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Schicksalsfäden

OneshotDrama, Liebesgeschichte / P16
Chiaki Nagoya Marron Kusakabe
24.03.2018
24.03.2018
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Sag mal...glaubst du an das Schicksal?
Glaubst du, dass sich deine und meine Wünsche erfüllen?
„Nein, denn meine Wünsche können nicht erfüllt werden.“
Was habe ich für eine Farbe?
Welche Farbe gehört mir?
„Hast du denn überhaupt eine?“
Egal wie lange, viel zu oft musste ich weinen und habe Tränen vergossen, doch wieso gibt es Niemanden, der mich erretten kann?
„Glaube mir, denn in dieser Welt gibt es weder Farben noch Wünsche. Das Schicksal kann nicht geändert werden, hier gibt es schließlich...auch nur Dunkelheit!“

Die Welt war grau. Allgemein gab es nicht viel was sich dieses Mädchen hätte wünschen können, denn schon lange wurden ihre ehemaligen Wünsche und Sehnsüchte auf einen Schlag zerschmettert. Dem Schicksal konnte man sich nicht beugen, schließlich hatte es einen eigenen Willen und die Tatsache sich zu widersetzen würde Gegen jegliche Ordnung verstoßen. „Wieso?“, flüsterte Marron leise unter Tränen, wären sie ihren Kopf in den Knien versteckt hatte und sich ausweinte. „Wieso habt ihr mich allein gelassen!?“
Sie weinte immer weiter. Selbst die Tatsache, dass sie sich doch schon so oft die Tränen aus dem Kopf geweint hatte, beruhigte sie nicht im Geringsten. Sie konnte weinen, jedoch nur noch leer. Es waren schon lange keine echten Tränen mehr und jegliches auf dieser Welt hatte an Bedeutung verloren.
Vorsichtig flog Fynn zu ihr und lächelte sie beruhigend an, doch trotzdem sammelten sich auch einzelne Tränchen in ihren Augen, was jedoch Marron nicht erkennen konnte. „Bitte Marron, nicht weinen. Alles ist gut. Deinen Eltern geht es auch gut. Gott wird gut für sie sorgen, keine Angst.“ Doch diese Erläuterungsversuche brachten das Herz der auszubildenden Ärztin sogar noch mehr zum schmerzen.
Sie wollte nicht. Marron wollte nicht mehr. Selbst wenn sie ihre Eltern auf eine gewisse Art und Weise gehasst hat, so konnte sie dennoch nicht akzeptieren, dass sie...dass sie...dass sie ihre eigene Tochter so im Stich lassen konnten!
„Hey Fynn...“, flüsterte die Braunhaarige bedrückt zu ihrem kleinen Engel, der vorsichtig näher zu ihren Lippen flog um sie besser verstehen zu können. „Ich...Ich bin stark. Ich...ich bin stark, bereit, unbesiegbar, schön, entschlossen und... mutig.“ Weitere Tränen rollten über ihre Wangen „Ich habe es doch geschafft, nicht war? Ich habe es so oft geschafft über die Verzweiflung hinweg zu kommen, aber...aber...“, sie schluchzte einmal auf, während weiterhin ihre Tränen die Wangen hinunter rollten.
„Nicht weinen“, sagte Fynn bedrückt und auch ihr liefen nun die Tränen vollends über die Augen. „Sonst wein ich auch!“
Die beiden Freundinnen weinten Seite an Seite miteinander, während die Kälte der Einsamkeeit sie empfing.
Sie waren gerade in Marrons Wohnung und die Braunhaarige lehnte an einer Wand, während sie einen kleinen Zettel in ihrer Hand zerdrückte. Gleich daneben war ein scharfes Messer in den Boden gestochen worden voller Wut und Trauer dafür, dass sie sogar zu unfähig war um sich selber das Leben zu nehmen. Ein Fenster war geöffnet und die kühle Nachtluft wehte ins Zimmer, doch störte es die Uni-Schülerin nicht im geringsten, selbst wenn sie nur ein sehr kurzes Nachtkleid anhatte.
Eine Gänsehaut hatte sich über ihren Körper ausgebreitet und sie zitterte, doch dies störte sie nicht auf Grund der heißen Wut und Trauer, die sie in diesem Moment verspürte. „Ich war allein! Marron war immer allein!“, flüsterte sie immer wieder vor sich hin, während sich ihr kleiner Engel ganz fest an sie geschmiegt hatte und ebenfalls über diesen Vorfall lauter Tränen der Wut und der Trauer vergoss.
