Who Are You?

von Melissi
KurzgeschichteFantasy / P12
19.03.2018
19.03.2018
1
1182
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Mein Beitrag zur ersten Runde für Who Are You?
Ich habe mich für Marietta Edgecombe entschieden und hatte sehr viel Spaß beim schreiben!



Die weißen Kristalle hefteten sich an die bodentiefen Fenster des Ravenclaw-Gemeinschaftsraumes wie ein ertrinkendes Kleinkind an einer Rettungsleine. Schon seit Tagen schneite es unaufhaltsam und die Temperaturen schienen stetig zu sinken, doch das hielt die Schüler von Hogwarts nicht davon ab, Hogsmeade zu besuchen, um dort einen großen Becher Butterbier zu genießen. Marietta war die einzige, die keine Lust hatte, das Drei Besen zu besuchen oder im lokalen Schreibwarengeschäft herumzustöbern. Seit letztem Jahr bevorzugte sie es, ihre Freizeit alleine zu verbringen. Es wurde zu einer Seltenheit, dass sie den Gemeinschaftsraum verließ, wenn sie nicht absolut musste. Selbst die Bibliothek war ihr nicht mehr so lieb wie sie es einst war. Stattdessen beschränkte sie sich auf die Bücher, die in den hohen Regalen des Gemeinschaftsraumes verstaut waren. Es hatte nichts mit den Pickeln zu tun, welche seit letztem Schuljahr das Wort 'Petze' auf ihrer Stirn buchstabierten, sondern viel mehr mit der Erkenntnis, dass jeder Schüler wusste, dass sie eine Verräterin war. Die Mitglieder der DA schienen sie allesamt zu verachten und Cho war die einzige, die immer noch zu ihr stand und ihre Freundin sein wollte.
   An manchen Tagen hatte Marietta jedoch ein schlechtes Gewissen Cho gegenüber. Sie wollte nicht riskieren, dass ihr Image vielleicht auf ihre Freundin abfärbt, und so hatte sie in den letzten Wochen viel Zeit damit verbracht, Cho davon zu überzeugen, dass es besser wäre, wenn sie ihre Freundschaft erst einmal auf Glatteis legten bis sie mit der Schule fertig waren. Marietta wusste zwar, dass es schwieriger sein würde, den Kontakt aufrecht zu erhalten, wenn sie beide erstmal arbeiteten, aber sie wusste auch, dass die Freundschaft, die sie beide teilten, einfach alles überstehen konnte.
   Und so hatte Marietta es vor einigen Tagen tatsächlich geschafft, ihre Freundin dazu zu überreden, vorerst getrennt die Zeit in Hogwarts zu verbringen. Diese wenigen Tage waren noch einsamer als sie es sich hätte vorstellen können. An Schultagen war es nicht allzu schlimm, da sie ohnehin viel zu beschäftigt mit dem Unterrichtsstoff war, als dass sie viel Zeit dazu hätte, den neuesten Gossip mit Cho auszutauschen; zumal der meiste Klatsch, der ihr zu Ohren kam, sowieso mit ihr selbst zu tun hatte.
   An Wochenenden aber, und vor allem die, an welchen die meisten Schüler Hogsmeade besuchten, waren besonders einsam. An solchen Tagen verkroch Marietta sich in die dunkelste Ecke des Gemeinschaftsraumes und las ein Buch nach dem anderen bis die Nacht einbrach und der nächste Tag anfing. Oft ließ sie ihre Augen über die vielen Worte einer Geschichte wandern, ohne wirklich darauf zu achten, was sie denn genau las; und so konnte sie manchmal ein und dasselbe Buch fünf Mal lesen, ohne zu wissen, worum es in der Geschichte überhaupt ging. Das würde spätestens in der Prüfungsphase zum Problem werden. Dann würde ihr nicht viel Zeit bleiben, ein Schulbuch mehrmals zu lesen, um den Inhalt zu verstehen.
