

Und der hatte in diese eisige Wüste geführt. Was ihr Vater wohl hier suchte ... oder ihr zeigen wollte? Zumindest gab es in der Einöde Leben. Das bewiesen die Pflanzen und die Spuren, die sie entdeckt hatte, von Tieren und anderen Wesen …

Die Sonnentalerin beschloss weiterzugehen. Vorsichtig, um nicht zu viel Kraft zu vergeuden, linderte sie den Schmerz ein wenig und stapfte dann weiter durch die weiße Masse, die in ihren Händen schmolz, und verbannte jeden unnötigen Gedanken aus ihrem Geist.

Erst in der Dunkelheit gab Kyrina auf und kauerte sich in den Schutz eines Felsens. Ihre Hände waren taub, und sie konnte kaum noch die rissige Haut ihres Gesichtes spüren. Nur ein heftiger Schmerz pulste durch ihren Kopf, als sie ihre Augen berührte. Ihr war so kalt ... so kalt ... und sie fühlte sich so müde …

Die Sonnentalerin rollte sich ganz eng zusammen und barg trotz der Schmerzen das Gesicht in den Händen. Die Heilerin in ihr wusste, daß sie nur noch einen kleinen Schritt von dem tiefen Abgrund entfernt war, aus dem es keine Rückkehr gab.

Ihr Körper erfror, wenn sie ausharrte und einschlief. Ein Erwachen würde es nicht mehr geben. Zwar konnte sie durch das Heilen, den Schaden des Körpers wettmachen, aber danach würde sie zu erschöpft sein, um noch zu laufen. Gab es überhaupt ein Entrinnen aus diesem Kreis?

Kyrina ließ sich fallen. Warum das Leid verlängern?

~~~~~~~~

Plötzlich stand sie wieder auf der Brücke der Vorsehung weit über dem Sonnental, und ein warmer Wind umschmeichelte sie warm und tröstend. Sie hatte keine Angst, blickte ganz gelassen in die Tiefe, in der ein leuchtender Stern zu funkeln begann.

Ein von innen her leuchtender Palast, wie sie ihn in Savahs Erinnerungen gesehen hatte, schälte sich aus dem Nebel und schwebte zu ihr. Das edelsteinbesetzte Portal öffnete sich.

*Komm zu uns! Deine Leiden und deine Suche sollen ein Ende haben!*

Große, schlanke und schöne Gestalten in wehenden Schleiergewändern umgaben die Sonnentalerin. Waren das die Erstgeborenen und Hohen? Kyrina betrachtete sie staunend. Einen Elfen erkannte sie sogar: *Yurek?*

Der Stammvater des Sonnentales streckte die Hand aus. Seine traurigen Augen schienen sie zu rufen.

*NEIN! DIESE ZUFLUCHT IST DIR NICHT BESTIMMT!*


~~~~~~~~


Eine donnernde, befehlende Stimme vertrieb die Visionen und rissen Kyrina zurück. Mit einem kleinen Schrei schreckte die Sonnentalerin hoch und starrte in ein Gesicht mit boshaft funkelnden Augen. “Ich dachte schon der Elfendreck wäre tot!”

“Sei vorsichtig! Um das Spitzohr war ein seltsames Licht! Das hat bestimmt magische Kräfte! Hau‘ lieber zu, ehe der Dreck richtig munter wird! Du weißt, was der letzte mit Warze angestellt hat! Der humpelt heute immer noch!”

“Nnnnghhh!” Ehe Kyrina sich auch nur orientieren konnte, streckte sie ein heftiger Schlag nieder. Sie spürte nur noch, wie sie gepackt und mitgeschleift wurde.

Das erste, was Kyrina dann wieder wahrnahm, war ein Übelkeit erregender Gestank nach Verwesung, heißem Metall und verbrauchter Luft.

Noch während sie sich zusammenkrümmte und heftig hustete, wurde sie von groben Fäusten gepackt und hoch gezerrt. Mühsam öffnete Kyrina die Augen. Zuerst sah sie nichts, dann schälten sich aus dem schwachen Dämmerlicht grobschlächtige Gestalten. Leises Gemurmel erfüllte die Halle, nur von ein, zwei lauten Stimmen durchbrochen.

“König Graubart, die Gefangene ist wach!”

“Dann bring sie zu mir, Schwabbelbauch. Laß mich deinen Fang sehen!”

Die Sonnentalerin wehrte sich schwach. ‚Nein nicht schon wieder!‘ dachte sie wütend. ‚Das ist schon das zweite Mal, das ich in die Gefangenschaft von Trollen gerate!‘ Doch diese hier waren viel größer. kräftiger und kampfeslustiger. Und wachsamer! Vor allem der, zu dem sie jetzt gezerrt wurde.

Kyrina biss sich vor Schmerz auf die Lippen und erwiderte entschlossen den Blick des Trolls, der sich auf einem fellbedeckten Thron niedergelassen hatte. Das musste dieser König Graubart sein.

Ein kalter Schauder rann über ihren Rücken, doch weniger wegen den grimmig funkelden Augen in dem zerfurchten Gesicht, sondern mehr wegen der Krone, die sein Haupt zierte. Die Sonnentalerin schluckte. Das waren doch Fingerknochen von anderen Elfen! Und sie spürte noch immer deren innenwohnende Magie.

Der Troll beugte sich ein Stück vor. “Ja, du hast richtig gesehen”,bestätigte er höhnisch ihre Entdeckung. “Nun schaue doch nicht so böse, Elfchen. Wenn du artig bist, wird dir das nicht so ergehen!”
Kyrina presste die Lippen aufeinander und wich so weit sie konnte zurück, als er ihr Gesicht berührte. “Nun,so einen dunklen Elfendreck habe ich noch nie gesehen. Und die Farbe ist wirklich echt. Woher kommst du?”

Die Sonnentalerin reagierte nicht auf seine Frage. Mit einem gelangweilten Lächeln, das eher furchterregend aussah, winkte der Troll ab. “Es ist doch immer das gleiche Spiel mit euch arrogantem Pack! Ihr wollt nicht mit uns reden - dabei sind wir es, die sich viel besser an diese Welt angepasst haben als ihr ... Ach, bringt sie zu dem anderen in die Grube. Mal sehen, wie lange es dieser kleine Dreck ohne Essen aushält!”

Die beiden Trolle zerrten Kyrina durch ein paar Gänge zu einem Loch im Boden und stießen sie dann hinein. Die Elfe schrie auf, als sie sich einmal um sich selbst drehte. Nur ihrer Gabe hatte sie es zu verdanken, dass sie nicht mit zerschmetterten Gliedern auf dem Boden landete.

* * *
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