Four Seasons - Vier Jahreszeiten

CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12
Peter Parker / Spiderman
18.03.2018
09.05.2018
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„Oh Gott, warum ist es bloß so entsetzlich heiß?! Ich hasse New York im Hochsommer!“
Spider-Man lag auf dem Dach eines hohen Gebäudes im Schatten eines kleinen Aufbaus des Gebäudes, durch den es zum Treppenhaus ging und hatte alle Viere von sich gestreckt. Es war einfach zu heiß, um zu 'arbeiten'. Jede Anstrengung, egal wie klein, war fast zu viel und trieb ihm den Schweiß aus jeder Pore. Und dazu hatte er das Gefühl, er erstickte halb unter seiner Maske.
Gerade hatte er sie deshalb bis zur Nase hochgeschoben, aber die Luft flirrte und selbst so war es, als atmete er direkt die warme Luft aus einem Heizstrahler.
„Okay, Spidey, heute warst du schon fleißig. Ich gehe jetzt einfach nach Hause und wohne die nächsten Wochen in der Badewanne. In der Wanne voller Eiswasser!“
Oder er könnte seinen Freund Harry Osborn besuchen, der hatte einen Pool.
Mit einem Seufzer schloss Spider-Man die Augen.
„Ich kann mich gar nicht bewegen. Ich schmelze gleich...“, murmelte er, da traf ihn plötzlich etwas nasses, kaltes an der Wange und gleichzeitig ging sein Spinnensinn los und meldete ihm, dass etwas nicht stimmte.
Mit einem schnellen Satz war er aufgesprungen und auf Händen und Füßen in Angriffsstellung. Aber er sah sofort, dass das eigentlich nicht wirklich nötig war. Zumindest stand da keiner seiner Gegner vor ihm.
„Das hier schmilzt auch gleich! Hier, für dich. Schlumpfeis war aus. Darum kriegst du auch Erdbeer, Schoko und Vanille. Tehe... Deadpool-Eis.“
Deadpool saß in der Hocke auf dem Aufbau des Daches und hielt in jeder Hand eine Eistüte. Eine davon streckte er Spider-Man entgegen und das Eis tropfte bereits nach unten. Er selbst hatte seine Maske auch nach oben geschoben und versuchte, das andere Eis möglichst schnell zu essen, damit es nicht auch schmolz.
Spider-Man kam langsam hoch, zögerte, dann war es aber doch zu verlockend.
Mit einem Satz war er neben Deadpool auf dem Aufbau, setzte sich an den Rand und ließ die Beine darüber hängen. Wortlos streckte er Deadpool die Hand entgegen und der reichte ihm mit einem kleinen Grinsen das Eis.
„Lass es dir schmecken.“
Nur ganz kurz musterte Spider-Man nochmal Deadpool und dann das Eis. Wollte er sich Gedanken darüber machen, ob damit irgendwas nicht stimmte? Nein... lieber nicht. Immer noch schweigend sorgte er erst mal dafür, dass ihn das schmelzende Eis nicht volltropfte.
Aber die Unterhaltung riss da eh schon Deadpool an sich.
„Weißt du, worüber ich gerade nachdenken muss?“
„Du kannst denken?“
„Unter der Gürtellinie, Spidey! Ich hab dir ein Eis gekauft, sei nett zu mir!“, moserte Deadpool, dann fuhr er mit der Frage von davor fort. „Sommer ist genau so `ne miese Jahreszeit für Kostümträger wie Frühling kurz nach dem Winter.“
Spider-Man rollte unter der Maske mit den Augen. Nicht schon wieder dieses Thema.
„Ich meine... dein Anzug. Ist dir da nicht furchtbar warm drin? Oder ist der atmungsaktiv? Okay, wahrscheinlich ist deiner auf jeden Fall besser als meiner. Ich krieg `nen halben Hitzschlag, wenn ich ihn nur anschaue, bevor ich ihn anziehe. Egal, wie praktisch Leder sonst ist. Gerade will ich mich am liebsten einfach nur ausziehen.“
Angewidert verzog Spider-Man das Gesicht und rutschte ein Stück von Deadpool weg.
„Wenn du nicht zufällig einen Ein-mal-Zwei-Meter-Zensurbalken dabeihast, der den kompletten Anblick verdeckt... WAG ES JA NICHT!“
Traurig ließ Deadpool den Kopf hängen.
