Warum man sich nicht mit Drachen anlegen sollte (und warum ich es trotzdem tue)

GeschichteMystery, Freundschaft / P16 Slash
Chelia Blendy Lyon Bastia OC (Own Character) Orga Nanagear Rogue Cheney Sting Eucliffe
18.03.2018
17.09.2019
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„Wieso bringst du mir Magie bei?“ Ich schielte hoch von meinem Mittagessen, auf meinen Vater. Das Wetter war gut, strahlend blauer Himmel und im Wald zwitscherten die Vögel. Die Ruinen lagen ruhig da, versteckt, nur ein kleiner Bach plätscherte zwischen den zerstörten Steinformationen.
     
„Weil es nicht nur Drachen wie mich gibt, Sting.“ Weisslogia rollte sich zusammen und legte den Kopf auf seine Vorderbeine. „Es gibt auch solche, die den Menschen schaden wollen. Deswegen bilde ich dich aus.“
     
„Damit ich mich verteidigen kann?“
     
„Damit du diesem sinnlosen Krieg eines Tages ein Ende setzen kannst.“




Wie gebannt starrte ich auf die Bestie, die die Stadt vor mir in Schutt und Asche legte. Schreie tönten durch die Luft, Hilferufe, Menschenmassen strömten durch die Straßen, raus aus der Stadt, rein in die Berge.
     
Ein gewaltiger Laser schoss über meinen Kopf hinweg, schlug in dem Gebäude hinter mir ein. Eine Explosion, das Feuer sprang über auf die benachbarten Häuser, schnitt den Weg zu den Bergen ab. Auch das Haus unter mir fing Feuer.
     
„Ganz schönes Gemetzel, was?“ Ich zuckte zusammen und Raito lachte. Wut packte mich, ich packte ihn am Kragen.
     
„Das ist nicht witzig! Wir müssen etwas…“ Ich verstummte. Etwas tun? Wie? Wie etwas tun, wenn das alles hier schon lange passiert war? Längst der Vergangenheit angehörte?
     
Wieder nahm er meinen Arm. „Sie es dir an.“

     Auf einmal waren wir mitten im Getümmel, umgeben von schreienden, panischen Menschen; sie rannten herum, ließen ihre Häuser unverschlossen zurück, die wenigen Habseligkeiten in den zerstörten Gebäuden. Leute stürzten, blieben liegen, alte Leute, junge Leute, Kinder, Großmütter, Eltern mit Babys, sie rannten, rannten weg, weg von dem Drachen hoch über ihnen, weg vor den Lasern, die ihr Zuhause in ein Flammenmeer verwandelten.

     Orientierungslos stolperte ich umher, Menschen liefen durch mich durch, nahmen nicht eine Notiz von mir. Mein Herz raste, Adrenalin schoss durch meine Adern. Plötzlich schien alles so groß, ich so klein… Das ist nicht real, sagte ich mir. Das ist alles schon passiert. Alles nur eine…

     „Dad!“

     Mein Herz knackte. Ich wirbelte herum. Zwischen den Trümmern eines Gebäudes eingeklemmt lag ein Mann, eine Blutlache bildete sich um ihn herum, färbte den Schnee dunkelrot. Zwei Kinder saßen daneben und zogen vergeblich an dem Balken, der ihn erschlagen hatte. Das Mädchen hielt seine Hand. Ein Schauer durchfuhr mich.

     „Dad…“, weinte die Kleine. „Dad bitte… Bitte wach auf… Wir müssen…“

     Er rührte sich nicht. Sein langes schwarzes Haar lag ausgebreitet um seinen Kopf, feucht vom Blut, rot schimmernd.

     Der kleine Junge legte eine Hand auf die Schulter seiner Schwester. „Es hat keinen Sinn.“ Tränen rannen über sein Gesicht, ließen seine Stimme abbrechen. „Wir müssen… Wir müssen hier weg.“

     „Aber… Aber Dad…“

     Er nahm sie in den Arm, schirmte ihre Augen ab von ihrem toten Vater, zog sie von ihm weg, ins Getümmel.

     Ich streckte meine Hand nach ihnen aus, wollte sie herausziehen aus diesem Albtraum, aber es ging nicht. Die beiden wurden mitgerissen von der Menge, jemand knallte gegen sie. Machte sich nicht die Mühe, ihnen zu helfen, als Lyon weiter mitgerissen wurde, Arya liegen blieb, sich auf dem Boden zusammenkauerte und weinte, weinte und weinte, schrie vor Angst, heulte, zitterte, getreten wurde von der flüchtenden Masse. Niemand machte sich die Mühe.

     Endlich lichteten die Straßen sich wieder, der Großteil der Menschen war fort, und Arya kauerte immer noch auf dem Boden. Sie rappelte sich auf, schniefend, heulend. „LYON!“, schrie sie aus voller Lunge. „MUM! DAD!“

     Mein Herz zerbrach in tausend Stücke. Ich wollte zu ihr rennen, sie in den Arm nehmen und ihr sagen, dass alles gut werden würde. Dass sie eines schönen Tages einer wundervollen Gilde beitreten, ihre Familie wiederfinden würde. Dass es Lyon gut ging. Dass all das hier nur vorübergehend war.

     Aber Raito hielt mich zurück.

     Ein weiterer Laser schlug in dem Haus neben uns ein, Schutt und Feuer regneten vom Himmel. Arya schrie. Und dann, mit einem Krachen landete der Drache hinter uns in den Trümmern, direkt hinter ihr.

     Wimmernd wand Arya sich um, starrte aus verheulten Augen hoch auf den Drachen. Ein Grölen entrann seiner Kehle, er beugte sich runter, schien ihr genau in die verängstigten Augen zu starren.

     Ich hielt die Luft an. Konnte mich nicht bewegen. Ich zitterte am ganzen Körper und nur ein einziger Gedanke hinderte mich daran, vollkommen durchzudrehen.

     Das ist nicht mein Vater.

     Ich wollte heulen.

     Der Drache brüllte. Die Erde bebte. Arya saß wie angewurzelt da, paralysiert, starrte in das weit aufgerissene Maul des Drachens mit dessen rasiermesserscharfen Zähnen, tropfend von Speichel. Licht erhellte seinen Rachen, manifestierte sich zu einer leuchtenden Kugel.

     Nein. Ich preschte vor, doch jemand anders war schneller, und eine gewaltige Wand aus Eis schoss zwischen Arya und dem Drachen empor. Eine Explosion, die Mauer zerbrach, Eissplitter regneten vom Himmel auf uns nieder.

     Lyra stand schützend über ihrer Tochter. Weiße, glitzernde Schuppen zogen sich über ihre Arme, ihr Gesicht, ihren Hals. Ihre violetten Augen funkelten in der Dunkelheit, nur erhellt vom wütenden Feuer. Sie sah runter zu Arya, ihr Gesicht schmerzverzerrt.

     „Ich liebe dich.“, flüsterte sie.

     Arya bewegte sich keinen Millimeter.

     Lyra drehte sich zu dem Drachen, der sich nun wieder hoch über uns aufbäumte, mit qualmenden Nüstern, Feuer in den Augen auf uns herabschaute.

