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Chasing Hope

von Dreamer5
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Harriet Newt OC (Own Character) Sonya Teresa Agnes Thomas
16.03.2018
02.01.2021
55
104.540
16
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Dieses Kapitel
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21.09.2020 2.009
 
Der Tunnel schien sich noch länger zu ziehen als beim ersten Mal. Aber das lag wahrscheinlich an meiner fehlenden Energie. Ich fühlte mich seltsam. Es war als würde ich immer mehr die Kontrolle verlieren. Ich hatte das Gefühl in einer Hülle gefangen zu sein, in der ich nichts tun konnte. Jeder Schritt wirkte so mechanisch, als würde ich ihn nicht mehr beeinflussen können. Newt hielt mich immer noch fest, er war wieder etwas langsamer geworden, er schien bemerkt zu haben, dass ich Schwierigkeiten hatte sein Tempo zu halten. Es tat mir leid so eine Belastung für ihn zu sein. Ich wollte sein Leben nicht noch schwerer machen, als es jetzt schon war. Aber auf der anderen Seite wusste ich genau, wie das hier ausgehen würde. Es war bereits lange davor klar.
Der Gang vor uns wurde wieder heller, als Dr. Morn die Tür zum Beobachtungsraum des Labyrinths öffnete. Wir waren allein, niemand war hier.

„Vielleicht kommt Thomas noch.“ Newt hatte mich vorsichtig abgesetzt und sah sich nun nach einer Spur von seinem besten Freund um. „Das kann natürlich sein.“ Ava Paige stand an einem der Computer, die nicht mehr in Benutzung waren. „Er könnte ebenso im Labyrinth sein und die anderen holen. Wir müssen so viele retten wie möglich. Das weiß er.“ Newt nickte und sah dann kurz zu mir.  Er hatte immer noch nicht aufgegeben, es war erstaunlich, wie sehr er daran glaubte, dass ich wieder gesund werden würde. Aber keine konnte mehr etwas sagen, als ein gewaltiger Knall alle Geräusche durchschnitt. Der Boden unter meinen Füßen fühlte sich auf einmal wackelig an. „Eine Explosion?“ Erschrocken sah ich zu Newt, der das Wort ausgesprochen hatte, das ich mich nicht getraut hatte. „Wir haben weniger Zeit als ich dachte. Ich hoffe sehr, dass Thomas bereits im Labyrinth ist.“ Dr. Paige hatte den Tisch vor ihr so fest im Griff, dass ihre Fingerknöchel weiß hervortraten. Dann donnerte es ein weiteres Mal und dann kam eine ganze Welle an Explosionen. Das ganze Gebäude fing an zu wackeln und die Bildschirme ruckelten auf den Tischen, fielen teilweise zu Boden und dann fingen an auch die anderen Gegenstände zu fallen. Wie Dominosteine schien alles langsam in sich zusammen zu fallen. „Was machen wir jetzt?“ Ich war mittlerweile aufgesprungen und sah mich schockiert um. Verzweifelt sah ich zur Kanzlerin, die jetzt nur noch langsam den Kopf schüttelte, sie schien gar nicht wirklich ansprechbar zu sein. „Was machen wir jetzt?“ Ich schrie die Worte in ihre Richtung. Mein Blick wanderte zu Dr. Morn, der ebenfalls unsicher aussah. „Wir müssen den Plan umsetzen, wir sollten alle Immunen in Sicherheit bringen.“ Newt fuhr zusammen. „Aber Felina ist noch nicht gesund und Thomas ist noch nicht da. Und die ganzen Menschen im Labyrinth.“ Newt sah auf die heruntergefallenen Bildschirme. Er schien nachzudenken, sein Gesichtsausdruck war so angestrengt. Er hatte etwas vor, etwas was ihn in Gefahr brachte. Vielleicht sogar uns.

