Mein Leben an der Hero-Academia

von SuYuki
GeschichteRomanze, Freundschaft / P16
OC (Own Charakter) Shoto Todoroki
25.03.2018
11.09.2019
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Hey!

Mein Zeitplan ist gerade sehr voll, daher hoffe ich, dass ich im September noch ein Kapitel posten kann, aber ich bezweifle es. O.o

Dennoch wollte ich heute kurz ein sehr wichtiges Anliegen ansprechen. Ich hatte es bis jetzt vermieden, jedoch wird die Geschichte immer beliebter und das Problem immer schlimmer. Ich bekomme sehr viele Nachrichten privat, was mich unglaublich freut. Einige davon sind wirklich sehr süß und motivierend, aber leider bekomme ich mittlerweile zunehmend sehr fordernde, explizite Privatnachrichten. Von "wie alt bist du, wie heißt du eigentlich wirklich, wo wohnst du, wie heißt dein Freund, wann hattest du dein erstes Mal, wie lange hast du gewartet" im Zusammenhang zu "wie lange werden Yukiri und Shoto" warten. Das ist nur ein Ausschnitt aus den Nachrichten, ich hatte teilweise noch viel schlimmere. Und auch wenn ich sage "das beantworte ich nicht" oder sonst was, werde ich zugespamt oder jeden Tag noch mal angeschrieben mit der Bitte es doch zu beantworten. Ich verstehe eine Sache, dass man halt neugierig ist, wer die Person hinter der Geschichte ist, I totally get that, deshalb hab ich die 5 Fragen einmal zugelassen und irgendwann lass ich es wieder zu - die penetrant sexuellen Fragen jedoch nicht. Ich erwähne es hier, weil ich oft stundenlang mit einigen diskutieren muss, warum ich die privaten Fragen nicht beantworten will. Alle Fragen zur Geschichte beantworte ich liebend gern - solange auch hier nicht wieder die Fragen kommen wie "Was denkst du, wie ist Shoto im Bett und was stellt er mit Yukiri an?". Wenn ich irgendwann etwas von mir Preis gebe, mach ich es von mir aus.
Also, ihr könnt mir gern weiter Nachrichten schreiben, solange sie 1. nicht privat und 2. nicht sexueller Natur sind. Ich möchte ungern meine Nachrichtenbox deshalb "schließen". Die meisten, die mir solche aufdringlichen Sachen schreiben, sind sogar meist welche, die noch nie kommentiert, reviewed oder gevoted haben, aber die Geschichte scheinbar seit Monaten verfolgen und gleichzeitig ständig spamend nachfragen, wann es weiter gehe. Wenn ihr die Geschichte unterstützen und meine Motivation ankurbeln wollt, voted, kommentiert, empfiehlt, reviewed. Das ist viel effektiver, glaubt mir. Solche privaten Nachrichten und Mails nagen eher an meiner Motivation, die momentan generell auf einem Tief ist, aber hoffentlich bald wieder auflebt.

Das war es mit diesem sehr unschönen Thema, jetzt noch kurz zu einem anderen: Ich bekomme ja viele Fanarts, die einige sehen wollen und momentan überlege ich noch, wie oder wo ich sie zum Einsehen posten soll. Wenn jemand eine Idee hat, kann er/sie es mir gern schreiben :3. I would appreciate that cause... I'm clueless.

Anyways, that's it. Die nächsten Kapiteln sind definitiv meine liebsten :P.

Viel Spaß beim Lesen!
.


Hina hatte sich tatsächlich von mir trösten lassen, während ihr Vater sich umgezogen hatte, dennoch war sie nicht so offen und definitiv noch ängstlich gewesen. Ihr Gesicht hatte sie beinahe die ganze Zeit in meiner Brust vergraben. Zugegeben, die aufdringlichen Annäherungen meiner Klassenkameraden hatten ihr auch nicht wirklich geholfen. Einzig Midoriya und Todoroki hatten sich zurück gehalten. Letzterer hatte stumm neben mir gesessen und so war auch Hina irgendwann auf ihn aufmerksam geworden. Sie hatte plötzlich stumm ihre Hand ausgestreckt und ihn erwartungsvoll angesehen.

»Lass sie einfach dein Gesicht berühren«, hatte ich ihm auf seinen fragenden Gesichtsausdruck hin geraten, woraufhin er es zugelassen hatte. Was auch immer sie ihm gezeigt hatte, er war rot angelaufen und hatte mich verdutzt angeschaut. Doch weder er noch Hina hatten mir sagen wollen, worum es gegangen war.

Akaya und sie waren noch geblieben, bis sich das Gewitter gelegt hatte. Dann hatte ich ihnen ein Taxi gerufen, da sie nur wegen mir diese ganzen Umständen gehabt hatten. Es war in meinen Augen einfach deutlich angenehmer und wärmer für das kleine Mädchen, wenn sie in einem Auto nach Hause gebracht wurde, ohne befürchten zu müssen, dass es auf sie wieder regnen könnte.

»Das war wohl ein Schock für alle«, meinte Mizuki belustigt.

Es war schon recht spät, doch da am nächsten Tag Sonntag war, durften wir länger aufbleiben ohne uns um die Iidapolizei Sorgen machen zu müssen. Deshalb war Mizuki noch auf mein Zimmer gekommen, sodass ich ihn von dem Besuch bei meinem Vater berichten konnte.

»Dabei sollte ihnen bewusst sein, dass wir alle momentan bereits in der Lage sind Kinder zu bekommen«, merkte ich an und drehte mich auf meine Schreibtischstuhl so hin, dass ich meine Beine auf den Tisch abstellen, doch Mizuki, der auf meinem Bett saß, gleichzeitig ansehen konnte.

»Man geht aber dennoch nicht davon aus, dass jemand in so einem jungen Alter ein Kind hat, Yukiri«, sagte er. Ein Schweißtropfen bildete sich auf seiner Stirn. »Und deine und Todorokis Unterhaltung ging wirklich darum... richtig? Ihr plant nicht...?«

»Natürlich nicht!« rief ich entsetzt und ergriff meinen Locher. Bevor ich jedoch eine Dummheit begehen konnte, überlegte ich es mir anders. »Yato, denkst du wirklich, dass ich so etwas machen würde? Du weißt..., dass das ganze Thema momentan noch nichts für mich ist.«

»Wolltest du mich gerade mit deinem Locher abwerfen?«

»Außerdem ist Shoto noch nicht mein Freund«, fuhr ich fort.

»Dir ist bewusst, wie schlimm du mich mit deinem Locher verletzen könntest... richtig?«

Ein herzhaftes Gähnen sorgte dafür, dass ich ihm nicht sofort antworten konnte. »Ich glaube, es ist Zeit schlafen zu gehen. Ich bin ziemlich müde...«

Mizuki seufzte. »Bevor ich es vergesse, dein Todobabe hatte heute ziemlich schlechte Laune.«

Jetzt wurde ich hellhörig. Komisch, vorhin hatte er sie nicht mehr gehabt, doch es war logisch. Er hatte mir ja auch nicht mehr geantwortet.

»Wieso denn?«, fragte ich.

»Keine Ahnung. Er hat aber auch ein paar Mal nach dir gefragt. Ich glaube, er war besorgt.«

Ich seufzte, während ich aufstand, um mich dann auf mein Bett zu schmeißen. Besorgt. Wieso war er immer besorgt um mich? Hielt er mich für so schwach? Ich mochte das nicht wirklich. Die Ereignisse beim Einkaufen hatten wahrscheinlich ein total schwaches Bild von mir bei ihm hinterlassen... Ich musste ihm dringend beweisen, dass ich stark war und etwas drauf hatte.

»Du weißt, wo die Tür ist, Yato. Oder soll ich es dir aufzeichnen?«

»Wieso zur Hölle liebe ich dich eigentlich...?« Belustigt schüttelte er den Kopf, während er aufstand. »Gute Nacht, meine Idiotin.«

»Baka.«
.

Meine Sicht war verschwommen. Sehr verschwommen sogar und die Helligkeit blendete mich ziemlich. Ich versuchte meine Augen zusammenzukneifen, um etwas zu erkennen, doch es half nicht. Ein entferntes, lautes Geräusch, das wie ein Hupen klang, ertönte und ich versuchte mich umzuschauen, um die Quelle ausfindig zu machen. Aber ich erkannte nichts.

»Hey, Mister«, hörte ich plötzlich meine eigene, kindliche Stimme sagen.

Er will dich, Yuna Yukiri.

Mein Blick war noch vorn gerichtet. Ich erkannte die undeutlichen Umrisse eines grauen Anzuges.

»Was machen Sie da?«

Ich blinzelte einmal. Und dann erschien eine ausgestreckte Hand direkt vor meinem Gesicht.

.

Erschrocken riss ich meine Augen auf und setzte mich kerzengerade hin. Kurz wusste ich nicht, wo ich war und konnte mich auch nicht darauf konzentrieren, viel zu sehr versuchte ich erst einmal meine Atmung in den Griff zu kriegen und wartete darauf, dass die Panik sowie das schmerzhafte Ziehen in meiner Brust nachließen.

Es war nur ein Traum. Nur ein bescheuerter Traum.

Ich sah mich um und für einen Moment wusste ich nicht, warum ich nicht in meinem Zimmer war, bis mir einfiel, dass dies doch mein Zimmer war. Mein Zimmer im Wohnheim. Ich wohnte ja nicht mehr zu Hause und irgendwie sorgte es nur dafür, dass sich eine unangenehme Gänsehaut auf meinem Körper bildete. Ich schlug die Decke mit zittrigen Händen zur Seite, stand auf und tapste zur Tür. Im Flur war es genauso wie draußen stockdunkel. Ich wusste nicht, wie spät es war, doch sonderlich lange konnte ich noch nicht geschlafen haben. Vor der Wand zum Jungenflügel blieb ich stehen. Ich wollte hindurch, knallte aber dagegen, weshalb ich mir kurz Zeit nahm, um mich zu sammeln, bevor ich mich dematrialisierte und dann hindurch trat. Ich wollte jetzt auf keinen Fall allein sein, besonders, da ich nicht zu Hause war. Ich brauchte dieses Gefühl gerade ziemlich und so blieb ich vor Mizukis Tür stehen und klopfte vorsichtig an. Keine Antwort. Ich klopfte erneut, nun ein wenig lauter. Wieder nichts. Er schlief definitiv bereits. Ich öffnete daher die Tür und betrat sein dunkles Zimmer. Im leichten Licht des Mondes, das zwischen den Vorhängen hindurch strahlte, konnte ich seine schlafende Gestalt im Bett erkennen.

»Yato?«, flüsterte ich leise, um ihn möglichst nicht zu erschrecken, während ich mich ihm näherte.

Er schlief wirklich wie ein Stein...

Ich beugte mich über ihn, um ihn wachzurütteln, doch kaum hatte ich ihn berührt, riss er seine Augen auf und gleichzeitig seine Hand panisch nach vorne. Sein Luftstoß traf mich mitten in meine bereits schmerzende Brust und ich wurde für einige Sekunden von den Beinen sowie einen Meter in die Luft gerissen, bevor ich schmerzhaft auf ihn landete.

»Yukiri?!«, sagte er erschrocken. »Was machst du denn hier?«

»Krepieren...«

Ich richtete mich auf und rieb mir kurz über die Brust. Dadurch hatte Mizuki die Möglichkeit mich direkt anzuschauen und er schattelte schnell seine Nachttischlampen an.

»Du siehst wirklich gar nicht gut aus«, sagte er. »Du bist total blass. Hab ich dich verletzt?«

Ich schüttelte den Kopf und senkte ihn anschließend. Wie sollte ich es ihm genau erzählen? Von wegen stark sein...

»Yukiri, was ist los?«, fragte er nun um einiges sanfter.

»Ich... hab... schlecht geträumt...«, murmelte ich. Seine Augen weiteten sich entsetzt. »Darf ich bei dir schlafen?«

»Natürlich«, sagte er sofort, rückte etwas zur Seite, damit ich mich neben ihm hinlegen konnte. Er beobachtete mich dabei, wie ich unter seine Decke huschte, während ich mich hinlegte. Ohne zu zögern zog er mich in seine Arme. Erst wollte ich protestieren, ihm sagen, dass es nicht notwendig war, doch als mich augenblicklich das Gefühl von Sicherheit überkam, überlegte ich es mir anders und kuschelte mich stattdessen näher an ihn. Für einige Sekunden sagte niemand etwas. Ich hätte am liebsten meine Augen geschlossen und wäre direkt eingeschlafen, jedoch wusste ich, dass er mir nur kurz Zeit gab, um zur Ruhe zu kommen.

