Violettes Schicksal

von DSpyro
GeschichteFantasy, Freundschaft / P16
Cynder OC (Own Character) Spyro
27.03.2018
03.09.2018
5
5.913
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
27.03.2018 1.633
 
Geschichten aller Art ranken sich um die Drachen - darunter gibt es welche, die von mutigen und heldenhaften Kriegern handeln, solche, die mit einer fröhlichen Zukunft geendet haben und auch jene, deren Hintergrund für die meisten Drachen nicht greifbar ist. Die meisten von ihnen sind einfach zu naiv, um den ganzen Sinn dahinter zu verstehen. Sie fürchten sich vor dem, was geschehen ist und was geschehen könnte. Alles Neue lehnen sie ab, weil sie es nicht kennen, weil sie es nicht verstehen. Doch wie soll man so etwas auch verstehen?

Die Geschichte der lila Drachen ist wahrscheinlich eine der unbegreiflichsten Storys überhaupt. Vor langer Zeit wurde der erste geboren mit dem Namen Malefor und dieser war für das vermutlich größte Massaker in der Historie der Drachen verantwortlich. Dabei hätte er das Potenzial gehabt, einer der größten, wenn nicht sogar der größte Krieger im Dienste der Drachenstadt zu werden. Doch er entschied sich stattdessen für das Böse und die Zerstörung - diesen Pfad betrachtete er als seinen eigenen an. Jahrelang herrschte ein furchtbarer Krieg, der erst beendet werden konnte, als der zweite geborene lila Drache, mit dem Namen Spyro, im Verlauf der Geschehnisse eine mehr als nur tragende Rolle spielte und Malefor ein für alle Mal vernichten konnte. Das jedoch konnte er nicht allein schaffen, denn an seiner Seite kämpfte ein Drachenweibchen namens Cynder. Diese wurde Jahre zuvor, als sie noch nicht einmal aus ihrem Ei geschlüpft war, von Malefor auf die dunkle Seite gezogen, bis Spyro sie davon befreien konnte und gemeinsam bekämpften sie ihn.

Seit dieser Zeit herrschte lange Zeit Frieden in der Drachenstadt Warfang, doch wie es doch immer so schön heißt - 'Nichts währt ewig!'
So war es auch diesmal, denn der Frieden beinhaltete für die Drachenstadt auch so manche Tücken. Die Stadt blühte regelrecht auf, ein gesundes Wirtschaftssystem entwickelte sich innerhalb der riesigen Mauern und man bestimmte einige der stärksten Krieger unter den Drachen als eine Art Wächter der Stadt, welche dafür sorgten, dass Recht und Ordnung Einzug hielten. Die damaligen Wächter Terrador, Volteer und Cyril wurden in eine Art Ratssitzung umgewandelt, die bei schwer wiegenden Entscheidungen als Gremium fungierten. Zu diesen gehörten auch Spyro und Cynder. Ihre Meinung war für alle anderen bindend, da ihnen trotz ihres jungen Alters eine große Weisheit zugesprochen wurde. Die Wächter unterstützten diese Meinung, da sie selbst mit eigenen Augen gesehen hatten, wozu die beiden Drachen in der Lage waren und welche Macht sie bereits besaßen. Jedoch war das Bekleiden dieser hohen Positionen nicht folgenlos. Die Wächter der Stadt begannen nach einiger Zeit ihre Stellung und ihren Rang zu missbrauchen und sich selbst als besser gestellte Bürger zu betrachten. Jedoch, die Mitglieder der Ratssitzung verhielten sich noch schlimmer. Mit dem Tod des ehemaligen Erdwächters Terrador an Altersschwäche und den krankheitsbedingten Ausfällen von Volteer und Cyril mussten neue Mitglieder für diesen Rat bestimmt werden. Diese Aufgabe fiel natürlich Spyro und Cynder höchst selbst zu. Sie stellten den Rat nach ihren eigenen Vorstellungen zusammen und leiteten diesen als eine Art vorsitzende Entscheidungsträger. Doch ihre hohe Stellung ließ auch ihren Charakter eine Änderung durchlaufen. Spyro übernahm bald die gesamte Kontrolle über den Rat, da er sich selbst als das mächtigste Wesen der Welt betrachtete, dem niemand das Wasser reichen könnte. Dies ließ ihn egoistisch und herrisch werden, was auch seinen Entscheidungen, die er traf, nicht unbedingt zum Guten verhalf. Cynder hatte anfangs versucht auf ihren Gefährten noch einzuwirken, doch all das war ohne Erfolg. Er hatte sich abgegrenzt von ihr, was ihr das Herz brach. Sie zog sich aus dem Rat zurück und lebte von nun an ihr Leben in Einsamkeit und tiefer Verbitterung gegen alles und jeden.

