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Golden Wedding Bells

von Asia Rose
OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Benvolio Mercutio OC (Own Character) Tybalt
24.03.2018
24.03.2018
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Guten Abend, totes Fandom!
Japp, ich schon wieder. Und nein, kein plötzlicher Ansturm von Kreativität, der mich hier erwischt hat, sondern ein ganz gewisser Montague, der sich hier neuerdings ständig OS' wünscht. (Ich warne dich, wenn du hiervon ne Fortsetzung willst, dann...)
Alles in allem, muss ich sagen, hatte ich aber viel Spaß damit, dieses kleine Dings hier zu tippseln. Es ist, wie auch der letzte OS, leider nicht beta-gelesen, weil meine allerliebste Beta was für ihre Bildung tut und das nun mal immer vorgeht.
Außerdem, und das ist wichtig (!!!): Dieser OS steht in absolut gar keinem Zusammenhang zu "Love is a losing game" oder "Masked". Auch gibt es keine Überschneidungen zum Gemeinschaftswerk Ein Sommernachtstraum, bis auf das Pairing Benvolio und Nella.
Wer also eines der anderen Werke gelesen hat, der kann den Inhalt getrost vergessen, das hier ist für absolute Einsteiger!

Hmmmm~ und sonst so? Eigentlich gibt es nichts weiter Wichtiges. Die Figuren gehören nicht mir, sondern Master Shakespeare und seinen rechtlichen Nachfolgern, alle anderen Anleihen gehören ihren Rechteinhabern, ich habe nur geklaut und geb es nach dem Spielen wieder zurück.

Caligula - ich hoffe, dir gefällt auch dieser OS so gut wie der letzte. Ich danke dir für die Anregungen, die Übung kann ich wirklich gebrauchen. Wenn nicht, du weißt ja, wie du mich erreichen kannst. Wenn doch - wo der Reviewbutton ist, muss ich dir wirklich nicht erklären.

Enjoy ~


Missvergnügt zupfte Mercutio an seiner roten Krawatte herum und versuchte, das verflixte Ding gerade zu bekommen. Er hasste es, solche Leinen zu tragen, fühlte sich wie einer seiner eigenen Hunde damit. Und dann auch noch Rot! Sicherlich, dank der neuen Romanze zwischen Benvolio und Ornella – Nella, wie sie nur genannt wurde – waren sich Montague und Capulet nicht mehr ganz so sehr spinnefeind wie früher, weil die beiden sich schlicht und ergreifend weigerten, mit ihren Freunden alleine zu reden, wenn ihr Partner nicht mit dabei war. Und das führte zwangsläufig irgendwann dazu, dass Mercutio gezwungen war, mit Nella und damit auch mit ihrem Anhang zusammen zu sitzen.
Einige von ihnen waren nicht mal so schrecklich, nur würde er das niemals laut zugeben. Lieber behielt er einen vorsichtigen Abstand, blieb höflich und hütete seine Zunge, denn die Verlockung, Tybalt verbal zu reizen, war einfach zu groß. Ihre Prügeleien hatten sich seitdem wirklich signifikant reduziert, doch Mercutio vermisste es irgendwie auch. Weniger Prügeleien bedeuteten weniger Körperkontakt, und darauf verzichtete er nur ungern, immerhin war Tybalt so etwas wie ein wandelnder Tagtraum für ihn.
Genervt seufzend gab er das Zupfen an der Krawatte auf – Rot war wirklich nicht seine Farbe – und schaute sich um.
Natürlich mussten Ben und Nella im Sommer heiraten. Und natürlich draußen. Und natürlich war eine der Brautjungfern allergisch gegen Pollen, sodass die ganze Dekoration darauf ausgerichtet werden musste, dass Giulia nicht die ganze Zeit schniefte und die Zeremonie unterbrach. Und für Mercutio und Romeo als Helfer des Bräutigams war es natürlich die absolute Hölle gewesen, schließlich hatten sie sich zusammengetan und für Ben das meiste organisiert. Dafür, dass Benvolio sonst die Mutterhenne in ihrer Gruppe war, war er vor seiner eigenen Hochzeit einfach furchtbar nervös und für absolut nichts zu gebrauchen gewesen – und das schon Monate zuvor.

