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Neues Glück auf Immenhof

von Mimi1984
GeschichteFamilie / P12 / Gen
16.03.2018
05.05.2021
41
87.945
7
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Dieses Kapitel
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16.03.2018 2.157
 
Disclaimer:

Die Originalcharaktere gehören Ursula Bruns (Drehbuchautorin von „Die Mädels vom Immenhof“ und „Hochzeit auf Immenhof“), sowie Hermann Leitner und Per Schwenzen (Drehbuchautor „Ferien auf Immenhof“), sowie Wolfgang Schleif und Johannes Weiß (eigentlich: Kurt Nachmann) (Drehbuchautoren von „Die Zwillinge vom Immenhof“ und „Frühling auf Immenhof“).

Ich borge mir die Figuren nur aus und verdiene kein Geld damit.

Frühlingsmorgen

„Was für ein herrlicher Frühlingstag.“, meinte Dalli, gähnte und streckte sich, wobei ihre weiße Bluse nach oben gezogen wurde und den Blick auf eine deutliche Wölbung freigab. „Am liebsten würde ich ins Gelände reiten gehen.“
„Du weißt genau, dass du das nicht darfst. Denk an unser Baby.“, antwortete Alexander, der gegenüber auf der Veranda saß. „Darf ich dir den Tee einschenken?“
„Ja, gerne. Das Brötchen kann ich mir selbst streichen. Ich bin zwar schwanger, aber nicht krank.“
„Ich mache mir eben Sorgen um dich. Wer kann es mir verdenken.“
Dalli zog ihre Bluse wieder nach unten, wartete, bis Alexander den Tee eingeschenkt hatte, nahm dann die Tasse in die Hand und nippte kurz an dem lauwarmen Getränk, das so gar nicht zu dieser Jahreszeit, es war Ende April, passte. Eigentlich trank Dalli lieber Kaffee, doch in ihrem Zustand war das strikt verboten. So musste sie sich mit Tee und Mineralwasser zufrieden geben.
„Wenn du willst, kannst du ja einen Spaziergang machen.“, bot Alexander an, der mit dem Löffel in der Kaffeetasse rührte. „Oder mir bei der Büroarbeit helfen. Da gibt es immer etwas zu tun.“
„Nun ja…“, Dalli verzog das Gesicht.
„Ist alles in Ordnung mit dir? Soll ich Mamá Bescheid geben?“
„Alles in Ordnung.“, Dalli stellte die Teetasse wieder auf den Tisch zurück, griff nun zu einem der Brötchen und biss heißhungrig hinein. „Alleine Spazierengehen ist langweilig. Ich warte lieber auf dich. Wann bist du mit der Büroarbeit fertig?“
„Das weiß ich nicht genau. Es sind noch einige wichtige Briefe zu beantworten.“
Dalli streckte sich wieder und legte dann eine Hand auf ihren Bauch:„Na so etwas. Gerade hat sich das Baby bewegt.“
„Bist du dir da sicher? Es könnte ja auch etwas anderes gewesen sein.“
„Das Baby hat mich leicht getreten. Komm, leg deine Hand drauf, dann wirst du es auch merken.“
„Ich fühle irgendwie nichts.“
„Das wird schon. Wir haben ja noch einige Monate Zeit, bis das Baby geboren wird.“

Dalli atmete tief durch, blickte sich um. Wie schön war es doch auf dem Immenhof. Beinahe so wie in ihrer Kindheit, obwohl es sich nicht mehr um das originale Gebäude handelte, welches vor einigen Jahren abgebrannt war. Wie Alexander es geschafft hatte, das Haus und die Ställe wieder zu beleben, wusste Dalli natürlich, weil er ihr an den langen Winterabenden immer wieder etwas davon erzählte hatte. Die Großpferde und die Ponys standen auf den Weiden, nach Geschlechtern getrennt. Irgendwo wieherte ein Hengst oder war es eine Stute? So genau konnte Dalli das auf die Entfernung nicht hören.