     „Na Großer?“, sagte Lyra. „Hat Acnologia dich aus deinem Schönheitsschlaf geweckt?“ Der Drache knurrte. „Ziemlich unverschämt. Da hätte ich auch schlechte Laune.“ Wieder feuerte er einen Laser auf die beiden. Blitzschnell packte sie Arya und sprang zur Seite, aus der Bahn. Ich zuckte zusammen, als der Laser durch mich durchfuhr, aber keinen Schaden anrichtete. Ich spürte nichts.

     „Arya, lauf.“, befahl Lyra und wand sich wieder dem Drachen zu. Sie bewegte sich immer noch nicht. „Du willst wirklich nicht mit mir reden. Auch gut.“ Bildete ich mir das ein, oder wurde es auf einmal kälter?

     Lyra sprang auf den Drachen zu. „Hiryu no Yokugeki!“ Eisige Winde, Schwingen, trafen den Drachen und er wich zurück, brüllte. „ARYA, LAUF!“      

     „ICH GEH NICHT OHNE DICH!“

     Die Schuppen auf ihrem Körper leuchteten hell, Dragon Force, aber in Lyras Augen lag die blanke Angst. „Ich komme nach! Versprochen! JETZT LAUF!“

     „NEIN!“

     „Geht zu Ul! Ich komme nach!“

     „MUM!“

     „LAUF!“ Ein Laser traf sie frontal, doch Lyra schaffte es, ihn zurückzuhalten. Die Eisblockade bröckelte, und schließlich wurde sie getaucht in helles, pures Licht.

     Arya schrie sich die Kehle aus dem Hals. Dann legte ihr plötzlich jemand von hinten die Arme um den Hals. Lyon. Er war wieder da. Versuchte, sie zu beruhigen, redete ihr gut zu, aber sie hörte nicht. Sie schrie einfach weiter.

     Das Licht löste sich auf. Lyra taumelte, fiel auf die Knie. Sie atmete schwer, Wunden zogen sich über ihren ganzen Körper. Sie sah hinüber zu ihren Kindern. „Lyon…“ Ein leichtes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. „Bring sie hier raus. Bitte. Sei ein lieber Junge.“ Sie hustete, spuckte Blut auf die Straße.

     Tränen liefen über sein Gesicht, aber er schien zu verstehen.

     „Geht zu Ul. Pass auf sie auf. Du musst auf sie aufpassen Lyon, versprich mir das.“ Mühsam zog Lyra sich wieder auf die Beine. Der Drache thronte noch immer hoch über ihnen, hoch über der Stadt und spie Licht, zerstörte, was noch übrig war.

     „Ich versprech's.“, flüsterte Lyon. Dann kniff er die Augen zusammen, wand sich ab und zog Arya hinter sich her, weg von dem Drachen. Weg von ihrer Mutter. Arya schrie, protestierte, schlug und trat um sich, aber er warf sie sich einfach über die Schulter und rannte. Sie schlug ihn, trommelte auf seinen Rücken, und er rannte trotzdem weiter.  

     „MUM! MUM!“ Ihre Schreie verloren sich im Knistern des Feuers, dem Gebrüll des Drachen und den zerfallenden Häusern. Lyra drehte sich wieder dem Biest zu. Tränen tropften von ihren leuchtenden Wangen. Sie schien sich zu entfernen, der Drache auch, fortzufliegen, obwohl ich mich gar nicht bewegte. Und wieder verzerrte sich die Umgebung.

     „Relax.“ Jemand hatte eine Hand auf meine Schulter gelegt. Raito. Wir standen auf dem Hang von vorhin, nur diesmal lag die Stadt vor uns in Schutt und Asche. Um uns herum standen Menschen, starrten weinend, verzweifelt auf ihr brennendes Zuhause. In ihrer Mitte hockten zwei Kinder. Arya hatte ihr Gesicht an Lyons Brust vergraben und heulte.

     „Ich hasse dich! Ich hasse dich! Ich hasse dich!“ Ihr Geschrei ging über in herzzerreißendes Schluchzen. Wie groß waren eigentlich die Tränensäcke eines sechsjährigen Mädchens?

     Lyon schien die Tränen zurückzuhalten, erfolglos. „Sshhh, shhhh.“, versuchte er, sie zu beruhigen. „Alles gut. Alles wird gut.“ Seine Stimme brach ab. „Ich bin hier. Ich bin hier, okay? Ich passe auf dich auf.“

     Wie alt musste er sein? Neun?

     „Furchterregend oder?“, flüsterte Raito. „Was heilige Magie anrichten kann.“ Ich blinzelte die Tränen weg. Ein mulmiges Gefühl machte sich in meinem Bauch breit, breitete sich aus über meine Brust, meine Gliedmaßen wurden schwer und auf einmal verspürte ich das Bedürfnis, mich in den Schnee zu legen und nicht mehr aufzustehen.
     
Wieder verzerrte sich das Bild um Arya und Lyon herum. Als nächstes stapften sie durch den Schnee, ein schwerer Sturm wütete. In der Ferne leuchteten Lichter und ein wenig weiter kam ein kleines Haus in Sicht. Dort angekommen klopfte Lyon an die Tür. Als sie wenig später geöffnet wurde, blickte den beiden eine junge, schwarzhaarige Frau entgegen. Beim Anblick der beiden riss sie erschrocken die Augen auf und winkte sie herein. Die Tür schloss sich. Wir folgten ihnen.

     Das innere der Hütte war warm erleuchtet von einem Kaminfeuer, trotzdem nur spärlich eingerichtet. Die Frau nahm Arya und Lyon ihre Mäntel ab, wickelte sie in Decken ein und setzte sie ans Feuer. Für einen kurzen Moment verschwand sie, kam wenig später wieder mit zwei dampfenden Tassen.

     Und dann erzählte Lyon.

     Die Frau stellte sich als Ul heraus. Ihre alte Meisterin, von der Lyon und Arya ihr Ice Make gelernt hatten. Und offensichtlich auch eine Freundin ihrer Mutter.

     Sie nahm die beiden auf.

     Ich verlor mein Gefühl für die Zeit.

     Die Tage, Wochen, Monate schienen wie im Flug zu vergehen. Sie trainierten. Jeden Abend saß Arya an einem der Fenster und starrte stundenlang auf den Schnee draußen, auf die Straße, als würde sie auf jemanden warten.

     Eines Abends hatte Lyon genug. „Sie kommt nicht.“

     Arya starrte weiter nach draußen. „Das weißt du nicht.“

     Er ballte die Fäuste. „Sie ist tot, Arya.“

     Arya blinzelte. „Sie hat es versprochen. Mum hält immer ihre Versprechen.“ In ihrer Hand drehte sie einen kleinen Kristall hin und her.

     „Sonst wäre sie doch schon lange hier.“

     „Sie hat es versprochen.“, wiederholte sie einfach. Tränen rollten über ihre Wangen, und noch immer starrte sie aus dem Fenster.

     Ul stand vom Tisch auf, nahm eine Decke und legte sie um Aryas Schultern. „Manchmal kann man Versprechen nicht einhalten. Selbst wenn man will.“ Sie strich ihr über den Kopf und flüsterte: „Sieh der Tatsache ins Auge.“ Dann schickte sie Lyon ins Bett und legte sich selbst schlafen.
     
