Starfighter (Webcomic) - Das Ostergeschenk. Oder: Never change a winning team

von Neronia
OneshotHumor, Sci-Fi / P16 Slash
27.03.2018
27.03.2018
1
2412
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Ein kleiner OS nebenbei, um etwas Abstand von meinen anderen Arbeiten zu bekommen :) Erwartet nicht zu viel iC-ness - ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Lesen ♥


~*~*~



Das Ostergeschenk. Oder: Never change a winning team.


„Findest du nicht, dass du ein bisschen übertreibst?“ Helios Stimme klingt unsicher, beinahe vorsichtig. Er kratzt sich am Hinterkopf und ich kann förmlich hören, wie Selene sich das amüsierte Gekicher verkneift.

„Vielleicht“, gebe ich fest zurück und werfe die nächste Packung bunter Plastikeier in den Einkaufswagen, während ich seufzend meine Augen über das Regal vor meiner Nase schweifen lasse. Und mir im nächsten Moment mit verzogener Mimik einen aus Heu geformten Dekohasen ansehe.

„Der ist affig“, mischt sich Selene mit verschränkten Armen ein. Ihm fallen vereinzelte Strähnen in die Augen, die er sich folgend wieder hinters Ohr streicht. Kopfschüttelnd tritt er näher und ich nehme wahr, wie sein Partner ihm offensichtlich dankbar das Feld überlässt. Eine Hand findet ihren Weg auf meine Schulter. „Lass gut sein“, versucht er es erneut schmunzelnd. „Ich glaube nicht, dass du Cain mit einer Familie aus Kaninchen eine Freude machst.“

„Wenn nicht gerade du mit Puschelschwanz vor ihm sitzt, zumindest“, glaube ich fast tonlos von der Seite zu hören. Aus dunklen Augen werfe ich dem Dunkelhaarigen einen Seitenblick zu.

„Ihr versteht das nicht.“ Ich seufze und lasse die Schultern hängen. Endgültig eise ich mich von dem Regal im Supermarkt los und stütze mich auf den Wagen. „Ich finde, Cain braucht ein wenig Normalität, ihr wisst schon.“ Schulterzuckend ringe ich nach Worten. „Seitdem er auf der Erde ist, weiß er nichts mit sich anzufangen. Er ist… ziellos. Und es ist alles ziemlich chaotisch.“ Das Knabbern an meiner Unterlippe verbeiße ich mir, renne ohnehin schon seit Tagen rum wie ein aufgescheuchtes Kaninchen. Ha! Prima. Auch das noch.

Über meinen eigenen doofen Witz die Mimik verziehend, bemerke ich nur am Rande, wie das Paar mir gegenüber Blicke austauscht. Selene zupft seine graue, dünne Jacke zurecht.

„Abel, du setzt dich unter Druck“, offenbart er mir nun etwas entschiedener. „Und ihn gleich mit. Dass die Kolonien zerstört wurden, ist für ihn natürlich ein Problem. Er kann nicht zurück und seine Familie ist…“ Er stoppt, blickt sich kurz um, ehe er leiser fortfährt: „… vom Erdboden verschluckt.“

„Er wollte nie dorthin zurück, aber“, erwidere ich leise, „ich schätze, es war immer noch sein zu Hause. So ätzend es auch war.“

Helios hatte sich bis jetzt zurückgehalten. Nun aber tritt er stumm zu einem Aufbau auf der anderen Seite des Ganges, schnappt sich eine Packung hartgekochter bunter Eier und hält sie mir lächelnd unter die Nase. „Dann nimm zumindest die mit. Sie sind wenigstens nicht nur kitschig.“ Seine Mundwinkel zucken.

„Essen löst bei dir auch alle Probleme, seitdem der Krieg vorbei ist, oder?“, fragt Selene ihn auffallend ironisch und stößt ihm leicht den Ellenbogen in die Seite. Wenn ich nicht so verflucht verzweifelt gewesen wäre, hätte ich über die Situationskomik gelacht.

„Ich bin mir immer noch sicher, dass das Essen der Navigatoren genießbarer war als unseres.“ Helios neigte den Kopf, warf vielsagende Blicke zurück.

„War es nicht, du bist nur verfressen…“

„Hört schon auf. Ich brauche immer noch ein Ostergeschenk für ihn. Und ihr wolltet mir helfen!“ Ich stemme eine Hand in die Seite und bringe unsere beiden Freunde damit endgültig zum Verstummen.