   Als sie von dem Roman aufblickte, den sie momentan in ihrer Hand hielt, und aus dem Fenster schaute, bemerkte sie die ersten Schüler aus Hogsmeade heimkehren. Viele kleine Farbflecken wanderten durch die weiße Schneelandschaft in Richtung Schloss. Das bedeutete, dass der Raum gleich gefüllt mit fröhlichen Ravenclaws sein würde, die wahrscheinlich einen wunderschönen Tag in Hogsmeade verbracht hatten. Auf das Gekicher der Mädchen oder das Rascheln der Bonbontüten von den Drittklässlern hatte Marietta nur wenig Lust, also richtete sie ihren Blick wieder auf das Buch in ihrem Schoß und begann zum ersten Mal seit Tagen wirklich zu lesen, um dem kommendem Ansturm durchgefrorener Schüler so gut es geht zu entkommen.
   Wenige Minuten später fanden sich auch schon die ersten Leute wieder im Gemeinschaftsraum ein und obwohl Marietta sich mit all ihrem Geiste darauf konzentrierte, den Blick auf den Seiten ihres Buches zu lassen, konnte sie nicht anders als aufzublicken als sie laut und deutlich ihren Namen hörte.
   "Marietta!" Es war Cho, die nochmals nach ihrer Freundin rief, als diese die Menschenmasse absuchte.
Als ihre Blicke sich trafen, ging Cho zu Marietta, die sich alle Mühe gab, ihren Kopf wieder ins Buch sinken zu lassen, damit die anderen Ravenclaws nicht dachten, die Beiden würden wieder miteinander reden.
   "Marietta." Cho laute Stimme hatte sich in ein leises Flüstern verwandelt. "Marietta, schau mal was ich aus Madam Puddifoots Café mitgebracht habe." Sie hielt eine rote Rose in der Hand. "Michael hat die ganze Zeit nur über Quidditch geredet und ich musste an dich denken und wie sehr du seine langen Reden über Sport doch hasst und da hab ich -"
   "Cho, was machst du? Ich dachte wir hätten uns darauf geeinigt, auf Abstand zu gehen", unterbrach Marietta ihre Freundin im Flüsterton.
   "Lass mich doch ausreden", bat Cho. "Jedenfalls" (Sie warf Marietta einen strengen Blick zu.) "Diese Rose war in der Vase und sie hat einfach all meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen und da hab ich sie in die Hand genommen und ... mich verletzt."
   "Dich verletzt?", fragte Marietta verwundert, woraufhin Cho ihre zerkratzen Finger hochhielt.
   "Rosen haben Dornen", erklärte Cho und schaute ihrer Freundin dann so lange in die Augen als würde sie eine bestimmte Reaktion warten. "Rosen haben Dornen. So schön diese Blume auch sein mag. Wie kräftig rot sie auch aussieht und so gut sie auch riecht - Sie hat Dornen, an denen man sich ziemlich leicht verletzen kann. Aber das ist den Leuten egal! Sie sind so von der Schönheit ihrer Blüten geblendet, dass sie das Stechen der Dornen in Kauf nehmen."
   Marietta schlug ihr Buch zu. "Worauf willst du hinaus?"
   "Verstehst du denn nicht? Du bist eine Rose, Marietta!"
   "Ich bin eine Rose?"
   "Aber natürlich!" Cho strahlte vor Freude. "Du bist eine Rose. Du hast Dornen. Du machst Fehler. Aber du hast Blüten, die all das wieder wettmachen, hörst du? Du bringst mich immer zum Lachen. Bei dir kann ich immer ich selbst sein und um dich in meinem Leben zu haben, nehme ich die Dornen gerne in Kauf. Mir ist egal, was die Anderen denken; ich möchte nicht den Rest des Schuljahres ohne meine beste Freundin verbringen, hast du mich verstanden?"
   Marietta war sprachlos. Ihre Sicht verschwamm vor lauter heißer Tränen als sie nickte und Cho fest ihre Arme um sie schlang.
   Als die Zwei sich aus ihrer Umarmung lösten, reichte Cho ihrer Freundin die rote Rose und auch sie wurde von den Dornen gestochen, doch das war ihr egal, denn sie wusste nun, dass es Dinge gibt, für die es sich lohnt, ein wenig Schmerz zu fühlen.
Review schreiben