„Ich werde diese Menschen nicht sterben lassen!“ Dann rannte er auf einmal los und kletterte die Leiter hoch zum Eingang ins Labyrinth. Ich wollte ihm folgen, aber etwas hielt mich ab. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich sah zu, wie er immer höher kletterte und auf einmal weg war. Eine tiefe Traurigkeit überkam mich. Was wenn ihm da etwas passieren würde?
Schritte hinter mir rissen mich wieder zurück ins Jetzt. „Die Griewer, sie werden sich automatisch anschalten. Das ist ein Schutzmechanismus. Wir müssen sie ausschalten, sonst werden noch mehr Menschen in den Tod gerissen.“ Dr. Morn zeigte auf die silbernen Kapseln, die am Rande des Raumes standen. „Wie macht man sie aus?“ Von hinten ertönte die Stimme von Ava Paige. „Die Trommel, ihr müsst sie rausziehen. Sie ist unter dem Schleim.“ Sie schien sich wieder gefangen zu haben und kam auf uns zu. Sie nahm mich an der Hand und zog mich zu den Kapseln. „Mit diesem Knopf öffnen sich die Klappen.“ Die ältere Frau bestätigte einen kleinen Schalter an der rechten Seite der Kapsel, der mir nie aufgefallen wäre. Ein leises Summen ertönte und die Klappe an der Front öffnete sich und ließ den Blick frei auf den schlafenden Griewer. Diese Monster waren so furchtbar und selbst der bloße Gedanke und die Dinge die sie damals angerichtete hatten, ließ mich erschaudern. „Sie machen nichts, solange sie aus sind.“ Dann griff Dr. Paige in die schleimige Haut des Monstrums und kurz darauf ertönte ein leises Klacken. „Einer erledigt. Wir müssen uns beeilen. Los!“ Mein Körper reagierte auf den Befehl bevor mein Kopf es wirklich verstand. Ich stand vor einer der Kapseln und tat das gleiche wie die Kanzlerin kurz davor. Der Schleim fühlte sich kalt und prickelig an. Es war seltsam dem Griewer so nah zu sein. Nach kurzem Tasten spürte ich etwas kantiges und zog daran, dann war auch schon wieder alles vorbei. Ich zog meine Hand aus dem wulstigen Körper hervor und ging zum nächsten Griewer. Bevor ich jedoch wieder den Knopf betätigen konnte erschütterte eine weitere Explosion des Gebäue.
„Wie viele davon werden noch kommen?“ Die Kanzlerin sah mich an. „Die Bomben sind nicht von uns. Deswegen müssen wir noch schneller sein. Wenn Thomas und Newt wiederkommen dürfen wir keine Zeit verlieren. Wir müssen so schnell wie möglich rennen. Hast du das verstanden, Felina?“ Ich nickte und machte sofort weiter mit den Griewern.

Es vergingen weitere zehn Minuten, in denen wir es schafften alle Griewer auszuschalten, aber von Newt war noch keine Spur zu sehen. Die Explosionen waren zwar verklungen, aber immer wieder stürzten Teile der Decke herunter. Wenn irgendwo eine leichte Erschütterung durchs Gebäude drang, krachte knapp um uns herum etwas zu Boden. Wir waren zum Glück noch nicht getroffen worden. Langsam machte ich mir Sorge. Natürlich brauchten sie Zeit aus dem Labyrinth zu kommen, aber wenn es noch mehr Explosionen gab, dann würde hier bald kein Gebäude mehr stehen. Und wir würden alle unter Schutt begraben liegen.

Nervös starrten wir auf die Rutsche, die vom Labyrinth herunter führte. Sie war der schnellste Weg herunter, auch wenn die Erinnerung daran mich wieder schütteln ließ. Vielleicht würden sie doch die Leiter nehmen. Aber vielleicht würden sie es auch nicht schaffen. „Sag das nicht, Felina.“ Erschrocken drehte ich mich zur Kanzlerin, die mich aus traurigen Augen ansah. „Bitte?“ Ich wusste nicht, was sie meinte. „Sie werden kommen. Sie geben nicht auf.“ Ich nickte nur leicht, konnte die Frau Gedanken lesen? Dr. Morn drehte sich zu der älteren Frau und murmelte leise etwas zur Kanzlerin. Ich verstand es nicht, aber es schien mich zu betreffen.


