Beyond Broken Castle Walls

GeschichteRomanze, Angst / P16
Alexis Castle Kate Beckett Martha Rodgers Richard Castle
20.03.2018
19.04.2018
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Kapitel 2

Kate bleibt mit einer Hand auf dem Türgriff von Castles Krankenhauszimmer stehen, gefühlsmäßig in zwei geteilt. Zu Castle so schnell wie möglich zu kommen, war ein Alptraum gewesen und ein Teil von ihr fragte sich, wann sie aufwachen würde. Captain Gates ist wahrscheinlich gerade dabei sie zu suspendieren oder sie zu feuern, und um die Wahrheit zu sagen, kümmert Kate das wenig.

Sie hatte freundlich um Urlaub gebeten, hatte ihr den Ernst der Lage ausführlich erklärt, und die Antwort ihres Captains war gewesen, ihr mitzuteilen, dass sie im Revier gebraucht wurde und deshalb nicht gehen konnte. Beckett hatte ihre Pistole und ihre Marke auf dem Schreibtisch von Gates gestellt und war hinausgelaufen.

„Ich weiß nicht, wohin Sie zu gehen glauben, Detective, aber ich schlage vor, Sie kommen sofort wieder hierher.“ Gates war ihr zu ihrem Schreibtisch gefolgt, und hob eine Augenbraue als Kate ihre Sachen einsammelte.

„Ich werde mit dem nächsten freien Flug nach Kalifornien fliegen, um meinen Partner zu sehen- der vielleicht sterben könnte, und Sie können mich entweder gehen lassen, mich suspendieren oder feuern. Das sind Ihre Optionen, Captain, aber egal wie Sie sich entscheiden, ich werde in diesem Flieger sein.“ Kate sah nicht zurück, als sie zusammen mit Alexis auf den Fahrstuhl zusteuerte. Seitdem hat sie nicht zurückgeschaut.

Tief Atem holend, dreht Kate den Türgriff und fasst all ihren Mut zusammen um ins Zimmer einzutreten, sie hat darum gebeten es allein zu tun, und Alexis war damit einverstanden. Der Detective hat Angst davor, was sie da vorfindet.

Sie kann sich einfach nicht vorstellen, wie der Castle den sie kennt, der nie aufhört Dinge zu berühren, nie stillsitzt, nie aufhört zu reden, jetzt still und reglos auf einem Bett liegt. Sie spürt auch das dringende Bedürfnis ihn zu sehen, seine Gesichtszüge aufzusaugen, ihn wieder berühren zu können. Es ist neun Monate her, seit sie zuletzt in seiner Gegenwart war, und wenn sie noch andere hundert Jahre lebt, will sie nie wieder einen Tag ohne ihn zubringen.

Schließlich öffnet sie die Tür, läuft mit zitternden Knien hinein und vermeidet beflissentlich ihn anzuschauen, bis sie sein Bett erreicht und seine Hand nimmt. Seine Hand ist warm; und ihre Finger streichelt sie sanft, als sie es in ihre einwickelt. Sie fühlt seinen Puls, und findet es fest und regulär unter ihrer Berührung, dann wandern ihre Augen seinen Körper hoch, bis sie schlussendlich sein Gesicht erreichen.

Der Anblick lässt sie erstarren. Sein Haar ist zu lang; sein Pony fällt über seine Stirn anstatt in seinen üblichen Stil, und er ist viel zu blass aus Mangel an Sonnenschein. Das Gesicht, das sie liebt, sieht dünner aus, und so still, so unnatürlich still, man hat nicht den Eindruck das er bloß schläft, denn jegliche Abwesenheit eines Ausdruckes, zeigt deutlich, dass er überhaupt nicht da ist.

Es ist gerade wie Alexis ihr gesagt hat, es ist so, als ob er schon weg ist.