Während dieser Zeit sah ich Arya nicht einmal lachen.
     
Da änderte sich die Szenerie merklich. Wieder eine zerstörte Stadt. Sonnenaufgang. Aber diesmal war das schlimmste schon vorbei. Einzig Rauchschwaden stiegen noch aus den Trümmern auf. Arya und Lyon folgten Ul durch die zerstörten Straßen, die bedeckt waren von Hausresten und Schnee. Aryas Haar war länger, ihre Züge wirkten älter.

     „Ul, da!“, rief Lyon auf einmal, deutete aufgeregt auf einen Trümmerhaufen. Ich folgte seinem Blick, und tatsächlich, zwischen den Steinen verschüttet lag ein kleiner Junge. Lyon und Arya rannten zu ihm, begannen, Steine zur Seite zu rollen und Holzbalken zu verschieben. Der Junge röchelte etwas unverständliches und öffnete die Augen. Arya streckte ihm eine Hand entgegen.

     „Geht's dir gut?“

     Etwas desorientiert sah er zu ihr hoch. Zusammen zogen die Geschwister ihn unter den Trümmern hervor.

     „Wie heißt du?“, fragte Ul.

     Der Junge sah runter auf seine Hände, dann wieder zu ihr. „Gray.“ Leere lag in seinen dunklen Augen, matte Schwärze, als würde er in ein dunkles Nichts schauen. Stille Tränen rannen über seine Wangen.  

     Raito legte den Kopf schief. „Der Kerl ist bei Fairy Tail, oder?“

     Ich ignorierte ihn. Und wieder verzerrte sich das Bild. Ich blinzelte. Die vier standen draußen im Schnee, halb nackt und die drei Kids froren sich die Hintern ab. Auch wenn Lyon das nicht zugeben wollte.

     „Das ist doch voll bescheuert!“, beschwerte sich Gray.

     Lyon grinste, obwohl er selbst am ganzen Leib zitterte. „Jammer nicht! Das gehört zum Training!“

     „Ein scheiß Training ist das!“

     „Dann geh doch, wenn du keine Magie lernen willst.“ Die Jungs verstummten und drehten sich zu Arya um. Sie zitterte genauso stark wie Lyon, nur schien sie das nicht im geringsten zu interessieren. Mürrisch starrte sie zurück. Gray zog eine Grimasse und wand sich Ul zu.  

     „Wie soll mir der Scheiß helfen, Deliora zu besiegen?“

     „Erstens, achte auf deine Sprache.“, antwortete sie mit ebenso mürrischem Blick. „Zweitens, ohne die Grundlagen kommst du nicht mal auf fünfhundert Meter an Deliora ran, ohne pulverisiert zu werden. Eher tausend.“

     „Aber-“

     „Drittens,“, fuhr sie betont fort, „Kommst du selbst mit den Grundlagen nicht auf fünfhundert Meter an Deliora ran. Also schlag es dir aus dem Kopf.“ Gray stampfte mit dem Fuß auf und stöhnte frustriert auf.

     „Willst du echt so sehr sterben?“, fragte Arya. Er fuhr herum.

     „Was weißt du schon! Du bist doch noch ein totales Baby!“  

     „'Ne Menge!“, rief sie im selben Tonfall zurück.

     „Baby, Baby!“ Gray streckte ihr die Zunge raus. Im nächsten Moment traf ein Schneeball ihn volle Kanne im Gesicht. Verdutzt blinzelte er, als der Schnee von seiner Haut bröckelte. Arya funkelte ihn herausfordernd an.

     „Und du willst Deliora besiegen?“

     Er kniff die Augen zusammen und dann flog auch schon der nächste Schneeball und binnen weniger Sekunden verwandelte sich der Berghang in ein Schlachtfeld. Lyon starrte verständnislos auf seine Schwester und Gray, die sich jetzt prügelnd im Schnee wälzten, sogar Ul sah nur zu.

     „Du weißt gar nichts!“

     „Doch, dass du dumm bist!“

     Irgendwann fielen die zwei völlig außer Atem auf ihre Hintern und löcherten sich nur noch gegenseitig mit Todesblicken.

     „Sehr gut gemacht.“, sagte Ul. Ihr Blick ließ einen Schauer meinen Rücken runter laufen. „Ihr habt euch gerade drei Extrarunden auf den Berg und zurück verdient.“ Mit offenen Mündern starrten sie zu ihrer Meisterin hoch, wollten schon protestieren, aber sie brachte sie mit nur einem Blick zum schweigen. „Lyon. Geh schon mal nachhause und fang an, zu kochen. Wir kommen dann nach.“

     „Kann ich auch mitkommen?“ Erstaunt sah Ul ihn an. Dann schlich sich ein Lächeln auf ihr Gesicht und sie nickte leicht.  

     Während des Laufs schob Lyon sich geflissentlich zwischen Arya und Gray.

     Das nächste Bild zeigte wieder Arya, diesmal auf dem Dach der kleinen Hütte. Es war später Nachmittag und die Sonne verschwand gerade hinter den Bergen auf der anderen Seite des Tals. Sie hatte die Arme um die Knie geschlungen, starrte still auf die Straße, die sich von der Hütte aus über die Berghänge schlängelte.

     Vorsichtig setzte ich mich neben sie. Sie war so klein. Viel zu klein für all das hier. Ich widerstand dem Drang, sie in den Arm zu nehmen, das hätte sowieso nicht funktioniert. Trotzdem… Trotzdem hätte ich es gerne gemacht.

     Unter uns flog die Tür auf. Jemand stapfte hinaus in den Schnee und sah sich um. Sein Blick fiel auf das Dach der Hütte und er seufzte. „Was machst du da oben?“ Fast hätte ich gelacht. Konnte Gray überhaupt nett gucken?

     Wortlos drehte Arya sich weg. „Es gibt bald Essen!“ Immer noch keine Antwort. Ich erwartete, Gray würde einfach wieder reingehen. Ich hätte es wahrscheinlich so gemacht, aber das tat er nicht. Stattdessen kletterte er auf den Holzhaufen neben der Hütte und zog sich mit ach und Krach auf das zugeschneite Dach. Dann setzte er sich neben Arya. Sie drehte sich wieder weg und starrte weiter auf die Straße.

     Einige Zeit blieb es totenstill. Dann ergriff Gray das Wort. „Was machst du hier oben?“

     „Warten.“, antwortete Arya.

     „Auf was.“

     „Geht dich nichts an.“ Wieder machte sich Stille zwischen den beiden breit. Arya blinzelte ein paar Tränen weg. „Auf Mum.“

     Er runzelte die Stirn. „Eure tote Mum?“

     Arya blieb still. Jetzt konnte sie die Tränen nicht mehr weg blinzeln.  

