Four Seasons - Vier Jahreszeiten

CrossoverAbenteuer, Freundschaft / P12
18.03.2018
09.05.2018
9
44077
6
Alle
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
 
Noch ein Tag. Dann war es wieder so weit. Er hasste diesen Tag. Gut, dass er dieses Mal auf einen Samstag fiel. Dann würden ihm wenigstens das Gesäusel und Gequietsche und vor allem die mitleidigen Blicke und dummen Kommentare erspart bleiben. Es reichte der Montag danach, wenn alle darüber reden würden, wer was von wem bekommen und wer was mit wem unternommen hatte.
Ganz schön unfair.
War er 'normal', machten sich alle nur über ihn lustig und niemand würde auch nur einen Gedanken daran verschwenden, mit ihm auf ein Date zu gehen. Eher würde man ihn auslachen. Und es gab maximal eine Person, die sich aus Mitleid mit ihm treffen würde. Aber auch nur dann, wenn ihr Freund nichts davon erfuhr.
Na darauf konnte er auch verzichten.
Aber war er 'der Andere'...
„Oh man, ich wette NIEMAND würde nein sagen, wenn Spider-Man nach 'nem Valentinstagsdate fragen würde. Warum nochmal will ich nicht, dass jemand weiß, dass ich das bin?“
Sein Spind würde überquellen vor Liebesbriefen. Garantiert.
Okay, wahrscheinlich auch vor Briefbomben. Und dann würden ihn die Bösen direkt in der Schule angreifen. Oder zuhause. Oder seine Freunde. Oder seine Tante.
Ja, nein, keine gute Idee.
„Hm, vielleicht leg ich mir ein Postfach zu. Für Fanpost. So wie der Weihnachtsmann.“
Das war das Dumme am Held sein. Die Leute liebten einen für das, was man Gutes tat, dafür konnte man – in seinem Fall zumindest – kaum mal das Lob einzuheimsen. Er verschwand meist so schnell er konnte von seinen Einsatzorten. Mal ganz davon abgesehen, dass die Polizei oft nicht gut auf ihn zu sprechen war, weil bei seinen Kämpfen meist einiges zu Bruch ging, war da noch die Tatsache, dass er noch zur Highschool ging und nicht ständig die Nächte durchmachen konnte, wenn er dann nicht den Tag schlafend auf seinem Pult verbringen wollte.
Aber hey, wer wollte sich denn wegen Superkräften anfangen zu beschweren?

Mit einem kleinen Seufzer ließ er den Blick über die Straßen und Häuser schweifen.
Es war bereits weit nach zehn nachts und er hatte gerade zwei kleinere Ladendiebstähle verhindert. Sah so aus, als wäre ein paar Leuten siedend heiß eingefallen, dass sie für ihren Schatz noch kein Geschenk zum Valentinstag hatten.
Kurz musste er grinsen, als er sich vorstellte, dass jemand lieber in Haft ging, als sich mit seiner Liebsten wegen eines vergessenen Geschenks zu streiten. Und schon war es nicht mehr ganz so schlimm, dass er niemanden hatte, den er oder der ihn beschenken konnte. Oder musste.

Gerade beschloss Spider-Man, für heute Schluss zu machen, da fiel ihm ein Flackern der Straßenbeleuchtung auf, das sich die ganze Straße entlang fortpflanzte. Fast so, als würde das Flackern wandern.
Er runzelte die Stirn, sah dem Flackern nach, dann schoss er einen Spinnfaden ab und schwang sich daran hinter dem gestörten Stromsignal her. Irgendwas sagte ihm, dass das alles andere als normal oder eine harmlose Störung war. Und wenn dahinter das steckte, was er vermutete... Dann war seine Nacht noch lange nicht vorbei!
„Komm schon, ich hab keine Lust auf Funken sprühen. Das ist einen Tag zu früh.“
Aber da stoppte das Flackern schon auf einem Parkplatz vor einem der großen Elektromärkte der Stadt, der aber schon geschlossen hatte. Für einen Moment gingen alle Lichter direkt vor dem Laden aus und nur noch an einer Stelle war ein helles Leuchten zu sehen. An der Stelle, an der jetzt ein Mann stand, den Spider-Man leider nur zu gut kannte.
„Hey! Solltest du nicht lieber Licht machen, statt es zu absorbieren, Electro?!“, rief er dem Mann zu, der sich abrupt zu ihm umdrehte.
Electro. Oder auch Max Dillon. Der Typ war bei der Arbeit vom Blitz getroffen worden, was ihn jedoch nicht getötet, sondern ihm die Fähigkeiten verliehen hatte, Elektrizität zu kontrollieren, Stromstöße zu verschießen und dank eines elektrischen Feldes zu fliegen. Kein angenehmer Zeitgenosse, denn er war einer von den bösen Jungs, stets darum bemüht, volle Aufmerksamkeit für seine Missetaten zu ernten.
Das allein schon irritierte Spider-Man etwas. Was tat er hier? So heimlich still und leise?
„Du nervtötendes kleines Insekt! Was willst du hier?!“
Spider-Man landete ein Stück vor Electro auf dem Boden.
„Wie du schon sagst: Insekt. Ich steh auf Licht. Und wenn's ausgeht, mach ich mir Sorgen. Was sollen denn die ganzen Kinder machen, wenn ihre Nachtlichter plötzlich versagen?“ Er legte mit beiden Spinnfadenschussvorrichtungen auf Electro an. „Ich geb die Frage zurück. Was willst DU hier?“
Electro setzte ein böses Grinsen auf. „Ich hole mir nur ein paar Ersatzteile. Das ist alles. Mehr musst du nicht wissen.“ Damit drehte er Spider-Man den Rücken zu, hielt aber nochmal inne. „Oh, eine Sache noch.“
Sofort schlug Spider-Mans Spinnensinn Alarm, seine Warnanlage, wenn ihm Gefahr drohte.
„Mein Licht verbrennt mit Vorliebe nervige Insekten!“
In dem Moment, als er das sagte, wirbelte Electro herum und schoss eine Ladung Blitze auf Spider-Man. Doch der sprang gerade noch hoch, schoss selbst einen Spinnfaden auf eine der hohen Laternen auf dem Platz und schwang sich von der Seite auf Electro zu. Er traf ihn auch mit einem Tritt, aber schon baute Electro ein elektrisches Feld um sich herum auf, von dem Spider-Man weggeschleudert wurde. Gerade noch fing er den Sturz ab, ehe er selbst Spinnfäden auf Electro schoss, um den zu fesseln. Der verstärkte aber einfach das elektrische Feld, woraufhin noch viel mehr Lichter auf dem Parkplatz erloschen und die Spinnfäden kamen erst gar nicht durch, sondern verschmorten einfach.
So ging das nicht! Der Typ zog seine elektrische Energie aus den Leitungen. Er musste ihn weiter von dem Laden weglocken. Auf den Parkplatz. Da konnte er ihn von allen Seiten aus angreifen. Darum riss er mit einem Spinnfaden einen verwaist stehenden Einkaufwagen hoch und warf den auf Electro, um ihn kurz abzulenken, ehe er sich selbst weiter auf den Parkplatz schwang.
„Wo willst du hin?! Bleib hier!“
Spider-Man legte eine elegante Landung mitten auf dem Platz hin, dann streckte er beide Hände aus und winkte Electro zu sich. „Na komm und hol mich! Du hast meine volle Aufmerksamkeit! Da stehst du doch drauf! Und die Bühne hier ist viel größer! Da sieht sogar der Nachrichtenhubschrauber, wie ich dich besiege, wenn er vorbeikommt!“, versuchte er Electro anzulocken.
Der erhob sich in die Luft und kam tatsächlich auf ihn zu. Dabei beschoss er Spider-Man sofort mit weiteren Blitzen, denen der mit schnellen Sprüngen auswich, bevor er sich an den Masten für die Parkplatzmarkierung hochzog und sich von Mast zu Mast und Laternenpfahl zu Laternenpfahl schwang, um in Electros Rücken zu gelangen. So wie es aussah, konnte der gerade entweder fliegen und Blitze verschießen oder ein elektrisches Feld aufbauen. Für beides reichte der Strom wohl nicht. Und so schnell konnte Electro sich gar nicht um sich selbst drehen, da hatte Spider-Man es schon geschafft und trat ihm mit Schwung in den Rücken, so dass Electro auf dem Boden aufschlug. Er drehte sich jedoch noch im Liegen sofort wieder in Spider-Mans Richtung und schoss einen weiteren Blitz nach ihm, dem Spider-Man gerade noch so entgehen und sich auf einen weiteren Laternenpfahl retten konnte.
„Ich will an so 'nem schönen Abend echt nicht streiten. Also empfehle ich dir, liegen zu bleiben, bis der Polizeitruck kommt. Der mit der Gummiverkleidung im Inneren. Wenn ich mich recht erinnere, war deine letzte Anschrift doch irgendwas mit 'Gefängnis' hintendran. Und die Kündigungsfrist kann ja wohl kaum schon abgelaufen sein. Hab ich recht? Also werden deine Mitbewohner dich garantiert schon vermissen.“
Electro streckte die Arme von sich. „Weißt du, was mich jedes Mal wieder amüsiert?“, antwortete er Spider-Man mit einer Frage. Das klang komisch. In seinem Hinterkopf begann schon wieder dieses leise Läuten.
„So viel Geschwätz und klugscheißerisches Gerede... Und gleichzeitig lässt du das Wichtigste außer Acht.“
Irritiert zog Spider-Man eine Augenbraue hoch. „Ah ja? Und was? Klär mich auf, damit ich später mal nicht dumm sterben muss. Hab ich 'nen Wortwitz vergeben?“
Uh oh, das Läuten wurde lauter! Electro sah ihn direkt an.
„Gummi leitet nicht. Metall schon.“
Spider-Man riss bei der plötzlichen Erkenntnis die Augen auf, da war es schon zu spät. Electro hatte in beiden Händen Energie gesammelt. Jetzt schlug er sie Hände zusammen und schoss einen heftigen Blitz genau auf den Laternenmast, auf dem Spider-Man saß. Den Mast aus Metall!
Spider-Man wurde durch den heftigen Stromschlag vom Mast geschleudert, flog ein ganzes Stück weit, direkt in den Abstellplatz für die Einkaufswägen und mitten hinein, wo er einen Moment lang benommen liegen blieb. Wieso hatte er das nicht kommen sehen? Aber dann lief sein Hirn wieder auf Hochtouren. Raus aus den Einkaufswägen! Schnell! Er sah Electro auf sich zukommen, trat sich aus den verbogenen Einkaufswägen frei, in denen er sich zum Teil verheddert hatte, während Electro langsam die Hand hob.
„Freu dich. Du stirbst nicht dumm.“
Entsetzt sah Spider-Man ihn an. So schnell konnte er selbst nicht mehr aus dem Metallhaufen raus.
„Nein! Nein, warte!“ Doch da sah er schon die Funken an Electros Fingerspitzen aufblitzen und im nächsten Augenblick...