Kate weiß nicht, wie lange sie dort steht und ihn leise anschaut, aber je länger sie ihn anschaut, desto panischer wird sie. Er ist an einem Monitor verbunden, der sein Herzschlag aufzeichnet, und die Untätigkeit kombiniert mit der Stille, schickt sie plötzlich laufend vom Zimmer weg. Sie rennt an Alexis vorbei zur nächstgelegenen Toilette, und als sie dort ankommt, leert sie den dürftigen Inhalt ihres Magens im Klo.

„Kate? Kate, was ist los?“ fragt Alexis besorgt, als sie Beckett in die Toilette folgt und auf sie wartet.

Kate würgt wieder, ihr Magen nun völlig leer. Schließlich geht sie aus dem Klo raus und läuft zum nächsten Waschbecken. Sie bespritzt ihr Gesicht mit eiskaltem Wasser, bis sie unkontrollierbar zittert, dann, dreht sie es zu lauwarm und trinkt einige Schlucke, bevor sie Alexis antwortet.

„Tut mir leid, Alexis. Es ist nur der Schock, er ist so – still – es ist nicht… er ist nie still,“ erklärt sie.

Alexis schafft ein bleiches Lächeln. „Ja, es ist seltsam… ich habe mich daran gewöhnt.“ Sagt sie leise bevor sie fragt, „gehst du wieder rein?“

Beckett nickt. „Ja… allein... ich muss mit ihm allein sein.“

Die Tochter des Schriftstellers nickt. „Okay. Ich werde dann… ich sollte nach Hause gehen und sehen, wie es Oma geht; ich sagte ihr nicht, dass ich nach New York fliegen würde, bis ich am Flughafen angelangt war. Sie war wütend; aber es ist besser, ich rede sofort mit ihr.“

Gerade als Alexis sich zum Gehen umdreht, packt Kate sie am Ellbogen.

„Weiß Martha, dass ich hier bin?“

Die rothaarige nickt. „Ich sagte ihr, warum ich ging, sagte ihr sogar, was ich getan hatte. Ich glaube, sie war erleichtert, zu wissen, dass du Dad nicht hasst – und dass ich dich dazu gebracht hatte, diese Dinge zu sagen. Es ist echt hart für Oma gewesen, Dad so leiden zu sehen, obwohl sie sich oft piesacken. Dad verehrt Oma, und sie liebt ihm mehr als alles andere. Sie sagte nicht viel, wir hatten nicht viel Zeit zu reden, aber soweit ich es beurteilen kann, war sie froh das ich dich um Hilfe bitten wollte.“

„Ich werde dir wissen lassen, wo ich bleiben werde, wenn ich es gefunden habe.“ Antwortet der Detective.

Alexis runzelt die Stirn. „Du kannst bei uns bleiben, Kate… Dad hat hier ein riesiges Haus gemietet, es gibt viel Platz.“

Kate schüttelt den Kopf. „Ich denke, es ist keine so gute Idee.“

„Warum? Weil du mich nicht um dich herumhaben willst?“ fragt Alexis scharf. „Ich weiß, dass ich dir weh getan habe, Kate… ich bin egoistisch, blind und kindisch gewesen. Aber es tut mir leid; du kannst nicht verstehen, wie leid es mir tut. Dad diese neun Monate leiden zu sehen, zu sehen, wie er dort liegt, ist das nicht Bestrafung genug, Detective?“ die Stimme der jungen Frau bricht, und sie verstummt.

Kate seufzt, Alexis hat recht damit, dass es Kate schwierig fällt, um sie zu sein, aber wenn es irgendeine Zukunft für sie und Castle geben wird, muss sie irgendwann anfangen, dem Mädchen zu verzeihen. Sie trifft eine Entscheidung und hofft, dass es die richtige ist.

