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Chasing Hope

von Dreamer5
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Harriet Newt OC (Own Character) Sonya Teresa Agnes Thomas
16.03.2018
02.01.2021
55
104.540
16
Alle Kapitel
76 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
27.07.2020 2.099
 
Hallo zusammen, hier bin ich wieder mit einem neuen Kapitel.
Es ist diesmal nicht aus Felinas Perspektive geschrieben, sondern aus der dritten Person. Also nicht wundern. :)
Ich freue mich sehr über Reviews zur Geschichte. Und nun ganz viel Spaß.




Der Wind wehte kalt um Thomas. Schneeflocken hatten sich in seinem dunklen Haar verfangen und schmolzen teilweise. Er fror jedoch nicht, er schien auch nichts von der Kälte zu merken. Seine Gedanken kreisten. Das junge Mädchen hatte er auf seinen Rücken gezogen. Den Rucksack den er dort vorher hatte, war nun an seiner Brust.
Felina war so leicht. In den Klamotten hatte er es nicht wirklich gesehen, aber als er sie hochgehoben hatte, erschrak er. Ihr ging es gar nicht gut und er konnte sie nicht so im Wald lassen.
Felinas dunkelblonden Haare waren über seine Schulter gerutscht und kitzelten ihm am Hals, aber er wollte sie nicht wegstreichen. Angst, er könnte dann den Griff an ihr verlieren und sie würde wieder runter rutschen. Er musste so weit wie möglich kommen. Ihre Fußspuren leiteten ihn in die Richtung, in der das Hauptquartier von ANGST lag. Sein Kopf arbeitete die ganze Zeit. Er versuchte alle Informationen miteinander zu verbinden. Er hatte Felina nicht einmal gesagt warum er da war. Sie war so abweisend gewesen. Wenn er darüber nachdachte, hatte er das Gefühl sie schon längst verloren zu haben. Die aufkommenden Tränen blinzelte er weg. Er war niemand, der viel weinte, aber die Situation schien ihm gewaltig über den Kopf zu wachsen. Er hatte so viel aus der Vergangenheit erfahren, aber er fühlte sich immer noch so machtlos und unvollständig. Ihm fehlten Teile, die er sich auch nicht weiter zusammenreimen konnte. Er hoffte auf Antworten, hoffte darauf, dass es tatsächlich einen Ausweg gab.

Je weiter er vorankam, desto mehr hatte er Angst Felina könnte aufwachen. Er konnte noch nicht einschätzen, wie weit sie gekommen waren.
Wenn Felina wach werden würde, würde sie handgreiflich werden? Würden sie ihn nur anschreien? Würde sie vielleicht wieder gehen? Und auf jede dieser Fragen hatte er keine Ahnung, wie er reagieren sollte. Er hatte so instinktiv gehandelt. Er hatte nicht nachgedacht, ihm war nichts anderes in den Sinn gekommen. Thomas ärgerte sich etwas. Er hätte noch mehr Antworten gebraucht. Er hätte ruhiger sein müssen, aber sie war auch seine Freundin. Er konnte nicht anders.
Mittlerweile ziemlich erschöpft lehnte er sich kurz an einem Baum an. Lange konnte er nicht mehr weiter machen. Es wurde immer dunkler und auch seine Kräfte ließen nach. Er brauchte eine Pause, auch wenn er innerlich nicht bereit für eine Pause war. Sein Kopf war zu voll um Ruhe zu finden.  


Thomas hatte Felina vorsichtig abgesetzt. Sie lehnte an einem Baum und schien eins zu sein mit dem Schnee. Ihre Haut war so blass und kurz hatte Thomas Angst, dass sie zu kalt bekommen hatte. Er suchte nach ihrem Puls und atmete erleichtert aus, als er ihn fand. Es schien alles in Ordnung zu sein. Sein Herz klopfte laut in seiner Brust, als er eine Haarsträhne von Felina zur Seite schob. Er konnte sie nicht verlieren. Er wollte sie nicht verlieren. Sie war ihm so wichtig und Newt war sie wichtig. Er konnte sie nicht aufgeben lassen.
Thomas zog seine Jacke aus und legte sie über Felinas Körper. Bevor er sich jedoch von ihr abwand zog er ein Seil heraus, das in seinem Rucksack war. Er konnte nicht zulassen, dass sie ging. Er wusste nicht wie stark das Mittel war. Gally hatte ihm nichts dazu gesagt. Er hatte ihn nur zur Seite gezogen und ihm mit einem Händeschütteln die Spritze gegeben. Gallys Augen hatten ihn traurig angesehen. <Ich hoffe, dass du es nicht brauchen wirst.> Der Gedanke ließ Thomas schütteln. Ein paar Tage war diese Begegnung her, aber es fühlte sich an wie eine Ewigkeit.

Thomas suchte ein paar kleine Hölzer, ehe er ein kleines Feuer entfachte. Es wärmte ihn etwas und auch Felina bekam etwas Wärme ab. Traurig sah er sie an. Das war einer der Momente, in denen er sich wünschte, dass alles anders war. Er wollte keine Angst vor seiner Freundin haben, er wollte keine Angst davor haben, dass alle seine Freunde starben. Er hatte Angst. Und so ungern er es sich eingestehen wollte, aber er konnte das nicht mehr lange durchhalten.


