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Chasing Hope

von Dreamer5
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Harriet Newt OC (Own Character) Sonya Teresa Agnes Thomas
16.03.2018
02.01.2021
55
104.540
16
Alle Kapitel
76 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
30.12.2020 2.242
 
Das Ende naht, ihr Lieben. Ich werde die nächsten 1-2 Tage noch einen Epilog hochladen, um die Geschichte zu beenden. Ich möchte aber die Gelegenheit jetzt schon nutzen und mich bedanken. Es hat mir viel Spaß gemacht diese Geschichte zu schreiben. Manchmal habe ich länger gebraucht, manchmal konnte ich nicht aufhören zu schreiben. Und ihr ward dabei. Danke für die lieben Kommentare, die Empfehlungen und Favoriten. Ich hoffe, dass ihr genauso viel Spaß in den beiden Jahren hattet wie ich.
Ich wünsche euch einen guten Rutsch ins Jahr 2021.
Vielen Dank und nun viel Spaß mit dem letzten "richtigen" Kapitel von Chasing Hope. Es war mir eine Freude.
Jess xx




Ich rang verzweifelt nach Luft, versuchte in meinen Kopf zu bekommen, was hier gerade passiert war. Newt sah mich selbst nur sprachlos an. Er schien auch noch leicht benommen zu sein. Ich wollte schreien, alles in mir war total durcheinander. Ich hatte nicht einmal Augen für das, was um mich herum war. Ich konnte meine Umgebung nicht betrachten. Meine Augen waren auf den blonden Jungen vor mir gerichtet. Ich stöhnte laut auf. Das war ein Desaster, eine Katastrophe und ich war schon wieder mittendrin.
„Du hast dich gegen mich gestellt! Ich hatte nur einen Wunsch, Newt.“ Tränen rannen meine Wange hinunter und ich wich Newts Hand aus, die nach mir greifen wollte. Ich wollte nicht, dass er mich berührte. Es hätte alles anders laufen sollen. Das war alles nicht geplant. Das war alles nicht gut. Es sollte nicht so laufen. Was tat ich hier? Newt schwieg mich weiter an und hielt diesmal tatsächlich Abstand zu mir. Langsam drehte ich meinen Kopf und sah auf das, was um mich herum war. Wenn ich nicht selbst hier stehen würde, würde ich denken, ich träumte. Um mich herum war eine grüne Oase. Überall leuchtete das satte Grün der Pflanzen, ein paar kleinere, einfache Hütten waren auf der lichten Stelle, wo wir standen, verteilt. Um Newt und mich herum standen die Menschen, die durch den Flat Trans gegangen waren. Sie sahen sich neugierig um, einige sahen aber auch überrascht zu mir und Newt. Sie hörten uns nur streiten, sie wussten ja nicht, was wirklich los war. Für sie war das wahrscheinlich absurd. Sie waren gerade aus einem Gebäude, das in sich zusammenfiel, gerettet worden und auf einmal standen da zwei Jugendlichen, die sich anschrien und voneinander wichen. Aber wer konnte es ihnen verübeln, sie hatten von dem Gespräch mit Ava Paige nichts mitbekommen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Konnte ich durch den Flat Trans wieder zurück? Ich sah mich um und die silberne Scheibe war noch hinter mir. Ich wollte auf sie zu gehen, es war meine Pflicht. Ich hatte hier nichts verloren. Das war kein Ort für mich. Ich durfte nicht hier sein, ich wollte nicht der Grund sein, dass andere starben, weder durch mich, wenn ich zum Crank werden würde, noch durch eine Infektion. Aber auf der anderen Seite war ich auch leicht neugierig auf den Ort um mich herum. Ich konnte mich an keinen Ort erinnern, der auch nur annähernd so idyllisch und schön war, wie dieser. Das hier war das Paradies auf Erden und der einzige Ort auf diesem verseuchten Planeten, an dem die Menschen in Ruhe leben konnte. Ich war so hin und hergerissen, dass ich nicht wusste, was ich tun sollte. Newt hatte mich in eine Lage gebracht, die ich selbst noch nicht ganz begriff.
Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, kam die nächste Person durch den Flat Trans. Es war Thomas, der sich suchend umsah und dann auf uns zueilte. „Newt, was ist in dich gefahren?“ Thomas sah zwischen Newt und mir hin und her. Seine Stimme klang aufgebracht und er schien leicht außer Atem zu sein. „Oder habt ihr das geplant?“ Ich schüttelte heftig den Kopf. „Nein, ich wusste von den Regeln. Es war mir alles klar, ich war mir bewusst, was ich zu tun habe.“ Ich sah rüber zu Newt, der dastand wie ein Häufchen Elend. „Ich konnte nicht. Ich konnte es einfach nicht.“ Seine Stimme war so schwach und sein Blick war so schmerzverzerrt. Mein Herz zog sich für einen Moment zusammen und ich versuchte die neuen Tränen zurückzuhalten. Langsam ging ich rüber zu Newt. Die Leute um uns herum sahen uns immer noch neugierig an.
„Newt, ich kann hier nicht bleiben. Es gibt keine Möglichkeit für mich hier. Ich werde nur Tod und Wut über euch bringen. Es gibt keine Möglichkeit mich hier zu heilen. Es ist vorbei. Es gibt kein Happy End für mich.“ Ich sah Newt traurig an, innerlich war ich immer noch sauer auf ihn, auch wenn sein Anblick mich innerlich zerriss. „Du hattest kein Recht diese Entscheidung für mich zu treffen.“ Newt sah mich jetzt mit ernstem Blick an. Als er mir antwortete, war seine Stimme nicht mehr ganz so schwach, aber immer noch so zittrig. „Das ist mir egal. Ich kann dich nicht verlieren. Ich habe dich gerade erst wiederbekommen. Das ist nicht fair.“ Wütend stemmte ich meine Hände in die Hüfte. „Das Leben ist nicht fair. Aber ich habe mich entschieden.“ „Und wenn es die falsche Entscheidung ist?“ „Zum Klonk, verdammter. Das ist mein Leben. Lass mich doch endlich in Ruhe!“ Ich war so wütend, dass ich Newt am liebsten den Hals umgedreht hätte. Alles in mir wollte sich auf ihn stürzen, ich konnte mich gerade noch so zurückhalten. „Newt.“ Thomas‘ Stimme holte mich kurz zurück in das Hier und Jetzt. „Sie ist infiziert. Sie kann hier so nicht bleiben. So gerne ich Felina bei uns haben will, wir müssen ihre Entscheidung respektieren und wir müssen an die anderen denken. Es gibt keinen anderen Weg.“ Newt sah seinen Freund verzweifelt an. „Du bist auch auf ihrer Seite? Ich dachte, sie bedeutet dir etwas?“ Thomas schluckte schwer. „Sie bedeutet mir sehr viel, Newt. Aber ich habe genug Respekt vor ihr und der Situation, um ihre Entscheidung zu akzeptieren.“ Newt schüttelte schwach den Kopf. Er sah auf einmal so ausgelaugt an und schien sich nur gerade so auf den Beinen halten zu können. „Dann gehe ich mit zurück.“ „Nein!“ Ich schrie Newt an. „Du gibst hier nichts auf. Hast du mich verstanden. Du bleibst bei deinen Freunden.“ Ich wich von Newt zurück und rückte immer näher zum Flat Trans. Newts Augen weiteten sich und er keuchte erschrocken auf. „Das kannst du nicht tun.“ Ich schluckte schwer, mein Kopf schwirrte. Ich kam kaum noch hinterher. Irgendwie schien hier alles zu eskalieren.