„Wieso ist das so?“, flüsterte Marron weiterhin unter einer zittrigen Stimme hervor und konnte nicht anders, als weinen wegen der Tatsache, dass Keiner sie anscheinend verstand. Niemand auf der Welt konnte sie verstehen, selbst Fynn nicht, ebenfalls Gott nicht...auch sie sich selbst nicht. Hatte sie denn eine Wahl? Hatte sie wirklich die Wahl glücklich, oder traurig zu sein? „Warum...bin das nicht ich?“ Ein erstickendes Keuchen drang aus ihrer Kehle und sie konnte die tiefen Schluchzer, die sich in ihre Sinne bahnten auch kaum noch unterdrücken.
„Ich bin das nicht!“, versuchte sie sich weiterhin einzureden. „Ich bin nicht schwach. Ich...ich bin stark. Ich darf nicht weinen! Weinen“, wieder schluchzte sie. „Weinen bedeutet Schwäche. Ich darf nicht schwach sein. Die Marron, die Jeder kennt ist stark, immer glücklich und hilfsbereit, nicht das Häuflein Elend, was dieses Mädchen, was sie darstellen sollte, jetzt war.
Egal wie lange sie es auch flüsterte...egal wie lange sie auch versuchte zu unterdrücken, dass die Welt sich gegen sie gewandt hatte...sie durfte nicht wanken und der starke Pfahl in der Brandung sein, der immer wieder aufstehen konnte.
„Nicht fallen...du darfst nicht fallen! Marron...Marron ist ein gutes Mädchen! Marron kann alles. Marron...Marron ist...ist“, wieder übernahmen die Tränen den Rest und sie konnte ihren vorherigen Satz kaum zu ende sprechen ohne gleich wieder zu zittern.

Tröstend streichelte Fynn über ihren Kopf und versuchte weiterhin beruhigend auf sie einzusprechen, selbst wenn auch ihr das ziemlich schwer fiel.
Erst nach sehr langer Zeit, der erstickenden Tränen und wo das leise Heulen des Windes wieder durch das Fenster drang...erst dann, da fragte Marron ganz leise und kleinlaut, dabei das Gesicht weiterhin gegen ihre Knie gewandt: „Was bringt denn...das Leben?“ Über diese Frage war Fynn verwundert und schaute mit einem traurigen Blick nach unten. „Ich glaube“, begann sie und war sich dabei auch nicht ganz sicher. „Ich glaube, dass das nur der Herr wissen kann. Das Geheimnis des Lebens kann Keiner auf der Welt lösen, selbst ich als Engel weiß das nicht.“ Bitter nickte Marron. „Verstehe“, flüsterte sie, während Kopfschmerzen sich in ihrem Schädel breitmachten.
„Das heißt also ich weiß nicht einmal ob es sich lohnt zu leben.“ Mit diesen Worten zog sie das Messer wieder aus dem Holzboden und betrachtete nachdenklich die Klinge. „Dann kann ich doch auch gleich in den Tod springen, oder?“ Bitter lächelte sie, während die leisen Tränen von ihrem Kinn tropften und dabei direkt auf der Messerspitze mit einem kleinen „plopp“ wieder abperlten und zu Boden sackten, wie eine alte Erinnerung, die keinen Sinn mehr machte.
„Nein Marron, das darfst du nicht denken!“, beteuerte Fynn ihr und flog dabei in ihren Blickwinkel. „Außerdem hast du doch auch noch mich!“ Müde lächelte der kleine Engel ihr aufmunternd und mit einer gewissen Wärme entgegen, während es immer kühler bei Marron in der Wohnung wurde, da half die hochgedrehte Heizung auch kaum noch etwas. Doch die Braunhaarige schüttelte nur bitter lächelnd ihren Kopf. „Du hast es gut Fynn“, begann sie langsam zu sprechen, während sie das Messer an ihrem Handgelenk ansetzte. „Aber am liebsten würde ich sterben.“
Sie schnitt zu und das rote Blut floss über sie, als auch den Holzboden. Erschrocken sah Fynn dem Ganzen entgegen und weitete ihre Augen, als das Tränen verweinte Gesicht ihrer Freundin zuerst auf sie und dann auch das Blutbad sah. „Ich...kann nicht.“, flüsterte Marron voller Trauer und Bitterkeit. „Wieso kann ich...das nicht? Wieso!?“ Verständnislos sah sie Fynn an. „Wieso kann ich mich nicht einfach ermorden? Wieso, wieso wieso!?“ Noch mehr Tränen rollten über ihre Wangen und sie schlang die Arme um ihre Knie und weinte wieder in diese. „Ich habe Angst. Ich habe einfach zu große Angst.“ Die Stimme von Marron wirkte fast wie die Melodie eines einsamen und traurigen Liedes, dass irgendjemand einfach trostlos in eine Ecke geschmissen und zurückgelassen hat.