     „Tut mir Leid.“, murmelte Gray. Sie sah ihn überrascht an. „Heute Mittag. Lyon hat mir alles erzählt.“

     Sie zuckte nur mit den Schultern. Gray verschränkte die Arme vor der Brust und zog die Beine an. „Meine Mum ist auch tot. Und mein Dad.“ Er ballte die Fäuste. „Das ist alles Delioras Schuld… Deswegen will ich ihn vernichten.“

     Ein paar Sekunden blieb es still. „Ich hasse den Drachen auch…“ Sie schniefte. „Aber… Dad hat immer gesagt, hassen ist schlecht. Und führt nur noch zu mehr Problemen…“ Sie wollte weiter sprechen, aber das einzige, was aus ihrem Mund kam, war ein weiteres Schluchzen. „Außer… Außerdem… Wenn nicht mal Mum den Drachen besiegen konnte… dann kann ich das auch nicht.“

     Gray saß wie erstarrt da, sah nur zu wie sie zitterte, schluchzte, wie die Tränen den Stoff an ihren Knien durchnässten. „Mum kommt nich' mehr zurück, aber sie… aber sie hat versprochen, dass sie wieder zurückkommt! Sie hat es versprochen!“

     Ganz offensichtlich war Gray mit der Situation überfordert. Etwas ratlos sah er sich in der Landschaft um, dann stupste er Arya an. Einen Moment hörte sie wirklich auf, zu schluchzen und sah mit verheulten Augen und triefender Nase hoch.

     Gray schnitt eine Grimasse.

     Arya heulte weiter.

     „Hey, hey.“ Unbeholfen streichelte er ihr über den Rücken. „Ähm. Also…“ Er stöhnte auf, rang verzweifelt die Hände. Dann nahm er eine Hand voll Schnee und klatschte sie Arya ins Gesicht.

     Arya quietschte und fiel auf den Rücken. Verdutzt, aber still, starrte sie nach oben in den Himmel.

     „Sorry, bin in Panik geraten.“, gab Gray zu.

     Da lachte sie. Das erste Mal seit Monaten. Kugelte sich regelrecht vor Lachen auf dem schneebedeckten Dach hin und her. Gray starrte sie nur mit offenem Mund an.

     „Hätte ich gewusst, dass das so einfach ist, hätte ich dich viel früher in den Schnee gesteckt.“ Sie sah zu ihm hoch, und lachte dann wieder los. „Was ist jetzt so witzig??“

     „Dein Gesicht!“

     „Mein was?!“

     „Dein Gesicht!“

     Eine Mischung aus geschockt, beleidigt und verstört machte sich auf besagtem Gesicht breit. „Du- weißt du was- DEIN Gesicht ist witzig!“

     Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. Sie waren so klein. Verdammt. Wünschte ich mir gerade spontan Kinder? Scheiße ja. War das der richtige Zeitpunkt dafür? Scheiße nein.

     „Essen!“, ertönte eine Stimme unter uns. Gray und Arya fuhren zusammen. Sie krabbelten zum Rand des Daches und lugten runter zu Ul. „Und wer hat euch erlaubt, auf mein Dach zu klettern?“ Trotz der vermeintlichen Standpauke zierte ein verschmitztes Lächeln ihr Gesicht. Etwas verlegen lachte Arya, und die beiden machten sich an den Abstieg.

     Sie rannte zu Ul und nahm ihre Hand. „Ul, findest du Grays Gesicht auch witzig?“

     „HEY!“, protestierte Gray lautstark.

     Ihre Meisterin blinzelte verdutzt, dann grinste sie Gray an. „Ja, schon ein bisschen.“

     „Halt den Rand, Alte Frau!“

     „Achte auf deinen Ton, wenn du weiterhin unter diesem Dach leben willst!“

     Die Tür fiel hinter den Dreien ins Schloss.

     „Worauf wartest du eigentlich?“ Raito ließ sich neben mir nieder und ließ die Beine über den Rand des Daches baumeln. Misstrauisch betrachtete ich ihn von der Seite. „Ich kauf dir nicht ab, dass du hier festsitzt. Ist immerhin dein Fluch.“

     Er starrte nur in die Ferne, auf die jetzt untergehende Sonne. „Ich bin eben ein neugieriger Vollidiot.“

     Die Umgebung verzerrte sich, und Dunkelheit umfing uns, doch als sich die Sicht wieder klärte, saßen wir immer noch an exakt derselben Stelle. Ein Schneesturm wütete, der Nachthimmel wolkenverhangen. Die Lichter der Stadt im Tal schienen gerade so durch das dichte Schneegestöber hindurch.

     Unter uns flog die Tür auf, jemand stapfte in den Schnee hinaus.

     „GRAY!“ Ul. Aber Gray hörte nicht auf sie. „Wenn du jetzt gehst, brauchst du nicht mehr wiederzukommen!“ Die Wut war deutlich aus ihrer Stimme herauszuhören, aber da war auch ein kleiner Fetzen Sorge. Gray stoppte und drehte sich ein letztes Mal um.

     „IST MIR EGAL!“

     Dann kämpfte er sich weiter durch den Schnee. Plötzlich rannte jemand auf ihn zu, schmiss ihn fast von hinten um. Arya umklammerte ihn zitternd, sie hatte keine Wintersachen an, kniff die Augen zusammen.

     „Geh nicht… Gray, bitte geh nicht!“

     Er zögerte, schien mit sich zu kämpfen. Dann drehte er sich und nahm Arya bei den Armen. Flehend, mit Tränen in den Augen starrte sie zu ihm hoch, aber er biss die Zähne zusammen und wich ihrem Blick aus.

     „Geh nicht…“

     „Tut mir Leid.“ Er dreht sich weg und Arya fiel auf die Knie, barfuß, nur mit einer kurzen Hose und einem Pullover bekleidet. Sie weinte. Schon wieder. Lyon lief zu ihr, legte ihr seine Jacke um die Schultern und nahm sie schützend in den Arm. Sie schlang die Arme um ihn. Mit bebenden Lippen sah er Gray nach, blinzelte die Tränen weg.

     Der Sturm verzerrte sich. Verschwand. Und wieder standen Raito und ich zwischen den brennenden Trümmern einer zerstörten Stadt. Nur diesmal starrten wir direkt auf das brüllende Monster, das für diese Zerstörung verantwortlich war.

     Waren die Drachen in Crocus furchteinflößend gewesen, hatten wir hier Satan selbst vor uns. Groß wie ein Berg, behaarte Pranken und zwei gekrümmte Hörner, die ohne weiteres Schaschlik aus den Gebäuden machen konnten, gepaart mit riesigen, messerscharfen Hauern und glühenden Augen machten Deliora zu dem wohl hässlichsten Geschöpf, dass ich jemals gesehen hatte. Neben Raitos Persönlichkeit.

     „Was ist das für ein Vieh?“

     „Einer von Zerefs Dämonen.“

     Ich hob eine Augenbraue. „Dein großer Bruder also?“

     Er zeigte mir sein liebevollstes Lächeln, obwohl ich die Adern an seinen Schläfen pochen sehen konnte. „Ja, nur dass ich die ganze Intelligenz geerbt habe.“

     „Verblüffende Ähnlichkeit, wirklich. Wie geklont.“

     Wahrscheinlich wollte er mir gerade den Kopf abreißen, allerdings beendete ein verzweifeltes Schluchzen unsere Konversation. Hinter uns kniete Gray, die Arme um Ul geschlungen, Lyon hielt eine zitternde Arya schützend im Arm.