„Ich gehe nachher hinüber zu den Weiden, um die Tiere zumindest zu streicheln.“
„Das ist eine gute Idee. Dabei kann dir nichts passieren. Möchtest du noch ein Brötchen haben?“
„Danke, nein. Ich bin satt. Zumindest für diesen Moment.“
Dalli tupfte sich die Lippen mit einer Serviette ab.
„Gibt es etwas Neues im Dorf? Ich komme nur noch selten hinüber.“
„Oh, das weiß ich nicht. Da musst du Mamá oder Doktor Tidemann fragen, wenn er das nächste Mal zu Besuch ist.“
„Ich störe euch nur ungern, aber das Telephon hat geklingt. Es ist für dich, Alexander.“, meinte seine Mutter, genannt „die Zarin“, die gerade auf ihren Stock gestützt, heranhumpelte. „Geh nur hinein. Ich bleibe solange bei Dalli.“
„Es ist gut, Mamá.“

Dalli sah Alexander nach, wie er im Haupthaus verschwand, seufzte leise.
„Ich hätte so gerne noch ein wenig mit ihm geplaudert.“
„Das kannst du auch am Nachmittag oder am Abend tun.“, sagte die Zarin, die nun den freien Sessel in Beschlag nahm und ihren Stock an die Brüstung der Veranda lehnte.
„Da haben wir ja kaum eine ruhige Minute für uns alleine. Entweder fordern die Ponys und Pferde ihr Recht ein oder Bobby und Billy wollen etwas von uns.“
„Wie wahr. Die Zwillinge sind schon richtig groß geworden und helfen auch tüchtig im Haushalt mit.“
„Von mir haben sie das nicht.“, schmunzelte Dalli, legte die Hände in den Schoß. „Ich habe als Kind im Haushalt kaum einen Finger gerührt. Meine Oma wollte das nicht.“
„Eine feine Dame der Gesellschaft soll nur Konversation führen, Klavierspielen und sticken können.“

Eine Weile plauderten Dalli und ihre Schwiegermutter entspannt über das Wetter und den neuesten Klatsch aus dem Dorf. Die Zarin kam zwar nur wenig unter die Leute, hatte jedoch ihren Vertrauten, den Tierarzt Dr. Tidemann, der viel unterwegs war und daher stets etwas Neues erfuhr. Alexander hielt sich noch immer im Büro auf. Offenbar würde es ein längeres Telephongespräch werden.
„Ich möchte gerne etwas tun, anstatt nur herumzusitzen.“, ergriff Dalli wieder das Wort.
„Es wird dir in den nächsten Wochen nichts anderes übrig bleiben. Die Gesundheit deines Babys ist wichtig, sehr wichtig. Ich habe mich damals, als ich Alexander erwartet habe, auch geschont.“
Dalli biss sich auf die Zunge und dachte: „Geschont? Wovon denn? Du hast doch in deinem ganzen Leben noch nie hart gearbeitet, sei es im Stall oder im Haushalt oder wo auch immer.“
Dalli lächelte, um zu verbergen, dass sie eigentlich an etwas anderes dachte.
„Habt ihr schon einen Namen?“, wollte die Zarin wissen.
„Alexander und ich überlegen hin und her. Wir wissen ja noch nicht mal, was es wird.“, Dalli schob den Teller beiseite, zerknüllte die Serviette. „Am liebsten hätte ich einen Jungen, der genauso aussieht wie Alexander.“
„Er hätte vermutlich lieber ein Mädchen, welches dein Ebenbild ist.“, schmunzelte die Zarin und ergänzte:„Das wäre etwas, wenn es Zwillinge werden würden.“
„Nur nicht.“, Dalli rief es entsetzt aus. „Die schon vorhandenen reichen mir. Mit einem zweiten Zwillingspaar wäre ich vermutlich überfordert. Jedenfalls hat die Ärztin bei der vorigen Untersuchung nur einen Herzschlag hören können.“
„Dann kann ich nur abwarten und Tee trinken. Was bleibt mir auch anderes übrig.“
„Nicht, dass Bobby und Billy eifersüchtig werden, wenn das neue Baby erst da ist.“
„Mach dir keine Sorgen. Die Zwillinge sind inzwischen alt und verständig genug, um keine Eifersucht zu zeigen.“, versicherte die Zarin in einem ruhigen Tonfall, wie es ihr Art war.
„Was Bobby und Billy wohl in diesem Augenblick machen?“, Dalli sah auf die Uhr.
„Vermutlich werden sie ihrem Lehrer einen Streich nach dem anderen spielen, anstatt achtzugeben, was er lehrt.“, seufzte die Zarin. „Ich werde es nie verstehen.“
Dalli erkannte, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt war, um von ihren Schulstreichen zu erzählen. Sie wechselte daher das Thema und kam auf die Babyausstattung zu sprechen.
„Es ist praktisch, dass man heutzutage vieles einkaufen kann, anstatt es selbst zu stricken. Wenn ich nur wüsste, wie groß und wie schwer das Baby sein wird.“
„Alexander ist damals zwar groß, aber leicht gewesen. Vielleicht kommt dieses Baby nach ihm. Ich kann es mir gut vorstellen. Die Zwillinge hingegen sind klein und kräftig gewesen. Das haben sie wohl von ihrer richtigen Mutter geerbt.“
„Was ist mit Alexanders erster Frau passiert?“, wollte Dalli neugierig wissen. „Sie soll ja sehr jung gestorben sein, das habe ich aus dem Dorfklatsch gehört.“
„Ein Körnchen Wahrheit ist schon dabei.“, antwortete die Zarin, deren Hände ruhig im Schoß ruhten. „Magdalene hat nicht einmal das 19. Lebensjahr erreicht.“
„Hat sie ihr Leben im Kindbett verloren?“, Dalli bekam plötzlich Angst.
„Nein, das hat damit nichts zu tun. Ich bin damals, wie Bobby und Billy geboren worden sind, nicht dabei gewesen und habe alles aus zweiter Hand erfahren.“
Dalli fragte ihre Schwiegermutter höflich, ob diese einen Tee oder lieber einen Kaffee wollte. Jene lehnte jedoch ab, zuviel Kaffee sei schlecht für den Blutdruck und der Tee schmecke sauer, weil Stine ihn zu lange ziehen habe lassen.

