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So wahr der Rabe fliege...

von Zeref36
GeschichteÜbernatürlich, Tragödie / P18 / Gen
OC (Own Character)
19.03.2018
24.11.2019
95
113.581
5
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09.07.2018 1.551
 
16.Mai 1580:

Die nächsten Tage marschiere ich in einer noch ungewohnten leichten Rüstung und mit einem Katana genannten, schmalen Schwert, einer Yari und einer Jingasa an mir durch die Gassen des Fischerdorfes Ibusuki nahe der großen Hauptstadt des Shimazu-Clans, Kagoshima in der Gegend von Satsuma. Seit drei Wochen wurde ich aufgrund des jüngsten Oni-Ausbruches in der benachbarten Siedlung als Ersatz der gestorbenen Wachen rekrutiert. Oni, Akuma oder schlicht Teufel nennen die sich nennenden Japaner diese infernalen Kreaturen, die wir Europäer als Dämonen bezeichen. Auf eine Frage nach deren Entstehung hin erklärte mir mein Wachhauptmann Ayato Shimoda, sie seien die Manifestierung negativer, menschlicher Emotionen und demnach sind sie auch schwieriger auf längere Dauer zu bannen, weshalb auch die Bedrohung durch Oni neben den andauernden Kämpfen der verschiedenen Clans die wahrscheinlichste Todesart ist. Doch, so meinte Herr Shimoda zu mir, der Daimyo Nobunaga Oda stehe wohl kurz vor der Beendigung dieses Kriegszeitalters, womit sich Priester und sogenannte Onmyoji um die verbleibenden Oni sich kümmern werden. Vieles ist mir noch fremd, selbst nach den ersten Tage hier auf der südlichen Insel Kyushu. Weshalb ich auch die Launen des Yoshihiro Shimazu kennen lerne: oft muss ich aus einen mir unerklärlichen Grund seinen Besuchen im Geishaviertel in Kagoshima als eine der drei Leibwachen dienen, was nur dadurch verwerflich wird, weil aus dem Raum von ihm immer ein lautes Frauenstöhnen zu hören ist. Sadamaru, der junge Leibwächter neben mir und laut ihm mein Sempai, muss anfesichts dieser Geräusche oft seufzen, ob er neidisch ist?
Momentan befinde ich mich in der Wachkaserne von Kagoshima und bekomme gerade meine Tagesration, während Aria mit von Sanesuke begleitet wird und bei meinem Anblick erneut diese leutchenden roten Augen kurz schimmern lässt wie ihr erfreutes Lächeln! "Schön, das man dich endlich mal antrifft, Arteo.", begrüßt sie mich und erzählt mir von den Erfolgen der Missionierung. Ich nicke und zusammen mit Sanemaru schlendere ich zum Speiseraum der Kaserne, wo ich mich an einem Tisch setze und dort meine Ration Reisbällchen esse, ehe ich zu ihr sage: "Eine Frage wurmt mich schon seit geraumer Zeit, Aria. Könntest du kurz mal das Kreuz hier halten?" Skeptisch wegen ihrer roten Augen will ich sie auf Besessenheit testen, wohaufhin sie mich nur bitter anschaut und dann gereizt mit den leuchtenden, roten Augen mich anstarrt! "Ich wusste, das du kein gewöhnlicher Jäger sein kannst, Koregazmagier. Scheinbar hast du eine ähnliche Intuition wie der Schlächter zu seiner Zeit. Keine Sorge, ich bin kein Dämon, sondern ein Engel, der in dieser Nonne gerade Schutz vor Verfolger sucht. Ich halte sie heile sie gerade auch von einer schweren Krankheit, welche aber noch dauern wird. Daher wäre es nicht von Vorteil, mich auszutreiben zu wollen. Bitte verstehe, das ich keine Gewalt gegen dich ausüben möchte: schließlich habe ich es doch deinem Vorfahren zu verdanken, das ich frei bin und die Welt erkunden kann."
Ich runzele verwundert meine Augenbrauen und kurz daraufhin wechselt der Engel vom Latein wieder ins Englische: "Sei dir meiner Unterstützung zum Schutz dieses Mädchens gewiss, doch wenn du mich angreifst, trägst du auch die vollen Konzequenzen." Diese Drohung wirkt nur noch bedrückender durch die leuchtenden Augen, die merkwürdigerweise niemand sonst zu bemerken scheint. Fürs Erste lasse ich dieses Gespräch und frage stattdessen Sanemaru: "Wie gehts dir dabei, die Christen zu beschützen?" Sich nachdenklich am Hinterkopf kratzend gibt er zu, das einige sich überzeugt geben von dem neuen Glauben der Fremden, welche er an meiner Stelle wohl zu übersetzen versucht, da ich schließlich kurz angebunden bin. Doch scheinbar sehen es die hiesigen Shinto-Priester mit großem Argwohn, das sich hier eine neue Religion breitmacht.

