Der Preis einer Entscheidung

KurzgeschichteDrama, Fantasy / P12
28.03.2018
28.03.2018
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„Warum tust du das? Wer hat dir das Recht dazu gegeben? Und viel wichtiger: Was hat das Monster dir getan? Natürlich sucht es einfach nur Nahrung, und könnte dich fressen, aber weißt du: Sie waren vor dir da. Was sollen denn die Monster von dir denken? Sie wissen, das du kommst um ihre Artgenossen zu erlegen. Um die Schuppen ihrer Art für mächtige Waffen zu stehlen. Waffen, mit denen du noch mehr von ihnen erlegen kannst. Für die Monster bist du das Monster. Denk daran, wenn du das nächste Mal auf die Jagd gehst.“

Seit drei Tagen steckten diese Worte in seinen Ohren fest. Seit drei Nächten raubten sie ihm den Schlaf. Seit drei Mahlzeiten raubten sie ihm den Appetit.
Der Klingenmeister rührte desinteressiert in seiner Suppe herum und starrte hinein, als hielte sie die Antworten auf all seine Fragen parat.
Jaden wusste nicht mehr wo hinten und vorne war. Ihr überzeugte Vortrag hatte seine ganze Welt aus dem Gleichgewicht gebracht.
Eine Jägerin auf Seiten der Monster. Wie absurd war das denn bitte?
Trotz allem konnte er nicht aufhören daran zu denken.
Der kalte Blick in ihren Augen. Das Gefühl plötzlich der gejagte zu sein. Die überwältigende Gefahr, die von ihr ausgegangen war.
Es fröstelte ihn als er daran dachte. Und das obwohl es in der Gildenhalle von Val Habar angenehm warm war.
Was hatte sie nur so in Rage versetzt? Das Töten gewaltiger Bestien war doch der Job eines Jägers. Man trennte Zivilisation und Natur mithilfe von Fachkräften voneinander.
Natürlich war nicht unbedingt jede Mission ehrenhaft, aber das hieß doch nicht, das man etwas unrechtes tat, oder?
Schließlich wollten die Monster die Menschen fressen und die Siedlungen zerstören. Man tötete jene, die zur Gefahr werden könnten, damit das nicht geschah und fertig.
Dafür wurden Jäger ausgebildet. Aus Monsterteilen wurden Waffen und Rüstungen geschmiedet, Häuser gebaut, Nutzgegenstände erdacht…
Man nutzte, was die Natur einem zum Überleben darbot. Oder nicht?

Das spannen der Bogensehne ließ Jadens Bewegungen erstarren.
„Wenn du es wagen solltest ihn auszunehmen, mach ich dich zum Nadelkissen.“ Die Worte klirrten regelrecht.
„Du hast ihn nicht gejagt. Du hast ihn nicht in Ruhe gelassen. Und ich schäme mich dafür das ich ihn wegen deiner Dummheit töten musste.“ Die Braunhaarige knirschte mit den Zähnen.
„Was die Jäger heutzutage tun, hat nichts mehr mit dem Vorgang in der Natur zu tun. Es ist gierig! Ihr reduziert die Population sämtlicher Monster drastisch und beklagt euch dann, das die größeren Monster Jagd auf Menschen machen. Wie selbstgerecht kann man eigentlich sein?“
Sie spie zur Seite aus. „Jetzt geh. Geh und denk darüber nach, was ich dir gesagt habe. Womöglich begreifst du sogar was.“ Sie lachte, aber es klang nicht amüsiert. „Andererseits ist das unwahrscheinlich. Aber sei es drum. Heute sollst du Leben – auch wenn ich vermutlich ausreichend Grund finden werde, das zu bereuen.“
Jaden tat wie ihm geheißen. Er ging nicht einfach nur, er rannte wie ein angeschossener Jaggi.

„Verdammt!“ Knurrend verschränkte er die Hände über dem Kopf, das ihm die Suppe in die Nase dampfte.
Linia, eine Bogenschützin wie es vor ihr keine gegeben hatte. Weltberühmt. Mit einer Ausrüstung die man lediglich bestaunen konnte, einer Gildenkarte deren Erfolge einem die Augen tränen ließen und einem stetig fröhlichen Lächeln auf dem Gesicht. Dann war sie bei der Jagd auf ein bisher unbekanntes Monster verschollen und Monatelang hatte niemand etwas von ihr gehört.
Und jetzt hing zum ersten Mal seit der Gründung von Val Habars Gildenhalle, ein menschlicher Steckbrief in ihren heiligen, nach Met, Fleisch und Rüstungen riechenden Hallen.
Logischerweise hatte sich bisher noch niemand getraut die Jagd anzunehmen. Linia war schon immer für ihre Präzision bekannt gewesen. In Kombination mit der speziellen Schützenbrille und ihrem patentierten Seregios-Flaschenzug-Bogen, war sie wie ein Chameleos nur schlimmer.
Die meisten Monster hatten ihrem Tod ins Auge geblickt, lange bevor sie auch nur mitbekamen, das Jagd auf sie gemacht wurde.
Linia hatte immer gesagt, das dies die einzig Faire Methode sei. Ein Monster in einen Todeskampf zu verwickeln, sei schlicht Herzlos.
Er hatte ihr letztendlich zustimmen können und sich stets bemüht, schnell und effektiv zu sein. Mit den Doppelklingen zählte er mittlerweile zu den besten, das war eine Tatsache. Er hattte sogar mit dem Luftbrecher eine Technik entwickelt, die vielerorts Anklang gefunden hatte und mittlerweile als sein Markenzeichen fungierte. Trotz allem, war er noch lange nicht auf dem selben Level wie Linia. Falls er überhaupt jemals dorthin kam.
Genervt grunzen raufte er sich die dunkelblauen Haare.
Irgendetwas in ihm sprach auf ihre Worte an. Sie hatte Zweifel in ihm gesät. Kein Jäger mehr sein zu wollen ist eine Sache. Das wäre Schade, aber nicht zu ändern gewesen. Aber Jäger jagen?!
„Scheiße!“ Er schlug so hart auf den hölzernen Tisch, dass die Suppe ein Stück in die Luft sprang.