„Hitze macht dich uncharmant, weißt du das? Wenn ich plötzlich von hier runter falle, weil ich überheize, bist du Schuld.“
„Willst du gerade ernsthaft von mir die Erlaubnis, blank zu ziehen? Du weißt, dass ich der Gute bin? Und dass ich leider nicht zulassen kann, dass du die Bevölkerung an so einem schönen Tag verstörst. Oder? Wenn dir zu warm ist, geh nach Hause, zieh dich da aus und leg dich unter die Klimaanlage“, sagte Spider-Man nur völlig emotionslos und nahm einen großen Bissen von seinem Eis.
„Ich habe keine Klimaanlage. Ich bin arm“, gab Deadpool zurück.
Gerade wollte Spider-Man einen bissigen Kommentar abgeben, da ging erneut der Alarm in seinem Hinterkopf los. Diesmal aber anders und heftiger. Aus einem Reflex heraus schwang er sich vom Vorsprung, landete aber nicht auf dem Boden sondern hielt sich an der Wand fest und drückte sich gegen die Mauer.
Er hörte noch Deadpools irritiertes: „Was machst du da?“ Dann fegte schon ein starker, heißer Wind über das Dach und mit ihm tausende und abertausende Sandkörner. Fast ein richtiger Sandsturm. War das einer dieser 'Wüstenstürme', die über die Städte kamen, wenn es zu lange trocken war? Der Wind war jedenfalls heftig und Deadpool wurde von dem Vorsprung gefegt und landete unter Spider-Man auf dem Boden.
Kurz dauerte das Phänomen noch an. Dabei kniff Spider-Man die Augen und vor allem den Mund fest zu, dann war es vorüber.
Er ließ sich neben Deadpool auf den Boden des Flachdachs fallen und sah der gelblichen Sandsturmwolke hinterher. Deadpool setzte sich hustend und Sand spuckend auf.
„Bah! Igitt! Was war das denn bitte? Und wieso warnst du mich nicht vor, wenn du schon merkst, dass da was kommt?! Ooouhh... mein schönes Eis...“
Ganz bedröppelt sah Deadpool auf die sandigen Überreste seiner Eistüte auf dem Betonboden.
Spider-Man ignorierte ihn und verengte die Augen zu Schlitzen. Das bewegte sich nicht wie ein normaler Sturm. Das war viel zu gezielt und komprimiert und die Bewegungen der Sandwolke viel zu kontrolliert. Sah so aus, als bekäme er doch noch etwas zu tun.
„Hier. Und jetzt hör auf zu heulen. Das hält ja keiner aus.“ Damit hielt Spider-Man Deadpool sein Eis hin, das er automatisch so gehalten hatte, dass es keinen Sand abbekommen hatte und zog sich die Maske zurecht. „Ich hab... was zu erledigen.“
Ganz ehrfürchtig nahm Deadpool das Eis entgegen. „Wow... danke, Spidey! Wie süß von dir!“
Kurz zuckte Spider-Man zusammen und bereute die Geste gleich wieder. Länger hielt er es mit Deadpool dann aber nicht mehr aus, er hatte eh keine Zeit zu vergeuden. Er schoss einen Spinnfaden ab und schwang sich hinter der Sandwolkenformation her.
Einen Moment lang sah Deadpool ihm nach, dann auf das Eis, dann stieß er einen verzückt klingenden Laut aus.
„Yay! Wenn ich jetzt das Eis esse, das Spidey gerade gegessen hat... Doch! Das zählt als indirekter Kuss!“

Täuschte er sich, oder wollte die Sandfront zur Central Station? Sah ganz so aus. Auf dem Weg warf die Sturmwolke einige Passanten um, der Sand legte sich in einer dünnen Schicht einfach auf alles, was die Wolke passierte und brachte damit Autos und Maschinen zum stehen, weil der feine Sand alles verstopfte. Spider-Man hatte kein gutes Gefühl bei der Sache. Gar kein Gutes.
In einem großen Bogen setzte er sich vor die Wolke und versperrte den nächsten Durchgang an einer Häuserschlucht mit so vielen Spinnfäden, wie nur irgend möglich. So engmaschig, dass, als die Sturmbö darauf traf, dreiviertel des Sandes abgefangen wurde, wie in einem großen, klebrigen Tuch.