Wieder war eine Pause in der die Stille überhand gewann und das Herz der Braunhaarigen beinah drohte zu zerspringen. Doch dann sammelte sich die Wut wieder in ihr. Wieso war eigentlich sie an allem Schuld? Wieso gerade sie? Wieso musste gerade sie leiden und konnte nicht ein einziges Mal glücklich sein? Diese unbändige Wut drohte schon fast aus ihr herauszuspringen, doch sie versuchte es zu unterdrücken und einzuschließen. Langsam und irre flüsterte sie wie in Trance: „Lass es nicht raus, lass sie alle nicht sehen wer du wirklich bist. Du darfst nicht scheitern unter dir selber!“ Langsam nahm sie in ihre andere Hand das Messer und versuchte das Spiegelbild von sich selber zu erkennen in all dem roten Blut, doch in Wirklichkeit wurde alles nur noch verschwommener und unklarer und ihr Gesicht verwandelte sich in das einer verdorbenen Fratze, die sie auszulachen schien.
Bitter lächelte sie weiter und versuchte erst gar nicht die Tränen aufzuhalten, die auf ihre offene Wunde tropften. „Marron ist perfekt. Marron muss perfekt sein. Nein, nicht sie ist Schuld, sondern die Anderen! Sie haben Marron allein gelassen...sie haben sie nicht so akzeptiert wie sie ist! Sie konnte die wahre Gestalt von euch Dämonen erkennen, nicht Jeanne, Marron konnte das! Marron war und ist stark! Marron kann alles! Marron braucht keinen Anderen!“ Fynn hörte diesem Singsang ihrer Freundin mit einem traurigen Blick zu und flüsterte: „Bitte Marron, lass mich doch zu dir durchdringen. Lass mich dein Herz berühren.“
Aber keine Reaktion von der Braunhaarigen, die ganz in ihrer eigenen Welt und dem Wahn war, der ihr Inneres dazu trieb fast schon in den Wahnsinn zu verfallen. Der kleine Engel wollte nicht, dass ihre Partnerin so litt unter all der psychischen Belastung und darum versuchte sie irgendwie sie zu trösten, aber...vergebens. Weitere Tränen rollten über die Wange der Studentin und Fynn umarmte sie sanft und flüsterte: „Bitte, komm wieder zu dir. Du bist Marron und kein Anderer. Es kommt doch nicht darauf an, dass ein Mensch perfekt ist, sondern dass er sich akzeptiert und versucht immer weiter zu kämpfen!“
„Aber...aber...“, schluchzte Marron erstickend und sah verheult auf die Klinge, welche sie anzublitzen schien. Dann hob sie diese wieder höher an ihren Hals und wollte zustechen, doch ihre Hand begann zu zittern. Sie begann so stark zu zittern, dass sie nicht mehr den Mut hatte um zuzustechen und einfach das Messer scheppernd vor ihre Füße fallen ließ. „Ich...“, flüsterte sie still in sich hinein, sah dann jedoch an die Decke, während die Tränen wie kleine Edelsteine aussahen, die an ihrem Gesicht hafteten. „Ich bin so schwach. Ich bin so verdammt schwach! Schwach! Schwach! Schwach!“ Sie schüttelte ihren Kopf, konnte jedoch nicht ihr Gesicht von der Decke lösen. „Ich will das nicht. Ich darf doch nicht einfach so schwach sein! Die Marron die ich kenne würde lächelnd weiter ihren Weg gehen und sich nicht verstecken! Ich bin so nutzlos!“
Fynn schüttelte schnell ihren Kopf und sah mit einem versucht ernsten Blick zu ihrer Freundin. „Bitte Marron, das darfst du doch nicht denken! Jeder ist mal schwach, da bist du keine Ausnahme, weine ruhig so viel du willst, ich meine, schließlich sind wir doch Freundinnen.“ Doch Marron schüttelte langsam ihren Kopf und richtete dann ihren Blick wieder zur Balkontür. Langsam stand sie auf und ging Schritt für Schritt dann aus ihrer Wohnung raus in die Nacht hinein, wo all die Kälte sie empfing. Ihre Tränen wurden vom Winde verweht und nur noch einzelne Spuren von diesen wässrigen Edelsteinen waren zu erkennen.