Mercutio schaute sich um – romantisch war die ganze Location ja schon mal. Der große Park, von einer Stiftung seines Onkels finanziert, wurde wirklich immer absolut in Schuss gehalten und sah wunderschön aus. Rechts und links eines Weges, der normalerweise in einer kleinen Sackgasse endete (ein beliebter Platz für Stelldicheins), waren Bänke aufgestellt worden, weiß gestrichen und mit Stoffblumen geschmückt. Auf dem eigentlichen Weg war ein Teppich ausgerollt – wer hätte gedacht, dass es Mietteppiche gab? – und in Abständen von ein paar Metern waren Rosenbögen aufgestellt worden. Er war nur froh, dass diesen Teil des Aufbaus Romeo beaufsichtigt hatte, der Mann hatte einfach ein gewisses Auge für romantische Details. Für irgendetwas mussten seine seltsamen Vorlieben ja mal zu gebrauchen sein.
Grundsätzlich war die Dekoration weiß gehalten, damit es keine Streitereien darum gab, ob man nun Montague oder Capulet den Vorzug gegeben hatte, das hatte sich das Brautpaar verbeten. Auf dem eigentlichen Platz war ein Pult aufgestellt worden, an dem hinterher der Standesbeamte stehen würde, da die beiden entschieden hatten, nur eine weltliche Zeremonie zu wollen. Und über diesem Pult schwebte ein Baldachin aus weißen Rosen, das aufzubauen die Hölle gewesen sein musste. Immerhin waren alle Rosen noch am Leben und nicht einfach abgeschnitten worden, sondern rankten wie verrückt die Gitter entlang, die sie in die richtige Form brachten.
Abseits des Aufbaus war ein großer Kreis aus Fackeln gesteckt worden, der auch die Tanzfläche markierte. Die Fackeln würden später entzündet werden, wenn die Sonne unterging. Zwischen den Fackeln verteilt würden während des Empfangs heimlich ein paar helfende Hände Feuerwerksraketen aufstellen, die Punkt Mitternacht abgefeuert werden sollten, um den ersten Tag als Ehepaar einzuläuten. Davon wussten Ben und Nella aber nichts – es war eine Überraschung seitens der Capulets gewesen, ein netter Vorschlag und ein Friedensangebot in einem.

Nach und nach trudelten die Gäste ein, erstaunlich pünktlich dafür, dass die Hälfte von ihnen, die Montagues, es eigentlich mit der Zeit nicht besonders genau nahmen. Die Bänke füllten sich recht schnell, während Mercutio Ausschau hielt nach Romeo. Benvolios Trauzeuge war vermutlich noch beim Bräutigam und versuchte, ihn zu beruhigen, falls Ben nicht schon zusammengeklappt war vor Aufregung. Stattdessen erblickte er Tybalt, schnittig im weißen Anzug des Brautführers, dafür mit marineblauer Krawatte. Nella hatte darauf bestanden, das die beiden größten Streithähne für diesen Abend die Farbe des jeweils anderen tragen mussten, und Mercutio musste gestehen, dass Tybalt das Blau irgendwie stand…auch wenn er Rot eindeutig bevorzugte.