Nach einer gefühlten Ewigkeit wurden Stimmen von oben laut und ich hörte das Schleifen der Klamotten auf der Rutsche. „Jetzt los!“ Dr. Morn lief auf die Gestalten zu, half ihnen auf und schickte sie ans andere Ende des Raumes. Auf einmal stand Thomas vor mir. Er sah mich traurig, leicht ängstlich und sehr mitleidig an. Wenn Newt ihn getroffen hatte, hatte er bestimmt kurz erzählt was los war. „Wir haben keine Zeit, Thomas. Wir müssen los. Das Gebäude fällt immer mehr in sich zusammen.“ Ava Paige schnappte Thomas am Arm, der die Frau sofort von sich abschüttelte. „Wir müssen noch eine Sache vorher tun. Ich habe es Newt versprochen.“ Ich wich erschrocken zurück. Newt hatte es ihm wirklich erzählt. Er ließ einfach nicht locker. Ich spürte wieder, wie mir heiß wurde. Dieser Kerl war einfach unmöglich. „Wir haben andere Probleme, Thomas. Wir müssen die Leute retten.“ Thomas nickte. „Wir retten sie. Und dich auch.“ Ich schlug ihm wütend gegen den Arm. „Verdammt, lasst es doch endlich. Es ist vorbei. Es muss alles ein Ende finden. Und meins kommt jetzt.“ Erschrocken über diesen Ausbruch sah mich Thomas an. Dann verfinsterte sich sein Blick. „Ich lasse dir keine Wahl. Alle oder keiner.“ Wieder ließ ich meine Hand auf seinen Körper schellen, jedoch ergriff er meine Hand bevor ich ihn berühren konnte.
„Was tut ihr?“ Newt war neben uns aufgetaucht, er war wohl mit als letzter heruntergekommen. „Sie will es nicht machen.“ Thomas wand seinen Blick nicht von mir ab. Er schien wütend zu sein. Wütend auf mich. Immer noch hielt er meine Hand fest in seiner. Er drückte etwas fester zu und ich spürte den Schmerz in meinem Handgelenk. „Selbst wenn du mir jetzt die Hand brichst und mir weiter drohst, es gibt wichtigeres.“ „Wichtigeres als meine Freundin? Wichtigeres als deine Zukunft?“ Ich sah zu Newt, der völlig ausgelaugt aussah.
„Ich werde es nicht nehmen. Ich habe lange genug gelitten. Habe ich kein Recht auf meinen Frieden?“ Ich sah Newt in die Augen. Er starrte mich stumm an. Aber ich sah in den Augen meiner Freunde, dass ich längst kein Mitspracherecht mehr hatte. Ich durfte mich nicht dagegenstellen, aber ich tat es dennoch. Ich sah keine Zukunft mehr. Ich wollte doch nur ein Ende. „Der Virus wütet schon so lange in mir, ich habe schon so viel verloren, das Mittel wird doch nur den weiteren Verfall aufhalten, aber ich habe doch schon fast alles verloren.“ Thomas hatte meine Hand losgelassen und sah uns beide nun an. „Was ist mit mir? Bin ich dir so egal, Felina?“ Newts Schrei tat mir in den Ohren weh und ich presste die Hände auf meine Ohren. „Es dreht sich nicht alles um dich.“ Newt war mir bedrohlich nahegekommen. „Und was ist mit mir? Warum zählt meine Meinung gar nicht? Warum darf ich über mein Leben nicht selbst entscheiden?“ „Weil ich es auch nicht durfte. Wurde ich gefragt?“ Newt zischte die Worte verachtend in mein Gesicht. Er nahm es mir also übel. Und natürlich hatte er einen guten Grund, aber ich wollte es nicht akzeptieren.
Zitternd ließ ich mich zu Boden gleiten und zog meinen Körper eng an mich. Ich war so kraftlos, das Schreien strengte mich so an, mein Hals tat weh und die Stimmen in meinem Kopf wurden nach Newts Schreien auch wieder lauter. Ich presste meinen Kopf zwischen meine Knie und schloss die Augen. Es war so schwarz, so leer. Warum konnte es nicht so bleiben? Das ich im Nichts aufwachte. Ohne ANGST, ohne den Brand, ohne dass mir die Decke auf den Kopf fiel, wenn ich nicht aufpasste.

Ich spürte Berührungen auf meinem Körper, aber ich reagierte nicht, ich spürte die Hände, die nach meinen Griffen, aber ich ließ nicht locker. Es war mein Körper, er gehörte mir und niemandem sonst. Vollgeladen mit Adrenalin, bei der ich selbst nicht wusste, wo sie herkam, sprang ich auf und schnappte mir die nächsten Gegenstände, die herum lagen. „Kommt mir nicht zu nahe!“ Ich warf Becher, Tastaturen und Stücke von der Decke auf die beiden Jungs vor mir. „Ihr bekommt mich nicht! Niemals werde ich mich euch ergeben.“ Immer noch brüllend warf ich Dinge auf die Gestalten, die sich immer weiter von mir entfernten. „Felina!“ Sie riefen meinen Namen, versuchten wieder näher zu kommen, aber ich warf alles, was ich in die Finger bekam. Ich würde nicht aufgeben, ich wollte ein letztes Mal gewinnen. Ich hatte es doch auch verdient einmal zu gewinnen. Schluchzen und Keuchen verließen meinen Mund. Hätte ich nicht gewusst, dass sie von mir kamen, hätte ich Angst bekommen ein wildes Tier wäre hinter mir. Thomas und Newt zogen sich weiter zurück, suchten etwas Schutz hinter den Schreibtischen. Newt schrie immer noch meinen Namen, aber es ging alles an mir vorbei. Die Splitter knirschten unter meinen Schuhen, als ich ihnen langsam folgte. „Ich will doch auch nur Frieden.“ Dann bemerkte ich die Tränen, die mein Gesicht herunter tropften und meinen Pulli befeuchteten. Ich konnte nicht mehr.  So schnell wie das Adrenalin gekommen war, so schnell war es auch wieder verschwunden. Ich ließ mich wieder langsam zu Boden gleiten. Meine Beine konnten mein Gewicht nicht mehr tragen und mein Kopf brannte wie Feuer.

Leise kamen die Worte an mein Ohr. „Felina, lass uns dir helfen. Lass uns nicht im Stich. Du bist eine Kämpferin. Gib nicht auf.“ Langsam hob ich den Kopf und sah in die müden Augen von Newt, der jetzt vor mir kniete. „Ich kann das alles nicht mehr. Bitte lass mich gehen.“ Erschöpft hob ich meine Hände und umfasste Newts Gesicht. Er was so nah bei mir.
„Bitte Newt, bitte.“
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