„Schwach“, flüsterte Marron wieder leise in die Dunkelheit hinein und ergriff fest das Geländer. Ihre Haut begann zu zittern während ihr Gesicht ein gequältes Lächeln aufgesetzt hatte. „Hah, ich bin doch wirklich das Letzte. Vielleicht sollte ich einfach“, sie schwang dabei ihre Beine auf das Balkongeländer, die dann in den tiefen Abgrund zeigten. „Einfach...sterben.“
Plötzlich ertönte ein Klicken von der Linken Seite und Miyako, Marrons beste Freundin seit Kindertagen, streckte sich einmal den gesamten Körper durch. „Haaaach, die Luft hier ist doch schon viel klarer, als in der Wohnung wo die Männer meines Vaters einen Polterabend machen.“ Erfreut darüber diesen Haufen endlich los zu sein atmete sie noch einmal die kühle Nachtluft ein und sah zu den Sternen einige Sekunden hinauf und wünschte sich auch schon gleich ihren Traummann zu begegnen. „Ich frag mich, ob Morgen der schicksalhafte Tag sein wird.“, trällerte sie fröhlich vor sich hin, als eine Art Tür zuschlagen von der rechten Seite ertönte. Erschrocken fuhr sie herum, sah jedoch nichts auf dem Nachtbarbalkon, der zur Wohnung von Marron gehörte. Das Licht war auch aus und um diese Uhrzeit sollte Marron doch eigentlich gar nicht mehr auf sein. Nichtssagend zuckte sie mit den Schultern. Wird schon nichts sein., dachte sie sich im stillen und schaute weiterhin dem wundervollem Sternenhimmel entgegen, während sie versuchte die Tatsache auszublenden, dass im Hintergrund ihr Vater mit seinen Arbeitskollegen viel zu viel Alkohol trank.

Am Morgen hatte sich Marron auf ihren Uni-Weg gemacht und man sah ihr kaum noch die Tatsache an, dass sie vielleicht geweint hätte, oder so. Fynn wollte wohin gehen, da sie ausschau nach Dämonen hielt, jedoch wäre dies noch 'streng geheim' und sie könnte es Marron nicht mit Sicherheit erzählen, jedoch spürte Fynn in letzter Zeit noch eine weitere Energie, die in dieser Stadt aufgetreten sein soll, darum soll Marron wohl vorsichtig sein. Die Uni-Schülerin selber hatte wieder ihre fröhliche Fassade aufgesetzt und fuhr nun mit der Bahn zur Uni. Tja, aber natürlich hatte sie mal wieder kein Glück, denn mitten auf halber Strecke musste dieser verdammte Zug natürlich stecken bleiben. Der Weg war zu lang um gemütlich zu laufen und ein anderer Zug kam erst eine halbe Stunde später, also blieb ihr im Moment nur noch eines übrig: Rennen!, und zwar so schnell sie konnte!
Gerade war Marron wieder über einen Zaun gesprungen und ging die verschiedensten Abkürzungen. In solchen Momenten wünschte sie sich wirklich mal wieder Jeanne zu sein, was jedoch nicht ganz so möglich war wenn es am helllichten Tag war und sie von Jedem gesehen werden konnte.