„Okay. Aber ich werde eine Weile hier bleiben... ich muss mit ihm sprechen… muss ihm wissen lassen, dass ich hier bin.“

„Verstehe, danke, Kate. ich werde ich in ein paar Stunden abholen.“

Kate lächelt und drückt sanft die Schulter des Mädchens auf ihrem Weg zu Castles Krankenzimmer. Sie schlüpft wieder hinein und setzt sich auf dem Rand des Bettes im schwindenden Sonnenlicht. Sie zieht seine Hand auf ihren Schoss, umschlingt seine Finger und drückt fest, während sie wünscht, er würde ihre Gegenwart spüren und seine schönen Augen aufschlagen. Sie schluckt, ihr Mund plötzlich ausgetrocknet, und dann fängt sie zu reden an, irgendwo muss sie ja beginnen.

„Hey, Castle,“ sagt sie sanft. „Was ist mit dir passiert, Rick? Was hast du dir mit dieser Aktion gedacht? Ich weiß, da du da drinnen bist, ich weiß, dass du dich versteckst.“ Sagt sie ängstlich.

Ihre Gefühle ersticken sie beinahe; sie weiß nicht, was sie sonst sagen soll. Minuten vergehen und dann versucht sie es wieder.

„Du fehlst mir, Castle. Alles, was ich dir vor neun Monaten sagte war eine Lüge… du weißt das… ich weiß, dass du es weißt. Ich kann nicht glauben, dass du es mir abgekauft hast, ich habe dir etwas vorgespielt, Castle. Ich wusste, dass du dir die Schuld gabst und ich nutzte es aus. Wenn du nicht aufwachst und meinen Hintern deswegen trittst, werde ich mir nie verzeihen, Rick. Hörst du mich?“ sagt sie und drückt seine Finger fest.

„Fühlst du das, Rick?“ fragt sie ihn. „Das bin ich, wie ich deinen Hintern trete, weil du uns so verlässt… und was mich am meisten erschreckt, Castle, ist, dass ich nicht weiß, ob du es mit Absicht getan hast, oder alles nur ein dummer Zufall gewesen ist! Auf die eine oder andere Art, Rick, es ist an der Zeit das du aufwachst… du kannst nicht so einfach aufgeben. Du erschreckst im Moment deine Tochter, ist dir das bewusst?

Hat sie es dir erzählt, Castle? Hat sie dir alles erklärt – dass sie es gewesen war, die mich dazu brachte, dich gehen zu lassen? Wie konnte ich so dumm sein? Ich dachte, es wäre das richtige, Rick – das ich ertragen konnte, dich gehen zu lassen – so dumm, ich bin so dumm, es gibt nichts in mir, das dich gehen ließ – kannst du mich hören? Ich behielt dich jeden Tag bei mir, Castle; ich führte eingebildete Unterhaltungen mit dir. Und wenn du nie wieder aufwachst, verurteilst du mich für immer in diesem Zimmer zu bleiben, Castle, weil ich nicht mehr ohne dich sein will. Also, wenn du mich in deinen Kopf behältst, wie ich dich in meinem Kopf behalten habe… höre sofort damit auf, Castle.“

Kate macht eine Pause, um Atem zu holen. Tränen verschleiern ihre Sicht von ihm, aber sie lässt ihren Griff von seiner Hand nicht los, um sie abzuwischen.

„Ich will, dass du weißt, dass ich hier bin, Castle. Ich bin nicht in deinen Kopf, Rick, die Person, die du denkst, ist bei dir; ich schwöre, sie ist nicht wirklich ich. Und das Wirkliche ich... nun, sie braucht dich, Castle. Sie braucht dich wie Sonnenschein, Luft, und Essen, und all jene schrecklichen Klischees, die man immer als kitschig bezeichnet. Ich brauche dich, Rick, und was auch immer du tun musst, um zu mir zurückzukehren, tue es, weil ich…“ sie holt tief Atem und gesteht auf die gleiche Art, wie er es getan hatte. „Rick, ich liebe dich… ich liebe dich, Rick.“
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