Soy una conferencia

GeschichteFamilie, Freundschaft / P6
Garnet
22.03.2018
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Eine morgendliche Stille lag über Beach City und ihren wenigen Bewohnern. Schwach sendete der Mond seine letzten Strahlen, in ein paar Stunden würde er wieder vom Hellblau des Tageshimmels verschluckt werden. Einzelne Menschen verließen leicht schlaftrunken ihre Häuser, der Rest dagegen verweilte noch tief im Land der Träume.
Garnet dagegen war wie immer hellwach. Als ein Wesen, das all seine Energie einzig und allein aus dem Kern ihrer Existenz, ihren Gems bezog, benötigte sie keinen Schlaf. Auch brauchte sie keine Nahrungsmittel, die sie mit neuer Energie versorgten. Zwar teilte sie Pearls Abscheu gegenüber menschlichem Essen nicht, hatte jedoch nicht weit so oft wie Amethyst das Verlangen, etwas zu sich zu nehmen. Allgemein hatte sie nur sehr wenig Berührungspunkte zu der Lebenskultur der anderen Erdenbewohner. Früher kam dies durch Roses unstillbare Neugier gegenüber den Menschen zustande, heute lautete der Grund dafür Steven. Er war zur Hälfte ein Mensch, und wie auch die anderen Gems war Garnet der Meinung, dass Steven den Kontakt zu seiner menschlichen Seite nicht verlieren sollte.
Zwar kam es durchaus vor, dass Garnet Kontakt mit einem Menschen hatte, ohne dass ihr kleiner Schützling daran beteiligt war, es passiert jedoch in einem unregelmäßigem Rahmen. Meist sah sie Jamie, den Postboden oder die beiden ehemaligen Mitarbeiter des Big Donuts. Hätte man sie jedoch nach einem der Namen der betreffenden Menschen befragt, müsste sie passen. Es gab ihrem Schützling und dessen Vater nur noch einen weiteren Menschen, deren Namen sie sich merken konnte: Connie.
Die restlichen Menschen benannte sie, ähnlich wie Amethyst, nach ihren Tätigkeiten oder auffälligen Merkmalen. So wurde Jamie von ihr schlicht als „Postboy“ bezeichnet; während sie Lars und Sadie nur als „Donutboy“ und „Donutgirl“ kannte. Natürlich wäre sie in der Lage, sich die Namen der ortsansässigen Menschen einzuprägen, doch daran hatte sie wie die anderen Gems kein Interesse.
Viel mehr wollte sie bis in aller Ewigkeit sie selbst bleiben, die Verkörperung der Liebe von Ruby und Sapphire. Vom Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang wollte sie einfach nur in den Tag hineinleben, die Welt mitsamt ihrer Bewohner vor Gem-Monstern beschützen und sich um Steven kümmern, soweit es ihr möglich war.

Doch es gab auch andere Dinge, die Garnet hin und wieder genoss. So mache sie sich, mit nur wenigen Ausnahmen, jeden Morgen eine oder mehrere Tassen frischen Kaffee. Auf den Geschmack des fremdartigen Heißgetränks hatte sie Greg gebracht, erst kurze Zeit nachdem er die Stelle an der lokalen Waschanlage angenommen hatte.
„Davor hatte ich nicht genug Geld, da konnte ich es mir einfach nicht leisten,“ war Gregs Aussage dazu. Im gleichen Atemzug hatte er den vier Gems eine eigene Tasse angeboten, Pearl hatte sie aus mehreren Gründen augenblicklich abgelehnt. Amethyst dagegen war begeistert, doch kaum hatte sie einen Schluck probiert, lehnte auch sie ab.
„Viel zu bitter, die komische Suppe!“, und schon war ihr Interesse wieder genauso schnell verschwunden, wie es entstanden war. Rose hatte dazu, wie alles, was von Menschen geschaffen wurde, eine positive Meinung. Garnet dagegen hatte ihre Bewertung für sich behalten, lediglich ein hochgestreckter Daumen zeigte, dass ihr der Kaffee schmeckte.
Seit diesem Tag blieb Garnet die Einzige der Crystal Gems, die sich regelmäßig Kaffee am Morgen gönnte. Gleichzeitig, während sie ihr koffeinhaltiges Heißgetränk genoss, betrachtete sie stumm die aufgehende Sonne. Hier und da sah sie einzelne Tiere, wie sie langsam aus ihrem Schlaf erwachten und sich auf Nahrungssuche begaben.