Als Nächstes kam sie an einer Straße an, wo Bahngleise lang liefen. Die Schranke war hinunter gesetzt und die Ampel auf rot. Zappelig sprang sie auf und ab und wartete eine ganze Weile, jedoch kam nichts! Keine Bahn, kein Zug, rein gar nichts. Und irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, da reichte es ihr und ohne auf ihre Umgebung zu achten, da ging sie einfach unter der Schranke durch und über die Schienen. Aber plötzlich drückte irgendetwas an ihrem Schuh und sie stolperte und fiel mitten auf das harte, und mit Strom geladene Eisen. Etwas klirrte und es stach sich etwas in ihren Fuß. „Autsch...“, kam schmerzerfüllt aus ihrem Mund heraus und sie sah mit halbem Augenmerk zu ihren Schuh, dessen Schnürsenkel sich an einem Schienenteil verfangen hatten und zu aller Unglück war sie wohl auch noch zusätzlich mit ihrem Fuß volle Kanne auf eine Glasflasche gefallen, die unter diesem leichten Druck zersprang und sich nun in ihren Schuh und Füße bohrte. Sie verzog schmerzverzerrt das Gesicht und wollte sich gar nicht ausmalen wie viel Blut das gerade in ihrer Socke sein musste.
Vorsichtig versuchte sie ihr Bein zu bewegen und sofort bemerkte Marron, dass ebenfalls ihre Knie aufgeschürft wurden. Mit zusammengebissenen Zähnen schob sie sich mit den Händen vor, doch ihr Schuh mit den Schnürsenkeln steckte noch fest.
Aber nicht genug, denn das Gleis begann plötzlich zu vibrieren, so als würde etwas wirklich Schweres da gerade heran rattern. Angsterfüllt weitete Marron ihre Augen. Oh nein, bitte nicht!, war der einzige Gedanke, der sie in diesem Moment erfüllte. Verzweifelt versuchte sie frei zu kommen, doch es klappte nicht. Von einiger Entfernung her sah sie schon den Zug anrauschen und ihr Körper begann vor Angst zu beben. Verzweifelt schrie sie, während sie versuchte sich zu befreien: „Geh ab, geh ab, geh ab!“ Mit aller Kraft, die sie noch hatte drückte sie sich aus ihr Schuh mit dem Fuß, jedoch wurde dadurch nur noch mehr eine größere Scherbe in ihren Fuß gedrückt. Sie schrie auf, doch versuchte sie den Schmerz zu ignorieren und sich weiter von den Schienen zu schleifen, jedoch kam der Zug mit einer unglaublichen Geschwindigkeit näher und es würde nur noch einige Sekunden dauern bis er vor ihr stände und sie kurzerhand unter sich begraben würde. In Marrons Augen sammelten sich Tränen und sie wollte erst gar nicht wissen, wie schmerzhaft es werden würde, wenn der Zug sie in zwei Hälften zerteilte.
Sie kniff die Augen zusammen um ihren Tod nicht sehen zu müssen. Von irgendwoher schrie Jemand: „Pass auf!“, doch sie hörte nicht richtig zu, viel zu sehr war sie paralysiert von dem Gedanken sie müsste sterben. Sie hörte ein lautes Scharben hinter ihr und wie Jemand schwer auf dem Boden aufkam und sich Schritte in ihre Richtung bewegten, doch der Zug wurde immer lauter, was alles übertönte.
Und ganz plötzlich, als sie schon dem Tod letztendlich ins Auge blickte und innerlich ihn schon akzeptiert hatte, da packte sie plötzlich etwas an ihrer Hüfte und zog sie hoch woraufhin sie im letzten Moment von der Schiene befreit wurde und auf die andere Seite gebracht wurde. Vorsichtig wurde Marron von einer anscheinend männlichen Person auf den Bürgersteig gelegt, woraufhin sie in schokoladenbraune Augen blickte.
Vollkommen perplex starrte sie diese Person an, die sie breit angrinste und fragte: „Gehts dir gut? Da hast du ja echt Glück gehabt, dass ich in der Nähe war.“ Die Uni-Schülerin schaute auch schon gleich auf das Gesicht ihres Retters und kurz darauf auf die kurzen blauen Haare, die etwas verstrubbelt aussahen.