So entwickelte sich Warfang zu einem Territorium, welches zwar äußerlich den Anschein nach Wohlstand und Geborgenheit erweckte, doch wer hinter die Fassade blickte, erkannte schnell die wahren Werte, die im Inneren zählten. Selbstverständlich litten viele der Bewohner unter diesem Zustand, besonders für die Maulwürfe war es unerträglich, denn wie hätten sie sich gegen die Drachen zur Wehr setzen sollen? Sie fügten sich in ihr Schicksal und duldeten die Handlungen der Drachen, da sie diese Stadt mit ihren eigenen Händen erbaut hatten und eine Flucht für sie daher nicht infrage kam. Geregelte Abläufe und harte Entscheidungen durch einen tyrannischen lila Drachen an der Spitze eines Systems, das dem einer Diktatur inzwischen sehr nahe kam - dieses Bild vermittelte Warfang über Jahre. Doch es sollte anders kommen.

Alles begann damit, dass in der Geburtskammer im Stadtinneren die Eier der Neugeborenen für ein weiteres Jahr des Drachen versammelt wurden und dabei herrschte große Aufruhr, denn ein Ei war darunter, welches ganz besondere Aufmerksamkeit erweckte.
"Sarkis, LOS! Erstatte dem Rat Bericht, was hier vor sich geht! Sie müssen es sofort erfahren!", rief ein groß gewachsener brauner Drache mit gelben Strichen auf seinen Schuppen.
"Ich bin schon auf dem Weg, keine Sorge."
Sarkis hingegen war ein Schwächling, eine Art Bote unter den Drachen. Wann immer es eine wichtige Nachricht zu übermitteln gab, war er derjenige, der für diese Aufgabe bemüht wurde. Seine Schuppenfarbe war in einem sehr hellen Grün gehalten, in das sich vereinzelt dunklere grüne Tupfen mischten. Es sah ein wenig merkwürdig aus.
Nichtsdestotrotz eilte er nun im schnellsten Tempo in Richtung der Ratskammer, um die Mitglieder über die momentane Situation aufzuklären. Die Ratskammer bildete das mit Abstand größte Gebäude der Stadt und deren Fassade war reichlich geschmückt und verziert mit architektonischen Bauwerken und einigen Girlanden. In der Mitte prangte ein riesiges Logo, auf dem ein Drache abgebildet war, der seine rechte Vorderpfote auf die Brust gelegt hatte. Darunter war in goldenen Großbuchstaben eingraviert: 'Stets für das Wohl aller!'
So lautete das Motto des Rates - na ja, sagen wir lieber, so sollte das Motto lauten.
Sarkis jedenfalls kam in schnellem Tempo durch den Lufteingang in das Gebäude geflogen und bat darum den Ratsmitgliedern Bericht zu erstatten. Kurze Zeit später stand er in einem Raum, in dem kreisförmig mehrere Sitzgelegenheiten für die Mitglieder des Rates zur Verfügung gestellt wurden und direkt geradezu war eine leichte Erhöhung eingelassen, die beinahe wie die Treppe zu einem Thron wirkte. Am Ende dieses Anstiegs saß Spyro und schaute abwertend auf den Botendrachen hinunter.
"Bote...berichte, was du zu erzählen hast!", sprach der lila Drache in hochnäsigem Ton.
"Lord Spyro - verzeiht mir, dass ich euch stören muss, aber es ist sehr wichtig. Es geht um die Eier in der Geburtskammer."
Sarkis legte eine kurze Pause ein, da er mit einer Reaktion von Spyro rechnete, doch diese blieb aus.
"Unter ihnen befindet sich das Ei...von einem weiteren lila Drachen."
