Nur wer frei ist, ist ein König

GeschichteAbenteuer / P18 Slash
17.03.2018
15.05.2019
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Kapitel 4 – Fichtennadeln


Kakuzu wurde von seinem schmerzenden Nacken geweckt. Mit einem leisen Stöhnen – er versicherte sich, dass weder Hidan noch Shouta wach waren – richtete er sich auf. Er legte seinen Kopf zu beiden Seiten, ein Knacken und ein befreiendes Gefühl folgte. Manchmal fühlte er sich zu alt, um auf den Boden zu schlafen. Nicht, dass das je wer erfahren würde...
Es raschelte neben ihm. Es war Shouta, der sich zusammenrollte. So sah er noch kleiner aus. Und er war herrlich still. Bedauerlich, dass er nicht noch länger schlafen würden. Durch den provisorischen Vorhang hindurch fiel rotes Licht, die Sonne ging auf. Sie würden bald aufbrechen müssen.
Im schlimmsten Fall würde er ihn und Hidan wecken müssen, was zur Folge haben würde, dass sie ihn noch mehr nerven würden.
„Hast du vor mich noch länger zu beobachten?“ Shouta hatte ein Auge geöffnet und er grinste.
„Halt deine Klappe.“
Shouta rappelte sich auf. Seine Haare waren durcheinander, unter seinen Augen zeichneten sich tiefe Ringe ab. „Ich sag, wie's ist.“ Er sah Kakuzu nicht an, sondern kämmte sich die Haare mit den Fingern durch und richtete sich das Haargummi, das sich gelöst hatte. „Oder willst du bestreiten, dass du mich angestarrt hast?“
„Ich habe zu dir gesehen“, sagte Kakuzu. Er merkte zu spät, dass er sich verteidigte. Der Junge würde das garantiert als Aufforderung aufnehmen.
Kakuzu widerstand dem Drang, seine Augen zu verdrehen, sobald Shouta seinen Mund öffnete. „Du gibst es zu.“
Kakuzu schwieg.
„Gefalle ich dir?“ Für einen Moment sahen sie sich in die Augen. Shoutas funkelten grün und mit einer Gewissheit, die ihn rasend machte.
„Du bist zu mickrig.“ Er hoffte, dass das die beste Antwort war, um Shouta zum Schweigen zu bringen.
War es natürlich nicht. „Du verletzt mich“, sagte Shouta und klang nicht danach. Dieser verdammter Dieb!
Kakuzu sah ihn einfach nur an. Shouta erwiderte den Blick. Kakuzu war es gewohnt, dass Leute seinen Blicken auswichen und die Leute, die es nicht taten waren Nukenins und keine kleinen Diebe. Kakuzu wusste nicht, ob er das mutig oder ausgesprochen dumm finden sollte.
„Du willst nicht, dass ich dich wirklich verletzte“, grollte Kakuzu.
Shouta lächelte müde. „Eine Drohung, die du nicht erfüllen kannst, ist keine sonderlich gute.“
„Keine Sorge, du würdest noch laufen können. Nur nicht mehr sprechen.“
„Wie spannend.“ Shouta wandte sich ab und schälte sich aus seinem Schlafsack, den er zusammenrollte. „Was du für Vorstellungen hast.“
„Hoffentlich die richtigen, damit du endlich still bist.“
Er wusste, dass Shouta im Begriff war, etwas zu erwidern, aber sie wurden von Hidan unterbrochen. „Was redet ihr da für einen Mist?“
Kakuzu seufzte schwer. „Nichts. Macht euch fertig, beide. Wir müssen weiter.“
Er erwartete Widerstand, doch es kam keiner. Hidan war vermutlich zu müde, um zu protestieren und der Dieb wusste, was gut für ihn war.

Im Tal wuchsen Nadelbäume, die sich je tiefer sie kamen, zu einem Wald verdichteten. Hier war es still. Schnee und Bäumen schluckten jegliche Geräusche, sogar ihre Schritte waren kaum zu hören.
Dennoch hatte der Dieb recht gehabt. Hier war es es angenehmer. Der Schneefall hatte wieder eingesetzt, doch die Bäume schützen davor und vor dem Wind.
Shouta blieb heute näher bei ihnen, was zur Folge hatte, dass Kakuzu nun wusste, dass es ein Fichtenwald war und dass man diesem Reich Fichtensprösslinge zu einem Getränk verarbeitete, weil es vitaminreich war. Er hatte das nie erfahren wollen und nun wusste er es. Und das, weil Shouta nicht in der Lage war, länger als zehn Minuten den Mund zu halten.