Tybalt steuerte auf den Pavillon zu, in dem die Braut sich aufhielt, gemeinsam mit ihren zwei Brautjungfern. Auch er fühlte sich mit der blauen Krawatte irgendwie eingeengt, aber er ertrug es für seine Freundin. Und wenn sie unbedingt diesen Schürzenjäger heiraten wollte, dann sollte sie das tun. Es gab nichts, was Nella davon abhalten konnte, etwas zu tun, das sie sich in den Sturkopf gesetzt hatte. Zugegeben, er hatte sich ein wenig gefangen – schien sich die Hörner abgestoßen zu haben – aber er war Tybalt trotzdem noch nicht ganz koscher. (Das ‚wenn du ihr wehtust, bringe ich dich sehr schmerzhaft um‘-Gespräch hatte er mit Ben bereits ganz zu Anfang dieser Beziehung geführt, doch der hatte es nur abgewinkt. Offenbar wusste er ganz genau, dass Nella schneller sein würde).
Nella dagegen sah wundervoll aus, auch wenn nach Tybalts Geschmack das Kleid ein wenig länger sein könnte. Es endete knapp über den Knien und zeigte ihre eigentlich viel zu dünnen Beine – aber Nella machte sich nichts daraus. Sie litt zwar an Eisenmangelanämie und musste Tabletten nehmen, aber sie empfand sich trotzdem als schön und begehrenswert und liebte es, die Teile ihres Körpers zu betonen, die sie als besonders schön empfand. Nach der ersten und einzigen Minirock-Diskussion hatte Tybalt das Thema fallengelassen und nie wieder angesprochen.
Ihre brandroten Haare trug sie hochgesteckt, allerdings hatte sie sonst auf Schmuck verzichtet. Der Schleier, den sie am Hinterkopf trug, war an einem Kranz aus weißen Rosen befestigt – die Überfülle dieser Blumen an diesem Tag machte Tybalt fast wahnsinnig. Danach würde er wohl ewig keine weißen Rosen mehr sehen können.
„Wenn du nicht schon versprochen wärest…“, scherzte er, als er das Zelt betrat und seine älteste Freundin vor einem bodentiefen Spiegel stehen sah. Sie drehte sich wie ein kleines Mädchen, das Prinzessin spielt, um die eigene Achse und bewunderte das Kleid. Es ließ auch ihre Arme frei, die sich farblich von dem cremigen Weiß des Kleides kaum unterschieden (die Farbe nannte sich eierschalenweiß, wie man ihm erklärt hatte), und ließ Nella trotz allem erstrahlen.
Sie trug auch Schmuck, dem er aber keine weitere Beachtung schenkte, außer, dass sie fantastisch damit aussah.
„Jaja, schon klar, Tybalt. Wir wissen doch alle, dass du deine Augen nicht von Mercutios Arsch nehmen kannst“, erwiderte Nella, rüde wie immer, und seine Ohren liefen ein wenig rot an. Er schaute Mercutio überhaupt nicht auf den Hintern! Er wusste es aber besser, als zu protestieren.
„Wenn du meinst. Fertig? Oder willst du doch lieber abblasen?“, fragte er über das Gekicher von Giulia und Rosalind hinweg.
Nella schüttelte tapfer den Kopf, doch sie lächelte die ganze Zeit über – sie musste sich ihrer Sache wirklich sicher sein. Wie er sie kannte, hatte sie Benvolio fest in der Hand.
Draußen erklangen die ersten Töne vom Band – auf die Live-Kapelle hatten sie dann doch verzichtet – und Tybalt bot Nella seinen Arm an, damit sie sich einhaken konnte. Dass er sie zum Altar führen würde, hätte er sich nie träumen lassen, doch als Nellas Vater vor zwei Jahren einem Herzinfarkt erlegen war, war er irgendwie die nächste Wahl gewesen.
Rosalind und Giulia eilten voraus, hielten den Vorhang des Pavillons auf. Giulia drückte Nella ihren Blumenstrauß in die Hand, den sie beinahe vergessen hätte – schöne Hochzeit wäre das gewesen – dann passte Tybalt automatisch seine Schrittgeschwindigkeit der der Braut an. Nella trug sonst eher flache Pumps, sie jetzt auf den High Heels über den unebenen Untergrund zu steuern, ohne dass sie umknickte, war eine Wissenschaft für sich.