Nach diesem Treffen verabschieden sich beide von mir und ich werde von Wachhauptmann Ayato Shimoda in die Burg Kagoshima mit meiner Wachmannschaft geführt, wo Daimyo Yoshihiro Shimazu uns lächelnd begrüßt, sodass wir uns demßtig verbeugen. "Ich habe euch rufen lassen, da mein Bruder Toyohisa auf nach Burg Tachibana in Hizen, innerhalb des Clans Otomo, muss und einen Leibschutz benötigt. Ich weis um die Umstände, das die Stadt ohne euch weniger Schutz haben wird, doch es handelt sich um eine Geiselübergabe an Otomos berühmtesten Schwertkämpfer, Muneshige Tachibana, der Spannungen mit unseren Clan durch dieses Nichtangriffsabkommen abbauen möchte.  Daher unterstützt ihn auf der nun von Oni verseuchten Reise nach Hizen, und ich werde euch selbstverständlich entsprechend entlohnen. Da wie erwähnt viele Oni umher streifen, stelle ich euch eine Miko an die Seite. Neben dem Schutz meines Bruders muss auch sie die Reise sicher überstehen, wenn ihr selber eine Chance auf eine sichere Heimkehr haben wollt. Mein Bruder wird euch über alles weitere instruieren." Mit diesem Satz erhebt sich ein schwarzhaariger kleiner Junge und spricht trotz seiner geringen Größe zu uns: "Ihr seid also dieser viel erwähnte Fremde, Arteo Koregaz? Sind etwar alle Fremden kleiner als mein Bruder?" Arteo durchatmen! Obwohl er ein kleiner vorlauter Junge, ist er der Bruder des Daimyo, und demnach ist ein Ausraster nicht ratsam. Laut atmend ünterdrücke ich meine Wut und antworte grimmig, fast schon sehr beleidigt: "Nein, Shimazu-sama. Ich bin nur kleiner geraten als andere Europäer." Grinnsend meint der junge Toyohisa zu mir: "In ein paar Jahren bin ich größer als du, du wirst schon sehen. Mein Name lautet Toyohisa aus dem Hause Shimazu und ich hoffe auf eure Kooperation. Schleift eure Waffen und rüstet euch, denn in wenn die Sonne im Zenit steht geht es los." Nickend erheben wir uns und werden von den Burgwachen, den Hatamoro ins Freie begleitet, wo ich meinem Wachmann Shimoda-sama zu Touka Ijaida folge, dem wohl am wenigsten besuchten, doch auch jüngsten Schmied auf ganz Kyushu. Jedenfalls wenn ich Shimoda-sans Worten da vertrauen kann. Mir kommt die Wärme des Ofens und die Geräuche zischenden Wassers, dem Schlagen auf dem Amboss und das fröhliche Summen sehr vertraut vor. Während meiner Zeit bei den Wölfen hielt man mich aufgrund meiner Größe für einen zerbrechliche junge Mann, weshalb ich nur selten alleine Dämonen jagen durfte und sonst nur in der Waffenschmiede die rostigen oder zerbrochenen Antidämonenwaffen neuschmiedete. Irgendwie fehlt mir dieses eine Jahr in Bukarest bei den Aster. Da sie kaum einen männlichen Nachkommen haben, laden sie als Abwechslung auch Männer der Nachtwache zu ihren Schmieden ein, wenn sie Hilfe benötigen oder die Invaliden sich anderswo betätigen sollen, um die Jäger am Ende zu unterstützen. Mir ist schon seit dem ersten Tag als Wache der Unterschied des verwendeten Stahls zu dem in Europa aufgefallen, nicht das er minderwertiger wäre. Doch die japanischen Waffen