Auf diese Art und Weise verbrachte Garnet so gut wie jeden Morgen ihres unendlichen Daseins. Bis sie schließlich, nach unzähligen Sonnenaufgängen jemanden am Strand entdeckte. Was wiederum ihre Neugierde weckte, der Anblick eines einzelnen, laufenden Menschen zu so einer frühen Uhrzeit erschien ihr mehr als seltsam. Selbst sie wusste, in welchem zeitlichen Rahmen sich die Bewohner von Beach City bewegten, kurz nach den ersten Sonnenstrahlen an diesem Ort gehörte nicht dazu. So durchdachte sie sämtliche Gründe, die die Ursache für dieses ungewöhnliche Verhalten sein könnten, kam jedoch nur auf einen Schluss.
Ein korruptes Gem-Monster,  dachte sie nur und durchforstete sofort alle möglichen Szenarien in der nahen Zukunft, konnte allerdings kein Gem-Monster darin entdecken. Sie wusste, dass sie ihrem Zukunftsblick nicht zu 100% trauen konnte, besonders, wenn ein Ereignis folgen sollte, mit dem Garnet gar nicht rechnete. Was sie nicht im Ansatz als Möglichkeit in Betracht zog, blieb ihrem Zukunftsblick verborgen. So blieb der Gemfusion nur noch eine Wahl: sich zu dem Menschen gegeben und herausfinden, vor was er sich auf der Flucht befand. Es war ein leichtes für Garnet, den laufenden Menschen sofort einzuholen. Da erkannte sie auch, wer dort am Strand entlanglief.
„Pizzagirl, vor was rennst du weg? Hast du ein Monster gesehen?“, fragte Garnet die junge Frau, jederzeit bereit, ihre Waffe zu beschwören. Entgegen ihrer Erwartung fiel die Antwort vom Pizzagirl ruhig aus, einzig und allein die Anstrengung ihres Laufs beeinflusste ihre Atmung.
„Garnet, guten Morgen! Ich weiß zwar nicht, was du mit dem Monster meinst, aber ich flüchte vor nichts und niemanden. Ich jogge hier nur. Ein bisschen Sport am Morgen und schon fühle ich mich für den Rest des Tages aufgetankt. Tut ganz gut, wenn es mal stressig werden sollte ihn unserer kleinen Pizzeria.“
„Verstehe“, erwiderte Garnet.
Kein Wunder, dass ich mit dem Zukunftsblick nichts erkennen konnte.
„Dann gehst du einer Sportart nach. Das ist super, das tut euch Menschen gut, wenn ihr in Form bleibt.“
Dabei hatte sie Greg im Hinterkopf.
„Es sieht interessant aus, magst du mir die Sportart erklären? Sie würde auch gut in meinen Trainingsplan passen.“
Wieder musste das Pizzagirl auflachen, zwar kam sie nur selten mit Garnet oder den anderen in Kontakt, fand es aber unterhaltsam, wie wenig sich die Gems mit der Erde, wie auch mit ihren Bewohnern auskannten.
„Im Grunde ist es ganz simpel. Man wählt eine eigene Strecke aus und läuft dann diese. Natürlich nicht zu langsam, dann wäre es ein Spaziergang. Aber auch nicht zu schnell, sonst verausgabt man sich und einem geht schnell die Puste aus.“
„Mir geht beim Laufen weder die Puste noch die Energie aus“, erwiderte Garnet, doch das Pizzagirl ging nicht darauf ein.
„Es dient auf jeden Fall nicht nur der körperlichen Fitness. Man entspannt sich und kann seine Gedanken einordnen. Für einen kurzen Moment bist du alleine, es gibt nur dich, deine Strecke und die Sonne, die immer weiter hinauf wandert. Das ist etwas, was ich immer wieder erleben möchte.“
Garnet betrachtete die junge Frau, selbst nach tausenden von Jahren waren Menschen ein großes Rätsel für sie.
„Sag mir, Pizzagirl, macht es dir etwas aus, wenn ich dich heute begleite? Ich würde gern noch mehr über diese Sportart lernen.“
Pizzagirl kicherte, doch sie fasste sich wieder.
„Nenn mich doch einfach Kiki. Und ja, du kannst mich gerne beim Joggen begleiten … wenn du mit mir mithalten kannst.“
Garnets Stimme klang fest und überzeugend.
„Das werde ich“, sagte sie und begleitete Kiki auf dem Rest ihrer Strecke.