„Sommer, Sonne, Sand und Meer! Drei davon würde ich heute gerne kombinieren! Eins verdirbt mir den Tag und mein Lagnese-Summerfeeling! Und zwar wortwörtlich! Wegen dir hab ich auf mein Eis verzichtet!“
In die vielen Sandkörner kam Bewegung, sie flossen aufeinander zu, formierten und verbanden sich, bildeten Strukturen, Formen und dann stand mitten auf dem Asphalt zwischen hohen Hauswänden die um ein Vielfaches vergrößerte Gestalt von William Baker alias dem Sandmann vor Spider-Man. Dieser unangenehme Zeitgenosse konnte seinen Körper in jede nur gewünschte Form bringen, denn er hatte die Fähigkeit, seinen Körper komplett zu Sand werden zu lassen und ihn nach Belieben umzugestalten. Das beinhaltete auch, seine Arme zu Waffen zu machen, denn Baker konnte den Sand auch so aushärten, dass er damit locker ein Auto platt hauen konnte.
Langsam machte Spider-Man ein paar Schritte rückwärts und sah immer weiter nach oben, während sich der Sandmann immer größer und größer vor ihm materialisierte.
„Hast du zugenommen oder bin ich geschrumpft? Das ist... `ne Menge Sand.“
Der Sandmann breitet die Arme aus und ließ ein böses Lachen hören. „Du kleines, unbedeutendes Nichts! So viel Hitze all die Tage und so viel Trockenheit! Und jedes Korn gehorcht mir! Je mehr Staub und Sand, desto mehr Macht für mich! Ich begrabe diese Stadt unter mir und mache sie zu meinem Wüstenparadies!“
Schnell zog Spider-Man sich aus dem Weg, als die riesige Pranke des Sandmannes nach ihm Schlug. „Äh... Einspruch?! Die Mieten in New York sind hoch genug! Da brauch ich nicht noch `nen Aufschlag, weil ich plötzlich das Beachflair mit Sandstrand im Vorgarten mitbezahlen muss!“
Eine Ladung Spinnfäden auf den Arm und mit einem Ruck riss Spider-Man ihn zur Seite, so dass der Sandmann ins Taumeln geriet. Doch der Sand um seine Beine umfloss ihn so, dass er sich abfing, beide Arme gleich darauf zu einer Art riesigem Hammer formte und wieder nach Spider-Man schlug.
„Du kannst gar nichts gegen mich ausrichten! Du hast keine Waffe, die mir gefährlich werden kann! Aber ich...“ Plötzlich fächerte der Sand breit auseinander und Spider-Man traf eine regelrechte Welle Sand und warf ihn zu Boden. „... ich kann dich einfach wegwischen!“
Spider-Man rollte sich ab, sprang mit zwei Sätzen den nächsten Schlägen durch die gehärteten und zu großen Klötzen verformten Fäuste des Sandmannes aus dem Weg und schleuderte dann mit zwei festen Spinnseilen ein geparktes Auto mit so viel Kraft auf den Sandmann, dass er ein Loch in dessen Brust riss.
„Ich korrigiere! Ich habe keine Waffen 'dabei'! Der Dirt Devil steht leider daheim, aber ich kann mir Waffen basteln!“ Schon folgten die nächsten Wurfgeschosse. Autos, Räder, Zeitungskästen... Aber Spider-Man war auch klar, so konnte er den Sandmann nicht stoppen. Er brauchte einen Behälter, um ihn einzusperren. Aus dem kein Sand fließen konnte. Aber wo sollte er so was hernehmen?
In dem Moment riss er die Arme hoch und stemmte die Füße fest auf den Boden, denn der Sandmann schickte eine gewaltige Sandsturmbö auf ihn los. Die Sandkörner trafen ihn wie Nadelstiche und kurz bekam er keine Luft, weil der Sand und der heiße Wind sie ihm nahmen.
„Du kannst nicht gegen Milliarden einzelner Körner kämpfen, Spider-Man!“, schrie ihm der Sandmann entgegen und setzte sich bereits wieder komplett zusammen und verschloss alle von Spider-Man verursachten Löcher.
„Gegen jedes einzelne will ich ja auch gar nicht kämpfen! Da sitz ich ja in ein paar hundert Jahren noch hier!“ Wieder schoss Spider-Man Spinnfäden ab, diesmal auf die Beine des Sandmannes und versuchte so, den Sand zu umspinnen, in einer Spinnfadenschicht zu verkleben und damit zusammenzuhalten. Wenn er ihn wie in einem Kokon verpackte? Vielleicht dann? So dass der Sand klebte und der Sandmann nicht mehr zerfließen konnte?