„Sie machen auch Öl aus den Nadeln, aber es ist teuer, weil es schwer herzustellen ist“, erzählte er nun. „Man braucht etwa eine halbe Tonne für-“
„Sei still“, knurrte Kakuzu, „und falls du das nicht kannst, erzähl' wenigstens etwas Interessantes.“
Shouta lachte. Er lief rückwärts und Kakuzu hatte die vergebliche Hoffnung, dass er über eine Wurzel stolperte und fiel. „Was willst du denn hören?“
„Nützliche Informationen“, antwortete Kakuzu, weil er wusste, dass Shouta nie schweigen würde, „über die Regierung, das Militär.“ Nicht über Bäume und Öl, das aus deren Nadeln hergestellt wird.
„Wir haben einen König und seinen Rat“, sagte Shouta, der sich auf einem Fuß herumdrehte, um geradeaus zu gehen. „Das wurde vor hundertfünfzig Jahren beschlossen. Für dieses Land ist das keine lange Zeit.“
Für die Ninjareiche war es das, dachte Kakuzu. Vor hundertfünfzig Jahren hatte es keinen großen Dörfer gegeben. Viele Ninjas waren Nomaden gewesen und er selbst nicht einmal geboren. Kakuzu wechselte einen Blick mit Hidan, der überrascht die Stirn runzelte.
„Orora no Kuni ist alt“, sagte Shouta als hätte er ihre Gedanken erraten, „und man ließ die Geschichte niederschreiben.“
„Aha.“ Kakuzu brauchte mehr Informationen als eine oberflächliche Geschichtsstunde, wenn er denn reden wollte.
„Früher gab es Jarls, jetzt verwalten sie nur noch ihre Grafschaften vergleichbar mit euren Feudalherren.“ Shouta warf einen Blick nach hinten. „Sie dienen oft als Spione für den König. Keine guten, will ich meinen, aber Spione bleiben Spione.“
Eine Zeit lang war es still. Kakuzu vermutete, dass Shouta vergeblich auf eine Reaktion wartete.
„Es gibt eine Armee, Soldaten. Und die besten von ihnen schlägt man zum Ritter.“
„Ritter?“, fragte Hidan nach. Kakuzu runzelte unter der Maske seine Stirn.
„Hm“, machte Shouta, „wie eure Jonins, vielleicht ein wenig besser. Und sie haben Vorzüge durch ihren Rang. Land, Geld, man drückt mal ein Auge bei ihnen zu, sie werden auf wichtige Feiern eingeladen und-“
„Informationen, Junge. Kein Klatsch“, unterbrach Kakuzu ihn.
„Das waren Informationen“, sagte Shouta trotzig.
Kakuzu zwang sich dazu, nicht die Augen zu verdrehen.
„Du kannst mir auch genauere Fragen stellen, wenn du eine bestimmte Antwort willst“, sagte Shouta bevor Kakuzu irgendetwas sagen konnte. Er gab Kakuzu keine Möglichkeit etwas zu fragen, sondern redete weiter: „Es gibt natürlich noch andere Ränge, die für Befehlshierarchien wichtig sind, die sagen nichts über ihre Kampfleistung aus.“
„Beherrschen sie Ninja-Techniken?“, fragte Kakuzu in der Zeit, in der Shouta endlich Luft holte.
„Nicht alle“, antwortete Shouta, „es ist ein Privileg zu lernen, wie man Jutsus anwendet oder sein Chakra über ein paar Grundsätze hinaus kontrolliert. Es gibt private Akademien und Lehrer, meistens unterrichten Ritter Kinder von anderen Rittern oder ihren Freunden. Ansonsten lernt man eine Waffe zu benutzen und Befehle zu befolgen.“
„Du hast in Kiri gelernt dein Chakra zu kontrollieren?“
Shouta konnte auf dem Schnee gehen, sogar besser als Kakuzu und Hidan. Irgendwo musste er es gelernt haben. Hidan schaute überrascht zu Kakuzu, doch Kakuzu wies ihn mit einem Kopfschütteln zum Schweigen an. Er wollte eine Antwort von dem Dieb.
„Ich kann dir doch nicht alles über mich erzählen.“ Shouta warf einen Blick zurück und grinste dabei.