     „Es tut mir Leid…“, schluchzte Gray. „Es tut mir Leid es tut mir Leid…“

     Ein gewaltiger Laser schlug eine Schneise kaum fünfzig Meter neben den vier, eine Wand aus Flammen stob hunderte von Metern in die Luft, Trümmerteile wurden von der Explosion herumgeschleudert. Die Kinder kauerten sich an Ul, die nur verzweifelt zu dem Monster aufsah.  

     „Geht zur Seite.“, befahl Ul und trat vor. Sie schlug eine Faust auf ihre Handfläche, Winde stoben um sie herum auf. „ICE MAKE: ROSEGARDEN!“ Gewaltige Eismassen schoss auf Deliora zu, stachelige, funkelnde Rosenranken, so riesig, wie sie nur ein Meister zustande bringen würde.

     Das Eis traf den Dämonen. Und zersprang. Ul fluchte.

     „Ul!“, rief Lyon. „Ich hab eine Idee!“ Er ließ von Arya ab und rannte auf den Dämonen zu, doch im selben Atemzug feuerte der auch schon den nächsten Laser ab, genau auf die vier zu. Blitzschnell schnappte Ul sich Gray und Lyon und warf sie zu Boden, bedeckte sie mit Eis, aber sie schaffte es nicht mehr, Arya zu schützen.

     Das Licht umfing uns, nahm mir die Sicht. Ein Schrei. Und dann verzerrte sich wieder alles.

     Das nächste, was ich sah, war Sonnenlicht. Rauch stieg hoch in den wolkenverhangenen Himmel. Schwarze Schneeflocken fielen auf die qualmenden Trümmer. Ein riesiger Eisberg streckte sich in der Mitte der Stadt in die Höhe, glitzernd im Licht der Mittagssonne.

     Ich traute meinen Augen nicht. Deliora. Hatten sie… Hatte Ul…

     Ein paar Meter weiter purzelte ein Stein von einem Trümmerhaufen. Eine kleine Hand kam zum Vorschein, dann noch eine und schließlich ein kleiner Wuschelkopf.

     Arya stöhnte, zog sich wimmernd unter den Holzbalken und Backsteinen hervor. Ihr Körper war übersät von Wunden, Kratzern, getrocknetes Blut und Dreck färbten ihr weißes Haar dunkelrot.

     Sie stolperte, rollte schlaff auf den Boden. Blieb liegen. Wankend zog sie sich auf die Füße, drehte sich einmal um sich selbst, ließ ihren Blick über die Zerstörung schweifen.

     „Lyon…?“ Ihre Stimme war nicht mehr, als ein heiseres Krächzen. „Lyon?“ Sie musste husten. Tränen bildeten sich in ihren Augen. „LYON!“ Ihr Schrei hallte durch das Tal, wurde von den Wänden der Berge zurückgeworfen, aber niemand antwortete. Nicht mal irgendein Tier. Kein abrutschender Schnee. Nichts. Nur Stille.

     Ihre Muskeln erschlafften, sie fiel auf die Knie, starrte hoch zu Deliora, die Tränen liefen still ihre Wangen hinunter. Kein Schluchzen. Mit zitternden Händen stützte sie sich auf dem Boden ab, Tränen fielen, gefroren und zersprangen klirrend auf dem Stein. Sie senkte den Kopf, kauerte sich zu einem Ball zusammen. Als würde sie beten.

     Sie schrie. Laut. Ein Schrei so voller Emotionen, voller Schmerz, Wut, Frustration, Angst und Trauer und noch mehr Schmerz, mehr Schmerz als eine Achtjährige jemals hätte ertragen dürfen. Mehr, als jeder Mensch jemals ertragen dürfte. Mein Herz zersprang in tausend Stücke.

     Genau wie das Bild.

     „Soll ich dich in den Arm nehmen?“ Raitos Stimme triefte nur so vor Sarkasmus. Ich warf ihm einen Todesblick zu. Das schlimmste war, fast hätte ich ja gesagt.

     In der nächsten Szenerie schneite es. Diesmal normalen, weißen Schnee. Arya saß am Straßenrand an eine Hauswand gelehnt, einen dunklen, zerfetzten Umhang um ihre Schultern geschlungen. Reges Treiben herrschte auf den Straßen, es musste Markttag oder so etwas sein, aber niemand nahm auch nur Notiz von dem durchgefrorenen Kind mit den eingesunkenen Wangenknochen und den dunklen Ringen unter den Augen.

     Eine Kutsche fuhr ratternd vorbei und dreckiges Wasser spritzte aus einer Pfütze direkt auf sie. Sie schniefte und schlang den Umhang enger um ihren Körper.

     Wut kam in mir hoch. Ich ballte die Fäuste. Wieso half ihr niemand? Wieso… Wieso ließen sie sie einfach…

     Wieder änderte sich das Bild. Diesmal rannte Arya durch ein paar Hintergassen, presste ein Stück Brot unter dem Mantel an ihre Brust.

     „Komm zurück du Diebin!“, rief jemand hinter ihr. Eine Gruppe Männer war ihr dicht auf den Fersen.

     Arya keuchte vor Erschöpfung, rannte aber immer weiter durch die dunklen Gassen, bis sie schließlich stolperte und der Länge nach hin klatschte. Das Brot landete im Dreck. Die Männer hatten sie eingeholt. Einer von ihnen packte sie hinten am Hals, wie eine Katze, und zog sie auf die Füße.

     „Dir werden wir Manieren beibringen du kleine Scheißgöre!“

     Der erste Treffer schlug ihr einen Zahn aus.

     Da brannte bei mir eine Sicherung durch. Ich ging auf den Kerl los, aber meine Faust ging einfach völlig wirkungslos durch sein Gesicht durch.

     Arya knallte auf den Boden, versuchte, weg zu kriechen, aber dieser Scheißkerl trat nochmal nach. Und nochmal. Und nochmal. Er packte sie am Kragen, warf sie gegen eine Hauswand, sie landete zwischen ein paar eingeweichten Pappkartons mit Müll. Sie rührte sich nicht mehr.

     Der Mann wischte sich die Hände an seiner Hose ab, als wäre Arya Müll oder verdorbenes Essen, das man nicht ohne Handschuhe anfassen will. Dann spuckte er ihr vor die Füße und verließ mit seinen Kumpels die dunkle Gasse. Das Brot ließ er liegen.

     Mit dem dringenden Bedürfnis, jemanden lebendig durch den Fleischwolf zu drehen, sah ich ihnen nach. Wie konnten Menschen nur so widerlich sein?

     Die Gasse verschwamm.

     Regen strömte vom Himmel. Schwerfällig aber stetig schleppte Arya sich immer weiter eine lange Landstraße entlang, ihr Mantel, ihr Haar triefend nass, das Wasser tropfte fast im selben Takt wie die Regentropfen in den Schlamm. Dunkle Ringe zeichneten sich unter ihren matten Augen auf der bleichen Haut ab, die Wangenknochen traten aus ihrem Gesicht hervor.