Seit diesem aufschlussreichen Morgen hatte Garnet Jogging in ihren Trainingsplan mit aufgenommen, es bildete eine willkommene Abwechslung in ihren sonst so actionreichen Übungseinheiten. Sehr schnell hatte sie den Spaß an der Sport für sich entdeckt, sie gehörte nun zu ihrem unregelmäßigem Morgenprogramm, mit einer Tasse Kaffee im Anschluss. Eine feste Zeit hatte sie dafür nicht. Oft lief sie dem Sonnenaufgang entgegen, lauschte dem Rauschen der Wellen und ging ihren Gedanken nach. Doch auch die frühen Morgenstunden und der späte Abend waren Zeiten, an denen sie bevorzugt joggte.
Steven und den anderen Crystal Gems hatte sie nie Bescheid gegeben, aber das musste sie auch nicht. Neben den gemeinsamen Missionen und jenen, die nur Garnet erfüllen konnte wie zum Beispiel dank Rubys Feuerfestigkeit, konnte jedes Teammitglied seine Freizeit so verbringen, wie es ihm beliebt.
Garnet nutzte die Zeit zum Training, auch jetzt machte sie sich bereit für den nächsten Morgenstundenlauf. Ein paar Streckungen, ein paar Dehnungen später fühlte sich Garnet bereit, loszulaufen. Sie hatte sich für die übliche Route für diesen Lauf vorgenommen, erst den Strand entlang und anschließend einmal um die ganze Stadt herum, bis sie wieder am Tempel ankommen würde. Ein vorfreudiges Lächeln lag auf ihrem Gesicht. Obwohl die Sonne erst in einer Stunde aufgehen würde, konnte sie genug von ihrer Umgebung erkennen. So begann sie zu laufen.
Der Sand knirschte unter ihren Füßen, während das Wasser der Wellen diese umspülten. Ihre Spuren im Sand wurden vom Meer verschluckt. Das Gefühl von Freude breitete sich in ihrem Körper aus Licht aus.
Da ihr als Gems sämtliche Atmungsorgane fehlten, beziehungsweise sie diese gar nicht erst zum Leben und Existieren benötigte, musste sie nicht großartig auf ihre Atmung achten. Stattdessen achtete sie auf den Rhythmus ihrer Schritte, versuchte damit in einem gewissen Tempo zu verbleiben. Damit sie beim Laufen weder zu schnell, noch zu langsam wurde. Wäre ihr Tempo zu langsam, wäre es für sie lediglich ein langweiliger Spaziergang. Bei einem höheren Tempo wäre es ein Sprint, doch das wollte Garnet nicht. Was sie wollte, war eine Joggingrunde, ganz so, wie sie es von dem Menschenmädchen gelernt hatte.
Eine kleine Krabbe kreuzte ihren Weg, lächelnd sprang Garnet über sie hinweg. Diese hob schützend ihre Scheren, doch als sie merkte, dass sich das riesige Wesen wieder von ihr entfernte, krabbelte sie weiter Richtung Ozean.
Auch Garnet setzte ihren Weg fort, immer weiter an der Grenze zum Meer entlang. Vom Pizzagirl war weit und breit nichts zu sehen. Der weiche Sand gab knirschend unter ihren Füßen nach.
Schließlich nahm der Strand ein Ende, Garnet überquerte den dünnen Sandstreifen und betrat die Straße. Kein Auto war zu sehen, aber selbst wenn eines fahren würde, hätte sie es längst über ihren Zukunftsblick erfahren. So musste sie  nicht so sehr auf den nicht-vorhandenen Straßenverkehr achten und konnte sich komplett auf ihren Lauf konzentrieren. Auf ihre Gedanken und ihre Eindrücke.
Es erinnerte sie an jenen Morgen nach der Flucht von der Himmelsarena. Als Sapphire nach Rubys Hand gegriffen und mit ihr davongerannt war. Geflohen vor dem Zorn Blue Diamonds. Es war bereits dunkel, als Sapphire mit Ruby in den Armen auf die Erde geschwebt war. Sie hatten sich in einer kleinen Höhle vor dem Regen versteckt und die ganze Nacht am Lagerfeuer über ihre erste, gemeinsame Fusion geredet. Und über ihre Zukunft auf der Erde. Am nächsten Morgen sahen sie den allerersten Sonnenaufgang auf diesem Planeten und der Anblick raubte ihnen beinahe den Atem.