...packte ihn jemand um die Hüfte, riss ihn hoch und auf das Wellplastikdach über dem Abstellplatz der Einkaufswägen und er kam mit dem Rücken auf jemand anderem zu liegen.
„Gerade wird der kalte Abend doch noch heiß, findest du nicht auch?“
Oh... nein! Diese Stimme! Das war...
In der gleichen Sekunde schlug der Blitzangriff von Electro in den Einkaufswägen unter ihnen ein und es zerriss den ganzen Abstellplatz. Die Explosion warf Spider-Man und die Person unter ihm fast über den halben Parkplatz, wobei der Griff um seine Mitte sich noch verstärkte. Zumindest landete er so halbwegs weich, weil sein 'Retter' den Aufprall abfederte. Aber jetzt war weder die Zeit zum ausruhen, noch um zu streiten, oder sich aufzuregen. Egal, wie gern er das wollte.
Denn neben all seinen Feinden, war der, der ihn noch immer festhielt, so etwas wie ein wahr gewordener Albtraum für Spider-Man.
„Lass los!“, fuhr er den Typ an und versuchte, sich loszumachen.
„Ja, nein, kein Thema, ich bin nur fast schwer verletzt. Was? Ja, ich rette dich immer wieder gerne, vor allem, wenn du dich sooo nett bei mir dafür bedankst. Oh, die Metallteile in meinem Rücken? Nein, nein, mach dir keine Sorgen um mich. Das heilt wieder.  Auch, wenn es gerade höllisch wehtut.“
„Argh! Mund halten! Loslassen!“ Spider-Man sah aus dem Augenwinkel, wie Electro sich ihnen schon wieder zuwandte. Sein Spinnensinn läutete und er nutzte es einfach aus, dass er gerade einen 'Schutzschild' hatte, packte den Arm des anderen und drehte sich mit ihm so zur Seite, dass der nächste Angriff voll den anderen traf. Eigentlich behagte es ihm nicht, wenn wegen ihm andere verletzt wurden, aber der Typ... DAS war eine Ausnahme! Und was für eine!
Wenigstens ließ er jetzt los. Spider-Man rollte sich ein Stück weiter, ehe er auf die Beine sprang und sofort mit Spinnfadenkugeln auf Electro schoss, was den kurz umwarf. Dummerweise lag Electro jetzt wieder näher an dem großen Laden und Spider-Man musste mit großen Sätzen den nächsten Blitzen ausweichen, die gleich wieder heftiger ausfielen, weil Electro noch extra Elektrizität aus dem Gebäude zu ziehen schien.
„Jetzt reicht's aber langsam! Ich werd das Gefühl nicht los, dass ich dich hier von einem echt miesen Coup abhalte!“, rief Spider-Man Electro zwischen zwei Sprüngen zu, bevor er selbst wieder versuchte, Spinnfäden auf ihn zu schießen. „Bis jetzt hast du außer den Angriffen auf mich und dem unerlaubten Freigang ja eigentlich noch nichts angestellt, oooder? Da muss ich mich leider ernsthaft fragen, was du vorhast!“
„Er hat... mich gegrillt! Und ich hab 'n Dutzend Einkaufswagenstäbe in mir drinstecken!“, kam von halb hinter Spider-Man eine Beschwerde.
„Du bist still! Du solltest gar nicht hier sein! Und ich will gar nicht wissen, warum du trotzdem da bist!“, gab Spider-Man zurück, dann wich er wieder einem Blitzangriff aus. Bloß nicht zu nah an die Masten und Laternen kommen.
„Ich sagte schon, das musst du nicht wissen. Das siehst du früh genug. Fürs Erste... bleib weg von mir und steh mir nicht im Weg!“
Schon kam eine Energiewelle auf Spider-Man zu und warf ihn wieder gleich mehrere Meter über den Parkplatz. Vorbei an dem anderen Typ, der sich gerade auf die Knie hoch quälte und sich tatsächlich ein paar Metallstäbe aus dem Rücken zu ziehen versuchte. Spider-Man schrammte über den Betonboden, ehe er sich fangen konnte. Kurz schüttelte er den Kopf, um klar zu werden.
Electro baute inzwischen ein weiteres Schild direkt vor dem Laden auf, so dass er das Gebäude zwar selbst betreten konnte, Spider-Man aber nicht mehr an ihn ran kam.
Was wollte er bloß holen? Und wofür? Mit ein paar schnellen Schritten war Spider-Man neben dem dritten unerwarteten Mitspieler. Der Kerl in dem rot-schwarzen Ganzkörpersuit war weder Held noch Bösewicht. Zumindest gehörte er nicht zwingend in eine der Kategorien. Er war einfach...
„Deadpool! Was tust du hier?! Hast du irgendwas mit Electro oder der kleinen knisternden Showeinlage hier zu tun?! Gnade dir Gott, wenn ich rausfinde, dass du...“
„... ich hier der Held bin und nicht du? Sorry, dass ich dir mal wieder die Show stehle. Beschwer dich bei der Autorin. Nicht meine Schuld, dass die mit uns noch nicht durch ist. ICH war bei der Abstimmung für Fanarts und Comicstrips!“
Völlig irritiert fuhr Spider-Man sich übers Gesicht. „Bitte... WAS?!“
Deadpool kam auf die Beine, hob einen Finger und schien zu einer Erklärung ansetzen zu wollen, aber schnell wedelte Spider-Man abwehrend mit den Händen. „Nein! Bitte lass es! Dafür hab ich weder die Zeit, noch die Nerven!“
Doch Deadpool zeigte nur auf seinen Rücken. „Sei ein Schatz und zieh die Dinger raus. Ich komm nicht ran. Und dann helf ich dir auch mit dem wandelnden Defibrillator.“
„Wenn ich sie tiefer rein ramme, versprichst du mir dann, dass du mir NICHT hilfst und verschwindest?“, fragte Spider-Man mit einem hoffnungsvollen Unterton in der Stimme und griff nach zwei der verbliebenen Metallstäbe, die aus Deadpools Rücken ragten.
„Wenn du statt 'rammen' was anzubieten hast, das weniger brutal klingt, lass ich vielleicht mit mir reden. Auch wenn ich sonst nicht so der Typ für Hilfsmittel und Spielzeuge bin. Aber wenn du drauf stehst, mach ich – natürlich nur für dich! - 'ne Ausnahme!“
Kurz drückte Spider-Man mehr aus Reflex das Metall tiefer in Deadpools Fleisch, hörte ihn vor Schmerz leise aufstöhnen und spürte, wie er weg zuckte.
„Klappe zu! Ist ja widerlich! Hör auf zu reden!“ Mit einem schnellen Ruck zog Spider-Man dann doch die Metallstäbe aus Deadpools Rücken und warf sie zur Seite. „Wieso bist du hier?“, wollte er dann aber doch nochmal wissen.
„Weil wegen DEM DA...“ Deadpool zeigte auf das elektrische Feld, das Electros weiteres Vorgehen abschirmte. „... mein Strom weg war! Gerade, als ich an der besten Stelle von Toy Story 3 war! Weißt du, wie ätzend es ist, wenn du mitten aus der Müllverbrennungsanlage-Händchenhalte-Szene rausgerissen wirst?! Da kommt man einfach nicht mehr rein. Erst recht nicht, wenn der WLAN-Zugang zum Nachbarn dann auch noch weg ist.“
Genervt rieb Spider-Man sich die Schläfen. „Oh Gott... vergiss, dass ich gefragt habe.“
Aber Deadpool redete einfach weiter, während er seinen Rücken durchstreckte. „Dann schau ich aus dem Fenster und krieg gerade noch mit, wie der Stromausfall wandert und dann... schwingst DU keinen halben Meter an meinem Fenster vorbei! Wäre das Fenster auf gewesen und hätte ich die Hand ausgestreckt, hätte ich dich abklatschen können. Das wäre mal wirklich ein 'High Five' gewesen“
„Okay, das reicht! Halt den Mund! Ich muss mich um Electro kümmern!“
Mit einem großen Sprung und zwei Schwüngen an einem frisch abgeschossenen Spinnseil landete Spider-Man direkt vor dem Energiefeld, das Electro aufgebaut hatte. Dadurch konnte er allerdings nur halbwegs etwas erkennen. Electro schien da drinnen Gegenstände zusammenzutragen. Aber was genau konnte Spider-Man nicht sehen. Kurz versuchte er, sich näher an das elektrische Feld zu lehnen. Da stellten sich ihm schon alle Haare unter dem Anzug auf. Keine gute Idee, wenn er nicht gleich den elektrischen Schlag seines Lebens bekommen wollte.
„'N Gummianzug wäre jetzt echt hilfreich“, hörte er da schon wieder Deadpool hinter sich sagen. „Frag doch mal Reed. Der hat doch sicher seine Anzüge aus so 'nem Gummizeug machen lassen. Ich meine, wie dehnt sich das Zeug sonst mit ihm mit?“
Spider-Man versuchte, ihn einfach zu ignorieren und schoss einen Spinnfaden auf eine Stelle des Daches, an die das elektrische Kraftfeld nicht reichte, um sich nach oben zu ziehen. Vielleicht durch ein Dachfenster. Immer darauf bedacht, ja nicht das elektrische Feld zu berühren, zog er sich nach oben, wo er aber nur Halt an einem kleinen Glasfenster fand. Denn kaum berührte er einen Teil der Wand, zuckte er wegen einem Schlag zurück. Anscheinend war das ganze Gebäude aus Metallträgern und -platten errichtet worden und stand gerade komplett unter Strom. Großartig. Drinnen sah er Electro, der aber, wie es aussah, schon gefunden hatte, was er benötigte. Denn mit einem Mal drehte er sich herum und sah direkt zu Spider-Man nach oben.
Oh nein! Spinnensinn-Alarm hoch zehn! Doch sowohl Spider-Man als auch Electro fuhren erschrocken zusammen, als es plötzlich am Eingang des Ladens laut krachte, weil dort allem Anschein nach gerade etwas explodiert war. Den Bruchteil einer Sekunde lang war das Energiefeld verschwunden und das nutzte Spider-Man instinktiv. Er durchbrach die Scheibe und ließ sich direkt auf Electro fallen, stieß ihn zu Boden und holte zum KO-Schlag aus. Aber Electros Augen leuchteten regelrecht auf, dann wurde es gleißend hell im gesamten Laden und Spider-Man wurde durch den Laden geschleudert und durchbrach die Eingangstür. Mit ihm fegte eine Energiewelle durch den ganzen Laden und ließ sämtliche Scheiben zerspringen. Und für Spider-Man gingen, als er auf dem harten Boden des Parkplatzes auftraf, alle Lichter erst mal aus.