Aber er hatte nicht so viel Spinnfadenflüssigkeit. Bestimmt nicht. Dazu war der Sandmann viel zu gewaltig angewachsen.
Sobald er die Beine eingesponnen hatte, zog Spider-Man sich blitzartig vor dem nächsten harten Schlag aus dem Weg, so dass der Treffer nur ein Loch in den Asphalt riss.
„Hey! Kannst du vielleicht gleich die Löcher, die du machst, wieder zuschütten? Dann krieg ich deswegen wenigstens keinen Ärger von der Stadt!“, rief er dem Sandmann zu, da hatte er plötzlich eine Idee. Da vorne stand ein Tanklaster. Das war doch schon mal ein guter Behälter! Wenn er den Sand klebrig bekam...
Er schwang sich in einem Bogen um den Arm des Sandmannes, als der erneut ausholte.
Er musste das große Netz, das er vorhin platziert hatte, von den Wänden losmachen und ihn damit 'einsammeln'.
Spider-Man landete an der Wand und riss die Spinnfadenenden los. Das Teil musste auf den Boden! Der Sandmann oben drauf und dann..
Spider-Man ließ den Blick über die Gebäude ringsum wandern. Da! Ein Wasserturm! Perfekt! Nasser Sand hieß kein Fließen, kein Wegfliegen! Das Netz zuziehen, ab in den Tank und dann zukleben!
Hörte sich doch nach einen Plan an.
Spider-Mans Kopf ruckte herum, als sein Spinnensinn ihn warnte, er sprang hoch, riss dabei das Netz mit sich und katapultierte sich regelrecht über den Sandmann hinweg, wobei er das Netz auf ihn fallen ließ. Gleichzeitig drehte er sich in der Luft, schoss einen weiteren Spinnfaden in Richtung des Wasserturms ab und wollte sich dorthin ziehen. Doch unter ihm fiel die Gestalt des Sandmannes einfach in sich zusammen, das Netz landete auf dem Boden und die Sandmassen schwappten rechts und links davon in Wellen an den Wänden der engen Häuserschlucht hoch. Ganz hoch.
Erschrocken riss Spider-Man die Augen auf und versuchte noch, auszuweichen. Doch da schlugen schon die Sandmassen über ihm zusammen und rissen ihn mit nach unten. Einen Moment lang wusste er nicht, wo oben und unten war, er versuchte, mit den Händen die Sandmassen aus dem Weg zu schaufeln und dann durchstieß sein Kopf die Oberfläche, wo er sofort nach Luft schnappte. Zum Glück trug er die Maske, sonst hätte er schon tonnenweise Sand eingeatmet und verschluckt. Aber jetzt steckte er in den sich bewegenden weichen Sandmassen fest und kam gar nicht recht wieder heraus.
„Vielleicht war es dumm, zu versuchen, dich mit gehärtetem Sand zu erschlagen“, tönte es von überall aus dem Sand um ihn herum. Spider-Man bekam ein ganz mulmiges Gefühl dabei.
„Vielleicht habe ich mehr Glück... wenn ich dich im Sand ertrinken lasse...“
„Okay, auch, wenn ich schwimmen kann und mir echt heiß ist... Ich bevorzuge trotzdem ein Bad in Wasser, danke!“ Spider-Man streckte die Hand aus und wollte sich aus dem Sand herausziehen, aber...
Nichts!
Der Netzwerfer löste nicht aus! Wieder und wieder betätigte Spider-Man die Auslösevorrichtung. Und auch auf der anderen Seite kein Erfolg! Spider-Man lief es eiskalt den Rücken herunter. Der Sand. Die Teile mussten verstopft sein! Und jetzt kam wieder Bewegung in den Sand. Viel Bewegung. Spider-Man wurde hochgehoben, ehe es ihn nach unten und hinein in die Sandmassen zog. Kein Halt! Er griff immer nur in weiche Masse, die durch seine Finger rann. Seine Füße versanken immer mehr, er steckte schon fast bis zum Kinn im Sand, der Druck auf seinen Körper nahm plötzlich auch noch zu.
„Halt schön die Luft an. Wenn du kannst...“, hörte er die Stimme des Sandmannes, während im gleichen Moment, als der Sand ihn ganz unter sich begrub, der Druck ihm die Luft aus den Lungen presste. Oh Gott, nein! So wollte er nicht sterben! Verzweifelt versuchte er, die Hand auszustrecken, irgendetwas zum festhalten zu finden, irgendetwas zu greifen. Irgendwas!
