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Chasing Hope

von Dreamer5
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Harriet Newt OC (Own Character) Sonya Teresa Agnes Thomas
16.03.2018
02.01.2021
55
104.540
16
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22.11.2020 1.624
 
Unser Blickkontakt war so intensiv und mein Herz schlug so schnell in meiner Brust. Die Zeit schien für einen Moment angehalten zu haben. Alles war so still, nur mein Herz hörte nicht darauf und pochte lauter denn je. „Ich kann dich doch nicht verlieren.“ Newts Worte waren so leise, es schien, als würden sich nur seine Lippen bewegen und die Stimme würde ich mir einbilden. Aber selbst wenn ich mir die Stimme nur einbildete, sah ich den Schmerz in seinem Gesicht. Seine Augen waren so kraftlos, sein Gesicht leicht gerötet. Eine kleine Schramme an seinem Gesicht verriet mir, dass ich ihn wohl mit einem der Gegenstände getroffen hatte, dennoch blieb er bei mir. Ich schluckte den Kloß in meinem Hals herunter, überlegte, was ich sagen konnte.
„Du verlierst mich nicht. Du lässt mich an einen besseren Ort gehen. Und ich werde immer hier sein.“ Ich legte meine zitternde Hand vorsichtig auf seine Brust. „Aber das ist nicht das gleiche.“ Ich versuchte die aufkommenden Tränen zu unterdrücken und setzt ein kleines Lächeln auf. „Ich werde immer hier sein. Aber ich halte das nicht länger aus.“ Newt verstand, dass ich nicht nur von dem Virus sprach, der mir höllische Schmerzen zufügte, sondern auch die ganze Situation. Ich war am Rande meine Kräfte. Der Blonde nickte traurig und wischte mit seinem Handrücken die Tränen von seinem Gesicht. „Ich möchte keinen Abschied von dir. Ich möchte bei dir bleiben, bis zum Ende. Lass uns dich retten, solange wir die Chance dazu haben.“ Ich unterdrückte einen weiteren Schluchzer und legte meine Arme um den Jungen vor mir, der mein Herz besaß. „Es geht nicht um mich, Newt. Du musst dich in Sicherheit bringen. Rette dich und die anderen, bringt alle an einen sicheren Ort.“ Newt nickte und löste dann meine Hände von seinem Hals. „Es ist mir egal, was Dr. Paige sagt, ich nehme dich mit und auch wenn du keine Heilung willst, ich nehme dich mit. Ich lasse dich nicht an diesem Ort zurück. Niemals!“ Ich sah kurz auf die Gestalten hinter uns. Ein ungutes Gefühl überschlich mich, aber ich sagte nichts gegen Newts Aussage.

Da wir immer noch auf dem Boden saßen, nahm Newt meine Hand und zog mich hoch. Ich hatte ein wenig Schwierigkeiten mich auf den Beinen zu halten, weshalb Newt mich noch mehr stützen musste, als auf dem Weg hierhin. Die anderen im Raum verstanden auch, dass es jetzt Zeit war weiter zu gehen.
Gemeinsam liefen wir an den Trümmern vorbei, kletterten über heruntergefallene Lampen und vorbei an eingerissenen Wänden. Das hier war ein Ort der Zerstörung, alles war einsturzgefährdet und es war nur eine Frage der Zeit, bis uns alles auf den Kopf fallen würde. Wir liefen immer weiter ins Innere des Gebäudes, auch hier sah es nicht besser aus.
„Es ist nicht mehr weit.“ Ava Paige lief neben uns her, sie wirkte sehr erschöpft und älter als sie eigentlich war. Ich hatte das Gefühl, dass sie nicht mehr lange dieses Tempo beibehalten konnte. Aber ich traute mich auch nicht bei ihr nachzufragen.