     Wie viel Zeit war vergangen? Monate? Ein Jahr? Ich konnte es nicht sagen, aber die Landschaft kam mir bekannt vor. Das war nicht mehr der Norden. Sie schleppte sich durch Fiore.

     Ich kann nicht mehr.

     Der Gedanke schoss mir durch den Kopf.

     Ich will nicht mehr.

     Ein Schauer lief mir über den Rücken. Nicht meine Gedanken, es waren Aryas Gedanken.

     Pferdegetrappel, eine Kutsche näherte sich von hinten, ließ eine Welle Regenwasser über Arya schwappen, als sie vorbei fuhr. Sie stolperte und landete im Schlamm. Doch statt aufzustehen, starrte sie einfach nur mit leeren Augen in den grauen Himmel, während sich der Dreck in ihrem langen Haar und Kleidern absetzte, sie langsam einsank, wie in Treibsand.

     Ich will nicht mehr.

     Die Kutsche kam zum Stehen. Die Tür wurde aufgerissen und ein kleines Mädchen stolperte heraus, schützte ihre pinken Zöpfe mit einer dünnen Jacke über dem Kopf. Sie rannte auf Arya zu, kniete sich neben ihr hin.

     „Hey!“ Besorgt sah sie zu ihr runter, rüttelte an ihrer Schulter, aber Arya reagierte nicht. „Hey, bist du okay?“

     Eine alte Frau kam neben ihr zum Stehen und stützte sich auf ihren Krückstock. „Herrgott… JURA!“

     Ein junger Mann stieg aus der Kutsche aus und rannte zu ihnen. „Was… verdammt.“ Er zog seinen Mantel aus, hob Arya vorsichtig an und wickelte sie darin ein. Sie reagierte immer noch nicht.

     „Ist sie…  lebt sie?“, fragte das Mädchen.

     Jura legte zwei Finger an ihre Halsschlagader. „Nicht mehr lange, wenn wir uns nicht beeilen.“

     „Bringen wir sie zur Gilde. Schnell.“, befahl Master Obaba. Jura nahm Arya in den Arm und trug sie zur Kutsche und wieder verschwamm das Bild.

     Das Zimmer, in dem Arya zu sich kam, war recht spärlich eingerichtet. Ein Schrank, ein leeres Regal, ein Tisch mit zwei Stühlen am Fenster, und das Bett in dem sie lag, in der Mitte des kleinen Raumes, alles aus hellem Holz gefertigt. Verwirrt sah sie sich um. Verbände waren um ihren Kopf und ihre Arme gewickelt, hier und da klebte ein Pflaster. Neben ihr auf dem Tisch stand ein dampfender Teller Suppe, sowie eine Tasse, wahrscheinlich mit Tee.

     Zögerlich betrachtete sie das Essen, machte sich dann aber gierig darüber her. Sie schien nicht mal zu merken, wie die Tür geöffnet wurde.

     „Schmeckts?“

     Arya schreckte zusammen, hustete und ließ fast den Teller fallen. Das Mädchen kicherte. Sie konnte nicht viel älter sein als Arya, vielleicht zwei Jahre.

     „Tut mir Leid. Wollte dich nicht erschrecken.“ Sie schloss die Tür und ließ sich auf den Rand des Bettes fallen. „Wie geht’s dir?“

     Etwas unwohl wich Arya ihrem Blick aus. Sie blieb still.

     „Ich bin Sherry. Und du?“

     „…Arya.“, flüsterte sie.

     Sherry lächelte, offenbar erfreut, dass sie doch mal den Mund aufmachte. „Freut mich, dich kennenzulernen.“ Ihr Blick fiel auf den leeren Teller Suppe in Aryas Schoß. „Hast du noch Hunger?“

     Arya zögerte, ihre Wangen röteten sich. Schließlich nickte sie aber verlegen.

     „Das ist ein gutes Zeichen!“ Sherry nahm ihr den Teller ab und sprang auf. „Bin gleich wieder da, warte hier!“

     Und wirklich, ein paar Minuten später kam Sherry wieder, mit einem ganzen Topf Suppe, Geschirr und zwei weiteren Personen im Schlepptau. Obaba und Jura.

     „Das sind Jura und Master Obaba!“, stellte sie die beiden überschwänglich vor. „Wir haben dich vor ein paar Tagen aufgesammelt!“

     „Master…?“, verwirrt wanderte ihr Blick von Sherry zu Obaba und zurück.

     „Gildenmaster.“, korrigierte Obaba. Ein faltiges Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. Sie nahm neben Arya auf dem Bett Platz. „Das hier ist die Magiergilde Lamia Scale. Weißt du, was eine Gilde ist?“

     Arya zögerte kurz, schüttelte dann den Kopf.

     Obaba sah sie mitleidig an. „Sagen wir einfach… wir sind eine sehr große, chaotische Magierfamilie.“

     „Familie…?“ Aryas Augen weiteten sich, sie kniff sie aber sofort wieder zusammen, als ihr die Tränen kamen.  

     „Na na.“ Obaba wischte sie ihr mit ihrem Ärmel weg. „Hast du einen Ort, wohin du zurück gehen könntest?“

     Wieder schüttelte sie den Kopf, und wieder liefen die Tränen.

     „Dann kannst du hier bleiben, wenn du willst. Was hältst du davon?“

     Überrascht sah Arya auf. Mit offenem Mund starrte sie Obaba an. „…Wirklich…?“ Der alte Master nickte. Sie zog ihren Ärmel hoch und legte ein Tattoo auf ihrem Unterarm frei. Eine weiße Meerjungfrau.

     „Das ist unser Zeichen. Jeder aus der Gilde trägt das. Ist leicht zu entfernen, keine Sorge.“ Sie lächelte schief. „Aber wenn man es einmal hat, will man es normalerweise gar nicht mehr loswerden.“

     „Ich hab auch eins, guck?“ Sherry hob grinsend ihre linke Hand, auf der eine rosafarbene Meerjungfrau prangte. Jura zog seinen Ärmel hoch und zeigte das türkisfarbene Gildenzeichen auf seiner Schulter.

     „Also? Was sagst du?“

     Arya musterte die drei skeptisch. „Wer sagt mir, dass ihr keine komischen Kindesentführer seid?“

     Baff starrten sie sie an, dann brach Obaba in schallendes Gelächter aus. „Gewitzt. Ich mag die Kleine.“ Sie zog sich an ihrem Krückstock hoch und deutete auf die Tür. „Komm, ich gebe dir eine Tour.“

     Und das tat sie. Sie führte sie durch die Tür, einen langen Flur und dann eine Treppe hinunter in die Gildenhalle. Sie stellte sie ein paar Leuten vor, spendierte ihr einen Saft an der Bar, zeigte ihr das Questboard, erklärte, wie eine Gilde funktionierte. Sie drehten sogar eine kleine Runde durch Margaret. Eine Hafenstadt westlich von Hargeon. Sherry folgte den beiden auf Schritt und Tritt.

     Am Ende war Arya überzeugt und ließ sich von Sherry eine dunkelblaue Meerjungfrau auf die rechte Schulter stempeln.