Keine Luft mehr, nur Hitze, Dunkelheit, dieser Druck und dann... etwas an seinen Fingerspitzen? Egal was, er griff danach und hielt sich einfach nur krampfhaft fest. Nicht loslassen! Da zog ihn etwas nach oben! Bloß nicht loslassen!
Und dann war sein Kopf wieder frei! Luft! Atmen!
Und mit einem weiteren gewaltigen Ruck riss ihn etwas, oder besser gesagt jemand aus dem Sand nach oben, packte ihn und zog ihn höher und höher, bis er auf dem Metallgitter am Ende einer Feuerleiter wieder festen Boden unter den Füßen hatte, aber gleich auf die Knie fiel.
„Deadpool Drei, Spidey Null.“
Spider-Man hustete und schnappte erst mal weiter nach Luft, dann stemmte er sich hoch und sah ungläubig auf Deadpool, der ihn gerade aus den Sandmassen gezogen hatte. Er hatte am Geländer der Feuerleiter das Ende einer Enterhakenpistole befestigt und sich dann anscheinend wie bei einem Bungeesprung an dem Seil nach unten geschwungen, ihn gepackt und ihn und sich dann mit dem Rückholmechanismus sofort wieder nach oben gezogen.
„D-Deadpool? Was... machst du hier?“
„Mein 'Spidey-ist-in-Gefahr'-Sinn hat ausgeschlagen. Für meinen besten Freund muss ich doch immer da sein!“
Spider-Man schüttelte den Kopf. „Keine... Freunde! Wir sind NICHT beste Freunde!“
„Wo hast du bloß deine 'Nicht'-Manieren gelernt? Wie sieht`s aus, sagst du wenigstens danke?“ Deadpool schüttelte den Arm aus, mit dem er sich beim Hochziehen am Griff der Enterhakenpisole festgehalten hatte.
Doch bevor Spider-Man reagieren konnte, drang von unten ein Wutschrei bis hoch zu ihnen.
„Die neunte biblische Plage ruft nach dir, Kumpel. Ich würde dir aber empfehlen, lieber nicht weiter mit deinem Sandkastenfreund zu spielen.“
„Halt den Mund, Deadpool!“ Spider-Man schüttelte selbst seine Handgelenke aus und klopfte gegen die Netzwerfer, dann versuchte er, sie zum Auslösen zu bekommen.
„Heute muss ich wegen dir echt viel weinen, Spidey. Das nächste mal helfe ich dir nicht mehr!“, kam es beleidigt von Deadpool, der die Arme vor der Brust verschränkte, dann lies er den Kopf hängen. „Ach, wem mach ich was vor... ich werde dir IMMER helfen, wenn du mich brauchst. Auch wenn du gar nicht weißt, dass du mich brauchst.“
Spider-Man ignorierte ihn und schätzte den Abstand zum Wasserturm ein. „Gib mir die Enterhakenpistole“, forderte er dann von Deadpool.
„Was? Nein! Die gehört mir! Mit dir teile ich nicht mehr, du bist fies zu mir!“
Ohne Vorwarnung packte Spider-Man Deadpool am Kragen und zog ihn nah zu sich. „Her damit! Ich muss das mobile Strandpanorama aufhalten und dazu muss ich DA rauf!“ Er zeigte auf den Wasserturm, aber Deadpool starrte ihn nur an.
„Weißt du... Du könntest auch einfach 'Bitte' sagen...“
Spider-Man stieß einen genervten Laut aus, aber da griff Deadpool ihn sich plötzlich um die Mitte und zog ihn fest an sich.
„Deadpool!“
„Drei, zwei, eins... Cowabunga!!“ Er riss Spider-Man hoch, lief die wenigen Schritte zum Rand des Metallgitters, stieß sich mit Spider-Man zusammen ab, der sich nur völlig entsetzt an Deadpool festklammern konnte und fiel mit ihm im Arm nach unten. Im Fallen riss er die Enterhakenpistole hoch, feuerte auf das gegenüberliegende Gebäude, wo der Wasserturm stand, dann schwang er sich mit Spider-Man an den Sandmassen vorbei, aus denen nun aus hartem Sand geformte spitze Pfähle nach oben schossen und zog sie wieder nach oben, sobald der Haken festsaß.
„Deadpool!! Was tust du denn?! Oh Gott!!“
Das konnte doch niemals gutgehen, so viel Schwung hatten sie nicht!
