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30 days, 30 letters - The way up to heaven

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
24.03.2018
02.01.2021
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24.03.2018 557
 
Hallo Papa,

in der Tat sind meine letzten und handgeschriebenen Briefe schon lange her. Nicht, dass ich dich weniger vermissen würde. Das Loch, welches dein Tod in meinem Herzen hinterlassen hat, ist immer noch eine große offene Wunde, die sich niemals vollständig schließen wird. Du fehlst mir in den einfachsten Situationen, etwa, wenn ich eine Klassenarbeit in der Berufsschule zurück bekomme. Du fehlst mir, in meinen glücklichen Momenten des Lebens genauso sehr, wie in den schweren.
Bei allem was ich tue, hoffe ich, dass ich dich stolz mache. Und ich weiß, das schaffe ich. Ich meine, sind wir mal ehrlich. Mit (damals) 29 Jahren einen Ausbildungsplatz zu bekommen war etwas, dass ich nicht für möglich gehalten hatte. Und doch, hat mir dieser Betrieb die Chance gegeben. Ich habe mich, im ersten Lehrjahr rein gehängt, einen 2,0 Durchschnitt im Abschlusszeugnis des ersten Jahres hingelegt. Ich bin jetzt mitten im zweite Lehrjahr und befinde mich kurz vor der Abschlussprüfung. Nicht zuletzt, hänge ich danach noch das dritte Lehrjahr dran und kann mich, am Ende dieser aufregenden Zeit `Fachkraft für Lagerlogistik` nennen. Ich habe mir wirklich den Arsch aufgerissen, um da zu sein, wo ich es jetzt bin. Du siehst es, ich weiß es. Aber was du auch sehen wirst, sind diese ganzen Zweifel, die mich plagen. Mein Kopf, er ist manchmal so voll und ich zerdenke die kleinsten Dinge und traue mir plötzlich gar nichts mehr zu. Mein Selbstbewusstsein; ein kleines, verängstigtes Kind. Und hier fehlst du mir am meisten. Du bist nicht mehr hier, um mich aufzubauen, mir zu sagen, dass alles gut werden wird und ich das alles schon gemeinsam schaffen werden.
Wie du mir fehlst…
Ich möchte nicht sagen, dass die Gedanken an dich weniger geworden sind. Vielleicht belüge ich mich hier aber auch selbst, weil ich mich schämen würde, wenn dem so wäre. 11 Jahre ohne dich sind eine verflucht lange Zeit, Papa. Die Gedanken sind nicht weniger geworden, sie haben sich nur verändert, aber die Liebe ist gleich geblieben.
In einer meiner Geschichten, habe ich versucht, deinen Tod zu verarbeiten. Versucht..denn als ich es geschrieben habe, war ich fertig mit den Nerven. In der Realität hatten wir keine Möglichkeit uns zu verabschieden. Ich konnte dich nicht nochmal in den Arm nehmen und dir sagen, wie sehr ich dich liebe. Aber ich gab Izzy die Möglichkeit dazu. Sie hat eine Chance bekommen, all das zu sagen, was mir verwehrt geblieben war. Als ich angefangen habe, diese Szene zwischen Vater und Tochter zu schreiben, war ich mir sicher, dass mich Izzy´s gesagten Worte am meisten treffen würden. Aber ich lag falsch. Denn als ich deine geschrieben habe, das, was ich noch gerne von dir gehört hätte, das was ich dachte, was du mir noch gesagt hättest..diese Worte zu schreiben hat mich eine Menge Kraft gekostet. Ich ließ es also ein paar Tage liegen und ruhen, habe es dann nochmal, im kompletten Zusammenhang gelesen. Und es ist perfekt geworden. Es ist ein perfekter Abschied, zwischen Izzy und ihrem Dad. Aber für mich, war es ein perfekter Abschied zwischen uns beiden.
Du hast ja schon immer gesagt, ich könnte besser schreiben, als mich verbal ausdrücken und nun sieh´ wo ich hier gerade sitze. An meinem Laptop, schreibe Geschichten über Walker, Grimm´s und Männer, ohne Gefühle :-)

Don´t dream it, be it.

In Liebe, deine Tochter.
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