„Ähm, also...“, versuchte sie einen Satz zu beginnen, doch sie bekam kaum einen Ton heraus, viel zu überrumpelt war sie. Der Mann, er war ungefähr in ihrem Alter, schien sie zu mustern von Kopf bis Fuß und bemerkte dann wie ihr ein Schuh fehlte und daraufhin blitzte auch Marrons Wunde ihm sofort ins Auge. „Du bist ja verletzt.“, begann er und holte aus seinem Rucksack Verbandszeug hervor. Langsam zog er Marrons Strumpf aus und weitete seine Augen, als er die Scherben von einer Bierglasflasche sah. „Oh man, sieht nicht gut aus.“, flüsterte er, doch dann zog er langsam die Scherbe herraus woraufhin Marron schmerzhaft das Gesicht verzog. Doch trotzdem machte er weiter und kurz darauf ließ der Schmerz nach, allerdings war da dann dieses Desinfektionsmittel, was sogar noch mehr brannte.
Danach kam ein Verband dran, der um die noch offen klaffende Wunde gewickelt wurde. Die gesamte Zeit über hat die Braunhaarige die Augen zusammengekniffen, bis ihr diese männliche Stimme sagte: „So, kannst jetzt wieder hingucken wenn du willst.“ Vorsichtig blinzelte sie zuerst in Richtung seines Gesichtes und dann auf ihre Wunde.
Es fühlte sich nicht mehr ganz so schmerzhaft an wie am Anfang, jedoch tat es trotzdem noch höllisch weh. Der Kerl, wo sie glaubte er war ein Student, schließlich hatte er ja eine Uni-Tasche dabei, fragte: „Kannst du aufstehen?“
Marron nickte, doch gerade als sie aufrecht stand und einen Schritt gehen wollte, zog wieder ein tiefer Schmerz durch ihren Fuß. Sie sah sich nach ihrem Schuh um, doch dieser lag auf den Gleisen begraben. „Brauchst du vielleicht Hilfe?“, fragte der Student grinsend, woraufhin sie schnell meinte: „Nein, nein, klappt schon.“ Doch im nächsten Moment verzog Marron wieder schmerzhaft das Gesicht. „Au“, flüsterte sie unter einem starkem Ziepen mit den Zähnen zusammengepresst hervor. Der Blauhaarige beobachtete dies und seufzend tat er seine Tasche wieder auf den Rücken. Ohne dass sich Marron dagegen wehren konnte, wurde sie plötzlich im Braut-Stil hochgehoben, woraufhin sie überrascht aufquiekte. Schon fast ein wenig empört schrie sie: „H-Hey, ich kann alleine laufen!“
„Anscheinend ja nicht. Also, wo wolltest du so eilig hin. Wenn du ganz lieb und nett danach fragst, dann könnte ich dich zu diesem Ort bringen.“ Wieder ein Grinsen kam über die Lippen des Kerls, doch diesmal wirkte es mehr schelmisch, was Marron innerlich die Galle hochkommen ließ. Er hatte sie gerade vielleicht vor dem sicheren Tod bewahrt, aber ihr vorzuschreiben, dass sie nicht alleine laufen durfte...DAS GING EINFACH ZU WEIT!!!
Knurrend brachte sie heraus: „Zur Uni. Ist einige Straßen weiter und dann gleich um die Ecke.“ Etwas überrascht blinzelte er, doch dann kam wieder dieses Lächeln auf seine Lippen.
„Zu Befehl.“, entgegnete er ihr und lief direkt in diese Richtung. Während des Weges kam sich Marron vor wie ein Paket, was man abschleppen musste. Es war sehr demütigend, diese Situation, vor allem weil einige Passanten darauf aufmerksam wurden und innerlich wohl etwas kichern mussten, weil das komplett falsch aussah.
Murrend fragte sie: „Könnten sie mich nicht wenigstens auf den Rücken nehmen? In dieser Position fühlt sich das irgendwie nicht richtig an.“
„Nummer 1., sprich mich bitte nicht so förmlich an, mein Name ist Chiaki. Und Nummer 2., wenn ich dich auf dem Rücken tragen würde, dann hätte ich doch keinen so tolle Ausblick, oder?“
Marron blinzelte. Ausblick? Was meinte er damit. Sofort folgte sie seiner Blickrichtung, doch diese ging in die vollkommen Falsche, nämlich in Richtung ihres Dekolletés. Sie hatte heute ein meerblaues Kleid mit weißer Saumjacke angezogen, da es ja recht warm werden sollte, doch irgendwie war das Kleid verrutscht und zeigte sehr viel mehr, als es eigentlich sollte. Purpurrot versteckte sie schnell ihre obere Hälfte und schaute erzürnt in Richtung dieses verdammten Spanners.
