rayo de esperanza

OneshotRomanze, Schmerz/Trost / P12
16.03.2018
16.03.2018
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rayo de esperanza


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Raava war sich sicher, dass sie nicht die Einzige sein konnte, die seit so langer Zeit auf dieser Erde umher wandelte, irrend, suchend und langsam aufgebend.

Es erschien ihr, als wenn sie ständig um ihre eigene Achse wirbeln würde, als wenn sie alles schon einmal gesehen hätte, es wirkte auf sie wie ein Deja-vü, genauso trügerisch, doch weniger tröstend. Ihre arktischblauen Augen hatten ihren Glanz verloren und konnten sich nicht mehr auf das konzentrieren, was wichtig war.

Wieso auch?

Sie sah ständig mit an, wie Menschen sich fanden, nein, Gegenstücke eines Ganzen wurden, welche einander anstrahlten und sich liebten und glücklich und alt wurden. Das war nicht fair. Sie wandelte seit Jahrtausenden auf diesem Planeten mit Wasser und Feuer und Erde und Luft und sie fand ihn einfach nicht. Ihr perfektes Gegenstück, der sie glücklich werden ließ, der sie altern ließ, der sie auch irgendwann einfach  sterben ließ.
     
Gott, sie war so müde und es zerrte an ihr und sie wollte einfach nicht mehr, warum konnte nicht irgendwer Erbarmen mit ihr haben, warum, warum,  warum–

Sie wollte es in die Welt hinaus schreien, ins Universum, warum hatte sie niemanden, warum war sie so allein, warum bestrafte man sie so sehr?

Sie wusste, dass sie Hoffnung bewahren sollte und sie machte sich Mut, dass mit jedem neuen Tag der anbrach, eine neue Chance war ihre Person zu treffen. Jeder neue Silberstreifen am Himmelsfirmament war ein neuer Hoffnungsschimmer für sie, doch warum?

Sie wollte nicht mehr, denn sie war müde, warum konnte das niemand verstehen?

Sie schrie in ihrem Inneren und schrie und schrie und schrie

Bis sie angerempelt wurde. Das brachte sie aus ihrem Gleichgewicht und als sie wieder aufsah, sah sie in warme Augen mit der Farbe von Lebkuchen, tröstend und sie spürte den Sog zu ihm, die Spannung zwischen ihnen beiden und er spürte es auch, denn er starrte sie genauso überrascht an, wie sie ihn.

Dann legte sich ein jugendhaftes Lächeln auf seinem Gesicht, wo er Wärme war, wirkte sie wie die Kälte und er war so gegensätzlich und er war so…

»Du bist so… warm und einladend«, murmelte sie und strich ihm vorsichtig über die Wange und er lehnte sich in ihre Handfläche und es passte, als wenn es nichts gab, was sich besser ergänzte, gerade weil sie Gegenstücke waren und–

»Und du bist eiskalt«, tatsächlich war sie ausgekühlt und fror, doch das war nichts neues, sie war immer so, doch wenn er hier war, dann… war es anders.

»Ich sollte dir wohl etwas Wärme schenken«, hauchte er und verteilte Schmetterlingsküsse auf ihrem Gesicht und sie fragte sich, woher er wusste, was sie wollte und was sie brauchte und warum fühlte sie sich so geliebt und weshalb–

Er küsste ihre Tränen weg und endlich, endlich erschien die Sonne in ihrem Herzen.

Er war ganz anders, als sie ihn sich vorgestellt hatte… er war  besser.

Er machte sie komplett und so, so glücklich, dass sie all’ diese Jahrtausende in einem Augenblick vergaß.


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Sie erinnerte sich nicht mehr an ihre Vergangenheit, nur noch an ihr neues Leben, nachdem sie Wan traf.
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