An all das musste sie denken, als sie joggend an den Häusern vorbeizog, während die Sonne langsam ihre ersten Strahlen auf Beach City sendete. Sie erreichte Fun Land, der beliebte Freizeitpark der kleinen Stadt. Doch jetzt war es verlassen und leer, das Loch im Zaun war längst wieder repariert worden. Steven hatte ihr davon erzählt, als sie das Fun Land vor ein paar Tagen besucht hatten. Sie selbst hatte kein Interesse an dem Park, begleitete aber gerne ihren kleinen Schützling dorthin.
Sie blickte ein weiteres Mal in die Zukunft, was sie zu sehen bekam, zauberte ein Lächeln auf ihr Gesicht. Gleichzeitig wusste sie, sie würde sich beeilen müssen. Seit es im Donut Shop einen neuen Mitarbeiter gab, gab es auch neue Öffnungszeiten. Sie wusste weder, was mit den alten Mitarbeitern passiert war, noch wer jetzt der neue ist. Es interessierte sie auch nicht. Für sie zählte nur, dass sie bekam, was sie wollte.
So erhöhte sie das Tempo und lief nun die Straße entlang, bis sie ihr Ziel erreicht hatte: das Big Donut. Sie musste auch nicht allzu lange warten, bis ihr Bill Dewey die Eingangstüre aufschloss. Zumindest war das der Name, den sie auf seinem kleinen Mitarbeiterschild ablesen konnte. Kurz darauf hatte sie den Namen bereits wieder vergessen.
„Guten Morgen und Willkommen im Big Donut“, versuchte er so motiviert wie möglich zu wirken, kaum stand er hinter der Theke. Dass dieser Mann noch vor kurzem der Bürgermeister von Beach City war, wusste Garnet nicht mehr. Für sie war er nur einer von vielen Menschen, die keine große Rolle in ihrem Leben spielte.
„Zwei normale Donuts und zwei mit Erdbeer-Glanz-Glasur“, lautete ihre Bestellung. Dewey machte sich sofort ans Einpacken.

Kurze Zeit später stand sie auf der Veranda, den Blick aufs Meer gerichtet. Die Sonne stand bereits höher als vorher und sie konnte das Pizzagirl in der Ferne joggen sehen. In ihrer Hand dampfte eine Tasse Kaffee, in der anderen hielt sie die Tüte mit Donuts fest. Hier und da nahm sie einen kleinen Schluck, doch die meiste Zeit betrachtete sie einfach nur das Meer. Früher hatte sie sich den Kaffee aus dem Bick Donut gegönnt, doch seit ihr Connie die alte Kaffeemaschine ihrer Mutter mitgebracht und die Bedienung dieser erklärt hatte, bevorzugte Garnet nur noch selbstgebrühten Kaffee. Besonders, nachdem ihr Steven eine eigene Tasse geschenkt hatte. Einen Teil der Tasse zierte sie selbst, auf dem Rest war ein Bild von Ruby und Sapphire zu sehne. Dazu noch eine Menge kleiner, roter Herzen.
Mehr brauchte es nicht zu einem gemütlichen Morgen, ihrer Meinung nach. Nur das Jogging, den Kaffee danach und der Blick in die große, weite Welt. Die Erde ist ständig dazu bestimmt sich zu ändern, hatte Rose Quartz einst festgestellt. Doch der Sonnenaufgang, überhaupt diese ganze Szenerie war etwas, was sich in Garnets Augen nie groß ändern würde, abgesehen von ein paar Details. Ein weitere feste Konstante in ihrer Morgenroutine war auch ihre liebste: Steven. Müde rieb er sich die Augen, als er durch die Tür auf die Veranda heraustrat.
„Guten Morgen, Garnet,“ begrüßte ihr kleiner Schützling sie und unterdrückte ein Gähnen.
„Morgen, Steven“, grüßte Garnet zurück und wand sich an den jungen Gem.
„Sieh mal, was ich dir mitgebracht habe.“
Sterne funkelten in Stevens Augen, kaum hatte er die Tüte überreicht bekommen. Ein Blick auf den Inhalt ließ ihn noch mehr strahlen.
„Meine Lieblingsdonuts! Vielen Dank, Garnet! Du bist die Beste!“, und begann seine Lieblinge zu genießen. Garnet lächelte und streichelte ihren Schützling am Kopf.
„Für dich doch gerne, Steven“, sagte sie, nahm einen Schluck und beobachtete nun den jungen Gem bei seinem kleinen Frühstück.
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