„Newt, ich kann nicht hier bleiben. Sieh dir diese Menschen an und sag mir, dass sie dir vollkommen egal sind.“ Newt schwieg, ich wusste, dass er diese Frage nicht beantworten konnte. Er war niemand, der die anderen fallen ließ. Er war ein Anführer, dickköpfig und manchmal anstrengend, aber immer für die anderen da. „Verzeih mir. Aber ich muss es tun. Ich liebe dich, vergiss das nie.“ Ich sah Thomas flehend an. „Bitte, halte ihn zurück.“ Thomas schien für einen Moment perplex. Newt verstand was ich wollte und schrie. Seine Beine setzten sich in Bewegung, aber Thomas griff bereits reflexartig nach ihm. Ich war einen Schritt nach hinten gegangen und fiel rücklings durch den Flat Trans. Ich spürte noch Newts Hand nach mir greifen, dann war ich auch schon weg. Er hatte mich nicht mehr zu fassen bekommen. Mit einem leisen Rumms fiel ich auf den Rücken. Unter mir waren kleine Steine, die sich in mein Fleisch bohrten und mich aufkeuchen ließen. „Felina?“ Die Kanzlerin lief auf mich zu und half mir schnell hoch. Auf wackeligen Beinen nahm ich Ava Paiges Hand. „Wir müssen das Portal schließen. Sofort.“ Ava Paige nickte verstehend und lief auf eine Schaltfläche an der Wand zu. Keine zwei Sekunden später war die silberne Scheibe verschwunden. Es war schien, als wäre nie etwas passiert. Nur die immer noch herabfallenden Steinblöcke und die Schüsse und Schreie aus der Ferne waren noch zu hören. Jetzt, wo hier keine Leute mehr standen, hörte man viel mehr, was um uns herum passierte. Keuchend legte ich meine Hände auf meinen Knien ab. Ich hatte ihn verlassen. Ich hatte ihn gehen lassen. Ich wollte mich wie ein Ball zusammenrollen und nur noch weinen. Ich war am Ende meiner Kräfte.

„Du bist zurückgekommen.“ Die Kanzlerin nahm meine Hand und nickte mir stolz zu. „Du hast wahrscheinlich alle gerettet.“ Ich sah sie traurig an. „Solange ich Newt retten konnte, bin ich zufrieden.“ Tränen liefen meine Wange herunter. Ich bereute es nicht, aber es schmerzte so sehr. Ich fühlte mich so leer und so überladen gleichzeitig an. Auf der einen Seite schien ich in mir zusammen zu fallen, auf der anderen Seite platzte ich an der Fülle der Gefühle. Ich konnte nicht beschreiben, wie ich mich fühlte. Ava Paige legte ihre Hand auf meine Wange. „Felina, sieh mich an. Atme mit mir. Du hast eine Panikattacke.“ Sie strich mir sanft über das verdreckte Gesicht und zeigte mir, in welchem Rhythmus ich atmen musste. Langsam beruhigte sich mein Herzschlag etwas und ich strich die Tränen weg. „Wir sollten auch weg von hier.“ Ich sah die ältere Frau mit traurigen Augen an. „Ich würde lieber einfach nur sterben.“ Sie seufzte leise und nahm mich an der Hand. „Der Tod kommt noch früh genug. Aber nicht hier.“ Dann zog sie mich mit zu einer großen Tür und in einen weiteren Flur, der von der Halle wegführte.