Spätestens jetzt erwarte der grüne Drache irgendeine Regung des lila Drachen, der dort ruhig und gelassen auf seinem "Thron" saß - doch wider Erwarten regte sich in seinem Gesicht nicht das Geringste. Trotzdem erhob er sich nun langsam und kam auf Sarkis zu, allerdings mit sehr gemächlichen Schritten.
"Deswegen bist du also hierhergekommen, ja?", fragte Spyro den Botendrachen, der sich nun am liebsten einfach irgendwo verkrochen hätte, denn die imposante Gestalt des lila Drachen machte ihm Angst und die Tatsache, dass er so ruhig blieb, löste seine Angst nicht wirklich auf. Im Gegenteil - es beunruhigte ihn nur noch mehr.
"E...Es...tut mir Leid, L-Lord S-Spyro, aber ich dachte, dass..."
"SCHWEIG!", brüllte ihn Spyro an und Sarkis zuckte in sich zusammen.
"Siehst du? Das ist der Fehler bei euch nutzlosem Volk - immer denkt ihr, dass ihr etwas besser wisst. Du wirst mir jetzt gut zuhören, ja?"
Sarkis nickte eingeschüchtert.
"Ich bin ein lila Drache, das mächtigste Wesen der Welt - und als solches bin ich selbstverständlich auch im Bilde darüber, wann eine weitere Geburt eines lila Drachen bevorsteht. Damit will ich folgendes sagen...ich weiß schon seit geraumer Zeit, dass ein lila Drache geboren werden wird. Schließlich passiert in dieser Stadt nichts, ohne dass ich davon etwas weiß - ist das klar?"
"J-ja, euer Lord."
"Gut...und nun verschwinde gefälligst! Ich muss noch über einige Dinge nachdenken."
"Natürlich...und bitte verzeiht, dass ich euch gestört habe."
Spyro warf Sarkis noch einmal einen finsteren Blick zu, ehe dieser schnell das Weite suchte.
"Nur von Idioten bin ich hier umgeben...wenn ich nicht wäre, würde diese Stadt schon längst dahingeschieden sein und trotzdem muss ich mich immer noch mit solchem Pack abgeben. Es ist wahrlich eine Schande."
Er ging zu einem Buch und stöberte etwas darin. Dies tat er allerdings nur kurz, ehe er sich wieder abwandte.
"Cynder?...CYNDER! Wo steckst du?"
Die schwarze Drachin kam wenige Augenblicke später herein.
"Du hast mich gerufen - was gibt es?", sagte sie mit emotionsloser Stimme.
"Was machen die Vorbereitungen für das Fest zum Jahr des Drachen? Sind sie fertig?"
"Natürlich, alles so wie du es gewünscht hast."
"Ausgezeichnet, schön zu sehen, dass es hier ja doch noch fähige Kräfte in meinen Reihen gibt."
Cynder wollte sich bereits abwenden, als sie aber von Spyro zurückgerufen wurde.
"Wo willst du denn schon wieder hin? Möchtest du mir nicht ein wenig Gesellschaft leisten?"
"Und wozu das?"
"Einfach, dass wir wieder ein wenig Zeit miteinander verbringen können. Wir sehen uns ja kaum noch."
"Tut mir leid, aber ich muss jetzt gehen."
"Was ist denn nur los mit dir? Du hast dich in den letzten Jahren so verändert?"
"Ach wirklich? Guck mal lieber in den Spiegel, dann weißt du, was Veränderung bedeutet!", sagte Cynder ein wenig wütend und trabte von dannen.
Spyro hingegen seufzte nur.
"Sie versteht es einfach nicht - alles, was ich tue, dient dem großen Ganzen hier. Manches mehr und manches eher weniger. Ich hoffe, dass sie es eines Tages verstehen wird."
Review schreiben