Aphantochilus

KurzgeschichteFantasy, Übernatürlich / P18
25.03.2018
25.03.2018
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Aphantochilus

Irgendwo in Franka, 2513
Klopf, klopf, klopf. Aphantochilus schrak hoch und stellte fest, dass er zwischen Maries wunderbaren Brüsten eingeschlafen war. Im Rücken kuschelte sich das andere Mädchen an ihn. Er hatte sie gestern Abend nur dazu geholt, damit die burschikose Marie nicht herausbekam, dass er sie bevorzugte. Es hätte dem Ego des 16 Winter jungen Mädchens nicht gut getan, wenn sie wüsste, dass der Champion des Stammes auf sie stand. Er hätte sie am liebsten nochmal genommen, aber die Ältesten hatten ´nen Auftrag für ihn.
Er sollte eine Truppe Glatzen und Nasenringe in die Kolonie bringen, damit sie etwas aus einer verschollenen Forschungsstation bergen könnten. Er hasste diese Aussenwelter, die ihre Lebensweise nicht verstanden und verurteilten.
Es klopfte wieder: „Bitte, Aphantochilus, die Herren warten“, meldete sich die Stimme seiner Dienerin. Genervt stand er auf, allerdings nicht, ohne Marie die Brüste zu kneten. Sie stöhnte lustvoll auf: „Noch eine Runde, René?“ Sein Geburtsname. Nur Marie nannte ihn so und erinnerte ihn daran, dass er seine Ahnen nicht enttäuschen durfte. Durch ihm ging es der Sippe gut. Der Aphantochilus brachte Harmonie und Wohlstand.
Die Arschgeigen warteten in der Mitte der Siedlung. Vier Spitalier und drei Wiedertäufer. Zwei der stinkenden Nasenringe brachen in schallendes Gelächter aus, als sie ihren Führer, den Champion des Stammes, erblickten. René war weder unglaublich muskulös noch groß. Aber physische Stärke war in Franka nichts.
Er spürte, wie der Anführer der Truppe – ein faltiger Spitalier – die Nasenringe zum Verstummen brachte und ihm, den unscheinbaren Jungen, das Wort überließ: „Ich bin der Aphantochilus dieses Stamms und werde euch sicher zu der Ruine bringen. Allerdings gibt es eine Regel: Die Kolonie ist ein Ort des Friedens, der nicht gestört werden darf!“, er blickte ihre Brenner und Fungizid-Gewehre an. Sie protestierten lautstark, aber gaben schnell nach. Mist! Sonst hätte er ohne Probleme ablehnen können, sie zu führen.
Die Glatzen und Nasenringe versiegelten ihre Rüstungen und setzten Gasmasken auf. Vier der Männer schleppten eine klobige Metallkiste, um später die Schätze aus der Ruine verstauen zu können.
Weit außerhalb der Siedlung, holte Aphantochilus eine Flasche hervor. Der Inhalt war eine Mischung aus Alkohol und Pheromonen aus der Kolonie. Durch das Auftragen der Flüssigkeit wurde aus der Krabbenspinne Aphantochilus ein Ameisensoldat der Königin. Sein Körper war gegen Pheromone immun und da er keine eigenen produzierte, übernahm er einfach die aufgetragenen Pheromone. Diese Fähigkeit war es, die René viele Rechte, aber auch Pflichten bescherte, die den Fortbestand seiner Sippe sicherten. Aussenweltler nannten ihn oft einen Unberührbaren und ein Arzt nannte es Erb-Krank-Heit, aber das ist alles Quatsch.
In der Kolonie wichen Ameisen, Wespen und Glühkäfer dem Trupp aus. Insektenschwärme spalteten sich vor der Gruppe auf, um sich hinter ihnen wieder zu vereinen.
René mochte die Ausflüge, in die Kolonie. Normalerweise führte er Händler oder stibitzte der Königin ihr Sekret, welches die Ältesten teuer gegen Waffen bei den schwarzen Männern eintauschten. Diesen Auftrag wollte er nur schnell hinter sich bringen.
Die Ruine war gut versteckt. Zu gut. Ein ungutes Gefühl durchzog seine Eingeweide, aber auch hier teilten sich die Insektenmassen wie gehabt auf und er führte die Expedition immer tiefer in das zerfallende Gebäude hinein.
Plötzlich ging es nicht mehr weiter. Die Tür zum nächsten Raum wurde von zwei einschüchternden Menschen bewacht – Drohnen.
Zusätzlich dazu warteten hunderte Dinoponera-Ameisen hinter ihnen. Aphantochilus kannte diese Art aus den staubigen Büchern seines Urahns, die er auswendig lernen musste. Die größte Ameise des Planeten, welches ein Gift verwendete, von dem man sagte, es würde das der berüchtigten Gewehrkugel-Ameise Paraponera übertreffen.
Stinkender Nasenring Nummer 1 wollte schon sein Schwert ziehen, als Aphantochilus selbstbewusst auf die Drohnen zuging. Sie ließen ihn nicht durch - ihm blieb heute auch gar nichts erspart. Er packte die männliche Drohne am Hinterkopf, zog sie zu sich und küsste sie. Somit bewies er ihnen eindeutig, zum Schwarm zu gehören. Beide Drohnen und die Dinoponera gaben den Weg frei. Hinter der Tür befand sich ein Raum mit einer gewaltigen Bienenwabe, in der ein Mädchen von Maries Alter schlief. Die Drüsen an ihrem Körper verrieten ihre Bestimmung: „Eine zukünftige Königin. Eine Nymphe!“, entkam es Aphantochilus.
Unbeeindruckt stießen ihn die Glatzen zur Seite und stellten den Kasten vor der Wabe auf. Der Anführer betrachtete die Nymphe und murmelte etwas von „herausholen“. Ihm wurde übel. Sie wussten von Anfang an von ihrer Existenz und wollten sie mitnehmen. Was würde passieren?
Die Trauer der Königin! Ihre Wut! Insekten durchsuchen das Umland und töten alles auf der Suche nach der Nymphe. Er hat geholfen! Er ist ein Verräter! Blut! Seine Sippe! Tod!
Er bat in Gedanken seinen Urahn, dass Marie seinen Sohn unter ihrem Herzen trug.
Stinkenden Nasenring Nummer 3 fiel es zu erst auf.
Aphantochilus richtete seinen Revolver nicht auf die Truppe, sondern auf sich. Den metallischen Lauf an der Schläfe, liefen ihm Tränen die Wangen runter. Lächelnd sagte er sehr ruhig: „ Geht von ihr weg und verlasst die Kolonie.“ Schallendes Gelächter. Der Anführer sagte ebenfalls ruhig: „ Junge, das hat doch keinen Sinn. Deine Pheromonspur liegt auf uns, wir kommen auch ohne dich hier raus.“
„ Ihr Gummiglatzen glaubt wirklich, ihr wisst alles“, spottete Aphantochilus, „ Als ich die Drohne vor der Tür geküsst habe, hab´ ich die Pheromone übernommen, die die Königin ihren besten Kriegern gegeben hat. Was glaubt ihr, was ich gerade für die Insekten um euch herum bin?“
Der Spitalier begriff plötzlich: „ Nehmt ihm die Waf...!“
Regel Nr. 2: Wird der Friede gestört, muss der Aphantochilus ihn wieder herstellen!
Klick!