     „Willkommen bei Lamia!“ Überschwänglich griff Sherry Aryas Hände und drehte sie mit sich im Kreis, bis beide von ihnen auf der Schnauze landeten. Arya kicherte. „Du wirst es lieben! Versprochen!“

     „Uägh. Eklig.“, kommentierte Raito.

     Ich runzelte die Stirn. „Du hast's nicht so mit Liebe, kann das sein?“

     Er biss die Zähne zusammen und wand sich ab. „Ich hab's nicht so mit Gilden. Halt die Klappe!“

     Mein Blick fiel auf die zwei schwarzen, überkreuzten Hammer auf seiner linken Schulter. Ob er überhaupt freiwillig bei Tartaros war?

     Wieder änderte sich das Bild. Die nächsten Erinnerungen zogen vorüber wie ein Schwarm Fische, schnell, ohne wirklich anzuhalten. Sie zeigten Arya, zusammen mit den anderen aus Lamia, aber vor allem mit Sherry und zwei Jungs, die Toby und Yuka sein mussten. Die vier waren immer zusammen, ich sah sie kaum getrennt, egal ob bei Jobs, in der Gilde oder wo auch immer sie sich herumtrieben.

     Was allerdings besonders den Druck auf meine Brust milderte, war Aryas Laune. Sie lachte oft, wirkte fröhlich, manchmal ein bisschen ungeschickt, was soziales anging, aber alles in allem schien sie wieder zu dem Sonnenschein geworden zu sein, der sie vor dem Tod ihrer Eltern gewesen war.

     Und, was mich einerseits wunderte, andererseits freute und wieder andererseits traurig machte… Sie suchte nach Lyon. Nicht spezifisch, aber sie erkundigte sich nach Neuigkeiten aus dem Norden, nahm eher Aufträge an, die sie weiter aus Fiore herausführten, überredete immer wieder Jura, sie zu begleiten.

     Tendenziell war ich froh, dass sie die Hoffnung wieder gefunden hatte. Aber ich wusste auch, dass Lyon definitiv noch am Leben war. Damals hätte ich ihr wohl eher eine Schelle gegeben.

     Trotzdem… Trotzdem überkam mich ein Gefühl, als würde ich einen Film ein zweites Mal schauen, bei dem ich schon wüsste, was als nächstes passieren würde. Man sieht die Charaktere, sieht ihre schönen Zeiten, aber man weiß, dass gleich etwas schreckliches passieren wird.

     In der nächsten Erinnerung schien die Zeit wieder still zu stehen. Der Himmel über Margaret war dunkel, Donner grollte über dem Meer und Wellen schlugen an die Hafenwände. In den vielen Kanäle, die die Hafenstadt durchzogen, stob das Wasser über die Ufer, durchnässte die wenigen Menschen und Ladenbesitzer, die noch schnell alles dicht machten und sich in ihre Häuser verzogen.

     Wir standen vor Lamias Gildenhalle. Da lief uns im Laufschritt Arya entgegen. Sie war älter, vielleicht zwölf oder dreizehn, ihr Haar wieder gewachsen und trotzdem trug sie es immer noch offen. Fast wie heute. Der dunkle Umhang flog hinter ihr her und ließ den Blick frei auf ihre Schulter mit dem Gildenzeichen. Seit sie Lamia beigetreten war, trug sie auffällig viel kurze Shirts und Tops.

     Sie lief geradewegs durch mich hindurch.

     Ich sah ihr nach, sah, wie sie die Türen zur Halle aufschlug und mit großem Hallo in die Gilde platzte. Ich lief ihr nach. Stellte mich neben sie und sah, genau wie sie, in die resignierten Gesichter ihrer Kameraden.

     „Was ist los?“ Verwundert sah sie sich um. „Ist jemand gestorben?“

     Obaba seufzte und erhob sich von ihrem Tisch. In der Hand hielt sie einen Brief. „Arya wir… müssen reden.“ Der fröhliche Ausdruck rutschte ihr vom Gesicht.

     „Was ist passiert? Wo sind… Wo sind Sherry, und Toby und Yuka?“ Sie grinste. „Sind die etwa ohne mich auf einen Job gegangen? Die kriegen was zu hören…“

     „Arya.“ Obaba sah sie nur traurig an und hielt ihr den Brief hin.

     Jetzt schien ihr der Ernst der Lage klar zu werden. Vorsichtig, als bestünde der Brief aus Säure, nahm sie ihn Obaba ab. Ihre Augen huschten über die Seite. Währenddessen wandelte sich ihre Miene von verwirrt, zu ungläubig, zu geschockt, zu schmerzverzerrt, zu wütend.

     Zitternd ballte sie die Fäuste, der Brief in ihren Händen zerknitterte. Tränen fielen auf das Papier. „Das ist nicht wahr…“

     Obaba legte vorsichtig eine Hand auf ihren Arm. „Es war ihre Entscheidung.“

     „Aber… Aber warum… so plötzlich…“

     „Wir hatten gehofft, du wüsstest es.“

     „Nein, weiß ich nicht!“, schrie Arya ihr ins Gesicht. Erschrocken wich sie zurück, als sie es realisierte. Obaba blieb davon recht unberührt. Unruhig, verstört sah Arya sich in der Gilde um, fuhr sich durch die Haare. „Ich… Ich weiß nicht warum…“ Tränen strömten ihre Wangen herunter. Draußen donnerte es. Regen setzte ein.

     In einem Anfall aus Wut knallte sie den Brief gegen die Wand, Eisspitzen schossen über den ganzen Torbogen.

     „Wir dürfen nichts überstürzen.“, sagte Obaba ruhig, aber mit einem deutlichem Unterton der sagte: Keine Widerrede. „Außerdem, mit der derzeitigen Lage will ich nicht, dass du-“

     Arya hörte nicht. Mit schnellen Schritten verließ sie die Gilde, knallte beide Türen direkt vor der Nase ihres Masters zu. „ARYA!“, brüllte sie. „Schnell, hinterher!“ Sie riss die Türen wieder auf, Jura und noch ein paar andere folgten ihr.

     Der Brief hing, zerknittert und im Eis eingeschlossen, am Türrahmen.

     Liebe Leute,

     Arya rannte und rannte durch den Regen, hörte nicht auf die Rufe ihrer Kameraden.

     Wir verlassen Lamia Scale. Vielleicht kommen wir irgendwann wieder zurück, aber jetzt haben wir erst mal etwas zu tun. Wir haben euch lieb. Danke für alles. Sherry, Toby, Yuka.

     Das Platschen ihrer Schritte auf der nassen Straße verlor sich im hallenden Donner, genau wie ihr Schluchzen. Arya war schnell. Es dauerte nicht lange, bis sie Obaba und die anderen aus der Gilde abgeschüttelt hatte.

     Das ist es, dachte ich. Das ist das Schreckliche.

     Ich wusste nicht, wie viele Tage vergingen, aber das Gewitter schien sich einfach nicht verziehen zu wollen. Arya schleppte sich über Landstraßen, Feldwege, suchte in Hargeon, und landete schließlich in einem Wald weiter nördlich.

     Die ganze Zeit über ließ mich ein Gedanke nicht los. Wieso? Wieso waren die drei gegangen? Wieso hatten sie Arya allein gelassen?