Als er ganz benommen wieder zu sich kam und sich aufsetzte, war alles dunkel. Electro schien verschwunden zu sein. Und er hatte bei seinem letzten Angriff wohl den ganzen Strom verbraucht, den das Gebäude hergegeben hatte. Zumindest fühlte Spider-Mans Körper sich danach an.
„Okay... Menschlicher Blitzableiter kommt auf meiner Karriereliste ab jetzt gaaanz weit unten...“
Er rieb sich über den Kopf und sah sich um. Eigentlich nach einer Spur, wohin Electro verschwunden war. Doch sein Blick fiel auf Deadpool, der keine drei Meter weg von ihm auf dem Boden lag und sich nicht rührte. Langsam kam Spider-Man auf die Beine und wankte die paar Schritte zu ihm, dann lehnte er sich halb über Deadpool. „Hey! Keine Zeit für ein Schläfchen! Hast du gesehen wo er hin ist?“
Deadpool bewegte sich noch immer nicht und Spider-Man bekam kurz ein ganz komisches Gefühl. Er würde doch nicht... Aber das war Quatsch. Er konnte ja gar nicht...
Vorsichtig lehnte Spider-Man sich noch näher zu Deadpool, da setzte der sich so plötzlich mit einem lauten nach Luft schnappen kerzengerade auf, dass dafür Spider-Man mit einem erschrockenen Schrei nach hinten umfiel und auf dem Hintern landete.
„Oh FUCK! Ich glaube, ich hatte gerade einen Herzstillstand...“, keuchte Deadpool.
Spider-Man hatte sich selbst heftig atmend an die Brust gegriffen und schrie ihn an: „Ja, ICH AUCH! Spinnst du?!“
Deadpool tastete sich ab und sah an sich herunter. „Hn, okay gut, noch alles dran. Sorry, dass sprengen nicht geklappt hat, Kumpel. Aber die Granate ging nicht durch das Feld.“
„Gra... nate? Was?!“
Die Explosion ging also auf Deadpools Konto. Na ja, das war ja keine große Überraschung. Schnell winkte Spider-Man ab.
„Egal, unwichtig! Hast du gesehen, wo die Wunderkerze hin ist?“
Deadpool sah sich kurz um, dann zuckte er mit den Schultern. „Ich weiß nicht. Ich war gerade mehr mit tot sein beschäftigt.“
Langsam stand Spider-Man wieder auf. Okay, nachdenken. Vielleicht, wenn er sich einen erhöhten Posten suchte, nach elektrischen Störungen Ausschau hielt...
Plötzlich spürte er, wie ihn ein paar Tropfen trafen. Oh nein, es würde doch nicht etwa anfangen...
„Ist echt nicht dein Tag, mein Freund“, hörte er da Deadpool sagen, der jetzt eine Hand ausgestreckt hielt und ebenfalls die Regentropfen bemerkt hatte, die erst nur vereinzelt, dann aber doch richtig anfingen zu fallen. „Erst musst du voll einstecken, dann haut dein Gegner ab und jetzt auch noch Regen. Da könnte man ja fast meinen, Freitag der 13. bringt doch Unglück. Na ja, dir zumindest.“
Spider-Man stieß einen genervten Seufzer aus. „Erstens: Ich bin nicht abergläubisch. Zweitens: Es stört mich weder, dass ich angegriffen wurde, noch, dass es regnet. Und drittens: Ich bin NICHT dein Freund! Wenn mir irgendwas Unglück bringt... dann DU!“
Ganz betroffen legte Deadpool sich eine Hand auf die Brust. „MOI?! Schon vergessen, dass ich dir gerade das Leben gerettet habe?! Du bist so undankbar!“ Auch Deadpool stemmte sich nun hoch und sah sich dann um. „Also? Wie ist der Plan?“
„Plan? Welcher Plan? Du bist nicht dabei! Das ist der Plan! Und jetzt stiehl mir nicht meine wertvolle Zeit! Ich muss Electro finden und das, bevor ich austesten darf, bis zu welcher Wassertiefe meine Netzwerfer funktionieren“, gab Spider-Man zurück, ehe er seine Handgelenke ausschüttelte und nach oben zielte.
„Geht das eigentlich durch?“
Irritiert wandte Spider-Man sich nochmal zu Deadpool um. „Bitte was?“
Deadpool trat direkt neben ihn und zupfte kurz an Spider-Mans Suit, was den sofort weg zucken ließ.
„Hey!“
„Dein Kostümchen. Geht nass da durch? Das wollte ich schon immer mal wissen. Ich meine... Leder hält relativ gut ab, wird nur schwer, wenn es echt nass ist. Aber du... Kein Wunder, dass die tollen Kämpfe bei Marvel immer bei gutem Wetter stattfinden. Im Regen wird nur gekämpft, wenn irgendwas Schlimmes passiert, der Held verliert oder jemand draufgeht. Schon mal aufgefallen? Oder bilde ich mir das ein? Also... auf einer Skala von Wüste Gobi bis Sintflut, wie nass wirst du in dem Teil?“
Spider-Man fuhr sich übers Gesicht und stieß einen völlig entnervten Laut aus. „Herrgott nochmal, Deadpool! Geh und terrorisier jemand anderen! Und komm mir ja nicht in die Quere!“ Damit schoss er einen Spinnfaden ab, hielt aber nochmal inne, als Deadpool rief: „Warte!“
„Was noch?!“
„Ist dir eigentlich nicht kalt? Bei den Temperaturen und dann auch noch, wenn du nass wirst? Und wenn ja... Wenn ich genau hinkucke... kann ich das dann sehen?“ Ganz kurz tippte Deadpool sich mit den Zeigefingern sehr deutlich an zwei bestimmte Stellen auf seiner Brust.
Spider-Man spürte, wie ihm für eine Sekunde die Schamesröte ins Gesicht stieg. Dann ließ er den Spinnfaden los, holte aus und verpasste Deadpool einen harten Faustschlag. Gleichzeitig feuerte er mit der anderen Hand einen Spinnfaden auf ihn ab, beförderte ihn so gegen einen der Laternenmasten und klebte ihn dabei gleich noch daran fest.
„Nur zu deiner Info, du Freak: So wird mir nur eins, nämlich schlecht! Und das merkst du daran, dass ich mich bei deinem nächsten solchen Kommentar übergeben muss! Komm mir ja nicht mehr zu nahe!!“
Jetzt aber nichts wie weg! Bevor er von den Gesprächen mit Deadpool noch einen ernsthaften Schaden nahm.