scheinen weniger robust geschmiedet zu sein als die europäischen, was ihren Fokus wohl auf deren Funktionalität verschiebt. "Hallo, Ijaida-chan, bist du zu sprechen?", mault Shimoda-san ungeduldig, sodass ein kurzes "Warte kurz." ertönt und hinter einem Vorhang eine schwarzhaarige junge Jugendliche mit einem schlichten "Hakama" mit einem Tangegashima Luntenschlossgewehr hervor tritt, das scheinbar gerade sich noch im Bau gefindet. Selbstverständlich kenne ich seit dem Besuch der Burg diese Vorderladerwaffe, da sie dem europäischen Modell nur in Geringfügigkeiten unterscheidet. Ich musste selber unterschiedliche Waffen für meine Kameraden schmieden, doch am kompliziertesten fand ich immer diese Art von Fernkampfwaffen. Sie brauchen relativ lange zum Laden, was auch das Kämpfen damit schwierig gestaltet, besonders gegen bewegliche Ziele. Laut meinen gesammelten Wissen über die Geschichte dieses Gewehres kam es erstmals vor ungefähr 30 Jahren, also so 1550, mit Seglern aus Europa, auf der südlichen Insel Tanegashima an und hat sich dank des Shimazu-Clans über alle streitenden Reiche verbreitet. "Oh, bist scheinbar mit dem Lauf gerade fertig geworden, wie?", sage ich zur Begrüßung, woraufhin die junge Jugendliche funkelnde Augen bekommt und sagt: "Ja der Herr, aber woher wisst ihr das? Wartet, ihr seid doch ein Fremder! Ayato, du hättest doch sagen können, das ein Fremder bei euch arbeitet." Das Genörgel des Schmiedes lässt Shimoda-san schief lächeln , dann antwortet er sich rechtfertigend: "Weist du, ich hätte ihn auch zu Shinzukimaru bringen können. Koregaz-san, vielleicht sollten wir geh..."  
Touka stellt sich vor ihren älteren Bekannten, oder Freund, ich weis es nicht und schmollt, dann schaut sie mich an und meint schüchtern: "Könntest du dann wenigstens hier bleiben, Fremder?" Oh, scheinbar wirkt der berühmte Koregaz-Charme selbst im fernen Osten. Nun nicke ich und gebe ihr lächelnd meine Waffen. Sie sagt kämpferisch zu Shimoda-san: "Du kannst dich doch verziehen, aber der Fremde will wohl meine Dienste in Anspruch nehmen. Und wenn du wieder etwas von mir willst, gibt es keinen Rabatt." Schmollend meint er verzweifelt: "Du bist doch aber meine Cousine." Sie wehrt seine Klage ab mit den kalten Worten: "Aber du versuchst, mir die interessanteste Kundschaft seit langem zu vergraulen." Ok, sie scheint bockig zu sein, haha.

Ende des Kapitels.

Zur Begriffsklärung:

-Yari sind Lanzen oder Speere
-Jingasa die Helme der Ashigaru, Fußsoldaten
 - Hatamoro nannte man die Burgwachen oder die Elitesoldaten eines Daimyo
 -Hakama sind wie Kimono Gewänder, nur schlichter und billiger
man nannte einige Gewehre auch Tanegashina Teppo, als funfact

Zur Geografie: Japan hat vier Hauptinseln: Kyushu, Honshu, Hokkaido und Shikoku. Arteo befindet sich gerade im Süden der südlichsten Insel, Kyushu in der Stadt Kagoshima.

Hoffe es hat euch gefallen, euch noch ezwas Wissen über das Kapitel hinaus zu vermitteln, euer Schwarzmagier Zeref.
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