Phönixherz - Wie alles begann

von Eruanna
GeschichteRomanze, Familie / P18
Elrond Ereinion / Gil-galad OC (Own Character)
27.03.2018
05.05.2018
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455 Erstes Zeitalter (J.S.), in Morgoths Festung:
Als ich wieder zu mir kam, spürte ich, dass ich auf einem weichen Untergrund lag. Noch mit geschlossenen Augen versuchte ich mich zu orientieren und möglichst viel über den Ort herauszufinden, an dem ich mich befand. Das Letzte woran ich mich erinnern konnte war, dass mich ein sehr hässlicher Ork über einen geifernden Warg geschmissen und mich dort festgehalten hatte. Ob es nun ein Segen war, das ich von dieser Reise nichts mitbekommen hatte war Ansichtssache. Ich musste so schnell wie möglich von hier verschwinden oder meinem Leben ein Ende setzen. Niemals wollte ich lebend unseren Feinden in die Hände fallen. Hatte der Elb namens Cáno mich nicht gewarnt, dass kein Orkspäher mich jemals ohne meine Maske und meine Kapuze sehen dürfte?! Zu groß sei die Gefahr, dass ich verschleppt und zur Sklavin gemacht wurde. Wofür genau wusste ich zu gut. Dieses Schicksal konnte und wollte ich nicht akzeptieren. Ich war Barahirs Tochter und verdammt noch mal die beste Schwertkämpferin unseres Hauses! Es lag mir nicht mich einfach unterzuordnen und zu resignieren. Wachsam lauschte ich. Außer mir befand sich niemand in diesem Raum. Gut.
Vorsichtig öffnete ich die Augen und schauderte. Es war ein Schlafzimmer, in das man mich gebracht hatte und wenn ich mir die Einrichtung näher ansah, ahnte ich auch von wem. An den Absichten des Feindes mit mir gab es nun keine Zweifel mehr. Sie hätten mich mühelos töten können, Gelegenheit hatte es gegeben. Stattdessen brachten sie mich ausgerechnet zu IHM. Ich war mit den Schauergeschichten über Morgoth aufgewachsen und hatte genügend Frauen gesehen, die von seinen Dienern geschändet wurden. Zuletzt meine eigene Mutter.
Vorsichtig setzte ich mich auf und suchte mit den Blicken nach einer Fluchtmöglichkeit oder eine Waffe. Als ich aufstehen wollte spürte ich ein beängstigendes Kribbeln und eiserne Bänder, die sich um mich schlangen. Magie. Dunkle Magie. Gütige Valar, ich musste von hier verschwinden! Aber ich konnte sich nicht bewegen. Wie erstarrt blieb ich sitzen. Mein Körper verweigerte mir den Gehorsam. So langsam geriet ich doch in Panik. Vor dem Zimmer hörte ich Schritte und ich versuchte verzweifelt mich zu bewegen. Doch alles was ich erreichte war, dass sich die unsichtbaren Fesseln so fest um mich schlangen, das ich kaum einen Muskeln mehr rühren geschweige denn atmen konnte.
Die Tür schwang zu meinem Entsetzen auf. Sofort breitete sich eine derartig bösartige Präsenz im Raum aus, dass mir schlecht wurde. Vor mir erhob sich drohend eine sehr dunkle Gestalt mit glühenden roten Augen. Ich vertraute meinen Instinkten, hatten sie mich bisher doch am Leben erhalten und gerade jetzt schrien sie mir zu, ich sollte rennen um mich zu retten. Nur konnte ich das nicht, war zur Bewegungslosigkeit verdammt. Zitternd starrte ich in die beunruhigenden Augen. Also gut. Vielleicht konnte ich ihn lange genug ablenken, um seinen Zugriff zu entkommen. „Was wollt Ihr von mir?“ Er lächelte raubtierhaft und umfasste hart mein Kinn. Starrte in meine grauen Augen, die sich nun leicht weiteten. Seine Berührung war schmerzhaft und schien sich bis auf die Knochen durchzubrennen. Als wolle er mich als sein Besitz kennzeichnen. Wie Vieh! Mit dennoch ruhigen Atemzügen versuchte ich der Angst entgegenzuwirken. Ich musste klar denken können, wenn ich hier lebend und vor allem unversehrt raus wollte. Panik spielte meinem Feind in die Hände. Meine Ruhe nötigte ihm Respekt ab. „Ich will Eure Macht und Euren Gehorsam. Aber am meisten will ich Rache. Und wie könnte ich mich besser an den Elben und an Eurem Volk rächen, als wenn ich Euch zu meiner Frau mache? Ihr gehört allein mir. Es gibt kein Entrinnen.“ Wie sicher er klang. Mir wurde schlecht. In seinen Augen erkannte ich eine düstere Besessenheit. Verflucht. Wann hatten die Orkspäher mich ohne meine Tarnung gesehen?! Und was meinte er mit Macht? Ich war eine gewöhnliche Sterbliche, keine Elbin. Außerdem hatte er kein Recht, mich als Besitz anzusehen. Ich war ein Wesen mit Gefühlen, Verstand und einem eigenen Willen! Vielleicht war es nicht sonderlich klug mit Stolz auf diese Behauptung zu reagieren, aber das war mir jetzt egal.
