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Kyrina und das Rätsel der Steine

von Arielen
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12 / Gen
OC (Own Character) Rayek
29.03.2018
01.12.2019
13
17.183
2
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Dieses Kapitel
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29.03.2018 1.396
 
Kurzinhalt:
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Wie ihr Halbbruder Rajek ist Kyrina anders als der Rest der Sonnentaler. Wie er ist sie nicht mit dem Dorf verwurzelt, sondern von einer inneren Unruhe erfüllt. Dazu kommt: Ihr Vater war ein fremder Elf, ein Wanderer, der ihrer Mutter nach dem Erkennen nur sie und einen besonderen Stein hinterließ, ehe er wieder verschwand.Deshalb macht sich die junge Elfe eines Tages auf, als sie es nicht mehr aushält, um das Rätsel der Steine zu lösen und damit vielleicht auch ihren Vater zu finden. Denn tief in ihrem Inneren weiß sie, dass dies alles nicht ohne Grund tat.

Anmerkung:
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Die Geschichte entstand bereits in den späten 1980er Jahren und war Zyklus konzipiert und verschiedene Elfenstämme der „Welt der zwei Monde“ vorzustellen, zumindest die, die ich in der Zwischenzeit für mich erfunden hatte. Das heißt, dass ich in erster Linie das Wissen aus den ersten Zyklen die auch auf Deutsch erschienen sind, eingebunden habe.
Die ersten vier (von insgesamt sechs) Erzählungen habe ich später noch einmal abgetippt und nun wieder entdeckt. Ich präsentiere sie hier in der überarbeiteten Fassung von 1999, die ich noch einmal leicht überarbeitet habe.
Vielleicht hat ja der ein oder andere Spaß daran wieder einzutauchen in die bunte und naive Elfenwelt von damals


* * *


Aus alter Gewohnheit begrüßte Sonntaster wie an jedem Morgen die Sonne. Langsam setzte er Schritt vor Schritt, vertraute seinen Sinnen, die ihn sicher die Anhöhe hinauf geleiteten. Die Sonne selber konnte er nicht mehr sehen, nur ihre Wärme spüren.

Der alte Elf spürte eine Bewegung, die nicht von dem ständigen Wind verursacht sein konnte. Ein Lächeln spielte über seine Züge, als er jemanden mit seinem Stab ertastete.

"Wer ist da?" Die Frage erschien ihm fast schon unnötig, denn er wusste es. Für ihn nicht sichtbar, erhob sich eine schlanke Gestalt mit langen schwarzen Haaren, deren blauer Glanz noch intensiver war als das Funkeln der bernsteinfarbenen Augen.

Die junge Elfe strich sich die wirren Strähnen aus der Stirn und schob das schmale Leinengewand zurecht. Anders als viele Mädchen des Sonnendorfes bevorzugte sie die Kleidung einer Jägerin und verzichtete auf Verzierungen oder klimpernden Schmuck. An jeder Seite ihres stolz wirkenden Gesichtes hingen zwei fein geflochtene Zöpfe herab.

"Ich bin es nur, Kyrina."

Der alte Elf nickte. Vor seinem inneren Auge sah er sie, die Heilerin des Sonnentales, die eher für einen der wenigen Jäger gehalten werden konnte, unter denen ihr Bruder Rajek trotz seiner Jugend und des lahmen Armes der beste war.

Die Geschwister glichen einander nicht nur im Aussehen, auch im Verhalten - und das, obwohl sie nur die gleiche Mutter hatten.

Kyrinas Vater war ein Wanderer gewesen. Ein Elf in seltsamer Gewandung und mit dem Duft des Grünwuchsortes an sich, hatte Sorgenend vor vielen Jahren gefunden.

Die Magie des Erkennens hatte ihn an eine Sonnentalerin gebunden, doch nachdem das Verlangen gestillt worden war, hatte er sie schon wieder verlassen. Es schien ihm nicht wichtig gewesen zu sein, sein Kind kennenzulernen.

Kyrina, die sich selber lieber als Kyri bezeichnete, wuchs rasch heran, ein ernstes Kind, das früh erwachsen geworden war. Savah hatte sich bemüht, ihre magischen Gaben zu schulen, aber Kyrina hatte in stärkerem Maße das Blut ihres Vaters in sich pochen gespürt und war sehr ungeduldig gewesen.

Ihre Mutter, deren Kunst es gewesen war, wunderschöne Krüge zu formen, hatte sich, als sie spürte, daß ihre Tochter ihrer nicht mehr bedurfte einem anderen Elfen zugewandt und das Mädchen alleine gelassen.

So war sie für sich geblieben und hatte sich immer mehr abgesondert. Denn auch mit ihrer Magie war sie nicht die Hilfe, die sich alle erhofft hatten Ihre Gaben waren zwar stark aber ungleichmäßig und unkontrolliert, als Heilerin half sie nur selten wirklich. Sonntaster wusste, dass sein Kind, dass in Toorahs Bauch heranwuchs, einmal viel stärker und sicherer als Kyrina sein würde.

Aber er verurteilte die junge Elfe nicht wegen ihres Verhaltens. Sie war zudem von einer inneren Unruhe erfüllt, die sich eines Tages in einer ganz bestimmten Weise äußern würde. War dieser Tag heute gekommen?