»Besser?«, fragte er leise.

»Besser.«

Er atmete hörbar aus und stütze sein Kinn auf meinem Kopf ab. »Was hast du geträumt, Schwesterherz?«

Genau. Was hatte ich geträumt? Etwas Dämliches und ich wusste leider genau wieso. Weil ich eigenständig agiert und Doc befragt hatte. Akaya hatte sowas von recht gehabt. Noch viel mehr, als mir lieb war. Dieser verrückte Mann war noch eine Nummer zu groß für mich gewesen. Ich hätte dies niemals tun dürfen. Er hatte nämlich sein Ziel erreicht. Es beschäftigte mich. Sehr sogar.

Doch sollte ich es Mizuki sagen? Akaya war bereits sehr wütend gewesen, also würde er wahrscheinlich noch wütender sein. Ich schloss die Augen und atmete ruhig ein und wieder aus. Und darüber reden wollte ich noch nicht.

»Ist schon gut«, flüsterte Mizuki. »Du musst es mir jetzt nicht sagen. Wir können morgen darüber reden. Aber, Yukiri, du solltest wissen, dass du hier sicher bist. Die U. A. ist sicher. Ich bezweifle, dass sich irgendein Monster unter deinem Bett versteckt hat. Außerdem bin ich da. Und... Todoroki leider auch...«

Der noch wütender wäre als du, wenn er wüsste, was ich angestellt hatte, dachte ich. Ich nickte leicht, wobei mein Gesicht gegen sein T-Shirt rieb.

»Danke, Yato...«

»Tut... mir leid... Ich mach mir wirklich Sorgen... Hatte es etwas mit den drei Ty...«

»Nein«, unterbrach ich ihn schnell. »Nein... Das war es nicht.«

»Okay... gut... Es ist nur... Das letzte Mal, als du wegen eines Albtraums zu mir gekommen bist, warst du fünf. Ich dachte sogar, dass du sie ganz cool findest, so locker, wie du mit dem Thema umgegangen bist.«

Ich seufzte. »Langsam ist es gruselig, dass du genau immer mein Alter bei den ansprechenden Ereignissen weißt.«

»Du weißt, wieso ich es genau weiß.«

Natürlich wusste ich es. Ich wusste auch noch, was ich damals geträumt hatte. Es war in der Nacht nach Takukos dämlicher Rache gewesen. Ich hatte geträumt, dass es ihm geglückt war und er Mizuki erfolgreich verschwinden gelassen hat. Normalerweise hatte ich damals auf einer Matratze auf den Boden geschlafen, nicht, weil es uns unangenehm war, sondern einfach, weil wir uns gegenseitig immer aus dem Bett geschmissen hatten. Nach diesem Albtraum hatten wir wieder normal zusammen in einem Bett schlafen können.

»Lass uns einfach nicht darüber reden«, nuschelte ich. »Ich hasse Takuko.«

»Ich hätte nicht gedacht, dass du bei einem Alptraum noch zu mir kommen würdest«, sagte Mizuki und strich mir mit der Hand über meinen Rücken.

Am liebsten hätte ich ihm jetzt gegen seine Brust geschlagen, doch dafür war er gerade viel zu gemütlich. »Wohin sollte ich denn sonst gehen, du Idiot?«

»Todoroki.«

Ich kniff die Augen zusammen. Wegen eines Alptraums mitten in der Nacht zu Todoroki zu gehen und ihn beim Schlafen zu stören? Das stand nicht zur Debatte. Er sollte nicht mehr denken, dass ich schwach war. Außerdem würde er viel eher nachbohren und nicht locker lassen, bis ich ihm alles erzählte. Dann würde er sauer werden, weil ich so dumm war und mit Doc gesprochen hatte... Ich wusste einfach, dass Mizuki die beste Wahl war und ich mich besonders unter diesen Umständen bei ihm am wohlsten fühlen würde. Dieser Idiot war einfach schon jahrelang mein sicherer Hafen und eine Zeit lang sogar der einzige gewesen.

»Hab ich dir eigentlich jemals gesagt, warum ich mich damals mit dir angefreundet habe?«, fragte ich leise und musste leicht lächeln, als das Bild meines grinsenden, damals dreijährigen besten Freundes vor meinem inneren Auge erschien.

»Weil du keine große Auswahl hattest, da dich sowieso alle gemieden haben?«

Ich runzelte die Stirn und schlug meinen Kopf leicht gegen seine Brust. »Ich bin direkt über dein Herz und ich zögere nicht zu zubeißen.«

Mizuki schluckte schwer, bevor er leise lachte. »Das war ein Joke. Also, wieso hast du dich damals mit mir angefreundet?«

»Weil du mein Held warst...«

Er antwortete nicht sofort, sondern schien über meine Worte nachzudenken. Eigentlich sollte er wissen, was ich meinte. Doch, wenn er es nicht tat, bewies es nur meine damalige Vermutung noch mehr, nämlich, dass er der geborene Held war.

»Yukiri, ich bin mir sicher, dass du mich gerettet hast«, sagte er schließlich.

»Das meinte ich nicht«, sagte ich. »Wir sind uns vorher begegnet. Erinnerst du dich nicht?«
.

Die erste Woche im Kindergarten war so gut wie vorbei, doch Yuna war immer noch wie am ersten Tag deutlich anzusehen, dass sie nicht dort sein wollte. Als ihre Mutter sie endlich abholte, hatte sie sofort zum Auto rennen wollen. Aber irgendeine der blöden Erzieherinnen verwickelte sie direkt vor der Tür in ein Gespräch, sodass Yuna nun ungeduldig warten musste und missmutig Steine wegkickte.

»Bis später!«, rief eines der anderen Kinder lachend ihrer Freundin zu, die sie genauso glücklich und winkend verabschiedete.

Freunde... Yunas Vater hatte ihr gesagt, dass sie im Kindergarten ganz viele Freunde finden würde. Doch bis jetzt hat sie nicht einen einzigen. Sie hatte allein Memory und anschließend draußen allein mit dem Ball gespielt. Jetzt trat sie etwas frustrierter gegen einen der Steine. Jedenfalls wollte sie das, aber sie trat stattdessen da drauf, und im nächsten Moment knallte sie schmerzhaft der Länge nach auf den Boden. Ihre Augen füllten sich vor Schreck, der die Schmerzen überwog, mit Tränen.

»Hast du dir wehgetan?«, fragte plötzlich jemand vor ihr. Sie sah auf, nur um in freundliche, mitfühlende, blaue Augen zu schauen. Der kleine Junge vor ihr ergriff wortlos ihre Hände und zog sie auf die Beine. Er klopfte ihr den Dreck von ihrem Kleid, bevor er sie noch einmal anlächelte. Sie sah ihn jedoch nur mit großen Augen an.

»Yato!«, rief eine Frau ihm zu und bedeutete ihm zu ihr zu kommen. Sie schien es eilig zu haben.

Der Junge lief sofort zu ihr und nahm ihre Hand. Yuna sah den beiden nach und zu ihrer Überraschung sah dieser Yato noch einmal über seine Schulter, lächelte und winkte ihr zum Abschied. Zögerlich hob sie ihre Hand und tat es ihm gleich.

»Yukiri, lass uns gehen«, sagte ihre Mutter, die genau in diesem Moment neben ihr erschien. Verwundert sah sie ihre Tochter an. »Wieso ist denn dein Kleid verdreckt?«

Aber diese hörte ihr nicht einmal zu, sondern sah immer noch zur Ecke, um die der Junge gerade verschwunden war.

»Yato«, murmelte Yuna gedankenverloren.

.

Mizuki sagte wieder nichts. Er verarbeitete ihre Geschichte definitiv gerade und sie bereitete sich schon einmal innerlich auf seine dämlichen Sprüche vor.

»Ich erinnere mich nicht daran«, murmelte er schließlich eher zu sich selbst.

»Wir waren drei. Wir werden uns wohl kaum an alles erinnern können«, sagte ich.

»Wieso zur Hölle hab ich dich nicht einfach liegen lassen?!«, seufzte er. »Dann hättest du nie ein Auge auf mich geworfen und ich hätte ein friedliches Leben haben können.«

Ein leises Gähnen entkam mir. Ich wollte nicht wissen, wie spät es bereits war. Ich war einfach viel zu müde, um ihm ernsthaft zu antworten.

»Das frag ich mich auch«, nuschelte ich daher und schloss die Augen. »Du hättest mich wie die anderen Kinder ignorieren und liegen lassen sollen.«

»Hey, hey, Yukiri, das war ein Witz«, sagte Mizuki hastig. »Du weißt, dass meine Liebe für dich unsterblich ist, richtig?«

»Ich versuche sie schon seit Jahren tot zu kloppen. Also ja. Lass mich bitte einfach...«

Ich konnte den Satz nicht einmal zu Ende bringen, da war ich bereits weggeknickt. Und dieses Mal ganz ohne Albträume.
Dementsprechend schlief ich wirklich ziemlich gut und lang, nicht zu letzt, weil mein erholsamer Schlaf zwischenzeitlich unterbrochen worden war. Es war ein lautes Klopfen, das mich am nächsten Morgen unsanft weckte. Da jedoch Mizuki antwortete, scherrte ich mich nicht darum mich zu regen, sondern kuschelte mich weiter an ihn und versuchte wieder einzuschlafen.

»Ist Yukiri bei...?« Diese wundervolle Stimme sprach die Frage nicht komplett aus, sondern brach ab.

Jetzt regte ich mich doch und rieb mir schlaftruckend die Augen, während ich versuchte über meine Schulter zu sehen. Einfach, weil er es war und er scheinbar nach mir suchte.

»Sie ist hier«, meinte Mizuki, der ebenfalls verschlafen klang.

»Ich sehe es.«

Seiner eisigen Stimme nach zu urteilen, war Todoroki mit dem falschen Fuß aufgestanden. Ich setzte mich auf und gähnte herzhaft, bevor ich ihn ansah. Okay, nein, er war mit beiden falschen Füßen aufgestanden. Er sah nämlich angepisst an und betrachtete die Wand, als hätte diese ihn gerade persönlich beleidigt.

»Guten Morgen«, begrüßte ich ihn und fuhr mir über mein Gesicht.

Er sah mich nicht an, doch seine Augen verengten sich leicht.

»Wolltest du etwas Bestimmtes?«, fragte ich.

»Ihr wart nicht beim Frühstück. Daher wollte ich nach dir sehen«, sagte er.

»Dude, sie hatte einen Albtraum«, sagte Mizuki augenverdrehend.

»Verstehe«, murmelte Todoroki. »Ich geh dann..«

»Warte«, sagte ich verwirrt, als er sich zur Tür wandte. »Ist alles in Ordnung?«

Er zögerte kurz. »Ja«, sagte er schließlich schlicht und verließ das Zimmer.

Mizuki stöhnte genervt auf und ließ sich auf seinen Rücken fallen. Fragend sah ich ihn an. Was war gerade passiert? Wieso hatte er so schlechte Laune? Ich seufzte und lehnte mich gegen das Kopfende des Bettes.

»Hab ich etwas Falsches gemacht?«, fragte ich.

Mizuki schüttelte den Kopf. »Nein. Nein, mach dir keine Gedanken darüber. Du hast nichts falsch gemacht. Er hat wahrscheinlich nur schlechte Laune.«

»Okay«, sagte ich mit einem kurzen Nicken.

»Geht es dir besser?«

Ich versuchte mich nicht allzu sehr zu versteifen, um mir nichts anmerken zu lassen. Er würde jetzt, wo es mir definitiv besser ging, nachfragen und eine Erklärung verlangen. Ich war geliefert.

»Jap. Sehr viel besser. Sorry, falls ich dich gestört habe.«

»Dafür bin ich da, Yukiri. Aber jetzt ernsthaft, was hast du geträumt, dass dir so viel Angst gemacht hat?«

Moment... Ich runzelte die Stirn. Er hatte recht. Was hatte ich eigentlich geträumt? Ich erinnerte mich nur noch an Docs Satz. Alles andere hatte ich vergessen, was bei Träumen relativ normal war. Hatten mir Docs Worte allein Angst gemacht?

