Warum man sich nicht mit Drachen anlegen sollte (und warum ich es trotzdem tue)

GeschichteMystery, Freundschaft / P16 Slash
Chelia Blendy Lyon Bastia OC (Own Character) Orga Nanagear Rogue Cheney Sting Eucliffe
18.03.2018
11.10.2019
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20.03.2018 1.218
 
Eines vorweg: Er hat angefangen. Jedenfalls war ich nicht diejenige, die wie ein aufgeblasener Truthahn in diese Bar spaziert ist und angefangen hat, sich zu prügeln. Gut, vielleicht bin ich darauf eingegangen, aber mal ehrlich. Wenn da so ein Kerl ankommt und anfängt über eure Freunde zu lästern, während ihr daneben sitzt, würdet ihr auch irgendwann zuschlagen.
   
So ungefähr war meine erste Begegnung mit Sting jedenfalls verlaufen. Und nach mittlerweile vier Jahren hatte sich dieses Schema auch nicht wirklich verändert. Wir prügelten uns immer noch jedes mal, wenn wir uns sahen. Lamia und Saber kamen immer noch nicht miteinander aus. Sting Eucliffe war immer noch das größte Arschloch unter der Sonne Fiores.  
   
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, auf die anderen zu hören und Sabertooth bis zum Beginn der Spiele in den Wind zu schießen, aber naja. Man kann eben nicht alle Vorsätze einhalten.
   
Die Menschenmenge starrte gebannt auf das Geschehen in der Mitte des Kreises, außer ein bisschen Murmeln war kein Laut mehr zu hören. Eine seltsam haarsträubende Spannung lag über der Szene, das merkte ich bereits von Weitem.
   
Mit schnellen, bestimmten Schritten ging ich auf die Masse zu. Ein Mann drehte sich um und sein Gesicht nahm einen bleichen, erschrockenen Ausdruck an, als er mich sah. Er tippte seinen Nebenmann an und deutete ängstlich auf mich. Sowie die Leute mich sahen, wichen sie zur Seite, manche mit einem ängstlichen Ausdruck, manche bösartig grinsend. Ich richtete meinen Blick stur geradeaus und setzte ein selbstsicheres Lächeln auf.
   
Die Masse teilte sich und gab den Blick frei auf eine Szene, die ziemlich leicht hätte nach hinten los gehen können. Natsu und Sting standen sich gegenüber und der Fairy Tail Magier sah aus, als hätte er gerade eine etwas zu große Portion von Sabertooths Arroganz serviert bekommen (was wahrscheinlich auch der Fall war). Meine Lieblingsglühbirne sah mit einem zum Kotzen herablassenden Blick auf ihn herab. Lucy, Happy und Rogue standen etwas Abseits und beobachteten die beiden angespannt.
   
„Na sieh mal einer an!“, unterbrach ich Natsus zugegeben ziemlich beunruhigende Todesblicke. Überrascht wanden sich die vier Magier mir zu.
   
„Arya!“, rief Lucy sichtlich erleichtert. Auch Natsus Ausdruck verwandelte sich jetzt zu einem breiten Grinsen. Stings angepisste Miene übersah ich geflissentlich.
   
„Yo!“, rief er, „Sag bloß, du nimmst auch an den Spielen teil?!“
   
„Was dachtest du denn? Dass wir Fairy Tail einfach so den Sieg überlassen?“, lachte ich. Sein Grinsen wurde noch breiter.
   
„Perfekt! Jetzt kann ich Gray UND dich vom Platz fegen!“
   
„Ist Gray nicht in eurem Team…?“, merkte ich an, doch Natsu schien sich nicht weiter an dieser Tatsache zu stören. „Und nebenbei, dir ist bewusst, dass du sieben Jahre hinterher hängst? Lebensmüde?“
   
„HA! Wer hängt hier hinterher?!“, rief er und setzte zum Schlag an, doch allzu weit kam er  nicht , denn Lucy schlug ihm voll Karacho ins Gesicht.
   
„Was zur Hölle glaubst du, was du da machst?! Hör auf, dich immer mit allen zu schlagen!“, faltete sie ihren Freund zusammen. Ich gab mir wirklich, WIRKLICH Mühe, ein Prusten zu unterdrücken, allerdings klappte das nicht so ganz.
   
„Schön zu sehen, dass ihr euch kein Stück verändert habt...“, bemerkte ich und lächelte Lucy an. „Aber denkt nicht, dass ich es euch leicht machen werde!“
   
Natsu grinste teuflisch. „Alles andere hätte mich auch beleidigt. Zieh dich lieber warm an!“
   
„Du sprichst mit einer Eismagierin, Salamander.“, erinnerte ich ihn mit einem gefährlichen Unterton. „Also zieh DU dich lieber warm an.“
   
Ein spöttisches Lachen unterbrach unser Wiedersehen. Sting lächelte höhnisch.