„Nein.“ Meine Stimme wurde schneidend. „Ich gehöre nur mir.“  
Amüsiert lachte er auf. Seine langen kühlen Finger streiften meine Wange ehe sie sich eisern um meine Nacken schlossen. Gelassen glitt seine andere Hand zu meiner Brust und öffnete geschickt die Verschnürung meines Oberteils. Der Griff der magischen Fesseln erstarb und ich kämpfte ich sofort gegen ihn an. Aber er ließ sich nicht aufhalten. Es war, als würde er meine Versuche freizukommen gar nicht bemerken. „Seit dem ich Euch das erste Mal sah, gehört Ihr mir Faera. Außer mir wird es keinen anderen Mann für Euch geben. Ich gebe das was mir gehört nicht her. Erst recht nicht, wenn es sich um so einen bezaubernden Juwel wie Ihr es seid handelt.“  WAS?! NIEMALS GEHÖRE ICH IHM. Alles in mir begehrte gegen diesen dunklen Tonfall auf. Verzweifelt schlug ich ihm ins Gesicht als er mich küssen wollte. Was für ein Widerling! Leider reagierte er viel zu schnell. Er packte mein Handgelenk so fest, dass ich die Knochen brechen hörte. Vor Schmerz schrie ich auf. Böse amüsiert lachte er heiser an meinem Ohr, vergrub die Finger in meinen Haaren und riss meinen Kopf in den Nacken, so dass ich seinem glühenden Blick begegnen musste. Erbittert versuchte ich mich zur Wehr zu setzen. Es ging hier um mein Leben! Wo waren die Valar, wenn man sie brauchte?! „Wehr dich nicht und hör auf zu schreien. Oder willst du gefesselt und geknebelt werden?“ Sein Arm schlang sich besitzergreifend um meine Taille. Als er seinen Kopf senkte um hart seine Lippen auf meine zu pressen biss ich so fest zu, dass ich Blut schmeckte. Fluchend ließ er mich los. Ich entwischte seiner Umklammerung und stürmte in Richtung Tür. Höchste Zeit zu verschwinden. Er folgte mir wütend. Seine Erregung hatte sich in Hass verwandelt. Er warf sich so heftig auf mich, dass er mich umriss. Mit meinem Kopf knallte ich gegen den Marmorboden und mit dem Rücken so hart auf den Stein, dass mir die Luft aus den Lungen getrieben wurde. Obwohl ich mich in einer noch ungünstigen Position als zuvor befand, schlug ich so fest ich konnte nach seinem Gesicht und traf sein linkes Auge. Seine Rache ließ nicht lange auf sich warten. Er fluchte und schlug mir drei Mal ins Gesicht. Ich sah Sterne und der Rand meines Gesichtsfelds wurde schwarz. Grimmig weigerte ich mich das Bewusstsein zu verlieren. Morgoth zerrte derweil grob an meiner Kleidung und zerriss meine Tunika. Es war unmöglich ihn abzuschütteln oder sich unter ihm hervorzurollen, so dass ich meine kräftigen Bauchmuskeln anspannte und ihn mit meinen Kopf unters Kinn traf. Den höllischen Schmerz den ich verspürte ignorierte ich vorübergehend, denn ich hatte es geschafft ihn von mir herunter zu befördern. Er rollte gegen das Bett. Hastig kämpfte ich mich auf alle vier ehe ich versuchte aufzustehen. Er trat nach mir und traf mich hart in die Rückseite meines Oberschenkels.  