„Na, auch schon aufgefallen? Oh, ach ja und übrigens: Deine Unterwäsche war sehr leicht beim letzten Windstoß zu erkennen. Im Übrigen würde ich sagen, dass dir weiß besser stände als schwarz, denk mal darüber nach.“ Sogar noch röter als rot zappelte Marron aufgebracht in den Armen dieses miesen Perverslings.
„Was denkst du eigentlich wer du bist?!“
„Dein Lebensretter.“
„Das spielt keine Rolle, pervers, ist pervers!“
„Und ich hab übrigens einen Wunsch bei dir frei dafür, dass du jetzt noch nicht gestorben bist. Hmmmmm, aber was fordere ich denn ein?“ Nachdenklich schaute er in die Luft.
Noch empörter schrie Marron: „Das habe ich niemals mit dir vereinbart, im Übrigen hast du das auch freiwillig gemacht und ich habe dich niemals darum gebeten!“
„Sagt Diejenige, die sich vorhin noch so dankbar gezeigt hat und sich hat von mir wie eine Braut tragen lassen.“
So langsam wurde es Marron zu viel und wahrscheinlich wäre diese Keiferei sogar noch weiter gegangen, wenn sie nicht irgendwann bei ihrer Uni gewesen wäre. Der Fremde, er hieß anscheinend Chiaki, hatte sich, nachdem er sie auf die Kranknstation begleitet hatte, verabschiedet und innerlich hoffte Marron darauf diesen Kerl nie-wieder in ihrem GESAMTEN Leben wiedersehen zu müssen, selbst wenn sie nur durch ihn noch ein Leben hatte, was zugegebenermaßen SEHR deprimierend war.
Den Rest des Tages verbrachte sie mit ihrem Medizinstudium im Unterricht welcher sich in einem großen Hörsaal befand. Miyako, ihre Beste Freundin, war leider nicht in ihrem Kurs, sie wollte Polizistin werden, genau wie ihr Vater es war und da eine gute Polizistin auch immer Verbrecher fangen musste, war es ihr Hauptangriffziel Jeanne die Kamikaze Diebin zu schnappen.
Aber dann, so zur Vormittagstunde, wo sie die Anatomie des Menschen noch einmal genauer untersuchen wollten, da kamen plötzlich die Geschehnisse des Morgens erneut auf sie zu und am liebsten wäre sie in Ohnmacht gefallen!
Sie alle begrüßten einen neuen Studenten in dieser Klasse, sein Name war Chiaki Nagoya und wie es der Zufall so wollte, da war es natürlich auch genau DER Chiaki, der sie heute Morgen gerettet hat. Traurig aber wahr. Der Kerl setzte sich sogar frecherweise direkt neben sie, woraufhin sie ihm am liebsten bei seinem nächten Augenzwinkern in ihre Richtung seine verdammte Visage herausgerissen hätte! Dieser Idiot!
Noch den Rest des Schultages verfolgte er Marron auf Schritt und Tritt, fragte sie nach ihrem Fuß, sie hatte Krücken bekommen weil sie sonst nicht hätte laufen können da eine Hauptader beschädigt wurde, außerdem wollte der Kerl doch glatt ihr beim Sachen tragen helfen. Leider war das sogar ganz praktisch, dass er dies tat, denn dummerweise war Sachen tragen und in Krücken gehen schwerer als gedacht. Zumindest allein.
Doch dann kam eine verhasste Treppe. Vielleicht fiel es nicht unbedingt Jedem immer auf, aber Leute die in Krücken gingen, oder Rollstuhl fuhren, deren Erzfeinde waren vorallem die Treppen, da es nicht immer Aufzüge gab!
Seufzend wollte sie einen anderen Weg zur Bibliothek nehmen, als sie dann plötzlich wieder hochgehoben wurde von diesem Chiaki! Wieder wollte sie protestieren, doch leider half der Kerl ihr damit sogar in einem unendlichen Maße! Oben setzte er sie dann wieder ab, woraufhin sie sich seufzend bei ihm bedankte und zur Bibliothek humelte mit den Krücken und sie BESTAND darauf allein zu laufen. Dort angekommen setzte sie sich an einen Tisch und begann damit ein Medizinbuch zu lesen, während Chiaki ihr immer wieder über die Schulter lunste. Dieser verdammte-, obwohl nein, sie wollte sich nicht über seine Spannereien aufregen und ignorierte ihn einfach.
