Wenn deine Seele brennt...

von -Rhea-
GeschichteSchmerz/Trost / P16 Slash
18.03.2018
11.07.2018
8
21334
8
Alle
14 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
Hallöchen, schön dass ihr meine Geschichte lest…
Ich muss dazu sagen, dass das hier von wissenschaftlicher Seite ein wenig von der Serie abweichen kann, hab das bisschen so hingebogen, dass es passt :)
Viel Spaß beim Lesen!
Rhea

------------------------------------------------------------------------

„Es ist kein Abschied Paul, ich bin nicht wirklich weg, bitte denk daran, okay?“
„Aber wenn du tot bist, wie soll ich…“
Eine weiche, nur allzu bekannte Hand legte sich an seine Schläfe und unterbrach seine Frage danach, wie er normal weiterleben sollte. Ein normales Leben führen in dem Wissen, dass das Einzige, was ihn an die Gesellschaft gebunden hatte, nicht mehr bei ihm war?
„Bitte“, Pauls Stimme klang heiser, die Verzweiflung schnürte ihm die Kehle zu, „bitte geh nicht. Ich kann nicht….“
„Du musst, Paul“, antwortete Hugh und zu Stamets Entsetzen wurde es dunkel vor seinen Augen, sein Partner löste sich auf, alles löste sich auf und der Astromykologe saß in seinem Bett.


Er zitterte, Schweiß rann ihm über Gesicht und Nacken.
Wie schon so oft in dieser Woche.
Wie lange würde er das noch ertragen können?
Er sah hinunter auf seine Arme und Hände. In dem schwachen Schein der Außenlichtleisten wirkte seine ohnehin schon sehr helle Haut wie die eines Geistes. Ein Gespenst, eine leere Hülle die auf seiner Matratze saß und darauf wartete, davonzufliegen.
Eine Gänsehaut überzog seinen Körper, weshalb er sich rasch erhob um zu duschen.

Stamets erschien 15 Minuten vor Dienstbeginn in seinem Labor. Er vertiefte sich sofort in seine Arbeit, es war das Einzige was ihn ablenkte und die Leere etwas füllte, die ihn seit Culbers Tod so sehr quälte.
Er war so vertieft, dass er Tilly nicht herantreten hörte. Erst als sie sprach bemerkte Paul sie, doch wie auch schon früher ignorierte er alles, was ihn von seinen Pilzen ablenkte.

„Lieutenant“, sprach sie ihn vorsichtig an. Sie klang wie ein Bombenentschärfer, der den falschen Draht gezogen hatte.

„Lieutenant Stamets“
Stamets zog einen Zylinder mit Neongas aus seiner Halterung.

„Lieutenant.“
Um Gottes Willen. Warum konnte sie ihn nicht in Ruhe lassen?

„Lieutenant, jetzt reicht es. Entweder sie antworten mir, oder ich hole Captain Saru und bespreche mit ihm ihre Urlaubszeiten.“

Stamets schaute sie finster an, ließ sich jedoch zu einer knappen Antwort herab:
„Ich habe zu tun.“
„Seit sie aufgewacht sind, haben sie so gut wie nichts gesagt. Sie sind blass wie eine Leiche, seit Dr. Culber-“

Ein Eiszapfen schien sich bei der Erwähnung seines Namens in Stamets Herz zu bohren, langsam und qualvoll. Er widerstand dem Bedürfnis, sich die Arme um den Körper zu schlingen, presste die Kiefer fest aufeinander und knurrte:
„Ich bin immer blass.“
Tilly ging nicht darauf ein, weshalb Paul an einer seiner fast weißen Haarsträhnen zupfte.
„Weiß, sehen sie?“
Und er widmete sich wieder dem Behälter. Tilly sagte noch etwas, doch er hörte nicht zu, drehte sich um und verließ mitsamt seinem Behälter das Labor.
Vor solchen Unterhaltungen hatte er sich gefürchtet. Jeder schien Mitleid mit ihm zu haben, doch keiner kam auf die Idee, dass er es gar nicht hören wollte.
Dass er überhaupt nichts hören wollte.
Und auch nichts fühlen.
Oder sehen….

Der einzige Mensch auf dem Schiff, der seinen Unwillen was das Reden betraf zu verstehen schien, war Specialist Burnham.
Auch sie sah man seit dem Debakel mit Tyler immer öfter durch die Flure hetzen, um ja nicht anhalten zu müssen. Vielleicht, überlegte er, konnte sie verstehen….

Stamets  war an seinem Quartier angekommen, ihrem Quartier….
Er betrachtete die unauffällige Tür vor sich, dieser einfache Durchgang, der doch so viel darstellte.
Es war ein Tor in eine andere Welt gewesen, in eine Welt, in der jemand sein Inneres gekannt hatte. Und in der er sein Inneres hatte nach außen kehren können.
Stamets begann zu zittern. Seine Knie wurden weich. Einen Moment noch starrte er auf das Bild auf dem Tisch, das ihn und Hugh an einer antiken Mauer zeigte, dann brach er bebend auf einem Sessel zusammen.

Er schlang sich die Arme um den Körper und starrte an die gegenüberliegende Wand, bis eine Stimme ihn aus seiner Trance riss.

