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New(ts) Life

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16 / Gen
Alby Frypan Gally Minho Newt Thomas
20.03.2018
07.02.2021
39
72.126
19
Alle Kapitel
106 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
23.03.2018 1.408
 
Mein Dank gilt NANA, für ihr liebes Review. Vielen Dank auch an die stillen Leser, die vielen Aufrufe schon nach einem (!) Kapitel und die zwei Favoriteneinträge. Hier kommt das nächste Kapitel. Newt ist also auf der Lichtung angekommen und kann sich auch wieder an seinen Namen erinnern. Was erlebt er als nächstes? :))
Viel Spaß beim Lesen.
Eure Ritara


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Kapitel 2 - Erklärungen

„Ich heiße Newt!“

Mit leuchtenden Augen nickte Alby. Ein breites Lächeln lag auf seinen Lippen. Man konnte ihm auf einen Kilometer Entfernung ansehen, dass er sich ebenso freute, wie ich. Endlich erinnerte ich mich an etwas. An meinen Namen. Und jetzt, da ich wusste, wie ich aussah, konnte ich die beiden neuen Erkenntnisse auch endlich unter einen Hut bringen. Ich war Newt, ein großer, schlanker, blonder Junge so wie es aussah. Ich schätzte mich auf ca. 16-17 Jahre. Soweit, so gut. Mit vor Freude zitternder Hand gab ich Alby den kleinen Spiegel zurück. Dann ließ ich mich auf einen Stapel Bretter sinken, der in der Ecke herumlag. Noch etwas konfus im Kopf ließ ich das Kinn in meine Hände sinken und schloss für einen Moment die Augen. Alby hockte sich vor mich hin und legte mir die Hand auf die Schulter.

„Ist alles bisschen viel im Moment, oder? Ja das weiß ich. Mir ging es genauso. Aber Newt, da ist noch eine Sache. Und die ist echt krass.“

Misstrauisch hob ich den Kopf und blickte in seine dunklen Augen, auf der Suche nach einem Anzeichen, seinen Worten keinen Glauben schenken zu müssen. Aber da war nichts außer Ehrlichkeit und einem Anflug von Traurigkeit. Fragend zog ich eine Augenbraue hoch.

„Na komm mal mit, ich zeig es dir. Aber kipp mir nicht aus den Latschen, ok?“

Ich nickte. Mit einem Seufzer stand Alby auf und streckte mir die Hand hin. Dankbar griff ich zu und ließ mich hochziehen. Mit großen Schritten lief Alby auf eine weitere Tür zu und hinaus in die Sonne. Ich folgte ihm auf den Fuß, begierig endlich zu erfahren, wo ich war. Jetzt erst erkannte ich, dass hinter der Hütte eine Art Wald war. Jede Menge Bäume in jeglicher Art standen dort und reckten ihre Blätter in Richtung Licht. Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern bog Alby nach links ab und schon standen wir auf einer riesigen Lichtung. Beim genaueren Hinsehen fiel mir allerdings die Kinnlade herunter und ich hatte Mühe, nicht schreiend davonzurennen.

Vor uns erhob sich eine gewaltige Mauer, aus grobem Stein. Ich schätzte sie auf etwa 20 Meter. Die Wand sah massiv und stabil aus. Warum war sie mir vorhin noch nicht aufgefallen? `Ganz klar, Newt` schimpfte ich mit mir, `du hattest zu viel damit zu tun, dir vor Angst nicht in die Hosen zu machen`. Ich folgte dem Verlauf der Wand mit den Augen, war verwundert, wie weit sie doch reichte. Irgendwann kam ich wieder am Ausgangspunkt an. Ich blinzelte mehrfach, das konnte nicht sein. Erneut folgte ich dem Mauerverlauf. Und tatsächlich. Die Mauer hatte kein Ende! Sie verlief einmal um uns herum, ohne Anfang und Ende. Wir waren eingekesselt!

Panik überkam mich und mit einem hilflosen Japsen stolperte ich zurück. Besorgt machte Alby einen Schritt auf mich zu. Blitzschnell zog ich die Beine an den Körper, aus seiner Reichweite.

„Was ist das hier? Was soll das? Wo bin ich?“ schrie ich mit vor Angst schriller Stimme.

Alby tat nichts, um mich zu beruhigen. Er stand einfach da und schaute mich an. Ich drehte mich von ihm weg auf den Bauch und vergrub den Kopf in den Armen. Ohne Vorwarnung begann ich zu weinen. Ich konnte nichts dagegen tun, so peinlich es mir auch war. Aber die Anspannung der letzten Stunde löste sich gerade, um neuer Spannung Platz zu machen. Mein Körper wurde von Schluchzern geschüttelt. Irgendwann spürte ich eine warme Hand auf meinem Rücken. So langsam hatte ich mich auch wieder beruhigt. Beschämt setzte ich mich langsam auf und wischte mir mit den Händen über das Gesicht.

„Entschuldige. Du musst sonst was von mir denken. Normalerweise bin ich nicht so eine Heulsuse“, murmelte ich.

Alby lächelte traurig. Auch in seinen Augen glänzten Tränen. Er zog seine Hand zurück und setzte sich mir gegenüber hin.