»Ich weiß es nicht mehr«, sagte ich. »Du hast den Traum wohl aus mir herausgeknuddelt.«

Halb belustigt, halb ernst sah mich Mizuki an. »Bist du sicher?«

»Jap. Keine Sorge, Yatolein. Ich habe den Traum wirklich vergessen. Warum zur Hölle sind Jungs eigentlich so verdammt warm?«

»Was...?«

»Ihr seid warm. Jedenfalls Shoto und du. Es ist so schön neben euch zu schlafen.«

Mizuki zuckte mit den Schultern und stand auf. Er reckte sich erst einmal ausgiebig, bevor er mir antwortete. »Warum seid ihr Mädchen so weich?«

»Wir sind weich?«, sagte ich und erntete dafür ein Nicken. »Naja, könnte daran liegen, dass wir nicht so muskulös sind... Ihr scheint alle eure Körper sehr intensiv zu trainieren... Besonders Shoto... hast du seine Muskeln...?«

»Ah, ah, ah«, sagte Mizuki, gebieterisch den Finger hebend. »Du wirst jetzt nicht von ihm schwärmen. Und ich will nicht wissen, wie Du ihn anschmachtest. Steh lieber auf und mach dich fertig.«

»Es ist Sonntag!«

»Das heißt nicht, dass du in... Yukiri, wessen Kleidung trägst du da eigentlich?«

Ein Schweißtropfen bildete sich auf meiner Stirn und ich lächelte ihn verlegen an. Das reichte, damit er es begriff. Angestrengt schloss er seine Augen.

»Wieso hab ich eigentlich gefragt? Und du trägst sie, weil deine ganzen Sachen auf magischerweise alle in der Wäsche sind, richtig?«

»Nein, nur meine langen Schlafanzüge und falls du es vergessen hast, ich bin gestern durch den Regen gelaufen«, erwiderte ich.

Ein tiefes Seufzen entkam ihm und er nickte einmal. Dann ging er zu seinem Schreibtisch, wo seine Schultasche lag und kramte darin herum. Kurze Zeit später reichte er mir acht Arbeitsblätter, die ich skeptisch beugte. Ich könnte mir denken, was es war, dennoch sah ich ihn hoffnungsvoll an.

»Bitte sag mir da sind Mandalas dazwischen...«

»Sorry, aber nein. Das sind die Sachen, die wir am Freitag gemacht haben und die letzten beiden Zettel sind Hausaufgaben. Noch dazu sollen wir die Matheaufgaben auf Seite zweiundsechzig lösen, im Englischbuch den Text auf Seite fünfzig lesen sowie die Aufgaben dazu bearbeiten und für Moderne Literatur einen Aufsatz über frühere und heutige Literatur schreiben. Ich wünsche dir viel Spaß.«

Ungläubig sah ich ihn an. »Wieso gibst du sie mir dann erst jetzt?«

»Als ob du sie vorher auch nur angeguckt hättest«, schnaubte Mizuki.

»Wer weiß... Ich habe mir vorgenommen mich anzustrengen...« Den letzten Teil murmelte ich eher, aber er hatte ihn trotzdem gehört.

»Du und lernen? Niemals. Woher der plötzliche Wunsch?«

»Shoto ma...«

»Natürlich. Ich muss nichts mehr wissen. Jetzt steh auf. Ist dir überhaupt bewusst, was er gesagt hat?«

Ich ließ das Gespräch noch einmal Revue in meinen Kopf ablaufen und versuchte gedanklich nicht an Todorokis Gesicht heran zu zoomen, was sehr schwer war. Doch als ich die wichtigste Message aus seinem Gesagten schließlich flitterte, wurden meine Pupillen kleiner. Das konnte nicht wahr sein. Wie hatte ich das nicht bemerken können?! Entsetzt sprang ich auf, ergriff Mizukis Schultern und schüttelte ihn.

»Ach, du meine Güte!«, rief ich. »Wir haben das Frühstück verpasst!«
.

»Du stärkst mir schon mein Leben lang den Rücken, selbst wenn ich es nicht will. Du bist immer für mich da, selbst wenn ich es nicht will. Du bleibst stehst an meiner Seite und bist die loyalste Person auf Erden, selbst wenn ich dir physische Schmerzen zufüge. Du hast mich absolut nie im Stich gelassen und jetzt, wo ich dich am meisten brauche... Wieso tust du es jetzt, Mizuki Yato?«

Sein Auge zuckte gefährlich und er musste sich definitiv gerade mächtig zusammenreißen. »Yukiri, ich werde dich nicht abschreiben lassen, also gib es endlich auf!«

Enttäuscht schüttelte ich den Kopf. Nachdem wir Müsli gefrühstückt hatten, weil das Essen von Lunch Rush bereits von einem der Assistentsroboter abgeholt worden war, hatten wir uns an einen der Tische im Gemeinschaftsbereich gesetzt und angefangen unsere Schularbeiten zu erledigen. Mizuki machte seine Hausaufgaben, die er tatsächlich auch bis jetzt aufgeschoben hatte, während ich widerum das nacharbeitete, was ich am ersten Tag aufgrund meines Termins verpasst hatte. Doch ich verzweifelte jetzt schon, mir fehlte aber vor allem die Motivation dafür mich zu konzentrieren. Daher redete ich seit fast fünf Minuten auf Mizuki ein. Dieser hatte ja die Aufgaben schon fertig, mich abschreiben lassen wollte er jedoch trotzdem nicht. Ich hatte bereits jede Masche ausprobiert sowie versucht ihn zu bestechen und ihm sogar gedroht, aber Fehlanzeige. Der Idiot begründete seine mangelnde Bereitschaft Solidarität zu zeigen mit meiner Aussage, dass ich mir vorgenommen habe mich anzustrengen und es daher jetzt tun solle.

»Du bist ein verdammter Verräter«, sagte ich düster und sah wieder auf meine Aufgabenblätter.

»Ich tu dir damit nur etwas Gutes«, meinte er schulterzuckend.

»Ho!«, rief plötzlich eine Stimme aufgeregt und zwei pinke Arme schlangen sich von hinten um mich. »Macht ihr gerade Hausaufgaben?«

»Frewillig würde ich dies zumindest nicht machen«, lachte ich über Ashidos Begeisterung.

Ich sah nach oben, um ihr ins Gesicht schauen zu können. Auch wenn ihre Handlungen und ihre Stimme so voller Elan waren, traf dies nicht auf ihre Mimik zu. Im Gegenteil. Mehrere Schweißtropfen hatten sich in ihrem Gesicht gebildet und sie sah uns schuldbewusst an.

»Ich habe sie auch noch nicht gemacht«, gab sie zu. »Wollen wir sie vielleicht alle zusammen machen?! Das wäre viel lustiger!«

»Ich lasse dich auch nicht abschreiben, Ashido«, sagte Mizuki.

Beleidigt plusterte sie ihre Wangen auf. »Wir können sie wenigstens zusammen lösen!«

»Das können wir. Solange ihr zwei auch aktiv mitarbeitet.«

»Ich frage die anderen, ob sie auch mitmachen wollen! Je mehr, desto besser!«

»Das stimmt«, pflichtete ich ihr bei. Zugegeben, ich hoffte, dass Todoroki mitmachte. Ich hatte ihn, seitdem er aus Mizukis Zimmer gegangen war, nicht mehr gesehen. Es war so bescheuert, dass ich mich bereits jetzt nach ihm sehnte. Daher entschied ich mich möglichst unauffällig zu fragen. »Weißt du eigentlich, wo Todoroki steckt? Ich hatte gehofft, dass er mir in Mathe hilft.«

»Yaomomo sagte, dass er jemanden besuchen gegangen ist«, sagte Ashido nachdenklich.

Jemanden besuchen gegangen... Es war Sonntag und die Maßnahmen, damit er die vorläufige Heldenlizenz auch noch erwerben konnte, würden erst im Laufe der Woche beginnen. Also nutzte er den Tag wahrscheinlich, um seine Mutter zu besuchen. Mich nervte es irgendwie, dass Yaoyorozu Bescheid wusste und ich nicht... Ich wünschte, er hätte es mir gesagt... Etwas enttäuscht darüber war ich schon, doch ich freute mich gleichzeitig sehr für ihn. Ich sollte mich ernsthaft nicht so dämlich anstellen.

»Wo ist denn Ashido?«, fragte ich mich verwirrt umsehend.

Mizuki lachte leise auf. »Sie ist weggegangen, als du in deiner Liebestrance warst, um ihre Sachen zu holen.«

»Ich war nicht in meiner Liebestrance«, sagte ich. »Ich hab nachgedacht.«

»Etwas, was du selten machst.«

»Da sind wir wohl schon zwei.«

»Mach dir keine Gedanken um ihn. Konzentriere dich auf deine Aufgaben, sonst wirst du den ganzen Tag daran sitzen.« Er lächelte mich aufmunternd an, bevor er die momentane Aufgabe weiter bearbeitete.

»Woher weiß du, dass es um ihn ging?«, fragte ich grummelnd.

»Weil es zurzeit immer um ihn geht«, erwiderte Mizuki. »Vorallem, da du es ihm nicht gestehst und solange du es nicht tust, wird sich bei dir gedanklich alles stets um ihn drehen. Noch dazu wirst du bis dahin die ganze Zeit bedrückt sein. Mal mehr, mal weniger.«

Er hatte schon recht. Ich seufzte und stütze meinen Kopf mit meiner Hand ab. Aber ich konnte es Todoroki nicht sagen. Jedenfalls noch nicht. Ich musste erst sicher sein, dass er mich auch mochte. Genauso wie Midnight es gesagt hatte, ich musste ihn für mich gewinnen und ihm offen zeigen, dass ich mich um ihn sorgte. Ich musste es schnell machen, da ich einige Konkurrenz hatte. Er war eben ein Mädchenschwarm... Die Blicke, die er allein bekam, wenn er durch die Schulflure lief, waren Beweis genug. Und leider gehörte ich mittlerweile zu den Mädchen, die ihn anschmachteten, doch ich war mir sicher, dass ich es im Gegensatz zu den anderen aus ganz anderen Gründen tat. Ich tat es, weil ich ihn wirklich aufrichtig liebte, seinen Charakter und sein Aussehen, während die anderen eher sein Aussehen und seinen Status sahen.

Ich hatte mich in ihn verliebt, einfach weil er mein Shoto war und nicht weil er Todoroki Shoto war.

»Wir sind wieder da!«, rief Ashido, als sich die Türen des Aufzugs öffneten, wobei sie Uraraka im Schlepptau hatte. Die beiden ließen sich an unseren Tisch nieder und breiteten ihre Sachen aus.

»Mit Freunden zusammen Hausaufgaben zu machen ist um einiges besser!«, sagte Uraraka lächelnd. »So können wir uns gegenseitig helfen!«

»Ich frage mich nur, warum man uns direkt am ersten Schultag mit so viel Arbeit konfrontiert«, sagte ich seufzend.

Vorallem mich... Normalerweise verpasste man kaum etwas am ersten Schultag, doch diese Schule musste sich ja unbedingt abheben.

»Das ist eben die U. A.«, sprach Uraraka den altbekannten Spruch aus, der fast immer als Begründung genutzt wurde.

»Das kann doch nicht alles rechtfertigen!«, sagte ich. »Unser Training ist ziemlich hart, weil es die U. A. ist, wir müssen viel mehr machen als andere Erstklässler an anderen Heldenschulen, weil es die U. A. ist, wir werden mehrmals von Schurken angegriffen, weil es die U. A. ist, wir nehmen als Erstklässler bereits an der Prüfung für die vorläufige Heldenlizenz teil, weil es die U. A. ist, ich jage mich selbst in die Luft, weil es die U.... «

»Yukiri, das war dein eigener Verdienst!«, unterbrach mich Mizuki fassungslos. »Die U. A. hat dich nicht dazu gebracht dich selbst in die Luft zu sprengen, Knallknopf!«

»Das war eigentlich meine Schuld«, murmelte Ashido niedergeschlagen.

»Pinky, das Thema hatten wir doch schon!«, sagte ich.

»Ich hab dir die Idee gegeben!«

»Hast du nicht!«

»Hab ich wohl! Und ich muss es noch irgendwie wieder gut machen...«

In diesem Moment bekam ich eine Idee, die vorallem das Thema ändern würde, damit sie sich die Schuld nicht weiter einreden konnte.

»Lass mich einfach abschreiben.«

»Yukiri!«, rief Mizuki warnend.

»Hör auf mich ändern zu wollen!«

»Was hat das jetzt damit zu tun?!«

»Lasst uns einfach anfangen zu arbeiten«, versuchte Uraraka das ganze amüsiert und mit einem Schweißtropfen auf der Stirn in die richtige Richtung zu lenken.

Ich konnte es mir jedoch nicht nehmen lassen Mizuki noch einmal die Zunge herauszustrecken, bevor wir uns schließlich wirklich an die Arbeit machten. Überraschenderweise arbeitete es sich tatsächlich besser in einer Gruppe, nicht nur, weil Ashido mir heimlich zwei ihrer fertigen Arbeitsblätter zugeschoben hatte, sondern auch, weil wir uns gegenseitig halfen. Allein hätte ich wahrscheinlich unkonzentrierter gearbeitet und wäre deutlich verzweifelter gewesen. So vergingen ein paar Stunden mit einigen Pausen, bis wir uns schließlich alle seufzend zurücklehnten.