*


Wir liefen durch das Gebäude. Wir flüchteten vor den herabfallenden Steinen, vor den Menschen, die sich im Gebäude kaltblütig ermordeten und denen, die die Organisation ANGST wimmernd am Boden sehen wollten. Im Grunde war es mir egal. Ich hatte mein Ziel erreicht: Newt war in Sicherheit, meine Freunde waren in Sicherheit, auch wenn ich mich nicht von ihnen richtig verabschieden konnte. Aber es war besser so, dass sagte ich mir, während ich die Tränen von meinen Wangen strich.
„Wir sollten bald hier raus sein, Felina.“ Ava Paige, die völlig außer Atem war, lief neben mir her. Ich wusste nicht, was sie vorhatte. Hatte sie noch einen Plan C, von dem ich nichts wusste? Oder wollte sie mich persönlich abliefern? Oder hatte sie gar selbst Angst? Sie stieß eine große Tür am Ende des Flurs auf und wir standen draußen im Freien. Eisiger Wind wehte mir ins Gesicht, um uns herum war alles eingeschneit und leicht frierend rieb ich meine Hände über meine Arme. Niemand schien hier zu sein, was mich schon ein wenig irritierte. „Und jetzt?“ Ratlos sah ich die ältere Frau an, die jetzt einen Zündschlüssel aus ihrem schwarzen Kittel zog. „Jetzt sorgen wir für unser Happy End, wenn du mich begleiten willst.“ Ich kniff meine Augen zusammen und versuchte zu erahnen, was Ava Paige von mir wollte. „Sie wissen schon, dass ich infiziert bin, oder?“ Die Frau nickte. „Ich bin auch nicht gesund, deshalb habe ich dafür gesorgt, dass du und ich unser Ende an einem schöneren Ort verbringen können.“ Ungläubig schüttelte ich den Kopf. „Was meinen Sie damit?“ Die Frau hatte ein kleines Lächeln auf dem Gesicht, das so ehrlich wirkte, dass mir das Herz für einen Moment aufging.
„Folge mir, wenn du bereit bist es herauszufinden.“ Wie liefen mit eiligem Schritt weiter und erreichten einen kleinen Parkplatz, der etwas abseits des Gebäudes lag. „Drück uns die Daumen, dass die Autos nicht beschädigt wurden.“ Ava Paige ging um einen der Range Rover, die dort halb eingeschneit standen, herum und öffnete dann die Fahrertür. „Bingo! Steig ein.“ Ich wartete nicht lange und gehorchte ihr sofort. Ich verstand zwar immer noch nicht alles, aber sie machte mich neugierig. Und ich hatte mittlerweile Vertrauen zu ihr. Sie hatte dafür gesorgt, dass meine Freunde ein friedliches Leben führen konnten.

Mit quietschenden Reifen fuhr sie los. Die Steine und der Schnee unter den Rädern wurden hochgeschleudert und landeten hinter uns auf dem Boden. Ava Paige raste die schmale Straße hinunter. Gebannt sah ich zu, wie der Gebäudekomplex, den ich mal meine Heimat genannt hatte, hinter uns verschwand. Ava Paige steuerte den Wagen durch den Wald, immer bedacht, der Straße zu folgen.
„Ich weiß, es sieht vielleicht nicht aus wie ein Happy End, aber wir können es ja zu einem machen, solange wir dazu in der Lage sind.“ Sie lächelte mir zu. Für mich wirkte alles immer noch surreal und ich ließ mich in den Sitz sinken und sah auf die Umgebung. Es war alles wie in einem Traum. Vielleicht war das ja auch der Anfang und mein Kopf spielte mir diese Bilder vor. Vielleicht bekamen die Stimmen in meinem Kopf jetzt ein Gesicht.

Wir fuhren eine gute Stunde, in der ich immer wieder einnickte und durch das Schaukeln des Wagens wieder aufgeweckt wurde. „Felina, mach dich bereit.“ Schlaftrunken setzte ich mich auf und sah aus der Frontscheibe auf das, was jetzt vor uns auftauchte. Ava Paige war irgendwann abgebogen und war dann quer durch den Wald gefahren. Überall waren nur Bäume und dazwischen, dieser schmale Pfad, auf dem das Auto gerade genug Platz hatte. Jetzt schienen die Bäume etwas lichter zu werden und machten den Blick frei auf eine kleine Lichtung. Alles war verschneit, aber das kleine Haus erkannte ich trotzdem. Es hatte zwei Etagen und einen kleinen Balkon. Auf der Veranda stand eine kleine Bank, die mit Schnee bedeckt war. Es sah aus wie ein Häuschen aus einem Märchen. Es wirkte so fehl und doch richtig. Ein kleines Lächeln schlich sich auf mein Gesicht. „Was ist das?“ Die ehemalige Kanzlerin parkte das Auto und schaltete den Motor aus. „Das ist unser letztes Zuhause. Das ist jetzt dein Zuhause.“
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