Spider-Man zog sich schnell an einem Spinnseil nach oben und weg von dem Parkplatz. Um den Schaden am Geschäft musste sich vorerst die Polizei kümmern. Was jetzt viel wichtiger war: Wo steckte Electro?
Spider-Man schwang sich hoch und nach oben bis auf ein Hochhausdach. Doch der Überblick brachte nicht wirklich viel.
„Komm schon, denk nach“, murmelte er vor sich hin. „Der Kerl ist böse, er braucht Strom, er will Aufmerksamkeit, er hat Sachen aus einem Elektrogroßmarkt gestohlen... Was hat der Typ bloß vor?“
Kurz schüttelte Spider-Man sich. Dieser blöde Regen wurde immer schlimmer. Und... verdammter Deadpool! Er hatte recht, ihm war jetzt wirklich kalt und er WAR nass. Das war definitiv kein Wetter für böse Pläne im Freien. Besonders nicht, wenn der Plan Strom beinhaltete. Das gab ja sofort einen Kurzschluss. Außer, Electro wollte einen verursachen. Aber was nutzte ihm ein größerer Kurzschluss oder Stromausfall? Und vor allem wo? Die wichtigen Banken und Gebäude hatten getrennte Notstromaggregate, das half Electro nichts. Und die Notstromaggregate waren isoliert. Isoliert... Isolation.