»Wieso hab ich es nur aufgeschoben?«, meinte Ashido.

»Deku-kun und Bakugou werden einiges nacharbeiten müssen«, gab Uraraka zu bedenken.

Ich hob meinen Kopf leicht an und griff nach meiner fast leeren Wasserflasche. »Wieso das denn? Waren sie auch nicht da?«

»Du solltest mehr auf deine Umgebung achten. Die beiden haben Hausarrest, weil sie sich geprügelt haben«, antwortete mir Mizuki.

Midoriya? Midoriya soll sich geprügelt haben? Bakugou würde ich es zutrauen, aber... Midoriya?!

»Reden wir hier gerade wirklich über denselben süßen, lieben Midoriya, der nicht einmal einer Fliege etwas zu leide tun könnte und daher wahrscheinlich die ganze zerstörerische Kraft auf sich selbst lenkt?«

Mizuki öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch genau dann ging die Eingangstür auf. Todoroki trat ein. Er sah ziemlich entspannt und ruhig aus, fast schon glücklich, aber als sein Blick auf mich fiel, spannte er sich leicht an, was ich irritiert zur Kenntnis nahm. Ich dachte mir jedoch nichts dabei. Ein breites Lächeln hatte sich nämlich bereits auf meinem Gesicht gebildet.

»Hey, Shoto!«, sagte ich vielleicht etwas zu enthusiastisch. »Wie war dein Tag?«

Ich bekam einen kurzen Blick. Dann huschten seine Augen zu Mizuki, der ihn warnend ansah. Ich wusste nicht, ob er mir antworten wollte, denn in diesem Moment gingen die Türen des Aufzugs auf und Hagakure trat gemeinsam mit Yaoyorozu heraus.

»Todoroki-san«, sagte diese, »wie war dein Besuch?«

»Gut«, sagte er kurz angebunden und wandte sich zum Aufzug.

Es war nur ein Wort und doch versetzte es mir einen leichten Stich. Ich ergriff meinen Stift etwas stärker als nötig. Er hatte mich nicht ignoriert...

»Todoroki, willst du mit uns Hausaufgaben machen?«, fragte Ashido.

»Ich habe sie bereits fertig«, sagte er.

»Shoto«, sagte ich nun. »Ist alles in Ordnung?«

Jetzt war ich mir sicher. Er spannte sich definitiv an und sah zu Boden. Doch dieses Mal bekam ich ganz klar keine Antwort, weshalb mein Magen um einiges schwerer wurde. Schon wieder? Ignorierte er mich tatsächlich schon wieder? Dabei hatte ich ihn das letzte Mal bereits verziehen, obwohl er mir nie eine Erklärung geliefert hatte. Hatte ich denselben unbekannten Fehler nochmal gemacht? Wobei... dieses Mal reagierte er wenigstens auf meine Stimme... Das verwirrte und verärgerte mich nur noch mehr.

Verdammt, ich war doch selbst schuld... Ich hätte es damals nicht einfach so akzeptieren dürfen. Nun ballte ich meine Hände zu Fäusten und atmete tief ein. Ruhig bleiben, ermahnte ich mich selbst. Ich griff nach meiner Wasserflasche und leerte sie, aber behielt sie in meiner Hand, statt sie wieder zurück zu stellen.

»Weißt du schon irgendetwas Neues über deinen Zusatzunterricht?«, fragte ihn Yaoyorozu. Ich wusste, dass sie es nur tat, um die angespannte Stimmung aufzulockern, die wahrscheinlich für alle bemerkbar war. Mizuki sah ebenfalls so aus, als würde er sich am liebsten einmischen wollen, aber er war schlau genug es nicht zu tun.

»Nein, noch nicht.« Todorokis Antwort dieses Mal tat um einiges mehr weh. Ob es daran lag, dass er generell antwortete, oder, dass er ihr antwortete; ich wusste es nicht. Aber innerlich brodelte ich jetzt und bevor ich meine Handlung richtig realisierte, hatte ich ihn schon mit der leeren Flasche abgeworfen.

Dadurch bekam ich dieses Mal definitiv seine Aufmerksamkeit. Er drehte sich langsam zu mir um, doch es war der verwunderte und gleichzeitig kalte Blick, der das Fass zum Überlaufen brachte. Es brachte auch nichts, dass Mizuki beschwichtigend seine Hände hob. Denn ich ließ ihn nicht einmal zu Wort kommen.

»Upps«, schnaubte ich. »Ich dachte schon, dass ich unsichtbar geworden bin.«

»Yu-chan, vielleicht...« Mit einem Kopfschütteln unterbrach ich Uraraka, bevor ich aufstand und meine Sachen schnappte.

»Macht euch keine Gedanken«, sagte ich und nahm meine gepackte Tasche.

»Yukiri, warte«, seufzte Mizuki.

»Nein, es ist wirklich okay«, sagte ich. »Um ehrlich zu sein ist es mir auch egal, dass er mich ignoriert.«

»Egal«, wiederholte Todoroki.

Innerlich verdrehte ich die Augen. Verletzte ihn das jetzt? Als wäre er unschuldig...

»Wenn du es für nötig hältst mich schon wieder zu ignorieren, weiß ich ja, wie wichtig ich dir eigentlich bin. Dir scheint unsere Freundschaft ja wirklich sehr wichtig zu sein«, sagte ich und zeigte ihm einen Daumen nach oben. Er schien zu erstarren und mit einem Mal sah er irgendwie traurig aus, sodass sich mein Herz wegen dieser blöden Gefühle schmerzhaft zusammen zog. »Ich...«

»Ich habe dich nicht ignoriert, Yukiri«, sagte er.

Ich hatte nicht mit einer Antwort gerechnet und schon gar nicht mit so einer. Ungläubig schüttelte ich den Kopf.

»Geantwortet hast du mir auch nicht. Vielleicht ist es aber auch einfach meine Schuld... Ich weiß es ja nicht, weil ich deinen Grund schon wieder nicht kenne. Wenn ihr mich jetzt entschuldigt, ich kann mich hier nicht mehr konzentrieren und habe noch einiges zu tun.«

Ohne ein weiteres Wort zu sagen oder jemanden anzuschauen wandte ich mich zur Treppe und lief sie hoch. Wenn ich den Aufzug genommen hätte, wäre mein Abgang nur halb so dramatisch gewesen. Außerdem war ich mir sicher, dass Todoroki miteingestiegen wäre, da er sogar jetzt meinen Namen rief. Im ersten Stockwerk angekommen, drückte ich auf den Knopf und nahm den Aufzug dann. Ich hatte nie gesagt, dass ich die ganze Treppe hochlaufen würde... In meinem Zimmer angekommen schloss ich meine Tür ab und warf meine Tasche achtlos auf den Schreibtisch, nur um mich dann aufs Bett zu werfen.

Schon wieder. Wieso musste dies immer passieren? Zugegeben, ich hatte ein wenig überreagiert, aber das lag vorallem daran, dass er mir bereits beim ersten Mal keine Erklärung geliefert hatte. Ich hatte die ganze Zeit Angst gehabt, dass dies wieder passieren könnte, besonders wenn ich meine Gefühle für ihn zuließ. Genau das war jetzt geschehen. Und es tat noch mehr weh als ich dachte. Wie ich es hasste mich mit ihm zu streiten... Aber warum genau war er überhaupt sauer auf mich?! Er war so ein Blödmann.. ein bescheuerter Idiot und...

Ein Klopfen riss mich aus meinen Gedanken. Ich schloss die Augen, um die Materie zu spüren. Wenn man vom Teufel sprach... Was wollte er denn jetzt? Erst ignorierte er mich und jetzt stand er vor meiner Tür?

»Yukiri, wir müssen reden!«, rief er.

Gerade hatte er ganz klar nicht mit mir reden wollen. Daher hatte ich keinen Bedarf es jetzt zu tun. Stattdessen vergrub ich mein Gesicht in mein Kissen.

»Yukiri, bitte. Lass es mich dir erklären.«

Ach, jetzt wollte er es erklären? Nein. Nein, das würde ich definitiv nicht mitmachen. Dieses Mal würde ich ihm nicht so schnell verzeihen, damit er seine Lektion lernte. Mir war durchaus bewusst, dass ich es unmöglich schaffen würde ihn komplett zu vergessen, auch wenn ich es momentan wollte, doch ich würde es ihm zumindest nicht mehr so leicht machen.

Selbst wenn er nicht locker ließ. Er klopfte abermals, aber ich regte mich wieder nicht.

»Es tut mir leid.«

Nein... Nein. Nein. Nein. Er wollte es mir noch schwieriger machen. Ich durfte einfach nicht nachgeben. Je länger er da stand, desto härter war es ihn zu ignorieren und das tat er, seiner Materie nach zu urteilen, für einige Minuten, bevor er es schließlich aufgab.
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Eine Hand stoppte meinen Kopf, als ich kurz davor war wieder einzunicken und dadurch auf mein Tablet mit meinem geliebten Essen geknallt wäre. Müde hob ich ihn und sah Kirishima an, der neben mir saß und mich gerade vor einer herzzerreißenden Katastrophe bewahrt hatte, wohlwissend, dass einige besorgte Blicke auf mir lagen. Wir, das waren Kirishima, Kaminari, Ashido, Sero, Mizuki und ich, saßen in der Cafeteria. Die ersten vier Schulstunden waren nur schleppend an mir vorbei gezogen und um ehrlich zu sein konnte ich mich nicht einmal an Cementos Unterricht erinnern. Ich war definitiv eingenickt.

»Hast du nicht geschlafen?«, fragte Kirishima mit gerunzelter Stirn und ließ meinen Kopf erst wieder los, als ich ihn auf meinen Arm abstützte.

»Doch«, sagte ich gähnend. »Ich bin glaub ich gegen acht versehentlich eingepennt, mitten in der Nacht aufgewacht und habe mich an meine Hausaufgaben erinnert... die ich dann erledigt habe.«

Dabei war ich so müde und unkonzentriert gewesen, dass es Stunden gedauert hatte. Das war nicht zuletzt Todorokis Schuld.

»Wehe du brichst wieder zusammen.« Mizuki sah mich warnend an, weshalb ich meine Augen verdrehte. Als ob ich dies mit Absicht tat.

»Keine Sorge. Ich habe sowieso vor heute Nachmittag Mittagsschlaf in deinem Zimmer zu halten«, erwiderte ich.

»Wieso in meinen Zimmer?«

»Weil ich es beschlossen habe.«

»Das liegt nicht zufällig an deinen Streit mit Todoroki, oder?«, fragte Sero mit vollen Mund.

Entsetzt sah ich ihn an. Woher wusste er das? Aber natürlich... Wir hatten Zeugen gehabt und die Mädchen hielten generell fast nie dicht. Als er dann auch noch zu Ashido nickte, die schuldbewusst dreinblickte, hatte ich meine Bestätigung. Na, super... diese ganzen Probleme waren mir schon peinlich genug... Dass die anderen jetzt noch Bescheid wussten, machte alles schlimmer.

Das pinke Mädchen kaute erst zu Ende und schluckte den Bissen herunter, bevor sie sprach. Überraschenderweise wollte sie mir nicht einmal eine Erklärung liefern.

»Yu-chan... hat Todoroki wieder mit dir gesprochen? Habt ihr euch wieder vertragen?«, fragte sie mitfühlend.

»Das ist egal«, wich ich ihrer Frage aus. Doch das war wohl Antwort genug für die anderen.

»Klassenkameraden und vorallem Freunde sollten sich nicht streiten«, meinte Kirishima. »Das ist wirklich unmännlich.«

»Sag das Todoroki! Er hat Yu-chan einfach übergangen, obwohl sie so nett zu ihm war!«, verteidigte mich Ashido sofort.

Sie hatte es also auch bemerkt. Ich hatte es mir tatsächlich nicht eingebildet. Wie frustrierend...

»Also wenn ihr mich fragt, hab ich langsam das Gefühl, dass etwas zwischen den beiden läuft«, sagte Kaminari und sorgte dafür, dass alle innehielten.

Ich wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte. Eigentlich hatte er recht, beziehungsweise, von meiner Seite aus war da definitiv mehr... Doch das hieß nicht, dass etwas zwischen uns lief. Um meine Sprachlosigkeit zu überspielen, nahm ich mir meine Reisschüssel und fing an zu essen.