*


Felina war nicht mehr wach geworden, sie schien immer noch tief zu schlafen. Kurz musste Thomas an das Märchen von Dornröschen denken. Er wusste nicht mehr, wer es ihm erzählt hatte, aber es war in seinem Kopf. Nur, dass er nicht der Prinz war, sondern er war die böse Fee die dafür gesorgt hatte, dass Dornröschen schlief. Tief atmete er noch einmal ein, ehe er mit Felina auf dem Rücken weiter voranschritt. Er musste ANGST endlich erreichen.


Thomas kam es wie Minuten vor, dabei waren es bestimmt Stunden gewesen. Abrupt blieb er stehen. Das Geräusch von Wasser an seinem Ohr schien so gar nicht zum tiefen Wald zu passen. Es war kein Plätschern von einem Fluss oder einer kleinen Quelle. Es waren Wellen. Wellen, die sich an Steinen brachen. Thomas zog Felina ein Stück näher an seinen Körper und eilte auf das Geräusch zu. Er hatte das Meer nicht in Erinnerung. Er wusste was das Meer war, hatte Bilder im Kopf, aber sie fühlten sich so weit entfernt an. Der Wind wurde stärker und wehte eisig um seinen Körper. Die Kiefern wurden weniger und immer mehr Licht schien in den Wald zu dringen. Der Boden vor ihm veränderte sich. Der Schnee war nicht mehr so tief. Teilweise war er gar nicht mehr vorhanden und Stein und Erde hinterließen Punkte in dem weißen Teppich. Thomas atmete die Luft ein. Er schmeckte das Salz in der Luft, hörte das Rauschen der Wellen, das so nah war. Dann hörte der Wald einfach auf und er stand an einem Abhang. Keine zwei Meter von ihm ging es steil bergab und er konnte auf das dunkle Meer sehen. Die Gischt schwappte gegen die schroffen Felsen unter ihm. Es war das absolute Gegenteil von dem Kiefernwald hinter ihm. Der Wald hatte etwas heimisches, schien alle Geräusche zu schlucken. Das Meer hingegen war laut und unberechenbar. Eine dicke Welle knallte abermals gegen die Steinwand und Thomas erschrak vor dem Lärm. Er atmete noch einmal die salzige Luft ein, ehe er sich langsam nach rechts drehte und auf den Klotz sah, der anderthalb Kilometer von ihm weg lag. Das war es also. Da war das Hauptquartier von ANGST und sie hatten ihn bestimmt schon entdeckt.

Thomas hatte das Gefühl sicher einer Ruine zu nähern. Überall waren Risse in den weißen Wänden, die nicht mehr ganz so weiß wirkten. Dieser Ort hatte seine beste Zeit hinter sich. Aber was hatte er auch erwartet. Er schien mit jedem Schritt langsamer zu werden. Es gab keinen wirklichen Plan in seinem Kopf. Er hatte nur diese eine Aufgabe und er hatte Felina dabei. Er musste improvisieren.
Er blieb vor der silbernen Tür stehen. Sollte er klopfen? Unsicher sah er sich um. Die Entscheidung wurde ihm abgenommen, als die Tür mit einem Klicken geöffnet wurde. Janson stand direkt vor ihm und Thomas spürte die Wut in sich. Er hasste diesen Mann. Er konnte mit Worten kaum beschreiben, wie furchtbar er diesen Mann fand. Ein hämisches Grinsen breitete sich auf dem Gesicht des Mannes aus. „Willkommen zurück, Thomas. Keiner hat mir geglaubt, aber ich habe immer gesagt, dass du zurückkommst. Ich freue mich, dass du das Richtige getan hast.“ Dann wurde die Tür ein Stück weiter geöffnet und Thomas konnte mit Felina auf dem Rücken eintreten. „Besuch hast du uns auch noch mitgebracht. Eigentlich hatte ich nur dich erwartet.“ Thomas schenkte Rattenmann einen bösen Blick und sah sich dann in der Halle um. Dort standen ein paar Sofas und ein Tisch. Es wirkte wie eine Wartehalle und Thomas setzte Felina vorsichtig auf einem hellen Sofa ab. Janson sah aus der Entfernung zu, wie Thomas Felina seine Jacke überlegte und sie kurz betrachtete. Sie wirkte immer noch so blass und leer. Was hatte er nur getan? Was wenn sie nicht mehr aufwachen würde? Aber er wollte sich auch nicht alleine hier lassen. Er traute hier keinem.
„Thomas, wir müssen noch ein paar Sachen besprechen. Ich kann einen Arzt rufen, er schaut dann nach ihr.“ Thomas war nicht begeistert von der Idee, hatte aber auch keine andere Idee, um bei Felina zu bleiben. Schweren Herzens ließ er Jansons Vorschlag zu: „Na gut.“