Plötzlich schrak Spider-Man zusammen. Der Isolationshafttrakt des Gefängnisses! Der war komplett neu! Und wurde von einem separaten Energiespeicher aus versorgt, damit das Gebäude nicht betroffen war, wenn es Stromschwankungen gab und damit sich keiner so einfach in das System hacken und es manipulieren konnte. Der Speicher war in einem vollkommen isolierten und abgeschlossenen Gebäude untergebracht und hatte nur eine direkte Verbindung zum Gefängnis. Und wenn Electro diese Verbindung unter seine Kontrolle brachte, konnte er alle Gefangenen auf einen Schlag freilassen. Die gefährlichsten aller Gefangenen! Nur die ganz schweren Fälle.
„Okay, so langsam wird das ein echt ätzender Abend. Also noch ätzender, als die Tatsache, dass ich kein Date habe.“

Auf dem schnellsten Weg versuchte Spider-Man zu dem Isolationstrakt zu kommen. Der Regen behinderte ihn dabei gewaltig, weil seine Spinnseile ganz rutschig wurden. So kam er nur langsam voran, weil er nicht fallen wollte. Aber dann landete er endlich vor dem großen Gebäude, in dem die Stromspeicher und Generatoren standen. Und das mitten in einer Pfütze.
„Argh! Igitt! Toll... jetzt hab ich auch noch richtig nasse Füße. Echt klasse.“
Schnell war er aber davon abgelenkt, dass das Wachpersonal fehlte. Oder besser gesagt, ein Stück weiter weg bewusstlos auf dem Boden lag. Das hieß, es war schon jemand hier, der hier nichts verloren hatte, den sie aber nicht hatten aufhalten können.
Noch war das Gefängnis dicht. Wenigstens etwas.
„Also dann... Zeit, dir den Saft abzudrehen!“
Spider-Man stieß die Tür des Gebäudes auf und fand sich in einem großen Raum voller großer Maschinen wieder, die alle auf Hochtouren liefen. Und in der Mitte des Raumes stand Electro!
Er schien gerade die letzten Vorkehrungen zu treffen, alle Maschinen mit Starkstromkabeln zu verbinden, so dass sie alle bei ihm in der Mitte zusammenliefen und er das Zentrum der Energie bilden konnte. Das hatte er sich also aus dem Laden besorgt.
„Hey! Hast du als Kind nicht aufgepasst? Feuer, Messer, Schere, Licht, sind für böse Buben nicht! Finger weg von den Kabeln!“
„Du schon wieder! Einmal verlieren hat dir wohl nicht gereicht! Aber keine Sorge, dieses Mal bringe ich das zu Ende!“, fuhr Electro sofort wütend herum und feuerte zwei gezielte Blitze auf Spider-Man.
Der sprang schnell aus dem Weg und an die nächste Wand. Gar nicht gut, hier war viel zu viel Elektrizität an einem Ort gebündelt. Mit ein paar kurzen Blicken checkte Spider-Man die Lage und überschlug in Gedanken seine Optionen. Der Raum war vollkommen isoliert, also war er an der Wand schon mal sicher. Wenn ihn nicht gerade einer von Electros Blitzen traf. Er durfte nicht zu nah an die Generatoren kommen, auch nicht an die Kabel. Und er musste verhindern, dass Electro sich Zugang zur Stromversorgung des Gefängnisses verschaffte. Sonst konnte er mit einem Schlag allen Insassen da drin Tür und Tor öffnen. Also musste er dafür sorgen, dass Electro von der Hauptleitung fernblieb. Dass er die Generatoren nicht mit sich verband.
Erneut wechselte Spider-Man mit schnellen Sprüngen seinen Standort, als die nächsten Blitzangriffe folgten. Aber Electro schien sich zurückzuhalten. Kein Energiefeld dieses Mal. Und nur einzelne, gezielte Angriffe. Ganz so, als wollte er nichts beschädigen. Anscheinend durfte der Strom nicht richtig ausfallen.
Spider-Man schwang sich an einem Spinnseil auf Electro zu und trat ihn weg von den Kabeln.
„Ist das bei den Bösen eigentlich ansteckend? Dass ihr alle schlecht hört? Ich sagte doch, Finger weg!“
Electro drehte sich sofort um und brachte Spider-Man mit weiteren Blitzangriffen dazu, sich bis an die Decke des Gebäudes zurückzuziehen.
„Du willst, dass ich stattdessen DIR meine volle Aufmerksamkeit widme? Kannst du haben! Aber dann beschwer dich nicht, wenn du hier nicht mehr heil rauskommst!“, rief Electro ihm zu, bündelte erneut Energie und schleuderte Spider-Man zwei gewaltige Blitze entgegen. Der wollte erst wegspringen, dann wurde ihm aber klar, dass die Blitze beide direkt rechts und links neben ihm einschlagen und ihn nicht treffen würden. Also drückte er sich nur fest an die Wand, als der Einschlag erfolgte.
„Nächstes Mal nimm vorher 'nen Schluck Zielwasser. Komm, ich zeig dir mal, wie das geht“, gab Spider-Man sich noch überheblich, da fiel ihm auf, dass Electro mit einem seltsamen Grinsen zu ihm hoch sah.
„Oh, ich habe getroffen. Siehst du gleich.“ Electro machte ein paar Schritte rückwärts.
Sofort schlug Spider-Mans Alarm im Hinterkopf an, doch er konnte nicht mehr so schnell reagieren und weg von der Stelle, an der er saß. Plötzlich brach das Stück der Decke weg und er fiel samt den Mauerstücken zu Boden, konnte sich aber gerade noch so abfangen, so dass ihn die Trümmer nicht erschlugen. Dafür kauerte er jetzt direkt unter dem Loch in der Decke und bekam schon wieder die nächste unfreiwillige Dusche. Denn nun kam der Starkregen, der mittlerweile eingesetzt hatte, auch nach drinnen.
„Ganz toll. Nass hatte ich heute schon! Wie wär's zur Abwechslung mit klebrig und bewegungsunfähig?“ Schon zielte er auf Electro und schoss Spinnfäden auf ihn, doch auch Electro schickte wieder zwei Blitze auf Spider-Man los. Und die trafen. Jedoch nicht Spider-Man, sondern den Boden direkt unter ihm. Den... nassen Boden!
Spider-Man riss erschrocken die Augen auf, aber da wurde er auch schon von dem heftigen Schlag quer durch den Raum geschleudert und landete hart auf dem Boden. Kurz verkrampften sich seine Muskeln, dann versuchte er aber, sofort wieder auf die Beine zu kommen.
Verdammt, er war klatschnass! Wenn ihn so Electros Stromstöße trafen, war es um ein Vielfaches schlimmer.
„Wie war das? Du wolltest lieber bewegungsunfähig?“, hörte er da schon Electros Stimme. Die Luft knisterte und in  dem Moment, als Spider-Man aufsprang, traf ihn der nächste Blitz und warf ihn um. Mit einem Schmerzstöhnen konnte er sich gerade mal ein Stück zur Seite drehen, aber sein Körper gehorchte ihm nicht mehr richtig. Jeder Muskel stand unter Spannung und sein ganzer Körper war ein einziger Krampf. Er konnte sich nicht bewegen. Er sah Electro zu sich herüberkommen, während er die Reste der Spinnfäden von sich riss. Er konnte nichts tun, als Electro ihn packte und zurück zu der Stelle schleifte, an der durch das Loch in der Decke der Regen fiel und wo der Boden schon ganz nass war.
„Hast du dich jemals gefragt, wie es sich anfühlt, auf dem elektrischen Stuhl zu sitzen? Willst du es rausfinden?“
Spider-Man versuchte, sich zusammenzureißen. Aber seine Arme, Hände und Beine gehorchten ihm einfach nicht. Electro traf ihn mit einem weiteren Blitzschlag, zwar einem etwas schwächeren, aber dank dem Wasser durchzuckte Spider-Man der Schlag trotzdem heftig und sein Körper verkrampfte sich erst recht. Keine Chance, einen Spinnfaden abzuschießen, sich aus der Gefahrenzone zu ziehen, wegzuspringen.
Er stöhnte vor Schmerzen wieder auf und sah, wie Electro Energie in den Händen sammelte, so dass es kurz um sie herum fast dunkel wurde, weil er so viel Strom auf einmal aus der Umgebung abzog.
„Schade, dass ich hierfür kein Publikum habe. Das wäre die größte Show aller Zeiten! Ich grille Spider-Man und befreie dann alle Gefangenen des Hochsicherheitstraktes! New York wird untergehen! Und dann der Rest der Welt! Aber das...“ Electro hob die Arme. „... muss dich nicht mehr beschäftigen!“
Ganz entsetzt sah Spider-Man mit großen Augen zu Electro auf. Diesen Stromstoß würde er nicht überleben. Auf gar keinen Fall.
In Electros Händen formte sich die Elektrizität zu Blitzen, er holte aus, während Spider-Man nur hilflos zusehen konnte und dann...