»Kaminari, konzentriere dich aufs Atem«, sagte Mizuki belustigt. Ich bemerkte jedoch, dass es nur gespielt war.

»Habt ihr eigentlich schon von dem neuen Update für das Ranksystem in Overwatch gehört?«, fragte ich, und lenkte damit das Thema erfolgreich auf ein anderes. Die anderen, außer Ashido, fingen eine angeregte Unterhaltung darüber an. Besonders Kirishima schien von den "männlichen" Änderungen begeistert zu sein, doch gerade, als ich mich an das Gespräch beteiligen wollte, vibrierte mein Handy.

[12:13] Mizuki: Du willst dich in meinem Zimmer vor Todoroki verstecken, oder?

Ja. Ja, das wollte ich. Ich sah auf und begegnete seinem vielsagenden Blick, den ich mit einem kurzen Nicken quittierte. Er seufzte und wandte sich dann wieder den anderen zu.

Todoroki hatte heute morgen wieder versucht mit mir zu sprechen. Zumindest, schien er das vorgehabt zu haben, doch ich hatte mich schnell beeilt und eine Unterhaltung mit Jiro begonnen, um ihm die Möglichkeit zu nehmen. Während des Unterrichts hatte ich es komplett vermieden auch nur in seine Richtung zu gucken, auch als ich seinen Blick ganz klar auf mir gespürt hatte. Vorerst plante ich auch ihm weiterhin aus dem Weg zu gehen. Wenn er unbedingt mit jemanden sprechen wollte, konnte er sich ja an Yaoyorozu wenden...
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»Ich soll die Namen der Menschen aufschreiben, die mir etwas bedeuten oder die Namen derjenige mit denen ich intensiveren Kontakt pflege?«, fragte ich einige Stunden später Midnight skeptisch, während ich das leere Blatt vor mir musterte, als wäre es eine unvollständige Speisekarte, die ich versuchte zu entschlüsseln.

Ich war Todoroki bis jetzt erfolgreich aus dem Weg gegangen und hatte mir sogar nach der Schule zwei Stunden Schlaf genehmigen können, bevor ich zu meinem Gefühlsreflexionsgespräch gegangen war. Daher war ich gerade deutlich motivierte als erwartet.

»Alle Personen, die dir nahe stehen und die dir wichtig sind, Yuna-san«, sagte Midnight.

»Ich stehe meinen Essensliferanten auch unglaublich nahe und sie sind mir ziemlich wichtig, also fallen sie auch... «

»Yuna-san.« Der warnende Ton ließ mich sofort verstummen und ich nickte schnell.

Es war eigentlich eine ziemlich leichte Aufgabe und so sah ich bereits nach weniger als zwei Minuten auf.

»Fertig.«

»Und jetzt möchte ich, dass du hinter dem jeweiligen Namen ein Wort schreibst mit dem du die Person beschreiben würdest und danach ein Wort, mit dem du deine Beziehung zu der Person beschreiben würdest.«

Das war um einiges schwieriger. Ich seufzte und sah auf die Namen. Dann machte ich mich an die Arbeit. Es dauerte jetzt um einiges länger, doch Midnight hetzte mich nicht, sondern ließ mir geduldig Zeit. Mit dem Ergebnis war ich nicht ganz zufrieden, dennoch signalisierte ich meiner Lehrerin nach einer halben Stunde, dass ich fertig war.

Yato          Unbeschreiblich. Bruder.
Ikuto         Intelligent. Lehrreich.
Mama       Mütterlich.
Papa         Väterlich.
Jun          Unheimlich. Vertrauensvoll.
Nakamura OK. Distanziert.
Shoto        Shoto. Shoto.
Akaya.      Bakaya. Hass-Liebe.
Nibori      zuverlässig. Vertrauensvoll.
Hina           Süß. Liebevoll.
Sero           Lieb. Freundschaft.
Midoriya    Held. Freundschaft.
Kirishima   Männlich. Freundschaft.
Ashido       Pink. Freundschaft.
Kaminari    Pikachu. Freundschaft.
Sato           Kuchen. Freundschaft.

Ich beobachtete genau, wie ihre Züge minimal trauriger wurden, auch wenn sie versuchte es zu verstecken. Selbst als sie ihre Augen nicht mehr bewegte, sondern sie auf einer Stelle ruhen ließ, was hieß, dass sie bereits fertig gelesen hatte, hob sie ihren Blick noch nicht.

»Yuna-san, du bist recht wortgewandt und doch scheint es dir schwer zu fallen, deine Mitmenschen und deine zwischenmenschlichen Beziehungen zu beschreiben«, sagte sie schließlich nach einer Minute.

Ich versuchte mir meine Niedergeschlagenheit nicht ganz anmerken zu lassen. Sie hatte nämlich recht, und doch war ihre Formulierung viel zu freundlich ausgewählt. Ich wusste selbst, dass ich einen lausigen Job gemacht hatte, gleichzeitig fiel mir aber auch keine Alternative ein, wie ich es anders hätte machen können.

»Das ist nicht schlimm«, fuhr Midnight fort. »Dir sollte es im Laufe unserer Gespräche leichter fallen. Dafür führen wir sie ja. Und jetzt sehe ich ganz deutlich, dass wir den Fokus mehr auf deine Eltern legen sollten. Sag mir, was genau fühlst du, wenn du an die beiden denkst?«

Ich brauchte nicht einmal zu überlegen, sondern konnte direkt antworten. »Verwirrung.«

»Du denkst viel an die beiden. Was genau verwirrt dich?«

»Die ganze Situation«, antwortete ich zögerlich. »Ich liebe meine Eltern. Definitiv. Doch ich versuche noch mit allem... klar zu kommen... «

»Das ist verständlich. Niemand erwartet von dir, dass du es sofort verarbeitest. Sowas braucht viel Zeit.«

»Und viel Auseinandersetzung...« Aber die Möglichkeit dafür hatte ich nicht. Ich wohnte ja jetzt im Wohnheim. Meine Mutter würde ich nur einmal die Woche sehen und meinen Vater dann, wenn jemand so nett war und mich begleitete. Ich konnte mir ein frustriertes Seufzen nicht verkneifen. Am liebsten würde ich alles sofort aus der Welt schaffen und sie sofort komplett lieben. Doch es ging nicht...

»Das stimmt«, sagte Midnight nachdenklich. »Dies sollte man in dieser ganzen Maßnahme ebenfalls mitbedenken. Ich werde mir dahingegen etwas überlegen. Und warum hast du bei dem Namen des jungen Todoroki nur seinen Vornamen hingeschrieben? «

»Weil er... unbeschreiblich und einzigartig ist...« Ein kleines Lächeln bildete sich auf meinen Lippen und mein Herz schlug ein wenig schneller. Doch als ich mich wieder daran erinnerte, was gestern passiert war, verblasste es.

Und er war ein Idiot.
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»Yu-chan! Wir wollen zusammen wieder Hausaufgaben machen! Machst du mit?«, wurde ich von Uraraka gefragt, als ich durch die Tür kam und sofort von den lächelnden Gesichtern von Ashido, Kirishima und Sero begrüßt. Mizuki war zwar auch anwesend, doch er lächelte nicht, sondern mied meinen Blick. Verwundert blieb ich stehen.

»Ehm... klar... Aber ich habe meine Sachen noch oben und...«

»Ich hab sie«, unterbrach mich mein bester Freund, griff nach etwas neben seinem Stuhl und hielt meine Tasche demonstrativ hoch. Wahrscheinlich hätte ich spätestens jetzt bemerken sollen, dass etwas nicht stimmte. Aber ich dachte mir nichts dabei und setzte mich einfach zu ihnen. Ein kurzer Blick auf Kirishimas Heft verriet mir, dass sie gerade bei den Mathehausaufgaben waren. Das passte sehr gut, denn sie waren bereits bei Aufgabe Fünf, was hieß, dass ich bis dahin abschreiben konnte. Also holte ich meine Sachen heraus und machte mich, möglichst unauffällig, an die Arbeit, während sie sich der nächsten Aufgabe widmeten. Nach einigen Minuten hatte ich bereits aufgeholt und rechnete wie sie die nächsten Aufgaben erst einmal vor, bevor wir sie vergleichen wollten. Genau in diesem Moment wurde der Stuhl neben mir nach hinten gezogen und ich versteifte mich, als ich sah, wer es war... Konnte ich nicht einmal in meinem Leben Glück haben?

»Oh, Todoroki, was für ein Zufall! Du willst also mit machen«, sagte Sero, wobei er so gekünstelt klang, dass ich endlich begriff, was hier abging. Düster starrte ich in die Runde. Es half auch nicht, dass Kirishima began unschuldig zu pfeifen.

Das war nicht deren ernst.... Und Mizuki hatten sie definitiv zum Mitmachen gezwungen! Jetzt wusste ich zumindest, warum er mir nicht in die Augen schauen konnte.

Ich sah jedoch wieder sturr auf mein Heft und bearbeitete die nächste Ausgabe. Auch wenn seine Anwesenheit in mir einen Sturm der Gefühle auslöste, so würde ich diesen ignorieren. Solange er mir nicht erklärte, warum er mich zwei Mal scheinbar grundlos ignoriert hatte, würde ich meinem Bedürfnis in seiner Nähe zu sein nicht nachgeben.

»Yukiri, dein Ergebnis ist falsch«, sagte er und sorgte dafür, dass ich innehielt. Meine Augen huschten über die Zeilen, dann richtete ich sie auf ihn. Er war mir ziemlich nahe, näher als notwendig, selbst sein Heft war nur ein Zentimeter von meinem entfernt. Personal Space war ihm scheinbar plötzlich egal.

»Es ist nicht falsch«, erwiderte ich. Er hob seinen Blick und sah mich einfach nur an. Was das genau sollte, wusste ich nicht. Aber ich nahm es als Herausforderung zu einem Blickduell auf, weshalb ich auch nicht weg sah, bis sich jemand räusperte.

»Ist es normal, dass sich die beiden einfach nur anstarren?«, fragte Uraraka leise.

»Ach, das, ja. Ja. Das machen die beiden ständig«, meinte Mizuki mit einem Augenrollen.

Todoroki widerum zuckte bei den Worten zusammen und widmete sich wieder seinem Heft. Ha! Ich hatte gewonnen! Mit einem Siegesblick wandte ich mich wieder nach vorn und bekam einen verständnislosen Blick von Mizuki ab. Was denn? Ich entschloss mich ihn einfach zu ignorieren.

»Minus und Minus ergeben Plus, Yukiri«, sagte Todoroki keine fünf Minuten später. Ich schnaubte. Warum musste er die ganze Zeit auf mein Heft schauen? »Dein Ergebnis ist wieder falsch.«

»Mein Ergebnis ist richtig!«

»Du hast...«

»Es ist trotzdem richtig!«, schnitt ich ihm das Wort ab.

»Es ist falsch.«

»Es ist richtig, weil ich es sage!«

»Glaub mir, es ist richtig«, mischte sich Mizuki nun ein. »Yukiri hat das Recht die physikalischen Gesetze unseres Universums zu ändern. Schließlich ist es ihr Yukiversum.«

»Yato, sei mit dem Sauerstoff etwas sparsamer, bitte«, sagte ich mit einem gespielt süßen Lächeln.

Er zwinkerte mir jedoch nur zu und wir machten uns wieder an die Arbeit. Todoroki hatte es wohl aufgegeben mit mir über mein falsches Ergebnis zu diskutieren.

»Ich komme bei Aufgabe Acht-D nicht weiter!«, klagte Ashido wehleidig. »Was habt ihr da raus?«

»Fünf«, antwortete Sero.

»Ich habe minus-fünf«, warf Kirishima ein.

»Ist nicht beides richtig? Plus und minus?«, sagte Uraraka seufzend.

»Yaomomo!«, rief Ashido unserer stellvertretenden Klassensprecherin zu, die aus dem Wohnbereich kam. »Was kommt bei dieser Aufgabe raus?«

»Sitzt ihr immer noch an den Hausaufgaben?«, fragte sie überrascht und beugte sich zwischen Todoroki und mir vor, um auf sein Heft schauen zu können. »Bei welcher Aufgabe habt ihr Schwierigkeiten?«

Er deutete auf sie. Ich bezweifelte um ehrlich zu sein, dass er Schwierigkeiten hatte. Ich könnte sogar schwören, dass er bereits fertig war. Doch warum sollte er dann hier sitzen?

»Deine Lösung ist richtig, Todoroki-san«, sagte sie. »Es sind minus-fünf.«

Ihre Augen wanderten zu meinem Heft, während sich Ashido und Uraraka überschwänglich bei ihr bedankten. Ich reagierte viel zu spät, da hatte sie meine Lösungen bereits gesehen. Ein Schweißtropfen bildete sich auf ihrer Stirn und sie sah mich mitleidig sowie entschuldigend an.