„Hasenpuschel“, wirft Helios wieder in den Raum und lacht leise auf, bevor er mir viel zu gut gelaunt den Wagen entzieht und vorfährt. „Ich glaube, du hast genug Deko.“

Mein Schamgefühl ist so nett, mich zumindest rosa anlaufen zu lassen. „Helios!“

Selene schnaubt. „Vielleicht solltest du auf ihn hören, Abel. Ich hab so das Gefühl, er kennt Cain ziemlich gut.“ Das unterschwellige Sticheln ignoriere ich. Nein, ich werde mir nun keine Gedanken darum machen, dass uns meine Gehirnwäsche fast alle den Hals gekostet hätte. Und auch nicht, was mein Partner in der Zeit zum Frustabbau so getrieben hat. Ich bin durch damit. Und ein dämliches Ostergeschenk brauche ich immer noch.

~




Ich sollte es wohl einfach lassen. Ums Verderben ist es uns nicht gelungen, ein anständiges Geschenk für meinen Liebsten zu finden. Helios hat derart andere Vorstellungen als ich, dass wir einfach auf keinen grünen Zweig gekommen sind. Nun ist Karfreitag, die Geschäfte sind geschlossen und ich habe es allenfalls geschafft, ihm eine Kleinigkeit zu besorgen. Am Morgen habe ich die gesamte Wohnung dekoriert und Himmel, vielleicht haben unsere Freunde recht: Ich habe übertrieben.

Draußen schüttet es wie aus Eimern und eigentlich bin ich heilfroh, dass die Werkstatt, in der Alexei arbeitet, noch bis Mittag geöffnet hat. Eigentlich, weil ich noch bei Helios und Selene vorbeigefahren bin, um von ihnen ein Geschenk einzusammeln. Für meinen Freund. Ganz sicher, was ich davon halten soll, bin ich nicht. Doch was mich viel mehr nervt: Der Rückweg ist eine Katastrophe. Es schüttet wie aus Eimern und ich sehe die Straße vor mir kaum. Die anderen Fahrer tun so, als hätten sie noch nie hinterm Steuer gesessen und das erste Mal seit Kriegsende denke ich mir, dass ich die Reliant zurückwill. Wirklich.

Viel zu spät biege ich in unsere Straße ein, poltere durch die Schlaglöcher und ignoriere, dass das Geschenk von Helios und Selene auf dem Beifahrersitz hin- und herhüpft. Mein Parkplatz ist mal wieder zugeparkt, die Massen an Wasser auf der Straße lassen die Reifen meines Wagens eher schwimmen als alles andere und als ich endlich einen Parkplatz finde, fängt es an zu gewittern. Was für ein blöder Tag.

Ich schnappe mir das Geschenk, hole einmal tief Luft und verlasse den Kombi, den mein Vater mir nach unserer Aussprache überlassen hat. Reden wir nicht darüber, dass es ganze drei Tage bis zum nächsten Zerwürfnis gedauert hat. Scheinbar ist ein „Hey Vater, das ist mein Partner, Alexei“, nicht so gut angekommen. Sei es drum.

Als ich Minuten später durchnässt bis auf die Unterwäsche die Wohnungstür aufschließe, höre ich ein Rumpeln aus dem Wohnzimmer.

„Bin wieder da“, rufe ich durch die Wohnung und gebe mir Mühe, meinen Unmut zu verstecken. Immerhin kann Cain nichts dafür, dass meine Bemühungen ins Wasser gefallen sind. Und es dauert nur Sekunden, bis derselbe im Türrahmen erscheint. Gerade entledige ich mich meiner Schuhe, als er mich völlig aufgebracht mustert.

„Ethan… Was zum Teufel ist mit unserer Wohnung passiert?“ Seine Stimme klingt höher als üblich und er breitet demonstrativ die Arme aus. „Hier sieht’s aus wie in ’nem fucking Viehstall!“

Tief hole ich Luft, schiele ihn an. „Ich bin auch froh, dich zu sehen.“ Damit habe ich ja irgendwie gerechnet. Und ich bin vorgewarnt worden. Kein Ding und es geht mir schließlich nicht darum, dass er das schön findet, sondern darum, möglichst viel Alltag zu schaffen.

„Wo hast du geparkt?“, fragt er mich nun auf einmal aus der Reserve gelockt, beäugt mich noch einmal.