Plötzlich ein Schatten von oben, etwas dunkles fiel auf ihn, dann hörte er das Geräusch eines dumpfen Aufpralls und wie Electro einen Fluch und Schmerzlaut ausstieß.
Spider-Man selbst konnte sich noch immer nicht bewegen und lag nun erst recht ganz angespannt unter der komischen dunklen plastikartigen Plane, die ihn komplett bedeckte. Er spürte den Regen weiter darauf fallen, konnte aber nichts mehr sehen. Was ging denn da bloß vor sich?!
Kampfgeräusche. Irgendwie. Dann Stille. Und dann zog endlich jemand dieses Teil von ihm herunter.
„D...Dead...pool?“
„Keine Angst, Prinzessin. Hier ist dein Ritter und rettet dich! Ich kann auch dein italienischer Klempner sein, auf was auch immer du mehr stehst. Nur mein weißes Pferd ist gerade... in der Reinigung... Und dafür würdest du mir dankbar sein, solltest du je herausfinden... wieso.“
Ganz angestrengt versuchte Spider-Man die Kontrolle über seinen Körper zurückzugewinnen.
„Hör auf... nnn... zu reden. Nnghh... Wo ist...“, setzte er an, da ertönte auch schon Electros Stimme.
„Jetzt reicht's! Genug! Keiner von euch mischt sich weiter ein oder hält mich auf!“
Deadpool sah nur kurz auf, dann packte er Spider-Man ohne Vorwarnung, riss ihn hoch und warf ihn ein Stück weiter auf einen kleinen Haufen der dunklen Planen, ehe der nächste Blitzangriff von Electro folgte. Deadpool selbst krachte neben Spider-Man gegen eine der Sicherheitsabsperrungen vor den Generatoren und fiel dann zu Boden. Lang blieb er aber nicht liegen, sondern war gleich wieder auf den Beinen und schüttelte sich kurz.
„Ist ja fast so 'n ekelhaftes Gefühl wie letztens, als ich mit der Gabel was aus dem Toaster fischen wollte. Hey, Spidey, kannst du bitte versuchen, dich zusammenzureißen? Auch wenn ich's gut finde zu wissen, dass man dich mit 'nem kleinen Stromschlag wehrlos machen kann... Gerade hätte ich dich doch lieber kämpfend neben mir. Oder sag mir zumindest, wie ich die wandelnde Steckdose kleinkriege. Dann darfst du auch weiter da liegenbleiben und dich unter meinen provisorischen Isolierschichten verstecken.“
Spider-Man spürte, wie seine Muskeln zitterten, als er versuchte, sich wieder normal zu bewegen. Wenigstens konnte er langsam die Hände wieder öffnen und schließen. Dabei schloss er die Finger um die seltsamen 'Planen', auf denen er lag und hob eine davon an, um sich genauer anzusehen, was das eigentlich war. Im nächsten Moment ließ er das Teil aber wieder fallen, als hätte er sich daran verbrannt und starrte Deadpool ganz entgeistert an.
„Ist das... sind das... LEICHENSÄCKE?!“
„Aber nur die Guten! Mit Gummibeschichtung!“, antwortete Deadpool, dann zog er seine Schwerter. „Los, sag mir, was ich hier kaputt machen darf!“
Schnell sprang er einem weiteren Blitzangriff aus dem Weg, rollte sich ab, ging bei Spider-Man in die Hocke und zog einen der Leichensäcke halb über ihn, damit ihm die Blitze erst mal nichts mehr anhaben konnten.
„Schön da drunter bleiben. Läuft alles unter der Kampagne 'Safer Fight' gegen elektrisch übertragbare Krankheiten.“ Damit ließ Deadpool ihn fürs erste liegen und lief zurück zu Electro, um gegen den direkt zu kämpfen.
Spider-Man schauderte kurz unangenehm auf, aber ganz egal, was es war, das ihn da bedeckte, es funktionierte und er war sicher vor den Blitzen und Stromstößen.
Na gut, los, zusammenreißen! Aufstehen! Und dann...?
Solange sie in dem Raum waren, hatte Electro unerschöpflichen Nachschub an Elektrizität. Dann wurde auch noch der Boden langsam aber sicher komplett nass, wieder ein Vorteil für Electro.
Mit etwas Mühe drehte Spider-Man sich auf die Seite und versuchte, sich im Raum zu orientieren. Hinter ein paar der Generatoren sah er die elektrischen Entladungen von Electros Blitzangriffen aufleuchten, er hörte Krachen und Kampfgeräusche, konnte aber weder Electro noch Deadpool sehen.
So langsam ließen die Krämpfe nach und er stemmte sich hoch, schüttelte seine Gliedmaßen aus, so gut es ging und suchte dabei den Raum weiter nach einer Möglichkeit ab, Electro zu stoppen. Ihn hier rauskriegen war nicht möglich, fürchtete er. So leicht würde Electro es ihnen nicht machen. Zumindest musste Spider-Man zu aller erst dafür sorgen, dass die Verbindung zum Gefängnis unterbrochen wurde. Es gab ja nur diese eine Leitung. Dann gab es zwar keine Steuerung des Gefängnisses mehr durch den Generatorenraum hier, aber das Gefängnis selbst würde in den Notfallmodus gehen und es würde erst recht alles verriegelt und verschlossen bleiben.
„Wieso bloß ist das hier nicht wie in 'nem Zeichentrickfilm? Ein riesiger Stecker und wenn man den zieht, ist alles aus? Man, das Leben könnte so viel einfacher sein, wenn es gezeichnet wäre...“, murmelte Spider-Man vor sich hin, während er sich ein Stück nach oben und weg vom Boden zog. Dann schoss er Spinnfäden auf die Kabel, die Electro vorher versucht hatte zu verbinden und riss sie auseinander.
„Reihenschaltung auflösen. Check.“
Unter ihm rutschte Deadpool über den Boden. Sein Anzug hatte bereits einige Brandlöcher und auch sonst sah er recht lädiert aus.