„Hallo Paul“, erklang eine Stimme hinter ihm, nach der er sich seit Wochen sehnte.
„Hugh, was tust du hier? Mir ist bewusst dass du tot bist, falls du hier bist um mich daran zu erinnern.“ Er klang giftig, für irgendeinen Alptraum fehlte ihm die Kraft.
„Das bin ich nicht. Hier um dich zu erinnern meine ich. Du fehlst mir Paul.“
„Du fehlst mir auch, selbstverständlich tust du das. Aber was soll ich schon dagegen machen?“
„Das weiß ich nicht. Aber weg bin ich nicht. Ich bin im Netzwerk…genau wie du, das habe ich dir erklärt.“

Paul stand auf und betrachtete sein Spiegelbild. Er sah ungesund aus. Die weiße Haut wirkte fast durchscheinend, die hellen Augen waren rot umrandet und seine sonst so aufrechte Haltung war eingesunken und wirkte kränklich.

Ganz anders bei Culber. Er wirkte ausgeruht und strahlte Zuversicht und Wärme aus, Eigenschaften, die von Stamets so weit entfernt schienen.
Fast sah es so aus, als wäre Paul näher am Reich der Toten als sein Geliebter.

Eine Zeitlang blickte Paul ihn finster an, bevor er die Maske fallen ließ und ihn fragte:
„Wie kann ich das schaffen? Wie soll ich leben wenn ich weiß dass du nicht mehr bei mir bist? Es sind nicht nur zwei Monate bis zur nächsten Raumbasis Hugh, wann sehe ich dich wieder? In 60 Jahren? 70? Oder dann wenn dieses verdammte Schiff in die Luft gesprengt wird?“

Tränen rannen über sein Gesicht und röteten seine ohnehin geschwollenen Augen noch mehr.
„Wir sehen uns gerade, Paul. Das kannst du nicht bestreiten….“
Verzweifelt streckte er die Hand aus.

Culbers Hand berührte ihn in dem Moment, als eine Reihe von Flashbacks ihn durchzuckte.
Er mit seinem Partner beim Tanzen, Wärme und laute Musik, die er wie durch einen defekten Kommunikator wahrnahm.

Hugh, breit grinsend im Schneidersitz auf dem Bett, seinen Versetzungsantrag in der Hand.

Er, halb im Sporennetzwerk gefangen, ein Teil von ihm blickte hinab auf den reglosen Latino in seinen Armen, ein Schock, den er nicht verkraften konnte, er wollte nicht aufwachen, er konnte nicht….



„Stamets, bitte erscheinen sie auf der Brücke, es ist wichtig.“
Die Worte rieselten langsam durch Pauls Wahrnehmung, wie grober Sand durch ein feines Sieb.
„Stamets, antworten sie.“
Hugh? Wo war er hin? Hatte er ihn berühren können? War es möglich gewesen?
Gedanken waberten durch seinen Kopf, doch er konnte sie nicht ordnen.
„Lieutenant Commander Stamets! Antworten sie!“
Paul langte nach seinem Kommunikator.
„Ja? Ich…ähm, ich bin hier“, murmelte er.
„Kommen sie bitte, es ist dringend.“
Paul sah an sich hinunter. Er trug noch immer seine Uniform, so verlor er wenigstens keine Zeit. Er sprintete los und erreichte bereits nach fünf Minuten die Brücke. Er atmete heftig, doch er schwitzte nicht. Irgendwie schien alle Wärme seinen Körper verlassen zu haben.

„Lieutenant Stamets, hallo“, begann Saru, doch seine Augen weiteten sich bei Stamets Anblick, er sagte jedoch nichts.
Es war Burnham, die sprach: „Lieutenant…verzeihen sie den Ruf mitten in der Nacht. Bitte kommen sie, ich muss ihnen etwas zeigen.“

Ihm voraus betrat sie den Nebenraum. Als sich die Tür geschlossen hatte, schaltete sie den Monitor zu ihrer Linken ein, sah ihn jedoch unverwandt an.

„Captain Saru ist nicht unbedingt derjenige, der jemandem in ihrer Lage gut tut Paul, das tut mir leid. Aber sie müssen sich das ansehen, ich kann es nur bedingt verstehen. Doch sie waren im Netzwerk, ich schätze, sie sind das einzige Lebewesen auf diesem Schiff, das es deuten könnte….
Sie zeigte auf eine Reihe von Diagrammen.

„Sehen sie diese Abweichungen?“, fragte Burnham und Stamets konnte einen Hauch ihrer wissenschaftlichen Leidenschaft wahrnehmen. Er rechnete es ihr hoch an, dass sie ihre Worte über Culber so dezent verpackt hatte. Um sich erkenntlich zu zeigen, blickte er die Diagramme an. Auf den ersten Blick schienen die Abweichungen nichts Ungewöhnliches zu sein, doch bei einer holographischen Darstellung stutzte er.
Aufmerksam betrachte er die Verfärbungen, als Specialist Burnham das Wort ergriff.

„Wissen sie… Tilly und ich, wir hatten eine Vermutung… Bitte geben sie mir eine Einschätzung Lieutenant.“

„Ich weiß nicht, wovon sie reden, Burnham“, antwortete Paul leise, doch sein Herz hämmerte heftig gegen seine Brust. Was er da gesehen hatte, jagte Adrenalin durch seinen erschöpften Körper. Doch das war nicht möglich. Und auch nur einen Funken Hoffnung daran zu setzen, war wahnwitzig, irrsinnig.

„Stamets?“, sickerte Burnhams Stimme durch seinen Körper und er sah sie an. Und konnte nicht verhindern, dass sie den Schmerz in seinen geröteten Augen brennen sah.
„Paul. Ist da eine Lebensform im Netzwerk? Ein Humanoider? Ein Mensch?“

Stamets sah sie mit steinernem Gesichtsausdruck an.

Und verließ den Raum.
Review schreiben