Thomas folgte Janson den Gang herunter als ihm wieder das kleine schwarze Kästchen in seinem Rucksack einfiel. Er hatte eine Aufgabe zu erledigen. „Ich müsste nochmal kurz auf Toilette.“ Innerlich zitterte Thomas, aber Janson schien nichts von seiner Unruhe zu bemerken. „Hier vorne die Tür.“ Thomas trat, ohne noch etwas zu sagen, ein und schloss die Tür. Er fühlte sich unwohl, seine Nerven waren gereizt. Er hatte das Gefühl alles zu vergessen. Er zog das schwarze Kästchen aus seinem Rucksack und aktivierte es. Das Gerät wirkte so harmlos, aber es würde den ganzen Laden lahm legen, wenn die Zeit gekommen war. Thomas betätigte die Spülung und legte den schwarzen Kasten auf den Schrank. Hier würde es keiner entdecken. Noch einmal atmete Thomas tief ein und schloss dann die Tür auf. „Fertig?“ Rattenmann sah ihn genervt an. Thomas nickte und gemeinsam betraten sie das Büro von Janson.

Das Büro war nicht leer. Zwei weitere Personen saßen auf zwei schwarzen Sesseln und sahen die beiden Eintretenden an. Ihre Miene war wie versteinert. Keiner der beiden sagte etwas und etwas unsicher setzte sich Thomas auf den Stuhl zwischen die beiden. Janson zeigte auf die Dame mit den roten Haaren. „Das ist Dr. Wright, unsere leitende Psychologin.“ Dann fuhr seine Hand zu dem glatzköpfigen Mann. „Dr. Christensen, unser Oberarzt. Wir haben einiges zu besprechen.“ Thomas unterbrach den Mann, der jetzt hinter dem großen Schreibtisch saß. „Warum bin ich der Auserwählte?“ Janson atmete kurz leise ein. „Es gab mehrere Personen, bei denen wir die Hoffnung hatten, dass sie die richtigen sind. Aber am Ende warst du die Person, die sich durch den Hang zum freien Denken qualifiziert hat. Du hast nicht das getan, was man von dir verlangt hat.“ Thomas fand den Gedanken grotesk, ging aber nicht weiter darauf ein.
„Bringen wir es einfach hinter uns.“ Thomas war genervt von der Situation, er wollte gerne nach Felina sehen. Wollte Newt suchen gehen, aber er wusste, dass er nicht die Möglichkeit dazu hatte. „Nicht so schnell. Du musst dir erst im klaren sein, was noch alles kommt.“ „Und was soll das sein?“ Der braunhaarige Junge wuschelte sich einmal durch die Haare. Sie waren durch den ganzen Schnee draußen immer noch etwas feucht. „Erzählen Sie ihm den Rest.“ Der glatzköpfige Arzt neben Thomas nickte Janson zu. „Den Rest?“ Thomas bekam eine Gänsehaut. „Ja, den Rest. Thomas all die Versuche und Variablen waren nur ein Teil. Der letzte Schritt ist etwas anders. Wir brauchen dein Gehirn.“

Es war still in dem Raum. Thomas hörte sich atmen. Er hatte im Gefühl, dass hier nicht alles mit rechten Dingen ablief, aber damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Sein Gehirn, das würde bedeuten, dass er sterben würde. „Ich weiß, dass ist nicht leicht zu verarbeiten. Aber wir könnten die ganze Menschheit retten. Auch deine Freunde.“ Thomas hatte das Gefühl den Boden unter den Füßen zu verlieren. „Was wenn es nicht funktioniert?“ Dr. Christensen räusperte sich leise. „Dann werden wir… weiterarbeiten.“ Thomas spürte die Wut in sich. „Wenn das nicht funktioniert fangen sie also einfach wieder von vorne an? Das kann doch keine Lösung sein.“ Er ballte die Hände zu Fäusten, aber der Arzt sah ihn beruhigend an. „Ich bin mir sicher, dass es funktionieren wird. Du hast die besten und robustesten Ergebnisse und wir sind sicher, dass du dich für das richtige entscheidest.“ Thomas Gedanken wanderten zu seinen Freunden. Felina hatte von einem Heilmittel gesprochen, aber davon schienen die Anwesenden nichts zu wissen. Aber er musste auch Zeit schinden. Der rechte Arm würde bald kommen. Thomas Herz hämmerte in seiner Brust. Es war so viel in seinem Kopf. Er hatte nicht das Gefühl alles zu begreifen. Es war einfach zu viel.
„Brauchst du einen Moment, Thomas?“ Thomas nickte leicht. „Wir gehen in die Medizinabteilung, in deinem Zimmer kannst du dich in Ruhe vorbereiten.“ Thomas hatte das Gefühl keine Luft zu bekommen. Es schien gerade alles aus dem Ruder zu laufen. „Thomas, hast du noch Fragen?“ Dr. Christensen hielt ihn am Arm. Thomas schüttelte den Kopf. „Bringen Sie mich einfach auf mein Zimmer.“ Der Arzt nickte und leicht taumelnd verließ Thomas mit den anderen drei Personen den Raum.
Die Tür ging mit einem leisen Klacken hinter ihm zu.
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