Den Rest des Uni-Tages lief es noch so, dass Marron aus unbestimmten Gründen die gesamte Zeit von Chiaki verfolgt wurde. Doch plötzlich rief man so gegen Mittag, kurz nachdem an diesem Tag die Uni für Marron aus war und sie eigentlich nach hause wollte, in das Büro des Unileiters. Sie wartete direkt neben Chiaki auf zwei Holzstühlen darauf, was man von ihr wollte, als plötzlich eine ihr merkwürdig bekannte Person ins Zimmer trat. Es war soetwas wie ein Chiaki 2.0, nur eben noch etwas älter, fast so wie ein großer Bruder.
„Hallo Marron“, begrüßte er sie, woraufhin ihr die Frage aufkam woher der Kerl sie kannte. „Oh und hallo Söhnchen.“, begrüßte der Kerl auch Chiaki, welcher murrend auf seinem Platz saß. „Mach es kurz Vater“, erläuterte er ihm, „ich habe keine Lust lange mit dir zu plaudern, schließlich...“, dabei sah er spitzbübisch in Richtung Marron. „Schließlich habe ich noch ein Date.“
Purpurrot blickte Marron auf den Blauhaarigen, der sie anzwinkerte. „Als ob ich jemals etwas mit dem zutun haben wollte!“, schrie sie ihm entgegen, was den Vater von Chiaki schmunzeln ließ.
„Wie ich sehe versteht ihr euch ja wirklich großartig.“
Sofort protestierte Marron: „Tun wir gar nicht! Überhaupt, warum mussten wir hier ins Büro des Unileiters? Ich will nach hause!“ Ja, das hatte sie bitter nötig. Der gesamte Tag war schon schlimm genug gewesen und nun lagen ihr die Nerven echt blank!
„Ha ha, tja vielleicht sollte ich das wirklich mal auflösen, schließlich betrifft es ja sowohl dich, als auch Chiaki.“, sagte chiakis Vater. „Aber es gibt wirklich gute Gründe, weil es ist folgendermaßen. Marrons Vater ist ein gut verdienender Firmencheff und zuständig für die verschiedensten Gebäudepläne und ich habe viele Krankenhausketten auf der gesamten Welt. Und na ja, da dachten wir uns, dass diese Firmen doch zusammenarbeiten könnten, das ist eine win win Situation.“
Fragend zog Chiaki eine Augenbraue hoch. „Und was willst du damit sagen, Vater?“
„Genau und was hat das mit uns zu tun?“, wandte Marron ein.
Der Mann erläuterte: „Um es kurz zu machen: Um die Beiden Firmen zusammenzutun brauchen wir einen festen Vertrag, der auch die Mitglieder beider Firmen überzeugt und das geeht nicht einfach nur mit einem 'Abkommen'. Und damit auch die jüngeren Mitglieder einen Grund haben Frieden zu schließen, da hatten sowohl Marrons Vater, als auch ich eine geniale Idee, denn: Was wäre wenn die Beiden Nachkommen Jeder Firma einfach in die jeweils andere einheiraten würden. Dann wären doch wohl beide Seiten zufrieden. Wir wollen also, dass ihr heiratet und ein Kind bekommt.“

Zuerst war eine Totenstille im Raum. Marron und Chiaki konnten kaum realisieren was gerade gesagt wurde und kurz blinzelte Chiaki perplex auf. „Hä?“, flüsterte er etwas überrumpelt, doch im Chor schrien dann alle Beide:

„HÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!????“


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Hallöchen alle samt, das ist meine erste 'Jeanne die Kamikaze' Fanfiction, also seid gnädig mit mir. Ich hoffe ihr habt diesen One Shot genossen und auch hin und wieder sowohl mitfiebern, als auch mitlachen müssen.
Dieser One Shot war eine Art Entspannung, darum sind wahrscheinlich recht viele Grammatikfehler in dieser Geschichte (zudem bugt mein Schreibprogramm etwas, darum nicht wundern^^)

Na dann, ich verabschiede mich mal,
eure MM (Mikoto Matashi)

PS: Wer hätte mit DIESEM Ende gerechnet?




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