„Du bist mein Vorbild! Ich wollte schon immer so sein wie du! Und jetzt: LOSLASSEN!“
Spider-Man sah die Wand näherkommen, er winkelte die Beine an, Deadpool nutzte ihren Schwung und warf ihn mit aller Kraft in Richtung des oberen Randes des Gebäudes.
Spider-Man erwischte die Mauer, rutschte noch fast ab, aber dann hatte er Halt und drückte sich fest gegen das Mauerwerk. Ein Aufschrei ließ ihn herumfahren.
Einer der Sandpfähle hatte Deadpool erwischt und direkt durch die Mitte aufgespießt, doch Deadpool zog schon eins seiner Schwerter und versuchte, sich wieder frei zu hacken. Na dann schnell, solange der Sandmann mit ihm beschäftigt war.
Spider-Man kletterte die Wand nach oben und sprang hoch, um über den Dachrand zu kommen. Da warnte ihn schon wieder sein Spinnensinn, aber es war zu spät für ihn, auszuweichen. Ein harter Schlag traf ihn von hinten, er wurde nach vorne geworfen und durchschlug die Wand des Wasserturms, landete im Inneren und prallte dort auf den Boden, denn... der Wasserturm war leer! Alles trocken!
Spider-Man rappelte sich auf. Oh nein und jetzt? Ohne Wasser konnte er gar nichts tun!
Schnell war er zurück bei dem Loch, das sein Aufprall geschaffen hatte und sah nach unten auf den Sandmann, der mittlerweile wieder halb in Form war und den Deadpool nun unter Beschuss genommen hatte. Aber die Schüsse rissen nur kleine Löcher in die Sandwände, die sich sofort wieder schlossen. Vielleicht konnte er ihn ja weglocken. Wenigstens aus der Stadt. Irgendwo zu einem großen großen Pool oder Schwimmbad.
Ein paar mal schlug Spider-Man fest gegen die Netzwerfer. „Komm schon! Komm schon!“
Fast hätte er sich selbst eingesponnen, als zumindest einer der beiden Netzwerfer spontan losging. Okay, einer reichte erst mal. Dann musste er das Schwingen, Loslassen und einen neuen abschießen einfach gut timen.
„Also gut, Operation 'mir nach' startet JETZT!“ Er nahm Anlauf und sprang, nachdem er sich vom Rand des Lochs im Wasserturm abgestoßen hatte, vom Dach, schoss einen Spinnfaden dabei ab und schwang sich in großem Bogen um den Sandmann herum.
„Heyo! Genug Zeit mit den Amateuren vergeudet! Jetzt kümmert sich wieder der Profi um dich!“
Von Deadpool kam ein Protestruf und gerade bevor eine der Pranken des Sandmannes Spider-Man treffen konnte, zerriss sie eine Salve aus Kugeln und Spider-Man durchstieß nur noch eine Wolke aus Sandkörnern.
„Verdirb`s dir nicht mit deiner Rückendeckung, Kleiner!“, hörte er Deadpool, der dann auf dem Boden wieder Schlägen auswich und sich abrollte, bevor er das nächste Magazin einrasten ließ und weiterfeuerte. Spider-Man ließ den Spinnfaden los, schoss den nächsten ab und griff danach, um sich aus der Häuserschlucht herauszuziehen.
„Los, komm! Hol mich doch, wenn du kannst! Wenn wir schon Sandkastenspiele spielen, bin ich jetzt für Fangen!“ Sein Spinnensinn läutete, von unter ihm schoss eine Sandpranke hoch, er versuchte noch, automatisch mit der anderen Hand einen zweiten Spinnfaden abzuschießen, aber der andere Netzwerfer funktionierte ja nicht!
Und da schlossen sich schon die Sandfinger um ihn. „Hab dich!“
„Griffel weg von meinem Freund! Den darf nur ich angrabschen!“, rief da Deadpool und schrie noch hinterher: „Augen und Ohren zu, Spidey-Kumpel! Jetzt kracht`s!“
Ohne groß nachzudenken, gehorchte Spider-Man, er traute Deadpool wie immer alles zu.
Und tatsächlich gab es einen ohrenbetäubenden Knall und Spider-Man fiel plötzlich nach unten, als die Hand des Sandmannes regelrecht pulverisiert wurde. Er rollte sich am Boden geschickt ab und schirmte sich noch vor dem herabfallenden Sand und vor ein paar harten Stücken ab, die ihn trafen. Steine? Nein, das war etwas anderes. Er hob eins der Teile auf und besah es sich von Nahem. Das war... Glas!