„In der Parallelstraße. Vor dem Kindergarten.“ Ich seufze und hänge meine Jacke auf. Mir durch die Haare streifend, trete ich auf meinen Partner zu. Normalität wahren, Ethan. Einfach nichts anmerken lassen. Also ringe ich mich zu einem Lächeln durch, trete nonchalant vor ihn und drücke ihm einen Kuss auf die Lippen. „Frohe Ostern, Alexei.“ Ich weiß, dass ich zu früh dran bin. Zwei Tage, um genau zu sein. Gerade sehe ich aber darüber hinweg.

Überfahren taxiert er mich und erwidert verspätet den Kuss. „Frohe – hä?“

„Es ist Karfreitag. Ostern. Deshalb sieht die Wohnung auch so aus“, kläre ich ihn auf und drücke ihm das bunt verpackte Päckchen in die Hände. „Das ist von Helios und Selene.“

Verwirrt zieht er die Augenbrauen zusammen, nimmt das Geschenk entgegen und rümpft die Nase. „Ich hab keinen Dunst, wovon du redest“, gibt er beinahe entnervt schnaubend zu. „Und… dan… ke?“

Ich bin bereits auf halbem Weg in die Küche, wo ich mein Päckchen für ihn gebunkert habe, halte dann aber schlagartig inne. „Du hast-“ Ich stockte und langsam dämmert mir etwas. „Ostern?“, versuche ich es noch einmal und lehne mich in den Türrahmen, während Cain seine Aufmerksamkeit dem Geschenk widmet.

„Ist das ein Volksfest? Gibt’s heut überall Eier und Hasenbraten? Ethan, ich bin nicht auf der Erde aufgewachsen!“, erinnert er mich murrend.

Oh. Damit habe ich nicht gerechnet und stiere ihn überfahren an.

„Und du hast mir immer noch nicht erklärt, was mit unserer Bude passiert ist!“

„Du hast heute früher frei und weißt nicht mal, warum?“, frage ich ungläubig.

„Nee, wieso? Stell keine doofen Fragen und sag mir endlich, was hier los ist. Du guckst mich an, als wär ich dämlich!“

Einen Augenblick brauche ich, um mich zu fangen. Dann huscht mir ein entschuldigendes Lächeln über die Lippen. „Ostern ist ein religiöses Fest, das wegen der vermeintlichen Auferstehung von Jesus Christus gefeiert wird“, erkläre ich ihm knapp. „Warte hier.“ Mit einer knappen Handgeste lasse ich ihn im Flur zurück und gehe endgültig in die Küche, um das Geschenk zu holen.

„In den Kolonien nannte man sowas Sekte!“, ruft er mir unbegeistert nach und ich lache leise.

„Nicht jeder glaubt an das Christentum! Aber das Fest wird trotzdem gefeiert“, versuche ich es noch einmal etwas lauter und krame die kleine Schatulle aus der hintersten Ecke des Küchenschranks.

„Nur bei uns zu Hause oder was? Wir haben verfluchte Eier in der ganzen Bude und Kaninchen an den Fenstern!“ Seine verzweifelte Stimme kommt näher. „Was hat das mit der Auferstehung von irgendeinem Heiligen zu tun?“

Ich zögere und richte mich langsam auf, schließe die Tür des Schrankes. So wirklich beantworten kann ich ihm die Frage nicht. „Spielt das denn eine Rolle?“ Über die Schulter blicke ich ihn an. „Und nein, natürlich nicht nur bei uns. Wie gesagt: Die Werkstatt ist deshalb geschlossen.“

„Da hingen aber keine Eier an den Autos“, muss er noch einmal betonen. Ich beiße die Zähne zusammen, schmollend. Der Kerl treibt mich in den Wahnsinn. Geräuschvoll atme ich aus, drücke ihm nach zwei großen Schritten sein Geschenk in die Hand – eine Panzerkette mit einem Ring und einer Gravur des Datums, an dem wir uns laut irdischer Zeitrechnung kennengelernt haben. Total schnulzig, wahrscheinlich wird er es ohnehin blöd finden. Meine Laune kann kaum schlimmer werden.

„Mach es einfach nicht kaputt und freu dich.“ Ich sehe ihm die Frage ‚Und warum bekomme ich Geschenke, wenn irgendwer aufersteht‘ schon an. Mein Blick verhindert, dass er es wagt, die Frage auszusprechen. Wahrscheinlich bin ich zu verständnislos – immerhin hat er keine Ahnung. Trotzdem fühle ich mich fast genauso dumm wie er.