"Savah weiß es schon, und du sollst es auch wissen", sagte Kyrina nun ruhig. "Ich werde das Tal bald verlassen. Sorgenend ist für mich eher ein Sorgenanfang, denn ich fühle mich hier nicht wohl. Das werde ich niemals."

"Meine Tochter ...", Sonntaster blieb behutsam, "... vielleicht merkst du es nicht, aber du wirst geliebt, und einige werden dich vermissen. Du bist niemals allein gewesen."

Ein zorniges Schnauben und Klappern erklang. Kyrina trat einen Stein weg. Sonntaster spürte, dass sie es nicht wahrhaben wollte.

"Das ist doch Unsinn. Sie werden deine Tochter als Heilerin haben, und die Kleine wird viel besser und sanfter sein als ich. Sie wird Verständnis für solche Dinge wie deine selbstgewählte Blindheit haben", antwortete sie unfreundlich. "Ich bin eben wie mein Vater, den ich nur aus den Erzählungen Savahs kenne. Und deshalb werde ich das Dorf verlassen. Ich gehöre nicht hier hin und möchte …"

Kyrina verstummte abrupt, so als habe sie sich ertappt, zu viel zu sagen. Sonntaster kannte die Antwort sehr wohl, aber er schwieg und nickte nur.

'Suche deinen Vater, um die Antworten auf deine Fragen zu finden', dachte er stattdessen und spürte, wie Kyrina sich entfernte. 'Schatten und süßes Wasser auf all deinen Wegen, mein Kind. Und all das Glück dieser Welt. Ich habe immer gewusst, dass dies dein Schicksal sein würde.'

* * *

Die einsame Reiterin ließ ihr Zwoot mit hängenden Zügeln in die Öde trotten. Sie selber saß vornübergebeugt in ihrem Sattel, der weiße Mantel schützte sie vor der brennenden Sonne.
Kyrinas Abschied vom Sonnental war ein stummer und heimlicher gewesen.

Eine kurze Berührung ihres Geistes mit dem der "Mutter der Erinnerung", die ihr Mut und Stärke vermittelt hatte, und ein letzter Gruß an Rajek, der ihr das Zwoot verschafft hatte, war das einzige gewesen, was sie nach dem Abschied von Sonntaster noch getan hatte.

Sie war nun mehr als acht Tage unterwegs, und das Wasser vor zwei Nächten zur Neige gegangen. Ihre Augen brannten, und der Körper fühlte sich ausgedörrt an. Kyrina verzweifelte nicht, aber die Furcht, kein Wasserloch zu finden und deshalb sterben zu können wuchs und erweckte in ihr Beklemmung.

Sie schreckte auf. Trotz des Durstes waren ihre anderen Sinne noch nicht geschwächt. Täuschte sie sich, oder waren da wirklich noch andere Laute außer dem stetigen Heulen des Windes oder dem Knistern der Sandkörner?

Sie zwang sich, die Augen zu öffnen und entdeckte einen dunklen Punkt, der rasch näher kam. Mit letzter Kraft streckte sie eine Hand zum Himmel und versuchte, sich bemerkbar zu machen.
Dann sank sie endgültig zur Seite. Den Fall in den Sand spürte sie bereits nicht mehr.

"Sieh nur, wie weich die Gewänder sind, die sie trägt. Was ist das?"

"Und die Waffe? Ein weicher, gelber Stein, der kühl sein kann, aber auch glühend heiß wird, wenn er in der Sonne liegt. Genauso wie ihre Armreifen und der Halsschmuck. - Ob sie zu den Räubern gehört? Sie hat dunkle Haut wie wir, aber alles andere an ihr ist seltsam und fremd."

Kyrina erwachte langsam aus einem langen, von Träumen und Fieber durchdrungenen Schlaf. Sie öffnete die Augen jedoch nicht, um weiter dem Gespräch lauschen zu können. Doch ihre Bewegungen waren nicht unbemerkt geblieben.

"Still, Sandhaar. Ich glaube sie ist wach!"

Kyrina öffnete die Augen und musterte die beiden Gestalten, die leicht zurückwichen mit klarem Blick. Große Augen, von dichten schwarzen Wimpern geschützt, starrten sie aufmerksam an. Elfen, deren Haut trockener und ledriger wirkte als die ihre, und deren Gewänder aus Leder und Fellen bestanden, standen vor ihr. Das wirre Haar der beiden hing strähnig den Rücken hinab und erreichte fast die Hüften.

Das Mädchen ergriff ein Schälchen und hielt es an Kyrinas Lippen. Sie trank gierig und spürte, wie der schale Geschmack aus ihrem Mund wich. Als sie sich aufrichten wollte, machte der Elf, der sich ebenfalls im Raum befunden hatte, eine herrische Geste.

"Nein, erst sag mir, wer du bist. Und woher kommst du? Du gehörst nicht zu uns. Haben dich die Räuber geschickt, um unser Lager auszukundschaften?"

"N...nein!" stieß Kyrina hervor und betrachtete ihre Umgebung. Das Zelt aus Zwoot-Fellen war einfach und klein. Gestützt wurde es durch Holzstämme, die schon dunkel vom Alter waren. Sie selber lag auf einigen grob gewebten Decken. "Wo bin ich hier?"
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