Unterdessen stand Mercutio bereits neben dem Altar, vor sich ein nervöses Wrack in Schwarz, und weit und breit kein Romeo. Verpennte vermutlich die Zeremonie, nachdem er vorhin beim Probedurchlauf ohne das Brautpaar schon fast eingeschlafen wäre. Mental machte er sich bereit, nachher beim Dinner für die Rede des Trauzeugen einzuspringen, und versuchte, sich auf die Schnelle ein paar Worte zu Recht zu legen.
Sein Blick fixierte sich auf Tybalt, der mit Nella am Arm wirklich ein beneidenswert schönes Paar abgab. Die beiden schritten auf dem Teppich gemessen voran, das leise Glockenspiel, das die Schritte untermalte, wirkte ruhig und vor allem nicht ausgelutscht (alle Beteiligten hatten sich geweigert, den Hochzeitsmarsch aus Mendelsohns Sommernachtstraum abzuspielen). Nella schwebte trotz der hohen Schuhe wie eine Elfenkönigin über den Teppich und Benvolio konnte sich wirklich glücklich schätzen.
Fast gewaltsam riss Mercutio seinen Blick von Tybalt los, der Nella neben ihren Bräutigam navigierte und sie ihm dann mit einem warnenden Blick übergab. Benvolio schien fast aus den Schuhen zu kippen, als er seine Braut sah, und Mercutio schmunzelte. Tybalt glitt leise neben ihn – sein Platz als Brautführer – und auf der anderen Seite des Rednerpults nahmen die Brautjungfern ihre Plätze ein.
Der Standesbeamte Lorenzo…irgendwas (Mercutio hatte nicht zugehört, als er sich vorgestellt hatte), begann zu sprechen, doch Mercutio blickte über die Gäste hinweg an den Rand des Areals. Neben dem Pavillon der Braut war eine Hundehütte aufgebaut worden, und auf ein Signal hin sollten die beiden Hunde Carlo und Nino, von ihm höchst selbst dafür trainiert, loslaufen und zwischen sich in einer Art Geschirr die Ringe präsentieren.

Bis zu diesem Punkt klappte auch alles wie geprobt – bis Mercutio mit Panik in den Augen erkennen musste, dass das samtene Kissen, auf dem die Ringe festgesteckt hätten sein sollen…leer war.
Eine Hochzeit ohne Ringe.
Der Klassiker, natürlich – er hätte sich nicht darauf verlassen dürfen, dass alles funktionieren würde, vor allem dann nicht, wenn es bei der Probe problemlos verlaufen war!
Leicht panisch blendete Mercutio die Rede aus, überlegte fieberhaft, was er jetzt tun könnte. Erst der Patzer mit dem Trauzeugen, der nicht aufgetaucht war, dann die Ringe. Noch hatte niemand die sich nähernden Hunde bemerkt, denn das Publikum war mit den rührenden Schwüren des Brautpaares beschäftigt, zumal sie alle erwarteten, dass der Trauzeuge die Ringe hätte.
Verdammt – vermutlich hatte Romeo sie nach der Probe eingesteckt.
Mercutio stand am Rande einer Panik, als er, völlig unverhofft, eine Hand an seiner Kehrseite spürte. Erschrocken schielte er zur Seite, sah, dass es wirklich Tybalts Hand war.
Was?, fragte er wortlos, doch die Finger, die sich verirrt hatten, klopften nur auf einen viereckigen Gegenstand in seiner hinteren Hosentasche. Irritiert langte Mercutio nach hinten und zog so regungslos wie möglich ein Etui heraus.
Ohne Worte konnte er nicht fragen, was ihm im Kopf herum ging, also verlegte er sich darauf, einfach das Etui zu öffnen, als der Standesbeamte etwas von Ringen faselte.
Er konnte nur hoffen, dass Tybalt sich nicht irgendeinen üblen Scherz erlaubt hatte, doch zu seiner Erleichterung kamen zwei goldene Ringe zum Vorschein. Der eine aber ließ nicht nur seinen Atem stocken, sondern auch Nellas. Sie alle kannten diesen Ring.
Der Siegelring der Capulets glänzte poliert auf dem roten Samt, neben ihm, kleiner und zierlicher, ein schlichter Ring mit einem kleinen, weißen Stein. Vermutlich ein Diamant.