»Yuna-san, wie kommst du auf hundertsechsunddreißig?«

Sero beugte sich sofort zu mir herüber, sodass er ebenfalls meine Lösung sehen konnte, bevor er gemeinsam mit Kirishima und Ashido in schallendes Gelächter ausbrach.

»Wenigstens bist du genauso verzweifelt wie wir«, japste er.

Ich zwang mich zu einem Lächeln, mich innerlich selbst fragend, wie zur Hölle ich so einen Fehler machen und auf so ein Ergebnis kommen konnte. Ich war wirklich dumm...

»Ich glaube, ihre ganzen Lösungen sind falsch«, merkte Todoroki an Yaoyorozu gewandt an. »Vielleicht solltest du ihr helfen.«

Ruhig bleiben. Er meinte es nur gut.

»Das kann ich gern machen, Yuna-san. Ich könnte dir Nachhilfe geben«, schlug sie freundlich vor.

»Nicht nötig«, murmelte ich.

»Du solltest die Hilfe annehmen, Yukiri. Yaoyorozu ist um einiges schlauer als du. Sie wird dir helfen können.«

Ich presste meine Lippen zusammen. Er hatte recht. Und doch verletzte es mich. Ich wäre so gern schlau... Nicht nur, weil er scheinbar so begeistert von Yaoyorozus Intelligenz war, sondern auch, weil ich... einfach dämlich war und mich dies mittlerweile selbst frustrierte. Und jetzt riet mir mein Schwarm sogar Nachhilfe von seinem Schwarm anzunehmen...

Noch nie in meinem Leben war ich so froh darüber einen Anruf zu bekommen wie in diesem Moment. In Lichtgeschwindigkeit kramte ich mein Handy heraus und ging ran, ohne überhaupt zu prüfen, wer mich da anrief.

»Huch, das ging ja schnell«, sagte meine Mutter amüsiert. Ich musste ein wenig lächeln. »Hallo, mein Schatz.«

»Hey«, grüßte ich sie zurück. »Eh... Wartest du kurz?«

Während ich mit einer Hand mein Handy hielt, räumte ich mit der anderen meine Sachen in die Tasche, wofür ich verwunderte Blicke bekam. Dann schulterte ich sie und stieg schnell in den Aufzug. Ich freute mich um ehrlich zu sein nicht nur ihre Stimme zu hören, weil sie mich anrief, sondern auch, weil sie mir gerade eine Fluchtmöglichkeit eröffnet hatte.

»Stör ich?«, fragte sie vorsichtig.

»Nein!«, sagte ich schnell. »Nein. Ganz und gar nicht. Ich... Ich bin froh, dass du anrufst. Ist irgendetwas vorgefallen?.«

»Nein, keine Sorge. Ich wollte nur wissen, wie es dir geht? Ich habe heute von Ikuto erfahren, dass du bei deinem Vater warst...«

Oh... Sie machte sich Sorgen... Jetzt musste ich wirklich lächeln. Es half ungemein ihr besser verzeihen zu können. Und irgendwie... brauchte ich sie gerade...

»Ja, das war ich. Aber mach dir keine Gedanken. Es lief perfekt. Ich habe den Besuch sehr genossen.«

»Das ist schön. Hast du vor bald wieder hin zu gehen?«

Ich öffnete meine Zimmertür und ließ mich auf meinen Schreibtischstuhl plumsen. »Sobald es mir möglich ist. Du... weißt, wir sind hier quasi Gefangene.«

»Ach, sei nicht albern, Yukiri.« Meine Mom seufzte.

»Was ich damit sagen will ist, dass wir nicht einfach so das Schulgelände verlassen dürfen«, erklärte ich. »Ich mag diese Regelung nicht... Sie hält mich davon ab ihn öfter zu besuchen.«

»Mein Schatz...« Sie hielt kurz inne und atmete tief ein. »Du weißt, dass du jederzeit wieder nach Hause kannst, richtig?«

Ich schloss meine Augen und dachte intensiv über ihre Worte nach. Das wusste ich. Aber ich wusste momentan nicht, was die beste Lösung war. Seit dem Trainingscamp hatte ich das Gefühl, meinen Platz auf dieser Welt nicht zu kennen. Es war einfach so viel passiert und es passierte immer mehr, dabei hatte ich so schon keinen Moment der Ruhe gehabt, wo ich mich einfach mit allen wenigstens ein wenig auseinandersetzen konnte. Wie Midnight bereits festgestellt hatte, musste die Situation mit meinen Eltern mitberücksichtigt werden. Ich wollte einfach mit einigen Sachen abschließen...

»Ich weiß, Mom«, sagte ich dankbar. »Mach dir keine Gedanken um mich. Mir geht's gut, es ist alles nur noch etwas gewöhnungsbedürftig.«

»Verzeih mir, du hörst dich nur ziemlich traurig an. Bist du sicher, dass dir nichts fehlt?«

»Jep. Es sind lediglich die Hausaufgaben, die gerade meine Lebensenergie durch einen recyclebaren Strohhalm aufsaugen. Könntest du vielleicht Ikuto sagen, dass ich Hilfe brauche und sie ihm gleich schicken werde? Ich will nur wissen, was ich falsch gemacht habe.«
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[19:02] Ikuto: Wie kommt es eigentlich, dass du noch nicht verlernt hast wie man atmet?
[19:03] Ikuto: Oder hat das ganze Hähnchenfett dein Hirn fritiert?
[19:03] Ikuto: Merkt dir einfach:
plus + plus = plus
Minus + minus = plus
Plus + minus = minus
[19:04] Ikuto: und wie zur Hölle kommst du auf 136?! Kann es sein, dass Todoroki neben dir saß und du dich deshalb nicht konzentrieren konntest?!
[19:04] Ikuto: Jedenfalls müsste jetzt alles richtig sein. Ich komme dich übrigens die nächsten Tage besuchen und checke, ob du das Thema endlich verstanden hast. Dir fehlten nur die Basics.
[19:04] Ikuto: Und falls jemand fragt, du bist nicht meine Schwester.

[19:05] Ich: Du kommst mich besuchen, aber ich bin nicht deine Schwester...

[19:05] Ikuto: Nacht, Erbsenhirn.

[19:06] Ich: Danke für deine Hilfe <3. Gute Nacht, mein frühschlafender Babybruderherz :*.

Er hatte mir nicht mehr auf meine letzte Nachricht geantwortet, doch das war momentan sowieso abgehakt. Ich griff nach dem riesigen Gefäß mit meiner geliebten Schokomilch und trank einen großen Schluck, bevor ich wieder meinen Stift in die Hand nahm. Ich hatte noch nie einen Brief geschrieben. Wer hätte gedacht, dass mir sogar das schwer fiel? Dies machte meine miserable Stimmung gerade nur noch miserabler.

»Yukiri, ich komme jetzt rein!«, rief Mizuki von draußen plötzlich und stieß die Tür genau in dem Moment auf, als ich wieder von meiner Schokomilch trinken wollte. Fast schon ertappt hielt ich inne und sah ihn wie ein aufgescheuchtes Reh an. Er blinzelte einige Mal, schloss dann seufzend die Tür hinter sich und kam langsam auf mich zu.

»Yukiri, gib mir die Schokomilch«, sagte er vorsichtig.

»Versuch sie mir wegzunehmen und ich kratz dir die Augen aus. Das ist ein Versprechen.«

Er wusste, dass ich es ernst meinte. In der Vergangenheit hatte er bei solchen Versuchen bereits zweimal fast ein Auge und einmal fast einen Arm verloren... Tatsächlich hatte ich ihm versehentlich dabei jedoch einen Zahn ausgeschlagen. Aber es war ein Milchzahn gewesen, daher war es nicht so tragisch, meines Erachtens nach.

Mizuki seufzte frustriert auf. »Weißt du eigentlich, wie sehr mich das nervt, dass ich mich aus dem Thema heraushalten muss? Besonders, weil du schon wieder traurig in deinem Zimmer hockst und verdammte fünf Liter Schokomilch trinkst und... Oh mein Gott, wie viele Chipstüten sind das bitte?!«

Ich verdrehte die Augen und trank demonstrativ einen großen Schluck. Provozierend langsam wischte ich mir über den Mund. »Essen ist eben die einzige Freude in meinem Leben, die mich niemals verlassen wird.«

»Na, vielen Dank auch. Und was bin ich?«

»Yato, du bist meine Lebensfreude, mein Glück... Und jetzt, halt die Fresse und verpiss dich! Lass mich traurig sein!«

Er sah mich skeptisch an, schüttelte den Kopf und kam auf mich zu. In einer fließenden Bewegung hob er mich hoch, setzte sich auf meinen Stuhl und platzierte mich auf seinen Schoß. Erst wollte ich ihn dafür schlagen, doch ich bemerkte, wie gut seine Nähe tat und so ließ ich es zu. Als er das bemerkte, entspannte auch er sich. Scheinbar hatte er sich auf einen Angriff eingestellt. Er strich mir über den Kopf, bevor er über meine Schulter sah.

»Was genau machst du da eigentlich? Nach Hausaufgaben sieht es nicht aus.«

»Ich schreibe einen Brief an meinen Vater«, antwortete ich und nahm meinen Stift wieder in die Hand.

»Ich glaube, zu einem Brief gehören Worte, Yukiri.«

»No shit, Sherlock. Ich habe... noch nie einen Brief geschrieben, deshalb hab ich keine Ahnung, wie ich anfangen soll.«

»Doch hast du.«

»Was...?«

»Du hast mir mal einen Brief geschrieben. In der dritten Klasse, als wir unserem Sitznachbar einen schreiben sollten. "Lieber Mizuki, halt deine Klappe. In Liebe Yuna". Klingelt da etwas?« Er lachte leise auf. Wahrscheinlich, weil er sich an die Konsequenzen danach erinnerte.

Ein Schweißtropfen bildete sich auf meiner Stirn. »Du Einunddreißiger hast es gepetzt und ich musste nachsitzen.«

»Die Lehrerin hat sich alle Briefe angesehen, Yukiri. Das war nicht meine Schuld.«

»Ich musste trotzdem nachsitzen. Hättest du mich vorher nicht so genervt, hätte ich dich nie beleidigt. Es war also doch deine Schuld.«

Ungläubig schüttelte er den Kopf und platzierte schließlich sein Kinn auf meiner Schulter. Eine kurze, entspannte Ruhe legte sich über uns. Einmal mehr merkte ich, wie emotional abhängig ich eigentlich von ihm war. Ich hätte das meiste wahrscheinlich nicht mal richtig überstanden, geschweige denn verarbeitet, wenn er nicht an meiner Seite gewesen wäre. Das Problem jetzt war jedoch, dass eine weitere Person in mein Leben getreten war, von der ich langsam ebenfalls emotional abhängig wurde... Daran waren meine mangelnden sozialen Kontakte von damals Schuld und meine Unerfahrenheit in diesem Gebiet.

»Fang mit "lieber Papa" an und dann erzähl ihm von dir und von deinem Leben. Eltern lieben das«, riet mir Mizuki leise. »Du solltest aber Todoroki nicht erwähnen.«

Ich nickte verstehend und fing an die Begrüßung zu schreiben. Ich stoppte abermals und sah über meine Schulter. Mizuki sah erschöpft und etwas mitgenommen aus. Ob es an Yaoyorozu lag? Sollte ich direkt fragen oder war das taktlos, wenn es um die Liebe ging?

»Mach dir keine Sorgen«, sagte er plötzlich, als er meinen Blick bemerkte. »Ich habe keinen krassen Liebeskummer. Ich habe eher Kummer, weil scheinbar momentan nichts glatt läuft. Es ist einfach so viel passiert...«

»Mach dir nichts draus«, sagte ich und strich ihm durchs Haar. »Selbst wenn. Wir haben uns. Das ist alles, was zählt. Am Ende können wir zwei immer noch heiraten.«

»Dann sterbe ich ja sogar ungeküsst.«

»Das wirst du so oder so«, trällerte ich in einer singenden Stimme.

»Fahr zur Hölle, Yukiri.« Belustigt schüttelte er den Kopf.

»Und wenn wir Kinder adoptieren, darf ich die Namen auswählen«, stellte ich scherzhaft klar.