Kakuzu wusste, dass es keinen Sinn hatte, zu diskutieren. Shouta war zu weit weg für einen schnellen Schlag in sein Gesicht und er wollte sich nicht die Mühe machen, ihn hinterherzujagen. Sollte er ihn nicht sofort erwischen, würde Shouta im Wald verschwinden und es würde mehr Stress machen. Er würde sich das merken und ihn bei Zeiten dazu befragen.
Dennoch schien Shouta zu merken, dass er sich zu viel heraus nahm. Er schwieg.
„Wie stark sind diese Ritter?“, fragte Hidan in die Stille heran, Spannung und eine seltsame Vorfreude in der Stimme.
„Für die Menschen hier“, sagte Shouta, „ja. Stark genug um Angst zu machen. Für euch wird es anders aussehen, glaube ich.“
„Glaubst du?“
Shouta zuckte mit den Schultern. „Ich habe euch nie kämpfen gesehen, ich weiß nur, dass in euren Reichen ihr Angst verbreitet.“
„Also werde ich es herausfinden müssen. Ich könnte eine Herausforderung gebrauchen.“
Kakuzu war froh, dass beide ein Thema zum Unterhalten gefunden hatten. Es war einfacher die anderen Männer zu ignorieren, wenn sie sich untereinander beschäftigten. Dass er seine Ruhe bekommen würde, hatte Kakuzu sowieso aufgegeben.
„Spätestens, wenn ich den Stein stehle, wirst du sie bekommen“, hörte er Shouta erzählen. „Er soll von den stärksten Kriegern des Reiches bewacht werden.“
„Erst dann?“
„Ich will vermeiden, dass man auf uns aufmerksam wird. Das würde alles verzögern.“ Kakuzu konnte nicht glauben, dass Shouta etwas Sinnvolles gesagt hatte. Sie konnten kämpfen, das war nicht das Problem. Würden sie verfolgt werden, wären sie länger unterwegs. Und auch sie konnten nicht eine blutige Schneise durch ein gesamtes Reich schlagen.
„Ich muss vorher kämpfen“, brauste Hidan auf.
Shouta warf einen verwirrten Blick zurück. „Wir treffen sicher Soldaten.“
„Das hoffe ich“, sagte Hidan.
Kakuzu wandte sich vom Gespräch ab und dem Wald zu. Was interessierte ihn dieses nervige Geplapper?

Sie kamen an diesem Tag und die beiden folgenden Tage schnell voran und konnten in den Nächte sogar in Hütten schlafen. An diesem Tag konnten sie von einer Erhöhung aus ein kleines Dorf sehen, falls man es als Dorf bezeichnen konnte. Es waren ein paar Häuser, samt Ställen und einer nicht befestigten Straße, die sich durch sie hindurch wand.
„Da gibt es kein Gasthaus, oder?“, fragte Hidan skeptisch nach, die Arme vor der Brust verschränkt.
„Nein“, antwortete Shouta und machte sich an den Abstieg, „Menschen, die Schulden bei mir haben. Das ist noch besser.“ Er warf ein Grinsen über seine Schulter.
Kakuzu folgte ihm. Er hasste es, aber mittlerweile war er daran gewöhnt, dass Shouta davon ausging, dass sie ihm folgten und sich nicht die Mühe machte, zu warten.
„Die Dörfer in den Bergen haben keine Namen“, erzählte Shouta, ohne dass man ihn fragte, „ich nenne es das Dorf am See, weil hinter den Felsen dort ein See liegt. So nahe liegt sonst kein Bergdorf an einem See.“
Er bekam keine Antwort.
„Es gibt nur wenige Dörfer in den Bergen, ist auch ziemlich kacke hier. Manche wollen das so. In diesem Gebirge sind es vier, soweit ich weiß. Wir gehen aber nur noch in eines von ihnen. Das am Wald, weil-“
„Weil es an einem Wald liegt“, unterbrach Kakuzu Shouta unwirsch.
„Nein“, sagte Shouta, „weil es auf dem Weg liegt, aber ich gebe dir Pluspunkte dafür, dass du das Prinzip verstanden hast.“ Er lief wieder rückwärts und wie im Wald tat er ihm nicht Gefallen, zu stolpern und zu stürzen. Wie schade.
„Pass auf, was du sagst.“
„Sonst?“
„Das habe ich dir bereits erklärt.“
Es war Hidan, der sie unterbrach: „Was soll das werden?“ Er lachte.