Benvolio war noch immer wie erstarrt, doch Nella überspielte diese unerwartete Situation (das waren eindeutig nicht die Ringe, die sie und Ben ausgesucht hatten, aber egal) und nahm den schweren Siegelring heraus, um ihn ihrem frisch angetrauten Ehemann an den Ringfinger zu stecken. Er passte – immerhin – und das löste Ben aus seiner Starre. Er nahm den anderen Ring und ließ ihn auf ihren Finger gleiten, dann konnte er sie endlich küssen.
Die Sonne versank exakt im richtigen Moment und illuminierte die Szene prächtig, ließ es scheinen, als wäre die Zeit angehalten.
Lange hielt der Zauber aber nicht an, denn das Publikum brach in Applaus aus, währenddessen die Trauzeugen und Brautjungfern schnell zur Tat schritten und die Heiratsurkunde unterschrieben.
Der Jubel brach schnell in Skandieren aus, dem sich Nella fügen musste. Sie drehte allen Anwesenden den Rücken zu und warf ihren Strauß – und erntete herzliches Gelächter, als er Benvolios Tante direkt in die Arme flog.
Benvolio räusperte sich und bat um Ruhe, dann führte er alle Anwesenden zum überdachten Buffet und ließ sie an ihren vorgeschriebenen Tischen Platz nehmen.
Noch immer war kein Zeichen von Romeo zu sehen, daher nahm Mercutio wieder seinen Platz an Bens Seite ein und klopfte ein paar Mal mit seiner Gabel gegen das Glas.

„Verehrte Anwesende, liebe Freunde und Capulets“, begann er und erntete trotz aller Spannungen eher gutmütiges Lachen, weil alle von der Trauung noch sentimental waren.
„Wir haben uns heute hier versammelt, damit Benvolios beste Freunde noch mal so richtig die Gelegenheit haben, ihn vor versammelter Mannschaft lächerlich zu machen, ehe wir diese Aufgabe in Nellas Hände legen.“ Er grinste ein wenig unsicher und schaute sich um, doch dann wurde er von einer tiefen Stimme auf Nellas Seite des Tisches abgelenkt.
„Und weil Nella auf der absoluten Gleichberechtigung bestanden hat, wird auch mir die Ehre zuteil, ein paar peinliche Geschichten über sie zu erzählen“, sprang Tybalt ein und Mercutio warf ihm einen dankbar-erstaunten Blick zu. Der sonst so auf Krawall gebürstete Schläger war heute erstaunlich handzahm und friedfertig.
„Beispielsweise wäre da die allererste Anprobe ihres Kleides gewesen…Sie haben alle ihre Schuhe gesehen, oder? Sagen wir es so, wenn die Wand nicht neben ihr gewesen wäre, dann wäre sie keine drei Schritte weit gekommen. Der Beweis dafür, dass auch eine elegante Elfenkönigin aussehen kann wie ein Storch im Salat, ist auf Video gebannt und wer zum Honeymoon für die beiden beitragen will, der kann eine Kopie der Hochzeitsvideos inklusive Bonusmaterial später am Abend erwerben“, eröffnete Tybalt seine Rede.
Mercutio war erneut überrascht – oder immer noch? – weil er davon nichts gewusst hatte, aber er schätzte die Idee. An der Art, wie Rosalind mit einem Mal kicherte, las er aber ab, dass sie es wohl geschafft hatte, ein paar Videos derselben Art Romeo aus dem Kreuz zu leiern. Mercutio seufzte tonlos. Romeo war und blieb ein hoffnungsloser Fall. Hoffnungslos romantisch.
„Ich für meinen Teil erinnere mich sehr genau daran, dass Ben schon in der Schule immer wieder versucht hat, bei Nella zu landen. Sehen Sie die kleine Narbe auf seiner Wange? Nella hat wirklich spitze Krallen. Diese Narbe ist jetzt auf den Tag genau dreizehn Jahre alt und damit haben die beiden ab heute gleich zwei Jahrestage zu feiern. Den ersten Korb und die erste Landung“, erzählte Mercutio, froh darüber, dass ihm noch eine Anekdote eingefallen war.