Ich unterdrückte einen scharfen Fluch, denn mein Bein wurde taub und die Wucht der Tritts schleuderte mich durch die angelehnte Tür nach draußen. Argh! Verdammt tat das weh! Ich landete auf dem Bauch und versuchte so schnell wie möglich wegzurollen. Es war ihm völlig egal ob er mich verletzte oder nicht. Wahrscheinlich würde er mich vergewaltigen und anschließend umbringen. Ich spuckte etwas Blut aus. Niemals würde ich zulassen, dass jemand wie dieser Mann mich berührte und tötete. Nicht ohne ihn bleibende Narben zuzufügen. Blindlings tastete ich mit den Fingern nach irgendeinem Gegenstand, den ich als provisorische Waffe benutzten konnte. Meine Finger schlossen sich um einen faustgroßen Stein. Ich hatte nur eine Hand, die ich zum Kämpfen verwenden konnte. Mein rechtes Handgelenk schrie mir fleißig ein „Hack mich ab!“ entgegen. Verflucht, ich hasste Knochenbrüche! Entschlossen kämpfte ich gegen die Übelkeit an. Als ich mich hoch hievte trat er mich von hinten und stieß mich wieder auf den Boden. Seine Hände gruben sich schmerzhaft in mein Haar, rissen meinen Kopf zurück und er biss mir heftig in die Unterlippe. Die Schmerzen wurden unerträglich. Er lachte, sein Mund von meinem Blut rot verschmiert. Mir wurde schlecht. „Du wirst für jeden einzelnen Schlag bezahlen und ich werde es genießen. Zeit das dir jemand zeigt, das Frauen nur einen Zweck haben um zu überleben. Oh ja, ich werde es genießen dich zu erziehen.“ Ein tiefes Knurren entrang sich meiner Kehle. Als er sich wieder zu mir beugte schlug ich mit aller Kraft den Stein gegen seinen Kopf. Ächzend verdrehte er die Augen ehe er zusammenbrach. Angewidert schob ich ihn weg und kam taumelnd auf die Füße. Ich war vernünftig genug um die Chance zur Flucht zu nutzen. Mein Gesicht schwoll bereits an und meine Rippen schmerzten höllisch.
Humpelnd, aber so schnell wie es mir möglich war rannte ich den dunklen Flur entlang und versuchte dabei den Ork-Patrouillen aus dem Weg zu gehen, die von den Kampfgeräuschen angelockt wurden. Normalerweise war ich die schnellste Läuferin und stellte mit meiner Ausdauer selbst den routiniertesten Elbenkrieger in den Schatten, aber die Rückseite meines Oberschenkels protestierte bei jedem Schritt. Verfluchter Morgoth!
Die Festung glich einem einzigen Labyrinth und ich wusste, dass ich verloren war, fand ich nicht bald einen Ausgang. Dies war sein Territorium und er hatte die bessere Position in diesem Kampf. Die Verletzungen die ich ihm zugefügt hatte waren zweifellos schon verheilt. Bei meinen eigenen war das leider Wunschdenken. Mir ging es zusehends schlechter.
Verdammt. So wollte ich nicht sterben! Nicht hier!
Pausen um mich notdürftig zu versorgen konnte ich nicht riskieren. Die schlechte Luft brannte in meiner Lunge und da jeder Schritt meinen Körper erschütterte, schmerzten meine Rippen höllisch. Mit jedem Atemzug den ich mich voran kämpfte verfluchte ich Morgoth und seine Viecher. Zitternd versuchte ich einen Ausgang zu finden. Lange würde ich das nicht mehr aushalten. Schon begann sich mein Sichtfeld einzuengen und die schwarzen Flecken verrieten mir, dass mir die Zeit davonlief. Meine Beine waren kurz davor unter mir einzubrechen, der Schmerz in meiner Seite strahlte nun bis in Brust aus, sodass beim Atmen meine Lunge brannte. Rasch drückte ich mich in eine dunkle Nische um einer Orkgruppe zu entgehen. Zu meinem Glück waren es eher die der dümmeren Sorte mit den schlechteren Sinnen. Und weiter!
Dann hörte ich das Heulen, das mir schon als Kleinkind Angst eingejagt hatte. Er setzte Warge auf mich an, weil diese mich schneller finden würden. Die Panik verlieh mir genügend Kraft, weiter zu rennen.Schon bald hörte ich das Kratzen langer Krallen auf Stein, das Jaulen und spürte, wie sie immer näher kamen. Ich suchte verzweifelt nach einer Fluchtmöglichkeit, aber vor mir am Ende des Ganges war eine Wand. Eine verfluchte Sackgasse. Ich saß in der Falle. Sekunden später stolperte ich und fiel hin. Ein beißender Schmerz im Nacken dann wurde alles dunkel.