Spider-Man riss die Augen auf. Ja natürlich! Nicht nass! Nicht kalt! Viel besser!
Er sprang mit mehreren Sätzen zur Seite und neuen Hieben aus dem Weg, bis er neben Deadpool landete.
„Deadpool!“
„Was gibt`s, Schätzchen? Krieg ich jetzt ein Danke?“
„Du kriegst `ne Aufgabe!“ Spider-Man schoss einen Spinnfaden auf einen Müllcontainer und zerschlug mit dem die nächste Sandpranke, ehe er den Container direkt auf den Sandmann schleuderte.
„Oooh, buh! Schon wieder Arbeit? Du bist echt anstrengend. Ich mag`s nicht, wenn man mich so fordert!“ Auch Deadpool legte wieder an und die nächsten Schüsse zerrissen weitere Sandpfähle, die auf sie zugeschossen kamen.
„Das kommt davon, dass du noch nie wirklich gearbeitet hast! Und jetzt hör auf mit dem blöden Gerede und sag mir lieber, ob du irgendwas dabei hast, das richtig richtig heiß wird!“ Mit einem Griff riss Spider-Man Deadpool von den Beinen und zur Seite, als unter ihnen neue Pfähle aus dem Boden schossen, weil sich da nun auch wieder Sand sammelte.
„Baby, du weißt, ich brenne höchstpersönlich für dich! Klar hab ich ordentlich Feuer!“
Angewidert stieß Spider-Man Deadpool von sich und sprang selbst ein paar Schlägen von oben wieder aus dem Weg.
„Feuerkraft! Ich meinte Feuerkraft! Was brauchst du? Reichen `n paar Brandbomben?“
„Aber ohne blöde Sprüche! Halt dich bereit und komm mit!“
Spider-Man zog sich mit einem Spinnfaden hoch und holte Schwung. „Deadpool! Granaten! Zu mir!“
Deadpool rannte los und im Zickzack zwischen den spitzen Sandpfählen aus dem Boden durch, zog dabei auf jeder Seite je zwei Granaten von seinem Gürtel und warf sie hoch zu Spider-Man.
„Pass auf! Fast so scharf wie ich!“
Kurz schauderte Spider-Man, riss sich aber gleich wieder zusammen und ließ am höchsten Punkt den Spinnfaden los, schoss Spinnfadenkugeln nach unten auf die Granaten, so dass diese in die Mitte der Sandmassen geschleudert wurden, wollte noch einen neuen Spinnfaden abfeuern, um sich aus dem Weg zu ziehen, aber da versagte der Netzwerfer endgültig. Leer! Kein Wunder, er hatte so viel verbraucht! Unaufhaltsam fiel er genau in Richtung des Sandmannes und den Granaten hinterher. Aber er musste weg, bevor...
Da explodierten schon die Granaten - anscheinend wirklich Brandsätze – und die Feuerwelle schleuderte Spider-Man weg. Er riss die Arme hoch, um wenigstens sein Gesicht zu schützen, weil ein Regen aus Glassplittern und geschmolzenem Sand ihm den halben Anzug zerriss. Dann kam der Boden näher und er prallte...

Nicht annähernd so hart auf, wie er erwartet hatte.
Dafür keuchte Deadpool schmerzhaft auf, der ihn abgefangen hatte und mit ihm zu Boden ging. Beide rutschten noch ein paar Meter weiter, dann blieben sie erst mal schwer atmend liegen.
„Es ist... so ruhig... Haben wir ihn? Oder... ist nur mein Trommelfell geplatzt?“, wollte Deadpool unter Spider-Man wissen.
Der lag mit dem Rücken auf ihm und hob kurz den Kopf und sah aus halboffenen Augen zu der Stelle, an der gerade noch der Sandmann gestanden hatte. Na gut, er stand da noch immer, aber jetzt war da nur noch ein riesiger Berg aus geschmolzenem Sand und Glas. Die Luft flirrte von der unglaublichen Hitze und noch immer brannte es an ein paar Stellen. Darum hob Spider-Man einfach nur den Daumen.
„1A... Treffer versenkt. Alle vier...“
„Woohoo... Und... ich hasse es, das zu sagen, aber... Runter von mir, Spidey. Mir ist heiß genug und du auf mir... das macht`s grad nicht besser. Im Gegenteil...“
Schnell rollte Spider-Man sich zur Seite und von Deadpool herunter, der wieder einen Schmerzlaut dabei hören ließ.