„Electro ausschalten... Nicht check... Darf ich abklatschen? Ich brauch 'ne Pause. Oder Urlaub. Oder 'ne gute Reha.“
„Du hast fünf Minuten! Bis ich weiß, wie wir das hier beenden! Also sieh zu, dass du mir mit deiner Selbstheilung imponierst, wenn ich wiederkomme!“
Ohne auf eine weitere Antwort von Deadpool zu warten, schwang Spider-Man sich um die Generatoren herum und von hinten auf Electro zu, den er mit einem harten Tritt gegen die Wand beförderte. Schnell schoss er ein paar Spinnfäden hinterher und versuchte, Electro an die Wand zu kleben. Doch der schickte gleich zwei Blitze hinter Spider-Man her, erwischte ihn aber nicht, weil Spider-Man schnell die Beine anzog und sich nach oben schwang. Dann war wieder einer der Generatoren zwischen ihnen und sofort hielt Electro still und stoppte die Angriffe.
Also doch! Er wollte die Generatoren nicht zerstören, damit der Strom nicht ausfiel und er die Kontrolle über die Hauptstromversorgung des Gefängnisses bekam! Das bedeutete, er musste ihn von dem Hauptkabel weghalten!
Doch schon hatte Electro erneut seine Spinnfäden durchgeschmort und folgte ihm. Dabei schoss er immer wieder mit Blitzen auf Spider-Man, um ihn genau in die entgegengesetzte Richtung und damit vom Hauptkabel wegzutreiben. So ein Mist, so ging das nicht!
„Aufhören! Ich will nicht fang die Spinne spielen! Aus dem Alter bin ich raus!“
Aber solange hier alles auf Hochtouren lief, ging Electro auch die Energie nicht aus. Anders, als bei Spider-Man. Der war noch immer angeschlagen und wie lange ihm seine Spinnfadenflüssigkeit reichen würde, wusste er auch nicht. Er musste die Generatoren lahmlegen. Nur wie?
Vielleicht doch... ein gepflegter Kurzschluss?
Mit einem weiteren Schwung war Spider-Man wieder dort, wo die Kabel lagen. Er sprang auf den Boden und packte zwei der Kabel, um sie wieder zu verbinden.
„Hat der Typ dir das Hirn weggeröstet? Was tust du denn da? Ich dachte, das wolltest du gerade noch verhindern!“, kam es ganz irritiert von Deadpool, der sich mittlerweile tatsächlich wieder gefangen und regeneriert hatte.
„Halt ihn weg! Nur, bis ich das hier verbunden habe! Ich hab eine Idee!“
„Wehe, die ist nicht gut! Und wehe, ich krieg dafür nachher kein dickes Danke von dir!“
Spider-Man sah, wie Deadpool seine Waffen zog, doch er entriss sie ihm mit zwei Spinnfäden sofort. „Nein! Du ballerst hier nicht in der Gegend rum! Wenn du mit mir kämpfen willst, dann KEINE TOTEN!“
Deadpool hob kurz die Arme. „Okay, fein, du bist der Boss. Auch wenn ich gar nicht weiß, warum und wer das bestimmt hat.“ Er zog wieder seine Schwerter. „Dann brauche ich aber ein doppelt so dickes Danke. Mit den Babies hier krieg ich viel leichter eine gewischt.“
Einen Augenblick lang stockte Spider-Man und sah Deadpool nur nach, als der wieder loslief, um Electro zu bekämpfen und abzulenken.
„Die Schwerter... Oh man, ich weiß nicht, ob ich mich für DIE Idee jetzt schon schlecht fühlen soll...“, sagte er leise zu sich selbst und verband dann die restlichen Kabel, so dass alle Generatoren zusammengeschaltet waren.
Keine Sekunde zu früh, denn da wurde ihm schon Deadpool entgegengeschleudert. Spider-Man fing ihn ab, nutzte ihn aber gleich noch, um sich an ihm abzustützen und hochzuspringen. Dabei schoss er einen Spinnfaden nach oben ab und schwang sich frontal auf Electro zu, der damit nicht gerechnet hatte und so Spider-Mans Tritt voll kassierte. Gleichzeitig rief Spider-Man Deadpool zu: „Deadpool! Einmal Gabel im Toaster, bitte!“
„Einmal keine Rätsel der Sphinx, bitte!“, rief Deadpool völlig verwirrt zurück.
Spider-Man riss Electro mit einem Spinnfaden hoch und warf ihn den Gang zwischen den Generatoren entlang, damit er kurz aus dem Weg war. Dann zeigte er erst auf Deadpools Schwerter und sagte nur: „GABEL!“, ehe er auf die Generatoren deutete und ihm zurief: „TOASTER!“
Sofort sah Deadpool so aus, als wäre ihm gerade ein ganzer Kronleuchter aufgegangen. „AHHH! Gabel im Toaster! Fön in der Badewanne! Schere in der Steckdose!“ Gleich darauf zuckte er aber zurück. „Warte! Moment! Ich will mich aber nicht freiwillig grillen! Mach's gefälligst selbst!“ Und schon warf er Spider-Man einfach eins seiner Schwerter zu. Der fing es am Griff auf, warf Deadpool einen bösen Blick zu und suchte nach der perfekten Stelle.
„Immer muss ich die ganze echte Arbeit alleine machen. 'Ne schöne Hilfe bist du!“ Er holte aus, zielte genau und schleuderte das Schwert dann mit aller Kraft einmal direkt durch den einfallenden Regen, damit es richtig nass wurde und voll in einen der Generatoren. Die Funken flogen nur so, der ganze Apparat zischte laut auf, dann gab es ein paar heftige und laute Entladungen und der Generator fiel dank einem gewaltigen Kurzschluss aus. Und da jetzt auch noch alle anderen in Reihe geschaltet waren, brannten wie durch einen Dominoeffekt diese Generatoren auch alle durch und standen still.
Es wurde auf einen Schlag dunkel im Raum und ganz still. Nur durch das Loch in der Decke fiel nun noch etwas Licht.