Nach und nach wechselten er und Tybalt sich immer wieder ab, erzählten etwa eine halbe Stunde lang von kleinen Pannen im Leben der beiden Frischvermählten, die gegenseitig aufeinander aufbauten. Niemand schien zu merken, dass sie nicht im Geringsten geübt hatten, geschweige denn irgendetwas geplant, und schließlich endete die Erzählung. Nicht beim Hochzeitstag, wie Mercutio gehofft hatte, sondern mit einem lauten Knall.
Fluchend schaute er auf – und wurde fast augenblicklich von bunten Farben geblendet. Eigentlich sollten die Feuerwerke erst um Mitternacht losgehen, aber es musste eine Fehlzündung gegeben haben, denn schon jetzt jagten die Raketen gen Himmel.
Rote und blaue Kaskaden ergossen sich über der Gesellschaft, Gold und silberweiß blitzten Sterne auf. Es war wunderschön und glücklicherweise bereits dunkel. (Romeo sei Dank, der auf einer Trauung bei Sonnenuntergang bestanden und sie prompt verpennt hatte.)
Und trotzdem war es nicht geplant!
Mercutio knurrte, weil heute alles schief lief, aber er konnte nicht nachschauen gehen, was genau passiert war, weil sich Nino und Carlo ängstlich winselnd zu seinen Füßen tummelten. Er kniete nieder und versuchte, die Hunde zu beruhigen, während neben ihm Benvolio fast der Kiefer ausrenkte, so begeistert war er von dem Feuerwerk. Mercutio schmunzelte – man konnte dieses Riesenbaby manchmal doch mit den einfachsten Sachen begeistern.

Nach der verpatzten Überraschung, die niemanden zu stören schien, eröffnete das Brautpaar das Buffet und versenkte prompt das Pärchen aus Marzipan – den Bräutigam der seine Braut auf Händen trug – in der Schüssel mit Früchtepunsch.
Die anhaltende Pannenkette begann, Mercutio langsam Kopfschmerzen zu bereiten, doch er ließ sich hoffentlich nichts anmerken.
Eine halbe Stunde später stand er am Rand der Tanzfläche, an einen Baumstamm gelehnt, eine Champagnerflöte in der Hand, und beobachtete die Versuche des Paares, sich nicht gegenseitig auf die Füße zu steigen. Himmel, wer auch immer etwas anderes als Walzer für den Eröffnungstanz vorgeschlagen hatte, war ein Idiot. Dabei behielt man wenigstens die Füße auf dem Boden und die Schrittfolge war denkbar simpel. Aber das hier? Das glich einer schlechten Komödie.
Er blickte erst auf, als er neben sich ein leises Räuspern hörte.
Tybalt Krawatte lag ihm locker um den Hals, der strenge Oxfordknoten war gelöst und der oberste Hemdknopf offen. Mercutio starrte ihn an, ehe er sich zusammenreißen konnte.
„Danke“, murmelte er, fast betreten, und machte eine allumfassende Handbewegung.
„Kein Ding. Ich wollte nicht, dass Nellas Hochzeit versaut wird“, winkte Tybalt ab.
„Woher…die Ringe?“, fragte Mercutio, bekam einen kohärenten Satz heraus, als er ausgerechnet Romeo und die kichernde Rosalind erblickte. Jetzt also tauchte der Siebenschläfer auf? Wenn es Alkohol und Essen gab.
Natürlich.
„Ich wollte sie den beiden eigentlich als Brautgeschenk übergeben. Der Siegelring gehörte meinem Onkel…also, dem jüngeren Bruder von Giulias Dad. Es sind nicht die Insignien des eigentlichen Fürsten Capulet, sondern die der Familie, einfach nur das Wappen“, erklärte er ruhig, „und der andere Ring ist eine Sonderanfertigung für Giulias und meine Urgroßmutter mütterlicherseits gewesen. Familienschmuck, sozusagen, aber es ist das einzige Metall, auf das Nella nicht allergisch reagiert. Als ich gesehen habe, wie panisch du geworden bist, habe ich die das Etui in die Tasche gesteckt, aber die einzige, die ich erreichen konnte, ohne dass es auffällt, war deine hintere Hosentasche.“
„Wow“, flüsterte Mercutio und wusste nicht mehr, was er sagen sollte. Er hätte Tybalt weder so viel Feingefühl noch so viel Fingerfertigkeit zugetraut, denn zugegeben, er hatte nicht mitbekommen, wie das Etui in seiner Tasche gelandet war, nur die Finger auf seinem Allerwertesten.
Auch Tybalt neben ihm verfiel in Schweigen, und sie beobachteten gemeinsam das Treiben auf der Tanzfläche.