Dalli schluckte eine Erwiderung herunter, die ihr auf der Zunge lag. Die Zarin ließ nie ein gutes Haar an Stine, egal, wie sehr sich das Hausmädchen - oder wie auch immer Stines Berufsbezeichnung lautete - bemühte. Gerade kam das kräftige Bauernmädchen aus dem Haupthaus, mit einem vollen Wäschekorb in der Hand, ging hinüber, um die Wäsche aufzuhängen, darunter einige Reithosen, die auf dem Stapel ganz oben lagen.
„Ole ist fleißig. Gerade mähte er den Rasen hinter dem Haus. Aber Stine. Was soll ich nur mit ihr machen? Gutes Personal ist leider heutzutage so schwer zu bekommen.“
Dalli brachte die Option nach einer Tagelöhnerin auf das Tapet, aber die Zarin schüttelte den graumelierten Kopf.
„Das ist keine gute Idee, weil ich das alles schon einmal erlebt und schlechte Erfahrungen damit gemacht habe. Stine und Ole sind lange genug bei mir, so dass ich mich auf sie verlassen kann. Soviel Arbeit gibt es hier ja nicht.“
„Wenn dann erst die neugeborenen Fohlen da sind, wird die Arbeit nicht abreißen.“, ergänzte Dalli, wies mit einer Hand hinüber zu der Weide, auf welcher die Mutterstuten standen und gemächlich das Gras rupften.
„Wir geben die Fohlen weg, sobald sie entwöhnt werden. Du hast das doch früher genauso gemacht, oder?“
„Also nicht ich, sondern meine Oma Jantzen und mein Schwager Jochen, weil ich damals noch minderjährig gewesen bin. Für über 100 Ponys hätten wir zwar Platz gehabt, doch wir haben jeden Pfenning gebraucht, vor allem für das Ponyhotel.“
„Das ist nicht gut ausgegangen. Alexander hat mir davon erzählt.“
„Nun ja, es hat einige Jahre gehalten, aber irgendwann sind die Kunden ausgeblieben. Ich weiß bis heute nicht genau, warum. Einige Zeitlang haben wir uns noch mit dem Verkaufen der Ponys über Wasser gehalten, aber dann …“
Dalli schwieg. Sie wollte es ihrer Schwiegermutter nicht erzählen, was damals geschehen war.
„Es bringt nichts, über vergossene Milch zu weinen. Lass uns lieber in die Zukunft blicken.“
„Ach, da ist ja Alexander schon wieder. Das Gespräch hat aber lange gedauert.“
Dalli spürte, wie ihr Gatte sich zu ihr hinunterbeugte und ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange gab. Der Kuss fühlte sich warm und weich an: „Ich habe dich vermisst.“
„Ich bin gerade einmal 20 Minuten weggewesen. Eigentlich hätte ich das Gespräch gerne früher beendet, doch mein Gesprächspartner hat nicht zum Reden aufgehört.“
Die Zarin hob eine Hand, winkte nach Stine, die sogleich herbeigelaufen kam.
„Lasst das Geschirr stehen, das ist Stines Aufgabe.“