Shouta leckte sich über die Lippen und drehte sich um, ohne etwas zu erwidern.
„Du hast auch still zu sein“, knurrte Kakuzu Hidan an.

Sie erreichten das Dorf und wurden von misstrauischen Bauern begrüßt. Man hatte sie vom Weiten gesehen und kaum war der erste von ihnen draußen, folgten weitere. Ausschließlich Männer, die Mistgabeln und Hacken in den Händen hielten als könnten sie ihnen damit gefährlich werden.
„Ich wurde schon freundlicher von euch begrüßt“, sagte Shouta sobald sie in Hörweite haben.
Einer der Männer trat hervor. „Tori.“ Er klang genau so begeistert vom Dieb wie es Kakuzu war.
„Fuwa.“ Shouta schob die Hacke, die der Mann ihm entgegen hielt, lässig zur Seite. „Wir brauchen eine Unterkunft, eine Nacht, vielleicht zwei. Je nach Wetter.“
Fuwa ließ die Hacke nach oben schnellen, direkt unter Shoutas Kinn. Kakuzu beschloss nicht einzugreifen, er wollte sehen, wie Shouta das regelte. Der Dieb schlug die Hacke dieses Mal weg. „Du vergisst, dass du Schulden bei uns hast. Die Gilde vergisst nicht.“
Die Hacke landete vor Shoutas Füßen. „Schattenkriecher“, knurrte Fuwa, „das ist das letzte Mal, dass ich einen von euch hier übernachten lasse. Und wer sind die überhaupt?“ Er machte eine unwirsche Kopfbewegung Richtung Kakuzu und Hidan.
„Freunde“, antwortete Shouta. Er ging an den Männern vorbei, „ich nehme an das Knechtzimmer ist immer noch frei.“
Kakuzu und Hidan folgte ihm. Keiner der Männer hob eine ihrer Waffen oder sah sie auch nur an, während Shouta in eines der mickrigen Häuser trat.
Es roch nach Tier und Dreck, aber es war warm. Vom großen Innenraum, in dem sich die Küche und ein Tisch samt Stühle befand, führten drei Türen weg. Shouta führte sie durch die linke. Dieser Raum war kälter und deutlich kleiner. Links und rechts stand je ein Hochbett und eine Trennwand aus Holz verdeckte den Blick auf den restlichen Raum. Bettwäsche lag auf keinem der Betten.
Shouta schmiss seinen Rucksack auf das obere, rechte. „Die Einwohner hier haben seit Langem keine Knechte oder Mägde mehr, das können sie sich nicht leisten. Hier wächst ja auch nichts.“
„Können sie nicht Fichtennadeln zu Öl verarbeiten?“, fragte Hidan belustigt nach. Er ließ sich auf das linke Bett sinken.
„Haben sie früher gemacht, aber kauft keiner mehr. Ist zu teuer, lohnt sich nicht.“ Anstatt sich auch auf das Bett zu werfen, lief Shouta um die Trennwand herum und kam mit Holzscheiten in den Armen wieder. Er stopfte sie in den kleinen Ofen.
„Aha“, sagte Hidan. „Die mögen dich nicht sonderlich.“
Shouta schob Anzünder zwischen die Scheite und entzündete ein Feuer. „Kann man sagen und euch mögen sie auch nicht, sie mögen generell keine Fremden. Wahrscheinlich werden sie auch versuchen zu lauschen.“
„Wäre mir nie aufgefallen“, sagte Hidan trocken. Er legte sich auf den Rücken, die Arme unterm Kopf verschränkt.
Shouta verließ den Raum. Weder Hidan, noch Kakuzu, der sich auf dem übrig gebliebenen unterem Bett nieder ließ, schauten ihm nach. Kakuzu war müde. Die Matratze war nicht mehr als ein Brett über dem eine Decke lag, doch sie kam ihm dennoch sehr bequem vor. Vielleicht würde er schlafen. Die nächsten Tage der Reise würden nicht weniger anstrengend werden, Vorschlafen war keine schlechte Idee, fand Kakuzu. Außerdem würde er endlich mal seine Ruhe haben.
Dieses Mal kam Shouta mit einem Kessel voller Wasser wieder, den er auf den Ofen hievte. „Zum Waschen“, erklärte er. „Nachher werden wir unsere Vorräte auffüllen können, Fuwa wird nichts sagen, wenn ihr-“, Shouta stoppte abrupt, „habt ihr das gehört?“

Kakuzu hatte es gehört.
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