„Nein, du musst dich nicht entschuldigen. Das ist normal. Mir ging es auch so, als ich das erste Mal hier ankam.“

Mit schräg gelegtem Kopf schaute ich ihn an.

„Was ist das hier Alby?“ flüsterte ich.

Als Antwort bekam ich lediglich ein Schulterzucken.

„Ich weiß es nicht. Das einzige, was ich weiß ist, dass das hier eine Lichtung ist. Das da draußen ist eine Art Riesenlabyrinth. Aber den ganzen Sinn dahinter, wieso wir hier sind und was das alles soll, das weiß ich auch nicht. Ich war der erste hier, vor etwa 4 Monaten….“

Bis jetzt hin ich gebannt an seinen Lippen. Ein Labyrinth also. Aber jetzt wurde ich stutzig.

„Warte ne Sekunde.. Du musstest ganz alleine auf dieser Lichtung leben?“

schockiert blickte ich den Jungen an.
Er nickte.

„Ich war der erste. Ich hatte panische Angst. Klar, wenn du das alles zum ersten Mal siehst… Zum Glück hatte ich Vorräte aus den Kisten da drüben. Aber ich hatte Angst, für immer alleine hier bleiben zu müssen. Was meinst du, wie froh ich war, als eines Tages die Box wieder hochkam, mit neuen Vorräten und einem neuen Jungen. Sein Name war Alec. Genau wie ich konnte er sich an nichts erinnern, außer an seinen Namen. Er hatte damals einen Zettel bei sich, auf dem Stand, dass jeden Monat ein neuer zu uns hochkommen würde. Da waren wir ziemlich erleichtert. Das hieß, dass wir nicht alleine hier sind. Der nächste, der kam, war Peter.“

„Wo sind die beiden?“ unterbrach ich seine Geschichte.

Denn bisher hatte ich nur Alby gesehen und kennen gelernt. Waren die beiden noch am Schlafen? Gut möglich, die Sonne stand noch nicht so hoch. Ein erneuter Blick zu Alby sagte mir, dass es etwas anderes sein musste.

„Eines Tages ist Alec ins Labyrinth gegangen. Wir hatten besprochen, dass er nur dreimal abbiegen sollte, bevor er zu uns zurückkommen sollte. Aber er ist nicht wieder aufgetaucht. Von da an sind weder Peter, noch ich je in die Nähe des Labyrinthes gegangen. Wir wussten, dass es unser einziger Weg nach draußen war, aber die Angst war zu groß. Aber irgendwann haben wir es doch gewagt. Wir sind zu zweit gegangen. Genau wie Alec sind wir dreimal abgebogen. Hinter einem Vorsprung haben wir Alecs Hemd gefunden, das war es aber auch. Also sind wir zurückgegangen. Wir hatten nicht bemerkt, dass es schon dunkel geworden war. Aber plötzlich hörten wir hinter uns ein Geräusch. Als wir uns umdrehten, sahen wir ein Vieh, riesig. Es hat uns verfolgt. Der Weg war zwar nicht weit, aber trotzdem hat es Peter erwischt. Wir haben es grade so auf die Lichtung geschafft, aber trotzdem war es zu spät. Peter ist zwei Tage später verstorben. Das war vor einer Woche. Seitdem bin ich wieder alleine.“

Während seiner Geschichte war Albys Stimme immer leiser geworden. Ihm war anzusehen, dass ihm die ganze Sache sehr, sehr nahe ging. Vorsichtig legte ich nun meinerseits eine Hand auf seine Schulter. Er sah mich dankbar an.

„Unsere einzige Chance, hier je rauszukommen, ist durch das Labyrinth.“ Erklärte er.

Eine Sache ging mir nicht aus dem Kopf.

„Du meintest ihr seid ins Labyrinth gegangen. Aber wie denn? Ich meine, ich sehe hier eine geschlossene Mauer. Wie seid ihr denn da reingekommen?“

„Komm mal mit“ war Albys einzige Antwort.

Zum wiederholten Mal an diesem Tag stand Alby auf und ich folgte ihm und seinem Beispiel. Er führte mich nur wenige Meter weiter. Direkt vor der Mauer blieb er stehen und sah mich ernst an.

„Ich zeige dir das nicht, damit du da auf eigene Faust reinrennst, ok? Sondern damit du weißt, womit wir es hier eigentlich zu tun haben, ok?“

Ich nickte. Alby tat es mir gleich und blickte dann auf die Mauer. Schon einige Minuten später passierte auch schon etwas. Ein dunkles, tiefes Grollen rollte über die Lichtung, gefolgt von einem lautem Knarzen. Es klang, als würde Stein verschoben werden, der sich heftig dagegen wehrte. Mittlerweile wusste ich, wo das Geräusch herkam.

Ich hatte das Gefühl, dass der Boden unter mir sich bewegte. Und auch die Mauer vor mir. Mit offenem Mund beobachtete ich, wie die Mauer sich plötzlich an einer Stelle teilte. Es entstand zuerst ein kleiner Schlitz, der innerhalb weniger Sekunden einen etwa fünf Meter breiten Gang freilegte. Der Weg ins Labyrinth!
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