„Ihr redet, als würde der Kampf zwischen Lamia und Fairy Tail ausgetragen werden. Wie süß." Auf einmal verspürte ich das dringende Bedürfnis, gefrorenen Drachen am Spieß mit nachhause zu nehmen. "Aber prügelt euch ruhig um den letzten Platz. Wir werden sowieso wieder gewinnen!“
   
Natsu ballte die Fäuste und starrte ihn wütend an.
   
„Heyyy, Glühbirne, du hier? Hab' dich gar nicht bemerkt!“, flötete ich und grinste Sting an. Nur mit Mühe konnte ich meine Angepisstheit herunter schlucken.
   
„Lange nicht gesehen, Schneekönigin!“, erwiderte er mit einem ebenso falschen Lächeln.
   
Den Fairy Tail Magiern blieben die Müder offen stehen und Natsu deutete geschockt auf uns. „Ihr kennt euch?!“
   
„Ja.“, antwortete ich. „Leider.“
   
Sting schlenderte zu mir herüber und legte seinen Arm um meine Schultern, was einem Schwitzkasten allerdings näher kam, als einer freundschaftlichen Umarmung. Den Göttern sei Dank.
   
„Wir sind sowas wie beste Freunde, oder Arya?“, sagte er grinsend, seine Stimme triefend von Ironie.
   
Mit einem harten Stoß meines Ellenbogens in seine hässliche Visage befreite ich mich aus Stings Griff.
   
„Beste Freunde für immer und ewig.“, kommentierte ich ebenso sarkastisch und rieb mir das Handgelenk. Sting hatte sich wieder aufgerappelt und rieb sich jetzt die Nase. Für einen Moment dachte ich, jetzt haut er mir eine rein. Aber aus irgendeinem Grund hatte der Idiot heute Abend wohl die Ruhe weg.
   
„Mal sehen, ob du immer noch so 'ne große Fresse hast, wenn wir euch beim Turnier auseinander nehmen.“, raunte er.
   
„Das will ich sehen.“, spottete ich.
   
„Keine Sorge, das wirst du.“
   
Ein paar Sekunden lang herrschte absolute Grabesstille, während Sting und ich uns gegenseitig mit Blicken töteten. Oder es zumindest versuchten. Dann zuckte ich mit den Schultern und drehte mich einfach zum Gehen um.
   
„Wir sehen uns in der Arena!“, rief ich zum Abschied und ließ den nun leicht perplexen Dragon Slayer stehen.  
   
„Ich hoffe für euch Jura nimmt teil!“, rief Sting mir nach einer kurzen Pause hinter her. Dann senkte er seine Stimme und fügte hinzu: „Ohne den ist Lamia Scale doch nicht mehr, als ein Haufen aus Versagern und Verbrechern.“

Alle Muskeln in meinem Körper spannten sich mit einem Mal an. Die Temperatur auf dem Platz sank merklich um mehrere Grad, so viel, dass sich ein seichter Schleier aus Eis über dem Boden bildete. Meine Handflächen schmerzten, so doll rammte ich meine Fingernägel in sie.
     
Einatmen. Ruhig bleiben.
     
Anhalten. Ruhig bleiben.
     
Ausatmen. Ruhig bleiben.
     
Ich drehte meinen Kopf kaum merklich zu Sting um und raunte: „Dann freu dich schon mal. Denn die Verbrecher werden euch richtig schön in den Arsch treten.“
     
Mit diesen Worten ließ ich sie stehen. Ich achtete nicht auf das Gemurmel der Leute, das nun wieder aufkam. Ich achtete nicht auf ihre Blicke. Sie wichen sofort aus, sobald sie meinen Todesblick sahen und ich eilte mit schnellen Schritten an ihnen vorbei. Auch an Chelia, die mich nur besorgt ansah, Saber noch einen letzten wütenden Blick zuwarf und mir schließlich folgte.
     
Sting dachte vielleicht, er hätte schon gewonnen. Sollte er doch. Sollte er doch denken, er hätte mich mit diesem Kommentar untergekriegt. Bloß gestellt. Zur Weißglut getrieben. Nein. Kein Feuer der Welt wäre heiß genug, um mich zur Weißglut zur treiben. Und Demütigung ist ein Gericht dass man am besten eiskalt serviert.
     
Ich blickte zum Palast Mercurius, der hoch oben über Crocus tronte. Noch neun Minuten bis Mitternacht. Mögen die Spiele beginnen.
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