»Nein. Nein, auf keinen Fall. Du würdest sie am Ende wahrscheinlich nach irgendwelchen Gerichten benennen!«

»Quatsch, McRonalds, Kentucky und Chipotle sind doch keine Gerichte!«

»Ach, du meine Güte. Hast du vergessen dein Gehirn über Nacht aufzuladen, oder warum scheint die Batterie leer zu sein?«

Ich überlegte kurz. Eigentlich wäre dies ziemlich cool. Dann hätte ich eine Ausrede für meine dämlichen Ideen und Aussagen. Ich seufzte und sah wieder auf den Brief. Mit Worten war ich so schon nicht gut. Aber irgendwie musste ich mich ja mit allem intensiver auseinandersetzen.

»Yukiri«, sagte Mizuki zögerlich und sehr vorsichtig. »Solltest du nicht nochmal mit Todoroki sprechen? Was bringt es dir ihn zu ignorieren, wenn es dir schlecht geht...?«

»Ich will es dadurch für die Zukunft verhindern«, unterbrach ich ihn. »Ich habe es ihm beim letzten Mal einfach verziehen und jetzt hat er es schon wieder getan. Einfach, weil er beim letzten Mal keine Konsequenzen erfahren hat.«

»Ich glaube nicht, dass er dich absichtlich ignoriert hat... Es schien mir fast, als wäre er hin und her gerissen. Irgendetwas schien ihn mächtig zu beschäftigen.«

»Und dieses Etwas hatte was mit mir zu tun. Denn er hat nur mir nicht geantwortet, aber Yaoyorozu zum Beispiel schon. Ich will einfach endlich erfahren, warum er es damals für nötig gehalten hatte und was ihn dieses Mal so beschäftigt hat. Bis dahin kann ich ihn nicht einfach wieder akzeptieren, ansonsten... wird es immer wieder passieren. Und außerdem, auf welcher Seite stehst du eigentlich?!«

»Auf deiner. Also take a chill pill, Babe. Ich will einfach, dass du wieder glücklich bist.«

»Ich weiß, wie du mich glücklich machen kannst. Wenn ich jetzt Essen bestelle, holst du es für mich am Tor ab?«

Ich sah über meine Schulter, im selben Moment, als er mir einen Schlag auf meinen Hinterkopf gab. Verständnislos verengte ich meine Augen und wollte ihn gerade eine Kopfnuss verpassen, doch stoppte da er nickte. Ein breites Lächeln bildete sich auf meinem Gesicht. Auf ihm war wirklich Verlass. Auch wenn sein Schlag dadurch unnötig geworden war.
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»Sensei Aizawa, sind alle älteren Schüler so komisch?«, fragte ich in einem leisen wispernden Ton am nächsten Tag unseren Lehrer. Wir waren gerade auf eines der Trainingsgelände, nachdem man uns die drei besten Schüler der U. A. vorgestellt hatte. Eins kam zum anderen, und irgendwie hatte uns dieser blonde Mirio dann zu einem Kampf herausgefordert. Wir alle sollten gegen ihn antreten. Und natürlich hatte ich sofort nein gesagt. Irgendetwas stimmte mit seiner Materie nicht... Eigentlich sollte Mizuki daher mein Versuchskaninchen sein und ebenfalls mitkämpfen, doch er hatte an meinem Rückzug bemerkt, dass ich ein ungutes Gefühl bei der Sache hatte und ist deshalb ebenfalls neben mir stehen geblieben. Genauso wie Todoroki. Wieso dieser nicht mitkämpfen wollte, war mir ein Rätsel. Daher fungierte er gerade als Dekoration neben uns. Als sehr hübsche Dekoration...

Eigentlich sollten uns diese drei nur erklären, wie unsere freiwilligen Arbeitsstudien ablaufen sollten und wie diese sich von unseren Praktika unterschieden. Aber nein, natürlich mussten sie extra sein, einfach, weil sie U. A.-Schüler waren. Da ich eigentlich unbedingt mehr erfahren wollte, nervte mich dies ziemlich. Allein die Aussicht einen Grund zu haben das Schulgelände verlassen zu dürfen, war so aufregend und befreiend.

»Und du bist normal?«, meinte Aizawa gelangweilt.

Meine Augen weiteten sich, während Mizuki los prustete. Geroasted von meinem eigenen Lehrer...

Jiros Schrei ließ mich wieder nach vorn schauen und ich erkannte sofort, was los war. Die Kleidung von diesem Mirio war abgefallen und er stand dort völlig entblößt. Ich schloss schnell meine Augen. Augenblicklich spürte ich die Materie der Menschen in meiner Umgebung und tatsächlich... seine war weg. Er war nicht erfassbar. Seine Materie war so schon löchrig und gleichzeitig seltsam undurchdringlich, doch jetzt... Es war kein Wunder, warum sie bei mir ein mulmiges Gefühl ausgelöst hat.

Ich spürte, wie er meine Klassenkameraden einen nach dem anderen besiegte. Es war immer ein Schlag in den Bauch, der kurz erfassbar geworden war und mich ziemlich irritierte. Er hätte mit dieser Geste glatt ein Schüler von Akaya sein können. Das war echt unglaublich. Als ich meine Augen wieder öffnete, hatte er mehr als die Hälfte der Klasse besiegt - und zum Glück wieder eine Hose an.

»Mirio Togata«, sagte Aizawa. »Meines Erachtens nach ist er der Nummer Eins Kandidat um All Mights Position zu erringen und die Nummer Eins der Helden zu werden.«

»Er hat mehr als die Hälfte von ihnen auf einen Schlag besiegt«, sagte Todoroki beeindruckt. »Er ist definitiv jemand, der am wahrscheinlichsten den Platz für die Nummer Eins erringen kann und besser als die meisten Profihelden ist.«

»Wirst du nicht kämpfen? Du bist doch auch daran interessiert die Nummer Eins zu werden«, meinte Aizawa.

»Ich habe noch nicht mal meine vorläufige Heldenlizenz bekommen«, sagte Todoroki.

Ich schnaubte. Okay, er meinte es wahrscheinlich ernst, trotzdem erschien es in meinen Augen eine Ausrede zu sein.

»Wie sieht es mit euch beiden aus, Yuna, Mizuki?«

Ertappt zuckte ich zusammen. Ein Schweißtropfen bildete sich auf meiner Stirn. »Ich passe. Ich kann Mirio leider gar nicht einschätzen... Seine Materie ist nicht erfassbar und solche Gegner sind einfach für mich eine Nummer zu groß. Sie verunsichern mich zu sehr.«

»Ich vertraue da voll auf Yukiris Intuition«, stimmte mir Mizuki zu. »Da fällt mir ein, wie ist meine Materie eigentlich?«

»Idiotisch.«

»Wieso hab ich eigentlich gefragt...?«

Ich musste leicht lächeln. »Aber auch unglaublich liebevoll und vertrauenswürdig«, fügte ich ernst hinzu. Er nickte einmal verstehend.

»Und wie ist meine Materie?«, wollte Todoroki wissen.

Ich presste meine Lippen zusammen. »Ignorierend.«

Das stimmte natürlich nicht. Ich wollte ihm jedoch seinen Fehler vor Augen führen und ihm zeigen, dass sein Verhalten schuld an der ganzen Situation war. Er verengte diese missbilligend und sah wieder nach vorne, nur um Zeuge davon zu werden, wie Mirio auch unsere restlichen Mitschüler erledigte. Sie lagen alle stöhnend und sich den Bauch haltend am Boden.

Ein böses Lächeln bildete sich auf meinen Lippen, als mir etwas einfiel und meine Augen huschten zu meinem besten Freund, jedoch drehte ich meinen Kopf nicht zur Seite. »Hey, Mizuki, da fällt mir ein, sein Pipimann war größer als dein...«

Augenblicklich schlug mir Mizuki entsetzt seine Hand auf den Mund und sah mich wütend an. Doch sein Blick wanderte zu Todoroki, der uns nicht nur entsetzt, sondern auch fassungslos und überaus finster ansah.

»Sie weiß, wie groß dein...«

»Wir waren vier«, sagte Mizuki und betonte dabei jedes Wort. »Und ich verstehe bis heute nicht, warum es meine Mom für eine so gute Idee gehalten hat uns zusammen zu baden. Und dir, Yukiri, hab ich gesagt, dass du nie wieder darüber reden sollst. Außerdem ist er gewachsen!«

Ich schlug seine Hand weg, musste jedoch immer noch grinsen. »Erspar mir die Details, Tiger. Ich kann mich um ehrlich zu sein nicht einmal daran erinnern und gerade hab ich auch nichts gesehen.«

»WIESO SAGST DU DANN SO ETWAS?!«

»Ich kratze gern an deinem männlichen Ego.«

»Könnt ihr eure Unterhaltung jetzt vertaggen?«, meinte Aizawa sichtlich genervt.

Upps... Den hatte ich ja glatt vergessen. Wir nickten schnell und wandten uns wieder nach vorn.
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»Also das alles war nur dafür da, damit er uns zeigt, dass Erfahrungen uns stärker machen?«, murmelte ich nachdenklich. »Ich meine, wieso hat er uns das nicht einfach gleich gesagt?«

Wir waren gerade mit dem Unterricht fertig geworden und aßen alle gemeinsam im Wohnheim. Die ganze Sache mit dem Arbeitsstudium ließ mich einfach nicht los. Ich wollte unbedingt daran teilnehmen. Doch wie Aizawa uns mitgeteilt hatte, würde die Heldenfakultät noch darüber entscheiden. Das war so frustrierend. Wieso hat man uns dann überhaupt darüber informiert?! Das war ja fast so, als würde man uns von einem leckeren Restaurant vorschwärmen, aber uns am Ende nicht dorthin lassen!

»Ich fand seine Demonstration deutlich eindrucksvoller, als wenn er uns lediglich davon erzählt hätte«, meinte Ojiro, der mir gegenüber saß.

Ich nickte nachdenklich. Da war definitiv etwas dran.

»Yato, hast du vor daran teilzunehmen?«, fragte ich diesen neugierig.

Er warf mir einen kurzen, düsteren Blick zu und aß dann weiter. Ein Schweißtropfen bildete sich auf meiner Stirn. Mein Scherz vorhin war wohl etwas zu weit gegangen...

»Was ist denn in dich gefahren, Alter?«, lachte Kaminari belustigt.

»Yukiri hat an seinem männlichen Ego gekratzt«, antwortete Todoroki für ihm.

Ich sah ihn warnend an, doch entweder er ignorierte meinen Blick schlichtweg oder er nahm ihn einfach war. Kopfschüttelnd sah ich wieder auf meinen Teller. Das war so bescheuert. Einerseits reagierte ich gereizt, wenn er so natürlich sprach, als sei nie etwas gewesen, andererseits vermisste ich ihn und wünschte mir, dass nie etwas gewesen war... Ich musste jedoch stark bleiben.

»Hey, Midoriya, du musst einiges nachholen, was?«, fragte Ojiro den Grünhaarigen, der neben ihm saß.

Dieser nickte. »Ich muss nicht nur die Hausaufgaben der verpassten Tage nachholen, sondern auch den Unterrichtsstoff.«

»Als Klassensprecher ist es meine Pflicht dich dabei zu unterstützen, Midoriya-kun!«, verkündete Iida sogleich.

»Ich kann auch helfen«, sagte Yaoyorozu.

»Es wäre überaus passend, wenn wir die Leute, die Hilfe brauchen, zusammentrommeln und die Sache direkt als Gruppe angehen«, sagte Iida.

»Yukiri, wirst du auch mitmachen?«, wollte Todoroki wissen.

Genervt sah ich ihn an. Wenn er jetzt wieder mit dem ganzen ankam, würde ich nicht so ruhig bleiben können.

»Kein Bedarf«, sagte ich schlicht.

Yaoyorozu sah ein wenig hin und her gerissen aus, lächelte mich jedoch freundlich an. »Yuna-san, es wäre vielleicht keine so schlechte Idee, wenn du mitmachst. Du scheinst einige Schwierigkeiten bei dem Thema zu haben.«

»Nein, danke«, sagte ich und umfasste meine Stäbchen etwas stärker als notwendig. Ruhig bleiben. Sie meinte es nur gut.

»Aber wir können dir wirklich helfen«, sagte sie.

»Ich brauche keine Hilfe.«

»Du hast sie dringend nötig«, sagte Todoroki nun auch eine Spur genervter.