Spider-Man landete neben Deadpool auf dem Boden und verschränkte die Arme vor der Brust. „Und das war's mit Gratisstrom für Bösewichte. Und du...“ Er wandte sich an Deadpool. „... bist ein Feigling! Mit dir kämpfe ich nicht mehr, wenn du dann, wenn es drauf ankommt, kneifst!“
In eindeutig gespieltem Entsetzen schlug Deadpool die Hand vor den Mund.
„Waaas?! Keine Freunde mehr? Bloß, weil ich mich heute 'nur' ein bis zwei mal für dich geopfert habe? Du bist echt hart und herzlos.“
„Und ich bin und war noch nie dein Freund!“, fügte Spider-Man schnell hinzu.
„Heh... nein. Du hast recht. Eigentlich bist du vieeel mehr für mich.“
Schnell machte Spider-Man angewidert einen Schritt weg von Deadpool. „Halt den Mund! Hilf mir lieber zu kontrollieren, ob Electro kampfunfähig ist und dass da wirklich kein Strom mehr in Richtung Gefängnis fließt!“
„Ähh... ist gleich erledigt. Nein und doch.“ Deadpool deutete mit dem verbliebenen Schwert an Spider-Man vorbei zur Verbindungsleitung zum Gefängnis. Die Einzige, die raus aus dem Gebäude führte. Und von der aus Electro gerade keine fünf Meter entfernt stand!
„Oh nein! Er darf nicht an das Kabel! Sonst war alles umsonst! Und er kann da durch abhauen!“
Schnell schoss Spider-Man einen Spinnfaden nach oben und stieß sich vom Boden ab. Näher ran! Dann konnte er ihn erwischen!
„Mein Schwert umsonst in dem Kasten versenkt? Für nichts den Anzug durchlöchert? So nicht, nicht mit mir! Na warte, jetzt bin ICH geladen!“ Auch Deadpool lief los und auf Electro zu.
Der sah nur kurz zu den beiden, ehe er selbst noch schneller versuchte, das Kabel zu erreichen.
„Nein! Nicht so kurz vor dem Ziel!“ Er holte mit einer Hand aus, doch die traf Spider-Man mit einem Spinnfaden und riss sie zurück, bevor er mit noch mehr Spinnfadenflüssigkeit Electros Hand so umsponn, dass der sie nicht mehr nutzen konnte. Gleichzeitig zog Spider-Man an dem Spinnfaden, um Electro noch von dem Hauptkabel wegzureißen. Doch der streckte nun die andere Hand nach der Leitung aus. Die konnte Spider-Man nicht fixieren, weil er sich selbst noch mit seiner anderen Hand am Spinnseil festhalten musste.
„Du hältst mich nicht auf!“, schrie Electro und streckte sich noch mehr, seine Fingerspitzen knisterten, die ersten Funken sprangen schon über, da war Deadpool auf Spider-Mans Höhe, stieß sich vom Boden ab und holte mit dem Schwert aus.
„Aber ICH! Wird Zeit, dass ich den Schalter umlege! LICHT AUS!“
Und damit hieb er mit einem gewaltigen Schlag das Kabel durch.
Es gab einen entsetzlich lauten Knall und nicht nur Deadpool sondern auch Electro und mit ihm ebenso Spider-Man wurden weggeschleudert. Aber Spider-Man konnte sich abfangen und schlug darum nicht einfach hart auf dem Boden auf, wie die anderen beiden, sondern rutschte nur auf dem nassen Boden ein paar Meter weit. Kurz schüttelte er den Kopf, um klar zu werden und das Klingeln aus seinen Ohren zu bekommen. Dann sprang er auf, schoss einen Spinnfaden auf Electro, der am Boden lag, warf ihn gegen eine der Wände und fixierte ihn dort nun so richtig mit jeder Menge Spinnfäden.
„Und da bleibst du jetzt! Für heute ist es genug! Ich geh jetzt nach Hause und du gleich in das Gefängnis, aus dem du alle deine komischen Kumpel gerade befreien wolltest. Dann bist du nicht mehr so einsam und kommst hoffentlich nicht mehr auf so blöde Ideen.“
Wenn er ehrlich war... er war wirklich müde und geschafft und wollte nichts lieber als nach Hause.
Schnell verklebte er noch die Eingangstür, um Electro einzuschließen. Gut, für die Polizei würde es ein wenig knifflig werden, reinzukommen. Aber Hauptsache, Electro kam nicht raus.
Er selbst ging zurück zu der Stelle, wo das Loch in der Decke war.
„Na schön, noch einmal nass werden heute. Das nächste mal gibt’s Spidey-Einsatz nur nach guter Wettervorhersage.“
„H-he... lass mich nicht einfach... so liegen...“, ertönte da Deadpools Stimme und er sah sich nach ihm um. Deadpool lag ein Stück weiter weg auf dem Rücken und Spider-Man konnte sogar kleine Rauchschwaden von ihm aufsteigen sehen. Das sah dann doch etwas... übel aus. Fast ein wenig besorgt ging Spider-Man zu ihm und sah auf ihn herunter.
„Ich komm mir blöd vor, wenn ich dich jetzt frage, ob du okay bist...“
„Trag mich raus, dann zählt das wie ein dreifaches Danke. Für zweimal Leben retten und einmal den finalen Kracher“, meinte Deadpool nur und streckte die Hände nach Spider-Man aus.
Der verzog unter der Maske das Gesicht.
„Wie wär's mit... Nein? Los, steh auf. Du darfst ausnahmsweise mit dem Spidey-Aufzug fahren.“
Deadpool streckte alle Viere von sich und seufzte theatralisch auf. „Ich kann nicht. Ich bin weichgekocht. Komm schon, trag mich! Du bist doch sooo stark! Wenn's drauf ankäme... Ich würde auf meinen Part als Mann verzichten und mich jederzeit von dir über die Schwelle tragen lassen. Sei mein Held! Dann bin ich das nächste Mal die Prinzessin. Ich bring auch mein eigenes Kleid mit!“
Spider-Man sah Deadpool nur wortlos an, dann stieß er ihn mit dem Fuß auf den Bauch um.
„Noch ein Wort und ich lasse dich von ganz oben fallen.“
Er packte Deadpool am Gürtel, schoss einen festen Spinnfaden nach oben ab und zog sich mit Deadpool im Schlepptau nach oben bis zu dem Loch in der Decke. Dort warf er Deadpool mit Schwung nach oben und auf das Dach, bevor er hinter ihm her nach draußen kletterte. Dann verschloss er das Loch auch noch mit genügend Spinnfäden und ließ sich sich dann einfach mit einem kleinen Seufzer auf den nassen Boden des Flachdachs fallen. Jetzt war es auch schon egal, nass war er ja schon.
Deadpool stemmte sich neben ihm auf die Knie hoch, dann drehte er sich um und setzte sich neben Spider-Man.
„Willst du noch auf die Polizei warten?“
Spider-Man schüttelte den Kopf und deutete nach unten, wo sich bereits die ersten Sicherheitskräfte vor dem Gefängnis sammelten und in der Ferne sah man schon einen Haufen Blaulichter näherkommen.
„Außerdem will ich mir Ärger ersparen, weil ich mit deinem Schwert die ganze Anlage lahmgelegt habe.“ Kurz musste Spider-Man unter der Maske grinsen. „Obwooohl... Es sind deine Schwerter, die alles kurz und klein gehauen haben. Ich hab ja nur den Bösen eingefangen. Iiich habe gar keine Waffen.“
Ganz ungläubig wandte Deadpool sich Spider-Man zu.
„Wa... Du willst das jetzt komplett MIR in die Schuhe schieben?! Ich glaube, ich will doch nicht mehr dein Freund sein!“
Spider-Man stand auf und trat an den Rand des Daches. „Du BIST NICHT mein Freund! Und ich wollte auch noch nie deiner sein!“
„Ja, ja, ich weiß, jeder will mehr von mir als 'nur' Freundschaft. Ich bin einfach unwiderstehlich“, hörte er Deadpool amüsiert hinter sich sagen.
Genervt streckte Spider-Man die Hand aus und feuerte einen Spinnfaden auf das nächst stehende Gebäude ab, um sich nach Hause zu schwingen. „Wir sehen uns hoffentlich NICHT bald wieder. Mach's gut, Deadpool.“
Deadpools „Warte, Spidey!“ ließ ihn nochmal innehalten, auch wenn er eigentlich nicht wissen wollte, was jetzt wieder war.
„Ich hab noch was für dich!“
Ungewollt drehte Spider-Man sich doch nochmal zu Deadpool um. „Von dir will ich keine Geschenke. Behalt es, was immer es auch ist.“
Deadpool stand auf und kramte hektisch in einer seiner Gürteltaschen. „Nein! Warte, das ist wichtig! Es ist doch schon nach zwölf!“
Irritiert zog Spider-Man eine Augenbraue hoch. „Na... und?“
Da schien Deadpool gefunden zu haben, was er gesucht hatte und drückte Spider-Man einen dicken, zusammengefalteten Zettel in die Hand. „Für dich! Aber mach's im Trockenen auf, sonst verläuft es!“
Fragend sah Spider-Man auf den Zettel, dann auf Deadpool. Der zeigte nochmal eindringlich auf Spider-Man. „Erst zuhause! Sonst weine ich, wenn es kaputt geht! Das kommt von Herzen.“ Damit trat Deadpool rückwärts an den Dachrand. „Ich freu mich auf nächstes Mal!“ Kurz warf er Spider-Man eine Kusshand zu. „Und einen schönen Valentinstag!“ Und schon sprang er mit einem Satz vom Dach.

Spider-Man sah ihm kurz ganz verwirrt nach, dann wieder auf den Zettel in seiner Hand, den der Regen langsam durchnässte.
„Oh Gott...“
Ohne groß zu überlegen, entfaltete er das Papier und hielt gleich darauf eine zerknitterte, leicht lädierte und an ein paar Stellen angebrannte Valentinstagskarte in der Hand. Auf der Vorderseite ein großes, glitzerndes Herz und auf der Rückseite ein selbstgemaltes Bild, das einen kleinen Deadpool mit einer Blume in der Hand zeigte, so kindlich gemalt, dass es auch von einem Grundschüler hätte stammen können.
„Was zum...“
Und als er die Karte öffnete, prangte da in knallroten Buchstaben folgender Text:

                    U R my one and only
                         V ery
                         A mazing
                         L ovely
                         E xtraordinarily
                         N eat
                         T eammate
                         I
                         N
                         E ternity ♥

Fast eine volle Minute starrte Spider-Man die Karte wortlos an, dann stieß er einen frustrierten Laut aus.
„Oh mein Gott! Die einzige Karte, die ich bekomme, ist von einem Psychopathen. Du musst dringend nochmal darüber nachdenken, was bei dir im Leben nicht stimmt, Parker...“
 
'