Dalli wechselte einen Blick mit Alexander.
„Komm wir gehen eine Runde spazieren. Die Büroarbeit läuft mir nicht davon.“
„Vielleicht solltet ihr euch noch eine Jacke mitnehmen. Der Wind kommt von Osten.“
Dalli erhob sich, nickte ihrer Schwiegermutter freundlich zu und nahm dann Alexanders Hand. Im Weggehen beobachtete Dalli aus dem Augenwinkel, wie eine Tasse zu Bruch ging und Stine sich danach bückte, um diese wieder aufzuheben.
„Wieviele Tassen Stine wohl schon im Laufe der Zeit zerschlagen hat?“
„Das möchtest du nicht wissen.“, Alexander lachte. „Wo willst du hingehen?“
„Zum See hinunter, weil es um diese Jahreszeit noch ruhig ist. Oder hast du einen anderen Vorschlag?“

Seite an Seite gingen Dalli und Alexander zum See hinunter. Ein frisches Lüftchen wehte. Dalli war es nur recht. Sie zog das kühle Wetter dem warmen deutlich vor.
„Was machst du da? Du kannst doch nicht einfach deine Schuhe ausziehen?“
Dalli warf die Schuhe und die Strümpfe achtlos ins Gras, krempelte die Hosenbeine nach oben und ging langsam ins Wasser.
„Kneippen ist gesund, das hat Oma Jantzen immer gesagt.“, lachte Dalli, während sie auf und ab wie ein Storch stolzierte.
„Sie hat es wohl auch selbst eingehalten.“, meinte Alexander skeptisch.
„Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Meine Schwestern und ich habe jeden Tag Sport gemacht, Turnübungen auf der Wiese, Schwimmsport und Reitsport.“
„Ach deshalb bist du so abgehärtet. Ich habe das nie gewusst.“
„Warum schaust du seltsam, mal nach links, dann wieder nach rechts?“
„Wenn jemand kommt …“
„Was gehen mich die Leute an?“, Dalli bückte sich, nahm einen Stein hoch, betrachtete ihn kurz und warf ihn dann wieder ins Wasser zurück, wobei dieser leichte Wellen schlug. „Die älteren Leute kennen mich gut genug, um zu wissen, dass ich keine Dummheiten mache und den jüngeren Leuten ist es egal.“
„Im nächsten Jahr wird unser Baby auch schon dabei sein und vielleicht sogar im Wasser schwimmen.“
„Das will ich doch hoffen.“, Dalli tauchte ihre Hände ins Wasser, rieb sich damit das Gesicht ab. „Ich kann es kaum abwarten, bis es dann soweit sein wird.“
„Sieh nur, da schwimmt eine Entenmutter mit ihren Küken.“
„Und von der rechten Seite nähert sich ein Schwan, der jedoch alleine ist.“
Die Ente quakte, als ob sie mit dem Schwan eine Unterhaltung führen wollte. Der Schwan schwamm vorbei, ohne auch nur mit einem Flügel zu zucken.

Dalli kam wieder aus dem Wasser, zog jedoch die Strümpfe und die Schuhe nicht gleich an, sondern setzte sich auf eine Bank, die am Seeufer stand.
„Willst du dir deine Füße nicht abtrocknen?“
„Das erledigt die Sonne für mich. Setz dich ruhig her. Ich rücke ein wenig. He, so habe ich das nicht gemeint.“
„So brauchen wir weniger Platz, wenn du auf meinem Schoß sitzt.“
„Bin ich dir nicht zu schwer? Besonders jetzt.“, Dalli hob eine Augenbraue.
 
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