»Ich brauche keine Hilfe von euch«, sagte ich. »Ich kriege es allein hin.«

»Das bezweifle ich stark.«

»Mir egal.«

»Yukiri, du solltest langsam aufhören dich wie eine zickige Göre zu benehmen.«

Mein Mund klappte auf und ich sah ihn sichtlich sprachlos an. Meinte er das ernst? Gab er mir wirklich die Schuld dafür? Sah er denn überhaupt nicht, wo das verdammte Problem lag? Nicht nur, dass er... Ich schloss die Augen und legte meine Stäbchen auf den Tisch. Ruhig bleiben. Ich musste jetzt definitiv ruhig bleiben, damit ich nicht die Kontrolle über Es verlor. Und das wieder aus demselben Grund. Weil dieser Idiot einem anderen Mädchen mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung schenkte als mir. Oder war das vielleicht wirklich das einzige Problem? Konnte es sein, dass meine Gefühle für ihn einfach das Problem waren? Das ich... das Problem war...?

Seine Worte hatten jedenfalls dafür gesorgt, dass unser Tisch komplett in Stille verfiel. Das gute war jedoch, dass die anderen es nicht mitbekamen, sondern einfach sich angeregt unterhaltend weiter aßen. Ich wollte keine Szene machen, definitiv nicht. Mein Blick wanderte zu Mizuki, dessen Stäbchen in zwei Hälften zerbrochen waren. Das durfte nicht eskalieren.

»Entschuldigt mich, ich hab vergessen, dass ich meine Mom anrufen wollte«, sagte ich und erhob mich von meinem Stuhl. Bevor irgendjemand etwas sagen konnte, schnappte ich meine Tasche, kramte mein Handy heraus und verließ das Wohnheim. In mein Zimmer konnte ich nicht. Dort würde man mich direkt aufsuchen und nicht in Ruhe lassen, also steuerte ich das Hauptgebäude an. Vielleicht hatte ich ja Glück und würde auf Midnight treffen... Die könnte mir bestimmt helfen und mir sagen, was genau mit mir los war. Wenn ich Yaoyorozu doch so sehr für ihr Talent beneidete, wieso wollte ich mir dann nicht von ihr helfen lassen? Wieso wollte ich es allein hinbekommen?

Seufzend ließ ich den Kopf hängen. Das wäre auch eine Option... Ich könnte lernen... und wirklich an meinen Schwächen arbeiten.

Und so entschloss ich mich einfach in die Bibliothek zu gehen.
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Das letzte Mal war ich im Kindergarten in einem großen Raum voller diverser Bücher gewesen. Es war genau wie damals so schön ruhig und die bequemen Stühle ladeten perfekt zum Verweilen, Lesen sowie Lernen ein. Daher war es nichts Erstaunliches, dass ich nach fünf Aufgaben bereits eingeschlafen war. Die entspannte Atmosphäre war einfach zu entspannend für mich gewesen. Ich wusste nicht, wie lange ich geschlummert hatte, doch als ich aus meinen Schlaf wieder aufschreckte, dämmerte es draußen bereits. Etwas orientierungslos blinzelte ich mehrmals, bis ich einen Blick auf mir spürte und nach vorn sah. Beinahe wäre ich vor Schreck zusammengezuckt, als ich Takuko entdeckte, der mit einem aufgeklappten Buch und einem Heft vor mir saß, doch seine volle Aufmerksamkeit auf mich gerichtet hatte. Eine Weile sagte niemand etwas. Ich ließ meine Augen prüfend durch die Bibliothek gleiten. Neben der Bibliothekarin waren noch zwei weitere Schüler hier, die ebenfalls aus der B waren. Ihre Namen wollten mir nur partout nicht einfallen. Seufzend sah ich wieder zu Takuko. Es nervte mich, dass hier so viele Plätze frei waren, er es jedoch für nötig gehalten hatte, sich nicht nur in meine Nähe, sondern direkt an meinem Tisch zu setzen.

»Spinner«, sagte ich schließlich.

Amüsiert schüttelte er den Kopf. »Sagte diejenige, die ein Nickerchen in der Bibliothek hält.«

»Das war nicht beabsichtigt«, sagte ich mit einem herzhaften Gähnen. Ich holte mein Handy heraus und mein Herz blieb kurz stehen, als ich sah, wie viele Nachrichten ich hatte. Es war kurz vor acht... Hatte ich ernsthaft mehr als drei Stunden hier verbracht?

[17:45] Mizuki: Wo zur Hölle steckst du? Aizawa sagte, hättest du das Schulgelände verlassen, hätte er eine Benachrichtigung bekommen. Also wo steckst du?
[17:56] Mizuki: Ich verspreche dir, wenn du wieder Verstecken mit mir spielen willst, rede ich eine Woche lang kein Wort mehr mit dir.
[18:23] Mizuki: Mann, Yukiri, ich kapiere es, du willst gerade allein sein. Aber sag mir bitte einfach, ob es dir gerade gut geht.
[18:51] Mizuki: Du bist nicht in der Cafeteria und auch nicht im Vorratsraum der U. A. oder im Klassenzimmer... Gibt es irgendein geheimes Snacklager, das ich nicht kenne?
[19:32] Mizuki: Das wird gleich ein ernstes Gespräch geben. Ich mach kein Spaß. Dein Verhalten geht gerade gar nicht.
[19:33] Mizuki: Und wenn du nicht gleich antwortest, gebe ich Todoroki doch die Schuld dafür. Ihr zwei regt mich so dermaßen auf.

[19:48] Ich: Sorry. Bin eingepennt. Komme gleich.

[19:49] Mizuki: WO ZUR HÖLLE BIST DU EINGEPENNT?! WAS IST EIGENTLICH FALSCH MIT DIR?! HAST DU ÜBERHAUPT EINE AHNUNG, WAS DU MIR GERADE ANGETAN HAST?!


Schmunzelnd wollte ich mein Handy wieder weglegen, als mein Blick auf dem anderen Chat hängen blieb. Um ehrlich zu sein siegte schließlich die Neugier und ich öffnete ihn.

[17:02] Todoroki Shoto: Es tut mir leid, wenn meine Worte zu harsch waren. Ich will schon seit Tagen mit dir reden, Yukiri.
[17:59] Todoroki Shoto: Bist du in deinem Zimmer?
[18:18] Todoroki Shoto: Wo bist du?
[18:18] Todoroki Shoto: Ich würde gern mit dir reden. Bitte lass es mich dir erklären. Ich hatte nie vor dich zu ignorieren.
[18:54] Todoroki Shoto: Yukiri?
[19:15] Todoroki Shoto: Sag mir bitte Bescheid, wenn du in deinem Zimmer bist. Ich muss dir etwas dringendes sagen.


»Was zur Hölle will der Kerl von dir?«, riss mich Takukos angesäuerte Stimme mitten aus dem Satz.

Ich hatte nicht bemerkt, dass er sich neben mir gesetzt und schon gar nicht, dass er auch noch so dreist mitgelesen hatte. Schnell rutschte ich mit dem Stuhl etwas von ihm weg, während ich ihn wütend und warnend ansah. Nicht nur, dass er mich gestört hatte, nein, er musste ja unbedingt noch eins drauf legen.

»Das geht dich gar nichts an«, stellte ich klar und fing an meine Sachen wieder in meine Tasche zu räumen.

Takuko schnaubte. »Bin ich dir ernsthaft so egal geworden?«

Ich hielt inne, als ich gerade meine Tasche schultern wollte. Auch wenn er angepisst klang, so konnte ich doch deutlich den verletzten Ton in seiner Stimme hören. Für eine Sekunde schoss mir das Bild des kleinen Takukos durch den Kopf, der damals mein bester Freund gewesen war. Doch ich schüttelte das Bild schnell ab. Es gab ihn einfach nicht mehr.

»Hättest du damals nicht diese Dummheit begangen, würde ich dich jetzt immer noch genauso lieben wie früher«, sagte ich leise.

Seine Augen weiteten sich und dieses Mal sah ich deutlich die Traurigkeit in ihnen.

»Du... hast mich geliebt?«

»Genauso wie ich Yato geliebt habe, ja. Aber jetzt definitiv nicht mehr.«

Er senkte seinen Kopf und eine erneute Stille legte sich über uns. Das war das Zeichen für mich zu gehen, doch als ich aufstand und mich gerade zum Gehen wandte, ergriff er plötzlich mein Handgelenk und zog mich zurück. Ich hatte mit dieser Handlung absolut nicht gerechnet, fing mich jedoch, bevor ich gegen seine Brust knallen konnte. Zu meinem Entsetzen schien es aber nicht alles gewesen zu sein, denn er beugte sich auf einmal zu mir herunter. Mir blieb nicht viel Zeit zu reagieren, trotzdem knallte meine Hand gegen seine Wange und ich stolperte zurück. In diesem Moment raste mein Herz, und das sicher nicht, weil ich positive Gefühle verspürte. Ganz sicher nicht. Es war das absolute Gegenteil und alles in mir schrie, dass ich schnell verschwinden sollte. Doch meine Beine wollten sich einfach nicht bewegen.

»Wolltest du mich ernsthaft gerade küssen?«, fragte ich mit einer überraschend festen und viel mutigeren Stimme als erwartet.

Takuko ließ seine Wange, die er sich gehalten hatte, los und sah sich prüfend um. Niemand schien auf uns aufmerksam geworden zu sein. Ich warf einen Blick über meine Schulter. Die Bibliothekarin war nicht mehr da... Ansonsten hätte sie uns wahrscheinlich sofort aus ihrer heiligen Bibliothek geworfen.

»Und was wenn?«, sagte Takuko schließlich. Seine Stimme war eiskalt. Er bereute es nicht einmal... »Willst du mir etwa sagen, dass du diesen Todoroki noch nicht geküsst hast?«

Ich antwortete nicht. Einfach, weil ich gerade nicht verstand, was mit ihm los war. Das schien ihn in seiner Vermutung nur zu bestärken. Er ließ ein wütendes Schnauben verlauten.

»Wusste ich es doch. Bist du eigentlich so bescheuert? Denkst du, dass dem Kerl irgendetwas an dir liegt?«

Ich presste meine Lippen zusammen, um mich nicht zu verraten. Er sollte nicht bemerken, dass ich es war, die Gefühle für Todoroki entwickelt hatte. Doch meine Reaktion schien ihn nur noch wütender zu machen.

»Sag mir nicht...? Yuna, ihr vögelt doch nicht miteinander, oder?«

Jetzt runzelte ich die Stirn. »Was zur...? Was genau willst du eigentlich? Wieso sollten Todoroki und ich miteinander Vögel beobachten?«

Takuko schloss die Augen, als würde er gerade angespannt nachdenken. Als er sie wieder öffnete, erschien er mir wieder entschlossener.

»Nur damit du es weißt, der Kerl will absolut nichts von dir. Ich kenne Typen wie ihn. Sie spielen nur mit Mädchen. Er ist nichts weiter als an deinem Körper interessiert, was sowieso die einzige besondere Sache an dir ist. Außerdem wissen alle, dass etwas zwischen ihn und eurer Yaoyorozu läuft. Ich kann dir sagen, die beiden vergnügen sich definitiv miteinander.«

Mein Herz rutschte mir in die Hose, und beinahe, fast beinahe, hätte ich erneut ausgeholt, doch nicht nur, um ihn zu ohrfeigen. Seine ersten Worte zu meinen Körper hatten weh getan, einfach, weil ich jetzt wusste, wie mich mein ehemaliger Kindheitsfreund betrachtete. Alles andere...

»... Das ist sowas von eine dreckige Lüge«, sagte ich, hob meinen Finger und bohrte ihn in seine Brust. »Shoto ist definitiv kein Player und schon gar nicht so ein verdammtes Arschloch wie du. Und Yaoyorozu hat definitiv mehr Klasse als sich jemanden einfach hinzugeben, ohne tiefe, sichtbare Gefühle! Der einzige, der mich gerade anekelt, bist du. Ich weiß nicht, was mit dir los ist, Gato, aber du...«

Ich brach ab, als er dieses Mal mein Gesicht ergriff und mein Körper automatisch reagiert. Es war wahrscheinlich die unangenehme und ungewollte Berührung, gepaart mit der Vorahnung, was er wollte, die eine so extreme Reaktion bei mir auslöste. Ohne es zu befehlen, ergriff ich sein Handgelenk mit einer Hand und seinen Kragen mit der anderen, und ehe ich mich versah, hatte ich ihn über meine Schulter geworfen.

Und in diesem Moment realisierte ich erst meine Handlung, als der Tisch unter seinem Gewicht nachgab und krachend zerstört wurde.

Erst, als ich Takuko mit einem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck da liegen sah und den erschrockenen Schrei der Bibliothekarin hinter mir wahrnahm, begriff ich, dass ich gerade jemanden mächtig verletzt und überreagiert hatte. Dennoch schaffte ich es nicht in diesem Moment das Richtige zu tun. Stattdessen setzten sich meine Beine in Bewegung und ich steuerte so schnell ich konnte den Ausgang an.
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