Mit einem hämischen Gesichtsausdruck betrat der Ork die Zelle, in der ich aufgewacht war. Ich wusste nicht mehr, wie viel Zeit seit diesem Fluchtversuch vergangen war, denn hier gab es kein Tageslicht oder einen Sternenhimmel. Nur Dunkelheit, Kälte, Verwesung, Schreie und Orks. Die Biester hatten sich anscheinend verschworen, dass ich für meine unverzeihliche Tat, ihrem Herrchen ein Haar zu krümmen, besonders viel Folter verdiente. Zusätzlich zu den alten Wunden, die von unserem Kampf stammten war mein Körper durch andere verunstaltet. Man hatte mich mit einer Peitsche geschlagen, deren eiserne Widerharken das Fleisch aus meinem Rücken riss und schließlich brachen sie mir auch das andere Handgelenk. Damit waren sie natürlich noch nicht zufrieden. In den Nächten kamen sie um mich zu vergewaltigen und verspotteten mich dabei. Lediglich mein Gesicht verschonten sie weitestgehend. Von Morgoth hatte ich seit dem Kampf nichts mehr gesehen. Ich wusste nicht, ob ich das als gutes Zeichen werten sollte. Wachsam musterte ich den hässlichen Ork vor mir. Sein Blick ruhte auf dem Eisenring um meinen Hals. Ob es tatsächlich Eisen war, wagte ich zu bezweifeln. Es tat höllisch weh und brannte sich förmlich in meine Haut ein. Allein die Schmerzen hielten mich wach. Wie ein Tier hatte man mich an die Wand gekettet und mir dabei keinen Bewegungsfreiraum zugestanden. Hass loderte in mir auf, als er näher kam. Wenn ich könnte würde ich ihn in Stücke zerreißen! Nur dafür müsste ich erst einmal frei und körperlich widerhergestellt sein. Düster lächelte ich und starrte das Biest vor mir voller Abscheu an. Noch konnte er lachen, aber ich hatte alle Zeit der Welt um Rachepläne zu schmieden. Ich würde abwarten. Am Ende würden Morgoth und seine Schoßtierchen bezahlen!
„Der Herr verlangt dich zu sehen.“ Knurrend beobachtete ich, wie er eine Hand ausstreckte. Niemals würde ich mich dazu herablassen, Morgoth das zu geben was er wollte. Er würde mich nicht brechen und zu seinem Spielzeug machen! Ich spuckte vor ihm zu Boden. Lieber starb ich als zuzulassen, dass er über mein Volk triumphierte. „Ah, du willst also noch mehr Schläge.“ Mit einem widerlichen Lächeln schlug er mir ins Gesicht. Ich fauchte vor Schmerz. Verdammte Orks! „Noch mehr Widersprüche? Du weißt, wie du dein Leiden beenden könntest.“ Wenn ich nicht verletzt wäre und erschöpft hätte ich vielleicht gelacht. So naiv war ich nicht. Als ob mich Morgoth leben lassen würde, nachdem ich ihm alles verraten hatte was er wissen wollte und zudem mich ihm unterwarf. Wenn ich nicht vorher an meinen Verletzungen starb. Meine Antwort bestand darin die Augen zu schließen. Wieder schlug der Mistkerl zu, dieses Mal allerdings gegen meine verletzte Schulter. Verdammt! Ich unterdrückte nur mit Mühe einen Schmerzensschrei. „Du bleibst gefälligst wach!“ Knurrte er. Sein widerlicher Mundgeruch schlug mir entgegen und ich würgte. Urgh, Sauberkeit war wohl für diese Viecher ein Schimpfwort. „Quälst du schon wieder unseren Gast?“ Erklang die spöttische Stimme meines Erzfeindes. „Wie unhöflich von dir. Geh beiseite, ich werde mich jetzt persönlich ihr widmen.“ Widerwillig öffnete ich die Augen und zischte hasserfüllt als ich Morgoth erkannte. Verdammter Bastard!
Nicht nur das er mich bluten ließ, nein, ich bekam auch nichts zu essen. Der Hunger nach echter Nahrung hielt mich in seinen erbarmungslosen Klauen, ein roter Dunst legte sich vor meine Augen, und mein Puls hämmerte von dem unaufschiebbaren Drang nach Nahrung. In seiner schwarzen Eisenrüstung beugte er sich vor.