Als um Mitternacht – ohne Feuerwerk – die Angestellten des Catering-Dienstes noch eine Runde Champagner ausschenkten, trafen sich alle Gäste noch einmal auf der Tanzfläche. Jedes Glas wurde aufgefüllt, jeder stieß mit jedem an, und eine allgemeine Symphonie von Hochrufen und Glückwünschen für das Brautpaar, gespickt mit gelegentlichen Anspielungen, erfüllte die laue Sommernacht.
Mercutio stand in der Nähe der beiden Frischvermählten und versuchte, ihr Geturtel auszublenden, doch er hatte keine Chance.
„Hast du deine Pillen genommen?“, hörte er Ben fragen – eher unerwartet, es sei denn, er meinte die Pillen.
Nella flüsterte zurück und rollte die Augen, allerdings entkräftete der liebevolle Ton den Vorwurf.
„Du bist total kontrollsüchtig!“

(Sekunden später begann es, in Strömen zu regnen – was die meisten Anwesenden dazu veranlasste, kreischend Schutz zu suchen, während Ben und Nella sich ihrer Schuhe entledigten und lachend auf dem rutschigen Rasen tanzten, sich nicht um die Risiken scherend.)


Und wie üblich noch mal vom Ende. Wen es interessiert, der möge hier Caligulas Wünsche lesen:
1) Situationen, die irgendwie verarbeitet werden sollen:
- eine Überraschung geht schief
- jemand verschläft
- der Klassiker...die Ringe verschwinden

2) Der Satz "du bist total kontrollsüchtig"

3) Das Wort "Hundehütte" muss im Text untergebracht werden.

Fun Fact? Die Szene mit den Hunden hatte ich im Kopf, ohne dass ich an die Vorgabe Hundehütte gedacht habe. Nino und Carlo waren als purer Fanservice gedacht. (Und wie der Rest der FF eigentlich nur das totale Ausleben gewisser Headcanons. Dazu zählt, das modern!Mercutio einfach immer Hunde hat. Aber natürlich konnte ich für ein AU, in dem es den Sommernachtstraum nicht gibt, den allseits geliebten Zamo nicht nehmen.)
Übrigens überlasse ich euch auch das Aussehen der Hunde. Nur - es sind keine Welpen mehr.

Ansonsten...der Titel der FF ist gemopst, und zwar von Edgar Allan Poes Gedicht "The Bells", hier vertont von Eric Woolfson und der wunderbaren Cast des Musicals Poe: More Tales of Mystery and Imagination.
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