„Held sein... ngh... ist nicht meins... Da brech ich mir ja mehr als beim Söldnern...“
Langsam stemmte Spider-Man sich hoch und kam noch etwas schwankend auf die Beine.
„Sag ich doch. Du bist... keine echte Arbeit gewohnt.“ Während er seinen Anzug begutachtete und die Schäden daran, hörte er, wie hinter ihm Deadpools Brüche beim wieder einrenken knackten.
„Wenn du mir... au... jetzt auch noch sagst, dass ich keine Hilfe bin... Dann will ich meine Valentinstagskarte zurück! Und ich schick dir eine Rechnung. Für die Granaten und die Munition. Und für das Eis!“
Spider-Man winkte nur ab, zögerte und hielt Deadpool dann wenigstens doch die Hand hin. „Komm hoch, du kleine Heulsuse. Sonst hältst du mir das wahrscheinlich noch den Rest des Jahres vor.“
Deadpool ließ sich hochziehen und klopfte sich ab.
„Könnte passieren. Zwei Jahreszeiten blühen dir ja noch, mein Freund.“
Spider-Man verzog unglücklich das Gesicht unter der Maske. „Ist das `ne Drohung?“
„Nein, die To Do Liste der Autorin. Ich freu mich jetzt schon auf Winter...“
Unauffällig versuchte Spider-Man den zweiten Netzwerfer zum Auslösen zu bekommen. „Eigentlich würde ich sagen, ich mich auch. So heiß wie es zur Zeit ist. Aber ich hab das dumme Gefühl, dass du das nicht meinst...“ Er zuckte zurück, als Deadpool einen Arm um seine Schultern legte.
„Wenn ich dir sage, was ich meine, spielst du nicht mehr mit. Und wenn du kündigst, haben wir keinen Protagonisten mehr. Aber ich kämpf doch so gerne mit dir zusammen. Stell dir mal vor, wie das hier ohne dich wäre! Ohne uns zusammen! Am Ende krieg ich noch `n Team Up mit... Power Man... Oder Iron Fist. Würdest du das lesen wollen? Wenn ich versuche, cool zu sein und jeder meiner Sprüche wird mit 'Konfuzius sagt' beantwortet? Und unsere Kampftechnik ist der brutale aber extrem wirkungslose gewaltfreie Widerstand?“
Spider-Man machte sich frei, dann konnte er endlich die Düse zum Laufen bekommen und schoss einen Spinnfaden ab.
„Sorry, wenn ich dir deine Illusionen darüber zerstöre, was 'unsere' Kämpfe angeht... zu denen du übrigens KEIN EINZIGES MAL eingeladen bist! Aber... die will ich sogar noch viel weniger lesen! Ich will überhaupt nichts mit dir lesen! Und es gibt kein UNS!“
Von Deadpool kam ein entrüsteter Laut. „Wiesooooo?“
„Ganz einfach: Weil ich dich nicht mag! Ich bin nicht dein Freund, Kumpel, oder Teamkollege, weil ich dich nicht leiden kann!“
Deadpool wankte gespielt wie getroffen zwei Schritte rückwärts.
„Ugh! Heute machst du mich fertig! Nicht ein Fünkchen Romantik und keine Spur von 'doch bald Freunde' am Horizont! Wie glaubst du, soll ich so die nächsten Wochen überleben, bis zum Herbst?!“
Spider-Man seufzte entnervt auf. „Warte auf die Leute, die ich herschicke, damit sie das moderne Kunstwerk da drüben abholen. Dann kriegst du ein 'Gut gemacht' von mir.“
Sofort salutierte Deadpool. „Abgemacht! Das ist wenigstens ein Anfang!“
Spider-Man wickelte sich das Ende des Spinnfadens ums Handgelenk und wollte sich hochziehen. Da hielt Deadpool ihn erneut auf.
„Spidey!“
Allein, dass er ihn immer so nannte, machte Spider-Man ganz wahnsinnig.
„Was?“
„Ich freu mich auf nächstes Mal! Wir sehen uns im Herbst!“
„Hoffentlich nicht...“
Schnell machte er, dass er wegkam.
Aber als er Deadpool fröhlich hinter sich herwinken sah, war Spider-Man schon jetzt klar: Das gerade war wohl leider ein sehr ernst gemeintes Versprechen von Deadpool...