„Sag mir wo dein Bruder und dein Vater sich verstecken, Faera.“ Ich knurrte ihn an. Seine roten Augen durchbohrten mich, forderten Gehorsam dem ich ihn strikt verweigerte. „Hör auf dich zu wehren. Du willst was zu essen? Dann verrate mir, was ich wissen will. Oder willst du dich zu Tode hungern?“ Verächtlich schnaubte ich und drehte den Kopf weg. Wäre das denn so schlimm zu sterben? Wahrscheinlich hielt mein Bruder mich längst für tot - von den anderen Menschen die mich kannten mal abgesehen. Solange meine Welt nur aus Schmerzen bestehen würde hatte ich nichts gegen den Tod einzuwenden. Ich war es leid, gefangen zu sein. Meine Handgelenke pochten vor Schmerz und meine Kehle fühlte sich wund an. Von den anderen alten und neueren Verletzungen ganz zu schweigen. Dennoch würde ich meine Meinung nicht ändern und mich von diesem Widerling brechen lassen. Eisern schloss sich seine Hand um mein Kinn, drehte mein Gesicht wieder zu ihm. Ich spürte seine Präsenz in meinem Geist und verschloss mich vor seinem Zugriff. Nein. Er würde mich nicht brechen und mir jede Hoffnung rauben.
„Faera!“ Er versuchte mich einzuschüchtern, aber ich hatte jegliche Angst vor ihm verloren. Meinen Körper mochte in seiner Gewalt sein, aber ganz anders verhielt es sich mit meinem Verstand. Abgesehen davon gehörte meine Loyalität meinem Volk, meiner Familie und meinen Freunden. Niemals würde ich sie verraten. „Fahr zur Höhle!“
Frustriert riss ich an meiner Kette. Ich wollte hier raus! Er hatte die Nerven mich auszulachen. Hass breitete sich wie ätzende Säure in mir aus. Trügerisch sanft fuhr er mit einem Finger über meine Wange und schlitzte sie dabei auf. Obwohl es höllisch wehtat gab ich keinen Laut von mir sondern kämpfte stur gegen die Ketten. Das giftige Metall fraß sich nur noch mehr in mein Fleisch. Doch das war mir egal. Ich würde ohnehin hier sterben wenn nicht ein Wunder geschah. Ich sehnte meinen Tod herbei. Nur wollte Morgoth mich nicht sterben lassen. Immer wenn ich kurz davor war, ließ er mir von seinem Speichelleckern einen widerlichen Trank einflößen, der mich am Leben erhielt. Er war grausam und rachsüchtig. Zumal ich ihm schon einmal fast entkommen war. Verwundet sein nervte.
„So wild. Scheint so als müsste ich dich zähmen, Kleine.“ Meine Augen verengten sich und ich spukte ihn verächtlich an. Hinter ihm keuchten die Orks auf. Ja, ich provozierte ihn bewusst. Ich wollte, dass er meinem Leben ein Ende setzte. Er spielte mit mir wie eine Katze mit einer Maus. Nur war ich keineswegs eine verängstigte Maus. Ich hatte ebenfalls Krallen auch wenn er mich gefesselt und mir den größten Teil meiner Kräfte genommen hatte. Oh nein. Ich würde mich niemals ergeben. „Benimm dich Mädchen.“ Seine Stimme klang viel zu ruhig. Die Gefahr war mittlerweile so sehr zu greifen, dass sie kalt über meine Haut prickelte. Aber ich hatte längst keine Angst mehr. Warum auch? „Du hast keinen Respekt verdient!“ Fauchte ich aufgebracht. „Wie lange willst du dieses Spiel noch weiter treiben? Ich werde niemals die Meinen verraten oder mich dir freiwillig unterwerfen! Bist du so schwer von Begriff, oder hat dir die Macht den letzten kümmerlichen Verstand geraubt, den du hattest? Ich werde nicht aufhören gegen dich anzukämpfen. Du magst meinen Körper noch so foltern wie du willst – aber du wirst mich niemals brechen. Beende es oder lass mich frei!“  Er schlug zu und bohrte sein Schwert in mein Herz, nagelte mich an die Wand. Ich lächelte und schloss die Augen. Alles versank in Dunkelheit während das Leben aus mir herausfloss. Erleichterung durchströmte mich.
Wie sehr ich mich irren sollte...
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