*


Wir waren an einer größeren Halle angekommen, auch hier waren schon die ersten Spuren der Zerstörung zu entdecken. Newt hielt mich immer noch an der Taille fest und keuchend rang ich nach Luft. Wir waren nicht so schnell gerannt wie früher im Labyrinth, aber ich hatte auch nicht mehr die Kraft und Ausdauer von früher. Vor uns an der Wand war die silberne Scheibe, an die ich mich immer noch gut erinnern konnte: Ein Flat Trans. Damit hatte damals unsere Reise in den Untergrund der Brandwüste begonnen. Aber ich war mir sicher, dass dieser Teleporter die anderen diesmal nicht an so einen schrecklichen Ort bringen würde.
„Wenn ihr dadurch geht, erwartet euch die Freiheit. Dort wartet das Paradies.“ Ava Paige sah mit leuchtenden Augen auf die silberne Scheibe. „Dort wartet der Neuanfang der Welt auf euch.“ So kraftlos die ältere Frau eben noch ausgesehen hatte, jetzt war es, als wäre sie ausgetauscht worden. So strahlte so viel Energie aus. „Ihr habt nicht viel Zeit. Ihr müsst los!“ Sie nahm Thomas am Arm und zog ihn mit zum Flat Trans. „Das ist der Weg hierheraus. Ich wünsche euch allen viel Glück und ein langes und gesundes Leben. Die Tests sind offiziell vorbei. Rettet euch und die Menschen nach euch. Beschützt die Welt und werdet glücklich.“ Eine kleine Träne lief aus ihrem Augen, die sie schnell versteckte. Ich presste meine Lippen aufeinander. Ich konnte sie verstehen, sie hatte sich gegen ihre Organisation gestellt und hatte heimlich die Rettung dieser ganzen Menschen geplant. Da durfte sie auch sentimental werden. Die Kanzlerin drehte sich zu Thomas, der für einen kurzen Moment leuchtende Augen bekam. Die Erleichterung, die die Halle füllte, hätte ich mit meinen Händen greifen können. Aber mich selbst erreichte sie leider nicht. Denn mein Schicksal sah anders aus. Ich wich einen Schritt zurück von den anderen, aber Newt war sofort an meiner Seite und sah mir tief in die Augen. Das war unser Abschied, ich macht mich auf alles gefasst.
„Das ist der Weg aus der Hölle, Feli. Wir haben es geschafft.“ Er griff nach meiner Hand, die schlaff an meinem Körper hing. Ich konnte kein glückliches Gesicht für Newt aufsetzen, so sehr ich es wollte, aber ich konnte es nicht mehr. Ich hatte kaum noch Energie. „Ich wünsche dir ein wundervolles Leben. Pass auf die anderen auf und pass auf dich auf.“ Ich wich dem traurigen Blick von Newt aus. Tränen füllten meine Augen und rollten meine Wange herunter. „Das ist kein Abschied. Du kommst mit, Felina. Ich kann dich nicht hier lassen. Du bist meine Freundin.“ Eine Stimme von hinten ließ uns beide zusammenzucken.
„Sie kann nicht mitkommen, Newt!“ Ava Paige war hinter uns getreten und sah uns beide traurig an. „So sehr ich euch ein glückliches Leben gemeinsam wünsche, Felina ist nicht gesund. Es gibt nur eine Regel, um die Menschheit zu retten. Es dürfen keine Infizierten durch den Flat Trans.“ Ich nickte und rückte ein Stück weg von Newt und blieb neben der Kanzlerin stehen. Schuldbewusst sah ich zu Boden, natürlich hatte ich das gewusst, aber die Heilung wollte ich dennoch nicht. Ich konnte einfach nicht mehr weitermachen. Das Pochen in meinem Kopf wurde wieder etwas stärker und ich zog unbewusst die Schultern höher.
Newt war die Wut ins Gesicht geschrieben und er öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, aber es kam kein Ton heraus. „Ich habe es euch bereits vorher gesagt, es dürfen keine Infizierten auf die Insel. Wir müssen die Zukunft schützen, es gibt keine andere Möglichkeit. Es tut mir wirklich leid, Newt.“ Ava Paige nahm meine Hand und drückte sie leicht. Das sollte eine einfühlsame Geste sein, aber ich glaubte eher daran, dass es sie selbst trösten sollte. Ihr fiel diese Entscheidung auch nicht leicht, aber ich konnte diese Regel sehr gut verstehen. „Aber wir können Felina doch nicht hier lassen.“ Thomas hatte sich von vorne zu uns gekämpft und stellte sich nun neben Newt, während die anderen Menschen im Flat Trans verschwanden. „Sie darf aus dem gleichen Grund nicht gehen wie ich. Thomas, das ist die einzige Regel und es ist die einzige, die wir wirklich befolgen müssen. Es gibt keinen anderen Weg. Ich wünsche euch allen alles erdenklich Gute, aber diesen Wunsch kann und darf ich euch nicht erfüllen. Felina bleibt bei mir. Sie war sich dessen bewusst.“ Ich nickte vorsichtig. Ich hatte die Entscheidung selbst gefällt und ich stand zu ihr.

„Ich möchte mich von Felina verabschieden.“ Newts Augen waren auf mich gerichtet und Ava Paige ließ meine Hand los, damit ich zu Newt gehen konnte. Dieser ging ein Stück weg von Thomas und der Kanzlerin, ich folgte stumm. Newt hatte seine Hände zu Fäusten geballt und drehte sich langsam zu mir um. Er akzeptierte die Entscheidung nicht und ich verstand das. Aber ich hatte eine Entscheidung getroffen. „Ich möchte keinen Abschied von dir.“ Newt kam ein paar Schritte auf mich zu und sah mich mit Tränen in den Augen an. Ich schluckte den dicken Kloß in meinem Hals herunter und nahm Newts verkrampfte Hand in meine und drückte sie. Ich spürte, wie er verzweifelt nach einem Ausweg suchte. „Dann lass es keinen Abschied sein. Vergiss mich nicht, behalte mich gesund in Erinnerung.“
Der Blonde vor mir zog mich an der Hand näher zu sich und umarmte mich. Für einen Moment war ich vollkommen neben mir, dann legte sich meine Arme auch schon um seinen Körper. Ich sog seinen Duft in mir auf. Strich langsam über seinen Rücken und genoss die letzten Minuten von ihm, die ich je in meinem Leben haben sollte.
Newt löste sich langsam von mir und legte seine Hände auf meine Schultern. Er beugte sich etwas näher zu mir und sah mir in die Augen. Dann öffneten sich seine Lippen und es war als würde die Zeit still stehen. „Ich kann das nicht.“ Es ging alles so schnell, dass ich kaum noch reagieren konnte. Er nahm meine Hand und dann lief er auch schon los. Ich wurde mitgerissen, hielt mich gerade so auf meinen Beinen und keine drei Sekunden später verschwand ich gemeinsam mit Newt im Flat Trans. Ein stummer Schrei kam aus meinem Mund, als die kurze Dunkelheit des Teleporters mich umhüllte. Schockiert blieb ich auf der anderen Seite stehen. Ich ließ augenblicklich Newts Hand los und versuchte nicht hinzufallen. „Wir… Du… Newt… Das geht nicht.“ Ich rang nach Worten, fand keine, die auch nur im geringsten das aussagten, was ich sagen wollte. Ich war wütend und überrascht zugleich. Newt sah mich ebenfalls überrascht an. „Ich konnte nicht anders. Es war die einzige Möglichkeit dich nicht zu verlieren, ich konnte nicht.“ Fassungslos sah ich ihn an, ich war nicht in der Lage die ganze Situation in meinen Kopf zu bekommen. Irgendetwas war hier gewaltig schiefgelaufen.
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