     Dann traf mich der Schock. Lyon. Deliora. Diese ganze Sache… Bitte sag nicht…

     Auf einmal ertönte das Rattern eines Pferdewagens auf dem unebenen Waldweg. Arya zuckte zusammen, machte schnell Platz, bevor die Räder sie überrollten. Mürrisch murmelte sie ein paar Flüche von wegen viel zu wenig Platz für einen Wagen, voll illegal, was für Idioten.  

     Sie zuckte erneut zusammen, als der Wagen einige Meter vor ihr stehenblieb. Ein mulmiges Gefühl machte sich in meinem Magen breit, und es schien nicht nur mir so zu gehen. Misstrauisch wich sie ein Stück zurück, machte schließlich kehrt. Ging erst schnell, verfiel dann in einen Laufschritt, tauchte sogar ins Unterholz ab.

     Es half nichts. Vier Männer in Rüstung nahmen ihre Verfolgung auf, ihre Helme geziert von zwei schwarzen, überkreuzten Hammern. Tartaros.  

     Natürlich. Die Kindesentführungen. Arya musste davon gewusst haben. Sie mussten alle von den seltsamen Vorfällen gewusst haben, deswegen hatte Obaba…

     Ein Pfeil traf Arya im Bein. Sie schrie unterdrückt auf, strauchelte und verfing sich in einem Dornenbusch. Panisch trat sie um sich, versuchte, sich zu befreien, aber da waren die Männer schon bei ihr.

     Verzweifelt ließ Arya den Busch gefrieren, die Dornen zersprangen zu klitzekleinen Splittern.

     „Eine Magierin!“, rief einer der Männer.

     Wieder ging Arya in de Knie, riss sich den Pfeil aus dem Bein und stolperte weiter. Blut rann ihr Bein herunter und hinterließ eine Spur an den Pflanzen. Weitere Pfeile hagelten auf sie nieder, sie formte einen Eisschild zum Schutz.

     Aber irgendwann überwältigte sie wohl der Schmerz in ihrem Bein. Die Männer holten sie ein, brachten sie mit Netzen zu Boden und fixierten ihre Arme mit Ketten, obwohl sie um sich trat, schrie wie am Spieß, um Hilfe schrie, aber hier draußen hörte sie niemand.

     Der Wald verschwamm, zusammen mit Aryas Schreien, die sich im Nichts verloren. Sie wurden ersetzt durch das Hallen von Schritten in einem engen Tunnel. Dunkelheit. Vor uns tat sich ein elend langer Gang auf, ein elend langer Gang, der mir gruselig bekannt vorkam. Nur die paar Fackeln an den Wänden leuchteten die zerkratzen Steinwände mit den vielen Türen links und rechts aus.

     „Sind wir… “

     „Da wären wir wieder.“

     Verwirrt sah ich erst zu Raito, dann auf meine Hände. Ich versuchte, Licht herbei zu rufen, aber wir blieben im Dunkeln.

     Ich zuckte zusammen, als drei Gestalten von hinten durch mich hindurch gingen. Gott, daran würde ich mich niemals gewöhnen. Daran wollte ich mich nicht gewöhnen.

     Zwei Soldaten mit Tartaros Symbolen auf der Rüstung zogen ein Mädchen in Ketten hinter sich her. Sie stolperte, hatte offensichtlich Probleme, mitzuhalten. Einer der Soldaten packte sie grob am Arm und sie fiel. Er fluchte, schleifte sie aber einfach weiter. Sie schien das Bewusstsein verloren zu haben.

     Nach ein wenig Zögern rannte ich hinter den dreien her. Ein paar Türen weiter schloss Arschloch Zwei eine Gittertür auf, die beim Öffnen quietschte. Arschloch Eins stieß Arya achtlos in der Zelle auf den Boden. Sie blieb zitternd liegen.

     Mein Herz setzte aus. Die Zelle war keine leere Zelle. An der Wand kauerten vier weitere Kinder, drei Jungs und ein Mädchen, alle von ihnen demoliert, zerrissene Kleider, dreckig, mit dunkel unterlaufenen Augen und bleichen Gesichtern.

     Ängstlich wichen sie vor den Soldaten zurück, die, ohne sie noch eines Blickes zu würdigen, jetzt die Käfigtür wieder zuschlugen. Erst als sie weg waren wagte sich ein Junge zu Arya vor. Er schniefte, strich sich das zerzauste, weiße Haar aus dem Gesicht. Vorsichtig stupste er sie an der Schulter an.

     „Hey, bist du-“

     Viel weiter kam er nicht, denn Arya schreckte hoch und schleuderte ihn mit einem gekonnten Griff auf den Boden. Sie atmete schwer, die Augen weit aufgerissen, verwirrt, ängstlich.

     Der Junge starrte sie ebenso erschrocken an, und trotzdem glimmte da etwas Mitleid in seinen dunklen Augen auf. „Ich… Keine Sorge ich… tu dir nichts…“

     Langsam und mit zitterigen Händen ließ Arya von ihm ab und wich ein Stück zurück. Er setzte sich auf, klopfte seelenruhig den Staub von seinen Kleidern. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals.

     „Wo bin ich.“, fragte Arya, während sie die vier misstrauisch musterte. Sie hockte noch immer auf dem Boden.

     „In der Hölle. Herzlichen Glückwunsch zum Hauptgewinn.“, murrte ein zweiter Typ. Blond, breitschultrig, ein wenig älter als die anderen. Vielleicht vierzehn, auf die fünfzehn zugehend. Er betrachtete Arya mit einem missbilligenden Seitenblick. Seine Handgelenke waren mit den gleichen Ketten fixiert wie ihre.

    Arya runzelte nur die Stirn. Da schaltete sich der erste Typ wieder ein. „Das ist das Hauptquartier von Tartaros. Dunkle Gilde mit allem drum und dran. Schon mal von der Baram-Allianz gehört?“ Langsam schüttelte sie den Kopf. Der blonde Typ schnaubte.  

     „Nimm's ihm nicht übel.“ Typ Eins lächelte entschuldigend. Er hatte etwas an sich, etwas weiches, beruhigendes. Mir schauderte es. „Der Sonnenschein heißt übrigens Crow.“ Er deutete auf den Blonden. Ich riss die Augen auf. Das war Crow? Zancrow? „Und das sind Aiden und Jill.“ Die beiden anderen Kinder rangen sich ein gequältes Lächeln ab, sagten aber nichts weiter.

     Ich spürte Raitos Blick in meinem Nacken. Vorsichtig drehte ich mich um. Ein schiefes Lächeln zierte sein Gesicht, irgendwie anders als sonst. Zitternd wand ich mich ab.

     Ihr Blick blieb eine erstaunlich lange Zeit auf Crow haften, wanderte dann aber wieder zu ihrem Gegenüber. Zögerlich wich sie seinem Blick aus. „… Arya.“

     „Schöner Name.“ Der Junge grinste schief und streckte eine Hand aus. Ich verspürte den unbändigen Drang, sie wegzuschlagen. „Ich bin Haru. Freut mich, dich kennenzulernen.“
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