Damit lasse ich ihn in der Küche zurück und gehe ins Wohnzimmer, wo ich mich mit meinem Handy aufs Sofa sinken lasse. Eigentlich bin ich erwachsener als das, vermutlich sind die letzten Wochen einfach zu anstrengend gewesen.

Ich öffne eine Nachricht von Helios, in der er sich für irgendwas entschuldigt, nachdem ich kurz meine Arbeitsmails vom Vorabend gecheckt habe. Gerade versuche ich noch, nachzuvollziehen, was er von mir möchte, als der Schwarzhaarige etwas ruhiger den Raum betritt. Ganz langsam hebe ich meine Augen von dem Gerät und beobachte, wie er sich den Nacken reibend zur Couch kommt. Zunächst stumm setzt er sich zu mir, nur, um dann einen Arm um meinen Hals zu legen und mich näher zu ziehen. Ein Kuss auf meine Schläfe folgt, wieder tonlos. Seine Art sich zu bedanken, nehme ich an.

Um ihn nicht dazu zu zwingen, sich die Blöße zu geben, drücke ich kurz mein Kopf gegen seinen. „Gern geschehen“, schmunzle ich etwas versöhnter als zuvor. „Du hast deine letzte verloren, deshalb“, beginne ich etwas unsicher, „dachte ich mir, dass ich damit nicht so ganz viel verkehrt machen kann.“ Mit gesenkten Augenlidern meide ich seinen Blick. Und überspiele hoffentlich, wie einfallslos ich die Idee selbst finde.

Ein tiefes Auflachen schält sich aus Alexeis Kehle. „Die Kette ist cool, mach dir nicht in die Hose. Aber ich bin mir nich sicher, wer von euch das Fest falsch verstanden hat.“ Seine Stimme klingt viel zu amüsiert. Und als ich verdutzt wieder aufblicke, muss ich mit aufsteigender Peinlichkeit den Plug mit Hasenschwanz erkennen, den er mir in der geöffneten Handfläche hinhält – samt einem Zettel mit der Aufschrift ‚Hielt das für eine gute Idee. Viel Spaß – Helios‘.

Die Emotionen, die innerhalb von Sekunden in mir hochkriechen, sind derart gemischt, dass ich keinen klaren Gedanken fassen kann. So lange, bis ich laut fluchend aufspringe. Ist das sein verfluchter Ernst?

„Ich fasse nicht, dass er das getan hat!“ Mein Gesicht hat sicherlich eine ungesunde Farbe angenommen und Cain rutscht lauthals lachend an der Sofalehne hinab.

„Genau mein Humor!“

„Ihr seid unmöglich“, schnaube ich mit verschränkten Armen.

„Seit wann bist du so verklemmt?“

„Ich bin nicht verklemmt! Ich wollte mich nur ausnahmsweise…“ Ja, was eigentlich? Ich schaffe es nicht, meinen Satz zu beenden. Alexei richtet sich auf und zieht mich am Arm auf seinen Schoß.

„Keep cool.“ Im Kreuz holt er mich näher und drückt seine Nase gegen meine Wange. „Ich find’s ziemlich amüsant.“

Und es ist genau das Ziel gewesen, oder? Ihm bessere Laune zu bescheren und Alltag zu schaffen. Wahrscheinlich haben wir genau das geschafft. Ich schürze die Lippen, stoße den Atem aus und hauche ihm den nächsten Kuss auf die Lippen.

„Das war nicht mein Plan“, gebe ich zu.

„Oh, also ich finde, das hier“, beginnt er und hält mir erneut den Plug unter die Nase, „würde dich ziemlich gut in die Dekoration eingliedern, Häschen.“ Da geht es wieder los. Und ich habe gedacht, ich wäre unverbesserlich.

Kurzerhand schiebe ich eine Hand zwischen unsere Gesichter und drücke sie ihm vor den Mund. „Oder dich. Und wenn du noch ein paar der Möhren essen würdest, die ich mitgebracht habe, wären deine Augen nächstes Jahr gut genug, um zu sehen, dass es überall osterlich dekoriert ist und nicht nur in unserer Wohnung.“ Beinahe lasziv beäuge ich seine verdatterten Gesichtszüge. Nur, um dann aufzustehen.

„Ruf Helios an und bedank dich. Und sag ihm direkt, dass er scheinbar recht hatte. Ich geh kochen.“

„Vor Wut?“

„Nein, die Möhren!“ Zumindest weiß ich jetzt, dass ich mir die dämliche Deko an Weihnachten sparen kann.