Zwei Tische weiter, hatten ein paar Jäger die Köpfe zusammengesteckt.
„Ist das nicht Jaden?“ fragte der eine und deutete vorsichtig auf den Blauhaarigen.
„Dem Rüst-stil nach würde ich sagen, ja“, tuschelte der andere zurück.
„Hat er nicht versucht, Linia zu jagen?“ fragte der erste wieder.
„Ganz offenbar erfolglos. Und dabei ist dieser Kerl auf dem G2 Rang! Seine Doppelklingentechnik ist total berühmt!“ wisperte ein dritter.
„Ich habe gehört, er sei nur knapp mit dem Leben davongekommen“, nuschelte der zweite wieder.
„Ich möchte mir nicht ausmalen wie schlechtere Jäger gegen sie abschneiden!“

Jaden ächzte genervt. Flachpfeifen. Er hasste es wenn die Gerüchteküche von ahnungslosen Holzköpfen angeheizt wurde. Obwohl das ja eigentlich in 90 Prozent der Fälle so war. Also warum aufregen, oder?
Wichtiger war, was er jetzt tun sollte. Vielleicht erst einmal ein paar Tage pause machen und nachdenken. Er könnte sich damit rausreden die Ereignisse zunächst verdauen zu müssen.
Aber das war irgendwie auch keine Lösung.
Er musste irgendwie raus bekommen, was mit ihr passiert war.
Schließlich hatte er die Quest überhaupt nur angenommen, weil Linia seine groß Liebe war. Seit Jahren war er erfolglos um sie herum geschlichen, hatte nach einer Chance gesucht sie vielleicht zum Essen einzuladen oder so, aber sich nie getraut, diese Pläne auch umzusetzen.
Nicht mal mit ihr zusammen jagen konnte er, weil die Plätze in ihrer Gruppe fast immer sofort besetzt gewesen waren, Als Jäger war das fortbilden schließlich eine Überlebensmaßnahme.
Jaden hatte sich enorm ins Zeug gelegt, damit sie ihn beachtete. Sein Rang war geklettert wie eine Nerscylla, aber das hatte sie scheinbar nicht weiter interessiert.
Und jetzt, da er ihre Aufmerksamkeit ein einziges Mal sicher gehabt hatte, war er knapp mit dem Leben davon gekommen. Was war das eigentlich für eine kranke Welt?
„Scheiße, scheiße, scheiße!“ Jaden schlug den hölzernen Tisch beinahe durch, ehe er aufstand und sich nach Zane umsah. Die Suppe stand weiterhin unbeteiligt herum.
„Boss?“
Jaden wandte sich um. „Wa…ach. Zane. Ich habe dich gerade gesucht.“
Die Felyne lächelte.
„Ich habe mich gefragt, was wir jetzt miauchen. Wir sind ihr ganz offenbar nicht gewachsen.“
„Ist mir auch aufgefallen.“ Der Blauhaarige seufzte schwer und kratzte sich am rechten Ohr.
„Denkst du, das was wir tun, ist falsch?“ fragte er seinen Felyne Begleiter plötzlich und starrte durch die Tür in die Wüste hinaus.
„Miau?“ Zane blinzelte auf seinem verbliebenen Auge. „Ich bin nicht sicher, Boss. Aber ich bin dir bisher voller Überzeugung gefolgt und vertraue jeder deiner Miaus! … Ich meine natürlich Entscheidungen.“
Jaden lächelte und nahm den goldenen Helm vom Tisch auf. Auf seiner Front prangte ein scharfes Horn, das ein genaues Replika, jener auf dem Kopf von Seregios war.
„Folgst du mir überall hin?“ Seine Stimme wirkte durch den Helm deutlich mächtiger.
„An jeden Ort der Welt!“
„Dann hol' Mampf und sag ihm, wir brechen zu einer Quest auf.“
Zane's Auge begannen zu leuchten. „Was für eine?“
„Wir werden uns auf eine kleine Reise begeben... Selbstfindung, wenn du so willst.“
Der Felyne-Krieger nickte begeistert. „Verlass dich ganz auf mich, Boss!“ Zane salutierte zackig und rannte auf allen vieren in Richtung Ausgang.
Jaden seufzte. Höchstwahrscheinlich war er gerade dabei, seiner Karriere, seinem Leben und der Treue der kleinen Felynes, ein Ende zu setzen.
Nun ja. Würde schon schiefgehen. Schließlich wollte er den Grund für Linias plötzlichen Sinneswandel erfahren. Er würde nie wieder ruhig schlafen können, wenn er dem nicht auf den Grund ging. Notfalls würde er auch vor dem weißen Fatalis nicht halt machen.
Linia, ich komme wieder. Und dann werde ich dich verstehen können. Warte auf mich.

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Jaaa, diese FF hab ich geschrieben weil mir bei der Generations Quest mit der verzogenen Prinzessin die edles Rajang-Fell für ihre Handschuhe brauchte, so ein wenig die Frage in den Sinn kam ob das nicht eigentlich total asozial ist, den für ein paar Handschuhe zu killen.
So ist dann diese Idee entstanden. Hoffe es hat euch gefallen :)

Unicorn out~